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        <title>Feldzüge der Bayern 1643, 1644 und 1645</title>
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            <idno>heilmann_feldzuege_1851</idno>
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        Die

seldiige  Der  Bayern

in  den  Sjahren

1645,  1644  und  1645

unter  den  Befehlen

des

Feldmarfhalls  Franz  Freiheren  von  Merry.

———  _——  ———

Nackt  den  im  fonigl.  bayer.  Reihsardiv  zu  Münden  befindlien
  Aften  des  vreißigiährigen  Krieges  und  fonftigen  Duellen
bearbeitet  und  Fritifch  beleuchtet

von

%,  Heilmann,

f.  bayer.  Oberlieutenant  und  Brigabeabjutanten.

„Das  17.  Jahrhunvert  ift  pas  der  Revolution  für
die  Kriegdfunft  —  am  Ende  veffelben  ift  viefe
vollbradht.‘

v.  Brantt,

Mit  4  DBlänen.

—  -  [AN  NE
Sr

Keipzig  und  Meißen,  1851.
%  W.  Goefhefhe  Buchhandlung  (DO.  &amp;amp;r.  Ovenfche).
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        <pb n="3" />
        Dem

königlicy  bayerifchen  Heere

Hochadtungsvoll  gemidmet

von  dem

Berfaffer.
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        <pb n="5" />
        Vorwort.

„Man  tft  gewohnt,  fi)  um  den  breißigjährigen  Krieg
wenig  anders  zu  befümmern,  als  um  eine  allgemeine  hifto:
rifhe  Kenntnig  davon  zu  haben  und  etwa  die  berühmten
Namen  fennen  zu  lernen,  die  von  dem  reichhaltigen  Strome
feiner  Begebenheiten  emporgetragen  wurden.  Wenn  man
fieht,  wie  oft  verächtliche  Blicke  auf  die  Begebenheiten  des
dreißigjährigen  Krieges  geworfen  werden,  um  bamit  anzus
deuten,  daß  diefen  Begebenheiten  die  Seele,  bie  entfaltete
Kuntft,  fehle,  dag  man  alfo  wohl  thue,  fich  an  das  Stu:
dinm  der  fpäteren  Sriege  zu  halten,  fo  ift  dies  ein  Srrthum,
  der  befremden  muß.  Es  Iäßt  fich  begreifen,  daß  ber
Geift  des  breißigjährigen  Krieges  uns  fremd  geworben  ft,
weil  wir  mit  der  fortfchreitenden  Eultur  mandye  unmenichlihe
  und  barbarifhe  Kriegsfitte  aufgegeben,  und  von  ber
andern  Seite  dafür  auch  mande  nothmwendige  Bebingung
friegerifcher  Größe  verloren  haben.  Allein  warum  wir  in
dem  breißigjührigen  Kriege  unfere  eigene  beffere  Natur  ver:
läugnen  wollten,  ift  nicht  einzufehen.

Deutfchlands  einziger  Elaufemwiß.

Ni.  Veldzüge  von  1643,  1644  und  1645  bieten
für  den  Militär  das  größte  Antereffe  var,  indem  während
verfelben  der  bayerische  Beldmarfchall  Tranz  Freiherr  von
Mercy  gegen  die  erften  elvherren  de  damaligen  Franfreih8,
  Gonde  und  Turenne,  in  die  Schranken  trat  und
mit  dem  tapferen  Bayernheere  Thaten  verrichtete,  welche
ihred  Gleichen  in  ver  Gefchichte  fuchen  und  melche  überpie
  mit  der  jeßigen  Kriegführung  fo  verwandt  find.

Die  Abfichten  Tranfreichd  gingen  nämlich  dahin,  das
Kriegötheater  nad  Bayern  zu  verlegen,  um  vaburdh  ben
        <pb n="6" />
        vi

großen  Kurfürften  Marimilian  I.  zur  Aufgebung  feines
Bindniffes  mit  dem  öfterreihifchen  Kaiferhaufe  zu  nöthigen
  und  ihn  in  das  frangöfifche  Intereffe  zu  ziehen.  Die
Hauptaufgabe  Mercy8  war  nun,  die  Sranzofen  und  ihre
Verbündeten  von  einer  Snvafion  in  die  Rinder  des  Kurs
fürften  von  Bayern  fern  zu  halten  und  daher  den  Kriegöfhauplag
  außerhalb  ver  Grenzen  Ddiefer  Länver  aufzu=Ichlagen.


Mie  meifterhaft  Mercy  diefe  jehwierige  Aufgabe  Töfte,
möchten  die  nachfolgenden  Blätter  zur  Genüge  beweifen.
Um  jedoch  den  Helden  näher  fennen  zu  lernen,  welcher
wie  ein  Babiud  Bayern  rettete  und  da8  bayerifche  Heer
zu  Sieg  und  Ruhm  führte,  fo  fer  und  erlaubt,  fein
Bild  vom  rein  militärischen  Standpunfte  aus  zu  entwerfen.
  |

Srarız  Wreiherr  von  Mercy,  Furfürftlich  bayerijcher
Teldmarfchall,  Statthalter  von  Ingolftadpt,  Kämmerer,
Kriegsrathb,  Herr  zu  Mandre  und  Collenburg  2.  2.
ftammte  aus  dem  berühmten  Gefchlechte  der  Grafen  von
Gent  und  murbe  gegen  das  Ende  ded  16.  Jahrhunderts
in  Lothringen  geboren.  Na  einer  forgfältigen  Erziehung
trat  der  nach  Thaten  und  Ruhm  dürftende  junge  Mercy
in  die  Kriegsvienfte  de  Herzogs  von  Lothringen.

Im  Sahre  1631,  zur  Zeit  ald  Schwedens  größter
König,  Guftao  IL  Adolph,  auf  den  Belvern  von  Breiten»
feld  ven  erfolgreihiten  Sieg  erfämpfte,  war  unfer  Held
Obriftmachtmeifter  und  zwei  Jahre  darauf  Obrift  und
Gommandant  eined  Fußregiments.  1633  bildete  er  mit
feinem  Regimente  die  Befahung  von  Gonftanz,  eben  zur
Zeit,  aldö  der  fehmebische  Seldmarjchall  Guftav  Horn  zur
        <pb n="7" />
        vi

Belagerumg  diefer  Seeftabt  jchritt.  Noch  in  Demfelben
Fahre  finden  wir  den  Obriften  Mercy  in  Breifach,  mo
er  bei  einem  fühn  unternommenen  Ausfalle  in  feindliche
Hände  fiel  und  nad  Golmar  gebracht  wurde.  1634  befand
  er  fih  in  Rheinfelden,  welches  er  einige  Monate
mit  vielem  Glüd  gegen  die  Weimaraner  vertheibigte.
Bon  1635  bi8  1637  mohnte  Mercy  ald  Lothringifcher
Generalmachtmeifter  der  Belagerung  von  Golmar,  dem
Entfate  von  Dole  und  dem  Treffen  bei  Gray  bei  und
zeichnete  fih  bei  allen  diejen  Gelegenheiten  fo  ruhmvoll
aus,  daß  der  Kurfürft  von  Bayern  ihn  mit  Ernennung
zum  Generalzeugmeifter  im  Jahre  1638  in  feine  Dienfte
nahm*).

1640  wollte  der  fehweriiche  Veldmarfchall  Johann
Baner  den  Kriegäfchauplag  nach  Franken  verlegen,  murbe
jedoch  hiervon  durch  Mercy’3  Vorficht  und  Entjchloffenheit
abgehalten,  während  melcher  Zeit  dem  Schmweben  die
Faiferlide  Hanptarmee  auf  den  Nadfen  Fam,  und  ihn
zum  NRüdzuge  nach  Hefien  nöthigte.  Gegen  Enve  viejes
Jahres  beichloß  der  unermüdliche  Baner  einen  Hauptjchlag
auszuführen,  nämlih  ven  Kaifer  und  die  verfanmmelten
Furften  und  Gefandten  in  Regendburg  gefangen  zu  nehmen.
  Gr  traf  deshalb  mit  unglaublicher  Schnelligkeit  vor
diefer  Stadt  ein  und  die  meiften  ver  Außerft  beflürzten
Reichöftände  rüfteten  fich  zur  Blut.  Des  Kaifers  efligfeit
  ftellte  dad  DBertrauen  wiever  ber,  indem  er  auf  die
Unmöglichkeit  binwied,  Regensburg  ohne  eine  förnliche

*)  Eiche  Beilage  1.
        <pb n="8" />
        vi

-—.-  om

Belagerung  zu  erobern,  und  mozıu  die  berbeigeeilte  Armee
nicht  hinreichende  Mittel  befibe.  Die  Failerliche  Hauptmadbht
  mit  den  Bayern  unter  Mercy  hatte  fich  unterbeflen
bei  Regensburg  gefammelt  und  dadurch  den  fchmwebifchen
Oberfeloherrn  zum  fchleunigften  Rüdzuge,  zum  Aufgeben
feiner  Groberungspläne  und  feines  Einfalles  in  Bayern
genöthigt.  Generalzeugmeifter  von  Mercy  wurde  mit  der
Berfolgung  de3  Weinded  beauftragt  und  nahm  ben  fehwedifchen
  Obriften  Slayge  nad  einer  Außerft  tapferen  Gegenwehr
  bei  Walpneuburg  gefangen.  Diefer  brave  Ohrift
hatte  durch  fein  Heldenmüthiges  Benehmen  feinem  Oberfeloheren
  Zeit  verfchafft,  Eger  zu  erreichen  und  nad
Zwidau  in  Sacfen  zu  marfchiren,  wo  er  fi  mit  dem
franzöfifchen  Marfhall  Guebriant  wieder  vereinigte  und
nach  Halberftadt  marfchirte,  wofeldft  er  am  10.  Mai  1641
fein  thatenreiches  Leben  endete.  Im  viefem  Jahre  half
Mercy  Wolfenbüttel  belagern  und  Göttingen  erobern.  1642
führte  er  unter  den  fchwierigften  Verhältniffen  einen  ruhmvollen
  "eldzug  gegen  Die  frangofifch  =  weimarifche  Armee
im  Breisgau  und  Würtembergifchen.  In  den  Weldzigen
1643,  1644  und  1645  entwidelte  der  mın  zum  Xeldmarshall
  ernannte  Mercy  die  glänzendften  Yeloherrneigenichaften,
  rettete  vadurch  die  Länder  feines  Herrn  vor  einer
feindlichen  Invafion  und  war  daran,  auf  der  Nörblinger
Ebene  dem  Kaijer  und  dem  Weiche  den  lang  erjehuten
Brieden  zu  erfämpfen,  als  eine  Mupfetenfugel  fein  Foftbare8
  Leben  endete  und  damit  Die  großartigften  Pläne
vereitelte.

Melden  Eindruck  viefer  unerfeßliche  DBerluft  auf
Marimiliau  und  feine  Gemahlin  hervorbradte,  michten
        <pb n="9" />
        IX

beiliegende  zwei  Briefe*)  an  die  Wittwe  bed  bayerijchen
Seldmarfchalld  bezeugen.

Sein  Leichnam  wurde  nach  Ingolftadt  gebracht  und
dafelbft  am  4.  September  1645  im  Chor  ver  Morizfirche
  beigefeßt.  In  dem  Sterberegifter  diefer  Pfarrei
findet  fich  Folgendes:

„4.  Septembris  1645.

In  parochiali  ecclesia  nostra  Mauritiana  cum  Solenni
pompa  funebri  Sepultus  est  Perillustris  ac  Generosus  Dominus
  Franciscus  L.  B.  de  Mercy,  Dominus  in  Mandre  et
Collenburg,  Generalis  campi  Mareschalcus  et  Ingolstadianae

urbis  Praefectus,  qui  tertio  die  Augusti  in  proelio  gloriosus
  miles  occubuit.‘

Hieraus  Iißt  fih  mit  Beftimmtheit  annehmen,  daß
Bayerns  großer  Beloherr  nicht  auf  der  Stelle,  mo  er
geblutet,  mie  Die  meiften  Hiftorifer  angeben,  fondern  in
der  bezeichneten  Stadtpfarrfirche  ruht.  Auf  der  Stätte,
imo  er  geblieben,  ließ  ihm  ver  große  Conde,  meldyer  vor
Mercy’  Kelvherrneigenfchaften  vie  größte  Hochachtung
fühlte,  die  furze,  des  Helden  mürdige  Grabfchrift**)  feßen:
„Sta  viator,  heroem  calcas“‘**).  Diejed  Hat  vielleicht
den  Srrthum  über  die  Grabftätte  unferes  Helden  veranlast.
  Auf  der  ehernen  Gevächtnißtafel,  welche  fich  in  der
genannten  Morizfirhe  zu  Sngoljtadt  rechts  in  der  St.

*)  Eiehe  Beilage  2  und  3.

*”)  Im  Iahre  1806  fand  man  bei  Gelegenheit  eines  Manovers,  wel:
hes  die  im  Dettingifhen  im  Standquartier  befindlichen  franzöftfchen
Truppen  unter  Marfchall  Davouft  ausführten,  an  der  Stelle,  wo  Mercy
im  Centrum  commandirte,  einen  ungeheueren  Sanpftein,  aber  ohne  alles
Zeichen;  nur  ald  man  ihn  erhob,  zeigte  fih  ein  fleiner  gemauerter  Roft
als  Unterlage.  Anm.  des  Verf,

“rn  Stche  fill  Wanderer,  Tu  trittft  auf  einen  Helven.
        <pb n="10" />
        Michaeliöfapelle  eingemauert  findet,  ift  mit  erhabenen
Buchftaben  Nachftehenves  zu  lefen*):

„Alhier  Tigt  begraben  Weiland  der  Hocmohlgeborene
Herr  Herr  Frang  Freyherr  von  Merci  Herr  zu  Mandre  und
Gollenberg  gewefter  Rom:  Kay:  May:  auh  Chur.  Frftl.
Dre:  in  Batın  Respective  Cammerer.  Friegd  Rath  general
velt  marfchald.  beftelter  obrifter  VBnd  ftathalter  zu  Ingolftat
Melher  im  drefen  beil  alern  ohnfern  nerblingen  mitt  einer
Kugel  durdfdoffen  und  fein  leben  vor  dem  feindt  dem
3.  Auguft  1645.  Ritterlih  gelaffen  beffen  feel  Gott  genevig
vnd  barmherkig  fein  wölle:  feines  Alters  im  48  Jahr.‘

Schließlich  fei  ung  noch  erlaubt,  der  Perfönlichkeit
diefe8  Heerführers  zu  gevenfen.  Mit  hoher  Tapferkeit
verband  er  die  regite  Thätigkeit,  Nafchheit  in  Den  Unternehmungen,
  eindringenden  Scharffinn  und  unerfchöpflichen
Reihthum  an  Mitteln,  feinen  Gegner  bei  jeder  nur  erdenklichen
  Gelegenheit  entweder  durch  Lift  oder  Muth  zu
fchlagen.  Aus  jedem  Terrain  wußte  er  den  größten  WVortheil
  zu  zieben,  und  hierin  möchte  fein  Selpherr  vor  ihm
ftehen.  Dies  bemweifen  vornehmlich  feine  Stellungen  bei
Freiburg,  Diürrwangen  und  Allerheim.  Gbenfo  befaß  er
die  Gabe  der  militärischen  Vorausficht  in  einem  munderbaren
  Grade,  was  bejonderd  von  feinen  Gegnern,  den
Tranzofen,  gerühmt  murde.  Der  große  Conde  jagt  hier-*,

  In  dem  Tafchenburhe  für  die  vaterlindifche  Oejchichte,  heraus:
gegeben  von  Jofeph  Freiheren  von  Hormayr,  26.  Jahrgang,  p-  22  ift
angegeben,  daß  fich  diefes  Grabmal  vornen  im  Chore,  beinahe  in  der
Mitte,  etwas  weiter  gegen  die  Syangelienfeite  auf  dem  Boden,  alfo  ohne
Zweifel  auf  dem  Grabe  felbft  befinde.  Diefe  Angabe  ift  gänzlich  unrichtig.
Mohl  befindet  fi)  das  Grab  an  ber  von  Hornayr  bezeichneten  Etelle,
aber  das  Denkmal  befindet  fi)  in  der  bezeichneten  !Michaelisfapelle,  1vofelbRt

  der  Verfaffer  an  Ort  und  Stelle  die  Grabfchrift  copirte.
Anm.  des  Berf.
        <pb n="11" />
        xı

über:  „In  ven  zwei  Belpzügen  (1644  und  1645),  in
denen  ich  gegen  Mercy  gefochten,  hat  Diefer  nicht  einen
Schritt  gethban,  der  micht  dad  Gepräge  der  hödhften
Fähigfeit  an  fich  getragen  hätte.  Er  Hat  meine  Entwürfe
ftet3  fo  genau  vorausgewußt,  ald  wäre  er  ein  Mitglied
meined  Striegärathd  gemwelen‘.

Diefem  großen  Kriegäführer,  welcher  Oefterreichs
und  Bayernd  Sache  gegen  dad  gierige  und  umjichgreifende
Sranfreih  jo  ruhmvoll  vertheibigte  umd  mit  geringen
Kräften  überlegene  franzöfifche  HSeere  fhlug,  ift  meiter
fein  Andenfen  gewidmet,  ald  jene  eherne  Gevädhtnißtafel
zu  SIngolftadtr).  Doch  die  Jahrbücher  ver  Gefchichte
werden  auf  immer  ded  bayerijchen  Beldmarjchall3  Franz
Sreiherrn  von  Mercy  und  ded  von  ihm  geführten  fiegreichen
  Heered  in  hohen  Ehren  gedenken.

&amp;amp;3  bleibt  und  mır  mehr  übrig,  die  in  biefem
Merfe  benutten  Duellen  anzugeben.  An  ver  Gpite
derfelben  ftehen  die  im  Föniglich  bayerischen  allgemeinen
Reichdardhive  aufbewahrten  Acten  ded   dreißigjährigen
Kriegd,  für  unfern  Zwed  zunächft  die  Berichte  Mercy’s
an  den  Kurfürften  und  des  Lebtern  eigenhändige  Antwort:
fhreiben,  Befehle  se.  2.  Sie  beurfunden  den  vollendeten
Staatsmann,  Beloherrn  und  Heerverwalter.  Bon  feinem
Babinet  aus  überwachte  ver  große  Kurfürit  alle  Bewe-*)

  In  den  Gottespienften  der  Nofenfrangs  Brüderfchaft  zu  Ingolftapt
wird  noch  immer  ihres  MWohlthiters  des  Teldmarfchalle  Franz  Sreiheren
von  Mercy  gedacht.  Anm.  des  Verf.
        <pb n="12" />
        xu

gungen  feiner  Armee  und  fand  mit  Rath  und  That
feinem  Oberfeloherrn  zur  Geite.

Bei  diefer  Gelegenheit  fönnen  wir  nicht  umhin,  dem
um  Bayernd  Gefchichte  jo  hochverbienten  Herrn  Vorftande
biefeg  Ardivs,  Dr.  G.  Th.  Rudhart  ıe.,  fowie  dem  Herrn
Archivsfeeretär  ©.  Brand  für  die  und  dargebotene  Unter:
fiüngung  Dei  der  Wahl  ver  nöthigen  Acten  unfern  wärmften
  Danf  auszufprechen.

Außer  Diefer  Hauptquelle  wurden  noch  eine  Menge
Zeitungen,  fliegende  Schriften,  Relationen  ıc.  aus  jener
Zeit,  fowie  dad  Theatrum  Europaeum,  Buffenvorf,
Adlzreiver,  Beftenriever,  Schmitt,  Roffau,  die  Hand»
bibliothek  für  Offiziere,  dad  Militär-Converfationslerifon,
D-Gahill,  Martend,  Barthold,  Sporfhill,  Rothenburg,
Kausler,  Waflenberg,  Kold,  Hormayr,  Ramfay,  Laboureur,
  Deformeaur,  QDuincy,  Napoleon,  verfehiedene  Dietionnaires
  2c.  ıc.  benußt  und  am  entfprechenven  :Blage  citirt.

Augsburg  im  April  1851.

Der  Derfafer.
        <pb n="13" />
        Beilagen.

1.

wegen  annemmung  ber  Gral  zeugmalftere
Charge.

Durdleihtigifter  Churfürft
Gnäbigifter  Herr  ır.

