490  21l.  TrendeLensuns,  Die  Akademie  unter  Frienprich  WırreLm  IV.

noch  unbekannte  unheimliche  Mosarnbique,  aus  dem  er  für  die  Naturgeschichte,  die
geographische  Landeskunde  und  selbst  für  die  Sprachenkunde,  einen  Reichthun
neuer  Kenntnisse  und  neuen  Stoffes  heiinbrachte..  An  der  wissenschaftlichen  Bearbeitung
  des  naturhistorischen  Materials  fanden  aufser  ihın  noch  andere  Gelelute,
wie  z.B.  aufser  der  Akademie  Dr.  Steetz  in  Hamburg,  Dr.  Garcke.,  Prof.  Schaum,
Dr.  Gerstaecker  u.a.,  in  der  Akademie  Klug  und  Klotzsch  eine  bedeutende
Aufgabe.  Dr.  Bleeck  behandelt  die  aufgezeichneten  Nachrichten  über  die  Sprachen
der  Länder,  welche  zwischen  den  südafrikanischen  Forschungen  der  Engländer  und
den  weiter  nördlichen  der  deutschen  Missionare  eine  Lücke  füllen.  Dankbar  erkennen
  wir  in  diesen  Bereicherungen  der  Wissenschaft  die  Fürsorge  des  Königs
Friedrich  Wilhelm  des  Vierten.

Herrn  Ehrenberg's  Arbeiten  gehörten  seit  seinen  Reisen  vorzugsweise  den
mikroskopischen  Organismen  an.  Wie  das  Fernrohr  seit  Galilaei  den  Himmel  entdeckte.
  die  dein  blofsen  Auge  unsichtbaren  Massen  des  gröfsten  Raumes,  so  entdeckte

  das  Mikroskop  —  vornehmlich  unter  Herrn  Ehrenberg’s  Auge  —  die  Welt
des  kleinsten  Lebens  auf  der  Erde;  —  und  der  betrachtende  Mensch  steht  nun

gleichsam  zwischen  zwei  erfüllten  unendlichen  Räumen;  denn  nach  beiden  Seiten
hat  er  keine  Grenzen  erreicht.  Die  Akademie  sah  den  Sand  aus  den  Wüsten  Afrikas
  und  von  Kreidegebirge  des  Jura,  atınospbärischen  Staub  des  atlantischen  Ozeans
und  vulkanische  Asche  aus  Quito,  Blutregen  bei  Lyon  und  Prodigien  des  Mittelalters,
  Proben  aus  dem  Tiefgrund  des  Golfstroms  wie  aus  dem  mittelländischen
Meere  in  Organismen  mikroskopischen  Lebens  sich  auflösen  und  das  unsichtbare
Leben  in  die  Systematik  des  Verstandes  sich  einordnen.  Die  Akademie  sah  in  den
herbarienartigen  Mappen  des  Herrn  Ehrenberg  ein  zoologisches  Musenm  des  kleinsten
  Lebens  entstehen,  das  für  die  Identität  der  Gegenstände,  die  Grundlage  aller
kritischen  Forschung,  noch  spät  wissenschaftliche  Wichtigkeit  haben  wird.  Sie  sah
in  ihren  Schriften  eine  ganze  Wissenschaft  werden  und  wachsen,  die  Geologie  des
kleinsten  Lebens,  die  Herr  Ehrenberg  Mikrogeologie  genannt  hat.

Neben  Herrn  Ehrenberg  forschte  Johannes  Müller,  der  Bahnen  brach
und  Bahnen  wies  und  nach  dem  Ausdruck  in  Herrn  Du  Bois-Reymond's  Gedächtnifsrede
  der  Haller  unsers  Jahrhunderts,  der  deutsche  Cuvier  heifsen  wird!
Einsichtigere  haben  über  den  vielseitigen  und  tiefdenkenden,  den  weitblickendeo
und  scharfsichtigen  Forscher,  den  forschende  Geister  weckenden  Lehrer,  den  willenskräftigen
  Mann  gehandelt,  dessen  Verlust  die  Akademie  im  Jahre  1858  empfindlich
  traf.  Von  seinen  manunigfaltigen  Arbeiten  in  der  Akademie  erwähnen  wir  nur
Eine,  in  welche  der  König  fördernd  eingriff.  Die  in  Alabama  gesammelten  fossilen
Knochenreste  eines  den  Cetaceen  nahestehenden  grolsen  Säugethiers  waren  unter
dem  Namen  des  Hydrarchus  hier  ausgestellt  und  reizten  Joh.  Müller’s  Forschertrieb.
Um  den  hohen  Preis  einer  Leibrente  kaufte  der  König  das  merkwürdige  Skelett
für  die  zootomische  Samımlung  und  Johannes  Müller  untersuchte  und  beschrieb  es
unter  dem  Namen  Zeuglodon  cetaoides.  Es  ist  erfreulich  in  den  Acten  der  Akademie
  zu  lesen,  ınit  welcher  tief  einpfundenen  Anerkennung  Joh.  Müller  den  Mann,
der  einst  sein  Schüler  gewesen  und  einst  sein  Nachfolger  als  Lehrer  der  Physiologie
  werden  sollte,  im  October  1850  der  Akademie  vorschlug,  wie  klar  und  warın
er  die  Erfolge  von  Herrn  Du  Bois-Reymond’s  Untersuchungen  über  thierische
Elektricität  für  die  Lebensvorgänge  im  Muskel  und  Nerven  darstellte.  Im  Jahre
1859  trat  Ilerr  Reichert,  Johannes  Müller's  Nachfolger  iım  Lehraint  der  Anatomie,
  in  die  Akademie  ein,  dessen  Arbeiten  in  ilır  der  Entwicklungsgeschichte  der
Säugethiere  angehörten.  Es  bleibt  der  Akademie  denkwürdig,  dafs  am  Tage  seiner

!  Gedächtnilsrede  auf  Johannes  Müller.  Gehalten  am  8.  Juli  1858.  Deukschriften.
Aus  dem  Jahre  1859.  S.25  fl.