215.  GeruAarn’s  Denkschrift  betreifend  das  Corp.  Inser.  Lat.  (1846).  519

endlich  von  beiden  Seiten  die  Forderungen  und  Leistungen,  die  Kosten  an  Zeit
und  Geld  klarer  übersehen.  Er  hält  zu  einem  solchen  Versuch  Samnium  geeignet,
welches  viel  interessantes  Neues  ergeben  hat,  leicht  zu  bereisen  ist  und  dessen  Inschriften
  -Vorrath  klein  genug  ist,  um  im  Lauf  des  gegenwärtigen  Jahrs
der  Akademie  fertig  vorgelegt  werden  zu  können.

Dieser  Vorschlag  scheint  mir  so  praktisch,  von  so  zuverlässigen  Erfolg  und
so  frei  von  Gefahr  des  Mifslingens,  dafs  ich  ihn  unbedingt  zur  Annahme  zu  empfehlen
  mich  veranlalst  finde.  Mein  Antrag  geht  also  zunächst  dahin,  die  hier  bezeichnete
  provisorische  Arbeit,  als  Einleitung  zu  der  gröfseren,  deren  genaue  Prüfung
  und  Feststellung  daneben  ihren  Fortgang  haben  würde,  auf  der  Stelle  zu
genehmigen  und  dazu  aus  den  Fonds  der  Akademie  eine  Summe  von  400  Reichsthaler
  zu  bestimmen,  welche  ich  durch  Abtretung  des  mir  für  1846  zukommenden
akademischen  Gehalts  auf  600  Reichsthaler  zu  erhöhen  erbötig  bin.  Weniger  würde,
bei  der  bedeutenden  Zeit  und  den  mancherlei  Reisekosten,  zu  diesem  Zweck  nicht
ausgesetzt  werden  können,  und  der  wissenschaftliche  Ertrag  würde  ohne  allen
Zweifel  sehr  lohnend  sein,  selbst  ohne  Rücksicht  auf  das  grölsere  Werk,  wozu
dieser  temporäre  Auftrag  als  Anfang  und  Einleitung  dienen  soll.

Eine  möglichst  schleunige  Entschliefsung  hierüber  mufs  ich  aber  deswegen
angelegentlich  erbitten,  weil  der  Dr.  Mommsen,  wenn  ihm  dieser  Auftrag  und  die
dazu  dienende  Unterstützung  nicht  zu  Theil  wird,  auf  Ostern  seine  Rückreise  anzutreten
  gesonnen  ist.

Sollte  die  Königliche  Akademie  auf  die  in  dem  gegenwärtigen  Schreiben  ausgesprochenen
  Wünsche  und  Anträge  einzugehen  geneigt  sein,  so  würde  ich  zugleich
anheinnstellen,  dem  Professor  Jahn  eine  vorläufige,  auf  keine  Weise  bindende  Erklärung
  zugehen  zu  lassen,  ungefähr  des  Inhalts:

die  Akademie  habe  den  von  ihm  ausgearbeiteten  Plan  einer  Inschriftensamnınlung
  erhalten,  sie  sei  im  Allgeineinen  nicht  abgeneigt,  sowohl  die
“Unternehmung  selbst  in  den  Kreis  ihrer  Thätigkeit  zu  ziehen,  als  auch
ihın  die  Leitung  der  Arbeit  zu  übertragen.  Es  sei  von  ihr  jetzt  eine
genaue  Prüfung  des  Planes  selbst  und  der  zur  Ausführung  nöthigen
Mittel  veranlalst  worden,  nach  deren  Beendigung  ihın  weitere  Erklärung
zugehen  werde.

Sollte  im  Verlauf  der  Prüfung  die  damit  zu  beauftragende  Commission  besondere
  Zweifel  und  Bedenken  finden,  so  würde  es  vielleicht  zweckmäfsig  sein,  den
Professor  Jahn  alsdann  zu  einer  Reise  nach  Berlin  aufzufordern,  um  das  Nöthige
mit  der  Commission  zu  besprechen.

Berlin,  den  26.  Januar  1846.

Savigny.
An  die
Königliche  Akademie  der  Wissenschaften.

215.
(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  906).

Grruarod's  Denkschrift  betreffend  das  Corpus  Inscriptionum  Latinarum
  (20.  Juli  1846).

[Akademisches  Archiv.)

Die  Vorarbeiten  eines  Corpus  Insceriptionum  Latinarum  beruhen  theils  auf
Zusammenstellung  und  Sichtung  aller  bisher  in  verschiedenen  Werken  zerstreuten
Inschriften.  theils  auf  einer  Vervollständigung  derselben  durch  Betrachtung  der  Steine
und  sonstigen  Denkmäler,  welche  Inschriften  enthalten,  an  Ort  und  Stelle.  Jener