213.  O.Jaun’s  Deukschrift  (Corpus  Insceriptionum  Latinarum)  1845.  513

wesentlich  vorbereitet  ist,  die  bedeutenden  Mittel  seines  ausgebreiteten  Verkehrs
für  die  Vollendung  desselben  gewils  ebenso  bereitwillig  als  erfolgreich  verwenden.

Wenn  auf  solche  Weise  das  Material  für  eine  vollständige  Inschriftensammlung
  gewonnen  ist,  ergiebt  sich  die  zweite,  nicht  minder  schwierige  und  umfassende
Aufgabe  der  zweckınälsigen  Verarbeitung  desselben.

Das  kritische  Verfahren  bei  der  Behandlung  der  einzelnen  Inschriften  wird
dadurch  sehr  erleichtert  und  vereinfacht,  dafs  bei  der  Mehrzahl  derselben  glaubwürdige
  Abschriften  zu  Grunde  gelegt  werden  können,  und  da  ist  es  denn  vollkoınmen
  überflüssig,  die  Abweichungen  früherer  Abschriften  oder  Abdrücke  alle
aufzuführen  oder  gar  zu  besprechen,  es  genügt,  wenn  die  richtige  Lesart  gegeben
und  dabei  angemerkt  wird,  wo  dieselbe  Inschrift  früher  mitgetheilt  worden  ist,
damit  kein  Zweifel  über  die  Identität  aufkommen  könne;  aus  diesem  Grunde  ist
Vollständigkeit  in  diesen  Angaben  allerdings  zu  erstreben,  abweichende  Lesarten
aber  sind  nur  ausnahınsweise  in  wichtigen  Fällen  anzugeben.  Anders  verhält  es
sich  freilich  bei  denjenigen  Inschriften,  deren  Originale  nicht  haben  wieder  zu
Ratlıe  gezogen  werden  können;  hier  wird  oft  die  richtige  Lesart  nur  durch  Vergleichung
  der  verschiedenen  Abschriften  hergestellt  werden  können,  und  Mittheilung
der  Varianten  ist  also  unerläfslich.  Allein  Vertrautheit  mit  den  Inschriften,  so  wie
die  Bekanntschaft  ınit  der  Beschaffenheit  der  Quellen  wird  hier  das  rechte  Maals  zeigen,
so  dals  es  keineswegs  nöthig  ist,  alle  Versehen  unwissender  Abschreiber  aufzuzeichnen.

Eine  vollständige,  fortgehende  Erklärung  der  Inschriften  in  ihren  Einzelheiten
  zu  geben,  liegt  aufserhalb  der  Gränzen  einer  Sammlung.  Die  Menge  der  Inschriften
  ist  so  grols,  die  Masse  des  Stoffes,  welcher  nach  allen  Seiten  der  Erläuterung
  bedürftig  ist  oder  zu  ausführlicherer  Besprechung  auffordert,  so  unerıinelslich,
  dafs  schon  die  Rücksicht  auf  die  Kräfte  der  Bearbeiter  wie  auf  den  Uınfang
des  Werkes  es  verbietet,  hierauf  einzugehen.  Auch  kann  man  an  eine  allgemeine
Sammlung  die  Forderung  nicht  stellen,  dafs  sie  über  alle  Fragen,  die  dabei  in
Betracht  kommen  können,  Anfschlufs  ertheile;  sie  genügt  ihrem  Zwecke,  wenn
sie  das  Material  vollständig,  gesichtet  und  geordnet  liefert,  dals  es  mit  Sicherheit
und  Bequemlichkeit  gebraucht  werden  kann;  die  Bearbeitung  des  in  den  Inschriften
  gegebenen  Stoffs  bleibt  andern  Werken  überlassen.  Es  ist  überhaupt  eine  erspriefsliche
  Benutzung  der  Inschriften  nicht  wolıl  denkbar  ohne  ein  genaueres  Studium
  und  die  daraus  erwachsende  Vertrautheit  mit  denselben;  wer  ohne  diese  nur
für  einen  einzelnen  Fall  zu  ihnen  seine  Zuflucht  nimmt,  wird  leicht  mehr  Schwierigkeiten
  als  Hülfe  finden.  Dieses  Studium  nun  soll  eine  allgeineine  Sainınlung
erleichtern  und  befördern,  allein  sie  kann  es  Nieınand  ersparen.  Wenn  daher  in
einer  solchen  auch,  wo  es  in  der  Kürze  geschehen  kann,  einzelne  Schwierigkeiten
beseitigt,  Ergänzungen  gerechtfertigt  werden  dürfen,  so  sind  doch  die  Hauptinittel,
welche  sie  für  die  Erklärung  darbieten  kann,  die  zweckmälsige  Ordnung  der  Inschriften
  und  vollständige  Register.  In  beider  [sic]  Rücksicht  hat  Scaliger  das  Beispiel
  gegeben  und  den  Weg  gezeigt.

Es  ist  kaum  zu  bezweifeln,  dals  so,  wie  für  die  Griechischen  Inschriften  das
geographische  Princip  der  Anordnung  sich  als  das  zweckmälsigste  bewährt  hat,  so
für  die  Römischen  die  von  Scaliger  ausgegangene  Eintheilung  nach  den  wichtigsten
  Gegenständen  im  Allgemeinen  die  richtige  sei;  denn  dals  im  Einzelnen  die
Anordnung  der  Gruterschen  Sammlung  verbessert  werden  könne  und  müsse,  ist
freilich  wahr  und  wird  sich  hauptsächlich  bei  der  Ausarbeitung,  wenn  der  gesammte
  Stoff  vollständig  vorliegt,  ergeben  und  bestimmen  lassen.  Man  wird  aber
schon  aus  dem  äufseren  Grunde  darauf  hingewiesen,  dafs  die  grofse  Masse  der
Inschriften  weit  umher  zerstreut  ist,  olıne  dafs  sich  der  Ort  der  Auffindung  nachweisen
  liefse;  dals  dieser  aber  aus  den  Inschriften  selbst  keinesweges  häufig  mit
Sicherheit  zu  erkennen  ist,  rechtfertigt  wiederum  das  Zurücktreten  des  geographi-Geschichte

  der  Akademie.  II.  33