488  2ll.  TeexperensunG,  Die  Akademie  unter  Frieprıcn  Wiırnsın  IV.

rede  des  Herrn  von  Martius  eine  edle  Anerkennung  gefunden!.  Seine  epochemachenden
  Arbeiten  bleiben  eine  ursprüngliche  Zierde  unserer  Denkschriften.  Herr
Gust.  Rose,  A.  von  Huinboldt’s  Begleiter  auf  der  sibirischen  Reise,  vorzugsweise
mit  der  Krystallform  und  Chemie  der  Mineralien  beschäftigt,  theilte  der  Akademie
vielfach  auch  geognostische  Anschauungen  und  Untersuchungen  mit.  und  in  Gemeinschaft
  mit  Herrn  Riefs  Untersuchungen  über  die  Pyroelektricität  der  Mineralien.

Die  Geognosie  führt  in  die  Tiefen  der  Geologie,  in  den  kühnen  sich  zur
Wissenschaft  gestaltenden  Versuch,  in  den  Schichten  und  Lagerungen  der  Gebirge
und  in  den  zurückgelassenen  Spuren  von  Resten  des  Lebens  die  Geschichte  der
Erde  aufzufinden.  In  diesen  Richtungen  der  menschlichen  Erkenntnils  besafs  die
Akademie  bis  zum  ‘Frühling  1853  den  Mann,  den  A.  von  Humboldt  den  gröfsten
Geognosten  unsers  Zeitalters  nannte,  der,  nach  den  Worten  eines  andern  unserer
Genossen,  »einer  der  ersten  die  Hebungen  der  Berge  gezeigt,  die  uralten  Blätter
der  Erdrinde  mit  ihren  sprechenden  Denkmälern  entfaltet  und  der  Erde  eine  Geschichte
  gegeben  hat,  an  welche  die  der  ganzen  Natur  sich  anschliefst«?.  Neben
A.  von  Humboldt  war  Leopold  von  Buch  während  47  Jahren  ein  Schmuck  und
eine  Kraft  dieser  Akademie,  und  neben  A.  von  Humboldt's,  seines  Freundes,  Büste
ist  die  seine  eine  Zierde  dieses  Saales.  Wir  knüpfen  an  die  Beschauung  derselben
seine  Persönlichkeit  voll  Charakter,  geschlossen  und  doch  den  Freunden  sich  edel
öffnend.  Wie  A.  von  Humboldt  aus  dem  Adel  des  Landes  stammend,  suchte  Leop.
von  Buch  in  der  Wissenschaft  seinen  Stolz,  und  die  Wissenschaft,  in  welcher  er.
wohin  er  sich  wandte,  eine  leuchtende  Spur  zurückliefs,  wird  seinen  Namen  in
die  Jahrhunderte  tragen.  Rüstig  bis  zu  seines  Lebens  Ende  las  er  noch  im  December
  1852  in  der  Akademie  eine  Abhandlung  von  universellem  Interesse  über
die  Juraformation  auf  der  Erdtläche.  Sein  Deutsch,  schön  und  anschaulich.  hörten
wir  selbst  von  kritischen  Kennern,  wie  Lachmann,  bewundern.  Noch  im  Jahre
1853,  dem  Todesjalire  Leopold’'s  von  Buch,  gewann  die  Akademie  zwei  ihm  vertraute
  Geologen,  Herrn  Beyrich,  mit  der  eigentlichen  Aufgabe  der  Palaeontologie.
der  Geschichte  der  untergegangenen  organischen  Schöpfungen,  beschäftigt,  und
Herrn  Ewald.  der  im  Physikalischen  und  Palaeontologischen  gleich  heimisch  ist.
Letzterer  hielt  am  Leibniztage  1854  eine  Gedächtnilsrede  auf  Leop.  von  Buch.

Für  das  bisher  durchlaufene  Gebiet  kamen  anderweitige  Arbeiten  des  Herrn
Poggendorff  der  Akademie  vielfach  zu  Statten,  seine  seit  1824  herausgegebenen
Annalen  der  Plıysik  und  Chemie,  ein  vereinigendes  Centrum  dieser  regen  Wissenschaften
  für  alle  Länder,  und  seine  gelehrten  Bemühungen  für  die  Geschichte  der
exacten  Wissenschaften.

Zwischen  der  Physik  der  Erde  und  der  Biologie  der  Erde  besteht  noch,  was
die  Erforschung  der  Gründe  betrifft,  eine  unausgefüllte  Kluft.  Jede  tiefer  erforschte
Kraft  der  Physik  leiht  der  Erklärung  des  Lebens  Bedingungen  für  ihre  Aufiabe,
mitwirkende  Gesetze,  aber  das  Leben,  das  nur  durch  einen  innern  Zweck  gedacht
wird,  die  sich  ihrer  selbst  in  der  Empfindung  inne  werdende  Kraft,  oder  gar  den
sich  im  Gedanken  und  Willen  bewufst  werdenden  Mittelpunkt  erklärt  bis  heute
keine  dieser  Mitbedingungen,  dieser  Mitursachen,  um  einen  platonischen  Ausdruck
nachzubilden.  In  dem  faktischen  Bestande  unserer  Wissenschaften  treffen  schon  in
der  Geologie  Plıysik  der  Erde  und  Biologie  zusammen;  und  es  ist  eine  erhebende
Wahrnehmung,  ‘wenn  in  der  Geschichte  der  Erde,  die  in  eine  ungeinessene  Per-!

  Dr.Carl  Friedrich  Phil.  von  Martius,  Secretär  der  mathematisch  -physikalischen  Klasse,
Denkrede  auf  Christian  Sammel  Weits,  gehalten  in  der  öffentlichen  Sitzung  der  Königl.  Barr.
Akademie  der  Wissenschaften  am  23.  November  1856.

2  A.  Braun,  Antrittsrede  im  Monatsbericht  1852.  S.417.  Vergl.  von  Dechen  in  den
Abhandlungen  des  naturhistorischen  Vereins  in  den  Rheinlanden  1853.  8.  244.