211.  TRenDeLEnBURG,  Die  Akademie  unter  Frieprıcn  WirneLn  IV.  487

bildung  und  Erweiterung  dieser  für  das  Leben  auf  der  Erde  wichtigen  Lehren  hat
Herr  Dove  sammt  dem  massenhaften  wissenschaftlich  bearbeiteten  Material  zum
grolsen  Theil  in  den  Denkschriften  der  Akademie  niedergelegt.

Die  wissenschaftlichen  Gebiete  der  einzelnen  physikalischen  Kräfte  dienen
zuletzt  der  Physik  der  Erde.  Aber  sie  sind  in  sich  eine  reiche  Welt  von  Thatsachen,
  durch  den  Impuls  einzelner  grofser  Entdeckungen  erzeugt.  Zu  diesen  Entdeckern
  durfte  einst  die  Akademie  ihren  Thomas  Johann  Seebeck  zählen.  Neben
ihm  wirkte  in  der  Blüte  seiner  Jahre  Paul  Erman,  dessen  eigenthümliche  und
anregende  Weise  Herr  Du  Bois-Reymond  aın  Leibniztage  des  Jahres  1853  darstellte.
  In  einer  Gedächtnilsrede  auf  Seebeck  hatte  im  Jahre  1839  Herr  Poggendorff
  angeführt,  welche  fruchtbare  Quelle  der  Wissenschaft  mit  seinem  Tode  versiegt
  sei.

Aber  die  lebendige  Forschung  rulhte  nicht.  Herr  Magnus  war  in  den  verschiedensten
  Richtungen  der  Plıysik  und  Chemie  thätig,  bald  da,  wo  Physik  und
Chemie  einander  berühren,  bald  da,  wo  Chemie  und  Physiologie  einander  begexnen,
  bald  da,  wo  sich  die  Technik  auf  Physik  stützt,  wie  z.  B.  in  der  Abhandlung
  über  die  Abweichung  der  Geschosse,  bald  in  eigentlich  physikalischen  Problemen,
  wie  z.  B.  in  den  Versuchen  über  die  Spannkraft  der  Wasserdämpfe  und  in
den  elektrolytischen  Untersuchungen.  Herr  Dove  gab  mannigfaltige  Beiträge  zur
Kenntnifs  magneto-elektrischer  und  optischer  Wirkungen.  Herr  Riefs  und  Herr
Poggendorff  drangen  in  das  Gebiet  der  elektrischen  Erscheinungen  tiefer  ein;
Herr  Riels  bildete  die  Lehre  von  der  Reibungselektricität  aus  und  vornehmlich  die
messende  Methode  auf  diesem  Gebiete;  Herr  Poggendorff  erforschte  die  galvanische
und  Inductionselektricität.

Wenn  es  wahr  ist,  dafs  in  der  Wissenschaft  eine  schöpferische  Kraft  andere
schaffende  Kräfte  weckt,  so  reicht  der  Beweis  von  Berzelius’  ausharreuder
Schöpferkraft  in  diese  Akademie  hinein.  Im  Jahre  1851  setzte  ihın  Herr  Heinrich
  Rose  in  einer  Gedächtnifsrede  ein  dankbares  Denkmal  und  verschaffte  auch
dem  entfernter  Stehenden  einen  Einblick  in  die  durch  unermüdete  Arbeiten  darchgeführten
  lichtbringenden  Entdeckungen  dieses  grofsen  Chemikers®”.  Herr  Mitscherlich,
  früh  der  Entdecker  der  Isomorphie  und  Dimorphie,  der  in  einer
Reihe  von  akadeınischen  Arbeiten  den  Zusammenhang  der  Krystallform  und  der
chemischen  Zusammensetzung  verfolgte  und  in  geognostische  Untersuchungen  eineinge,
  und  Herr  Heinr.  Rose,  der  Analytiker  in  der  Cheinie,  der  Entdecker  des
Niobiums  ?,  der  die  Ergebnisse  der  bei  weiten  mannigfaltigsten  Untersuchungen  aus
seiner  in  neuen  Thatsachen  wetteifernden  Wissenschaft  in  unsere  akadeınischen
Schriften  gab,  waren  mit  Berzelius  eng  verbunden.  Mit  ihnen  war  Karsten  für
Chemie  thätig,  der  durch  die  Hebung  der  Metallurgie  in  Schlesien  und  im  Jahr
ı813  durch  den  energischen  Betrieb  der  Pulveranfertigung  um  unser  Vaterland  wohl
verdient  war,  später  seit  1855  Herr  Raımmelsberg,  der  in  der  Chemie  der  Mineralien
  arbeitet  und  namentlich  jenen  seit  Berzelius  so  fruchtbar  gewordenen  Zusaınmenhang
  zwischen  der  chemischen  Natur  der  Körper  und  ihrer  geometrischen
Form  zum  Gegenstand  seiner  Forschung  genoinnien  hat.

So  leitet  uns  die  Chemie  zur  Mineralogie  hinüber.

Unser  Chr.  Sam.  Weifs,  der  Urheber  einer  mathematischen  Krystallographie,
ein  Mann  von  Fichte’'scher  Gesinnungsart,  der,  einer  dynamischen  Anschauung  folgend,
  im  Starren  Bewegung  und  Richtung  der  bildenden  Kräfte  und  in  der  Natur
die  That  suchte,  hat  in  der  auf  ihn  im  Jahre  1856  zu  München  gehaltenen  Denk-!

  Denkschriften.  Aus  dem  Jalıre  1839.
32  Denkschriften.  Aus  dem  Jahre  1851.  S.XVIIf.
83  Monatsbericht  1844.  S.  364  ff.