8  77.  Französische  Kriegsschädengesetze.  Tlehersicht.  361

II.  Gerade  von  diesen  Gesichtspunkten  aus  wurde  zuweilen  ein
Rückgriff  der  Gemeinde  gegen  das  Departement  zugelassen,  wenn
nachgewiesen  wurde,  daß  die  von  einer  Gemeinde  bewirkte  Leistung
einer  Anforderung  genügte.  die  in  Wahrheit  an  das  Departement
gerichtet  war.!)  Merkwürdigerweise  hat  die  Cour  de  cassation  den
Regreß  einer  Gemeinde  gegen  andere  Gemeinden  abgelehnt,  falls
die  an  sie  alle  gemeinsam  gerichteten  Anforderungen  von  der  ersteren
  allein  befriedigt  worden  waren.'°)

D.  Zwischen  Inländern  und  Ausländern

wird,  soweit  eine  Entschädigungspflicht  des  Staates  oder  der
Kommune  überhaupt  anerkannt  wird,  grundsätzlich  --  wenigstens  in
der  Theorie  --  kein  Unterschied  gemacht.'*)

B.  Die  französische  Kriegsschädengesetzgebung.
8  77.  Uebersicht.

A.  Die  französische  Gesetzgebung  über  den  Ersatz  von  Kriegsschäden
  hat  bis  zum  Weltkriege  unveränderlich  an  dem  durch  die
Rechtslehre  aufgestellten  und  in  der  Rechtsprechung  bestätigten
Grundsatz  festgehalten:  Kriegsschäden  sind  nur  dann  zu  ersetzen,
wenn  sie  durch  den  eigenen  Staat  in  überlegter  Weise  zu  Zwecken
des  Angriffs  oder  der  Verteidieune  zugefügt  sind;  alle  vom  Feinde
oder  zu  seiner  unmittelbaren  Abwehr  herbeigeführten  Schäden  fallen
unter  den  Gesichtsounkt  der  höheren  Gewalt  oder  wenigstens  des
Zufalls  und  begründen  keinen  Anspruch  gegen  den  Staat  auf  Ent
schädigung.  Soweit  dieser  sich  aus  Billigkeitsgründen  veranlaßt  sieht,

sammenfassend  sagt  Dalloz.  Jurienrudence  «ensrele,  Sunplöment  au  röperlaire
piriodigue  pi  &amp;  gelphabötiaue  de  l6gislation,  de  doctrine  et  de  jurisprudence,  t.  XV
(1896)  S.  „Ls  Cour  de  cassation  de  France  a  reconnu  d’une  maniAre  constante,
  et  Bi  °  jnrispradenee  a  6t6  suivie  par  la:  plunart  des  coura  et  tribunanx,
que  le  citoyen  qui  avait  dA.faire  une  fourniture  röqnisitionnde  par  l’ennemi  devait
&amp;tre  rönuts  avoir  nav&amp;  dans  l’int6rät  de  la  generalit6  des  habitanta  de  Ia  commune.
A  ia  diff6renea  des  faite  de  pillage  ou  de  violence,  qui  sont  la  consdquence
tortuite  de  Invasion  et  restent  &amp;  la  charge  de  ceux  que  la  fatalit6  en  rend
viotimes.  elle  a  admis  que  lea  charges  imposees  au  pays  occup&amp;  (ans  l’int6r&amp;t
röndral  des  armdes,  doivent  L&amp;tre  supportses  par  la  communaut&amp;  des  habitants
des  territoires  occup6e“.

Durch  ein  Gesetz  vom  27.  Juni  1881  wurde  für  die  aus  Anlaß  der  deutschen
Anforderungen  gegen  die  Gemeinden  von  Einzelnen  zu  erhebenden  Ansprüche  eine
sechsmonstige  Ausschlußfrist  bestimmt.

12)  Der  Kassationshof  sagte  im  Falle  der  Stadt  Elheuf  (3.  Februar  1974.
Sirey.  Recueil  1874  I.  204),  die  einer  Anforderung  des  deutschen  Präfekten  anf
Lieferung  von  Tuchen  allein  genügt  hatte:  „La  ville  n’avait  pas  pay6&amp;  nne  dette
ai  lui  füt  perronnelle,  mais  avait  unianuement  fonrni  au  dönartement  le  moyen
d’acquitter  Ia  are  qui  lui  avait  &amp;t6  impoaee“.  Vgl.  auch  Feraud-  Girand,

a8  7ıf

18)  Urteil  vom  13.  Juli  1875  (Sirev  1875  I.  362

14)  Vgl.  unten  S  3811!  und  M&amp;rienhme.  Traits  de  "roit  publie  international
(192  Rd.  TTS.  46.  Nach  E.  Meignen.  Les  contrats  et  la  guerre  S,  25
ver  die  Rechtsprechung  hinsichtlich  der  Anwendung  des  Gesetzes  vom  21.  April  1871
Sar  lea-  lovers  (S.  370)  zaıf  Ausländer  schwankend.  Die  entsprechenden  Dekrete
von  1914  (nnt  8  99  B)  gelten  nach  ausdrücklicher  Vorse  hrift  nue  für  Franzosen,  Verbündete
  und  Neutrale.