Von  Em.  Churfl.  Ditl.  Hoff  Kryeged  Rath,  Und  General
  Kiryeged  Commissario  Herrn  Schäfferey,  ift  mir  zuuerftehen
  geben  worden,  maftgeftalten  Ew.  Churf.  Durdjl.  mei:
ner  wenigen  Perfohn  gnädtgift  bevadyt,  und  mit  den  General
Veldtzeig  Meifter  cargo  Zubegaben  gemeint,  Welher  hohen
gnad,  gegen  Ew.  Churfürftl.  Durdl.  Ih  mid  vunderthäntgft
gehorfambift  bevandhen  thue,  DBnd  hete  darauffhin  mit  Binder:
lafien,  mid  alßbalden  hinauß  zue  Derofelben  armee  zu  verfyegen,
  vnd  foldyed  cargo  Vnderthäntgft  über  mid  zunemben,
in  bevendhung  aber  die  Fürftl.  Ducdhl.  zue  Lothringen  bey
hyefigen  corpo  fhelne  andere  Generals  Perfohne,  al  mid,
neben,  SIrohaben,  vnd  allernegftens  an  Yeindt  gelegen,  Ich
aud)  Zemahlen,  nun  langer  Jahr  hero,  in  Ir  Kayl.  Mayl.
mic  gebrauden  lafien,  bat  mir  nit  gebürren  wollen,  ohne
vorgehendes  allergnäpigifteds  Worwüflen  aller  hodjftbefagter
St  Kayl.  Mayl.  darvon  zu  quittiren,  maffen,  dann  “Derofelben,
  Em.  Churfürftl.  Durhl.  mir  gethandes  gnäbigiftes
anerpiethen  alßbalden  aller  vnverthäntgft,  vberfchrieben,  und
        <pb n="14" />
        XIV

 

darüber  allergnädigiften  resolution  eruarthen  thue,  Damit
aber  foldhes  vmb  fo  viel  ehender  erhalten  werde,  mödhte,
Bithe  Ew.  Churfrftl.  Dohl.  ganz  vnderthänigften,  gnädigft  zu
geruehen,  felbiges  aud)  jelbften,  an  allerhödftbefagte  Kayl.
Mayl.  fhrüfftlihen  gelangen  zu  laffen,  Wauern  nun  deßhal:
ben  mir  allergft:  consens  zufhombt,  wild  Ih  nit  vnblaffen,
ohne  verzogenlihen,  mid  Hinauß  zumerfyegen,  und  Die  charge
würfhliden  anzutreten,  Eo  Ew.  Churfitl.  Durdl.  vnderthänigft
  gehorfambift  berichten,  biefelben  zue  beftänviger  glidhfeligen
  Regierung  in  {hug  deß  Allerhödhften,  Dero  aber  zue
Ehurfürftl.  gnade  mid  vnderthäntgft  beuehlen  follen.  Dat.
im  Beltläger  bei  Salnis.  11.  Yuly  1638.
Ew.  Churfl.  Dil.
ondertenigfter  gehorfamber
Sranz  Bon  Mercy.

vom  Oralwahtmaifter  von  Mercy
Gralzgeugmaifter  Charge  betreffo.
den  11  July  Ann.  1638.

2.

Marimilian  ıc.

Liebe  geireue.  Wür  haben  mitleiderlihh  vnd  mit  bes
dauern  vernommen,  weldergeftalten  euer  Eheherr  der‘  Deltmarfdhall
  von  Mercy  im  Jüngft  vornber  gangnem  treffen,  mit
ded  gemainen  Wefen  nit  geringen  empfinden,  fein  leben  zwar
Ritteriih  vor  dem  feinde  gelaffen.

.  Wie  wir  num  leichtlih  zuermäfen,  in  waß  fir  großes
betrübnug  Ihr  durd  Difen  umgeitigen  Berlueft  gerathen,  WB
tragen  wür  berentwillen  mit  euch  ein  wohlmainendes  gofte®
mitleiden,  ond  obmweln  wir  nit  zmeiflen,  Ir  werdet  eudy  von
felbften  ber  Götlidhen  disposition  hierin  mit  Chriftlidger  ges
bult  Conformiten,  So  haben  wir  iebody  eu  Kiemit  in  Gr.
        <pb n="15" />
        tröften  und  von  der  Götlihen  Allmadıt  wünfden  wollen,  daß
fye  euch  Diefes  zuegefhidhte  Iaiden  in  anderiwege  reichlid)
ergenzgen  vnd  eud  fambt  den  Eurigen  in  gutem  Wolftande
langwirig  erhalten  wolle,  babey  wir  eud)  aud)  verfidern,  daß
wir  ind  Khünfftig  auh  vnd  die  Eure,  wie  ed  eur  Eheherr
wegen  feines  vonß  big  in  feinen  Tod  gelaifteten  dapfern  valorosen
  vnd  geheuren  Kriegsbieniten  wol  meritirt,  in  gnaben
alzeit  recommendirt  halten,  vnd  wirfhlid  erfhenen  wollen,
Inmaffen  wir  eud  mit  ©naden  vnd  allen  gueten  wolgemwogen
  verbleiben.  Dat.  Münden  den  9.  Auguft  1645.

3.

Marla  Anna  Curfürftin  ıc.

Liebe  gethreue.  Gleich  wie  vnß  eur  vond  der  eurigen
gueter  wolftandt  alzeit  lid  vond  angenemb  geweft,  Alf  haben
wür  amiego:  mit  defto  gröflern  betauren,  vnb  mitlelten  vernommen,
  iwaß  eudh  der  Allmehtig  Gott  durd)  zeitliche  ableiben
  eures  Cheherrns,  welder  in  nedftvergangen  trefen,  vor
dem  feinvde  fein  leben  fo  Ritterlidh  gelaffen,  fir  ein  fdhweres
latven  vnd  betribnuß  zuegefhidht,  und  obiwoln  mir  nit
zweifeln,  ihr  werdet  diefe  fchmerzlihe  Halmbfuehung  von
der  vntwanblbaren  disposition  ®ottes  felbft  mit  Chriftlich
gebult  anzunemmen,  vnd  zu  Ybertragen  wiffen,  So  haben
wir  iebodh  nit  vnderlafien  wollen  euch  hiemit  im  beften  zu
tröften,  vonfer  gdgftes  mitleiven  zu  contestiren,  vnd  zu  mwiünfhen,
  dag  die  Götlihe  Almaht  euch  diefed  zuegefchifhte
laid  in  anderiwege  reichlich  erzhaigen,  und  eu  fambt  den
eurigen  in  guetem  wolftande  langiwirig  erhalten  wolle,  Aller
maffen  aud)  Ir  vnd  die  eurigen  eudy  vnferer  gnad  mit  deme
ond  allem  guetem  wir  eu;  wolgeiwogen  verbleiben,  jzuuerfihern..
  Münden  den  9.  Auguft  1645.
        <pb n="16" />
        Inhaltsverzeichniß.

Seite
I.  Operationen  vom  Beginne  bes  Jahres  1643  bis  zum  leberfalle
von  Tuttlingen.  &amp;gt;  2  2  0  2  er  en  ee  1

II.  WVeberfall  von  Tuttlingen  und  Wiedereinnahme  von  Rottweil  .  49

III.  Operationen  vom  Beginne  des  Jahres  1644  einfchlieplic  ver
Eroberung  von  Frelburg  -  -  «2  0  2  ren  nn  RB

IV.  Die  Schlaht  bei  Freiburg,  3.  bis  5.  Augufl  1644,  nebit  ben
Operationen  bis  zum  Schluffe  des  Jahres  1644  .  .  .  .  .  1231

V.  Das  Treffen  bei  Mergentheim,  5.  Mai  1645  ..  .  .  ..19

VI.  Die  Schlacht  bei  Allerheim,  3.  Auguft  1645,  nebft  den  Operationen
  bis  zum  Schluffe  des  Jahres  1685.  .  »  »  -  .  .  .  217
        <pb n="17" />
        l.

Öperationen
vom  Beginne  des  Jahres  1643

bis  zum

Heberfalle  bei  Tuttlingen.

Motto:  Es  eröffnet  fich  feßt  um  die  Duellen  ber  Donau
ein  Dertheidigungsfrieg  von  Seiten  der  Bayern,
welcher  preimal  die  kühnen  Verfuhe  Quebriants,
weiter  vorzubringen,  verfpottete,  und  an  einem
Tage  mit  dern  Tode  des  frangofifchen  Nitters  und
der  fchimpflichen  Jlievderlage  des  vereinigten  Heeres
  endete.

Bartholp  in  feinem  Iobannvon  Werth,
        <pb n="18" />
        <pb n="19" />
        l.

Dperationen  bis  zum  Weberfalle  von  Tuttlingen.
Anfang  1643  bi  November  1643.

(Gegen  Ende  des  Jahres  1642  nöthigte  der  bayerifche
Generalfeldzeugmeifter  Branz  Freiherr  von  Mercy  den  franzofi-Ihen
  General  Erlah,  welder  von  Breilad  bis  Ebingen  vorgerüdt
  war  und  baffelbe  audgeplünvert  hatte,  zum  NRüdzug
gegen  die  MWaldftädte  und  Bafel.  Mercy  folgte  ihm  über
Balingen  bid  nah  Tuttlingen,  weldes  der  Obrift  Widerholt,
Sommandant  der  Vefte  Hohentwiel,  am  23.  November  erjtürmt
hatte,  und  dad  nun  iwieder  in  die  Hände  der  Bayern  fiel.
Das  frangöfifd-weimarifhe  Heer  drang  von  Der  norbweftlichen
Seite  in  Würtemberg  ein  und  bemädtigte  fih  der  Orte  Weinsberg,
  Mödmühl,  Groß-Bottwar,  Marbad,  Beilftein  ıc.  Diefes
Heer  gehörte  zur  Hinterlaffenfhaft  des  Herzogs  Bernhard  von
Sadhfen-Weimar  und  beftand  größtentheild  aus  Deutihen  und
nur  wenigen  franzofiihen  Truppen,  welde  durd  den  Vertrag
‚u  St.  Germain-en  Laye  fih  mit  dem  Hergoge  von  Weimar
verbunden  hatten.  Es  waren  abgehärtete  und  Friegsgeübte  Eoldaten,
  melde  dem  Herzog  Bernhard  Breifady  nad)  mühevoller
Belagerung  erobert  und  bei  Wittenweiher  gefiegt  hatten.
Hier  dürfte  eines  Echreibend  erwähnt  werden,  weldes  ber
Herzog  Eberhard  von  Würtemberg  unter  dem  16.  November
an  den  bayerifhen  Selbzeugmeifter  Sreiherr  von  Mercy  richtete

1*
        <pb n="20" />
        4
und  worin  er  ihn  um  die  Erhaltung  feiner  Länder  gegen  bie
heranridenden  Lothringer  bat  (jiehe  Beilage  1).

Dhrift  Wirerholt,  welder  durdy  häufige  Etreifziige  die
faiferlihen  Beligungen  ftnf  mitgenommen,  bemädtigte  ih  am
29.  Januar  der  wichtigen  Etadt  lleberlingen  am  nordlidyen
Ufer  des  Bodentees  (Leberlingerfee),  weldye  ihre  Thore  fowohl
Freund  als  Feind  verfaloffen,  mit  Gewalt,  und  erbeutete  bier:
bei  14  Carthaune,  80  fleine  metallne  Gefdrüge,  400  Muffeten,
70  Doppelhaden  ıc.  MUeberlingen  wurde  hierauf  durdy  den
framppfiihen  General  Difonville  befekt.

Nelation  eines  Obriften  über  die  Befetung  von  Meberlingen.
d.  d.  Hohentwiel,  5.  Bebruar  1643.

Mein  fchuldiger  Enfer,  hat  mich  in  und  allmegen,  unter
andern,  auch  darzu  veranlaffet,  einen  Buß  an  den  Boden  =  See,
ald  meinen  nechhftlen  Nachbarn  zu  feßen,  und  unfer  Heyl  zum
erften  an  Koftnig  zu  probiren.  Und  ohngeacdhtet  von  felbigem
Drt  alle  gute  Kündjchaft  beyfommen:  Zugleih  auch  General
Major  von  Erlah  mit  einer  ziemlichen  Anzahl  Wölder  vorbane
den,  wir  aud  damit  den  17.  November  1642,  veß  Nachts  bif
allfernehft  an  die  Stavt-  Mauer,  fonder  DBermerfung  der  Scheldwachten,
  auf  deren  Pofto  Hin  und  wieder  gekommen,  hat  iebodh
-da8  vermeynte  Porhaben  nicht  Fünnen  völlig  effectuirt  werben.
Inden  die  nechft  darbey  Tiegende  Pourfambe  allart  worden,  ven
barinnen  mit  Loöbrennen  und  Ruffen  die  Lofung  geben.  Darauff
fte  fich  anderwertd  beobachtet,  und  ebenmäljig  auch  ihre  Stücke
angehoben  Toßzubrennen.  Ws  wir  nun  gefehen,  daß  die  Unmöglichfeit
  vorhanden,  hat  fih8  nicht  länger  mehr  gefammt:
fundern  weil  wir  ihnen  mit  allem  im  Northeil  geftanden,  wieder
zurüd  geeilt  worden,  da  wir  dann  folgenden  Tags  etliche  Meinauifche
  Bleden,  (jintenialen  fte  fi  der  Kontribution  geiweigert)
mit  militairifcher  Execution  Heingefudht,  und  darauff  mit  General
        <pb n="21" />
        ö

Major  eine  Cavalcade  in  dad  Würtembergifche  getban,  zu  Ehingen
  in  den  DVorftädten  den  Obrift-Leutnant  Ereugen,  Spordifchen
Regiments,  in  300  Pferde  ftared  angetroffen,  rencontrit,  etliche
erlegt,  und  nebft  100  mundirter  Pferde,  unterfchiedliche  gefangen
befommen.  Bon  den  Unferigen  wurden  ebenmäffig  auch  tobt
gefhoffen  und  befchädigt,  darunter  vornehmlich  der  ObriftsLeutes
nant  Ro.  Und  nachdem  die  andern  fih  auch  fehr  flard  zur
Resistenz  gefaßt  machten,  alfo,  daß  General  Major  bei  fich  befandte,
  ihnen  nicht  mehr  bastant  zu  fehn,  ift  er  wieber  zurüd
gegen  Duttlingen  gangen,  welchen  Ort  jene  mit  100  Pferten  unv
70  Muffetirern  befeßt,  mir  aber  mit  der  Infanterie  befchloffen
gehalten,  und  ven  23.  Detober  nach  gefällter  Brefche,  mit  Sturm
oceupirt,  und  fürterd  mit  dem  ganten  Corps  gegen  bie  Walb-Städte,
  in  die  alten  ©uarnifonen,  ich  aber  mit  den  Stüden,
und  mwad  mir  zugehörig  gemwefen,  auff  hiehero  gangen,  mein  @in«
gangd  gemelbted  propos,  wo  möglich,  zu  flatten  zu  bringen:
geitaltfam  Tiefe  ich  an  meiner  Arbeitfamfeit  nichtd  ermangeln,
wie  ich  ed  denn  endlichen  fü  weit  gebracht,  daß  mir  offenbahr
worden,  daß  lieberlingen  eine  Pforte,  dad  Grund»Thor  genannt,
hätte,  fo  alleinig  mit  dresen  einfachen  Tihoren  verfehen,  und  gute
Gelegenheit  zu  finden  wäre,  Petarden  fehr  füglich  anzubringen:
wurde  darauff  folhed  von  mir  bey  General  Major  von  Erladh
und  Baron  de  Oysonville,  anhängig  gemadjt,  daß  mohlermelbte
3hro  Excellentz  mit  bey  nahe  1500  Mann  zu  Buß,  den  16.  Januar
  inftehenden  Jahrs,  vor  dem  Schlößlein  Planberg,  fo  der
eind  mit  3  Mufquetierern  befeßt  gehabt,  angelangt,  und  felbiges,
nach  etlihen  wenig  Schüffen,  andern  Jagd  zur  Vebergab  ges
zmungen:  Bolgende,  und  zwar  den  19.  wir  lauter  Nadıtö  in
aller  Stille  gegen  Ueberlingen  marfchirt,  und  eben  in  deme,  daß
fh  Nadı  und  Tag  Hat  beginnt  zu  feheiden,  gang  unvermerdt
darbey  anfommen.  ©eftalt  dann  die  Burger  drinnen  (ald  die
niemal8  wmeber  Breunde  noch  PBeinde  eingelaffen)  ehender  nicht
Allart  worbden,  biß  die  erfte  Petarben  gefpielt,  und  gleich  das
eine  Thor  gank  zerfcheitert.  Darauff  fie  aus  einem  zur  linfen
Hand  auff  einem  Berg  ftehenden  Thurn,  der  Galler  genannt,
aus  Eleinen  Stüden  und  Mufqueten  fih  unterfehievlich  vermerken
        <pb n="22" />
        6

Yaffen,  etliche  todt  gefchoffen  und  gequetiht.  In  diefen  aber
wurde  mit  Petarbiren  der  übrigen  Pforten  nicht  nachgelaffen,
alle  aufgebracht,  und  alfo  diefer  alten  Jungfrau  daB  Ehren-Kränglein
  abgezogen,  darinne  ziemlicher  Borratd  an  Brüchten
und  Wein,  80  fleine  metallne  Stüd,  darunter  das  vornehmfte
eine  halbe  Garthaune,  70  meffingene  Doppel-daden,  400  Mufques
ten,  ohne  der  Bürger  Gewehr,  und  100  gante  Guraffier  (anderer
Beuten  zu  gefchweigen)  gefunden  worven.  Diefer  Ort  ft  nicht
nur  der  Schlüffel  zum  Bopden-See,  fondern  au)  an  und  für  fi
felbften  fehr  wohl  befchaffen,  daher  dann  der  König  In  Branfreich
ben  Grafen  Corval  zum  Gubernatoren  verorbert,  und  ihm  100000
Branden  übermadht,  alda  nebenft  Fortificirung  de8  Orts  500  Pferd,
800  zu  Wuß,  und  6  armirte  Schiffe  auff  dem  Boben-  See  zu
unterhalten.

Der  franzöftfchre  Marfhall  Graf  Guebriant,  auf  den  vers
heißenen  Zuzug  aus  Franfreih  und  auf  die  Vereinigung  mit
dem  fdhwedifhen  Heere  unter  Torftensjohn  Hoffend,  war  im
ermattenden  Kampfe  gegen  die  Etrenge  ed  Minterd,  von
feinem  weiten  Zuge  aus  Nieverfadhfen  an  den  Main  gelangt,
bei  Gemind  über  den  Etrom  gegangen  und  im  Januar  an  ver
Tauber  eingetroffen,  um  von  bier  aus  in  die  Länder  des  Kurfürften
  von  Bayern  einzufallen*).  Er  befegte  Mergentheim
fowwie  die  unweit  davon  gelegene  Vefte  Neuhaus,  in  welder  er
4  Geihübe,  60  Muffeten  2.  vorfand,  und  diefe  Beute  nad
zweitägigem  Aufenthalt  mit  fidy  fortnahın.

Seldzeugmeifter  Mercy  rüdte  Anfangs  des  Jahres  1643,
nahdem  er  fih  mit  den  Truppen  des  Faiferliden  Generale
Grafen  Habfeld  bei  Dinfelebühl  vereinigt  hatte,  über  VBerg-*)

  Barthold.  Iohann  von  Werth.  121.  122.
        <pb n="23" />
        7

dronn,  Weltgartshaufen,  Erailsheim,  Roftfeld,  Mainloy,  Jlebofen,
  Cröffelbady  in  die  Gegend  von  Hall,  vo  er  den  18.  Janudr
  eintraf  und  den  dort  befinplidhen  &amp;amp;eneral  Taupadell
verdrängte;  am  19.  belegte  Mercy  Hall  und  verblieb  dnjelbft
zwei  Tage  Durd  diefen  Marfd;  de8  bayerifhen  Generals,
wodurd  er  zu  erfennen  gab,  wie  fehr  ihm  die  Abficyten  des
Selndesd  befannt  fein  ınußten,  fah  fidy  Guebriant  gemöthigt,  bei
Lauffen  auf  das  linfe  Nedarufer  zuridzugeben  und  fid)  mit
dem  größern  Theile  der  frangofifch-  weimarifcdhen  Heeres  yuerft
zwiihen  Lauffen  und  Cannftadt  (eine  zu  ausgedehnte  Etellung
für  ein  fo  Feines  Heer,  indem  beide  Drte  ohngefähr  7  Meilen
von  einander  entfernt.  liegen),  tanı  zwifhen  Cannftadt  und
Eplingen  aufzuftellen,  aus  weld)’  Teßterem  hervorgeht,  Daß
Quebriant  wieder  an  das  rechte  Nedarufer  überging  und  fohin
bei  diefer  Aufitelung  einen  Slug  im  Rüden  feiner  Aufftelung
batte,  was  fehr  leidyt  zu  üblen  Bolgen  Beranlaffung  hätte  geben
  fünnen,  indem  im  Falle  eines  Riüdzugs  das  Defiliren  über
den  Redar  nur  auf  wenigen  und  zwar  an  den  Außerften  Flüs
geln  liegenden  Brüden  hätte  bewerfftelligt  werden  müffen.
Auer  tiefem  und  zwar  größeren  Theile  jenes  franzöftfc-  wel:
mariihyen  Heeres  befanten  fid  nody  verichiedene  Corps  defielben
in  dem  füpmweftlihen  Deutfhland  und  zwar  zwilhen  dem
Bovenfee,  Rhein  und  den  Duellen  der  Donau;  fo  ftand
unter  Andern  ein  Theil  unter  dem  General  Erlady  in  Breifad,
ein  anderer  unter  dem  franzöfiihen  General  Difonville  in  Ueber:
lingen  2c.  20.  Am  24.  Januar  befegte  ihre  Avantgarde  unter
dem  Herzog  Sriedrih  von  Württemberg,  Bruder  des  regierenden
Herzogs  Eberhard,  die  Bride  bei  Cannftadt  und  am  26.  fam
das  Hauptquartier  in  Diefe  Etadt;  mit  demfelben  rüdten  12  Ges
nerale,  4000  Pferde  und  3  Brigaden  Fußvolk  In  Canftadt  ein.
Bon  hier  aus  wurden  Etreifpartheien  gegen  die  Bayern  aus:
geihict,  welche  jevod  nidyts  anderes  auszuführen  unternahmen,
al8  zu  plündern  und  Gontributionen  aufzulegen.  Mercy  war
unterdeffen  von  Hall  über  Gelbingen,  Unter-Münfheim,  Wefternah,
  Jannen,  Neuenftein,  Gappel,  Dehringen,  Neuenftadt
und  Nedarsulm  aufgebrohgen  und  am  28.  bei  Heilbronn  ein-
        <pb n="24" />
        8
getroffen,  von  wo  er  dem  franzofifd-weimarifhen  Keere  den
Nekar  aufwärtd  nahrüdte  und  am  29.  bei  Marbady  anfanı.
Buebriant,  welder  ein  Zufammentreffen  mit  den  Bayern
wünfdte,  um  feine  gänzlich  herabgfommene  Armee  in  die
Duartiere  führen  zu  fonnen,  hatte  fein  Heer  an  demfelben  Tage,
als  Mercy  bei  Marbadh  eintraf,  zwilchen  Canftadt  und  Waiblingen
  (2  Meilen)  aufgeftellt,  um,  wie  [don  gelagt,  ven  Bayern,
und  zivar  vor  ihrer  Bereinigung  mit  dem  Herzog  Karl  von
Lothringen,  eine  Ecladıt  zu  liefern,  in  dem  Falle,  daß  fie
porrüden  würden.  Aber  obgleih  Guebriant  bis  zum  4.  Yes
bruar  in  feiner  Etellung  verblieb  und  obgleidy  der  Herzog  von
Lothringen  unterdeffen  eingetroffen  war,  fam  ed  dody,  weil  der
Huge  Mercy  überzeugt  war,  auf  leichtere  Weife  zum  Ziel  zu
gelangen,  während  diefer  Zeit  zu  feiner  Edladt,  fontern  am
30.  Januar  zu  einem  unerheblichen  Borpoftengefechte  bei  Mars
badı,  weldyes  bayeriicherfeitd  von  dem  General  Jean  de  Worth
geleitet  wurde,  worauf  fi  diefer  auf  Groß-Bottwar  zuüdzog
und  am  31.  Januar  mit  einigen  taufend  Reitern  von  bier  aufs
brad)  und  über  Badnang,  Winnenten  und  EShornbah  gegen
Cchyorndorf  vorrüdte,  in  defien  Nähe  er  vie  feindlichen  Regis
menter  Dehm  und  Mittgenftein  überfiel  und  denfelben  einen
Berluft  von  200  Zodten  und  vielen  Pferden  beibrakhte*).  Don
hier  aus  wandte  er  fidy  über  Geradftetten,  Gronbadh  und  Großs
Heppadh  gegen  Waiblingen,  fam  aber  nur  bi8  Groß-Heppad,,
wofelbft  ihn  die  ftarf  beießte  und  gut  verrammelte  Brüde  über
die  Nemd  aufbielt;  zudem  war  Groß-Heppadh,  al  in  ber
rechten  feindlihen  Slanfe  gelegen,  mit  3  Reiterregimentern  und
400  Dragonern  bejegt,  während  auf  die  Kunde  von  dem  Ans
marfhe  ver  Bayern  nod  weitere  Truppen  aus  der  Umgegend
auf  den  gefährdeten  Bunft  eilten.  Troß  diefer  Uebermadt  und
den  localen  Hinderniffen  drang  der  fühne  Würth  in  den  Drt,
erlitt  jedoh  durdy  das  Feuer  aus  den  Häufern  einen  DVerluft
von  200  Mann,  wworunter  fein  jüngerer  Bruder  Ctephan,

