524  216.  Monssen’s  Denkschrift  (Corpus  Inser.  Latinarum)  1847.

der  falschen  Steine  in  einem  möglichst  aus  den  letzten  zugänglichen  Quellen  genommenen
Tert  mit  Anyabe  erheblicher  varietas  lectionis  kritisch  genau  wiederzugeben  und  durch
genaue  Indices  den  Gebrauch  derselben  zu  erleichtern.  Ein  Kommentar  ist  wünschenswerth,
  nicht  aber  nothwendig.

Ich  wende  mich  jetzt  dazu,  diese  Sätze,  die  in  ihrer  Allgemeinheit  unwidersprechlich
  sind,  aber  auch  in  dieser  keinen  Begriff  von  den  Eigenthümlichkeiten
des  Werkes  geben,  in  specieller  Ausführung  zu  entwickeln.

L  Sammlung  des  inschriftlichen  Materiala.
A.  Die  Literatur.

Das  epigraphische  Material  ist  theils  aus  der  Literatur,  theils  aus  den  Steinen
selbst  zu  entnehmen.  In  der  Literatur  sind  das  Wichtigste  die  grolsen  epigraphischen
  Sammlungen,  in  denen  sich  im  Wesentlichen  schon  vereinigt  befindet,
  was  bis  zum  J.  1770  von  lateinischen  Inschriften  bekannt  war.  Indels  sind
diese  Sammlungen,  deren  man  sieben  bis  acht  rechnen  kann,  sämmtlich  von  der
Art,  dafs  man  nicht  bei  ihnen  stehen  bleiben  darf,  sondern  vielmehr  ihren  Quellen
nachzugehen  hat,  deren  Benutzung,  wie  sie  von  ihnen  geschah,  keinesweges  den
Forderungen  unserer  Kritik  entspricht.  So  z.  B.  hat  Scaliger  die  Texte  von  Apian
und  Jacob  Mazochi  zum  Theil  recht  willkürlich  und  ohne  Angabe  der  überlieferten
Lesart  konstituirt.  Viel  weniger  Verlafs  ist  nun  erst  auf  Muratori,  dessen  Flüchtigkeit
  und  Nachläfsigkeit  man  Schritt  vor  Schritt  kontroliren  mufs.  Z.B.  aus  der
wichtigen  historia  Marsorum  von  Phöbonius  fehlen  ınanche  Inschriften  bei  Muratori
  ganz  (z.  B:  die  von  mir  im  Bull.  dell’  Inst.  Dec.  1846  wieder  abgedruckte  von
Anxanum),  andere  sind  statt  auf  die  Autorität  des  ehrlichen  Phöbonius  auf  die  des
jüngeren  Fälschers  Corsignani  gestellt,  sehr  viele  iin  Wiederabdruck  durch  nicht
als  solche  bezeichnete  Supplemente  oder  durch  pure  Nachlässigkeit,  selbst  durclı
Weglassung  ganzer  Zeilen  verdorben.  Wo  die  Herausgeber  der  grofsen  Inschriftsammlungen
  aus  der  gedruckten  Literatur  schöpften,  ist  das  Zurückgehen  auf  ilıre
Quellen  leicht  zu  bewerkstelligen;  unınöglich  wird  dagegen  oft  die  Kontrole,  wo
sie  sich  auf  Aandschriftliche  Mittheilungen  stützen.  Indels  auch  hier  geben  die  Bibliotheken
  vielfache  Aushülfe.  Noch  existiren  im  Vatican  die  reichen  Scheden  des
jüngeren  Aldus!,  die  Grundlage  der  Gruter'schen  Sammlung  und  auch  von  Doni
vielfach  benutzt,  in  der  Ambrosiana  die  Pinelli'schen  Papiere,  die  Muratori  so
wichtig  wurden,  wahrscheinlich  auch  noch  in  der  Barberina  die  grolse  Farrago
Morrone’s,  aus  der  Fabretti  so  unkritisch  und  unverständig  ausgewählt  hat.  Für
ein  C.  J.  wäre  eine  möglichst  vollständige  Einsicht  dieser  und  ähnlicher  Papiere
sehr  wünschenswerth,  nicht  so  sehr  wegen  grofser  Resultate,  die  daraus  zu  erwarten
  wären,  sondern  weil  eine  solche  auf  die  Dauer  berechnete  Arbeit  überall
möglichst  auf  die  letzten  Quellen  zurückgehen  und  an  die  Stelle  eines  ewig  wiederholten
  Benutzens  endlich  ein  Ausnutzen  dieses  Papierwustes  setzen  mufs.  Dafs
indels  ein  erschöpfendes  Studium  desselben  auch  nicht  ohne  positive  Resultate  bleiben
  wird,  dafür  erinnere  ich  nur  an  Klenze’'s  Collation  des  constantinischen  Edikts
mit  den  Pinelli'schen  Scheden  und  Borghesi’s  Dissertation  über  den  Pasiphilus,
welche  ganz  auf  eine  von  Gruter  in  den  Scheden  des  Manutius  übersehene  Inschrift
basirt  ist.  Auch  ich  habe  in  einem  mehrinonatlichen  Studium  der  wichtigsten  epigraphischen
  Handschriften  des  Vaticans  wmanchen  interessanten  Fund  gethan;
doch  kann  dieses  bei  den  grofsen  Beschränkungen,  unter  denen  es  allein  möglich
war,  nur  als  ein  geringer  Anfang  zu  der  sehr  schwierigen  und  weitläufigen  Arbeit

!  Dessen  Exemplar  des  Smetius,  vielfach  von  ihm  berichtigt,  habe  ich  auf  der  Borbonica
  in  Neapel  gefunden  und  verglichen.