228.  Verhandlungen  über  die  Errichtung  einer  Deutschen  Akademie  (1888/89.  611

Bericht  den  Namen  einer  Deutschen  Akademie  und  verlangt  anstatt  dessen  den
einer  Reichsanstalt  für  Deutsche  Sprache.

Was  den  ersten  Punkt  betrifft,  so  ist  deinselben  nur  zuzustimmen,  aber  auch
wohl  anzunehmen,  dafs,  wenn  das  Deutsche  Reich  dem  Gedanken  des  Hrn.  Krohn
weitere  Folge  geben  wollte,  es  sich  auch  bereit  finden  würde,  zu  dem  von  ihm
Gespendeten  das  Nöthige  beizusteuern,  um  eine  des  Reiches  würdige  Schöpfung
ins  Leben  zu  rufen.  Dafs  in  dem  voın  Bericht  gedachten  Umfange  seiner  Arbeiten
das  neue  Institut  für  Germanistik  kaum  den  Namen  einer  Akademie  verdienen
würde  und  eher  als  eine  Reichsanstalt  zu  bezeichnen  wäre,  ist  wohl  gleichfalls
zuzugeben,  aber  auch  charakteristisch  für  die  Stufe,  auf  welche  der  Bericht  das
Krohn’sche  Unternehinen  herabzudrücken  wünscht.  Übrigens  ist  hier  der  Ort,  zu
bemerken,  dals  der  von  Hrn.  Krohn  vorgeschlagene  Name  einer  »Deutschen  Akademie«
  wohl  jedenfalls  in  den  einer  »Akademie  der  Deutschen  Sprache«  zu  verwandeln
  sein  würde.

Ob  Hr.  Krohn,  wenn  die  Gründung  einer  litterarisch  -ästhetischen  Reichsakademie
  der  Deutschen  Sprache  abgelehnt  und  an  deren  Stelle  bei  der  Preulsischen
Akademie  der  Wissenschaften  eine  Krohn-Stiftung  für  neuere  Germanistik  gesetzt
würde,  sich  durch  die  ihm  dadurch  erwiesene  Ehre  bestimmen  lielse,  sein  Geld  für
einen  ihm  ursprünglich  fernliegenden  Zweck  herzugeben;  ob  er  unter  diesen  Um:-ständen
  nicht  vielmehr  sein  Anerbieten  zurückzöge,  mufs  der  Erfolg  lehren.

Ich  für  meinen  Theil  bin  meinen  lange  gehegten  Überzeugungen  in  Betreff
des  Nutzens  einer  Akademie  der  Deutschen  Sprache  in  oben  beschriebenem  Sinne
nicht  untreu  geworden  und  habe  daher  Hrn.  Krohn’s  patriotischen  und  von  idealen
Beweggründen  eingegebenen  Schritt  mit  lebhafter  Syınpathie  begrüfst.  Der  Vorschlag,
  die  Akademie  aus  zwanzig  Mitgliedern  bestehen  zu  lassen,  von  denen  mindestens
  die  Hälfte  stets  Sprachgelehrte,  die  übrigen  hervorragende  Dichter  und
Prosaiker  sein  sollen,  stammt  von  mir  her,  und  ich  halte  ihn  für  zweckmälsig.
Hr.  Krohn  hatte  von  seinen  Mitgliedern  verlangt,  dafs  Deutsch  ihre  Muttersprache
sei.  Der  Bericht  setzt  an  die  Stelle  die  Bestimmung,  dals  sie  Bürger  des  Deutschen
Reiches  seien.  Ich  kann  diese  Änderung  nicht  billigen,  da  sie  Oesterreichische  und
Schweizerische  Mitglieder  der  Akademie  nicht  zulassen  würde,  während  doch  die
.  Friedensklasse  des  Verdienstordens  diese  Beschränkung  nicht  kennt.

Im  Verfolg  des  $  5  der  exemplificatorisch  dem  Berichte  beigelegten  Grundzüge
  des  Statuts  der  Akadeınie  denke  ich  mir,  dafs  alle  Jahre  zu  bequemer  Zeit,
etwa  während  der  Osterferien  der  Universitäten,  in  Berlin  eine  Zusammenkunft
sämtlicher  Mitglieder  stattfinden  würde.  In  dieser  würden  Berichte  über  die
Arbeiten  des  verflossenen  Geschäftsjahres  entgegengenommen,  Beschlüsse  über  vorzunehmende
  Arbeiten  gefalst  und  sonst  wichtigere  Geschäfte,  welche  nicht  durch
schriftliche  Abstimmung  zu  erledigen  waren,  ınündlich  zur  Entscheidung  gebracht
werden.  In  einer  öffentlichen  Sitzung  könnte  eine  Rede  über  einen  Deutsch  -litterarischen
  und  eine  über  einen  Deutsch  -  sprachwissenschaftlichen  Gegenstand  gehalten
werden.  Hrn.  Krohn’s  Bestimmung  in  $  5  seines  Statuten  -  Entwurfes:  »Die  Sitzungen
  der  Deutschen  Akademie  sind  öffentlich  und  finden  wenigstens  einmal  monatlich
  am  ersten  Sonntage  des  Monats  statt«,  liegt  eine  geringe  Kenntnifs  der  Grofsstadt
  und  des  akademischen  Lebens  zu  Grunde.

Die  genauere  Ausarbeitung  des  Statuts  der  neuen  Akademie  wäre  vorbehaltlich
  (in  letzter  Instanz)  der  Allerhöchsten  Bestätigung  einem  von  der  Akademie
  selber,  nach  Ernennung  der  zwanzig  Mitglieder,  zu  wählenden  Ausschuls  zu
übertragen.

du  Bois-Reymond.
Einverstanden  H.  v.  Helmholtz.

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