197.  Nıesune’s  Briefe  an  die  philologisch-historische  Klasse  (1816  ff.).  407

logischen  Untersuchung  ist  Scholz  so  sehr  als  nur  irgend  einer  geeignet;  und  dieser
Gegenstand  ist  zu  wichtig,  als  dafs  man  ihn  an  einen  einzigen  Nagel  hängen  darf.

Ich  schlage  also  der  Akademie  nicht  nur  vor,  Hrn.  Dr.  Scholz  dem  Königl.
Ministerio  zu  ‘empfehlen,  damit  er  sich  an  Hrn.  v.  Menü  anschliefsen  könne,  sondern
  ich  empfehle  diesen  Gedanken  auf  das  Dringendste  und  zur  möglichsten  Beschleunigung,
  weil  keine  Zeit  verloren  gehen  darf,  wenn  er  mit  Hrn.  v.  M.  von  hier
abgehen  soll.  Er  (Scholz)  geht  in  diesen  Tagen  nach  Neapel:  wenn  er  von  dort
zurückkoınmt,  wird  er  bey  mir  im  Hause  wohnen,  um  seine  sehr  angegriffenen
Ressourcen  zu  schonen.  Wie  leicht  könnte  ihm  die  Regierung  ein  provisorisches
Gehalt  geben!  Einen  so  seltenen  Gelehrten  wird  man  doch  nicht  fahren  lassen.

Niemand  würde  so  dazu  taugen,  die  mannichfaltigen  Dialecte,  nicht  nur  der
sogen.  aramäischen  Sprachen,  sondern  auch  des  neugriechischen  zu  untersuchen:
er  ist  ein  sehr  tüchtiger  Grammatiker.

Seine  Eigenschaft  als  katholischer  Geistlicher  würde  ihm  grofse  Vortheile  bey
allen  unirten  Christen  gewähren,  wie  er  —  überdies  von  aller  Bigotterie  frei  —
ihn  nie  zur  Unzeit  zeigen  würde.  Darf  ich  die  Akademie  kollektiv  und  einzeln
bitten,  sich  dieser  Sache  lebhaft  anzunehmen  und  mir  baldigst  Antwort  zu  geben?

2.  Gaus  Abschriften  der  Inschriften  sind  ein  Wunderwerk  von  Genauigkeit
und  eine  ungeheure  Arbeit,  die  eine  Remuneration  verdient.  Ich  habe  noch  nicht
alle:  er  sagt,  es  wären  180.  Ich  werde  sie  der  Akademie  zu  Fülsen  legen:  welche
Remuneration  will  sie  diesem  armen  Künstler  gewähren?

Und  was  kann  geschehen,  um  die  Herausgabe  seiner  herrlichen  Zeichnungen,
ohne  Frage  der  allerbesten,  die  bis  jezt  gemacht  sind,  zu  fördern?  60  ungefähr  aus
Nubien:  20,  nachträglich  zum  grofsen  franz.  Werk  über  Ägypten,  ebenso  viel  tiber
Palästina.  Allgemein  urtheilt  man,  dafs  sie  hier,  wo  jezt  mehrere  tüchtige  deutsche
Kupferstecher  sind,  weit  besser  und  wohlfeiler  als  in  Deutschland  gearbeitet  werden
können.  Zum  Text  wollte  ich  ihm  helfen:  aber  zu  Preufsens  und  des  Künstlers
Ehre  mufs  das  Werk  möglichst  schnell  erscheinen.  Es  soll  kein  Luxuswerk  werden:
aber  auch  so  erfordert  es  grolse  Kosten.  Wird  die  Regierung,  wie  ich  schon
supplicirt  habe,  einen  Verleger  dazu  unterstüzen?  wird  Reiner  vielleicht  es  übernebmen,
  dem  ich  schon  vorläufig  geschrieben  habe’?  Man  glaube  mir  auf  mein
Wort,  dafs  es  eine  Meisterarbeit  ist.  Darüber  sind  Deutsche,  Franzosen  und
Engländer  einig.  Ein  Engländer  hat  Gau  2000  Piaster  geboten,  dieser  will  sie
aber  nicht  an  Fremde  überlassen,  sondern  lieber  geringere  Bedingungen  von  Landsleuten
  annehmen.

Ich  empfehle  auch  diesen  Punkt  meinen  Freunden  und  Collegen,  zum  Handeln
  und  Antworten.  Zum  Handeln  gehört  Rücksprache  mit  Reimer.

3.  Ich  warte  schon  lange  vergebens  auf  eine  sichere  Gelegenheit,  um  der
Akademie  einige  interessante  Sachen  zu  schicken.  Darunter  befindet  sich  Feas  Ausgabe
  der  Fastenfragmente,  die  vor  drey  Jahren  entdeckt  sind:  nicht  nur  die  Fasten
selbst  sind  merkwürdig,  sondern  viele  theils  neue,  theils  verbessert  herausgegebene
Inschriften,  und  unter  andern  ein  Stück  eines  S.  Eb.  auf  Erz:  ich  habe  bewiesen
und  —  o  Wunder!  —  Fea  selbst  überzeugt,  dafs  es  das  S.  E.  über  die  Ehren  des
Germanicus  ist:  er  bezog  es  auf  August.  Freilich  sind  es  nur  gebrochene  Zeilen:
aber  gerade  dies  S.  E.  ist  eine  Reliquie!.

4.  Amati  besizt  viele  Inschriften,  auch  manche  ungedruckte  Griechische:  er
würde  sie  hergeben,  wenn  man  ihn  zum  Correspondenten  der  Akademie  machte,
und  die  grascia  di  San  Giovanni  Barbadoro  auf  seine  dicke  Haut  applicirte.  Sonst
ist  nichts  zu  machen.  Man  kann  aber  ihn  nicht  zum  Correspondenten  ernennen,
ohne  Mai  dieselbe  Ehre  zu  thun:  welches  für  die  hieher  kommenden  Philologen

ı  S.E.  wohl  =  Sepuleral-Elogium;  nicht  S.  C.  steht  in  der  Handschrift.