211.  TrespeLensuns,  Die  Akademie  unter  Friepricn  Wir.ueı.s  IV.  495

Herr  von  Olfers,  der  nach  allen  diesen  Seiten  unter  der  Theilnalıme  des
kunstsinnigen  geschichtskundigen  Königs  in  den  Königlichen  Museen  für  die  Sammlungen
  wirkte,  trug  auch  in  der  Akademie  für  diese  Seite  der  Wissenschaft  bei,
wie  z.  B.  in  seiner  Abhandlung  über  die  Iydischen  Königsgräber  bei  Sardes  und
den  Grabhügel  des  Alyattes.  Für  die  Wissenschaft  der  alten  Münzen,  welche  in
enger  Abrundung  ınit  anziehender  Symbolik  oft  ein  vollendetes  Kunstwerk  darstellen
und  eine  scharfe  und  gelehrte  Deutung  fordern,  gewann  die  Akademie  im  Jalıre
ı851  Herrn  Pinder,  unter  dessen  Mitwirkung  der  Reichthum  der  numismatischen
Schätze  in  der  hiesigen  Sammlung  wesentlich  gewachsen  ist.  Panofka,  der  schon
im  Jahre  1858  starb,  publicirte  bildliche  Darstellungen  nach  verschiedenen  Richtungen,
  versuchte  mythologische  Erklärungen  und  hatte  einen  archaeologischen  Commentar
  des  Pausanias  im  Sinn,  von  dem  er  Proben  gab.  Herr  Gerhard,  von
philologischen  Studien  ausgehend  und  immer  wieder  zu  philologischen  Studien  zurückkehrend,
  hat  die  Archaeologie  und  Mythologie  mit  der  Philologie  in  gröfsere
Nähe  gerückt.  Indem  er  beide  zusammendenkt,  hofft  er  für  beide  eine  gegenseitige
Belebung,  für  die  Archaeologie  gröfsere  Strenge,  für  die  Philologie  grölsere  Anschanung.
  Indem  er  nach  allen  Richtungen  für  archaeologische  Sammlung,  Veröffentlichung,
  Erklärung  thätig  war,  ist  er  ein  reger  Mittelpunkt  für  die  deutschen
archaeologischen  Studien  unserer  Zeit.  Schon  im  Jahr  1836  hielt  er  einen  Vortrag
über  die  Metallspiegel  der  Etrusker  und  die  Abbildungen  auf  denselben,  deren  Herausgabe
  die  Akademie  förderte.

So  wurde  auch  in  der  Akademie  an  dem  neu  aufgethanen  Reichthum  gearbeitet,
  und  sie  wünscht,  dafs  von  dieser  Seite  hie  und  da  auch  ein  belebender
Gedanke  in  die  verschwisterte  Kunst  gefallen  sei.

Lachmann  war  der  erste,  der  mit  demselben  grolsen  Erfolge  seinen  sichern
Fufs  in  die  klassische  und  in  die  deutsche  Philologie  setzte,  und  nur  Herr  Haupt,
der,  wie  Lachmann,  aus  der  viel  früher  zur  Wissenschaft  gedielienen  alten  Philologie
  Regel  und  Methode  für  das  Deutsche  gewinnen  will,  folgt  ihm  in  dieser  seltenen
  Vereinigung.  »Er  war  zum  Herausgeber  geboren,«  sagt  Herr  Jacob  Grimm
in  seiner  Gedächtnifsrede  auf  Lachmann:  »seines  Gleichen  hat  Deutschland  in  diesem
Jahrhundert  noch  nicht  gesehen!.«  Es  ist  die  Grölse  des  sich  vollendenden  Herausgebers,
  dafs  in  ihm  die  Philologie,  die  als  Wissenschaft  das  Allgemeine  sucht,  Kunst
wird,  individuell  im  nachempfindenden  Verständnifs,  individuell  in  der  Auffassung
des  eigenthümlichen  Ausdruckes  und  Stils,  so  wie  in  der  Auffindung  und  der  deın
Schriftsteller  nachbildenden  Wiederherstellung  des  Schadhaften.  Wie  Lachmann,
gehen  Herr  Bekker,  Herr  Meineke,  Herr  Haupt  und  Herr  Kirchhoff  diesen
Wee.  Frühere  akademische  Abhandlungen  Lachmann’s  wurden  für  deutsche  Metrik
wichtig  und  seine  Betrachtungen  über  die  Ilias  für  die  sogenannte  homerische  Frage,  die
Frage  über  den  Ursprung  der  hoinerischen  Gedichte,  von  entscheidender  Bedeutung.

Es  war  ein  edles  Geschenk,  das  König  Friedrich  Wilhelm  der  Vierte  seinen
Lande  und  vornehnlich  der  Akademie  machte,  da  er  zu  Anfang  seiner  Regierung
das  Brüderpaar,  an  dessen  Namen  das  deutsche  Volk  lange  gewohnt  ist  die  Vorstellung
  von  der  reinsten  Empfindung  und  dem  tiefsten  Verständnils  seines  eigenen
Wesens  zu  knüpfen,  aus  der  Verbannung  nach  Preufsen,  aus  dem  vereinsamten
Leben  in  Kassel  nach  Berlin  berief.  Aus  allen  Schachten,  die  Herr  Jacob  Grimm
brach  oder  weiter  befuhr  (wer  brauchte  sie  zu  nennen?),  förderte  er  auch  für  die
Gemeinschaft  in  der  Akademie  edles  Erz  zu  Tage.  Au  Herrn  Jacob  Grimm's
Seite  sahen  wir  auch  hier  seinen  Bruder  Wilhelm,  wie  ihn  in  deutscher  Sprache
und  deutschen  Alterthurm  forschend,  mit  jenen  reinen  Sinn,  in  welchem  er  schon
in  seinen  Hausmährchen  die  Seelen  unserer  Kinder  mit  deutschen  Anschauungen  und

ı  J.  Grimm’s  Rede  auf’  Lachmann  in  den  Denkschriften.  1851.  S.AVL.