518  214.  Sıvıory’s  Antrag  an  die  Akademie  (Corp.  Inser.  Lat.)  1846.

Nachlafs,  meist  auf  gröfseren  Reisen  gesammelt,  befindet  sich  in  den  Händen  des
Dr.  Otto  Jahn,  jetzt  Professors  in  Greifswald,  welcher  bereit  ist,  sich  an  die  Spitze
der  Unternehmung  zu  stellen,  und  für  seine  Befähigung  dazu  bereits  durch  sehr
gelungene  einzelne  Arbeiten  das  beste  Vertrauen  erregt  hat.  Ein  jüngerer  Gelehrter,
Dr.  Mommsen,  der  sich  schon  jetzt  mit  Unterstützung  der  Akademie  zu  gleichartigen
Zwecken  in  Italien  aufhält,  ist  bereit,  sich  der  Theilnahme  an  einer  gröfseren  ÜUnternehmung
  völlig  zu  widmen.

Iudem  ich  hierdurch  den  Antrag  mir  erlaube,

dals  die  Akademie  unter  ihrem  Schutz  und  ihrer  Leitung  eine  allreweine
  Sammlung  der  Römischen  Inschriften  zu  veranlassen  beschliefsen
wolle,
lege  ich  zur  Erläuterung  und  Begründung  zwei  schriftliche  Beilagen  vor:

1.  Eine  Denkschrift  des  Professor  Jahn,  worin  der.  wissenschaftliche  Plan
einer  solchen  Sammlung  dasgelegt  ist;

2.  Ein  Schreiben  desselben,  welches  sich  mit  der  Darlegung  der  dazu
nöthigen  Geldmittel  beschäftigt.

Wenn  die  Akademie  auf  den  gegenwärtigen  Vorschlag  überhaupt  einzuzchen
nicht  abgeneigt  ist,  so  würde  es  zunächst  darauf  ankomınen,  diese  beiden  Aktenstücke,
  etwa  durch  eine  niederzusetzende  Commission,  einer  genauen  Prüfung  zu
unterwerfen.

Was  die  in  dem  vorgelegten  Briefe  besprochenen  Geldmittel  und  insbesondere
  deren  Umfang  betrifft,  so  geht  mein  fernerer  Vorschlag  dalıin,  insbesondere
das  Gutachten  unsers  Collegen  Pertz  zu  vernelimen,  welcher  bei  völlig  gleichartigen
Veranlassungen  vieljährige  Erfahrungen  zu  machen  Gelegenheit  gehabt  hat,  und  auf
dessen  Urtheil  das  Schreiben  selbst  provocirt.

Die  Herbeischaffung  dieser  Geldmittel  würde  ich  vorschlagen,  vor  der
Hand  noch  nicht  zum  Gegenstand  der  Berathung  zu  machen.  Ist  einmal  der  Plan
an  sich  und  der  Umfaug  der  erforderlichen  Geldmittel  durch  genaue  Prüfung  festgestellt,
  so  behalte  ich  mir  vor,  wegen  der  Herbeischaffung  derselben  besondere
Anträge  zu  machen.

Aber  auch  in  dieser  Beschränkung  sind  die  von  mir  gegenwärtig  in  Antrag
gebrachten  Prüfungen  so  weitgreifend,  dals  eine  ganz  schleunige  Erledigung  derselben
  kauın  zu  erwarten  ist.  Unter  diesen  Umständen  erlaube  ich  mir  den  Vorschlag.
neben  der  von  mir  bereits  beantragten  weitaussehenden  Prüfung,  und  unabhängig
von  derselben,  einen  vorläufigen  Beschlufs  zu  fassen,  welcher  vielleicht  in  kurzer
Zeit  und  ohne  grofses  Bedenken  gefalst  werden  könnte,  da  er,  bei  einem  sehr
mälsixgen  Aufwand,  einen  zwiefachen  Vortheil  in  nahe  und  sichere  Aussicht  stellt:
zunächst  einen  unmittelbaren  Gewinn  für  die  Wissenschaft.  daneben  aber  eine  so
sichere  Probe  und  Vorbereitung  für  das  beabsichtigte  grolse  Werk,  wie  sie  schwerlich
  auf  einem  anderen  Wege  verschafft  werden  könnte.

Der  Dr.  Mommsen  nämlich  hat  die  letzten  6  Monate  ausschliefslich  auf  Vorarbeiten
  für  das  Werk  verwendet,  aufser  einer  bedeutenden  Anzahl  von  Provinzialmuseen
  in  Neapel  und  Sicilien  die  grofse  Sammlung  in  Neapel  ganz  copirt  und
durch  das  Studium  der  Lokalliteratur  dieses  Königreichs  einen  Grund  gelest  für
die  allgemeine  Sammlung,  welche  seiner  Ansicht  nach  nicht  auf  die  grofsen  Corpora.
sondern  auf  die  lokalen  Vorarbeiten  gegründet  werden  mufs.  Er  schlägt  nunmehr
vor,  eine  Probearbeit  aufzustellen  über  die  Inschriften  einer  Provinz,  geordnet  und
redigirt.  wie  iim  Grofsen  die  von  ganz  Italien  und  dem  Orbis  Romanus  überhanpt
behandelt  werden  würden.  Dadurch,  meint  er,  würde  ınan  Zeit  gewinnen,  die
Schwierigkeiten  zu  überwinden,  die  dem  grofsen  Unternehmen  im  Wege  stehen.
man  würde  einen  würdigen,  den  Italiänern  Vertrauen  eintlöfsenden  Prospeectus  erlangen,
  man  könnte  über  zweekmälsige  Modificationen  öffentlich  debattiren  und