500  211.  TREnDELEnguURG,  Die  Akademie  unter  Frienrıcu  Wırneım  IV.

entsprungen  waren,  mit  dem  13.  Jahrhundert  selbst  noch  das  19.  verwandt  fühlte.
An  das  historische  Monument  knüpfte  er,  da  er  den  Grundstein  zur  neuen  Dompforte
  weihte,  seine  vollen  Wünsche  für  die  Gegenwart.  Da  klangen  durch  seine
Rede  die  begeisternden  Worte  durch,  deutsche  Einigkeit  und  Kraft  und  Brudersinn
der  Bekenntnisse  und  Herrlichkeit  des  grofsen  Vaterlandes  und  das  durch  eigenes
Gedeihen  glückliche  Preufsen,  Menschenfrieden  und  Gottesfrieden.

Es  war  derselbe  Zug  seines  historischen  Sinnes,  da  der  König  die  alte
Kircheninusik  erneuerte,  wie  er  denn  unter  anderm  zum  Studium  der  alten  Musik
für  die  Königl.  Bibliothek  die  wichtigste  Sammlung  erwarb.

Es  war  derselbe  Zug  seines  historischen  Sinnes,  wenn  der  König  schon  als
Kronprinz  dahin  wirkte,  dafs  die  Marienburg,  der  Sitz  der  Hochmeister  des  deutschen
  Ordens,  aus  Schutt  und  Verwüstung  zu  mittelalterlicher  Pracht  wieder  erstünde.


Es  ist  bekannt,  wie  in  diesen  Schöpfungen  des  Königs  Impulse  für  die  Kunst.
ja,  für  die  Technik  der  Bauhütten  lagen,  welche  weithin  wirkten.  In  den  engern
Kreisen,  welche  der  Akademie  gehören  oder  benachbart  sind,  empfanden  wir  die
anregende  oder  fördernde  Kraft  desselben  historischen  Geistes.

Schon  im  Jahre  1837  war  von  Professor  Preufs  der  Gedanke  angeregt,  zur
Saecularfeier  der  Thronbesteigung  Friedrich's  des  Gro[sen  eine  würdige  Sammlung
  und  Ausgabe  seiner  Schriften  zu  veranstalten.  Der  König  fafste  schon  als
Kronprinz  diesen  Plan  mit  Liebe  auf,  und  König  Friedrich  Wilhelm  der  Dritte
ging  in  ihn  ein.  Aber  die  Sache  rückte  erst,  als  der  König,  zur  Regierung  ge
langt,  durch  die  Cabinetsordre  vom  5.  October  1840  der  Akademie  die  Herausgale
auf  Königl.  Kosten  befahl.  Der  König  öffnete  zu  diesem  Zweck  das  Geheime  Staatsarchiv
  und  liefs  in  historischem  Geiste  immer  die  Bedenken  fallen,  welche  sich
hie  und  da  der  Veröffentlichung  von  Actenstücken  entgegenstellten.  Ein  das  Unternehmen
  leitender  Ausschufs  der  Akademie  wurde  gebildet.  Der  bewährte  und
patriotische  Kenner  der  Geschichte  und  der  Schriften  Friedrich’s  des  Grofsen.  Professor
  Preufs,  fand  sich  zur  Bearbeitung  bereit.  Für  die  militairischen  Schriften
setzte  der  König  eine  Commission  sachverständiger  Offiziere  ein.  Private  schickten
auf  die  öffentliche  Aufforderung  der  Akademie  für  das  nationale  Werk  Handschriften.
die  sie  besalsen,  als  Beiträge.  Königliche  Gesandte  unterstützten  das  Unternehmen.
Der  llerausgeber  sparte  keine  Mühe  und  Sorgfalt,  und  die  Typographie  wandte
ihre  Kunst  auf.  Es  war  der  Akademie  vergönnt,  dals  sie  im  Jahre  1857,  wo  der
letzte,  der  30.  Band  der  stattlichen  kleineren  Ausgabe  mit  litterarischen  und  historischen
  Übersichten  erschien,  ihre  Arbeit  geschlossen  sah.  So  sorgte  der  König
für  eine  reine  und  echte  Quelle  in  der  Geschichte  von  Preufsens  Heldenzeit,  für
eine  ungefälschte  und  unbeschnittene  Darstellung  dessen,  was  Friedrich  der  Grolse
in  Schriften  und  Schriftstücken  als  eigensten  Abdruck  seiner  Gedanken  hinterlassen
hatte;  es  ist  ein  Geschenk  des  Königs  an  die  Geschichtsforschung  und  Geschichtsschreibung
  für  alle  Zeiten,  ein  Geschenk  an  sein  in  der  eigenen  Geschichte  wurzelndes
  Volk,  an  alle,  welche  es  verlangt,  mit  Friedrich  des  Grolsen  Geist  persönlich
  zu  verkehren.

In  demselben  Sinne  vaterländischer  Geschichte  falste  der  König  die  Archive
des  Landes  ins  Auge  und  sorgte  allenthalben  für  eine  einsichtige  und  gelehrte
Leitung  derselben.

In  demselben  Sinne  stiftete  der  König  den  Preis  für  deutsche  Geschichte.

Für  Archaeologie  und  Litteratur  stand  dem  Könige  unter  andern  Freiherr
von  Bunsen  nahe,  auswärtiges  Mitglied  der  Akademie,  ein  Mann  von  weiten
Wissen,  anregenden  Gedanken,  freieın  Sinne  und  unternehmendem  Geiste.  der  nach
verschiedenen  Richtungen  in  Forschungen  und  Schriften  für  die  Wissenschaft  thätıg
war  und  auf  der  llöhe  seiner  Stellungen  ilır  Bestes  nie  vergals.  Sein  Werk  über