274  8  58.  Reedereigesetz.  Vorgeschichte.

von  Amerika  vom  10.  September  1785  und  vom  1.  Mai  1828  ge
schehen  wär.!)  Die  Haltung  Dänemarks  vereitelte  die  Durchführung
dieser  Absicht,  ein  Verfahren,  das  der  auf  die  Uebermacht  seiner
Flotte  und  die  Hilfe  Englands  vertrauende  Kleinstaat  im  Wiener
Frieden  teuer  zu  bezahlen  hatte  (S.  173).

Im  deutschen  Kriege  von  1866  verzichteten  beide  Teile  auf
jegliches  Prisenrecht  (S.  181).  Die  sinnlose  Vernichtung  großer  Wertz
wurde  dadurch  vermieden  und  die  Regelung  der  Kriegsentschädigung

:verbilligt  und  vereinfacht.

Beim  Ausbruche  des  deutsch-französischen  Krieges  glaubte  der
Norddeutsche  Bund  an  dem  der  neuzeitlichen  Entwicklung  des  überseeischen
  Verkehrs  allein  entsprechenden  Grundsatze  der  Freihein
des  Meeres  für  den  nicht  der  Kriegführung  dienenden  Handelsverkehr
  festhalten  zu  müssen,  zumal  dieser  Grundsatz  vom  Reichstage  .
in  der  Verhandlung  vom  18.  April  1868  fast  in  Permanenz  erklärt
worden  war.  Unter  dem  18.  Juli  1870  wurde  die  Bekanntmachung
erlassen  (BGBl.  S.  485):

„Französische  Handelsschiffe  sollen  der  Aufbringung  und  Wegnahme
  durch  die  Fahrzeuge  der  Bundes-Kriegsmarine  nicht  unterliegen.
  Diese  Bestimmung  findet  keine  Anwendung  auf  diejenigen
Schiffe,  welche  der  Aufbringung  und  Wegnahme  auch  dann’  unter.
liegen  würden,  wenn  sie  neutrale  Schiffe  wären.‘

Auch  in  Frankreich  fanden  sich  Stimmen,  die  sich  für  die
Durchführung  des  gleichen  Grundsatzes  aussprachen.  Aber  diese
wohltätige  Absicht  drang  nicht  durch.  Am  20.  Juli  1870  erschien
eine  Note,  die  den  in  französischen  Häfen  befindlichen  deutschen
Schiffen  nur  eine  gewisse  Auslaufsfrist  gewährte.!a)

Das  Natürlichste  wäre  es  gewesen,  wenn  nun  auch  Deutschland
  im  Wege  der  Vergeltung  das  Prisenrecht  in  den  Grenzen  der

ı)  Niemeyer,  Urkundenbuch  zum  Seekriegerecht  N  22,  Strupp,
Urkunden  zur  Geschichte  des  Völkerrechta  (1911)  Bd.  ws  Wehberg,  Seekriegsrecht
  (Handbuch  des  Völkerrechts  Bd.  Iv  1916)  5  en

la)  Die  bei  Comte  d’Angeberg,  Recueil  Bd.  I  S  dio"  Grgl.  noch  S.  248,
251)  abgedruckte,  auch  für  die  Behandlung  der  Deutschen  in  Frankreich  wichtige
Note  (S.  295)  lautet:  -

„L’empereur  a  deöcide,  sur  la  proposition  de  son  Excellence  le  ministre  des
Affaires  &amp;trangeres,  que  les  sujets  de  la  Prusse  et  des  pays  alli&amp;s  qui  lui  prötent
contre  nous  le  concours  de  leurs  armes,  se  trouvant  actuellement  en  France  ou
dans  ses  colonies,  seraient.  autorisds  &amp;  y  sontinuer  leur  residence,  tant  que  leur
conduite  ne  fournirait  aucun  motif  de  plainte.

L’adnission  sur  le  territoire  francais  des  aujete  de  la  Prusse  et  de  ses  alliss.
est,  &amp;  partir  de  ce  jour  subordonnee  &amp;  des  autorisations  speciales  qui  ne  seront
accord6es  qu’a  titre  exceptionnel.

ce  qui  concerne  les  bätiments  de  commerce  ennemis  actuellement  dans
les  ports  de  l’Empire,  ou  qui  y  entreraient  dans  l’&amp;tat  de  güerre,  Sa  Majest6
&amp;  bien  voulu'  ordonner  qu’ils  auraient  un  deli  de  trente  jours  pour  quitter  ces
ports.  Il  leur  sera  dölivr&amp;  des  saufs-conduits  pour  pouvoir  rentrer  librement  dans
leurs  ports  d’sttache,  ou  ee  rendre  directement  &amp;  leur  port  de  destinstion.

Les  bätiments  qui  auront  pris  des  cargaisons  &amp;  deetination  de  France  et  pour
compte  francais,  dans  des  ports  ennemis  ou  ngutres,  ant6rieurement  &amp;  la  deöeclaration
  de  guerre,  ne  sont  pas  sujets  ä  capture.  Ils  pourront  librement  d&amp;barquer
leur  chargement  dans  les  ports  de  l’Empire,  et  rec®vront  des  saufs-conduits  pour*
retourner  ans  leurs  ports  d’attache“.