216.  Mommsen’s  Denkschrift  (Corpus  Inser.  Latinarum)  1847.  539

beschlossen  würde,  bei  der  grofsen  Responsabilität  gegen  das  Publikum,  welche
diese  Arbeit  mit  sich  führt,  auf  eine  ganz  strenge  und  dem  Publikum  darzulegende
Theilung  der  Arbeiten  gedrungen  werden.  Dagegen  scheinen  mir  Hülfsarbeiten,  sowohl
  mechanische  als  wissenschaftliche,  im  weitesten  Umfang  wünschenswerth  und
möglich.  Inwiefern  man  wissenschaftliche  Hülfe  anderer  Gelehrten,  ohne  die  Kosten
des  Unternehmens  zu  erhöhen,  bei  Bearbeitung  der  einzelnen  Abschnitte  hinzuziehen
kann,  wurde  oben  schon  ausgeführt;  aber  auch  mechanische  Hülfe  ist  Bedürfnifs.
Beim  ersten  Beginn  des  Unternehinens  wird  ınan  gegen  funfzehn  Foliobände  zu  zerschneiden
  haben,  um  nur  die  Grundlage  der  Arbeit  zu  gewinnen.  Diese  wesentlich
mechanische  Arbeit,  der  jeder  Gymnasiast  vollkoınmen  gewaclısen  ist,  dem  Herausgeber
  persönlich  aufzubürden,  wäre  eine  übel  verstandene  Sparsamkeit;  es  würden
kostbare  Jahre  darüber  verloren  gehn,  während  die  ganze  Sache  in  einer  Stadt
wie  Berlin  in  drei  Monaten  gemacht  sein  kann  und  so  weniger  kosten  wird,  als
wenn  man  den  Herausgeber  jahrelang  dafür  besoldet.  In  ähnliche  Fälle  wird  man
oft  gerathen;  die  Schreiberei  und  der  blofs  mechanische  Theil  der  Arbeit  ist  natürlich
  keine  Kleinigkeit  bei  eineın  Wiederabdruck  von  vielleicht  80000  Steinen.
Es  wäre  daher  dem  Herausgeber  möglich  zu  machen,  in  jedem  Stadium  der  Arbeit
die  Anordnung  ausgedehnter  Hülfsarbeiten  von  der  vorgesetzten  Behörde  zu  erlangen.

Die  Bearbeitung  und  Herausgabe  des  C.1I.  mufs  in  Deutschland
stattfinden,  nicht  in  Italien.  Hier  sind  klimatische  und  äufsere  Verhältnisse
dem  angestrengten  und  dauernden  Arbeiten  durchaus  ungünstig  und  der  Aufenthalt
kostspieliger  als  in  der  Heimath.  Alle  Hülfsarbeit  ist  hier  unglaublich  theuer  und
oft  kaum  zu  erhalten,  während  man  in  Deutschland  leicht  und  zu  guten  Bedingungen
  Unterstützung  jeder  Art  finden  würde.  Literarische  Hülfsmittel  bietet  Italien
in  diesem  Falle  zwar  manche,  die  man  in  Deutschland  entbehren  wird;  aber  für
den  Mittelpunkt  der  Arbeit  komınt  es  nicht  so  selır  darauf  an,  einige  seltene  Bücher
dort  mehr  zu  haben,  sondern  darauf,  dafs  man  die  gewöhnlichen,  die  auch  die  wichtigsten
  sind,  zur  bequemen  Benutzung  stets  zur  Haud  hat.  In  Italien,  wo  keine
Bibliothek  ein  Buch  nach  Hause  giebt,  müfste  man  erst  eine  Bibliothek  dazu  anschaffen,
  während  in  Deutschland  aufser  den  zum  Zerschneiden  bestimmten  Bänden
keine  Bücher  anzuschaffen  sind.  Wie  schlecht  endlich  und  theuer  der  Druck  in
Italien  ist,  weils  man  hinreichend.  Sehr  wünschenswerth  ist  es  allerdings,  dals
das  C.I.L.  einen  Korrespondenten  zunächst  in  Rom  habe,  um  in  augenblicklichen
  Verlegenheiten  auszuhelfen.  Dafür  bietet  aber  die  Abhülfe  das  archäologische
Institut  in  Rom,  und  zunächst  dessen  zweiter  Sekretär,  Herr  Dr.  Henzen,  der
wie  für  das  frühere  Pariser  Unternehmen  so  jetzt  für  die  Berliner  Projecte  lebhaft
sich  interessirt.  Dafs  endlich  Reisen  dem  Herausgeber  notliwendig  sind,  um  die
italienische  Literatur,  die  Schätze  der  Museen,  die  überall  zerstreuten  Inschriften
gründlich  zu  studiren,  um  die  Scheidung  der  falschen  Steine  von  den  ächten  detfinitiv
  zu  bewerkstelligen,  um  sich  selbst  für  epigraphische  Kritik  zu  befähigen  —
das  ist  früher  weitläuftig  auseinandergesetzt.  Es  ist  auch  schon  bemerkt.  dafs  die
Bereisung  der  Provinzen  besser  geschieht,  wenn  schon  die  topographische  Sonderung
eingetreten  ist  und  für  jede  Stadt  das  inschriftliche  Material,  so  weit  es  gedruckt
ist,  separat  zu  Gebote  steht.  Andererseits  ist  es  wänschenswerth,  dafs  man  die  Abschrift
  der  Ligoriana,  die  Prüfung  der  von  Muratori  und  Gruter  für  ihre  Sammlung
zu  Grunde  gelegten  Manuscripte  und  das  Studtum  der  Museen  sofort  vornehme.  Da
es  nun  sonst  ziemlich  gleichgültig  ist.  ob  man  zwei  kürzere  Reisen  macht  oder  eine
längere,  so  scheint  es  mir  zweckmäfsig.  zuerst  noch  'eine  Reise  vornehmen  zu
lassen  nach  Turin,  Florenz,  Mailand  und  Rom,  um  die  Museen  von  Rom  und  Florenz,
  die  Handschriften  in  Turin,  Rom  und  Mailand  zu  studiren,  wozu  für  Florenz,
Mailand  und  Turin  sechs  Monate  genügen.  Die  für  Rom  erforderliche  Zeit  hängt  von
den  Erleichterungen  ab,  die  sich  in  der  vatikanischen  Bibliothek  erwirken  lassen;  im