21l.  TRrenpeLengune,  Die  Akademie  unter  Frieprıcn  Wırnerm  IV.  501

die  Basiliken,  dem  König  gewidmet,  behandelt  einen  Lieblingsgegenstand  desselben.
Als  im  Jahr  1828  der  König,  noch  Kronprinz,  in  Rom  war,  regte  Bunsen  ihn  für
den  von  Herrn  Gerhard  gefalsten  Gedanken  eines  archaeologischen  Instituts  in
Rom  an.  Dein  Kronprinzen  verdankte  es  seine  Entstehung  und  Erhaltung,  und  im
Jahre  1857  war  einer  der  letzten  Beschlüsse  des  Königs  die  Erweiterung  und  völligere
  Ausstattung  des  archaeologischen  Instituts  und  die  sich  daran  anschliefsende
Gründung  archaeologischer  Stipendien  für  junge  Philologen.  So  bauete  der  König
der  „deutschen  Wissenschaft  an  der  Tiber  eine  bleibende  Stätte,  und  sie  bestellt  dort
einen  fruchtbaren  Boden.

Der  Auftrag  zum  Corpus  inscriptionum  Latinarum  stammt  aus  demselben
Geiste,  der  das  archaeologische  Institut  schützte  und  pflegte.  Das  weitschichtige
Unternehmen  wäre  kaum  möglich  geworden,  hätte  es  nicht  an  den  Kräften,  die
das  archaeologische  Institut  an  sich  zieht,  im  Mittelpunkt  des  alten  römischen  Weltreichs
  die  treueste,  regste  Hülfe  gefunden.

Aus  deinselben  historischen  Geiste,  für  welchen  das  alte  Wunderland  der
Pharaonen  eigenthümlichen  Reiz  hatte,  entsprang  die  grolsartige  Weise,  mit  welcher
  der  König  unter  dem  einsichtsvollen  Rath  Bunsen’s,  Ritter’s,  A.  von  Humboldt’s,
  die  Reise  des  Herrn  Lepsius  und  seiner  Genossen  zur  vielseitigen  Erforschung
  des  alten  Aegyptens  ausrüstete.  Die  Erfolge  liegen  in  den  aegyptischen
Räumen  des  neuen  Museums  vor  Aller  Augen,  und  das  grofse  Reisewerk  des  Herrn
Lepsius  enthält  für  die  entziffernde,  erklärende  Forschung  sichern  Stoff  und  Aufgaben
  die  Fülle.  Auch  Dr.  Brugsch  wurde  später  in  demselben  Sinne  vom  König
unterstützt.  Als  Herr  Lepsius  einen  Theil  seiner  Untersuchungen  und  Ergebnisse
in  seinem  »Königsbuch  des  alten  Aegyptens«  zu  Tage  förderte,  widmete  er  es  dem
Könige  mit  den  Worten:  »dem  erhabenen  Begründer  der  aegyptischen  Forschung
in  Deutschland«.

Mit  sicherm  Blick  erkannte  der  König  den  Werth  litterarischer  Erwerbungen
und  sparte  nichts,  um  durch  sie  die  Wissenschaft  zu  fördern.  Die  Königl.  Bibliothek
  wird  davon  in  ihrer  Geschichte  das  dankbarste  Zeugnils  ablegen.  Wir  erinnern
  nur  an  ein  paar  Beispiele.  Als  der  Freiherr  von  Meusebach  die  seltenen
und  reichen  Schätze  für  deutsche  Sprache  und  Litteratur  hinterliefs,  welche  er  in
edlem  Sinne  mit  tiefer  Kenntnils  und  feinster  Sammlergabe  zusammengebracht  hatte,
sorgte  der  König  mitten  in  wirrer  Zeit  für  den  Ankauf.  Die  indischen  Manuscripte,
von  Sir  Robert  Chambers,  und  die  arabischen,  von  Sprenger  gesammelt,  bilden
  eine  andere  Erweiterung  der  Königl.  Bibliothek  und  begründen  bei  uns  neue
Studien  und  neue  Forschungen  in  der  Litteratur  des  Orients.

In  allen  diesen  Richtungen  war  der  König  mit  lebhaften  Interesse  der  Vergangenheit
  zugewandt  und  nahın  zugleich  an  den  Forschungen  in  den  gegenwärtigen
  Zuständen  thätigen  Antheil.  Wie  Karl  Ritter  verfolgte  der  König  die  ernste
und  kühne  Thätigkeit  der  Missionare  mit  eigenthümlicher  Liebe;  es  war  die  Liebe
zu  ihrem  Beruf,  aber  auch  die  Freude  an  dem  Fortschritt  der  geographischen  und
ethnographischen  Kenntnisse.  In  demselben  Geist  nahın  der  König  an  den  Entdeckungen
  der  wissenschaftlichen  Reisenden  Theil.  Wenn  es  sich  uns  ziemte,
würden  wir  hier  der  Reisen  zweier  erlauchten  Prinzen  des  Königlichen  Hauses,
welche  auch  der  Wissenschaft  schöne  Erträge  brachten,  in  Ehrerbietung  gedenken.
Wir  erwähnten  schon  der  naturhistorischen  Reise  des  Herrn  Peters  nach  Mozambique,
  welche  der  König  ins  Werk  setzte;  wir  erinnern  an  die  Reise  der  Gebrüder
Schlagintweit  in  den  Himalaya.  Auch  den  grolsen  Bestrebungen,  das  centrale
Africa  aufzuschliefsen,  welche  leider  das  Opfer  Overweg’s  und  Vogel’s  kosteten,
aber  doch  auch  durch  die  durchdringenden  Erfolge  des  Dr.  Barth  Dauerndes
und  Folgenreiches  leisteten,  war  der  König  nicht  freind.  obgleich  der  eigentliche
Hebel  dieser  wissenschaftlichen  That  in  England  lag.