$  7.  I.  Die  Behandlung  der  Kriegsschäden  nach  bürgerlichem  Recht.  57

Kriegsschäden  unter  Berufung  auf  die  Lex  Rhodia  schrankenlos  zulassen,
  handelt  es  sich  um  gelegentliche  Bemerkungen  ohne  eingehende
  Begründung.'°)

a)  Voraussetzungen.

Der  Grundgedanke  der  Lex  Rhodia  ist:  Sind  mehrere  Personen
von  einer  gemeinsamen  Gefahr  (im  Ursprungsfall  von  einer  Seenvt)
bedroht,  und  haben  zwecks  Abwendung  dieser  Gefahr  einige  der
Beteiligten  Vermögensstücke  aufgeopfert,  so  sind  die  übrigen,  von
der  gleichen  Gefahr  Bedrohten  verpflichtet,  den  Geschädigten  Ausgleichung
  zu’  gewähren,  aber  nur  mit  den  infolge  der  Aufopferung
geretteten  Sachen.

Bei  der  Uebertragung  der  Grundsätze  der  Lex  Rhodia  auf  die
Ausgleichung  von  Kriegsschäden  mußten  daher  die  nachstehenden
Voraussetzungen  gegeben  sein.

.1)  Da  eine  gemeinsame,  mehreren  Personen  oder  einer  Gresamtheit
  drohende  Gefahr  vorliegen  muß,  so  kann  von  einer  entsprechenden
  Anwendung  der  Lex  Rhodia  nur  dann  die  Rede  sein,
wenn  eine  Leistung  zur  Abwendung  einer  solchen  Gefahr  erfolgte.
Wird  also  zB.  einer  Gemeinde  von  der  zuständigen  Militärbehörde
eine  Geldauflage  zwecks  Vermeidung  der  Preisgabe  zur  Plünderung
gemacht,  oder  werden  von  der  Gemeinde  Sachleistungen  beansprucht,
und  entlastet  ein  Bürger  die  Stadt,  indem  er  diesen  Anforderungen
genügt,  so  wird  ihm  der  Ersatzanspruch  zugebilligt;  dagegen  entällt
  der  Anspruch,  wenn  eine  Soldatenhorde  oder  einzelne  Marodeure
gegenüber  einzelnen  Bürgern  Plünderungen  vornehmen  oder  zu  deren
Abwendung  von  den  Bedrohten  Leistungen  erpressen.'*)

2  Die  Die  zur  Ausgleichung  'nach  der  Lex  Rhodia  berechtigende

ruhende  Aust  Auslegung  des  $  75  Einl.  ALR.  Bd.  I  S.  195  ff.  und  die  unten  5.  3l
besprochene,  die  romanische  und  anglo-amerikanische  Rechtsentwickelung  heeinfinssende
  Vattel’sche  Unterscheidung  zwischen  vorbedachten  Schadenszufügungen  zu
Angriffs-  yier  Verteidigungszwecken  (mesures  pr&amp;ventives)  und  Zufallsschäden  (faits
e  guerre

18)  Peter  van  der  Sehelling,  De  Lege  Rhodia  de  iactu.  Diatribe
theoretico-practica  (1322)  $  14  I  S.  50.  —  Antonii  Mornacii,  Observationes
(1721)  Bd.  IS.  —  Johannes  Brunnemann,  Commentarius  in  leges  pandectarum
  (1731)  8,  582  zu  D.  14,  22  —  Ludw..  Jul.  Frdr.  Höpfner,  ne
praktischer  Kommentar  über  die  Heineccischen  Institutionen  Ps  A.  )  8  730
Anm.  5.  —  De  Berger,  Oeconomia.  iuris  (7.  A.  1771)  S.  643  Note  3  —  B
Carolus  Christophorus  Hofacker,  Prince  iuris  civilis  Romano-Germanici,  Cura
Christiani  Gmelin  (1798)  tom.  III  246.  dinand  Mackeldey,  Lehrbuch  des
römischen  Rechts  (13.  A.  v.  Fritz,  issıy  ae  IS.  239.  —  Vgl.  noch  Adam
Friedrich  Glafey’s  Vernünfft-  und  Völckerrecht  (17%)  Bd.  I  $  100  S.  727
(unten  S.  6912),

16)  Sammel  de  Cocceji,  Ius  civile  controversum  (1729)  S.  272  —
Göschen  a.  a.  O.  S.  713.  —  Augustinus  Leyser.  Meditationes  ad  Pandectaa
7)  S.  184.  —  Platner,  Super  usu  L.  Rhodiae  S.  36,  —  Pütter  a  0.

081.  —  van  der  Schelling  a.  a.  O.  S.  50.  —  Friedrich  Adolf  Schillag
  Lehrbuch  der  Institutionen  (1846)  Bd.  III  S.  501.  —  Schweppe,  Das

römische  Privatrecht  (4.  A.  v.  Mejer,  1831)  Bd.  II  S.  529.  —  SeuffA.  5  810
(oben  S.  52°).  —  Georg  Adam  Struve,  Syntagms  iuris  eivilis  S.  1“.
—  Johannes  Voet,  Commentarius  ad  Pandectas  (5.  A.  1726)  Bd.  I  S.  697.