606  228.  Verhandlungen  über  die  Errichtung  einer  Deutschen  Akademie  (1888  39).

Eure  Excellenz

haben  durch  hohen  Erlafs  vom  31.  August  d.J.  —  U.  I.  12760  (mit  vier  Anlagen)  —
die  ehrerbietig  unterzeichnete  Akademie  von  dein  von  privater  Seite  angeregten  Plan
der  Gründung  einer  »Deutschen  Akademie«  in  Kenntnils  gesetzt  und  sie  zu  einer
Äufserung  über  dieses  Unternelnnen  aufgefordert.  Eine  Summe  von  100000  Mark  ist
von  dem  sichtlich  ebenso  ideal  wie  patriotisch  gesinnten  Urheber  des  Planes  für
dessen  Verwirklichung  hinterlegt,  und  auch  eine  Art  von  Statut  hat  derselbe  schaun
seinen  an  den  Herrn  Reichskanzler  gerichteten  Erörterungen  beigefügt.

Durch  diese  Thatsache  selbst,  sowie  durch  die  Berücksichtigung.  welche  dieses
Anerbieten  von  mafßszebender  Seite  gefunden  hat,  findet  sich  die  Akademie  verpilichtet.
  soweit  sie  es  vermag,  den  dabei  zu  Grunde  liexenden  preiswürdigen  Gedanken,
  wie  unvollkommen  und  ınausführbar  er  auch  in  dem  beigelegten  Statutenentwurf
zum  Ausdruck  gekommen  ist,  in  seiner  inneren  Berechtigung  und  in  angemessener  Begrenzung
  zu  entwickeln  und  Ew.  Excellenz  ihre  Ansicht  über  die  durchführharen
Zwecke  und  die  Mittel  zu  deren  Durchführung  zur  Erwägung  zu  unterbreiten.

Dals  nun  die  Pilesge  der  gegenwärtigen  deutschen  Sprache  und  ihrer  Litteratur
durch  eine  genügend  dotirte  öffentliche  Anstalt  wesentlich  gefördert  werden  kaun
und  dafs  mithin  das  Anerbieten  des  Hrn.  Krohn  in  seinen  allgemeineren  Zwecken
einem  nationalen  Bedürfnils  entgegenkommt.  wird  schwerlich  Widerspruch  finden.
Dals  jedoch  dieses  Bedürfnifs  seine  angemessene  Befriedigung  auf  dem  Wege  finden
würde,  welchen  das  von  Ew.  Excellenz  uns  mitzetheilte  Statut  hierfür  vorzeichnet,
müssen  wir  aus  zwei  Gründen  bezweifeln.

Für's  Erste  stelien  nämlich  die  finanziellen  Mittel,  welche  in  dem  Statut  der
beabsichtigten  »Deutschen  Akademie«  vorgesehen  sind,  mit  der  Organisation  derselben
  in  einem  auffallenden  Mifsverbältnils.  Ein  wissenschaftliches  Institut  von
diesem  Umfang  und  dieser  Einrichtung  würde  (wie  diels  wohl  keines  Beweises  bedarf)
  für  Gehalte,  Reisekosten,  Diäten,  für  Localmiethe  und  andere  sachliche  Ausgaben.
  für  seine  Publicationen  und  für  die  Unterstützung  wissenschaftlicher  Arbeiten
einen  Jahresbetrag  in  Anspruch  nehmen.  welcher  durch  die  Zinsen  eines  Kapitals
von  100000  Mark  —  so  beträchtlich  dieses  auch  als  Gabe  eines  Einzelnen  ist  —
nur  zum  kleinsten  Theil  gedeckt  würde.  Ehe  daher  an  eine  so  weit  ausgreifende
Organisation  gedacht  werden  könnte.  mülste  für  die  erforderlichen  Mittel  Vorsorge
getroffen  werden.

Würde  aber  auch  dieses  Bedenken  in  der  einen  oder  der  anderen  Art  brseitigt.
  so  stellt  sich  doch  den  Vorschlägen  des  »Statuts«  noch  ein  zweites,  nach

Hr.  Curtius  gab  folgende  Erklärung  zu  Protokoll:

In  der  Überzeugung,  dafs  ein  aus  unseren  Diehtern  und  Schriftstellern  gewählter  Ausschufs
  nicht  geeignet  sei,  eine  maisgebende  und  gedeihliche  Vereinsthätigkeit  zur  Pflege  der
Deutschen  Sprache  und  Litteratur  zu  entfalten.  mufs  die  A.  d.W.  Bedenken  tragen.  den
vorgelegten  Plan  zur  Gründung  einer  Deutschen  Akademie  der  Kgl.  Regierung  zu  empfehlen.
Sie  glaubt,  dafs  nur  eine  zu  gemeinsamer  Arbeit.  organisirte,  wissenschaftliche  Körperschaft
berufen  sei,  auch  der  Deutschen  Sprache  und  neuern  L.itteratur  durch  grammatische,  lexikalische
  und  sprachgeschichtliche  Forschungen  so  wie  durch  Ausgabe  von  Autoren  ersprieisliche
Dienste  zu  leisten.  Dabei  würde  die  lleranzielung  nicht-akademischer  Kräfte  in  hohem
Grade  wünschenswerth  sein,  wie  dies  schon  bei  der  in  vollem  Gauge  begriffenen  IL.ucheraugabe
  der  Fall  ist.  Sie  ersucht  also  das  vorgeordnete  Ministerium.  mit  dem  Antragsteller  in
Verbindung  zu  treten,  um  zu  ermitteln.  ob  derselbe  geneigt  sei.  die  angebotenen  Geldmittel.
welche  zur  Gründung  einer  Reichsanstalt  völlix  ungeeignet  sind,  zur  Förderung  Deutscher
Sprach-  und  Litteraturstudien  einer  wisseuschaftlichen  Körperschaft  anzuvertrauen.  Dieselbe
würde  die  ihr  übergebenen  Mittel  als  eine  patriotische  Stiftung  unter  des  Stifters  Namen
und  seinen  Absichten  möglichst  entsprechend  verwalten  und  von  der  Verwendung  derselben
Jährliche  Rechenschaft  ablegen.