644  234.  Antrag  der  Akademie,  den  Venus-Durchgang  betreffend  (1869).

abermals  durch  Aussendung  astronomischer  Expeditionen  nach  zahlreichen  und
weit  von  einander  entfernten  Gegenden  vervollständigt  werden  mufs.  Bereits  sind
wiederum  von  Seiten  der  coınpetenten  staatlichen  und  wissenschaftlichen  Behörden
in  England,  Frankreich  und  Rufsland  Einleitungen  getroffen,  durch  welche  eine
hervorragende  Betheiligung  dieser  Länder  an  den  1874  auszuführenden  Arbeiten
gesichert  erscheint.  Durchdrungen  von  der  Überzeugung,  dafs  ein  abermaliges
Zurückbleiben  Deutschlands  unmöglich  ist,  hält  die  Königliche  Akademie  der
Wissenschaften  es  für  nothwendig,  dals  von  dem  Norddeutschen  Bunde  vier  Expeditionen
  zur  Beobachtung  des  Venus-Durchgangs  von  1874  ausgesendet  werten.

Dem  Vernehmen  nach  ist  bei  dem  hohen  Bundesrath  bereits  ein  Antrag  auf
Veranstaltung  solcher  Expeditionen  von  Seiten  der  Königlich  Sächsischen  Gesellschaft
  der  Wissenschaften  eingereicht  worden.  In  Erwägung  der  ausnehmenden
Wichtigkeit  des  Gegenstandes  hält  aber  die  Königliche  Akademie  sich  nicht  für
berechtigt,  dieser  bereits  erfolgten  Anregung  wegen  von  ihrem  gleichen  Vorhaben
abzustehen,  und  richtet  ihrerseits  an  Ew.  Excellenz  das  ehrerbietige  Ersuchen,  für
die  Beobachtung  des  nächsten  Venus-Durchgangs  durch  deutsche  Astronomen  die
geeigneten  Vorkehrungen  zu  treffen,  und  zwar  zunächst  in  möglichst  kurzer  Frist
eine  Commission  von  Astronomen  mit  der  Aufgabe  zu  betrauen,  für  die  anzustellenden
  Beobachtungen  einen  genauen  Plan  auszuarbeiten  und  nach  höhern  Orts
erfolgter  Genehmigung  desselben  die  zur  Ausführung  nothwendigen  Mafsregeln  in's
Werk  zu  setzen.

Für  diese  Commission  erlaubt  sich  die  Königliche  Akademie  Ew.  Excellenz
die  folgenden  Directoren  einiger  der  angesehensten  Sternwarten  der  Bundesstaaten:
den  Director  der  Königlichen  Sternwarte  zu  Bonn  Geh.  Regierungs-Rath  Argelander,
den  Director  der  Herzoglichen  Sternwarte  zu  Gotha  Geh.  Regierungs  -  Rath  Hansen,
den  Director  der  Königlichen  Sternwarte  zu  Berlin  Prof.  Foerster  und  den  Director
der  Königlichen  Sternwarte  zu  Leipzig  Prof.  Bruhns,  sowie  den  Astronomen  der
Königlichen  Akademie  Hrn.  Auwers  vorzuschlagen.  In  hohem  Grade  wünschenswerth
  würde  es  ferner  sein,  zu  diesen  Personen  noch  den  zur  Zeit  in  Karlsruhe
lebenden  Astronomen  Dr.  Winnecke  hinzuzufügen,  um  dessen  besondere  Erfahrung
auf  den  für  die  Arbeiten  der  Commission  hauptsächlich  in  Betracht  kommenden
Gebieten  direct  verwerthen  zu  können.

Um  Ew.  Excellenz  nicht  ohne  die  nöthigen  Anhaltspunkte  für  die  Veranschlagung
  der  Mittel  zu  lassen,  welche  die  von  der  Königlichen  Akademie  befürworteten
  Expeditionen  in  Anspruch  nehmen  werden,  kann  dieselbe  nicht  umlhin,
den  Berathungen  der  erwähnten  Commission  in  so  weit  vorzugreifen,  dals  sie  FEw.
Fxcellenz  denjenigen  Plan  in  allgemeinen  Umrissen  unterbreitet,  welcher,  im  Verein
mit  den  von  anderen  Staaten  beabsichtigten  Malsregeln,  nach  ihrer  Ansicht  befriedigende
  Erfolge  in  Aussicht  stellt,  ohne  zugleich  finanzielle  Mittel  in  grösserm
als  dem  unumgänglichen  Mafse  in  Anspruch  zu  nehmen.  Dieser  Plan  wird  alsı
eine  Veranschlagung  des  erforderlichen  Minimums  dieser  Mittel  gestatten,  welches
erheblich  wachsen  würde,  im  Fall  den  auszusendenden  Expeditionen  eine  vollständige
  Ausnutzung  aller  Chancen  des  Erfolges  ermöglicht,  oder  dieselben  in  Stand
gesetzt  werden  sollen,  neben  der  Erfüllung  ihrer  Hauptaufgabe  noch  für  andere
Zwecke,  namentlich  der  mathematischen  Geographie  und  der  Physik,  thätig  zu
sein.  Die  Königliche  Akademie  würde  beides  nur  dringend  eınpfehlen  können.
glaubt  aber  die  weitere  Ausführung  der  hier  angedeuteten  Punkte  der  Commission
überlassen  und  gegenwärtig  auf  eine  Darlegung  des  unbedingt  Nothwendigen  sich
beschränken  zu  sollen.

Es  besteht  diefs  nach  Ansicht  der  Königlichen  Akademie  darin,  dafs  zwei
Beobachtungsstationen  auf  der  nördlichen  und  zwei  auf  der  südlichen  Halbkugel
der  Erde  in  denjenigen  Gegenden  ausgewählt  werden,  welche  zugleich  für  die