494  21l.  Teexoerengurs,  Die  Akademie  unter  Friepkicu  Wiırnerm  IV.

dorff,  in  welchem  die  Akademie  jüngst  den  Schiller  und  Genossen  ihres  hervurragenden
  Veteranen  Herrn  von  Savigny  begrülste.

Herr  von  Savigny  hat  in  der  Zeit,  von  der  wir  handeln,  ein  weithin  reichendes
  Unternehmen  der  Akademie  auf  die  Bahn  gebracht.  Unter  dem  26.  September
1846  schrieb  er  an  des  Königs  Majestät:  »Viele  Jahre  hindurch  hat  sich  die  hiesige
Akademie  durch  die  Saınmlung  und  Ausgabe  griechischer  Inschriften  ein  in  vanz
Europa  anerkanntes  glänzendes  Verdienst  erworben.  Eine  nicht  minder  ehrenvolle,
wichtige  und  schwierige  Aufgabe  besteht  in  einer  gleichartigen  Sammlung  und  Bekanntmachung
  römischer  Inschriften.  Ja,  diese  Unternehmung  hat  für  uns  in  mancher
  Hinsicht  ein  noch  näher  liegendes  Interesse,  indeın  das  römische  Altertum
durch  die  Rechtswissenschaft  mit  unsern  eigenen  Zuständen  einen  unmittelbaren
Zusammenhang  hat«.  Der  König  falste  das  Grofse  des  Planes  auf  und  bewilligte
freigebig  die  Mittel.  Es  handelte  sich  darum,  aus  dem  weiten  Umfang  und  aus
allen  Zeiten  des  alten  römischen  Weltreichs  die  zahllosen  zerstreueten  oder  verborgenen
  Inschriften,  lauter  unmittelbare  Denkmäler  der  Jahrhunderte,  zu  sammeln
und  zu  sichten,  zu  bearbeiten  und  herauszugeben.  Herr  von  Savigny  ersalı  für  das
Unternehmen  neben  Professor  Otto  Jahn,  der  zwar  nach  der  Lage  der  Umstände
für  dasselbe  nicht  gewonnen  werden  konnte,  aber  ihm  Kellermann's  Apparat
mit  den  eigenen  Bemerkungen  überliefs,  Herrn  Mommsen,  der  daınals  schon  an
Ort  und  Stelle  seine  Inscriptiones  regni  Neapolitani  vorbereitet  hatte  und  mit  dem
Grafen  Borghesi,  deın  ersten  Manne  Italiens  auf  diesem  Gebiete,  verbunden  war.
Die  Akademie  nahm  das  weitschichtige  Unternehmen  in  die  Hand,  um  einen  dauernden
  Mittelpunkt  zu  bilden.  Sie  wählte  einen  epigraphischen  Ausschufs  aus  ihrer
Mitte.  Herr  Professor  Zumpt  arbeitete  an  der  Sammlung  und  Ordnung  des  weitläuftigen
  gedruckten  Materials.  Im  Jahre  ı855  traten  Herr  Mommsen,  damals
noch  in  Zürich,  und  Herr  Henzen  in  Rom  als  Redactoren  an  die  Spitze  des  Unternehmens,
  das  von  nun  an  in  den  verschiedensten  Ländern  die  gelehrten  Kräfte  in
Bewegung  setzte  und  auch  freiwillige  thätige  Theilnahme  weckte.  Herr  de  Rossi.
seit  Borghesi  unter  Italiens  gelehrten  Kennern  der  Inscriptionen  der  erste,  schloß
sich  mit  seltener  Hingebung  an.  Herr  Ritschl  vereinigte  mit  dem  Corpus  inscriptionum
  Latinarum  seine  langjährige  Arbeit  der  Monumenta  priscae  latinitatis.  Dr.
Brunn  sammelte  Inschriften  auf  einer  Reise  nach  Unter-Italien.  Herr  Mommsen
unternahm  zwei  epigraphische  Reisen  mit  reichem  Erfolge,  eine  in  die  Donauländer
und  ans  adriatische  Meer,  die  andere  nach  Süd-Deutschland  und  an  den  Rlein.
Dr.  Hübner  bereist  gegenwärtig  für  das  Unternehmen  Spanien  und  Portugal  und
berichtet  von  wichtiger  Ausbeute.  Für  die  Zwecke  der  Herausgabe  und  des  Drucks
wurde  die  Übersiedelung  des  Herrn  Mommsen  nach  Berlin  nöthig.  Seine  Berufung
hatte  einige  Schwierigkeiten;  aber  sie  fielen,  als  das  Gesuch  der  Akademie  an  des
Königs  Majestät  gelangte.  Bei  neuen  Bewilligungen  hat  das  Unternehmen  auch
schon  die  Gunst  und  Hülfe  des  Regenten,  des  nun  regierenden  Königs  Majestät
erfahren.  An  dem  ersten  Bande  des  Corpus  iuscriptionum  Latinarum  wird  gegenwärtig
  gedruckt.  Wenn  das  Werk  gelingt,  wie  die  vereinigten  Kräfte  hoffen  lassen.
bestimmt,  für  die  Jahrhunderte  ein  festes  Fundament  der  römischen  Geschichte  und
Sprachforschung  zu  sein:  so  wird  sich  mit  ihm  in  der  Wissenschaft  ein  dankbares
Andenken  an  den  Urheber,  König  Friedrich  Wilhelm  den  Vierten,  und  an  den
königlichen  Nachfolger,  der  es  fördert,  dauernd  verknüpfen.

Die  griechischen  und  lateinischen  Inschriften  haben  mit  der  Archaeologie  vielfache
  Berührung,  für  welche  die  Zeit  ergiebig  war.  Griechenlands  klassischer  Boden
wurde  neu  durchforscht.  In  Italien  wurden  Gräber  aufgedeckt  und  es  kamen  etruskische
  Spiegel  und  griechische  Vasen  ans  Licht.  Die  Monumente  Aegyptens  wurden
  durchsucht.  in  Lycien  Denkmäler  entdeckt,  in  Babylon  Schätze  gehoben,  Münzen
in  allen  Ländern  der  alten  Welt  wiedergefunden.