410  198.  Gutachten  ü.  d.  Plan  einer  Quellensammlung  f.  d.  deutsche  Geschichte  (1819).

198.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  679).

Gutachten  der  historisch-philologischen  Klasse  der  Akademie  über
den  Plan  einer  Quellensammlung  für  die  deutsche  Geschichte  (26.  0ctober
  ı819)!.

[Akademisches  Archiv.)

Das  Unternehmen,  über  welches  das  hohe  Königliche  Ministerium  durch  das
Hochverehrliche  Rescript  vom  ı9.  v.  M.  die  historisch  -philologische  Klasse  auffordert,
  gutachtlich  zu  berichten,  ist  von  so  hoher  Wichtigkeit  für  die  Wissenschaft,
und  so  erfreulich  für  jeden  Freund  gründlicher  Forschungen  über  die  Geschichte
unsers  deutschen  Vaterlandes,  dafs  die  Klasse  nicht  anders  als  ınit  ehrerbietiger
und  inniger  Dankbarkeit  das  Vertrauen  verehren  kann,  womit  Höchstdasselbe  ihr
die  Gelegenheit  eröffnet  hat,  Antheil  an  der  Beförderung  desselben  zu  nehmen.

Das  gedachte  verehrliche  Rescript  verlangt,  dafs  sowohl  der  Plan  der  von
einer  Vereinigung  Hochverehrter  deutscher  Staatsmänner  beabsichtigten  Herausgabe
einer  Quellensammlung  für  die  deutsche  Geschichte  geprüft  werde  als  die  bisherige
Ausführung  dieses  Plans.  Unser  Gutachten  zerfällt  also  in  zwei  Hauptabschnitte:

l.  Der  von  dem  Grofsherzoglich  Badischen  General  -  Landes  -  Archiv  -  Rath
Dümge  ausgearbeitete  Plan  zeugt  allerdings  von  vieler  Umsicht,  sowie  auch  von
sorgfältiger  Benutzung  der  über  eine  Gesammtausgabe  der  Quellenschriftsteller  von
verschiedenen  Gelehrten,  seit  Semler,  geäufserten  Gedanken  und  Ansichten;  und
die  meisten  der  darin  aufgestellten  Vorschläge  werden  gewifls  un  so  mehr  allgemeinen
  Beifall  finden,  als  sie  ganz  den  Wünschen  entsprechen,  welche  bisher  so
vielfältig  und  oft  durch  die  bisherigen  äufserst  mangelhaften  und  sorglos  veranstulteten
  Ausgaben  unserer  ältern  Geschichtsquellen  aufgeregt  worden.  Indelfs  lassen
doch,  wie  uns  dünkt,  manche  gegründete  Einwendungen  sich  machen,  welche  wir
in  unserın  Gutachten  nach  den  verschiedenen  Abschnitten  des  Entwurfs  sondern.

In  dem  ersten  Abschnitt,  welcher  »Zweck  und  Umfang  der  Samimlung«
überschrieben  ist,  dünkt  es  uns  unbefriedigend,  dafs  die  Bequemlichkeit  des  Gebrauchs
  allzusehr  berücksichtigt  wird.  Wenn  gleich  diese  Rücksicht  sehr  wichtig
und  dankenswerth  ist,  so  darf  sie  doch  bei  einem  Unternehmen,  welches  ein  nationales
  sein  und  sich  ehrenvoll  neben  der  Muratorischen  Quellensammlung  für  Italien
und  der  von  den  Benedictinern  der  Congregation  von  St.  Maur  für  Frankreich  besorgten
  stellen  soll,  nicht  allzusehr  die  verherschende  sein.

Die  allzusehr  vorherschende  Berücksichtigung  der  Bequemlichkeit  in  dem
Planentwurf  des  Herrn  Dümge  hat  ı.  einen  Vorschlag  erzeugt  in  Hinsicht  des
Aeussern  der  Sammlung,  welcher  nicht  gebilligt  werden  kann.  Sie  soll  nämlich
in  Quartformat  erscheinen.  Für  ein  Werk  dieser  Art,  das  niemals  zum  Handgebrauche,
  sondern  nur  zu  ernsten  Forschungen  dienen  soll,  erfordert  es,  wie  uns
deucht,  der  Anstand,  dafs  das  würdevollste  der  Formate,  nämlich  das  Folioformat
beibehalten  werde,  von  welchem  bisher  nur  bei  sehr  wenigen,  und  wenig  umfassenden
Sammlungen  dieser  Art  abxewichen  worden  ist.  Dazu  kömınt  noch,  dafs  es  selbst
beim  Nachsuchen  in  diesen  Schriftstellern  oft  angenehm  ist,  grofse  Massen,  wie
das  Folioformat  darbietet,  übersehen  zu  können,  und  dafs  eben  dadurch  auch  das
Citiren  vereinfacht  wird.  Es  ist  nur  erforderlich,  dafs  eine  angemessene  und  deutliche
  Schrift,  etwa  wie  die  in  der  Struvischen  Ausgabe  der  Sammlung  des  Pistonus
oder  in  der  von  den  Benedictinern  besorgten  Samınlung  der  französischen  Schrift-!

  Dieses  Gutachten  ist,  jedoch  nicht  ganz  vollständig,  in  dem  »Archiv  der  Gesellschaft
  für  ältere  deutsche  Geschichtskunde«  Bd.2  (1820)  S.3  ff.  abgedruckt.