*)  Stehe  Beilage  2  und  3,
        <pb n="25" />
        9

welher  NRittmeifter  war  und  dem  Bruder  an  Kühnheit  nad»
eiferte,  und  viele  Offiziere.  Allein  da  er  die  Brüde  zu  nehmen
außer  Etande  und  ihm  der  Nüdweg  auf  der  Etraße  abge:
fdnitten-  war,  fo  blieb  Wörth  fein  anderer  Ausweg,  als  fid
zu  ergeben  oder  fih  durd  die  Eis  treibende  Nemd  zu  retten.
Der  ritterlidye  Führer  zog  natürlicdy  leßteres  vor,  wobei  er  felbft
in  Lebensgefahr  gerieth.  Auf  Geite  der  Weimarifhen  war  ein
Obriftlieutenant  Graf  Wittgenftein  erfchoffen  worden  *).

Nah  diefenm  Gefechte  ging  Jean  de  Wörth  nah  Ecdyorn:
dorf  zurüd,  von  wo  er  nad)  Göppingen  marfdirte,  meldes
vom  Feinde  mit  70  Muffetieren  und  50  Reitern  belegt  war
und  weldes  er  nad  tapferem  Widerftande  am  9.  Februar  in
feine  Gewalt  bradıte.

Das  franzöfiih:weimariihe  Heer,  mweldes  am  4.  Februar
Cplingen  befegt  hatte,  brah  am  folgenden  Tage  gegen  die
Filder  auf.  An  diefem  Tage  lag  ein  Theil  der  Bayern  no
bei  Schorndorf.  Guebriant  nöthigte  am  6.  Februar  ein  fchwaches
  Detahement  vom  Corps  des  Generald  Worth  zum  Rüd:
zuge  aus  Kirhheim  und  ftellte  fidy  füpoftlih  von  diefem  Drte
bei  Selingen  auf,  in  der  Abfiht,  von  hier  aus  gegen  Göppingen
  zu  rüden.  Hier  war  ihm  jevoh  General  Jean  de  Wörth
durh  DBefegung  Diefed  Drted  zuvorgelommen,  weshalb  fid

*#)  —  —  il  lui  manda  la  reception,  qu’il  avoit  faite  en  personne
  a  Jean  de  Wert,  a  qui  la  puissance  des  ennemies  avoit  accreu
le  courage  et  la  passion,  qu’il  a  toujours  eue  de  se  signaler  par
des  embuscades  et  par  des  surprises  de  quartiers.  Qu’il  avoit
defait  avec  la  part,  qu’il  comandoit  et  lui  fait  connoitre,  qu'il  ne
lui  devoit  rien  promettre  d’un  combat  particulier  contre  celui,  dont
les  fatigues  inconcevables  d’un  campement  de  pres  de  deux  mois
entiers  sur  la  neige,  et  dans  des  lieux  incommodes  n’avoient  pu
refroichir  le  genereuse  ardeur  d’en  venir  a  une  action  capitale  avec
les  ennemis  Imperiaux  et  Bavarois.  Histoire  de  Guebriant  pag.  568.
Kardinal  Mazarin  antwortete  fehr  verbindlih:  nous  avons  appris  avec
joie  l’avantage,  que  vous  avez  obtenue  sur  Jean  de  Wert,  fehte
aber  fleingläubig  Hinzu:  nous  esperons  de  voir  Etre  suivis  des  succez
plus  remarquables.
        <pb n="26" />
        10

 

Guebriant,  eine  Imgehung  befürdtend,  nad)  Reutlingen  zurüdzug,
  weldes  er  am  15.  Sebruar  bejegte  und  die  dafelbft  befindlie
  fhwahe  bayerifche  Abtheilung  aufhob.  Feldzeugmeifter
Baron  von  Mercy  folgte  dem  franzöfifch-  weimarifchen  Heere
nad  und  ftand  am  14.  Februar  bei  Mesingen,  vwofelbft  er  fid
mit  dem  SHerzoge  Karl  von  Lothringen*)  vereinigte  und  fein
Hauptquartier  in  Urah  aufihlug.  Tübingen  wurde  ald  vors
gefhhobener  Bolten  betradtet  und  500  Mann  dahin  verlegt.
Durdy  diele  Bewegung  des  nie  raftenden  Mercy  fa  Guebriant
feinen  Plan,  nah  Bayern  zu  dringen,  vollftändig  vereitelt,
wozu  nod  der  erbärmlihe  Zuftand  feiner  nee  fam,  welche
dur  Kälte  und  Krankheit  fehr  zufammengefhmolzen  und  nit
im  Etande  war,  fid)  in  offener  Selpfhlaht  mit  den  bayerischen
Truppen  unter  Mercy  zu  meflen.  Guebriant  trat  daher  den
Rüdzug  gegen  den  Nhein  an,  auf  welden  er  von  Jean  de
Wörth  mit  feinen  Reitern  unermüplicdy  verfolgt  wurde.  Mit
2000  diefer  Reiter  ftieß  Jean  de  Wörth  in  dunfler  Naht  auf
ungebahnten  Wegen  in  Dferbingen  auf  die  dafelbft  nody  in
Duartier  befindlihen  feindliden  Regimenter  MWittgenftein  und
Kanofsly.  Die  Wachen  wurden  jchnell  übermannt,  und  ebe
fih  die  überrafchten  Weimarer  fammeln  und  durdh  Quebriant
unterftügt  werden  fonnten,  hatten  Sean  de  Woörth’s  Reiter  das
Dorf  angezündet,  viele  Feinde  zufammengehauen  und  800  Pferde,
2  Etandarten  nebft  dem  Gepäde  der  Mittgenfteiner  erbeutet,
womit  die  Bayern  nad  einem  unerheblichen  Verlufte  abzogen.

*)  Herzog  Karl  erhielt  den  Oberfehl  über  das  bayerifch  =  Tothringifche
Heer,  was  er  als  Bedingung  feiner  Vereinigung  mit  Bayern  proponirt
hatte.  Diefen  Oberbefehl  führte  er  wohl  dem  Namen  nad,  aber  in  der
That  der  nun  zum  Welomarfchall  ernannte  Sranz  Freiherr  von  Mercy.
Jean  de  Wörth  wurde  zu  gleicher  Zeit  General  der  Reiterel,  weshalb  er  fich  den
6.  Zunt  aus  Tübingen  „bedandht,  daß  Ihre  hurfl.  Durchl,  Ihne  zum  Ges
neral  yber  bie&amp;amp;auallerie  In  Gnaden  declariert,  mit  verficherung,  daf  Er  fi
in  erercierung  folcher  Charge  bvergeftalten  comportiern  iverde,  daß  She
ein  gnedigfied  Contentement  vnd  Satisfaction  dauon  haben,  vnd  feinen
zu  bero,  vnd  def  gemainen  weefens  bienft  continuitenden  Gpfer  ferner  in
ber  thatt  verfpüren  follen”“.
        <pb n="27" />
        11

 

Am  17.  Februar  traf  Marfhall  Guebriant  in  Rottenburg  am
Nedar  ein,  die  Bayern  ftanden  bei  Tübingen.  Am  18.  überfielen
  die  Bayern  Waldendbud.  Am  21,  Februar  feßte  bie
frangöfilch  -  weimarifdhe  Armee  ihren  Rüdzug  über  Rottenburg
fort.  Seldmarihall  Mercy  und  Herzog  Karl  von  Lothringen
folgten  ihr  nah;  bei  Hemmendorf  ereilte  Jean  de  Worth  drei
feindlihe  Regimenter,  melde  er  nady  vergeblihem  Wiberftande
in’  die  Fludt  flug.  Ouebriant,  ftet3  von  den  Bayern  ver:
folgt,  fuchte  feinen  Rüdzug  zu  befhleunigen,  welden  er  über
Eulz  und  durd  dad  Kinzigtbal  (28.  Februar)  beiwerfftelligte,
fofort  zwildhen  diefem  Thale  und  Lauffenburg  am  Rhein  aus:
gedehnte  Duartiere  bezog,  um  durd  diefe  Aufftellung  die  an
der  wiürtembergifchbavifhen  Grenze  ftehenden  Bayern  in  Schad
zu  halten  und  den  Angriff  ded  Herzogs  von  Enghien  auf
Diedenhofen  (Thionville)  zu  unterftügen.  Seine  Armee  fol  zur
Zeit  des  Einrüdend  in  die  Duarttere  did  auf  1400  Mann  zu
Huß  und  4000  Reiter  zufammengefchmolgen  gewefen  fein.  Die
Bayern  folgten  ihm  bi8  Nagold  und  Eu  nah  und  fehrten
dann  in  die  Gegend  von  Tübingen  und  Reutlingen  zurüd,  um
gleihfalls  Erholungsquartiere  zu  beziehen,  in  welden  fie  bie
zum  Mai  des  folgenden  Jahres  verweilten  und  Durd  biefelben
die  Sranzofen  bis  an  den  Bodenfee  umjcloffen,  denen  nur  der
Rüden  und  der  Rhein  frei  war.  Mercy  hatte  nun  nadı  einem
meifterhaft  geführten  Winterfeldzuge  die  Frangofen  aus  Franken
und  Ehwaben  verdrängt  und  ihre  Eroberungspläne  gänzlid
vereitelt.

Nadı  einem  im  föniglid  bayeriihen  allgemeinen  Reid:
arhive  aufgefundenen  Duartierzettel  vom  28.  Februar  1643
iwaren  die  Truppen  der  bayeriichelothringifhen  Armee  wie  folgt
vertheilt:

1)  Hauptquartier  in  Tübingen.

2)  Hagenbackh  in  Reutlingen.

3)  Urtillerie  in  Herrenberg,  Böblingen  und  Leonberg.

4)  Werth  und  Gold  in  Ehingen,  Schelfingen,  Munder:

fingen,  Riedlingen,  Mengen,  Saulgau,  Münfingen,  Hadyingen,
Vöhringen,  Jungingen  und  AlbHaufen.
        <pb n="28" />
        12

5)  Merch  zu  Pferd  und  Holz  in  Weillerflapt,  Calm,
Wildberg,  Markgrönningen  und  Marbach.

6)  GeHyling  und  Mercy  zu  Fuß  in  Biberach,  DBuchau,
Ravendburg,  Wuldfee  und  Leutkirch.

7)  Trufbennpller  und  Edlinjtetten  in  Rottenburg
am  Nedar,  Horb,  Sulz,  Nagold,  Altenfteig,  Dornftetten
und  Oberndorf.

8)  Kolb  und  Mier  in  Geislingen,  Nlbel,  Kangenau,
Blaubeuern,  Heidenheim,  und  Schwäbifhgmind.

9)  Syorf  und  Rorico  in  Balingen,  Ebingen,  Rofenfelb,
Heigerlody,  Binzdorf,  Schönberg  und  Trochtelfingen.

10)  Zapiere  und  Haßlang  in  Göppingen,  Nürtingen,  Kird):
heim,  Weilheim,  Wenvlingen,  Srögingen  und  Cannftatt.

11)  Wolff  une  Wündterfheitt  in  Möröburg,  Mößfirdh,
Schner,  Tuttlingen,  Marfoorf  und  Pfullendorf.

12)  Horft  in  Bretten,  Eppingen,  Hildbach  und  Sinzheim.

13)  Königsed,  Lucas  und  Gallas  in  Durlady,  Ettlingen,
Oraffchaft  Eberftein  mit  Gernsbah  und  Raftatt,  Kuppenheim,
  Neuenburg,  Wildbad,  Liebenzell,  Hirfhau,  Herren»
und  Brauenalb.

14)  Xothringifche  Armee  in  Pforzheim,  Vaihingen,  Bietigheim,
  Beffigheim,  Bradenheim,  Güglingen,  Wimpfen,
Maibftad,  Klofter  Maulbrunn  mit  dem  Städtchen  Knit«
lingen  und  Sapenheim.

Am  Ehluffe  diefed  Zetteld  befindet  fid)  nadftehende  Bemerfung:
  „Dabei  ift  den  Obriften  und  Regiments  Commandanten
die  erinnerung  gefchehen  die  Megimenter  vnd  Böldber  alfo  beis
fammen  zu  Togieren,  daß  fye  auf  erfordern  unverzüglich  beifanımen
fein,  auch  die  ganze  Armada  in  einem  baar  Tag  zufammen  geführt
  mervden  mög.”

Die  Berftärfung  von  6000  Mann,  melde  Guebriant  zu&amp;gt;
geführt  erhalten  hatte,  und  die  dadurd  nidyt  mehr  ferne  Aus
fiht  auf  den  Beginn  der  Feindfeligfeiten,  veranlaßte  -ben  Feldmarihall
  von  Mercy,  die  bayerifchelothringifche  Armee  im  Monate
        <pb n="29" />
        Mai  bei  Tübingen  zu  concentriren,  um  fi  mit  ihr  in  bie
obere  Gegend  zu  begeben.

Das  frangofifh-weinnariihe  Heer  verließ  am  8.  Junt  feine
ausgedehnten  Duartiere  zmifhen  dem  Kinzigthal  und  Lauffen:
burg  am  Rhein  und  befand  fih  am  9.  Juni,  ungefähr  7000
Mann  zu  Fuß  und  4000  Reiter  ftanf,  im  Wiefentbal  bei  Lörrah,
  um  von  hier  aus  über  Walpehut,  Engen  und  Tuttlingen
am  rechten  Ufer  der  Donau  hinab  gegen  die  Jller  und  den  Led
vorzudringen  und  den  Krieg  nady  Bayern  zu  Ipielen.

Am  19.  Junt  ftand  das  bayerifdelothringiidhe  Heer,  gegen
16,000  Wann  ftarf,  zwilhen  Haigerloh  und  Balingen;  aın
26.  befand  fih  Tas  Hauptquartier  in  Hemmendorf.  Bis  zu
biefer  Zeit  war  im  bayerifhen  Hauptquartiere  nur  Die  Nachricht
eingetroffen,  daß  der  Feind  von  den  Waldftädten  hermarfdire
und  viel  Proviant  zufammengebradht  habe.  Der  bayerifde
Feldherr  hielt  zu  diefem  Zmede  am  16.  Juni  im  Hauptquartiere
Hemmendorf  einen  Kriegsrath,  dein  außer  ihm  felbft  die  Obriften
‚Holz,  Königsed,  NReheling  und  Haßlang,  der  Generalfummilfär,
der  Generalmadtmeifter  Kaspar  Mercy  und  General  von  Wörth
beimohnten.  In  Folge  deflen  wurde  der  Befhluß  gefaßt,  daß  die
Armee  den  kommenden  Zug  nad  dem  Killertbale  gegen  Eigmaringen
  zu  marfchiren  habe  (jiehe  Beilage  4),  während  Dbrift
Drudmüller  mit  500  Pferden  in  das  Epeidyingerthal  rüden
mußte.  Durd  diefe  Detahirung  dedte  Seldmarhall  Mercy
feine  rechte  Slanfe  und  verlor  dadurh  das  wichtige  Rottweil
nicht  aus  den  Yugen.

Zu  diefer  Zeit  war  das  franzöfifch:  weimarifhe  Heer  in
die  Gegend  von  Hohentwiel  und  Engen  gerüdt  und  hatte  fi
in  den  Befi  von  Tuttlingen  geießt.

Feldmarfhall  Mercy  war  unterdefien  über  Killen,  Haufen,
Burladingen,  Reuferen,  Gammertingen,  Hettlingen,  Vöhringen
und  SJungenau  nad  Eigmaringen  gerüdt,  wojelbft  er  am
2.  Juli  an  das  rechte  Ufer  der  Donau  überging  und  bei  Mößs
firdy  und  Pfullendorf  eine  Etellung  bezog;  das  Hauptquartier
befand  fi  am  7.  Juli  in  Kraudenwies,  weldes  4  Etunden
von  Möpfirh  und  3  Etunden  von  “Pfullendorf  entfernt  liegt.
        <pb n="30" />
        Guebriant  ridte  dagegen  am  15.  Juli  bis  nah  Salmannss
weiler  vor  und  feine  Truppen  durcftreiften  plündernd  alle  Drte
am  nördlichen  Ufer  des  Bodenfees  bis  nahe  an  Lindau.

