213.  O.  Jans  an  Savıony  (Corpus  Inscriptionum  Latinarum)  1345.  515

Anhang:  Orro  Jaun’s  Brief  an  den  Staatsminister  von  Savıcny  über
dieAusführung  einesCorpusInscriptionum  Latinarum  (24.  August  1845).

[Akademisches  Archiv.)

Ew.  Excellenz
habe  ich  die  Ehre  hiebei  den  von  mir  ausgearbeiteten  Plan  für  das  Corpus  Inscriptionum
  Latinarum  zu  überreichen,  und  erlaube  mir  den  Wunsch  auszusprechen,
dafs  er  die  Billigung  Ew.  Excellenz  finden  möge;  ich  würde  ihn  schon  früher  eingesandt
  haben,  wenn  ich  nicht  durch  Prof.  Lachmann  erfahren  hätte,  dals  Ew.  Excellenz
  auf  einige  Zeit  verreisen  würden.

Was  die  französische  Unternehmung  anlangt,  so  hat  mir  Hase  noch  am  19.  Juni
geschrieben:  »Aus  dein  Corpus  inscriptt.,  kommt  überhaupt  etwas  zu  Stande,  wird
höchstens  ein  blofser  Abdruck  des  Seguierschen  Nachlasses  werden«.  Wie  Borghesi
  darüber  denkt,  geht  aus  einem  Briefe  an  Henzen  hervor,  dessen  von  Moınmsen
mir  zugeschickte  Abschrift  ich  beizulegen  mir  erlaube.  Indessen  ist  kaum  zu  bezweifeln,
  dafs  die  Ankündigung  eines  ähnlichen  Unternehmens  die  Franzosen  für  den
Augenblick  wenigstens  bewegen  wird,  alle  Kräfte  aufzubieten,  und  sie  können
demselben  namentlich  in  Italien  aufserordentliche  Hindernisse  in  den  Weg  legen.
Es  wäre  daher  vielleicht  die  Frage,  ob  nicht  ein  Versuch  zu  einer  Vereinbarung
mit  den  Franzosen,  natürlich  so,  dafs  die  eigentliche  Arbeit  den  Deutschen  verbliebe,
  zu  ınachen  sei,  vielleicht  dafs  Hrn.  Eggers  die  Vorbereitung  der  französischen
  Inschriften  übertragen  würde.  Bei  deın  jetzigen  Stande  der  Sache  wäre  man
in  Paris  vielleicht  nicht  abgeneigt,  darauf  einzugehen,  doch  wäre  dafür  eine  persönliche
  Betreibung  der  Angelegenheit  in  Paris  wohl  unumgänglich  nothwendig.

Ich  kann  eine  andere  Schwierigkeit  nicht  unerwähnt  lassen,  welche  sich  in
Beziehung  auf  Dr.  Moiınsen  gezeigt  hat.  Derselbe  ist  allerdings  bereit,  diesem
Unternehmen  seine  Kräfte  zu  widmen,  und  hat  bereits  seine  Studien  auf  diesen
Zweck  zu  richten  begonnen,  allein  er  hat  während  seines  Aufenthalts  in  Rom  mit
dem  gelehrten  Jesuiten  Secchi  und  seinen  Anhängern  einen  heftigen  Kampf  eröffnet,
welcher  eine  solche  Erbitterung  erregt  hat,  dafs  Secchi  erklärt  hat,  wie  mir  Dr.
Braun  schreibt,  ınan  werde  Momınsen  alle  Hindernisse  in  den  Weg  legen.  Man
mufs  leider  gestehen,  dafs  diese  in  Rom  unübersteiglich  sein  werden,  und  es  ist
sehr  zu  fürchten,  dafs  dieser  feindselige  Einflufs  sich  auch  weiterhin  erstrecken
werde,  so  dafs  eine  officielle  Theilnahme  Momisen’s  der  Sache  schaden  könnte
und  seine  Thätigkeit  jedenfalls  sehr  gelähmt  ist.  Auf  Moınmsen’s  juristische  und
epigraphische  Tüchtigkeit  und  seine  fördersame  Hülfe  habe  ich  aber  so  sehr  gerechnet,
  dals  ich  ohne  ihn  kaum  wagen  würde,  diese  Arbeit  zu  unternehmen.

Ew.  Excellenz  haben  verlangt,  dafs  ich  rücksichtlich  der  äufseren  Bedingungen
  Vorschläge  mittheilen  solle.  Was  zuerst  den  Aufenthalt  in  Italien  anlangt,  so
habe  ich  die  Dauer  auf  4  bis  5  Jahre  angegeben,  weil  ich  es  für  angemessen  hielt,
die  längste  Zeit,  welche  erforderlich  ist,  zu  nennen,  wenn  es  ınir  gleich  nicht  unınöglich
  scheint,  dafs  vielleicht  eine  etwas  kürzere  Frist  ausreichen  könne.  Für
die  Dauer  dieses  Aufenthalts  bedingt  Moınmsen  sich  ein  jährliches  Gehalt  von
ı000  Thlr.  aus.  Da  ich  verheirathet  bin  und  also  in  Rom  ein  Hauswesen  unterhalten,
  aber  auch  vielfache  Reisen  unternehmen  ımuls,  kann  ich  nach  sorgfältiger
Berechnung  nicht  mit  einem  geringeren  Einkommen  als  2000  Thlr.  jährlich  sorgenfrei
  leben.  Durch  die  wiederholte  Translocation  und  die  dadurch  bedingte  mehrmalige
  Einrichtung  des  Hauswesens  würden  aber  aufserordentliche  Kosten  erwachsen,
welche  zu  bestreiten  ich  aufserdem  um  Bewilligung  einer  Summe  von  1000  Thlr.
bitten  mülste.  Ew.  Excellenz  werden  verzeihen,  wenn  ich  die  Bitte  hinzufüge,  dafs
für  die  Zeit,  da  ich  für  die  hiesige  Universität  nicht  würde  wirken  können,  auch

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