216.  Monuumsen’s  Denkschrift  (Corpus  Inser.  Latinarum)  1847.  525

bezeichnet  werden.  Die  Schwierigkeiten,  auf  welche  die  Vorarbeiten  zu  einem  C.  I.
L.  im  Vatican  stofsen  (um  der  jetzt  gänzlich  geschlossenen  barberinischen  Bibliothek
nicht  weiter  zu  gedenken),  werden  sich  ohne  diplomatische  Vermittelung  schwerlich
  beseitigen  lassen.  Sie  beruhen  zunächst  darauf,  dafs  der  hiesige  Professor
Sarti  von  dem  verstorbenen  Papst  eine  Privativa,  ein  Monopol  auf  die  sämmtlichen
inschriftlichen  Schätze  der  päpstlichen  Museen  und  Bibliotheken  erhalten  hat,  welches
  ihn  allein  berechtigt  und  verpflichtet,  diese  zu  kopiren  und  herauszugeben.
Da  jedoch  Professor  Sarti,  ein  gebrechlicher,  allem  Arbeiten  und  zumal  alleın
Fertigmachen  abgeneigter,  obwohl  an  sich  gründlich  gelehrter  und  der  Epigraphik
wohl  kundiger  Mann,  nie  und  nimmermehr  dieser  seiner  Verpflichtung  auch  nur
theilweise  nachkoınmen  wird,  so  sollte  seine  ausschliefsliche  Berechtigung  auch
damit  aufgehoben  sein;  indefs  ist  dies  nicht  der  Fall,  und  nach  den  Schwierigkeiten,
die  man  im  Vatican  selbst  deım  oben  erwähnten  Herrn  Rossi  entgegengesetzt  hat,
bleibt  wenig  Aussicht  auf  eine  gütliche  Vereinbarung  mit  ihm.  Dennoch  läfst  sich
von  dem  jetzigen  Papste  erwarten,  dals  er  einem  auch  in  Italien  so  allgemein  gewünschten
  Unternehinen,  wie  das  C.I.L.  ist,  auf  die  Intercession  der  preufsischen
Regierung  diese  Privatrücksichten  oder  nach  römischer  Auffassung  Privatrechte
zum  Opfer  bringen  werde.  —  Sollte  aber  selbst  dies  erreicht  sein,  so  ist  doch
damit  noch  nicht  alles  gewonnen.  Wenn  ein  Inschriftencodex  sich  nicht  auf  eine
einzige  Municipalstadt  allein  bezieht  oder  sich  an  eine  schon  gedruckte  Sammlung
anschliefst  —  was  beides  seltene  Fälle  sind  —,  so  ist  eine  erschöpfende  Collation
desselben  eine  höchst  zeitraubende  Arbeit,  da  man  nicht  fortlaufend  vergleichen
kann  und  durch  das  Aufsuchen  der  einzelnen  Inschriften  so  viel  Zeit  verliert,  dafs
es  oft  bequemer  ist,  geradezu  die  ganze  Handschrift  abzuschreiben.  Bei  der  grofsen
Anzahl  der  epigraphischen  Manuskripte  des  Vaticans  und  der  beschränkten  Zeit,
wo  derselbe  geöffnet  ist  —  etwa  go  Tage  im  Jahre  täglich  drei  Stunden  —,  ist
das  Ende  dieser  Vergleichungsarbeit  nicht  abzusehen.  Es  mufs  auch  hier  versucht
werden,  wesentliche  Erleichterungen  bei  den  Bibliotheksbehörden  durchzusetzen;
sollte  dies  mifslingen,  so  bleibt  nur  übrig,  einen  ohnehin  in  Rom  ansässigen  Gelehrten
  diesen  Theil  der  Arbeit  allmählig  vollenden  zu  lassen.  um  nicht  den  Herausgeber
  des  Corpus  zu  nöthigen,  sich  allein  dazu.  um  jedes  Jahr  neunzig  Tage  auf
der  Vaticana  arbeiten  zu  können,  vielleicht  drei  Jahre  in  Italien  aufzuhalten.  —
Übrigens  sind  von;  den  handschriftlichen  Vorstudien  für  ein  C.].  hier  nur  die
wichtigsten  und  durchaus  unentbehrlichen  erwähnt  worden;  auch  von  diesen  abgesehen
  ist  die  in  Handschriften  erhaltene  epigraphische  Literatur  des  XV.,  XVL,
XVII.  Jahrhunderts  unermelslich  reich,  und  noch  mancher  schöne  Gewinn  ist  aus
diesen  früher  wenig  geschätzten  und  sehr  zerstreuten  Manuskripten  zu  erwarten.
Als  beachtungswerth  für  einen  künftigen  Herausgeber  eines  U.  I.  nenne  ich  den
schönen  Marcanova  der  Pariser  Bibliothek  (ein  anderes  Exemplar  im  Vatican),  die
angebliche  Handschrift  des  Frater  Jucundus  in  der  Propaganda  in  Ron,  einen
Codex  der  Brancacciana  in  Neapel,  der  als  Quelle  des  Apian  erscheint,  Handschriften
  der  öffentlichen  Bibliotheken  in  Ravenna  und  Rimini,  jene  wichtig  für
die  Marken,  diese  für  die  Stadt  Rom,  einen  Codex  des  Grafen  Orti  in  Verona  mit
wichtigen  Berichtigungen  spanischer  Inschriften.  Diesen  ganzen  Reichthum  erschöpfen
  kann  ein  C.  I.  nicht;  wenn  die  wichtigsten  Handschriftengruppen  ausgenutzt
  sind,  so  ist  der  übrige  Vorrat.  soweit  man  nicht  zufällix  an  iln  gerätli,
unbedenklich  der  Zukunft  zu  überlassen.

Aufser  der  eigentlich  epigraphischen  Literatur  ist  noch  eine  andere  Klasse
von  Schriften  zu  berücksichtigen,  die  vor  Allem  Italien  eigenthümlich  und  eine  sehr
reiche  Quelle  epigraphischen  Materials  ist  —  die  Monographien  über  Geschichte
und  Alterthümer  der  einzelnen  Städte  und  Distrikte,  meistens  am  Orte  selbst  mehr
zur  Verherrlichung  der  Vaterstadt  als  zum  Frommen  der  Archäologie  geschrieben,