Am  23.  Juli  ftieß  Jean  de  Wörth  mit  einer  Reiterabtheilung
  in  der  Nähe  von  Navensburg  auf  eine  fulhe  Streifpartei;
nah  einem  hikigen  Gefedte,  in  weldem  von  beiden  Eeiten
einige  hundert  Mann  auf  dem  Plate  blieben,  fah  fi  Sean  de
Mörtl;  gezwungen,  nah  Ravensburg  zurüdzugehen.  Der  Ger
neralwadtieifter  Mercy  wurde  hierbei  verwundet  und  der  Obrift
Königsek  gefangen.  Na  diefen  Gefechte  rüdte  die  frangofifheweimariihe
  Armee  über  Sernadingen  und  Sipplingen  gegen
Meberlingen,  plünderte  Marfsdorf,  Buhhorn  und  mehrere  andere
Drte  bi  auf  eine  halbe  Meile  von  Lindau  und  wollte  fidy  der
Stadt  Ravensburg  bemädtigen  ;  diefem  famen  jedody  die  bayes
rifhen  Dbriften  Kolb  und  Lapier  mit  3C00  Küraffiren  zuvor
und  [chlugen  die  zu  obigem  Zivede  herangerücdten  2000  weimar
rifchen  Reiter  in  einem  blutigen  Gefechte  nahe  bei  diefer  Stadt
fo,  daß  deren  500  auf  der  Walftatt  blieben  und  25  Offiziere
nebft  einigen  Hundert  Gemeinen  gefangen  wurden.  Nicht  beffer
war  ed  einer  andern  200  Mann  ftarfen  mweimarijchen  Abtheiz
lung  ergangen,  welde  am  22.  Zuli  bi8  gegen  Billingen
geftreift  hatte,  jedoch  auf  dem  Rüdwege  von  den  Bayern  ums
ringe  und  bis  auf  10  Mann  zufammengehauen  wurde.  ALS
nun  die  Bayern  dur  die  Bejegung  von  Marfvorf,  Tettnang
und  fonftiger  Orte  dem  framoftfcheweimariihen  Heere  den  Weg
an  bie  Ser  verfperrten,  fab  fih  Guebrlant,  unter  deflen
Truppen  wegen  Ausbleibend  der  Beloldung  Meutereien  auszubrechen
  drohten  und  viele  davon  liefen,  zum  Rüdmarfde  ge:
nöthigt,  welden  er  am  2).  Juli  antrat  und  Uber  Etodad,
Hindelwangen,  Liptingen,  Zuttlingen,  Wurmlingen,  Spaihingen,
Aldingen  vor  Rottweil  vüdte,  um  fid}  in  den  Befig  diefer
Stadt  zu  feben.  Feldmarfhall  Mercy  hatte  jedodh  eine  Ber:
ftärtung  nad  Rottweil  geihidt,  welge  am  25.  Juli,  einige
&amp;amp;tunden  bevor  der  feindlihe  Dberft  von  Rofen  vor  derfelben
mit  3  Reiterregimentern  erihien,  eingetroffen  war.  Am  24.
traf  auch  das  Hauptcorpe  vor  Rottweil  ein,  worauf  die  Stadt
        <pb n="31" />
        eingefhloffen  wurde.  Das  Hauptquartier  Fam  nad)  Rothens
münfter.  Die  Truppen  beftanden  im  Ganzen  aus  17  Reiters
regimentern,  13  Regimentern  Sußvolf  und  30  Gelhügen,  die
aber  jehr  Ihwad  waren,  intem  e8  um  jene  Zeit  Reiterregir
menter  gab,  die  nur  nodh  40  bis  90  Mann,  und  Yußs«
regimenter,  die  nur  no)  200  Mann  ftarf  waren*.  Eie  lagerten
  im  Nedarthale,  bei  Altftapt,  bei  Golsdorf  und  auf  Der
Höhe  bis  gegen  Dürtingen.  Die  Befagung  von  Rottweil  be:
ftand,  mit  Cinrehnung  der  vorerwähnten  Verftärfung,  aus
3  Coinpagnien  Fußvolf  und  60  Neitern  unter  dem  Hauptmann
Slettinger  des  Außregiments  Mercy.  Am  25.  Juli  forderte
Guebriant  die  Etadt  auf,  fid)  zu  ergeben;  aber  der  Commans
dant  und  die  Bürger  erflärten  fi  entfchlofien,  Widerftand  zu
leiften.  Nun  wurben  die  Mauern  bei  der  Hohbrüdenvorftadt
und  bei  Eanct  Johann  bejheoffen;  an  legterer  Stelle  ftürzte  ein
Haus  ein,  375  Kugeln  fielen  in  die  Etadt.  Am  26.  Juli
um  1  Uhr  Morgend  unternahmen  die  Belagerer  einen  Sturm
bei  dem  Hocbrüdenthore,  bei  Sanct  Johann  und  auf  die  Aur
vorftadt;  er  wurde  zwar  abgefchlagen,  aber  die  untere  Auvorftadt
von  der  Befagung  dennody  verlafjen.  Der  Herzog  Friedrid
von  Würtemberg,  welder  einen  Theil  der  ftürmenden  Lruppen
anführte,  wurde  dabei  nicht  unbedeutend  verivundet.  Kin  Ver:
ud)  der  Belagerer,  das  mittlere  Author  durd  “PBetarden  zu
fprengen,  mißlang,  indem  die  Kanoniere,  welde  die  PBetarven
an  das  Thor  befeftigen  wollten,  erihoffen  wurden,  ehe  fie  ihre
Abjicht  ausführen  fonnten.  Da  traf  Sean  de  Wörth  mit  16
bis  20  Ehmwadronen  Reitern  zum  Entfabe  ein.  Drei  Sanonen«
fhüffe  verfindigten  der  bebrängten  Etabt  feine  Nähe,  und
Guebriant  fah  fi  genöthigt,  nocdy  an  demfelben  Tage  (28.)  in
der  Richtung  gegen  Horb  aufjubrehen,  nahdem  er  vor  Rottweil
900  Mann  verloren.  Das  Hauptquartier  Guebriant’s  fam  nad
Holzhaufen;  die  Truppen  lagen  im  fogenannten  Mühlbady,  fonnten
fid}  aber  hier  nicht  behaupten,  indem  fowohl  die  Bayeın,  ala

——m

*)  Martens  439.  240.
        <pb n="32" />
        der  Herzog  von  Rothringen  gegen  fie  anrüdten  und  Erftere  eine
drohente  Etellung  bei  Impfingen  einnahmen;  Guebriant  mußte
daher  eilen,  feine  Rüdzugslinie,  das  Kinzigthal,  ehe  ihm  der
Zugang  zu  Derfelben  abgefchnitten  war,  zu  erreidhen,  was  ihm
in  der  Nadıt  des  30.  Juli  gelang,  obgleih  die  Bayern  bereits
Dberndorf  befest  hatten,  worauf  er  unangefochten  durdj  diefes
Thal  dem  Rheine  zuzog*).

Bon  diefem  Entfaße  fhrieb  man  aus  dem  bayerifchen
Hauptquartiere  Etoplad)  vom  30.  Juli:

„Der  Beind  ift  zwar  im  Anzug  gewefen,  fich  nacher  Mavenfpurg,
  und  fo  fortan  in  Bayern,  zu  begeben.  Wir  haben  aber
bei  Soberömeiler  den  Weg  abgefchnitten,  und  ihn  wieder  zurüdgetrieben.
  Darauff  ift  feine  Resolution  gewefen,  burcdh  dad  Würtemberger
  Land  zu  gehen,  und  in  passando  die  Stadt  Rothweil
einzunehmen,  und  au  derfelben  feine  “lrmee  zu  proviantiren:
Mafien  er  dann  folchen  Drt  24  Stund  lang  befhoffen,  auch  nad)
gemachter  Preffa  geftürmet.  Wir  aber  find  ihm  zu  bald  auf  den
Hal  Fommen,  alfo,  daß  er  mit  zimlichen  Verluft,  fo  ihm  durdı
der  Einligenden  gute  Gegenmwehr  zugefügt  worden,  darvon  abziehen
müffen.  Und  ald  er  fürterd  feinen  Weg  auff  Sul  genommen,
waren  wir  mit  unferer  Urmee  auch  bereit3  dafelbften;  vahero  er
verurfacht  worden,  in  der  Nacht  wieder  auffzubrechen,  und  feinen
Weg  in  die  Marggraffichafft  Baden,  an  ben  Ort,  da  er  vorigen
Winter  gelegen,  zu  nehmen.  Zu  befagtem  Sul  find  wir  fo
nabe  an  einander  Ffommen,  daß  man  mit  Stüden  auff  einander
fpielen  fünnen,  und  haben  wir  dem  Beind  zwar  auch  bei  Oberndorff
  an  einem  Paß  vorgewartet;  meilen  er  aber  zu  vorn  bereits
einen  Berg  zun  Vortheil  erlanget,  ift  ihm  mit  flarfen  Truppen
nicht  beyzufommen  gewefen.  Hat  gleihmwol  in  diefem  Marfche,
wegen  vielfaltigen  VBerlauffend  feiner  Bölder,  auch  nicht  wenigen
abgefchlagenen  Bartheyen,  an  Munnfchaft  zimlih  abgenommen,
und  bdörfften  wir  in  der  Marggraffichafft  meiterd  an  einander
fommen.”

*)  Martens  440.
        <pb n="33" />
        17

Co  fah  fid),  Guebriant  in  einem  Halbfreis  vom  Bobenfee
  bi8  an  den  Rhein  von  feinem  twacfamen  Gegner  wie  an
einem  Geile  bid  zu  feinem  Ausgangspunfte  zurüdgeführt;
aber  in  feinem  Unmuthe  troftete  fidy  der  ehrgeizige  Marfchall,
daß  er  den  Feind  von  der  Entjegung  Didenhofend  (Thionville)
  abgehalten,  und  wirflid  hatte  er  injofern  feinen  Zwed
erreiht,  ald  jene  DBefte  am  10.  Auguft  in  die  Hände  des
Due  d’Enghien  fiel;  aber  die  Taufhung  beftand  darin,  daß
feine  Gegner  nit  dad  Ziel  vor  Augen  gehabt,  mit  beffen
Erreihung  er  fich  felbftgefällig  zufrieden  gab  über  den  zweiten
Verderb  des  franzöftfcen  Heered*).

Guebriant  verweilte  eine  Zeit  lang  im  untern  Thale
der  Sinzig,  weldhe  er  aus  Mangel  an  Lebensmitteln  in  ver
zweiten  Hälfte  ded  Monats  Auguft  verlafien  wollte,  um  fid
in  der  Marfgrafihaft  Baden  auszubreiten.  Hier  ftorte  ihn
jevody  Jean  de-  Wörth,  welder  über  den  Kniebid  nadı  Raftatt
  gerüdt  war  und  fid  an  demfelben  Tage,  an  weldem
&amp;amp;uebriant’d  Vorhut  in  Raftatt  einrüden  follte,  in  den  Befg
diefer  Stadt  gefegt  hatte.  Zu  fhwah,  um  hiergegen  etwas
zu  unternehmen,  309  fid)  Guebriant  nad  Milljtevt  und  am
31.  Auguft  bei  Dttenheim  an  das  linfe  Rheinufer,  indie
Gegend  von  Benfelden  zurüd.  Die  Bayern  unter  Yeldmarfhall
  Mercy  hatten  fih,  vermuthlid  der  beffern  Berpflegung
  wegen,  norbwärts  gewendet,  lagerten  Mitte  Auguft
zwifchen  der  Stadt  Weil  und  Herrenberg,  zwei  Stunden  von
erfterm  Orte,  gingen  dann  bei  Rauterburg  tiber  den  Rhein
und  bezogen  am  18.  September  ein  Zager  bei  Weiffenburg  **).
Hier  trennte  fih  der  Rothringer  von  den  Bayern  und  rüdte
an  die  Mofel,  um  die  Fortfchritte  der  Franzofen  im  Lurem:
burgifhen  aufzuhalten.

Nah  einem  im  fonigl.  Reidhsardive  vorgefundenen  fummarifhen
  Ertracte  hatten  die  Regimenter  zu  Pferd  der  Furbayerlihen
  Reihsarmee  am  3.  Auguft  1643  folgende  Stärfe:

*)  Barthold,  „Johann  von  Wörth,  127.  128.
**)  Martens  440  und  441.
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8  16)  ES  |5”71ı8
1.  Wörth  .  .|  85  |  735)  8115|  6  ı  -  |&amp;lt;  |  —
2.  Mercy  .  -I  682  |  566|  26|  74)  6|  8  1  1|  —
3.  Rebling.  .|  888  |  709|  80|  42|  10  |  17  5I  1221|  33
4.  Drudmüller  |  845  |  544|  70lı03|  2  |  12  |  16  |  76|  12
5.  Kolb  .  .  |  752  |  5901  51  3  ı  |  2  I  —  |  1]  —
6.  Spor@  .  .|[  1060  |  756)  32111]  6  |  22  |  —  |102|  3
7.  Rapier  .  .  753  |  534|  871100|  16  6|  —  8  2
8.  Rönigded  .E  371  |  190|  90)  #3|  1ı|  -—  |  —-  |  —-  |  Aa
6286  |4624|478|683  |  97  |  83  |  22  |  220  |  71

Am  23.  October  führte  der  Herzog  von  Enghlen  (Conde)
und  der  ©enerallieutenant  Graf  Rantau  dem  frangofifdhe
weimarijhen  Heere  bei  Dadftein  eine  Verftärfung  von
8000  Mann  zu,  wodurdh  Ouebriant  fein  Heer,  mit  weldhem
er  in  Süpbeutfdhland  einfallen  follte,  auf  die  danıald  refpecs
table  Etärfe  von  18  —  20,000*)  Mann  gebradt  fah.  Zu
diefer  Zeit  beftand  die  weimariihe  Kriegemadt  ohne  die  herr
beigeführte  Berftärfung  aus  10,000  Mann,  in  29  Compagnien
  Reitern,  3  Regimenter  Dragonern  umd  12  Haufen  Fuß:
volf  mit  etwa  15  ©efhügen  und  einem  gahlreihen  Troß.
Unter  den  herbeigeführten  12  Regimentern  Fußvolf  und
10  Regimentern  zu  Pferd,  melde  beiläufig  8000  Mann  zähl:
ten,  befanden  fi)  unter  Andern  die  Regimenter  der  Königin,
Rangau,  Ziler,  Nothhafft,  Groaten,  LXedelle,  Chambre,

Bambourg,  Kohlhad,  Schotten,  Srländer,  Italiener  und
Wallonen.

*)  Geit  Frieblands  Fall  erreichte  eine  Armee  felten  mehr  eine  größere
Stärfe,  fo  hatte  der  Krieg  die  Länder  menfchenleer  gemacht.
Anın.  bes  Perf.
        <pb n="35" />
        Don  jeder  Infanteriecompagnie  der  ganzen  Arınee  waren
3  Mann  commanbirt,  während  bie  franzofifhen  und  Echwelzer:
garden  wieder  nad  Franfreidh  zurüdfehrten,  da  fie  vermöge
ihrer  Capitulation  nit  mehr  in  Deutfhland  gebraudt  werben
durften.  Nahdem  Gonde  dem  frangofifheiweimarifhen  Heere
biefe  Berftärfung  zugeführt  hatte,  fehrte  er  nah  Burgund
zurüd,  um  bafelbft  Winterquartier  zu  beziehen.

Am  2.  November  ging  das  frangofifdyeweimarifche  Heer
bei  Dttenheim  auf  das  redte  Rheinufer  über  und  beivegte
fih  über  Hugsweiler,  Düglingen,  Lahr,  Reidyenbady  und
Hohengeroldsek  in  das  Kinzigthal  gegen  den  obern  Nedar.

Seldmarfhall  Mercy  war  fhon  am  15.  October,  fobald
er  die  Morbereitungen  ded  Marfhall  Guebriant  zu  einem
Rheinübergange  erfahren  hatte,  bei  Lauterburg  an  das  redte
Rheinufer  übergegangen,  hatte  in  Speyer  ein  Regiment  Xothringer
  zurüdgelaffen  und  war  eine  Zeit  lang  bei  Durlad)
(26.  Drtober)  [fiehe  Beilage  5  init  ihren  Einl.),  Ettlingen
und  Raftatt  ftehen  geblieben,  zog  fi),  durd;  Guebriant’s
Marfdy  veranlagt,  über  Pforzheim  wieder  zurüf  und  befand
ih  am  8.  November  bei  Malmsheim  unfern  Leonberg.  Mars
hal  Guebriant  war  unterdeffen,  troß  eined  mehrtägigen
anhaltenden  NRegend,  wodurd  die  Defiled  des  Ehiwarzmaldes
faft  unmegfam  wurden,  am  7.  November  vor  Rottweil*)  eins
getroffen,  um  Diefe  Stadt  zu  belagern  und  fi  um  jeden
Preis  in  den  Belit  diefes  damald  für  fo  widtig  gehaltenen
ftrategifhen  Punktes  zu  feßen.  uebriant  fchidte  feine  Ars
tillerie  und  Bagage  über  Kreibung  und  St.  Peter  gegen
Rostweil.  Um  die  Belagerer  in  ihrem  Unternehmen  zu  beden,
erhielt  der  Oeneralmajor  KReinhold  von  Rofen  mit  den
4  Relterregimentern,  NRofen,  Guebriunt,  Dehm  und  toll
Rofen,  beiläufig  1200  Pferde,  den  Auftrag,  gegen  Balingen

*)  Am  7.  November  vor  der  Vefte  angefommen,  begann  fchon  am
folgenden  Tage  ber  erfte  Auftritt  des  Trauerfviels,  melches  die  Feldzüge
der  Sranzofen  des  1643,  Jahres  fo  fhmachvoll  befchloß.

Berthold,  „Johann  von  Wörth  131.

2%
        <pb n="36" />
        20

zu  rüden  und  badurdh  die  Bayern  zu  beobadıten  und  zu  ver:
hindern,  daß  fie  von  diefer  Seite  etwas  gegen  tad  Belagetungscorps
  unternähmen.

Dob  Mercy  war  den  Feinden  zuvorgefommen  und  hatte
Balingen  furz  vor  dem  Eintreffen  des  feindlihen  Reitercorpd
befegen  lafien,  meshalb  Generalmajor  Rofen  nad  Geislingen
309,  weldes  nordweftli)  von  Balingen  liegt,  und  bdiefes
Dorf  fowie  dis  dortige  Schloß  befegte  und  einen  Rittmeifter
mit  72  Mann  auf  Borpoften  ausftellte.  Die  Sorglofigfeit
diefed  Nittmeifters,  auf  defien  Wadjfamfeit  vertrauend,  Ro»
fen  feinen  Truppen  nad  einem  fiebentägigen  fehr  anftrengenden
  Mari)  einige  Ruhe  gönnte,  gereihhte  ihm  zum  Vers
derben.

Mercy  hatte  unterteffen  den  Obriften  Johann  von
Sporf  mit  500  Reitern  von  der  Stadt  Weil  aus  in  der
Richtung  gegen  Rottweil  detadirt,  um  bie  Unternehmung  der
Feinde  zu  recognodeiren.  Sporf  traf  am  6.  November  in
Horb  ein  und  fing  bei  feinem  weitern  Vorrüden  am  folgenden
  Morgen  bei  Rofenfeld  einen  feindlihen  Duartiermeifter,
der  ihm  umftändlihen  Bericht  über  die  Lage  der  Saden  in
Geislingen  erftattete.  Dbrift  Eporf  entfdloß  fid  fogleid,
den  Feind  zu  überfallen,  wozu  er  die  fpäte  Naht  vom  7.
auf  den  8.  November  wählte.  Sn  diefer  Naht  rüdte  er  auf
Geislingen,  umringte  diefen  Drt  mit  200  feiner  Reiter,
überfiel  den  auf  Vorpoften  ftehenden  KRittmeifter  mit  einer
folden  Schnelligfeit,  daß  die  im  Orte  im  tiefen  Schlafe  lie
genden  Truppen  nit  zeitig  genug  von  der  ihnen  drohenden
Gefahr  benadhridytiget  werden  Fonnten,  und  jtürzte  fit  mit
den  übrigen  300  KReitern  in  das  Dorf,  wo  er  unter  dem
Beinde  ein  furdtbares  Blutbad  anridytete,  während  das  Dorf
von  den  ed  cernirenden  Weitern  an  allen  Eden  in  Brand
geitedt  wurde.  Diefe  Maßregel  vollendete  die  Verwirrung;
Rofen,  nidt  anders  glaubend,  al&amp;amp;  die  ganze  bayerifhe  Rets
terei  unter  Jean  de  Wörth  fei  da,  floh  mit  etwa  300  ihrer
Pferde  beraubten  Neitern  und  Dragonern  nad;  dem  nahen
Chloffe,  wodurd;  er  dem  Tode  oder  der  Gefangenfhaft  ent-
        <pb n="37" />
        21
ging.  200  Gefangene,  worunter  faft  alle  Offiziere,  eine
große  Zahl  Pferde,  die  Bagage  und  8  Etandarten  waren  die
Trophäen  biejed  von  dem  bayerifhen  Dbriften  Eporf  fo  glüdih
  unternommenen  Weberfalls.  Die  Zahl  der  Todten  über:
ftieg  die  der  Gefangenen*).

Eovdald  Marfhall  Guebriant  vor  Rottweil  eingetroffen
war,  berathfchlagte  er  mit  feinen  eneralen,  ob  man  biefen
laß  angreifen  folle  oder  nit.  Die  Meinungen  waren  ge:
theilt.  Der  Marquis  von  Montaugier,  Herr  von  Rocquefers
viered  und  der  Obrijt  Dehm  widerriethen  die  Belagerung,
weil  die  Jahreszeit  ichleht,  der  Blaß  feft  und  gut  verproviantirt
  war,  weil  bie  weimarifhen  Negimenter  aus  neuge&amp;gt;
worbenen,  zur  Defertion  geneigten  Eoldaten  beftanden  umd
eine  Vereinigung  der  Bayern  mit  dem  Faiferlihen  General
Graf  Hapfeld  zu  befürdten  fiehe.  Eie  riethen,  weiter  vorzurüden,
  Bayern  zu  bedrohen  und  dabdurd  die  bayerifcdhe
Armee  zu  zwingen,  ihr  betrohtes  Land  zu  fhügen  und  dadurd
  die  Nheingegend  dem  franzofifdy=  weimarijhen  Heere  zu
überlaffen.  Der  Marfhall  Guebriant  und  der  Generallteus
tenant  Graf  von  Rangau  waren  dagegen  entfchieten  für  bie
Belagerung,  weil  die  frangöjiich=  weimarifche  Armee  feinen
einzigen  fejten  Play  vdieffeitd  red  Edhmwarzivaldes  in  Befts
habe,  Rottweil  aber,  bei  der  zu  großen  Entfernung  Breifadhe
vom  SKriegsfhauplage,  ein  vortreffliher  Stüßpunft  fei  und
die  Armee  im  nähften  YBeldguge  ftetd  mit  Munition  und
PBroviant  hinreichend  verfehen  Fonnez  zudem  miüffe  man  ohnes
bin  das  auf  dem  IUmmege  tiber  Freiburg  nod  nit  einge:
troffene  Gefhüg  abivarten,  fowie  den  Proviant,  da  das  mitgenommene
  Brod  verzehrt  war**.  Man  entfhloß  fih  alfo
zur  Belagerung  und  eröffnete  die  Laufgräben  auf  verfhiedenen
Seiten.  Das  Belagerungscorps  zählte  beiläufig  16,000  Mann.
In  der  Stadt  befand  fi)  der  bayerifche  Obriftlieutenant  Zobft
Hettlah)  vom  Gold’fhen  Regimente  al8  Commandant  einer

