510  213.  O.  Jaux’s  Denkschrift  (Corpus  Inseriptionum  Latinarum)  1845.

chen  sich  noch  die  Spuren  der  Römischen  Herrschaft  finden,  liefern  zusammengenoınmen
  bei  Weitem  nicht  so  viele  Inschriften  als  Italien  allein.  Griechenland  ist
in  neueren  Zeiten  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  dort  vorhandenen  Inschriften
so  genau  durchforscht,  dafs  man  nicht  hoffen  darf,  nach  den  bereits  gewonnenen,
für  die  Lateinische  Epigraphik  ziemlich  unbedeutenden  Ergebnissen  durch  erneuerte
Untersuchungen  eine  wichtige  Nachlese  zu  halten.  Auch  der  in  dieser  Hinsicht
wichtigste  Theil  von  Asien  ist  neuerdings  wiederholt  bereist  und  untersucht  worden,
  so  dafs  ıman  sich  mit  den  Resultaten  dieser  Beinühungen  sehr  wohl  begnügen
kann.  Dafs  in  Portugal  für  Epigraphik  kein  Gewinn  zu  erwarten  sei,  ist  kürzlich
erst  von  Wittich  ausgesprochen  worden,  der  bei  seinem  Aufenthalt  daselbst  auch
diesen  Gegenstand  ins  Auge  gefalst  hat.  Dagegen  scheint  es,  als  ob  eine  Erforschung
von  Spanien  auch  in  Interesse  der  epigraphischen  Studien  erwünscht  sein  und
eine  nicht  unerhebliche  Ausbeute  gewähren  mülste.  Bekanntlich  ist  Spanien  der
Sitz  einer  ausgebreiteten  Inschriftenverfälschung  gewesen,  so  dafs  Spanische  Inschriften,
  wenn  sie  nicht  durch  gewichtige  Autoritäten  als  ächt  geschützt  werden,
insgernein  als  verdächtig  angesehen  werden.  Es  wäre  also  von  Wichtigkeit,  wenn
‚es  durch  Autopsie  sicher  gestellt  werden  könnte,  welche  Inschriften  dort  noch  wirklich
  vorhanden  und  also  unzweifelhaft  ächt  seien;  allein  man  muls  verinuthen.
dals  die  Resultate  einer  solchen  Untersuchung,  selbst  wenn  die  Verhältnisse  eine
wissenschaftliche  Reise  in  Spanien  weniger  erschweren  sollten,  als  es  jetzt  der  Fall
ist,  in  keinem  Verhältnils  zu  dem  dafür  erforderlichen  Aufwand  stehen  würden.
Denn  es  ist  nicht  zu  erwarten,  dafs  eine  nahmhafte  Anzahl  von  epigraphischen
Monumenten  dort  erhalten  worden  ist,  so  dafs  also  jene  Frage  schwerlich  in  umfassenderer
  Weise  würde  gelöst  werden  können,  und  das  Verzichtleisten  auf  eine
Untersuchung  der  Art  demnach  dem  Ganzen  keinen  wesentlichen  Nachtheil  bringen
würde.  Von  ungleich  gröfserer  Bedeutung  sind  die  zahlreichen  Inschriften  Frankreichs,
  besonders  der  südlichen  Provinzen,  und  des  durch  die  Franzosen  zugänglich
  gewordenen  Algier.  Da  indefs  für  die  vollständige  Sammlung  derselben  durch
das  Französische  Ministerium  besondere  Veranstaltungen  getroffen  sind,  so  scheint
es  zur  Zeit  übertlüssig,  hier  neue  Untersuchungen  anzustellen.  Endlich  ist  der  Beitrag
  von  Inschriften,  welchen  Deutschland,  die  Schweiz  und  Holland  liefern,  keineswegs
  unbedeutend.  Die  vollständige  und  kritische  Benutzung  derselben  ist  aber
bedeutend  erleichtert  durch  die  gründliche  Forschung,  welche  viele  Gelehrte  mit
Eifer  und  Liebe  an  verschiedenen  Orten  denselben  in  neuerer  Zeit  zugewandt  haben.
durch  welche  eine  «wrofse  Anzalıl  derselben  bereits  in  beglaubigter  Weise  herausgegeben
  ist  und  für  Bewahrung  und  Bekanntmachung  der  stets  neu  zum  Vorschein
kommenden  eifrigst  gesorgt  wird;  und  da  sie  überall”  leicht  zugänglich  sind,  hat  es
keine  Schwierigkeit,  sie  in  zuverlässigen  Abschriften  vollständig  zusamınenzubringen.
Was  in  England  in  öffentlichen  Sammlungen  sich  befindet,  ist  wohl  vollständig  publieirt,
  und  eine  Revision  leicht  anzustellen;  was  sich  dort  zerstreut  in  Privatsamınlungen
  befindet,  dürfte  freilich  schwer  auszumitteln  sein,  kann  aber  auch  im  Verhältnifs
  zum  Ganzen  keineswegs  in  Betracht  kommen.  Es  ergiebt  sich  mithin,  dafs,
wie  die  Inschriften  Italiens  an  Zalıl  und  Bedeutung  den  ersten  Rang  einnelimen.
so  die  vollständige  Vereinigung  derselben  aın  meisten  Zeit  und  Mühe  in  Anspruch
nimmt,  und  dafs  es  daher  die  wichtigste,  ja  unerläfsliche  Bedingung  einer  Sammlung
  der  Römischen  Inschriften  ist,  Italien  ganz  und  genau  zu  durchforschen.
Wenn  es  auf  diese  Weise  gelingen  kann,  von  der  Mehrzahl  der  vorhandenen
Inschriften  neue.  zuverlässige,  nach  den  Originalen  genommene  Abschriften  zu  erlangen,
  so  reicht  dies  indessen  doch  nicht  aus.  Es  bleibt  eine  nahmlafte  Anzahl
von  Inschriften,  deren  Originale  entweder  vernichtet  oder  unzugänglich  geworden
sind,  rücksichtlich  welcher  man  sich  also  an  die  Bekanntmachung  früherer  Gelehrten
  zu  halten  hat.  Hier  ist  also  die  Durehforschung  jener  weitschichtigen  Litteratur