418  199.  Arıexstein  an  Harnenserc  über  die  Akademie  (1819).

werden  noch  lässiger  besucht,  als  vorher,  wo  die  an  die  jedesinal  Anwesenden  ausgetheilten
  Jettons,  deren  jedes  am  Ende  des  Jahres  mit  einem  Thaler  ausgelöset
wurde,  noch  Theilnehmer  herbeizogen.  Dafs  weder  die  Klassensitzungen  auf  sie,
noch  sie  auf  die  Klassensitzungen  anregenden  Eintlufs  haben,  dafs  das  Ganze  nicht
ınit  dem  Einzelnen,  der  Einzelne  nicht  mit  dem  Ganzen  in  inneren  lebendigen  Zusaımmenhange
  steht,  bedarf  unter  diesem  Verhältnifs  kaum  der  Bemerkung.  Abhandlungen
  von  sehr  ungleicheın  Werthe,  wie  an  jeden  die  Reilıe  kommt,  oft  auch
nicht  einmal  dies,  werden  in  ihnen  verlesen,  Erörterungen  und  Debatten  darüber
finden  sehr  selten  Statt.  Die  vorzüglichsten  Abhandlungen  werden  in  der  Sammlung
  der  Deukschriften  der  Akademie  gedruckt,  und  dies  ist  bis  jetzt  fast  die  einzige
Art,  wie  die  Akademie.  als  solche,  auf  die  Wissenschaft  und  das  Leben  einwirkt.

Aus  dieser  einfachen  Darlegung  wird  es  klar,  dafs  es  mit  der  Akademie  unmöglich
  so  bleiben  kann,  dafs  es  aber  bei  ihrer  Reform  nicht  sowohl  auf  Pläne
und  Statuten,  als  auf  die  Menschen  ankommt,  welche  den  Buchstaben  der  Vorschrift
  in  Geist  und  That  zu  verwandeln  und  die  Form  zu  beleben  wissen.  Es  bedarf
  deren  nicht  viele,  aber  um  so  gewichtigere  und  durch  andere  Geschäfte  nicht
zerstreute,  wie  ich  in  meinem  ganz  gehorsamsten  Schreiben  vom  10.  July  bereits
geäufsert  habe,  um  durch  die  Überlegenheit  ihres  rein  wissenschaftlichen  Triebes.
ihrer  Einsicht  und  der  Kraft  ihres  Geistes  in  den  Fächern,  wo  es  am  meisten  Noth
tlınt,  die  Zerstreuten  sammeln,  die  Lässigen  antreiben,  überhaupt  das  entgegenwirkende
  Prineip  überwältigen  zu  können.

Um  nun  sowohl  das  Bedürfnils  an  Menschen,  als  auch  im  Zusammenhang
damit,  in  den  Finanzen,  genan  kennen  zu  lernen,  zugleich  auch  um  zu  beurtlieilen,
in  wiefern  noch  durch  die  Form  der  Verfassung  dem  bessern  Streben  nachgeholien
und  seine  Wirksamkeit  erleichtert  werden  könne,  habe  ich  schon  vor  geraumer
Zeit  eine  Commission  aus  solchen  Mitgliedern  der  Akademie  ernannt,  denen  ich
den  unbefangensten  Sinn  und  den  regesten  Eifer  für  eine  reelle  in  das  Leben  der
Wissenschaft  und  ihre  Förderung  im  Preufsischen  Staate  insonderheit  eingreifende
Thätigkeit  und  für  einen  würdigern  Zustand  der  Akademie  zutrauen  darf.  Bei  den
Verhandlungen  dieser  Commission  ist  gleich  in  den  auseinandergehenden  Ansichten
über  wesentliche  Punkte  der  Verfassung  das  Grundübel  des  Instituts  hervorgetreten.

Ich  habe  indels  dureh  belehrende,  die  zu  scharf  hingestellten  Ansichten  mildernde
  und  möglichst  coneiliirende  Anweisungen  ihnen  zu  begegnen  gesucht,  und
darf  hoffen,  die  Commission  in  die  Bahn  gelenkt  zu  haben,  die  allein  zum  Ziele
führen  kann.  Die  Resultate  ihrer  Ueberlegungen  wird  sie  dem  Pleno  der  Akademie
vorlexen  und  mit  dessen  Bemerkungen  werden  sie  an  mich  gelangen.

Nachdem  ich  alsdann  alles  sorgfältig  geprüft,  werde  ich  nicht  ermangeln.  hei
Euer  Durchlaueht  die  nöthigen  ehrerbietigsten  Anträge  zu  machen.  Ich  bin  überzeugt,
  dafs  wenn  irgend  die  Akademie  noch  ein  des  Preufsischen  Staats  würdiges,
für  die  Wissenschaft  und  durch  diese  für  ihn  selbst  fruchtbares  Institut  werden
kann,  es  nur  auf  diesem  Wege  möglich  ist,  der  aber  immerfort  verfolgt  und  besonders
  bei  dem  Abgange  eines  und  des  andern  für  das  Ganze  nach  seiner  Idee
minder  geeigneten  Mitgliedes  weiter  geführt  werden  mufs.  Um  ihn  kräftig  und
mit  Erfolg  betreten  zu  können,  mus  ich  jedoch  angelegentlichst  wünschen,  dafs
Eure  Durchlaucht  den  von  mir  vorgelegten  Plan  zur  Anwendung  des  noch  disp»-nibeln
  Restes  von  dem,  dem  gesammten  Unterrichtswesen  Allerhöchst  bewilligten
nenen  Zuschusse,  baldigst  zu  genehmigen  gerulien  mögen,  indem  auch  die  zur  Verbesserung
  der  Akademie  der  Wissenschaften  erforderliche  Summe  in  denselben
mit  enthalten  ist,  und  ich  nieht  mit  Sicherheit  auf  diese  rechnen  kann.  bevor  ich
llochdero  Genehmigung  derselben  gewils  bin.

Inzwischen  habe  ich  wegen  des  Dr.  Seebeck.  Ener  Durchlaucht  hochzeneizten
Genehmigung,  für  welche  ich  den  ganz  gehorsamsten  Dank  abstatte.  gemäls,  ver-