*)  Siehe  Beilage  6.
**)  Mothenburg  730,  731.
        <pb n="38" />
        22

nur  aus  wenigen  Bompagnien  Infanterie  und  zweier  om:
pagnien  Dragoner  beftehenden  Bejagung;  dod  nahmen  aud)
die  Bürger  thätigen  Antheil  an  der  Vertheibigung  ihrer  Stadt.
Chon  am  28.  Detober  (7.  Novbr.)  begannen  die  Belagerer
vor  dem  „‚Slöttingäthor”'  drei  Schangen  aufzuwerfen,  die  aber
dur  Ausfälle  der  Befakung  am  8.  und  9.  November  zerftört
wurden.  Am  10.  November  wollten  die  Belagerer  bei  dem
‚„‚Bredigerthurm”  eine  Mine  anlegen,  wurden  aber  daran  ver:
hindert,  wobei  ein  Mineur  gerödtet  und  mehrere  verwundet
wurden.  in  fräftiger  Ausfall  wurde  am  11.  November  von
der  Befagung  unternommen;  während  Hauptmann  Danneder
mit  200  Bürgern  und  Soldaten  bei  dem  Flöttlinsthor  auss
fiel,  rüdte  Hauptmann  Brion  mit  50  Neitern  gegen  den
„zburmweg”.  Cie  umringten  auf  diefe  Weife  eine  feindliche
Abtheilung,  tödteten  mehrere  Feinde  und  nahmen  einen  Dbriftlieutenant
  nebft  einigen  andern  Offizieren  und  24  Mann  ges
fangen.  Am  folgenden  Tage  gelobten  der  Magiftrat  und  Die
Bürger,  fi)  bid  auf  das  Meußerfte  zu  vertheidigen;  die  Hodbrüde
  und  die  untere  Yuvorftabt  wurden  zu  biefem  Zıvede
abgebrannt.  Ulnterdeffen  war  das  fhwere  Geihüß  der  Bes
lagerer  nachgefommen  und  am  13.  November  wurde  die  Stabt
aus  drei  Batterien,  bei  dem  Predigerthurm  und  oberhalb  ber
Hohbrüde,  lebhaft  beihoflen.  Da  die  Aufforderung  zur
Uebergabe  vergeblih  war,  jo  wurde  am  folgenden  Tage  mit
der’  Befchießung,  befonderd  gegen  dad  Rıumpferbad,  fortgefahven.
  Dur  die  in  die  Stadt  geworfenen  Bomben  fam  Nahts
9  Uhr  Feuer  aus  und  es  brannten  fedd  Käufer  und  eben
jo  viele  Scheuern  ab.  An  diefem  Tage  und  in  der  darauf:
folgenden  Naht  waren  520  Bomben  und  Kugeln  gegen  die
Stadt  abgefhoffen  worden.  Eine  am  16.  November  bei  dem
erwähnten  Bade  durd  die  -Beicdjießung.  entftandene  große
Deffnung  in  der  Stadtmauer  wurde  von  der  Befahung  for
gleih  verrammelt.  Nun  befdofien  die  Belagerer  am  17.  Nos
venber  aus  einer  Batterie  oberhalb  der  Hohbrüde  den  fogenannten
  Mehlfad  (einen  nicdt  mehr  vorhandenen  Thurn  an
der  füdlichen  Seite  der  Stadt);  aber  hier  traf  die  Belagerer
        <pb n="39" />
        23

fchwerer  Berluft,  indem  der  Marfhal  Guebriant  auf  der  dem
Mehlfad  gegenüberliegenden  Anhöhe,  ale  er  die  Wirfung
feiner  neuen  Brefchbatterie  hinter  einem  leeren  Edjanzforbe
beobadıtete,  von  einer  Balfonnetfugel  fo  getroffen  wurde,  daß
er  den  rechten  Arın  verlor,  worauf  der  General  Graf  you
Rangau  den  Oberfehl  über  die  Belagerer  übernahm.  Am
18.  November  endlid  wurde  von  Morgens  7  Uhr  bis  Mittage
  12  Uhr  bei  dem  Mehlfafe  und  bei  dem  Hocbrüden:
thore  eine  Sturmlüde  eingefhoffen.  Run  berief  der  Obriftlieutenant
  Hettlady  die  Offiziere,  den  Bürgermeifter  und  Die
Umtleute  zufammen,  ftellte  ihnen  die  Gefahr  und  Die  geringe
Ausfiht  auf  Erfag  vor  und  fdidte,  der  lebhaften  Einmendungen
  bed  Magiftratd  ungeadhtet,  den  Hauptmann  Brion
durd  die  Sturmlüde  hinaus,  um  den  Belagerern  die  Leber:
gabe  der  Etadt  anzubieten  *).

Accorät  fo  heut  den  18  Novbris  1643  zwiichen  der  König!.

May.  in  Franghreich  Herren  Warfchollen  end  Guauen  von

Guebriant,  vıd  des  Ioblichen  GBoldifchen  NHegiments  Obrift:

lentenant  vnd  der  Zeit  Comendanten  albier  in  Nothweil  ges
troffen  worden.

1.

Soll  der  DObrift  Keutenant  neben  bey  fid}  babenden  Hoch  vnd
Nieder  Dfficierern  fambt  ziwahen  Gompagnien  Tragonern  und  Commanbirten
  nıußquatierern  nit  facth  ond  padh,  fliegenden  fändel  over
Standarren,  Kugel  im  mund,  brennenden  Iunden,  piftolen,  Karabis
nern,  Obere  und  vndergewehr  nach  Solpatenmanier,  neben  aller
pagage,  Magen,  pferbt,  und  Troß,  Morgens  Acht  VBhren  frieh  ab
ziehen,  vnd  vnaufgebalten,  paffiret,  audy  mit  genugfamer  flcherer

—.-_  oo  ---—

+)  Martens,  Befchichte  der  innerhalb  ber  Grenzen  des  Königreichs
MWärtemberg  vorgefallenen  Erlegerifchen  Greignifle  ıc.  p.  443,  &amp;amp;44,  445.
        <pb n="40" />
        connoy  vor  alle  Feind  Hid  zur  der  Chur  Bayerifchen  Meichdarmee
den  graben  Weg  beglaittet  werben.
2.

Sollen  alle,  fo  von  Lamboyfchen  treffen,  feithero  herüber  Ehems
ben,  oder  gefangen  worden,  pafflert,  die  Ienigen  aber,  fo  der  Erone
Srandhreich  Immediati  gevlent,  geuolgt  werben,  doch  die  Dienftpferbt,
fo  den  Beldtherren  zuegehörig,  obnangefochten  verbleiben.

3.

Sollen  beeberfeyten  die  gefangene  Tragoner  ohne  einige  entgeltnud,
  auch  denen  Tragoner  Capitain,  feine  eigne  jowohl  al8  in  difer
oder  anderer  Occasion  gemachte  Beutpferbten  ungehindert  außgelaffen
vnd  geuolgt  werben.

4,

Belangendt  die  Burgerfchafft  hat  fich  diefelbige  gleichfahle  eines
bilfihmäßigen  accordis,  welcher  zur  Ihrer  oınd  der  Ihrigen  conseruation
  bienlic)  fein  wirbt,  zuuerfehen;  vnd  fich  zu  uerfihern,  baß
denen  Jenigen,  fo  fe  in  biejen  fahl  nach  raison  punftaliter  aufgetragen
  würdt,  vunfehlbar  nachgelebt  werben  foll.

Dife  Oberzelte  puncten  follen  alle  trewlich  und  one  alle  arglijt
erftiglich  gehalten  und  zu  genugfamer  Verftcherung  von  höchftgedacht
$hr  Excellenz  beveftigt  ond  vunderfchrieben  werben.

(L.  S.)  Guebriant.

Die  Stadt  wurte  mit  einer  Brandfhagung  verfhont;
da  aber  der  Artillerie  dad  Recht  auf  die  Gloden  nit  ganz
entzogen  werden  Fonnte,  wurden  ald  Erfaß  dafür  300  Reidyethaler
  angefegt  und  bezahlt.  Alle  gefangenen  Bürger  wurden
ohne  Löfegeld  freigegeben.  Der  Bürger»  und  Bauerfchaft
wurde  Sicherheit  ihres  Eigenthums  zugefagt.

Diefer  Uebereinkunft  gemäß  z0g  der  Kommandant  mit
ver  Befagung  am  19.  November  Morgens  nad  7  Uhr  mit
Waffen  und  Gepäd,  brennenden  Lunten  u.  f.  w.  aus  der
Stadt  und  follte  zum  bayerifhen  Heere  begleitet  werben;
        <pb n="41" />
        25

aber  vie  Llebereinfunft  wurde  nicht  gehalten,  fondern  ver
Eommandant  mit  feinem  Gefolge  ganz  auögeplündert  und
die  Mannfhaft  genöthiget,  bei  den  DBelagerern  Dienfte  zu
nehmen.  Später  wurde  der  Oberftlieutenant  Hettlady  der
llebergabe  wegen  durd  ein  Kriegögericht  feiner  Etelle  entfebt.
Nod  am  Tage  der  UWebergabe  zogen  die  Eieger  in  Rottweil
ein.  Gucbriant  war  nad)  feiner  VBerwundung  nad  Rothenmünfter,
  nad)  ter  Einnahme  ter  Etadt  aber,  am  21.  Nos
venber,  nad  Rottweil  zu  den  Dominifaneru  gebradt  wor:
den,  wo  er  am  24.  November  Abends  6  Ahr,  Hauptfäds
ih  in  Folge  ungejdhidter  Behandlung  turd  die  Wiumndärszte,
ftarb  *).

Die  Einnahme  Rottweils**),  deren  Befakung  unter
den  gewöhnlichen  Kriegsehren  abzog,  war  feine  legte  Freude.
Nahdem  er  fid  der  Feite  gehörig  verfidiert,  entließ  Dort  ber
Todifranfe  feine  Offiziere  unter  fhweren  Befürditungen,  ermahnte
  fie  zur  Einigfeit,  und,  al3  hätte  er  eine  Ahnung  des
drohenden  Gefhif3,  zur  Vorfiht,  und  ergab  ald  frommer
Kriegsmann  fjih  darauf  ganz  der  Eorge  für  fein  Geelenheit.
Aber  ungeachtet  der  Worte  des  Eterbenden  herrfchte  Uneinigfeit
  unter  den  Heerführern  über  den  Plan,  welden  man
jest  verfolgen  müffe,  bid  Graf  Ranzau,  der  Höchfte  an  Anfehen,
  entfchled,  einige  Meilen  vorzurüden  und  dad  Haupt:
quartier  zu  DIuttlingen  an  der  Donau  aufzufhlagen.  Der
Vebermüthige  ließ  fih  im  Kriegörathe  vernehmen;  er  denke,
fid)  den  Haldfragen  im  bayerifchen  Blute  zu  wafdhen,  worauf
Rofe,  eingedenf  der  Lehre,  weldhe  ihm  Sporf  ertheilt,  eriwi:
berte,  Bayernblut  fei  wohl  höher  zu  adten,  ale  zu  foldem
Gebraud  ***).

Diefer  Play  var  mit  unerfeglihen  Opfern  erfauft  worden,
  denn  außer  dem  empfindlihen  DVerlufte,  den  die  frans

*)  Martens  445,  436.
*)  Siehe  Beilage  7.
***)  Bartholv’s  „SIohann  von  Worth  132,  133°.
        <pb n="42" />
        26

 

zöfifhe  Armee  durd  den  Elugen  Belpheren  erlitt  und  ben  ber
Befig  von  Nottweil  nidt  aufivog,  war  eine  große  Anzahl
Offiziere  und  Eoldaten  während  der  Belagerung  getöbtet  oder
verwundet,  und  der  größte  Theil  Ted  neugeworbenen  Fuße
volfde,  dad  Generallieutenant  Graf  Ranzau  dem  Marfhall
Buebriant  zugeführt,  hatte  fih,  Des  Hungerd  und  ber  Kälte
ungewohnt,  verlaufen.
        <pb n="43" />
        Deilagen.

1.

Von  Gotted  Gnaden,  Eberhard  SHerkog
Zue  Württemberg  vnd  Teds,  Graf
Zue  Miümpelgardt,  Herr  zu  KHaidenhein  ıc.  ıc.

Unfern  freundlichen  grueß  zuvor,  Wohlgeborner  befonderd
geliebter  Herr  und  Breundt.

Demfelben  mögen  wir  freundtlih  nicht  DVerballten  maß
maflen  wir  nun  von  dreyen  Tagen  nacheinander  Don  vnterfchieblichen
  artben  Hero  glaubmürbig  aviftert  worden,  daß  deß  ıc.  Serbog
Carld  zue  Lothringen  2c.  mit  verofelben  vnterhabenden  Völdher
beraitd  DVeber  MNhein  gefeht,  Seine  Quartier  wie  etliche  darfür
halten,  omb  Durlach,  Beuftel,  und  der  orthen  zunemnien,  andere
mainung  nad  vber  Ant  SHailbronn  vond  den  Maingifchen  orthen,
und  DBnfern  in  felbigen  refier  gelegnen  Nembtern  Zulogiren  DVorhaben
  fein  follen,  DBeber  welche8  Wnuerhoffte  ad  vertiment  wir
Aber  fehr  betroffen,  fonderlich  meiln  Unß  vnd  männiglichen  ber
obndisciplinirten  Xotbringifchen  Völdhern  fehäpliche  proceduren  und
wie  Vebel  Sie  biöhero  mit  den  Leuthen,  bin  und  wider  gehaufet,
guetter  maßen,  befandt  fein,  Sintenmablen  aber  Dnnfere  Ange:
hörige  Randen,  dep  Herrn  Churfürften  in  Bayern,  linferes  freundtlihen
  Lieben  Seren  DVetterd  Mnterbabenden  Reichsvöldhern  zum
Duartier  assignirt  Vnd  zwar  wie  Ihrer  Durhl.  Wir  beraits
        <pb n="44" />
        28

—-.

fo  fehriftl:  fo  mindtlich  Hefchmwehrungd  meiß  beflaget,  auff  biefe
Stundt  aljo  ohnertraglih  Hart  getrüdhet,  daß  Sie  aud)  den  iekt
obhabenden  großen  Laßt,  wie  die  Vorhocdhgevacht  Herrn  Churfürftl.
Durdl.  Verpröftete  Erleuchterung  nicht  eilendt8  erfolgen  wirbt,
mit  außzuitehen,  geichweigend  erft  noch  weiterd  ben  beforgenven
Einfall  vdiefer  Lothringifhen  Armee  auß  Zutrauen  Bermögen.
Soldhem  allem  nach  Haben  mür  dem  Herrn  General  Veldt  Zeugmeifter
  biefe  Un  abermahlß  beforglidy  zuftehende  miberwertige  Bes
gegnuß,  vnd  DVnfern  Hochbetrangten  big  in  ten  Todt  geängftigten
Armen  Dntertbanen,  bevorjtehende  große  Gefahr  hiemit  eilende
berichten,  Wud  denfelben  freundtlidy)  erfuchen  wollen,  Er  Seiner
biöhero  contestirten  rhumblicyen  Sorgfallt  Bnd  Bnfern  Zue  dem
Herrn  General  Beldt  Zeuymeiiter  geftellten  fonderbahren  gueten
Vertrauen  nach,  Ihme  die  Conservation  Bnferer  Armen  Lanbt
und  Leuth  noch  mweiterd  bejtend  angelegen  fein,  Und  foldhe  anftallt
machen  laffen  wollen,  damit  die  beforgende  große  Gefahr  Bon
DBnferen  den  Chur  Bayerifchen  Reihe  Völdhern,  zum  Quartier
nd  Gnderhallt  assignirten  Randen  Bnd  Leuthen  abgewendet:  dadurch
  vorige  Inconvenien  liegen,  jo  von  dem  eingefallenen  Gill
de  Hasifchen  Bengenauifchen  vnd  anderen  Böldhern,  verurfacht
worden,  verhüttet:  Dnnfere  ruinirte  Urmse  Underthanen  zu  fernerem
  BeHtrage  Bmb  ermaß  tücdhtig  erhalten,  vnd  audh  wir  mit
von  neuem  in  dad  befchwehrliche  Exilium  mit  Gewallt  verftoßen
werben.

Dep  feind  wir  vnıb  den  Herrn  General  VBeldt  Zeugmeifter
mit  Zuftehender  gelegenhait  anderweetig  zu  befchulden  erbietig  vnd
verbleiben  vemfelben  mit  feftl.  willen  Jederzeit  wohlgenaigt.  Stutts
gart  den  16.  Nov.  1642.

Deb  Herrn  Bemeldt
mohlaffectionirter
Sreundt
Eberhardt.
        <pb n="45" />
        29

-—  {0

2.

Durhlauchtigfter  Herzog,  ©näbigiter
Ghurfurft  ond  Serr.

Em:  Churfrl:  Drl:  werden  verhoffentlidd  mein  geftrig  vndertbenigftes
  fehreiben  durch  den  Kütner  zu  recht  empfangen,  vnd
was  ed  albier  behy  der  Neicdhdarmee  in  einem  vnd  andern  für  ein
befcbaffenheit,  durch  deffen  miünblidye  relation  gnädigft  vernommen
haben,  worauf  ich  mich  dan  beziehe,  Ir  rl:  Drel:  zu  Lothringen
haben  zmar  damald  allerhandt  difficulteten  weiter  zu  auanziren
vorgewendt,  aber  an  iego  fih  erflart,  Em:  Churfrl:  Dril:  zu
Ehren,  wo  e5  Deffen  Dienfi  erfordern  murdt,  Hinzuziehen,  habe
alfo  geftern  vunfern  marche  auf  grojfen  Bobmar,  heut  auf  Vadhenang,
  genommen,  meldhe  orth,  wie  dann  auch  Wineden  der  Yeint
verlajjen,  fi)  zufammen  gezogen,  vnd  der  gefangnen  aufjag  nad
zwifchen  anftatt  vnd  Chling  in  einem  vortbeilhafftigen  Poffto
geftelt,  vnd  meiln  Ime  alda  fehmwärlich  beyzufonmen  fein  würdt,
al  it  der  velt  Marfchall  Keutenant  der  von  Wörth  mit  1000
Pferdten  vnd  den  Tragonern  heut  außgangen  umb  deffen  Bofitur
recht  zu  erfhundigen,  vnd  feind  wir  morgen,  geliebtd  Gott  auf
Wineden  zu  auanziren,  vnd  an  die  Nend  zu  gehen  vorhabeng,
umb  Schorndorff  zu  vnferm  Borthel  zu  haben,  und  Nacdivem  der
von  Wörth  berichten,  ond  das  Ime  auf  difer  feiten  nichts  abzu-s
gewinen  fein  würdt,  alfdann  auf  Göppingen  ond  DBörting,  die
Thonarv  vnd  vnfere  Länder  befto  beifer  zu  bebedhen,  zugeben,
pnd  durch  Stringirung  vnd  abfchneidung  der  Fourage  wo  möglid)
aus  feinem  Pofito  vond  meiter  zu  treiben,  ober  aber  zu  einem
vortheilhafftigen  ftreich  zu  bringen,  welches  ih  Em:  Churfrl:  Detl:
vnd  mas  weiterd  fürgenommen,  vnd  fid)  begeben  mwürbt,  Dero
gnäpigften  befelh  gemäß  berichten  will,  recommendire  Em:  Ehurfrl:
Dril:  zu  Dero  beharliden  Churfrl:  hulden  vond  gnaden  mid  uns
tertbenigft,  bleibende

Ev:  Ehurfrl:  Dril:
Datum  Padlhenang  ven
31.  Januar  .1643.  vndertenigfter  gehorfanfter
Sranz  von  Mercy...
        <pb n="46" />
        pP.  S.

Auch  gnädigfter  Churfürjt  und  Herr,  Kombt  bey  beichlieffung
difes  der  von  Wörth  mider,  welcher  dem  Debmifchen  und  Wit:
genfteinifchen  Regiment  vnd  4.  Compagnien  Tragoner  vom  Guebrien
  eingefallen,  einen  Cornet,  fambt  feiner  Standärt  gefangen
befhommen,  dad  Duartir  in  Prant  geftekht,  vnd  viel  Rofp  Inen
genommen.  Weiln  aber  Er  über  ein  Brudh  vnd  Bafß  gemüeft,
jo  von  des  feintd  Tragonern  befeßt  gemweit,  alß  hat  der  feint
defito  beffer  weil  gehabt,  zu  Pferdt  zu  fißen,  vnd  Haben  die
unferigen  wider  zurudh  über  den  Pafg,  aber  weiter  nit  paussirt,
die  genommne  Rofg  hat  der  von  Wörth  auf  Schorndorff  voran
gefchiht,  maß  eigentlich  der  feint  oder  wir  eingebüeft  ann  ınan
zwar  noch  nit  wifjen,  aber  allem  vermueten  nach  hat  der  Seint
viel  Pferbt  verlohren,  vond  fole  Em:  Ehurfrl:  Dr:  mit  negften
eine  ausführliche  Specification  beeberfeitö  verluftS,  neben  ver  auffag
der  gefangnen  zugefchidt  werben.

Actl:  vt  in  litteris

Em:  Ghurftl:  Dreit:
bundertenigfter  gehorfamfter
dran;  von  Mercy.

3.
An  General  Feugmaifter  von  Mercy.

Mar  Eurfürft  ıc.

Lieber  getreuerr.  Wir  haben  Eure  beede  vom  30  vnd  lefften
January  verfhinen  vnf  zurgethene  fhreiben  fambt  Dem  P.  S.
empfangen,  und  inhaltlich  mehrer8  vernommen.

Wie  nuhn  dep  Veldtmarfchal  Leutenant  von  Worıh  gethene
Einfahl  ond  mit  dem  Peindt  gehebter  Recontre  aigentlich  abgeloffen,
  waß  an  leith  vnd  pferdten  Difß:  nd  Senfeitd  erobert  oder
verloßren  worden,  feind  wür  neben  der  erbotnen  auffiehrlichen
Specifieation  und  Auffag  der  gefangnen  von  Euch  bernegft  be=
        <pb n="47" />
        al

richtlich  eriwertig  mit  anbang,  waß  man  gegen  dem  Welndt  vor
zunemmen  gedacht.

Mas  wur  fonft  dem  felbtmarfhalln  Graf  Wahln  in  ainem
pnd  andern,  infonderheit  aber  wegen  vnverzieglichiter  herauf»
fhilhung  einer  anzahl  Weitter  vond  Suepvolfh  fchreiben,  habt  ihr
ab  benliegender  Eopy  nadjrichtlic  mehrerd  zu  erfeben,  vnd  an
Eurem  ort  daran  zu  fein,  damit  jolch  vnfer  intenlion  vnd  ordonanz
  vermitelft  onverziglicdyen  auanzirung  der  begerten  Meitter  vnd
Bueßvölkher  alfbald  incaminirt  und  volzogen  werde.

