502  21l.  TRENDELENBURG,  Die  Akademie  unter  Frieprıcn  WırneLs  IV.

Das  chartographische  Institut,  aus  der  reichhaltigen  Kartensammlung  des
Generals  von  Scharnhorst  im  Jahre  1856  entstanden,  mag  in  diesem  Zusaimmmenhang
  genannt  werden.

Unter  des  Königs  Schutz  und  Theilnahme  wuchsen  die  wissenschaftlichen
Sammlungen  aller  Art;  Belege  dafür  liegen  z.  B.  in  dem  Anlıang  zu  Koepke's
Schrift:  die  Gründung  der  Königl.  Friedrich  Wilhelins  Universität  zu  Berlin.

Unter  dem  Könige  Friedrich  Wilhelm  dem  Vierten  und  durch  den  König
ınehrten  sich  Preufsens  Beziehungen  zum  Orient,  und  der  König  nahm  dabei,  das
Beste  der  Wissenschaften  mannigfaltiger  wahr,  als  es  sonst  im  diplomatischen  Verkehr
  möglich  oder  üblich  ist.  Wenn  Männer  wie  Dr.  Wetzstein,  über  dessen
zwei  Entdeckungsreisen  in  die  ostjordanische  Städtewüste  noch  Karl  Ritter  der
Akademie  berichtete,  Consul  in  Damascus,  Männer  wie  Herr  Georg  Rosen,  der
Linguist  und  ÖOrientalist,  Consul  in  Jerusalem  wurden,  wenn  Dr.  Blau,  der  unter
andern  mit  Dr.  Schlottmann  ..die  Inseln  Samothrake  und  Imbros  bereiste,  der
Königl.  Gesandtschaft  in  Constantinopel  und  der  leider  kürzlich  .  verstorbene  Dr.
von  Velsen,  von  dem  der  Akademie  wichtige  archaeologische  und  epigraphische
Mittheilungen  zukamen,  der  Königl.  Gesandtschaft  in  Athen  beigegeben  waren:  so
erkennt  die  Wissenschaft  diese  sie  mitbegreifende  Fürsorge  ebenso  dankbar.  als  da
unter  der  Regentschaft  des  jetzt  regierenden  Königs  Majestät  bei  der  japanischen
Expedition  ihre  Interessen  wohlwollend  und  wnfassend  berücksichtigt  wurden.  Die
Wissenschaft,  deren  Eine  Seite  es  ist,  allenthalben  ihre  Augen  zu  haben  und  allenthalben
  ihre  Fangarme  hinauszustrecken,  ist  für  jede  Gelegenheit  dankbar.  welche
das  praktische  Leben  ihr  dazu  einräumt  und  gönnt.

Wir  thaten  auf  unsern  Wege  durch  die  verschiedenen  Gebiete  mannigfaltiee.
wenn  auch  nur  vorübereilende  Blicke  in  die  Arbeiten  der  Wissenschaft.  Hier
sahen  wir  dem  einsamen  Gedanken  des  Mathematikers  zu,  dort  dem  Forscher  in
den  Archiven  und  Bibliotheken,  hier  dem  Reisenden,  welcher  der  Natur  den  Stoff
der  Wissenschaft  abgewinnt  oder  den  Monumenten  die  Geschichte  ihres  Landes  alfragt,
  hier  dem  Zergliederer  der  Sprachen,  dort  deın  Darsteller  der  Geschichte.
Allenthalben  sahen  wir  den  König  eingehen  und  helfen.

Und  doch  waren  diese  Blicke  beschränkt  und  trafen  nur  das  Nächste.  In
der  Akademie  erscheint  nur  ein  geringer  Bruchtheil  der  an  der  Wissenschaft  bauenden
  Kräfte,  und  es  ist  erfreulich,  dafs  z.  B.  allein  am  hiesigen  Ort  in  dem  Zeitraum,
  den  wir  betrachteten,  fast  für  alle  Zweige  der  in  der  Akademie  vertretenen
Wissenschaften  einzelne  Vereine,  einzelne  Gesellschaften  entweder  entstanden  oder
blühten  und  aufblüliten,  wie  die  Gesellschaft  der  naturforschenden  Freunde,  Jie
physikalische  Gesellschaft,  die  geologische  Gesellschaft,  die  geographische,  die  archaeologische,
  der  Verein  für  vaterländische  Geschichte  u.  s.  w.  Aber  auch  in  einem
solchen  erweiterten  Blick  erscheint  immer  nur  ein  kleiner  Theil  des  Gedeihens  der
Wissenschaften  unter  der  Regierung  des  Königs  Friedrich  Wilhelms  des  Vierten.
Das  ganze  grofse  Giebiet,  auf  welchem  die  Wissenschaft  in  Theologie  und  Jurisprudenz,
  in  Medizin  und  Technik  praktisch  wird  und  doch  der  theoretischen  Betrachtung
  so  viel  zurückgiebt,  fiel  aufserhalb  unsers  Kreises.  Mögen  auch  diese
Wissenschaften,  mögen  auch  die  Künste,  von  denen  die  Baukunst  schon  voranaing.
von  dem  Könige  reden,  der  nichts  Geistiges  von  seiner  Fürsorge  und  Theilnahme
ausschlofs,  damit  das  nach  dem  Hintritt  des  schwer  geprüften  Königs  an  das  ganze
Volk  gerichtete  königliche  Wort  in  dankbarer  Zustinmung  tiefer  und  tiefer  empfunden
  werde:  »Überall«,  so  lautete  es,  »gewährte  er  mit  freier  königlicher  Hand
edlen  Kräften  Anregung  und  förderte  deren  Entfaltung«.

Uns  lag  der  Dank  dafür  auf  dem  Herzen,  und  auf  den  Dank  gründen  wir
die  Bitte  und  das  Vertrauen,  der  erlabene  König,  der  nun  seine  Hand  über  uns
hält.  wolle  unserer  Körperschaft  die  Huld  erhalten  und  fortsetzen.  welche  sie  von