214.  Savıcny’s  Antrag  an  die  Akademie  (Corp.  Inser.  Lat.)  1846.  517

nicht  ein  Raub  am  Corpus  inscriptionum  sei.  Ich  wage  es,  die  Hoffnung  auszusprechen,
  Ew.  Excellenz  werden  das  Vertrauen  in  mich  setzen,  dafs  ich  die  Bearbeitung
  der  Lateinischen  Inschriften  in  wahrer  wissenschaftlicher  Hingebung  übernehmen
  und  ausführen  werde.

In  den  Gesinnungen  tiefster  Verehrung  verharre  ich

Ew.  Excellenz
ganz  gehorsamster
Greifswald,  den  24.  August  1845.  Otto  Jahn.

214.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.903).

Sıvıcny's  Antrag  an  die  Akademie?  ein  Corpus  Inscriptionum  Latinaruın
  herauszugeben  (26.  Januar  1846).

[Akademisches  Archiv.]

Die  Benutzung  der  Römischen  Inschriften,  die  unzweifelhaft  zu  den  wichtigsten
  Quellen  der  Alterthumskunde  gehören,  ist  bis  jetzt  mit  den  allergröfsten  Schwierigkeiten
  verbunden.  Ein  grofser  und  wichtiger  Theil  derselben  ist  ungedruckt,  die
gedruckten  aber  sind  theils  in  mannigfaltigen  Samınlungen,  theils  in  wenig  bekannten
  und  schwer  zugänglichen  einzelnen  Werken  zerstreut.  Vieles  darunter  ist  entschieden
  unächt  oder  von  zweifelhafter  Ächtheit,  und  dem  einzelnen  Geschichtsforscher
  fehlen  fast  immer  die  Mittel  zu  einer  kritischen  Feststellung.  Eine  planmäfsige,
  umfassende  Sammlung  der  erhaltenen  ächten  Römischen  Inschriften  würde
daher,  wie  Niemand  zweifelt,  zu  den  wirksamsten  Förderungen  gründlicher  Geschichtsforschung
  gehören.  Auch  ist  ein  solches  Werk  in  unserer  Zeit  durch  den  sehr  erweiterten
  gegenseitigen  Verkehr  der  Nationen  leichter  als  in  früherer  Zeit  möglich.
Vielleicht  darf  gleich  hier  noch  als  einzelner  Beweggrund,  bald  an  die  Vorbereitung
eines  solchen  Werkes  zu  denken,  der  Umstand  hervorgehoben  werden,  dafs  gegenwärtig
  noch  in  der  Person  von  Borghesi  ein  Mann  lebt,  der  an  gründlicher  und  umfassender
  Kenntnils  dieses  Fachs  und  an  edler  Bereitwilligkeit,  fremde  Arbeiten  zu
unterstützen,  vor  allen  Anderen  hervorragt,  und  dessen  Stelle  hierin,  wenn  er  einst
ausscheidet,  schwerlich  wieder  ganz  ersetzt  werden  wird.

Einer  grofsartigen  deutschen  Unternehmung  schien  seit  mehreren  Jahren  der
Umstand  im  Wege  zu  stehen,  dafs  die  Französische  Regierung  eine  allgemeine  Sammlung
  der  Römischen  Inschriften  zu  veranstalten  beschlossen  hatte  und  mit  ganz  aulserordentlichen
  Geldmitteln  unterstützen  wollte.  So  wenig  der  Plan  dieser  Arbeit  und
das  zur  Ausführung  ausersehene  Personal  Aussicht  auf  eine  befriedigende  Lösung  der
wissenschaftlichen  Aufgabe  darbot,  so  würde  doch  aus  manchen  äufseren  Gründen
von  unserer  Seite  eine  Concurrenz  wenig  Aussicht  auf  Erfolg  gehabt  haben.  Seit
Villemain’s  Austritt  aus  der  Verwaltung  ist  nach  zuverlässigen  Nachrichten  jener
Plan  aufgegeben,  damit  also  diese  Schwierigkeit  für  ein  von  Deutschland  ausgehendes
  ähnliches  Unternehmen  beseitigt.

Die  wichtigste  Bedingung  für  das  Gelingen  einer  solchen  Unternehmung  besteht
  darin,  dafs  sich  Männer  finden,  die  mit  der  nöthigen  gründlichen  Kenntnifs
die  Liebe  zur  Sache  und  den  hingebenden  Eifer  verbinden,  ohne  welche  ein  so
weit  aussehendes,  Anstrengung  und  Ausdauer  erforderndes  Werk  nicht  durchgeführt
werden  kann.  Dazu  aber  sind  jetzt  folgende  günstige  Aussichten  vorhanden.  Längere
  Zeit  hindurch  hatte  sich  mit  der  Vorbereitung  zu  einer  solchen  Arbeit  der
verstorbene  Kellermann  beschäftigt,  welcher  dazu  sowohl  von  der  Dänischen  Regierung
  als  von  unserer  Akademie  Unterstützung  erhielt.  Dessen  sehr  bedeutender