Mollten  ıc.
Münden  den  4.  Yebr.  1643.

4,

Durchhlaudt.  Herzog  Gnäpdigfter
Ehurfürft  und  Serr.

Em.  Churf.  Durdl.  den  13  diE  am  mich  abgangnen  gnäpigften
Befelhb,  mit  den  3  dabey  einfommenen  Beilagen,  hab  ich  mit
onderthafter  Neuerenz  empfangen  vnd  inhaltlih  geborjamift  ente
nommen,  hoffe  Em.  Churf.  Durdyl.  werden  mein  gefterigen  undthgit.
Bericht  berait  bekommen  haben,  Weil  nun  von  Ir.  Drol.  zu  Lothringen
  inmittelft  weg  Inen  noch  dero  Völdher  zu  näherung  nichts
einftommen,  So  babe  ich  geftern  ein  adiutant  mit  Em.  Ehurf.  erjlem
Handtfchreiben  zu  Iro  gefhidht  und  zumahl  aud)  von  des  Veinds
herauf  marche  gegen  dem  Bodenfee,  mehrere  auisen  eingelanget,  an
beut  frue  den  Obrift  Rouyr  mit  Em.  Ehurf.  Durdhl.  anderem  fihrei«
ben  auf  der  Bolt  abgefertigt,  Ihro  Dehl.  alle  bewantnuß  zu  repräsenliren
  ond  Ine  auch  Dero  Völdkher  fortzug  zu  vrgiren,  behneben
au  ven  beeden  Dbriften  Conte  Ligniuille  von  St.  Balemont  zu
marchiren,  Orbre  gefant,  damit  nun  in  fein  Weg,  weil  wir  gemelt
der  feind  fich  auanifirt,  nicytS  Faunbt  anders  wa8  zu  beijen  Contreminirung
  dienlich  zu  rechter  Zeit  mit  fchulbigftem  Eyfer  fortgefezt
werde,  hab  ich  gleihfahld  die  Generalperfohnen  und  etliche  Obriften
mit  Inen  mich  zu  beraihfchlagen  beruffen,  waß  id)  nun  proponirt,
        <pb n="48" />
        32

und  welche  geftalt  fye  alle  mit  einander  mit  ein  belligem  Mundt  vers
möge  beyliegenven  Prothocold  gerathen  und  ich  nitweniger  nötig  bes
funden,  Wann  die  auis  von  ded  Yeintd  herauf  marche  continuirt
(Dauon  ich  augenblidlich  mehrere  gemwißheit  erwarthe.)  dag  mür
unf  vnerwartet  der  Kothring.  VBöldher  mit  Em.  Churf.  Dehl.  Reichf
armee  vnd  beeden  angelangten  Kayf.  Regtern  morgen,  wie  aud
folches  gefagten  Kahl  auch  befcheben  fol,  mouiren,  gegen  Simaringen
zue  marchiren  und  der  andere  dem  Beint  den  Paß  nach  dem  Allpen
zubenemmen,  damit  wiür  nit  praeuenirt  werben,  VBnß  an  einen  ger
legnen  Drth  Poftiren  ond  alfo  dem  Keint  in  DBnfer  DVerficherung,
entgegen  zu  ziehen  ;  Ihr  Dahl.  von  Xothringen  Können,  da  fh  mollen,
fiher  zu  VBnß  dahin  Fommen,  DBnd  bin  der  meinung,  wann  fye  fid),
da  Wür  onß  ein  wenig  weiter  von  Ir  begeben,  fe  fich  defto  eher,
Was  fye  zuthun  gefinnet,  resoluiren  werden,  Weiln  Ihro  fonften
der  Beint  leicht  ein  affront  thun  mochte,  Ih  gebe  Iro  Dri.  von
obbemeltem  Schluß  und  vorhabendem  aufbruch  in  weiterm  vndertbaft.
bericht  parte,  ond  urgire  Dero  fortzug,  waß  fye  ih  darüber  erfläs
ren  ijt  zuerwarten.  Damit  ich  auch  eigentlich  erfahre,  vb  Iro
Durdl.  Obriften  dero  gegen  mit  befchehener  erflärung  nach,  mir
obediren  merven,  vnd  alfo  durchauß  nicht8  verjeumbt  werben,  fo
babe  ich  obgevachten  beeden  Obriften  Conte  Ligniuille  und  St.  Balemont
  nochmablen  Ordre  zugefchidht,  daß  fye  mit  Iren  underhaben«
den  PMegitern  zu  Roß  und  Bueß  fürdlich  volgen  vnd  nad)  dem  redeuous
  marchiren,  bierüber  auch  mir  alfobalvden  fchrifftliche  antwortt
zuefchicfhen  folten,  von  welchen  eruolg  Ew.  Churfftl.  Durchl.  un
derthgftn.  bericht  zuthun  nit  onterlaffen  werbe.

Im  Uebrigen  thue  Em.  Churf.  Dehl.  mich  vnderth.  bevankhen,
daß  fhe  dem  von  Wörth  zu  gnaden,  fein  Schwager  ven  Grauen  von
Spaur  zum  Solzifchen  Obrift  Leutenant  gdft.  placedirt,  vnd  foll
Em.  Chf.  Dehl.  gnapdigfter  befelh,  in  Beftellung  der  Künfftig  vaciren&amp;gt;
den  Officir  foll  in  fdyuldigiter  abseruanz  gehalten  werben,  werde
auf)  dem  Obrift  Kolben  megen  der  Tragoner  werbung  Emw.  Churf.
Do.  gögit.  befeld  anzeigen,  vnd  dem  Öbriften  Xen,  Derzeitmahlen
  nicht  alhir,  fondern  ein  Steyß  nah)  Meny  vorgenommen,
ebe  Er  wider  Kombt  mit  guter  manier  zu  fihreiben  daß  Er  fein
gelegenheit  andermeetä  anjtelle.
        <pb n="49" />
        33

Em.  Churf.  Dh.  mich  zu  dero  Peeten  Churfrl.  gnaden  dare
bey  onderthaft.  empfehle,  und  bleibe
Em.  Churf.  Da.
Hemmendorf  16.  Iuni  1643.
underthänigfter  gehorfamfter
”rank  von  Mercy.

Den  16.  Jun)  Anno  1643  hat  Herr  General  Beldt  Marjhall  Freyherr

  von  Mercy  im  baubt  Duartir  Kemmendorf  Kriegs  Rath  ge-.

halten  vond  ihmige  Generals  Perfohnen  und  andere  darzue  berueffen,
wie  bey  ieder  voto  bmambft  und  proponirt.

Meil  aller  ortben  Kuntbfchafft  ond  Bericht  ein  Kombt,  daß
der  Beindt  von  den  Walbtftetten  herauf  marchire,  vnd  viel  Prouiant  °
zufammen  gebradt.  Alfo  ond  obwohl  Ir.  Churfft.  Durchl.  vnfer
gndaftr.  Herr  in  dato,  dieß  gbgit.  anbefohlen,  von  Coniunction  Ir
Fr.  Durdhl.  zu  Lothringen  mit  den  Völdhern  fi  nit  zu  hazardiren
fondern  in  ein  foldhen  PBojto  Tegen  und  da  felbft  verfchanzen  follen,
damit  der  Veint  ung  burhauß  Kein  fehaden  thun,  auch  Iro  Dal.
zu  Lothringen  mit  dero  Völdhern  ungehindert  vnd  fiher  an  Bnf
zieben  Könden.  Zue  mwelhem  ende  Ir  Churf.  Dehl.  Dero  vaf
Generalat  über  diefe  Waffen  zuführen  resoluirt  bereit  zu  folchen
ende  patent  herausgefhiht  und  fye  der  Künfftig  Wintter  Ouartir
verfichern  laffen  audy  ein  Stücdhgelt  zugeben  verfprochen.  Weil  fye
aber  nicht  Kommen  fondern  audy  Dero  VBöldher  flilig  machen  fo
begert  der  Herr  Belt  Marfchall  von  den  anmelenden  Herrn  Generals
Perfohnen  ond  den  Herrn  hierin  Ir  bevenfhen  ob  man  Ir  Dal.
Bölckher  unermartben  damit  man  nit  praeuenirt  werden  fi  mouiren
follen  ound  was  zuthun  feye.

Obrifter  Holz.

Bey  diefer  Bewantnuß  ift  fein  meinung  dag  man  fih  mit
der  Armada  etmaß  mouire  pnd  gienge  etwad  höcher  gegen  der  Thonauı
zue,  vnd  ein  Pofto  fafjet,  al  Sigmaring  ond  der  ortben,  damit  ber

3
        <pb n="50" />
        34

eindt  nit  etwa  am  Bodenfee  durchbreche  vnd  fidy  gegen  der  Iller
hinabfeze,  wolt  Er  nun  zurudb  gehen  Kunde  nan  in  2  Tag  wiber:
herzu  den  zu  Tübingen  wnd  ber  orthen  fein.

Shrift  Königseckh.

Ich  gleicher  meinung,  beforgt  ed  werde  fich  auf  Ir.  Dal.  nit
fiber  zuuerlaßen  fein,  mit  anbang,  mir  batten  genueg  orth  zum
beften,  fo  Fünte  der  Feint  die  Prouiant  nit  mit  fich  bringen  Hergegen
mir  hierin  befferem  forthelen  vanı  Er  mindenft  nichts:  alf  auf:
Schweiz,  fo  aber  fehr  theuer,  haben  £ünve.

Oprift  Hehbeling.

Seye  befler,  meil  fi  der  Feint  auandzirt,  dad  man  au
fortgehe,  man  hab  die  Prouiant  vroben  audy  in  der  nähe,  vnd  Fann
an  dienlihen  Orthen  Pofto  faffen,  vnd  Kunde  man  an  der  donau
auf  oder  ab  geben,  auf  Xothringen  merbe  man  fi,  foviel  Er  vermuette,
  nit  viel  Zuuerlafien  Haben.

Shrift  Haflaug.

Bon  der  Donau  KHönde  man  dem  feindt  üßerall  verbürgen,
ftimetr  mit  öbigen  ein.

Meede  vom  General  Comissariat.

Dbmohl.  der  befeldy  vorhanden,  mas:  deffen  auf  Ir  Dichl.  von
Lorhringen  oonianstion  zufehen,  in:  folchen:  eccassionen  aber  feye
man  fo  gar  nit  gebunden  halt  für  guet,  daß  man  auf  Siymaring
oder  der  Drthen  an  der  Donau  gehe,  vnd  den  Vorfprung  abgewonnen,
  nıan  medhte  zwar  fagen,  ed  mechte  der  Yeint  eine  Finte  machen,
und  da  man  hinauf  Käme,  Er  alfoım  fferabgehen  mechte,  So  were
doch  darbey  zubeobachten,.  daß  Herzog  Ir  Dehl.  zu  LXothringen  vnd
re  Böldher  in  Herrenberg,  Baybingifhen  und.  unb  Speyer...  au
bag  Oullagifchy.  Regt  noch  in  der  Marggraffchafft:  uno  in  Spener  jep,:
        <pb n="51" />
        35

von  welchen  auf  obgefagten  fahl,  mit  Beforgung  ber  nötigen  Ortbe,
dem  Feint  biß  man  wider  an  der  Handt  wer,  gleich  vorpauen  Eundt
derdöwegen  mann  die  Auisen  Continuiren,  fo  fol!  man  hinauf  geben,
wenigft  auf  Simaring  oder  gar  gegen  Pfullendorf  ein  Bofto  nemmen,
darin  verfichern,  verfchanzgen  und  alfo  des  Rotringifchen  da  fy  Eonımen
wollen  ,  wohl  erwarthen  werden  mög.

Herr  Generalwachtmeister  Mercy.

Wann  der  Zeind  auandzire  vergleih  Er  fich  des  Obrift  Holz
meinung.

Herr  General  von  Wörth.

Man  muß  ein’  resolution  faffen,  alt  warn  Ir  Del.  mit  hier
weren,  fei  hierin  daß  Erempel,  wie  fye  ed  mit  Spanyen  und  Branfhreich
  gemacht,  in  acht  Zuhaben  finde  nötig,  das  mian  fortgehe,
daß  mar  aber  fo  fehr  an  den  Bobdenfee  chhlen  full,  rath  er  nit,  damit
  der  Beint  nit  ind  mittel  Kommen  Küönne,  Deromegen  auf  Sima«
ringen  und  am  die  Dondu  zu  auandziren  cB8  böfte  feye,  Zweifle  nicht
bie  onnerfchinliche  außhabenne  Purthey  und  Teuth  werben  noch  heur
gewiffe  Zeitung  bringen,  &amp;amp;ß  werve  fi  gleich  zeigen,  wa®  Ir  Dehl::
tun  wollen,  auch  mwa8  der  Feint  resoluirt  fein,  dann  Ir  Dahl.
werden,  menn  fye  luft  zu  Bng  haben,  bald  zu  Un  oder  weich  gehen,
der  Beind  mueß  fich  auch  bevenfchen,  da  man  mit  resolution  Im
entgegen  gehet,  waß  Jın  zu  thun  feye,  dann  man  droben  zu  Simmes
ring  noch  vnderfchivliche  orthen,  al  Pfullendorf,  Zell  vnd  mehr
andere  zum  fortholen,  man  verfuumb  durch  folch  fortrudch,  nahte.

Herr  General  Velt  Marschall  von  Mercy.

Bevanikht  fich-  day  alle  ziierfeheinen,  vorid  Ird  meinung’  anzuzeigen
  Ste  belieben  laffer,  Könde  nichts  anderd  fageh,  diE  mas
die  Herrn  zuntabler  raisorinable  fürgebratht,,  Sch  Im  ein  jchandt,
dag  Ir  Dh.  alf  fein  Landröfürft  fo  mwandhimüetig  fein,  man  niteffe
aber  Hierin  gebult:  Gaben,  Kaudtfächlich  fey  Er  mir  Inen  einig,  vnd
fey'  netig‘,  dn8  man  in:  zeit‘  einig:  Ir  Churf.  Dipl.  Kefelcy8  prae-3%*
        <pb n="52" />
        36

cauire,  Wann  nun  die  beunt  ermwarttende  auisen  die  Continuation
des  feintö  march  mit  fich  bringen  fo  were  morgen  in  otteönammen
der  march  nad  dem  Küllerthall  gegen  Simmering  fortzufegen,  vnd
damit  der  Weint  nit  etwa  vermeine,  alß  wann  man  fich  retirirte  für
guet  befunden,  auch  der  Kerr  General  von  der  Caualleria  fi)  erbotten
  denn  Dbrijt  Drudbmüller  mit  500  Pferdten  nad)  dem  Spai«
hinger  Thal  zu  auandziren,  ordre  zuertheillen,  der  alva*  ftehen
bleiben  jolle,  und  dardurdy  auch  Die  marche  verfichere,  zugleih  zu
feben,  maß  der  Yeindt  ferner  thue.

Der  General  Quartirmeifter  foll  zum  march  alled  auftragen.

Die  Caualleria  foll  zu  marchiren  a  Lert  zu  ftehen  ordre  geben
werden.

Ihr  Churf.  Dohf.  folches  alle  mit  verftandtnen  Brfach,  weil
ber  Seindt  fid)  nähert,  daß  man  fich  auch  erhebt,  vnd  auandzirt,  zu
berichten.

Nicht  weniger  Ir.  Dihl.  zu  Lorhringen  hieruon  parte  zu  geben.

Wir  au  den  Lothringifchen  Obriften  Conte  Ligniuille  vnd
St.  Belmont  ordre  zufdidhen,  daß  fye  auf  den  rendeuous  auandziren
  follen,  weil  Ir.  Dal.  dem  Herrn  Belt  Marfchallen  zu  obediren
vorhin  verordnet,  die  auch  hierüber  fchrifftliche  nadyrichtliche  antwortt
fhidhen  follen.

d+

Durclauctigfter  Herzog  Onäbigfter
Ehurfürft  ond  Kerr.

Ei.  Churf.  Dehl.  ven  22  dig  an  mich  ergangnen  gbgft.  Befeldh,
hab  ich  mit  vnderthgftr.  reuerenz  empfangen  und  waß  Em.  Ehurfftl.
Durdhl.  goftg.  befehlen,  und  bericht  zu  werben  begert,  gehorfamift
vernommen.

Worauf  ded  Beindtd  bewandtnus  von  Zeit  zu  Zeiten  berubet,
werden  Em.  Ehurfitl.  Dihldht.  nady  vnd  nach  aus  meinen  über=
        <pb n="53" />
        37

fhiefhten  onderfchiplichen  auch  dem  vorgöfterig  bericht,  feithero  vernommen
  haben,  waß  mit  mein  in  Straßburg  anmefenden,  von  dem
Succurs,  auch  de  Weindtd  march  Halb  vom  23  vond  24  viß,  fehreibt,
geruben  Em.  Churf.  Durchl.  bebgelegt,  gbaft.  zuerfehen,  Welcher
maffen  ich  an  ber  QUlb  Bofto  faffe,  habe  Em.  Ehf.  Dehl.  in  berürtem
meinem  vorgöftrigen  bericht,  vndertbaft.  angeveut,  Kaffe  auch  bie
Meitterel  zufanımen  Kommen,  vnd  will  mich  dergeftalt  verfchangen,
daß  mir  der  Feindt  hoffenlich  nichts  wirbt  thun  Können,  biemweil
aber  in  vorgedachter  befern  Straßburgifchen  auis  ber  Kombt,  vaß
der  Beindt  am  Nhein  hinauf  und  zu  Breyfach  herüber  gehen  wolle,
So  babe  ich  noch  meiterd  fowohl  in  Straßburg,  alß  anderer  orthen
folche  anftalt  gemacht,  dad  ich  dauon  alfobalden  nachricht  erlangen
werde,  Sobalden  Ir  nun  über  Benfelden,  und  alfo  über  den  ort$,  wu
Er  feine  Schüff  zue  Schiffprucfhen  ftehen  hat,  mit  feiner  armee  hinauf
fein  mürdt.  So  will  ich  mich  alfdann  auch  mouiren,  ond  gegen
Rothmweil  zuegehen,  dann  nit  rathfam,  daß  man  ehe  Er  wohl  hinauf
Kommen,  bierige  örther  verlaffen,  damit  Er  nit  etwa  burdh  ein
foldhe  Finte  hernuden  durd;  zubrechen  (Zumahl  Er  viel  Teichter
herunder,  al  hinauf  Kommen  Kann)  anlaß  gemwünen  möge,  in
betrachtung,  da  Er  foldhes  erlangen,  vnd  auf  Heylpronn  eHlen:  und
felbigen  orth  wech  nemmen  folte,  Er  hierdurch  fein  intent  erreichet,
und  Württenberg,  ia  ulles  biß  an  die  Donau  in  Contribution  feh  und
in  Bnftcherheit  fielen  würbe,  bahero  folche8  zuuerbindern  vornennblich
  in  acht  zu  nemmen  ift,  Wir  aber  Können  dannad,  wann
Er  zu  Breyfach  tiber  geben  mwolte,  Ime  in  Zeiten  vorbürgen,  weil
wür  in  Vierthalb  tag  zu  Rothmeil  fein  Können,  dargegen  Er  zum
Mebergang  über  die  Preyfacher  Bruggen,  ein  baar  tag  zuebringen,
und  folgentd  noch  in  zmeye  oder  mehr  tagen  fehwärlich  würbt  durd)
den  Waldt  Kommen  Klönen,  angefehen  ich  felbigen  vermög  der  beylag
verbauen  und  verfällen,  varinen  audy  die  Fourage  verderben  Tajfe
mit  deren  eröffnung  Er  vil  zuethun  finden  würbt,  bewegen  ich  ein
ond  anders,  fouiel  nit  genuegfamb  gefchehen  were,  noch  wmeilerd  zu
incaminiren,  nah  Qilling  und  Rothmell  gefchrieben,

Sonft  und  warın  der  Felndt  herunder  geben  folte,  So  Fünte
Er  mich  Zun  fehlagen  anderft  nit  benötigen,  Er  wolte  mid)  dann  in
dem  verfehangten  Pofto  an  der  AI  mit  gewalt  angreiffen,  gefchiehts
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        un  nn

nun,  werde  ich  Im  mit  beyflandt  Gottes  alfo  empfangen,  daß  Er  dauon
-  wohl  wirbt  weichen  mueflen,  und  in  dem  öben  verberbten  Landt,  nit
lang  verbleiben  Können.

