197.  Nıesune’s  Briefe  an  die  philologisch  -historische  Klasse  (1816  ff.).  403

genaue  Abschrift  der  Sallustianischen  Fragınente  für  den  fleifsigen  Herausgeber  derselben,
  Kreifsig.  Ich  bitte  Buttmann  oder  Böckh  die  Adresse  desselben,  die  ich
nicht  weils,  hinzuzufügen,  und  den  Brief  abzusenden.  Ich  empfehle  ihn  sehr,  er
hat  mich  ‚grofse  Mühe  gekostet.

Nächstens  werde  ich  die  Ehre  haben  einen  neuen  Bericht  zu  schreiben,  und

empfehle  ınich  bis  dahin  dem  Andenken  meiner  Collegen.
Niebuhr.

Gau’s  Beschreibung  des  Janusbagens.

Der  Bogen  des  Janus  in  Velabro  ist  von  den  Bruchstücken  des  sogenannten
fronton  des  Nero  erbaut,  wovon  noch  Ueberreste  im  Garten  Colonna  vorhanden  sind.

Eine  Oefnung  des  Bogens  liefs  mich  im  Innern  desselben  mehrere  architektonische
  Glieder  bemerken,  die  an  Gröfse,  Form  und  Charakter  der  Sculptur  vollkommen
  jenen  des  untertheils  im  Kranze  des  Hauptgesimses  von  oben  benannten
fronton  ähnlich  sind.  Eine  andere  Oefnung  an  der  neben  Seite  zeigte  mir  ein  Korinthisches
  Kapitäl,  welches  nach  Vergleichung  mit  meinen  Zeichnungen  von  ebendenselben
  Tempel  herrührt.  Die  eine  Hälfte  des  Kapitäls  mit  seinen  Blättern  und
Verzierungen  ist  nach  Innen  gekehrt,  die  andere  Hälfte,  glatt  behauen,  bildet  einen
Theil  der  aufsen-Seite  des  Fulsgestelles  des  Bogens.  Aehnliche  Bruchstücke,  wie
Säulenschäfte  etc.  finden  sich  im  Obern-Theil  der  Treppe.  Diese  Treppe,  in  die
Marmor-Masse  hineingehauen,  entstand  vermuthlich  in  den  Zeiten  der  Bürger-Kriege,
  wo  dieses  Monument  in  eine  Feste  oder  Burg  verwandelt  wurde.  Die
Teberreste  der  Ziegel-  Konstruktion  aus  dieser  Zeit  bilden  auf  der  obern  Fläche  des
Gebäudes  einen  grolsen  viereckigt  gewölbten  Raum,  von  allen  vier  Seiten  mit  einem
gewölbten  Gange  umgeben,  der  durch  kleine  Fenster  erleuchtet  wurde.

7-Nıesunr

  an  Berrmann.  (Original.)

Rom  am  Weihnachtstage  1819.

Liebster  Buttmann,  ich  hoffe  einen  Theil  wenigstens  meiner  mehrjährigen
Schuld  an  die  Akademie  abzutragen,  indem  ich  Ihnen  die  beygehende  Abhandlung
schicke  ,  deren  Umfang  so  grols  ist,  dafs  sie  mehr  Zeit  zum  Verlesen  erfordern
wird  als  sonst  manchnıal  drey.  Sie  werden  sie  auch  wohl  im  Vorlesen  theilen,  und
sie  wird  wenigstens  zweyımal  einen  erwünschten  Lückenbüfser  abgeben.

Mein  erster  Zweck  war,  womöglich  damit  einen  Nachdruck  des  gesammten
Eusebius,  sey  es  nun  der  Mailänder  oder  der  Venetianischen  Ausgabe,  zu  verhüten,
und  zu  veranlassen,  dafs  Jemand  vorläufig  die  allein  bedeutenden,  oder,  wenn  es
seyn  sollte,  alle  neue  Capitel  auf  wenigen  Bogen  abdrucken  lielse.  Dazu  wäre  der
Aufsaz  doclı  wohl  auf  jeden  Fall  zu  spät  gekommen;  um  so  mehr  da  er,  im  Julius
angefangen  und  im  August  vollendet,  nachher  liegen  geblieben  ist,  weil  ich  ilın
nicht  abschliefsen  wollte  ohne  der  Akademie  etwas  Anderes  zu  senden,  was  ich
doch  auch  jezt  nicht  schicken  kann.  Indessen  fürchte  ich  nicht,  dals  der  Aufsaz
an  sich  zu  spät  komme,  und  Andre  den  Inhalt  vorweg  genommen  haben  sollten.
Ich  hatte  mich  schon  hier  zu  Rom  mit  der  Geschichte  der  macedonischen  Dynastieen
beschäftigt,  und  das  thun  sehr  wenige.

Wenn  es  möglich  ist,  so  wünschte  ich,  dafs  die  Akademie  mir  dies  Stück
zurückgäbe  und  nicht  drucken  liefse.  Ich  wünsche,  so  lange  wir  unter  die  Censur
gestellt  sind,  gar  nichts  drucken  zu  lassen:  und  es  möchte  wohl  der  Überlegung
der  Akademie  werth  seyn  ob  man  sich  nicht,  so  lange  unsere  Rechte  aufgehoben
sind,  darauf  beschränken  sollte,  mathematische  und  physische  Abhandlungen  her-26°

