227.  Über  die  Einrichtung  einer  besonderen  deutschen  Klasse  (1878).  601

lichen  Punct  mit  den  Vorschlägen  connex  ist,  welche  der  Statutenentwurf  enthält,
und  sie  ihre  Auffassung  der  Sache  und  unter  gleichzeitiger  Vorlegung  des  letzteren
hinreichend  klar  stellen  zu  können  meint.

Die  Akademie  glaubt  davon  ausgehen  zu  dürfen,  dals  die  Frage,  ob  es  angemessen
  erscheint,  für  Dichter  und  Schriftsteller  überhaupt  eine  akademische  Vereinigung
  zu  schaffen,  ihr  nicht  zur  Erwägung  gestellt  ist.  Die  französische  Nation,
und  von  den  grofsen  Culturvölkern  bisher  sie  allein,  besitzt  eine  derartige  Institution;
  ob  es  für  die  deutsche  gerathen  sein  ınöchte,  diesem  Beispiel  zu  folgen.  hängt
von  Erwägungen  ab,  die  hier  unerörtert  bleiben  können.  Nur  darauf  glaubt  die
Akademie  bestimmt  hinweisen  zu  dürfen,  dals,  falls  es  zweckmälsig  erscheinen
sollte,  eine  derartige  Einrichtung  ins  Leben  zu  rufen,  eine  solche  nicht  zu  wissenschaftlicher
  und  überhaupt  kaum  zu  geineinschaftlicher  Arbeit  berufene  Corporation
  vielleicht  selbständig  hingestellt  oder  etwa  an  die  Akademie  der  Künste  angeschlossen
  werde,  nimmermehr  aber  in  den  Organismus  der  Akademie  der  Wissenschaften
  eingefügt  werden  kann.

In  der  Fürsorge  daxegen  für  die  neuere  vaterländische  Litteratur,  namentlich
für  die  Herstellung  genügender  Ausgaben  der  Werke  unserer  klassischen  Litteraturperiode
  und  die  daran  näher  oder  entfernter  sich  anschliefsenden  Aufgaben,  kann
die  Akademie  eine  Erweiterung  ihrer  derzeitigen  Competenz  insofern  nicht  erkennen,
  als  sie  sich  in  volleın  Mafse  bewufst  ist,  dafs  die  allgemein  ihr  gestellte  Aufgabe
  der  Pilege  der  deutschen  Wissenschaft  diese  wichtigen  Arbeiten  ebenfalls  in
sich  begreift.  Es  liegt  in  der  Entwickelung  unserer  Nation,  dafs  dieses  Arbeitsfeld
erst  seit  einer  relativ  kurzen  Zeit  ernstlich  in  Angriff  genommen  worden  ist,  und
wenn  die  Akadeınie  bisher  keine  grölseren  Arbeiten  auf  diesem  Gebiet  hervorgerufen
  oder  in  Pilege  genommen  hat,  so  gilt  dies  ebenso  von  vielen  anderen  älteren
Forschungsgebieten,  wie  ja  nnch  der  Natur  der  Sache  die  Akademie  von  dem  unendlichen
  Mafse  derjenigen  wissenschaftlichen  Arbeiten,  die  ihr  wünschenswerth
und  wichtig  erscheinen,  immer  nur,  je  nachdem  die  Umstände  günstig  und  die  geeigneten
  Talente  vorhanden  sind,  die  eine  oder  die  andere  successive  zu  realisiren
vermag.  Aber  die  Akademie,  die.  um  von  älteren  Beziehungen  und  Persönlichkeiten
  zu  schweigen,  noch  in  den  letzten  Jahren  die  drei  Männer  zu  Mitgliedern
gezählt  hat,  welche  die  wissenschaftliche  Behandlung  der  neueren  deutschen  Litteratur
  theils  nach  der  kritischen,  theils  nach  der  lexikographischen  Seite  hin  zuerst
in  glänzenden  Leistungen  begründet  haben,  die  Akadeınie,  welcher  noch  vor  wenigen
  Jahren  der  Herausgeber  Lessing’s  und  der  Urheber  des  deutschen  Wörterbuchs
angehörten,  wird  jederzeit  bereit  sein,  unter  gexebenen  günstigen  Verhältnissen  auch
in  die  directe  akademische  Pilege  für  die  Behandlung  der  neueren  deutschen  Litteratur
  einzutreten  und  nach  bestem  Vermögen  in  einer  der  Elıre  der  Nation  entsprechenden
  Weise  die  Leitung  dieser  Arbeiten  zu  übernehmen.  indem  sie  darin
zwar  keine  Ausdehnung,  aber  wohl  die  Erfüllung  der  ihr  obliegenden  Aufgabe
erkennt.

Eben  aber  aus  diesem  Grunde  kann  die  Akademie  die  Frage,  ob  die  Begründung
  einer  dritten  Classe  für  deutsche  Sprache  und  Litteratur  sich  empfehlen
möchte,  nur  verneinen.  Es  würde  damit  in  der  That  geschaffen,  was  schon  besteht.
  Selbst  unter  den  Nominalfächern,  welche  die  philosophisch  -  historische  Classe
nach  $  9  ihrer  Statuten  regleinentarisch  festzustellen  hat,  hat  die  deutsche  Philologie
  vor  Jahren  eine  Stelle  gefunden,  und,  wenn  es  unräthlich,  ja  unmöglich  erscheint,
  zwischen  der  älteren  und  der  neueren  deutschen  Litteratur  eine  feste  Grenze
zu  ziehen  und  daraus  also  verschiedene  Nominalfächer  zu  gestalten,  so  ist  es  dagegen
  keineswegs  die  Ansicht  der  Akademie.  dals  von  dieser  schon  deutschen  Philologie
  die  neuere  Litteratur  ausgeschlossen  sein  soll.  Es  würde  also  durch  Einrichtung
  jener  dritten  Classe  für  neuere  deutsche  Litteratur  eine  schon  in  einer  der