Daß  der  Duc  de  Anguin  mit  den  übrigen  Völdhern  berüber
Kommen  folle,  ijt  fehmärlich  Zuuermuethen,  weil  bewuft,  was  für
difficulteten  einfallen,  die  franzöflfche  Völdher  über  Rhein  Zubringen,
auch  nit  wohl  zuglauben,  dag  man  Srandhreich  alfo  folte  entblöffen
ynd  berürte  VBöldher  alle  miteinander  in  ein  od  Landt,  darin  fhe
weder  Pofto,  Prouiant,  auch  wenig  oder  gar  Kein  Zuetter  fünden
werden,  vorab  bey  difer  fpaten  Sarszeit,  und  angehenden  Wintter,
führen  folten,  Dagegen  bat  ed  mit  dent  Guebrianifchen  Succurs  ein
andere  meinung,  weil  folche  Völdhder  auffer  Zwey  franzöfl.  alte
Megter.  zu  fueß,  zumahlen  außlendifche  fey,  vnd  der  Lieber  Konfft
halben,  nit  fouil  difficulteten  machen  werden,  Gefchehe  ed  nun,  wan
Guebrian  berüber  gehet,  und  der  anguin  ihrnerfeiten  operiren  wolten,
So  weiß  ich  nichtd  anders  zuthun,  weiln  id  mit  dem  Guebrian
impegnirt  war,  alß  da&amp;amp;  der  Graff  von  Hazfelt  fi  Speyer,  Wormbd
und  Mainz  zu  defendiren  aneımme,  Ob  nun  Ir  Dil.  zu  Lothringen
mit  Dero  ober  die  Spanifchen  Völdher  auf  folchen  fahl,  bey  deme
von  Hazfelt  bleiben  follen,  das  flehet  nun  bey  Em.  Churf.  Dahl.
gogft.  nachvendhen,  Dann  wann  id)  den  Yeinbtd  Succurs,  vermöge
der  Eıfen  Beylag  zufamen  rechne,  finde  ich  4690  mann  zu  ARoß  ond
fueß,  nun  medhte  der  Beindt  an  Guebrian:  vnd  Weimarifchen  vorhin
noch  in  3000  mann  zu  fueß  ond  5000  pferdt  flarsfh  fein,  und  fich  aljo
die  ganze  anzahl  auf  .12690  erftreden,  vermeinte  Derowegen,  mans
die  Wolffenbütlifche  Völdher  mit  dem  Obrift  Drudhmüller  bey  ung
wer,  and)  der  Kürnprith  mit  denen  fo  mit  Ime  Kommen  follen,  barzug
gebracht  werden,  wär  wurden,  infonderbeit,  da  der  Seint  oben  einz
brechen  mwolte,  ond  mann  alfo  audy  theil8  der  obigen  Tragoner  barzue
ziehen  Könte,  dem  Yeint  mit  Ew.  Churfftl.  Diehl.  NReichdarmada  wohl
bastant  fein,  Vud  weren,  wann  bie  Spanifchen  Wöldher  heraus
Kommen  vnd  mit  den  SHazfelt  Coniungiren  wurden,  alfvann  Ir
Dohldir.  zu  Lorhrigen  Völdher,  wo  nit  gar,  dody  zum  theil,  damit
man  befto  ficherer  gienge,  an  Bnß  zueziehen,  ond  damit  bie  ort  am
Mein  in  asht  genommen  werben,  die  fachen  mit  dem  von  Hazfelt
pnd  den  Späniern  in  einem  und  anberm,  fonderlic  mpgen  vorges
        <pb n="55" />
        39

meltem  Poften  defension,  zu  auistiren,  Hab  auch  zu  gemeltem  von
Bazfelt  mit  guet  befinden  der  andern  Generals  Perfohnen,  auf  allen
vorftehenden  nothfahl,  göflern  den  Forftenhaufen  abgeferttigt,  ver
Ime  ven  Statum  remonstrire,  mit  den  erfuchen,  ob  Er  mit  feinem
Corps  twenigft  nur  biß  an  den  Mayn  auanziren  mwolte,  damit,  warn
ja  der  eindt  mit  gefambter  macht  auf  diefe  Mheinfeithen  gegen  Bnf
Kommen  vnd  hierdurch  brechen  wolte,  Er  alfodann  mit  ben  feinigen
auch  zu  Bnb  Kommen  Könte,  Bnd  wann  der  Weindt  fh  an  Vnf
engachirte,  ond  ein  folcher  Succurs  Ihe  vnmiffend,  zu  Vnß  ftoffen
wurde,  man  Ime  verhofflic  ein  weflenlichen  abbruch  thbun  Kündte.
Wegen  Ir  Dehldht.  zu  Lothringen,  werden  Em.  Ehurffil.  Diehl.  aus
des  Schefferd  relation  alles:  vnd  zugleich  aus  den  andern  Beylagen
vernommen  haben,  iwie  ich  Die  fachen  mit  den  Spänifchen  incaminirt,
Vnderlaffe  aub  nit,  Ir  Del.  von  allem  parte  zugeben.  Dem
Obriften  Drudhmülfer  Hab  ich  abermahlen  bey  dem  Korftenhaufen
berveglich  gefchriben,  daß  Er  fein  herauf  marche  maturire.

Souil  die  proben  am  Bodenfee  vorbandne  Tragoner  anlangt,
weil  man  erftlih  dahin  zu  fehen,  wohin  fich  der  Keindt  iwendten  mürbt,
tem  daß  auch  die  400  Pferdt  vom  Keindt  burch  welche  die  Prouiantis
rung  Beberlinge  befchehen,  noch  nit  wider  zu  rudb  fein,  Hab  ich  Ratbe
fam  und  nötig  erachtet,  folche  noch  daroben  zu  laffen,  big  man  weiß,
mwa3  der  Yeindt  thun  wi,  geftalt  ich  dann  auß  folcher  Brfadhy  audy
den  Dbrift  Wolff  nodı  etmad  bey  der  armada  behalten,  onb  alf«
dann,  nachdeme  die  fachen  fich  anlaffen,  mit  allem  befelh,  binauf
fhidhen  will.

Den  Bofto  Speyer  betreff:  ift  felbiger  mit  einem  Negt.  von
Lothraf.  völckhern,  welches  3:  oder  350  man  ftardb  fein  würbt,  befezt,
fo  aber  nit  genug.  Hab  zmar  250  Mann  bei  ber  Schiffprudben,
die  haben  aber  mit  difer  fach  nicht8  zu  thun,  fondern  nur  die  Bruckhen
zuuermwadhen,  beromegen  folche  befezung  ber  Statt  Speyer,  allein  die
Rorhringifche  oder  Hazfeldf.  auf  fich  zu  nemmen  haben,  weil  er  von
Br  nit  zu  beforgen  if;  Will  audy  verorbnen,  das  Pie  Truppen,
wann  der  Feinbt  auf  ihrner  ond  bifjeits  Nheind  gehen  würbt  in  zeiten
abgetragen,  vnd  in  Saluo  gebracht  werbt,  vnd  banılt,  daß  vnfere
Bölcther  benfamen  fein  Könen,  Hab  ic}  dem  von  ber  Horft  gefchriben,
dah  Er  durch  die,  welche  Er  von  feinem  Negt.  noch  bey  fich  Hat,
        <pb n="56" />
        40

onder  dem  Dbrift  wachtmeifter,  weil  Er  daniden  Kein  gefahr  Hat,
die  vunferige  an  der  Bruggen  mit  250  mann  ablöfen  laffe,  die  Er  da
ed  nötig,  ied  zeit  wider  an  fich  ziehen  Kann.

Sobald  idy  nun  durch  die  gemachte  anftalten,  de&amp;amp;  feintd  marche,
und  wohin  folche  geben  würbt,,  erfahren  werde  (darnad)  ich  mich  auch
reguliren,  ond  mit  gl.  Gleichung  Gottes  nicht8  verfaumen  merbe:)
Berichte  Em.  Ehurf.  Diehl.  ich  fuldyes  in  eyhl  auch  underthgft.  hinnadh,
Dero  zu  beharrlichen  Churfftl.  milten  hulden  und  gnaden  ich  mich  geborfamift
  empfehle,  und  bleibe

Em.  Chf.  Deylct.
Durlad)  den  26.  Dftober  1643.
Vnoerthenigfter  gehorfamfter
&amp;amp;rant  von  Meroy.

Ich  ziweifle  nit  Er  werde  mein  geftrig  fchreiben  empfangen
haben,  worinnen  id)  die  Negimenter  fo  bey  diefem  succurs  fein,  ond
wie  ih8  noch  zur  zeit  erfahren  Fünnen,  -specificirt  habe,  die  Guebriantifche
  haben  geftern  den  23  randefous  auf  der  Hordt  zwifchen
Zachftein,  Eruolzhemb,  6iß  gegen  Alterferwaltd  gehalten,  alfo  fie
gemuftert  worden,  vnd  fich  mehr  Officirer  ald  Soldaten  befunden,  ver
neu  anfoınbene  succurs  ijt  nicht  auf  rendefous  fomben  fondern  vorm
Orundthall  in  wegen,  weßhalb  nod)  Turweiler  und  Beßmögler  gelegt
worden,  nach  gebaltenen  randefous  find  alle  Gerls  Perfonen  und
Commendanten  ded  Elfad,  auch  der  Erlah  zu  Dadıftein  zufamben
fomen,  vnd  ein  ftatlich  Banquet,  fo  biß  1  2hr  nad)  mitternadht  ge»
wehrt  gehalten,  fo  Sie  gefundheit  getrunfen,  hat  man  ein  Canonf&amp;amp;huß
getban,  der  Erlach  aber  ift  bey  befchließlung  der  Pforten  von  Dach»
ftein  in  der  Gurfchen  wieder  nache  Preyfach  geführen.

Der  Pater  Rector  von  Wolzhbamb  if  heut  mit  anguins  heicht»
patter,  fo  auch  ein  Jesuiten  abhir  gewefen  berichtet  die  resolution
fey  einmahl  gefaßet,  dad  guebriant  wird  folle  über  Rhein  geben,  wan
fie  auch  alle  erepiren  folten.  Die  Armee  aber  werde  noch  in  6  oder
8  tagen  nit  aufbrechen  und  werde  zu  Preyfach  übergeben,   maruntb
dann  der  duc  d’anguin  morgen®  den  25.  felbften  nacher  Preyjach  verreifen
  ‘werben,  pub  alle  anflalt  machen,  vnd  fagt  man  dad  d’anguing
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        al

Armee  folle  auf  diegeit8  Nheins  verbleiben  und  bey  Kayferdlothern
beraudgehen,  man  macht  alhir  6000  bar  fihue,  für  bie  Infanteria  und
mundirt  ftch  bie  caualleria  underveßen  ftard.  EB  ift  zu  uermundern,
wie  viel  Pferd  in  diefer  Stabi  fein,  und  wie  viel  verfaufft  werden,
wiemohl  theier  genug.  Ich  habe  felber  gefehen,  dad  man  fir  3  wagen
Pferd  84  publonen  gegeben  bat.

Die  biefige  Herren  feind  von  dem  duc  d’anguin  wider  zurüd
und  man  fagt,  fie  fein  mit  Ihren  Prafent  fchleht  empfangen  worden.
Ihre  Dörfer  ond  Wleden  fo  bißher  feind  conseruirt  worden,  feind
nunmehr  alle  bi8  auf  3,  al  wohleihemb,  Phorr,  und  Worlmhemb
belegt,  in  der  ver  Wangenau  feind  die  Quartir  zwar  gemacht  geivefen,
ift  aber  biß  dato  noch  niemand  dahin  Fomben,  ift  auch  albereitd  aus
fouragirt,  die  Start  hat  nichts  deitoweniger  bid  dato  1700  Biertel
Korn  nunmehr,  doch  fird  gelot  hergeben  und  begehrt  nıan  noch  alle
tage  mehrered.  Straßbg.  den  24.  Dftbr.  1643.

Wohlgeborner  Freyherr

Jh  trage  Feinen  Zweifel  Em.  Erl.  werden  mein  gehorf.  ges
thanen  Bericht,  wie  daß  zu  vollziehung  gogft.  Vefelch,  ich  einige  meiner
leutb  vmb  Kornberg,  Schramberg,  Schiltah,  und  Alberfah,  ale
Pap  moHl  zuuerfällen  ausgefhidht,  bereits  in  gl.  erhalten  haben,
Ehnermajien,  folle  die  Fourage,  dauor,  der  Beint  übergeben  ond  fi
deren  bevienlich  machen  folte,  fouil  möglidy  ververbt  werden,  Sonft
vernemme  ich  allerfeitö,  daß  ed  mit  Prouiantirung  Vberlingen  fchon
gefchehen,  vnd  fehe  ven  feint  (zu  maß  intent  man  nit  wiffen  Kann)
aldar  aunoch  ftÜN,  maffer  Em.  Erl.  ein  folcher  ohne  Zmeifel  aus  bei:
gefügetem  fchreiben  von  Hr.  obrift  Teut.  Haußmann,  mit  mehrern
würdt  zuerfehen  haben.  Schiltach  betr.,  ift  e8  mit  Proulantirung,
wie  ih  Ew.  Erzl.  gehorfamift  bericht  habe,  bereit  gefcheben,  vnd
werde  mir  haft  angelegen  fein  laffen,  Ew.  Erxl.  befelcy  gemäß,  des
feint8  actionen  fernered  zubeobachten,  vnd  berofelben  von  allem  pn»
uerlangt  gehorf.  bericht  zu  überfchreiben.  Xhue  damit  ıc.

Dat.  Rotbweil,  23.  Oft.  1643.

Zobft  Hetlach  Obriftleut.
        <pb n="58" />
        42

Ertract.

Schreibens  vom  Hra.  Obriftlientenant  Haussman  Commandant
  in  Villingen  de  dato  villingen  den  23.  Octob.  1643,

Derofelben  gl.  ertheilten  Befelch  mit  verfälfung  der  Paß,  Habe
ich  albereit  zu  St.  Bläßnifh,  Neuftadt,  St.  Beter  ond  Treybergifchen
mit  Ernft  überfchrieben,  ond  da  meinen  Befeldy  nachgefebet,  wirbt
alle  von  dem  Wißenthal  biß  an  Hornberg  wohl  verfelt.  Ich  will
aber  nit  umbgehen  negfter  tagen  an  alle  orthb  almho  die  verfällung
befcheben  fofle,  meine  leuth  vnd  partheien  hingehen  und  wisitiren  laßen,
wie  die  fachen  befchaffen,  befinde  ich  einiged  Manquement,  will  ich  der
übertretter  nit  fehlen,  fondern  folcher  geftalten  herüber  ziehen,  unnd
ftroffen,  da  fonvern  daran  wier  gedenden,  x.

Ein  anders  vom  21  dito.

Bd  fol  Ein  Er.  gl.  befelch  von  mir  nit  allein  beftermaßen
beobachtet,  fondern  fouiel  innmer  möglich,  Infonderbeit  mit  verfällung
der  weg,  pnnd  verficherung  der  Baß,  mie  ich  den  albereitd  ein  folchee
mit  der  bießigen  Statt  deliberirt,  tvie  alled  auf  daß  befie  zu  bewahren
fein  möchte,  unterzogen  werben.

Haußman  ob.

P.  8.

Auch  gnögit.  Churfürft  und  Herr,  Habe  Em.  Churf.  Dal.  ich
ben  worgeftern  vnderthgfl.  überfchicfhten  abryß,  dad  Pofto  an  der  Alb,
etvas  böffer  erleitert,  biemit  gehorfamft  überfenven  follen.  Em.  Chf.
DH.  zu  Dero  beharlichen  Churf.  gnad  mid)  nochmahlen  vnderthgf.
empfehlen.

Ew.  Ehurf.  DAT.
PVnoertenigfter  gehorfaufter
%rant  von  Mercy.

Infonders  geehrter  Herr.  Ich  Hab  Ime  geftern  vom  26  gefchris
ben  verboffe  Er  werde  88  empfangen  haben,  berichte  meiter  daß  ich
        <pb n="59" />
        48

ei

heut  fernere  Kuntfchaft  wegen  des  Sucours  befchaffenheit  eingezogen,
ond  babe  ich  diE  vınb  den  mittag  abgehen  laffen,  wann  ich  nicht  wies
in  erfahrung  kommen,  daß  des  Johan  von  der  Wörth  Veltfcherer,  fo
bey  Nheinfelden  gefangen  mworben,  und  nachınald  zu  Mary  bei  Ime
gemeßen,  fo  ein  iunger  Kerl&amp;amp;  ift  albier  wider  anfommen,  ver  mit  dem
Syceurs  an  Kommen,  und  wird  zu  feinem  alten  Herrn  begert,  auch
von  Hr.  Obr.  von  Schauenburg  einen  Paß  erlanget,  ficher  durch  zu
Kommen,  diefer  hat  mich  aud)  beinebens  verfichert,  daß  der  Succurs
beftehe  in  nachuolgenden  Regtrn.

1.  der  Königin  Net.  &amp;gt;  2  2  22020200»  800  Pf.

Manzau  Genl.  Leu.  »  2  2  00202020.  150  =
esse  WW  =
Noehbaft  &amp;gt;  ee  ee  ne  00  0.150
Groaten  .  ..  202  02..10  &amp;gt;

de  Chambre  zuuor  v.  Senifeh  Pet.  202...  2%00  »
Baron  de  leschele  .  .  2.  2  2  000  000..650  =
.  Bamberge  ift  tobt,  vnd  und  2  Mithmeifter  barbei
40  oder  50  =
Ale  diefe  Regt.  haben  vil  zu  Yueß  auffer  d.  Tezte  hat  Keine.
Sie  Haben  zu  recrutirung  auf  jede  Compag.  150  Duplon  empfangen,
65  fpllen  von  den  franzöß.  Reithern  viel  wieder  zurudh  geben.
Man  Könne  nit  fo  eigentlich  wiffen,  wie  flardh  diefe  Meither
fe,  mail  fye  fich  fogleich  muntiren,  ond  albier  zu  Straßburg  viel
Pferdt  ein  Kauffen,  weren  fonjt  ziemlich  ftardd  fein,  wanıı  fh  wur
den  muntirt  fein.
Zu  Burß  .  der  Königin  Regt.  effectiue  .  .  .  1000  Mann.

enanppwx»

2  Rang  ee  MO  &amp;gt;
a  Kot  ».  .  ..  200  =
4.  und  5.  Schotten  vnd  Srländer.  zufammen

  .  .  .»  .  900  =

6.  Bifch,  ein  Regt.  vöstrangers  tous  Mal.
lond  if  zuuor  ded  Valmons  Rest.
BE  m  ee  30
Die  Schroeizer  feind  wider  zurudh  ond  haben  Ire  Gapitulation
nach  nicht  in  Deutihhlandt  marchiren  wollen.
So  frint  auch  die  Branköflfche  Dunrdien  wiber  zurudh  gangen,
        <pb n="60" />
        44

man  holt  den  Succurs  doch,  wann  alles  muntirt  ift,  ber  6000  Dann,
pnd  follfe  ven  Sranzöf.  verfprodhen  fein  in  6  Wochen  wider  in  Branch»
reich  zu  ziehen,  vauon  fehon  3  Wochen  verfloffen.

Sonft  ift  ter  Suceurs  fon  ausmwerts  marchirt,  der  Ranzau
Yigt  zu  oß  im  fchloß,  vnd  continuirt,  daß  der  march  nod)  diefe  Woch
ond  einsmahl8  auf  einem  rudh  folle  fortgehen,  man  wirbt  auch  bei
der  nacht  tiber  die  Brudh  zu  Breyfach  marchiren,  viefelbe  Prudh
mwürot  omb  beßwillen  gevoplt  und  wird  man  in  einem  marche  fortsgehen
  biß  dahin,  Ir  intent  gebet,  fie  follen  infonpheit  ver  Statt  Noth&amp;gt;
weil  gewaltig  weren,  ond  duß  fye  das  Kindt  in  muetterleib  nicht
fhonen  wollen.  Sie  follen  die  fhwächften  und  ruinirte  Rat.  zu  Fueß
in  die  DQuarnifonen  im  Elfaß  legen,  vnd  dargegen  die  andern  tiber
heraud  ins  felt  führen,  die  Schiff  ftehen  noch  in  Irem  alten  orth  bey
Mheinau.  Die  Prouifion  an  mehl  fo  man  hier  in  die  600  DViertl
gemacht,  liget  noch  alhir  und  der  Schiffmangftuben,  zu  was  ende  man
ed  da  laßen,  Kann  man  nit  wiffenn  vond  würt  ungleich  mehr  gemablen,
  haben  audy  nod)  vor  2tagen  in  die  900  DBiertl  zu  Benfelt
gefaufft.

Herr  Guerbrian  hat  Heut  alle  Dbriften  ind  baubt  Quarlir
Erftein  eitiren  laffen,  Rath  zu  halten,  zum  Theil  aucdy  wegen  bed
geltö,  fo  der  Grl.  Commissarl.  zu  hoc)  anfchlagen  will,  die  Obriften
aber  folche8  in  fo  hohem  Werth  nicht  acceptiren  wollen.

Die  Pfelle,  deren  fhe  eine  quantitet  gemacht,  feind  noch  nicht
verbrent,  vnd  ift  noch  alles  in  bereitfchafft.

Ein  Iranzoß  von  Nettenwetifch  Negt.  hat  fid)  verlauten  Tafien,
man  fage  von  einer  Statt,  bie  lige  am  Schweizerlandt  (vielleicht  Cofte
ni)  vermeinen,  wann  fye  die  nur  haben  Könden,  vnd  man  faget  ver
d.  anguin  folle  von  Breyfach  auf  Baßl  gehen,  von  denen  wiverumb  zu
feiner  armee.

Ein  Königl.  Commissarl.  hat  geftern  an  einen  vertrauten  rath
(mie  er  vermeint)  diefen  discurs  alhir  gefürthb.  E8  gienge  nunmehr
der  Guebrian  über  Rhein,  wurde  den  Baprifchen  baftand  genueg  fein,
die  müeften  den  Ahein  quittiren,  der  d.  anguin  murde  die  Örther  auf
ber  Saal  meh  nemmen,  darnad)  Speyer,  wormbs  und  andere  drter,
wodurd  Phillippsburg  wurde  blocquirt  werden  ond  mwurbe  man  fulhe
  auf  ven  Brüeling  mit  folder  force  attaquiren,  daß  fie  fi}  ver-
        <pb n="61" />
        fichert  foldhed  zu  emportiren,  wann  fie  dan  würden  Phiffippburg  has
ben,  müfte  Straßburg  fihon  pfeiffen  ond  fye  nemmeten  vundbeffen
daraus  mad  fhe  SKönden.

