197.  Nıesuur’s  Briefe  an  die  philologisch-historische  Klasse  (1816  ff.).  409

England  eine  Subscription  mit  erheblichen  Summen  zu  sammeln,  und  ebenfalls  den
Minister  Simeon  in  Anspruch  genommen,  aus  dein  Fond,  den  er  zu  Subscriptionen
hat,  etwas  erkleckliches  herzugeben.  Ich  selbst  will  gern  bedeutend  steuern  und
Graf  Blacas  thut  es  auch:  was  ich  thun  kann,  hängt  freilich  davon  ab,  ob  mein
Haus  ungeplündert  bleibt.  Ich  bitte  die  Classe  sehr  angelegentlichst,  entweder  die
Akademie  zu  bewegen,  etwa  10oo  Zechinen  als  Subscription  auf  ein  Exemplar  zu
bewilligen  oder  das  Ministerium  dazu  zu  vermögen.  Opiniatrirt  Mai  sich,  so  bekommen
  wir  nie  etwas  von  seinen  Entdeckungen  zu  sehen.
Niebuhr.

II.
Nıesunr  an  BExkER,  Böcku  und  Brrruann.  (Original).

-Albano,  den  20.  7.  1822.

Den  Entzifferern  der  ptolemäischen  Urkunde,  deren  Arbeit  ich  nur  bewundern
  kann,  habe  ich  seit  mehreren  Monaten  eine  Notiz  von  einer  andern  griechischen
  Papyrusurkunde  senden  wollen,  die  hier  auf  dem  Vatican  aufbewahrt  wird:
und  ihnen  eine  Nachzeichnung  einiger  Zeilen  senden,  welche  für  mich  die  leserlichsten
  gewesen  sind,  ohne  dafs  ich  doch  sie  ganz  habe  entziffern  können.  Es
ist  ein  Testament  (so  weit  ich  sehen  kann)  und  die  abgeschriebene  Stelle  betrifft
die  Bestellung  eines  Curators  der  Mumie  (wenn  ich  damals  recht  las;  ich  habe  das
Stück  seit  dem  Junius  nicht  angesehen).  Aber  indem  ich  hieher  gehe,  um  mit  den
Meinigen  andre  Luft  zu  schöpfen,  begehe  ich  den  dummen  Streich,  die  Nachzeichnung
  in  Rom  zu  vergessen.  Also  für  ein  andermal.  Aufmerksam  durch  mich  gemacht,
  läfst  Mai  das  ganze  Stück  durchzeichnen  und  lithographiren.  Dann  ınüssen
Sie  alle  drey  heran.

Jezt  schicke  ich  Ihnen  eine  ganz  zuverlässige  Nachzeichnung  einer  Scherbenschrift,
  die  Gau  copirt  hat,  mit  der  dringenden  Bitte,  sie  zu  verstehen  und  zu  erklären.
  Einige  von  diesen  Scherben  (alle  sind  mit  dem  LKB  entweder  aus  Commodus
  oder  Caracallas  Zeit,  s.  über  die  fortgesezten  Ären  Eckhel)  habe  ich  ganz
oder  so  gut  wie  ganz  gelesen;  von  den  übrigen,  wenn  es  auch  nur  Scherben  von
Scherben  waren,  doch  das  [meiste]  herausgebracht;  aber  an  dieser,  wo  Gott  weils
wie  viel  von  jeder  Zeile  fehlt,  scheitere  ich  ganz,  [da  ich]  überhaupt  gar  kein  Talent
  habe,  Cursivschrift  zu  lesen,  nicht  einmal  lateinische.

Die  Bearbeitung  der  nubischen  Inschriften  ist  endlich,  bis  auf  weniges,  fertig:
  leidiger  Schund,  doch  lassen  sich  Resultate  herausbringen.  Die  Sprache  ist
unerhört  barbarisch:  dabey  das  Emendieren  denn  zehnfach  schwer,  und  leider  bedurften
  alle  Stücke  der  Emendation  mehr  oder  weniger.  ,
|  Mai  fängt  an,  die  neuen  Frontoniana,  mit  einem  Theil  des  Alten,  herauszugeben:
  doch  einen  Theil  der  neuen  reservirt  er  zu  einer  Gesammtausgabe,  damit
das  Hulın  drey  goldne  Eyer  lege.  Einen  vollständigeren  Triumph  kann  man  nicht
haben,  als  den  ich  erhalte:  so  wie  mit  dem  Interpres.  Der  Mann  ist  aber  ganz
unbefangen:  nimmt,  was  er  annehmen  muss,  auf,  ohne  sich  eine  Sylbe  ınerken
zu  lassen.
Leben  Sie  wohl,  und  freuen  sich  —  gestimmt  seyn  zu  können  und  zu  schaffen.

Ihr
Nbr.

[Die  hier  von  Nıesunr  beigegebene  Abschrift  der  Inschrift  nebst  Correeturen  ist  weggelassen.]
