526  216.  Mouusex’s  Denkschrift  (Corpus  Inser.  Latinarum)  1847.

aber  gewöhnlich  nicht  olıne  Ausbeute  für  den  Epigraphiker.  Diese  Sammlungen
sind  es,  die  neben  den  Museen  die  Wissenschaft  konstituiren;  denn  wie  man  eine
römische  Inschrift  zunächst  aus  dem  Vatican  oder  Capitol  edirt  erhält,  so  bekomınt
man  von  den  in  der  Provinz  zerstreuten  die  erste  Kunde  gewöhnlich  durch  solche
Lokalschriftsteller,  deren  grofse  Wichtigkeit  für  die  Epigraphik  bisher  namentlich
in  Deutschland,  wo  man  dieser  Literatur  so  fern  steht,  nicht  hinreichend  gewürdigt
  worden  ist.  Natürlich  sind  sie  von  sehr  verschiedenem  Werth;  Norditalien
namentlich  besitzt  deren  ausgezeichnete.  Als  befriedigende,  zum  Theil  musterhatte
Vorarbeiten  für  ein  C.  I.  L.  bezeichne  ich  die  Werke  von  Labus  für  Mantua,  von
Aldini  für  Como  und  Pavia,  von  Cavedoni  für  Modena,  von  de  Lama  für  Veleja.
das  museo  d’Este  von  Furlanetto,  della  Marmora’s  vortreffliche  Arbeit  für  Sardinien,
  Cardinali's  Inschriften  von  Velletri;  ähnliche  Sammlungen  sind  nächstens  für
Brescia  von  Labus,  für  Padua  von  Furlanetto  zu  erwarten  und  zum  Behufe  des
Pariser  Unternehmens  für  Rimini,  Pesaro  und  andere  Städte  unter  Borghesi’s  Leitung
  von  Rocchi  angelegt  worden.  Aber  auch  die  älteren  Saınmlungen  von  Maffei
für  Verona.  und  viele  andere  Städte,  von  Spreti  für  Ravenna,  von  Malvasia  für
Bologna,  von  Olivieri  für  Pesaro,  von  Gori  für  ganz  Toscana,  die  marmora  Taurinensia
  für  Pieinont,  obwohl  natürlich  vielfacher  Nachträge  bedürftig,  geben  treffliche
  Anhaltspunkte  für  den  Herausgeber  eines  C.  1.  L.,  zumal  wenn  dieses  der
topographischen  Ordnung  folgt.  Die  entsprechende  Lokalliteratur  des  Königreichs
Neapel  steht  der  norditalischen  zwar  nicht  an  Masse,  wohl  aber  an  innerem  Werth
unglaublich  nach,  enthält  aber  ebenfalls  eine  Menge  der  wichtigsten,  sonst  nirgends
publieirten  Inschriften.  Sie  unterscheidet  sich  auch  dadurch  von  der  norditalischen,
dals  diese  reich  ist  an  Specialsammlungen  der  Inschriften  einer  Stadt,  die  im  Königreich
  wohl  nur  Benevent,  Venosa  und  einige  kleinere  Orte  besitzen;  gewöhnlich
werden  die  Inschriften  in  den  neapolitanischen  Werken  bei  Gelegenheit  der  Stadtgeschichte
  vorgetragen,  so  dafs  dieselben  dem  Epigraphiker  zwar  Material  genug
liefern,  aber  an  epigraphischen  Vorarbeiten  fast  gänzlicher  Mangel  ist.  —  Die  vollständige
  Benutzung  dieser  Literatur,  die  für  ein  C.  1.  L.  Bedürfnifs  ist,  wird  oft
durch  die  grofse  Seltenheit  der  Bücher  erschwert,  vor  allem  der  neapolitanischen.
die  grofsentheils  in  den  Provinzen  in  wenigen  Exemplaren  gedruckt  und  in  einem
sehr  engen  Kreise  verbreitet,  zum  Theil  in  Neapel  selbst  nicht  aufzutreiben  sind.
Manches  wichtige  Buch,  dem  ich  lange  in  der  Hauptstadt  vergebens  nachgetrachtet,
ist  mir  erst  in  den  Provinzen  und  an  den  Orten,  von  denen  es  handelt,  zu  Gesicht
  gekommen.

B.  Die  Steine.

Aber  die  Bücher  reichen  nicht  aus;  es  muls,  so  viel  es  möglich  ist,  auf  die
Originale  selbst  zurückgegangen  werden.  Reist  man  doch  nach  Florenz  und  Paris.
wenn  ınan  den  Livius  kritisch  herausgeben  will;  wie  sollte  nicht  der  mit  einer  kritischen
  Ausgabe  sämmtlicher  Inschriften  Beschäftigte  die  Einsicht  der  Steine  selbst  sich
zu  verschaffen  suchen?  Ja  er  mufs  es  um  so  mehr  thun,  weil  er  sonst  einen  der
Hauptvorzüge,  den  die  Epigraphik  vor  der  andern  Literatur  voraus  hat,  die  unzweifelhafte,
  unanfechtbare  Sicherheit  des  Textes,  ınuthwillig  aufopfern  würde.
Darum  soll  nun  nicht  gleich  für  ein  neues  C.  I.  gerade  jeder  schlechte  Grabstein
neu  abweschrieben  werden;  der  Zweck  muls  immer  mit  den  Mitteln  und  Kosten
im  Verhältnifs  stehen,  und  nicht  an  dem  Gelingen  jeden  Detailpunkts  hängt  das
Gelingen  eines  so  umfassenden  Ganzen.  Aber  es  ist  ein  gerechtes  Verlangen,  days
die  Schätze  der  grofsen  Museen  von  Paris,  Florenz,  Rom  und  Neapel  gründlich,  roll.
stündig  und  speciell  für  ein  neues  C.  I.  studirt  ıwerden  müssen,  aus  dem  einfachen,  keine
Replik  zulassenden  Grunde,  dafs  die  neue  Sammlung  sich  durch  kritische  Behandlung
  von  den  älteren  unterscheiden  soll,  alle  Kritik  aber  ohne  Zurückgehen  auf  die