178  8  38.  Dänischer  Krieg.  Ergebnis  und  Beurteilung.

strebungen  rief  in  den  ‚  beteiligten  |  Kreisen  und  Körperschaften,  insbesondere
  bei  der  Provinzialvertretung®)  eine
Verbitterung  hervor,  die  selbst  in  der  nicht  dänenfreundlichen  Bevölkerung
  die  Freude  an  der  von  den  Elbherzogtümern  seit  1848
erstrebten  Loslösung  von  Dänemark  erheblich  dämpfte.  Die  Kleinlichkeit,
  die  sich  in  manchen  der  getroffenen  Ministerialentscheidungen
  zeigte,‘)  war  wenig  geeignet,  die  Verbindung  mit  Preußen  als
vorteilhaft  erscheinen  zu  lassen.  _Wenn  in  den  Ausführungen  der  preu-Bischen
  Regierung  vielfach  darauf  hingewiesen  wurde,  daß  Schleswig-Holstein
  seine  Befreiung  Preußen  zu  verdanken  hätte,  so  durfte
nicht  vergessen  werden,  daß  nicht  die  Vereinigung  mit  Preußen,
sondern  die  Loslösung  von  Dänemark  und  die  Gestaltung  Schleswig-Holsteins
  zu  einem  selbständigen  Staatswesen  das  von  den  Schleswig-Holsteinern
  erstrebte  Ziel  war.

Anderseits  darf  man  die  damaligen  Vorgänge  nicht  von  den
heutigen  Anschauungen  aus  beurteilen.  Im  Weltkriege  hat  man  sich
gewöhnt,  mit  großen  Zahlen  zu  rechnen.  Als  der  Entwurf  des  Kriegsvom
  3.  Juli  1916  in  der  Kommission
des  Reichstages  beraten  wurde  und  die  Ausschußmehrheit  für  Feststellung
  des  Grundsatzes  eintrat,  daß  das  Reich  die  Verpflichtung‘
zum  vollständigen  Ersatz  der  Krie  sschäden  habe,  wies  einer  der
Regierungskommissare  darauf  hin,  daß  es  sich  hierbei  —  nur  für
die  inländischen  Sachschäden.  —  um  Böträge  von  1500-2000  Millionen
  Mark  handeln  würde  und  daß  das  Reich  schon  jetzt  mit  emer
Belastung  durch  den  Krieg  von  etwa  80  Milliarden  rechnen  müßte.
Darauf  wurde  aus  der  Kommission  entgegnet,  „daß  es  dann  auf  diese
2  Milliarden  auch  nicht  mehr  ankäme“.‘)  Von  solchen  Summen  war
naturgemäß  1864  nicht  die  Rede.  Um  die  Entscheidungen  der  preu-Bischen
  Ministerien  zu  verstehen,  muß  man  daran  denken,  daß  der
ganze  dänische  Krieg  Preußen  eine  Ausgabe  von  noch  nicht  70
Millionen  Mark  verursacht  hatte  und  muß  diesem  Betrage
die  Summen  gegenüberstellen,  die  allein  im  Immediatantrage  des
schleswi  h  Provinziallandtages  vom  16.  Juni  1871  (8.  153)
beansprucht  wurden,  nämlich  2,388,734  Rtl.  20  Sgr.  8  Pfg.,  also
etwa  7  Millionen  Mark.  Das  sind  immerhin  10%  der  Besamten  riegsosten.



Nach  1871,  also  in  der  Zeit,  in  der  die  meisten  der  in  den
vorstehenden  Paragraphen  erwähnten  Entscheidungen  getroffen  sind,
hätte  freilich  mit  Rücksicht  auf  die  wohlwollende  Behandlung  der
Elsaß-Lothringer  und  auf  ‚die  durch  die  große  französische  Kriegs-®)

  Kennzeichnend  hierfür  ist  zB.  der  Ton  dee  vom  Abg.  Wallichs  in  seiner
Rede  im  Abgeordnetenhause  vom  13.  Mai  1874  mitgeteilten  Ausschußberichts  der
schleswig-holsteinischen  Provinzialstände.

®)  ZB.  in  der  Anrechnung  der  freiwilligen  Beiträge  für  Sonderburg  (S.  160),
dessen  Beschießung  ohnehin  im  Auslande  unliebsame  Kommentare  hervorgerufen
hatte  „Johannes  Haller,  Bismarcks  „Eriodensschläuns,  1917,  S.  15).  Vgl.  dagegen
vom  &amp;.  Juli  1916  8  4:  Es  bleiben  „Liebesgaben
  und  sonstige  in  der  Absicht  der  Schenkung  gemachte  uwendungen  außer
etracht

n  KommBer.  Nr.  384  Reichstag  13.  LegPer.  IL  Sess.  1914/16  8.  6.