496  21l.  TREenDELENBURG,  Die  Akademie  unter  Friepricn  Wiırneı.s  1V.

deutschen  Dichtungen  tränkt.  Wir  fühlten  es  mit,  da  er  von  seinem  Bruder  schied,
und  Herrn  Jacob  Grimm’s  Erinnerungen  an  Wilh.  Grimm,  die  wir  anı  Leibniztage
vorigen  Jahres  vernahmen,  klangen  in  Aller  Empfindung  wieder.  Nachdem  Graff,
der  Verfasser  des  althochdeutschen  Sprachschatzes,  im  Jahre  1841  gestorben,  gehörte
für  das  Deutsche  von  der  Hagen  bis  zum  Jahre  1856  der  Akademie  an.  Dem
Niebelungenlied,  an  dem  er  einst  in  schwerer  Zeit  die  deutschen  Herzen  mit  entzündet
  hatte,  so  wie  den  Liederdichtern  des  ı2.,  13.  und  14.  Jahrhunderts  galten
mehrere  seiner  Abhandlungen  und  seine  Darstellungen  aus  alten  Bildern.

In  Herrn  Jacob  Griinın  trat  uns  schon  stillschweigend  auch  das  deutsche  Recht
vor  die  Seele,  dessen  Wissenschaft  in  unserm  Jahrhundert  ımit  Sprache  und  Geschichte
  sich  aufs  Engste  verband.  Seit  1832  besals  die  Akademie  in  dieser  Richtung
  den  schaffenden  Verfasser  der  deutschen  Staats-  und  Rechtsgeschichte,  Karl
Friedrich  Eichhorn.  Seit  1850  nahın  in  der  Akademie  Herr  Homever  Eichhorn's
  Thätigkeit  auf,  der  kritische  Herausgeber  des  Saclısenspiegels  und  verwandter
Rechtsbücher,  der  dem  historischen,  nationalen  und  ethischen  Sinn  der  deutschen
Rechtsordnungen  nachgeht.  Seine  erste  akademische  Abhandlung  !  über  die  Heimat
nach  altdeutschem  Recht,  insbesondere  über  das  Hantgemal,  weckte  in  den  terschiedensten
  Gauen  germanischer  Länder  einen  Trieb  der  Forschung  nach  der  untergegangenen
  oder  untergehenden,  in  ihrem  Zusammenhange  nicht  mehr  verstandenen
Sitte  der  Hausmarken.

Die  Kette  der  Dinge,  welche  in  einer  Kette  von  Männern  ihre  Vertretung
suchten,  hat  uns  schon  in  die  Geschichte  hineingezogen.  j

Im  vorangegangenen  Zeitraum  war  für  sie  der  gelehrte  Verfasser  der  Geschichte
der  Kreuzzüge,  der  um  die  Akademie  verdiente  Friedr.  Wilken,  thätig,  aber  kaum
erreichte  er  die  Zeit,  von  der  wir  handeln.  Er  schied  am  24.  December  1840  durch
den  Tod.  Leider  blieb  der  hochgeachtete  Verfasser  der  Geschichte  der  Hohenstaufen,
Herr  von  Raumer,  seit  1827  ein  angesehenes  Mitglied  der  Akademie,  nur  bis  ins
Jahr  1847  in  derselben.  Seine  vielseitigen  Mittheilungen  und  seine  lebendigen  Anregungen
  sind  der  Akademie  unvergessen.  Herrn  Ranke's  Thätigkeit  gehört  seit
1832  der  Akademie.  Aus  allen  Stadien  seiner  vielseitigen  Geschichtschreibung  sind
der  Akademie  seine  historischen  Forschungen  und  künstlerischen  Darstellungen  zu
Gute  gekommen.  Aus  allen  vernahm  sie  kritische  Untersuchungen,  eigenthümliche
Auffassungen,  lebendige  Erzählungen.  Dafs  die  Akademie  zur  Seite  des  Herrn
Ranke  den  Herausgeber  der  Monumenta  historiae  Germaniae,  Herrn  Pertz,  besitzt,
dankt  sie  dein  Könige,  der  ihn  nach  Berlin  berief.  Es  war  für  die  allgemeinen
wissenschaftlichen  Beziehungen  von  Werth,  dafs  in  ihm  der  Mittelpunkt  jenes  vom
Minister  von  Stein  grofs  angelegten,  durch  vereinte  historische  Kräfte  rüstig  betriebenen
  nationalen  Unternehmens  nach  Berlin  rückte,  auf  dessen  Grunde  es  z.B.
Herrn  Ranke  gelang,  die  deutsche  Geschichte  des  Mittelalters,  insbesondere  auch
in  den  Arbeiten  Jüngerer,  neu  zu  beleben?.  Ilerrn  Pertz’  Mittheilungen  an  die
Akademie  bildeten  die  Seiten  seiner  Wirksamkeit  ab:  bald  waren  sie  bibliographischen
  und  litterarischen  Inhalts,  bald  aus  dem  Gebiete  der  Monumienta,  bald  aus
den  Arbeiten  für  Stein’s  Leben,  bald  aus  dem  Umfang  einer  Ausgabe  von  Leibnizens
Werken.  Für  die  Geschichte  trat  im  Jahre  1851  der  Herausgeber  des  Codex  diplomaticus
  Brandenburgicus,  Herr  Riedel,  ein,  die  Akademie  für  ihre  Aufgaben  eigenthümlich
  ergänzend.  Denn  von  ihrem  Gründer  König  Friedrich  dem  Ersten  war
ibr  in  der  Stiftungsurkunde  ausdrücklich  anbefohlen,  »sonderlich  auch  seiner  Lande
weltliche  und  Kirchenhistorie  nicht  zu  verabsäumen«.

!  Denkschriften.  Aus  dem  Jahre  1852.
2  Vgl.  Jacob  Grimm  über  zwei  entdeckte  Gedichte  aus  der  Zeit  des  deutschen  Heidenthums.
  Deukschriften.  Aus  dem  Jahre  1842.  8.  1.