211.  TrenneLengURG,  Die  Akademie  unter  Frienpricn  Wıruerm  IV.  493

an  Babylon  gewiesen  und  die  Alten  schaueten  vielfach  nach  Aegypten  als  dem  Vorland
  der  griechischen  Bildung  hinüber.  Dies  uralte  Culturland  mit  seinen  riesigen
Massenbauten,  seinen  barocken  Syınbolen,  seinen  redenden  und  doch  unverstandenen
Monumenten  reizte  seit  Champollion’s  Enträthselungen  von  Neuem  die  Forscherlust.
Die  von  Herrn  Lepsius  mitgetheilten  historischen,  chronologischen,  mythologischen
Untersuchungen  beschäftigten  in  diesem  Zusammenhang  die  Akademie  vielfach.  Herr
Parthey,  der  Aegypten  sah,  förderte  in  historischen  Forschungen  und  chartographischen
  Darstellungen  namentlich  die  Erdkunde  des  alten  Aegyptens.  Die  aegyptische
  Philologie,  ein  külhner  Emporkömmling,  steht  mit  der  antiken  Philologie,
die  eine  thatenreiche  Ahnenreihe  hat,  noch  etwas  auf  gespanntem  Fufs;  aber  schon
begegnen  sich  beide  mit  regem  Interesse  im  zweiten  Buche  des  Herodot.  In  unserer
Akademie  reichten  sie  einander  bei  der  Untersuchung  über  die  Staınmsitze  der
Ionier  in  Herrn  Curtins  und  Herrn  Lepsius  die  Hand.

So  gelangen  wir  nun  zu  dem  alten  Boden  der  klassischen  Philologie,  auf
welchem  die  Akademie  Herrn  Boeckh  nun  bald  ein  halbes  Jahrhundert  thätig
sah.  Seine  Arbeiten  traten  zum  grolsen  Theile  hier  zuerst  aus  dem  Dunkel  ans
Licht  und  fanden  hier  ihren  ersten  lebhaften  Wiederhall.  Aber  keine  seiner  Arbeiten
  rechnet  die  Akademie  lieber  in  ihren  Kreis,  als  das  Corpus  inscriptionum
Graecarum;  sie  freuete  sich,  dem  Grund  legenden  Werke,  das  für  Sprachformen
und  Palaeographie,  für  Alterthümer  und  Geschichte,  in  der  Methode  und  den  Ergebnissen
  solche  Wichtigkeit  erlangte,  äufsere  Förderung  zu  leisten.  Nachdem  Herr
Boeckh  den  zweiten  Band  des  Corpus  im  Jahre  1842  geschlossen,  folgten  daran,
ohne  dafs  Herr  Boeckh  sein  Werk  aufser  Augen  verlor,  die  Arbeiten  der  Herren
Franz,  E.Curtius,  Kirchhoff,  die  zugleich  aus  den  neuen  Entdeckungen  griechischer
  Inschriften  Ergänzungen  sammelten  und  vorbereiteten.  So  wurde  mit  christlichen
  Inschriften  der  zweite  Fascikel  des  vierten  Bandes  geschlossen  und  an  den
Indices  wird  gearbeitet.

Vor  das  Jahr  1840  fällt  Herrn  I.  Bekker’s  Ausgabe  des  Aristoteles  saımmt
den  Auszügen  des  Herrn  Brandis  aus  den  griechischen  Commentatoren,  der  Hebel
einer  neuen,  der  Philosophie  heilsamen  Theilnahme  für  Aristoteles,  die  Grundlage
eines  neu  belebten  Studiums.  Die  Akademie  hat  dies  Unternelimen  im  Auge  behalten.
  Eine  wiederholt  gestellte  Preisaufgabe  fordert  eine  Sammlung  der  aristotelischen
  Fragmente,  und  der  Index  zum  Aristoteles,  für  die  Forschung  in  Sachen
und  Sprache  so  wichtig,  wird  gefördert.  Herrn  Bekker’s  und  Herrn  Meineke’s
kritische  Arbeiten  sind  verwandt.  Beide  erinnern  in  ihren  Bestrebungen  an  Tage
der  Gemeinschaft  mit  Buttmann,  Schleiermacher,  Lachmann.  In  letzter  Zeit
sah  die  Akademie  Herrn  Bekker,  der  aufser  der  klassischen  auch  in  der  altfranzösischen
  Litteratur  thätig  war,  mit  der  ihm  eigenen  Schärfe  der  Beobachtung  in
den  Homer  zurückkehren,  den  Vertrauten  seiner  Jugend.  Herr  Ernst  Curtius
gehörte  als  gegenwärtiges  Mitglied  leider  nur  wenige  Jahre  der  Akademie  an.  Durch
längeren  Aufenthalt  in  Griechenland  heimisch  geworden,  lebt  er  idealen  Sinnes  im
Alterthum  wie  auf  griechischem  Boden,  in  griechischer  Geschichte  und  griechischer
Kunst.  Zumpt’s  gelehrte  Thätigkeit  auf  dem  Gebiete  der  römischen  Litteratur
und  der  römischen  Alterthümer  endete  schon  im  Jahre  1849.

Mit  dem  Gebiete  Zumpt's.  der  gern  Rechtsmaterien  der  Klassiker  behandelte,
berührt  sich  Herr  Dirksen,  der  seit  1841  die  gelehrte  römische  Jurispradenz
unter  uns  vertritt.  Es  ist  der  Akademie,  welche  nach  ihrem  Begriff  die  Fachwissenschaften
  als  solche  von  sich  ausschliefst,  von  grofsem  Werthe,  solche  Gelehrte
in  ihrer  Mitte  zu  besitzen,  welche  die  allgemeinen  historischen  und  philologischen
Forschungen  mit  den  speciellen  Fachstudien  in  enger  und  lebendiger  Beziehung
halten.  Diese  befruchtende  Einwirkung  hofft  die  Akademie  auch  von  dem  Verfasser
des  Werks  über  die  Vormundschaft  wie  der  gromatischen  Institutionen,  Herrn  Ru-