602  297,  Über  die  Einrichtung  einer  besonderen  deutschen  Klasse  (1878).

Classen  besonders  vertretene  Disciplin  noch  einmal  vollständig  für  sich  vertreten  und
dadurch  theils  eine  arge  Verwirrung  des  akademischen  Grundgedankens,  theils  eine
praktisch  unerträgliche  Ungleichheit  hervorgerufen  werden,  insofern  alsdann  genau
genommen  zwei  historisch-  philosophische  Classen,  eine  mit  einem  allxemeinen  und
eine  mit  einem  besonderen  Zwecke  neben  die  mathematisch  -  physikalische  gestellt
und  dadurch  sowohl  diese  wie  nicht  minder  die  erstere  von  jener  wesentlich  in
Nachtheil  gebracht  werden  würden.

Noch  deutlicher  aber  erhellt  die  Unausführbarkeit  dieses  Gedankens.  wenn
man  seine  Rückwirkung  auf  die  jetzt  bestehende  akademische  Organisation  ins  Auze
falst.  Die  Akademie  beruht  durchaus  auf  der  gemeinschaftlichen  Thätirkeit  ihrer
beiden  Classen;  diese  ist  ihr  Privilegium  gegenüber  allen  anderen  für  dieses  oder
jenes  Fach  der  Wissenschaft  thätigen  Corporationen,  nur  diese  stellt  sie  ebenbürtig
neben  die  deutschen  Universitäten,  nur  diese  giebt  ilır  das  Reclhıt,  einigermafsen  die
Vertretung  der  deutschen  Wissenschaft  der  Regierung  wie  der  Nation  gegenüber  in
Anspruch  nehmen  zu  dürfen.  Aber  es  ist  weder  der  Akadeimie  selbst  noch  der
Regierung  unbekannt,  welche  Schwierigkeiten,  ja  welche  Gefahren  diese  gemeinschaftliche
  Thätigkeit  in  sich  enthält.  Die  gemeinschaftliche  Verwaltung  der  uns
anvertranten  (eldmittel,  die  gemeinschaftliche  Oberleitung  unseres  Instituts,  die  zemeinschaftliche
  Wahl  unserer  Mitglieder  sind  nur  möglich  auf  der  Basis  des  vollständigen
  Gleichgewichts  der  beiden  Classen.  Wird  hieran  gerührt,  so  ist  die
Scheidung  der  Classen,  das  heilst  die  Auflösung  der  Akademie,  die  Aufgabe  des
grofsen  Gedankens  der  Einheit  der  wissenschaftlichen  Bestrebungen  die  unverineilliche
  und  wahre  Folge.  Wenn,  wie  Ew.  Excellenz  dies  andeuten,  der  neuen  Classe
eine  verininderte  Mitgliederzahl  wegeben  wird,  so  bitten  wir  daran  erinnern  zu
dürfen.  dals  der  Grundstein  unserer  akademischen  Einrichtungen,  den  wir  auch
bei  der  Revision  der  Statuten  trotz  mancher  schwerwiegenden  Bedenken  festzehalten
  haben  und  olıne  den  eine  Akademie  der  Wissenschaften  mit  deutscher  Organisation
  uns  in  der  That  undenkbar  scheint,  die  der  Norm  nach  gleiche  Mitrliederzahl
  der  Classen  ist.  Aber  auch  wenn  man  davon  absehen  wollte:  Zwei  Classen
können  bei  gutem  Willen  nebeneinander  bestehen,  eben  weil  sie  auf  gegenseitiges
Einverständnifs  angewiesen  sind;  schon  die  Existenz  von  dreien,  schon  die  blolse
Möglichkeit,  dafs  eine  derselben  majorisirt  werden  kann,  würde  den  Organismus
der  Akademie  nicht  ändern,  sondern  zerstören.

Mufs  also  die  Akademie  nach  ihrer  ptlichtmäfsigen  Überzeugung  sich  dahin
aussprechen,  dafs  eine  Veränderung  ihrer  Organisation  weder  erforderlich  ist.  um
die  bezeichneten  Bestrebungen  zu  realisiren,  noch  in  der  angezeigten  Richtung  au«
führbar  erscheint,  so  verkennt  sie  keineswegs,  dafs  es  ihr  obliegt,  jenen  Bestrebungen,
  die  sie  auf  das  Lebhafteste  anerkennt  und  theilt,  auch  ihrerseits  entzegenzukommen
  und  die  llerausgabe  unserer  klassischen  Litteraturwerke  so  wie  die
darin  sich  weiter  anschlielsenden  Arbeiten  mit  allen  ihr  zu  Gebote  stehenden  Mitteln
  und  Kräften  zu  fördern.  Sie  wird  es  sich  ernstlich  angelegen  sein  lassen,  zur
Ausfüllung  der  in  dieser  Hinsicht  noch  bestehenden  zahlreichen  wissenschaftlichen
Lücken  die  geeigneten  Männer  ausfindig  zu  machen,  und  giebt  sich  der  Hoflnuny
hin,  dafs,  falls  die  ihr  zu  Gebote  stehenden  eigenen  Mittel  in  diesen  Fällen  nicht
ausreichen  sollten,  sie  Ew.  Excellenz  Beihülfe  dafür  nicht  vergebens  in  Anspruch
nehmen  wird.  Dals  diese  Arbeit  werade  vorzursweise  durch  Mitglieder  der  Akademie
  selbst  beschafft  werde,  ist  nicht  erforderlich;  wie  bei  allen  wissenschaftlichen
Aufxaben,  die  die  Akademie  in  ihre  Pilege  genommen  hat,  wird  es  auch  hier  ge
nügen.  wie  Ew.  Exeellenz  dies  ja  auch  anerkennt,  dals  sie  das  feste  Centrum  bilde
und  die  Oberleitung  des  Unternehmens  von  Sachverständigen  aus  ihrer  Mitte  in
die  Hand  genommen  werden  könne,  deren  Naınen  für  die  richtige  Führung  des
Unternehmens  der  Regierung  wie  der  Nation  ausreichende  Bürgschaft  gewährt.