211.  TeEnDeLEnBURG,  Die  Akademie  unter  Frienkicn  WırueLs  IV.  489

spective  der  Vergangenheit  zurückweist,  die  Geologie  nicht  blos  einsaıne  Massen,
nicht  blos  wilde  Kräfte,  sondern  mitten  in  ihnen  Spuren  des  im  eigenen  Mittelpunkt
  bewegten  Lebens  entdeckt.  So  führt  uns  die  Geologie  von  der  Physik  der
Erde  zu  den  Naturwissenschaften  der  lebenden  Pflanzen  und  der  eimpfindenden
Thiere  hinüber.

Im  Jahre  1840  war  die  Kraft  Horkel’s,  des  gelehrten  Physiologen  und  Botanikers,
  schon  gealtert.  Link’s  Blüte  war  zwar  vorüber,  aber  bis  in  sein  spätes
Alter  war  er  rüstig  und  empfänglich,  angeregt  und  anregend.  Die  Akademie  besals
ihn  bis  zum  Neujahrstage  1851.  In  der  Akademie  zu  München  hat  Herr  von  Martins
  in  seiner  schönen  Denkrede  auf  Link!  den  viel  umfassenden,  weit  ausgreifenden
  Geist,  den  hellen  beweglichen  Kopf,  den  lebendigen  Reisenden  mit  der  Kenntnifs
  und  der  Einsicht  geschildert,  welche  dem  gegenwärtigen  Vortrag  abgehen.
Hier  arbeitet  Link  in  der  Botanik  nach  den  mannigfaltigsten  Seiten  und  bauet  noch
in  den  letzten  Jahren  an  einem  phytologischen  Pilanzensystem,  dort  erläutert  er
die  Urwelt  und  das  Alterthum  durch  die  Naturkunde;  hier  zieht  ihn  Hippokrates
an  und  dort  Össian;  hier  ist  er  Linguist  und  dort  erstrebt  er,  wie  in  den  Propylaeen
  der  Naturkunde,  einen  philosophischen  Standpunkt.  Bis  zum  Jahr  1850  war
Kunth,  der  die  von  A.  von  Humboldt  und  Bonpland  unter  den  Tropen  Amerikas
gesammelten  Schätze  der  Wissenschaft  zugänglich  gemacht  und  darin  mehr  als  4500
Arten,  darunter  mehr  als  drei  Viertheile  neue,  bestimmt  hatte?,  in  der  Akademie
thätig,  und  machte  sich,  wie  nach  ihm  Klotzsch,  der  als  strenger  und  sicherer
Meister  in  der  Diagnose  galt,  in  dem  mächtig  wachsenden  Stoff  des  Pilanzenreichs
um  genaue  und  geordnete  Kenntnifs  verdient.  In  Link’s  Wirksamkeit  trat  Herr
Al.  Braun,  den  vor  allen  andern  Leopold  von  Buch  in  Berlin  willkommen  hiels.
In  dem  weiten  Reich  der  lebenden  und  dem  engern  der  fossilen  Pilanzen  heimisch
und  als  Morpliolog  und  Physiolog  an  der  Entwickelungsgeschichte  der  Pflanzen  arbeitend,
  hat  er  in  seiner  Antrittsrede  die  Ziele  bezeichnet,  denen  die  Botanik  der
Gegenwart,  nachstreben  müsse.  In  diesen  Kreis  wissenschaftlicher  Forschung  trat
zuletzt  Herr  Pringsheim  ein,  dessen  Arbeiten  über  die  Befruchtung  und  Vermehrung
  der  Algen  eine  neue  Anschauung  über  kryptogame  Pflanzen  erschlielsen
oder  verfolgen.

Die  Zoologie  vertrat  bis  zum  Jahr  1857  besonders  Lichtenstein,  durch
seine  Capreise  früh  berühmt,  der  der  Gründer  des  Berliner  zoologischen  Museums
in  dessen  weitem  Umfang  genannt  werden  kann.  Zu  dem  zoologischen  Garten,
den  Lichtenstein  anlegte,  gab  der  König  den  schönen  Grund  und  Boden  und  die
ersten  Bewohner  von  der  Pfaueninsel,  und  schuf  aulser  den  Vortheilen,  die  der
Wissenschaft  zufielen,  den  Erholungen  des  Volks  anziehende  und  nützliche  Anschauungen®.
  An  Lichtenstein  schlofs  sich  Klug  an,  der  mitten  in  gehäuften  Geschäften
  der  Verwaltung  sich  den  Ruf  eines  Entomologen  ersten  Ranges  erworben
hatte.  Ältere  Arbeiten  des  Herrn  von  Olfers,  der  schon  während  seines  Aufenthalts
  in  Rio  Janeiro  für  die  Naturwissenschaften  wirkte,  gehören  in  diese  Richtung.
  Einen  Zuwachs  neuer  Kraft  gewann  die  Akademie  in  der  Zoologie  im  Jalıre
ı85ı  an  Herrn  Peters.  Einst  ward  er  auf  Johannes  Müller’s  Betrieb  der  Wiederentdecker
  des  glatten  Haies  des  Aristoteles  und  durchforschte  fünf  Jahre  lang  das

ı  Dr.  Carl  Friedrich  Phil.  von  Martius,  Sekretär  der  mathematisch  -physikalischen
Klasse,  Denkrede  auf  Heinrich  Friedrich  Link,  gehalten  in  der  öffentlichen  Sitzung  der  Königl.
Bayr.  Akademie  der  Wissenschaften  am  28.  März  1851.

2  Notice  sur  la  vie  et  les  ouvrages  de  Charles  Sigismund  Kunth.  Par  M.  Adrien  de
Jussieu.  Annales  des  sciences  naturelles.  Tome  XIV.  cahier  no.  2.

®  Alexander  von  Huniboldt,  Rede  bei  der  Aufstellung  der  Büste  des  Gel.  Medicinalrathes
  Prof.  Dr.  Lichtenstein  in  dem  zoologischen  Museum  am  26.  April  1832.