42  211.  Trexperensuns,  Die  Akademie  unter  Frieprıcn  Wiırneıyn  IV.

suchungen  über  die  lasische  Sprache,  über  das  georgische  Conjugationssystem,  über
das  Össetische  wurden  nun  möglich.  Herrn  Georg  Rosen’s  linguistische  Bereicherungen
  sind  in  unsere  Denkschriften  aufgenominen.

Diese  folgenreichen  Bewegungen  der  Sprachvergleichung  gingen  vom  Sauskrit
aus,  das  weiter  in  die  Vedasprache  zurückführte  Die  Erforschung  der  Vedalitteratur,
  welche  vornehmlich  den  Gegenstand  von  Herrn  Weber’s  schon  zalılreichen
Arbeiten  bildet,  ist  daher  nicht  blos  für  Mythologie  und  Glauben  der  Inder,  sondern
  auch  für  die  vergleichende  Grammatik  des  ganzen  indoeuropäischen  Sprachstaınmes
  von  grofser  Bedeutung.  Herr  Schott  trug  die  sprachvergleichenden  Sudien
  in  die  tatarischen  Sprachen.  Seine  Vorträge  und  Mittheilungen  erstreckten
sich  über  einen  grolsen  Theil  Asiens  und  selbst  weiter,  von  der  Gramınatik  und
Litteratur  Chinas  bis  zu  den  finnischen  Runen,  und  wiederum  von  den  Chinesen
bis  zu  den  Türken,  von  den  Sprachen  des  Altai  bis  zu  der  Sprache  von  Siaın.
Dieselben  linguistischen  Studien  trug  Herr  Buschmann,  der  schon  an  Wilh.  von
Humboldt's  Werk  über  die  Kawisprache  tlıeils  herausgebend  theils  ergänzend  thätig
gewesen  war;  ein  einsamer  Forscher  auf  dem  (zebiete  der  alt-mexicanischen  Sprachen,
deren  Schauplatz  er  einst  selbst  besuchte,  über  den  atlantischen  Ozean.

Asien  forderte  noch  weitere  Vertreter.  Herr  Petermann  hat  in  den  morgenländischen
  Sprachen  und  Litteraturen  diejenigen  zum  Gegenstand  seiner  gelelhrten
Studien  gemacht,  welche  in  dem  Ursprung  und  der  Geschichte  des  Judenthums  ınd
Christenthums  den  innersten  Kern  der  europäischen  Bildung  mitbedingen,  namentlich
  das  Hebräische,  Armenische,  Arabische,  Koptische.  Der  König  unterstützte
seine  orientalische  Reise,  welche  besonders  der  Erforschung  der  Stämine  und  Sekten
im  Libanon  galt,  und  er  brachte  wichtige  litterarische  und  numisiatische  Erwerbungen
  heim.  Wenn  Herr  Olshausen,  den  die  Akademie  jüngst  gewann,  die
Untersuchung  der  hebräischen  Sprache  in  Beziehung  auf  Lautsystem  und  Formenbildung
  und  die  Ermittelung  ihrer  noch  unerforschten  Stellung  in  der  geschichtlichen
  Entwickelung  des  seinitischen  Sprachstammes  als  den  gegenwärtigen  Gegenstand
  seiner  Untersuchungen  bezeichnet!:  so  sieht  sich  darin  die  vergleichende
Sprachwissenschaft,  die  noch  kaum  ein  halbes  Jahrhundert  alt  ist  und  in  dieser
Akademie  vorzugsweise  ihre  Begründer  und  Pileger  fand,  durch  eine  neue  Kraft
verstärkt,  welche  im  Semitischen  noch  ungebahnte  Wege  versucht.

Herrn  Lepsius  führten  seine  aegyptischen  Studien  den  Hieroglyphen  und
seine  Reise  auch  den  nordafrikanischen  Sprachen  zu.  Insbesondere  durch  die
Mannigfaltigkeit  der  afrikanischen  Sprachen  wurde  ilın  das  Bedürfnils  eines  allgemeinen
  linguistischen  Alphabets  fülhlbar.  Gestützt  auf  grammatische  und  physivlogische
  Studien  entwarf  er  ein  auf  unsere  lateinische  Schrift  gegründetes  Alphabet,
geeignet,  die  wesentlichen  Laute  aller  Sprachen  einfach  und  scharf  darzustellen  und
dadurch  die  Sprachen  selbst  unter  einander  vergleichbar  zu  machen.  Dies  allzemeine
  Alphabet,  zu  dem  die  Typen  für  die  akademische  Druckerei  angefertigt  sind,
hat  vornehmlich  durch  die  englischen  Missionsgesellschaften  seinen  Weg  zu  den
heidnischen  Völkern  gefunden  und  verspricht  auch  für  die  gemeinsame  Cultur  der
noch  nicht  schreibenden  Völker  und  Stämme  ein  Moment  der  Bildung  zu  werden.
Der  an  Ideen  reiche  Leibniz  sprach  schon  einst  von  einem  solchen  harmonischen
Alplıabet;  Herr  Lepsius  kam  auf  denselben  Gedanken  und  führte  ihn  aus.

Es  geht  durch  die  neuern  Forschungen  der  Trieb  durch,  die  bald  geläugneten
  bald  übertriebenen  und  ausgeschmückten  Zusammenhänge,  in  welchen  Griechenland,
  das  klassische  Mutterland  unserer  Wissenschaft  und  Kunst,  mit  dem  Orient
steht,  scharf  zu  erkennen.  Herrn  Boeckh’s  Untersuchungen  haben  uns,  den
weltgesehichtlichen  Völkerverkehr  aufhellend,  mit  der  Geschichte  unserer  Mal

!  Monatsbericht  1860.  S.  387  ff.