Nit  debouchir  oder  Werbung,  fehe  ich  nit,  wie  e8  rathfamb
fein  over  bißhero  gemwefen,  bdifeweil  erftend  nicht  jedermann  zu  trauen
ift,  2.  die  Srangofen  fo  außreiffen,  Kommen  nicht  herein  in  die  Statt,
3.  die  Teutfchen  fo  außreiffen  wollen,  warten  bi8  fhe  über  Rhein  fom«
men,  e8  fein  zwar  etliche  Teutfche  Dieher  Kommen  aber  e8  war  Dero
nicht  werth  gemweft,  mich  depmwegen  zuentvedhen,  zu  deme  ift  albir  ein
apitain  Schor  genannt,  der  feine  eigene  leuth  darauf  beitelt,  Pakhet
fie  gleich  an  ond  verftreicht  zwar  Guarnison  Wann  aber  der  Palvia
weer  herein  fommen,  wolte  ich  mit  Inie  Conferirt  haben,  mwaß  weiter
Pajfirt  berichte  Ich  mit  nechflen  und  verbleibe

Straßburg  24  Dftb.  1643.

P.  S.

@3  wer  guet  wann  eine  anftalt  zu  Stolhofen  gemacht  wurbt,
daß  die  fchreiben  zu  Pferbt  von  dannen  gleich  weih  getragen  wurden,
ben  ed  würd  nit  viel  lang  mehr  anftehen.

6,

Durcleuchtigfter  Herkog,  Gnädigfter
Churfürft  und  Serr.

Em:  Churfr:  Dril:  Habe  ich  hiemit  onderthenigft,  dife  guete
Zeitung  zu  berichten,  nit  unberlafjen  follen,  Nacdhveme  ich  vor  meinem
aufbruch  von  Durlach)  den  Obrift  Wolff  mit  feinen  Tragonern  nad)
Horb  Commandirt,  das  ich  nachgehents,  auch  den  Obriften  Spordh
mit  500  pferdten,  in  der  meinung  zu  Ime  gefhidht,  zumahl  die  vermuetung
  gefaßt  worden,  ba8  ber  feind  fich  weit  außbreiten  werde,  das
mit  deme  vermitlft  eine8  einfahl8  oder  fonjt,  wie  got  Iob  gludhlid)
        <pb n="62" />
        46

erfolgt,  mechte  abbruch  gefchehen,  indeme  nun  der  General  Major  Mofa
mit  ded  Guebrians  feinem,  ond  dem  Dehmifchen,  wie  auch  dem  Rosifhen
  Iragoner  NRegimenten,  bi  auf  Bahling  berabfommen,  vıtd
felbiges  Stettlin,  in  mweldyem  ein  Gapitain  vom  Wolffiichen  Aegiment
neben  ein  Keitenant  vorn  Rouyrifhen  Megiment  mit  etliher  Mans
fhafft  ligt,  und  nicht8  zu  willen  fein  wollen,  vergeblich  aufgefordert,
und  Ime  Obriften  Spordh  von:  difen  feints  völdhern  erfahrumg  zuegebracht
  worden,  AB  ift  Er  gleich  auf  fy  mit  bey  fi)  babenven
Neithern  und  thaild  Tragonern  in  fthlle  fortgangen,  und  weil  fh  im
dem  Slekh  Geißling  nit  weit  von  Bahling  güfitern  dad  Quartier  ges’
aommen,  ift  Er  Iren  mit  gueter  vorfichtigfeit  und  Ehffer  vergeftalt‘
eingefallen,  da®  Er  fol  Quartier  gan  vfgefchlagen  ,  dauon  eim
Major  vom  Guebrian.  5.  Rithmeifter,  varunder  3.  vom  Guebrikuü,  YnY
die  zmeen  von  Dehm  vd  Rofa  fein,  dann  2  Bapifain  Keittenant  vom
Guebrian  und  Dehm,  mit  noch  ein  Xeütenant,  3  Cornet  vnd  fonft  vf
bie  200  gefangne  under  denen  noch  mehr  vunderofficierß  fein,  gefangen,
auch  300  Pferbt  one  dargu  acht  Standarten  befommen,  die  Er  mir
glei  ießt  diefen  abent  alfo  felb8  gelifert,  und  fagt  mir  dabef,  das
vermuthlich  die  andere  Standarten  mit  villen:  Pferbten,  Satıt  und
Zeug  in  dem  angangnen  fled6,  werden  verpronen  fein,  vantı  der  Kledtr
aller  orthen  alfo  angeftefht  worden,  dad  wenig  Dauon  Fomnten
tönen,  Rofa  aber  mere  mit  etlichen  Tragonern  entrunen,  vd  bete
fi  in  ein  erlangt  Schlöfßlein  Saluirt,  doch  mweren  durch  difen  flreich
die  gemelte  vier  feintö  Regimenter,  dauon  infonderbeit  die  drey  NReither
Regimenter  die  böfften  gewefen,  Ruinirt,  ond  allerdings  Capot  gemacht,
von  den  DBnfern  ift  ein  Rithmeifter  Spordhifchhen  Regiments,  fo  in
der  auangardi  gerefen,  teil  Jıne  dad  Pferdt  erfchoffen,  gefangen  wor
den,  und  fonft  2.  oder  3  HMeitter  bliben.

Berichtet  beneben,  daß  Em:  Churfl:  Drl:  officier  ond  Soldaten
fe,  vrnd  fonderlich  der  Dbrift  Wadtmeifter  Brut  von  ıheineß  brues
derart  Negimtetit:  auch  Rithmeifter  Gemel  Kolbifcher  Negiments‘,  ftch
fehr  wohl  Vito  dapfer  verhalten.  Ich  Gab:  aber  auch  So:  Ehurfel:
Dr:  billich  gedachten  Obriften  Eyordb  feiner  Dapfferfeit:  threns:
und’  difes  gueteti  Dierittd  willen,  varpurd  Er  fich  mohI  meritirt,  under«
thenigft  zu  recommeiidiren,  nit  onderlaffen'follen,  die  mehrere  umbe
fländt,,  Und  was  han'derhahl  nit  in  allem  vwiffen  Eönden,  berichte  Eos
        <pb n="63" />
        gi

Ehrfl:  Drl:  mit  Ueberfendung.  der  Standarten  ich  gehorfemnift  bimnarh;.
Dero  zw  fleten  Ehurfil:  milten  giader  id)  mich  gehorfamift  bofetjlen,.
verbleibende
Em:  Churfrt:  Dri:
Haubt  Duartier  Malmeöheint
den  8  NRouender  Anno  1648.
unvertenigfter  geborfaufter
Vranz  von  Mercy.

Eben  bei  befchlielßung  vifß  fchreibens,  fchiht  der  Dbrift  Wolf
ein  DOfficier  mit  3.  gefangnen  hieher,  vud  bericht  das  fy  bei  Schonberg
  ein  feinded  Varıhey  von  20.  pferden  geichlagen,  foldhe  3.  ges
fangne  fagen  auf  wie  die  andern  gefangne,  daß  fh  noch  vor  Rottweil
ligen  vnd  minirn.

Dig  ift  auß  bed  Mercy  P.  S.  gezogen.

T,

Mar  Eurfürft

Wür  haben  Euer  vom  19  diß  auß  Balling  vnß  zuegthanen
fchreiben  fanıbt  den  Beylagen  empfangen  vnd  deffen  inhalt  zu  glei)
und  darauf  den  feindlichen  Uebergang  der  Statt  Rotmweill  ungern  vernonmen.


Nuhn  wäre  woll  zu  winfchen  geweft,  daß  man  diefen  ort  in
Zeiten  hätte  securiren  vnd  dardurd  vor  des  Beindtd  gewaldt  erhalten
fhinden,  Wür  mollen  aber  hoffen,  weil  d.  Kelotmarfchall  Graf  von
Hazfelot  mit  feinen  Völfhern  nuhnmehr  wirkfhlich  coniungirt  ift,  man
werde  gemiünfcht  rettlicher  assistenz  gegen  vermeltem  feindt  einen
glithlihen  Haubtjtraicy  thun  ond  den  fachen  defto  mehr  nod)  in  zeiten
belffen  fhinden.  Was  mir  fonft  deß  Herzogen  zu  lotharingen  X  wie
audy  dem  Gnal  Commissariat  gefchriten,  nenblich,  dak  man  beeden
Stätten  in  Schweiz  Zird  und  Schafhaufen  zuemutten  fol,  dem  Yeindt
fhein  ‘Prouiant  außvolgen  zu  laffen,  oder  da  fe  ed  gevachtem  feindt
        <pb n="64" />
        48

mit  verwalgern  wollten,  au  db.  viffeltigen  Parthey  gegen  gleich“
meffiger  bezahlung  mit  der  notturfftigen  Profiant  zu.  assistirn,  habt
ihr  zu  mehrern  nadhricht  ab  beyliegenven  beeven  Cophyen  zu  erfehen.
Wie  jehr  aber  nit  allein  S.  2.  fondern  auch  der  Graf  von  Hazfelbt
an  obbefagte  beede  Stätt  zu  fohreiben,  difficultiren  und  recufiren
follen  auf  folcy  fahl  bettet  ihr  denfelben  in  Eurem  Namen  auf  Maf
und  weiß  wie  obamicirted  an  den  Herzogen  zu  lotharingen  lauttenves
fchreiben  machen,  zu  fehreiben  bald  darmit  einen  qualificirten  officir
aigend  dahin  fchilhen,  welcher  da  e8  ıc.  ıc.
        <pb n="65" />
        Neberfall  von  Tuttlingen

und

MWiedereinnahme  von  Nottweil,

Mit  einem  Plane.
        <pb n="66" />
        <pb n="67" />
        1,

PS.

Aus  gnädigfler  Churfürjt  und  Herr  ®feich  bei  befchlieffung
biß,  Kombt  der  Graf  von  Hazfelt  vor  fein  Berfohn  alhir  an,  veffen
Mölckher  aber  dife  nacht  umb  Motenburg  anlangen  werben,  alfo  daß
fo  in  ein  bar  tagen  bes  Bf  alhir  fein  Känen,  beftehen  vB  2000  Dann
zu  Sueß,  weil  er  vauon  1000  in  Branfhen  gelaßen  und  1200  Pferpt,
degen  intention  fl  gar  guet  und  Hoffe  pemnach  mit  der  naden  Gotteß
Erre  Churfürftliche  Durchlaudyt  in  wenig  tagen  guete  Zeitung  onderthanigft
  zu  berichten,  vero  ich  mich  nochmahlen  gehorfamift  empfehle,
Dat.  Ballingen  20.  Nouemb.  1643.

Ewrer  Churfürftlihen  Durlauct
Bnoertenigiter  gehorfamfter
Grant  von  Mercy.

2.

Durchleuchtigfter  Herzog  Onäpigfter
Ehurfürft  und  Serr.

Erw.  Churfürftlige  Ducchleucht  bericht  ih  Hiemit  gehorfamift,
kaß  ber  feint  von  Mothiweil  vfgebrochen,  und  feinen  marche  durch  ben
Speichinger  Thal  gegen  Tutlingen,  melden  ortb  Er  vorbin  befeßt,
zuegenommen  barüber  alfohalden  Kriege  Rath  gehalten  worden,  Wig«
wohl  num  etliche  ver  meinung  gemweien  veme  vf  dem  fueß  nachzufolgen,
Sp  if  doc;  von  anderen  für  böfler  ermeßen  ond  gefchloffen  worden,

4*
        <pb n="68" />
        92

daß  wir  vnfern  marche  vf  Simeringen  richten,  vnd  albort  unf  ded
Paß  veber  die  Thonau  bedienen  follen,  weil  der  feint,  warın  mir  Ime
nad)  Zutling  folgten,  und  Er  daß  Kauf  befezt  laßen,  wo  die  Bruch
aldort  Hinder  Ime  abwerffen  mecht,  da  mür  alfdan  in  deren  ermanglung,
  erjt  meg  ber  gebürg,  ein  großen  Wmbfchwaif  vf  Simeringen
herunder  nemmen  müeften,  vardurch  Er  Teuchtlich  Tuft  zu  einem  Vor
fprung  in  dad  Algam  erlangen  Künte,  gehen  alfo  iegt  bifen  früen
morgen  in  Namen  Gotte8  über  Ehingen  gegen  Simeringen,  dahin
die  auanguardi  bereit  vorauß  ift,  forıh,  Die  gefangnen  fagen  zwar  auß,
alß  wann  der  Beindt  wider  hinunder  an  Rhein,  gegen  Waltöhuet
vnd  Sauffenburg  zue  mwolt,  vnd  die  Branzofen  in  Burgundt:  die
MWeymarifchen  aber,  in  Kothringen  die  Quartier  juchen  folten,  Welched
  dann  bald  wirrdt  vermerfht  werden  Können,  mir  wollen  vnf
aber  fouil  müglich  befürdern,  ond  will  ich  an  nit  daß  menigfte  erwinndten
  laßen,  damit  wür  an  Ihe  Kommen,  vnd  wo  miüglichy  mit
beyftandt  Botte8  Ime  ein  ftreich  geben  Könen,  de  Grauen  von  Hazfelt
  Völdher  fein  zwar  noch)  nit  bey  Bnß  fondern  haben  dife  vergangne
nacht  zu  Kemmendorf  dieffeitd  Notenburg  logirt,  die  werben  durch
das  Kufferthal  auch  auf  Simering  nachfolgen,  maffen  fye  heut  vmb
Burleding  2  jtundt  ob  Zollern  Iogiren,  ond  fouil  al  coniungirt  fein
werden;  zu  Rothmweil  bat  der  Seint  den  Jungen  Herzogen  von  Würtemberg
  mit  jeinem  Regiment  zu  Bueß,  mit  dem  Sarpffenfel  mit
feinen  Reittern  geleget,  Xaffe  dveromegen  alhir  30  Tragoner  mit
100  Reitter,  wie  auch  zu  Rofenfeld  fouil  Tragoner  mit  20  Reitter,
damit  fye  coniunclis  Viribus  tem  Keint  da8  ftreiffen  auß  Nothmeil
verwöhren  Können;  mürdet  dann  nun,  nach  laut  der  gefangnen
auffage  der  feint  über  Rhein  geben  wollen,  vnd  forth  Kommen  Könen,
Sp  mürdet  alfdann  meines  eracdhtend,  weiters  nichts  Könen  Yorges
nommen  werden,  alB  daß  Rothweil,  wann  daß  iezige  fehr  Falte
Wetter  fich  wider  in  etwas  miltert,  allaquirt,  vnd  recuperirt  werben
mechte,  darzue  man  nit  allein  der  beeven  halben  Garthaunen  von
Hailbron  benötiget  ift,  fondern  weiln  ein  Schlang  zerfprungen,  wirbt
folche  nothmwendig  wider  erfezt,  und  weil  NRothmeil  am  zwey  orıb
‘würd  befchoffen  werden  muüßen,  wir  noch  ein  Schlang  weiter,  vnd
über  obige  zmo,  noch  zmeh  halbe  Earthaunen,  ein  Schlang  weiter
fehr  nötig,  bier  im  Landt  ift  nichts  außer  zu  Tübingen  ein  bregviertl
        <pb n="69" />
        53

Garihaunen,  welche  nit  gebrauchen  Könen,  dieweil  dann  folche  beeve
halbe  Garthaunen  zu  Heylpron  mit  den  barzue  gehörigen  aldort  ges
Iagnen  Kauetten  vnd  wagen,  nit  beftant  auch  hierzue  die  beverfftige
Borfpann  Pferbt,  nit,  oder  doch  fehwerlich  einestheild  werben  erlanget
werden  Künden,  Obwohl  wir,  wie  auch  der  Graf  von  Hazfelt  parüber
gar  beforglicy  gefhriben,  So  Pithe  Em.  Churfürftliche  Durchlaucht
ich  gehorfamift,  She  geruben  die  guäbigft  vertröftete  100  Artigleria
Pferdbt,  und  wo  muüglicdy  etwa  mehr,  wmb  fouil.  ehenver  gnädigft
beraus  verfchaffen  zu  Taßen,  bamit  viffahld  Kein  Hindernud  einfalle,
Was  der  weitere  erfolg  fein  mwurbt,  Berichte  Eure  Churfürftliche
Durchlaucht  ich  ebenmeßig  vnderthänigft.  Dero  zu  beharrlich  Chur--fürftliche
  milten  Hulden  vond  Gnaben,  ich  mich  gehorfamift  empfehle,
und  bleibe
Euer  Churfürftlicden  Durclaucht
Ballingen  22.  Nouember  16%.
VBnvertenigfter  gehorfamifter
Yrank  von  Mercy.

3.

Bon  Gottesgnaden  Maximilian  Pfalzgraf  bey  Mhein,  Hörzog  in
ob=  pnd  Nider  Bayrn,  des  Heil.  Römifchen  Neich8  Erztruchfeß  vnd
Ghurfürft.

DBnfern  grued  zuuor  Eoler,  lieber  getreuer  Wür  haben  eur
Ichreiben  vom  22.  diß  zu  recht  empfangen,  vndt  daraus  vernonmen,
welcher  geftalt  der  feind  nach  bezmunge  Rottweil  gegen  Tutling
auanzirt,  vnd  wohin  man  fich  diefjeitd  gewendet  ıc.

Mad  wir  nun  des  Hörzogen  zu  Lotharingen  Kb.  fchreiben,
gibt  euch  beihommenvde  Copy  nachrichtlich  mehrerd  zuuernemmen,
darf  wir  onnß  hiemit  Firzlich  beziehen,  nit  zwelflend,  ihr  werbet  euch
Eurem  befhanten  gueten  Eufer  nady  an  Eurem  orth  ebenmeßig  anges
legen  fein  Iaßen,  wie  bemeltem  feindt,  fonverlich  weill  ver  Nelbtmar-(hal.
  Graf  von  Sazfelot  nunmehr  bey  der  Sand,  vnd  diffeitd  fouill
        <pb n="70" />
        54

Böifher  beifammen  feinnt,  ehelft  ehe  er  fich  mehrer®  stabilirt  oder
wider  retirirt  beizufommen,  vond  ein  Kaubtfächlicher  ftrnich  verfegt,
auch  Rottweil,  jo  vnB  in  Schwaben  große  Üngelegenheit  oausirn
würbe,  fobaldt  ed  müglich  und  des  feinds  halb  befchehen  Fann,  recuperirt
  werben  Ehinde.  Sonft  vd  weill  wir  auch  vnziweiflich  veß
General-Commissariat  vunderveßen  referirt  haben  mwiürdt  die  hirbeuor
vertröfte  100  artilleria  Pferbt  fambt  einer  vorräthigen  anzahl  amunition
  von  bier  alberaitd  binauggefldht  werben,  deren  thails  den
24  dif  zu  Göpping  angelangt,  thall®  noch  dahin  onverwege  fein,  ond
eheift  vraußen  anfhommen,  So  märbet  man  ohne  Zweifel  barburdh
genuegfamb  mitl  Haben,  beede  zu  halldron  flehende  Halbe  mie  auch
A  Barthaunen  von  Täbing  zur  Hand  zu  bringen  ıc.
München  den  26.  Nov.  1643.

4.

Durchleichtigfter  Herzog,  Gnäpigfter
Ehurfürft  ond  Herr.

Ew:  Churfrl:  Dri:  werden  hoffentlich  mein  vnderthenigften
bericht  von  22.  difß.,  darin  ich  gehorfamift  berichtet,  daß  mir  felbigen
morgen  von  Balling  auf  ven  feint  forthgangen,  empfangen  haben.

Welchen  tag  wür  zu  und  vnıb  Straßberg  logirt,  vnd  am  23.
zu  Simeringen,  weil  alda  die  befommne  Kuntfchaffter  mitgebracht,
das  der  feint  fich  zu  Tutling,  Deülen*),  und  Möringen  **)  Tang8  ver

*)  Mühlheim.

**)  Das  Hauptquartier,  das  ber  Artillerie,  ber  4  Compagnien  Gars
ben  und  das  bes  Infanterieregimenta  de  Cloue  in  Tuttlingen,  General
Reinhold  Rofen  mit  6  Meiters  und  2  Dragensrregimentern  In  Müblheist;
2  andere  Reiterregimenter,  fowie  3  Infaniericregimenter  in  ben  benach:
barten  DOrtfchaften.  Das  Regiment  Ranzau  und  7  Infanterleregimenter
nach  Möhringen,  5  Infanterieregimenter  nach  Geifingen  und  Umgegend
und  der  Übrige  Thell  an  der  Donan  aufwärts  Bis  Donnuefhingen.

Anm,  des  Derf.
        <pb n="71" />
        Dynau  logirt,  vonb  von  vnf  noch  nichts  mwifße,  ond  Ir  Dahl:  zu  Los
thring  gnadigft  gefallen,  auch  von  andern  Generals  Berfohnen,  hinauf
an  Ine  zu  geben  einhellig  concludirt  worden,  &amp;amp;o  jejen  wür  zu  ber
meltem  Simering  gleich  über  die  Thonam  vıd  felbigen  abent  noch  auf
Möpkirchen  fommen,  alda  wür  durch  weiterd  eingebradjte  gefangne
auch  vernommen,  baß  fich  der  Weindt  gefagter  mafjen  zertheilt,  vno
vonn  vnnf  vnd  fonderlich  den  Hapfeltifhen  Völdhern,  da8  menigft
wiffe,  haben  verumegen  die  Völdher  veber  nacht  vor  Mößfürchen  Campiren
  lafjen,  ond  alda  in  Mößkürchen  die  Battalia  formirt,  aud)  geftern
vor  tagd  alvort  in  ftille  fortgerudbt,  vnd  meil  abermahlen  durch
onberfchipliche  im  march  erlangte  gefangne  bericht  befcyehen,  das  ber
feint  gar  fidher  in  feinen  Duartiren  lege,  auch  damahlen  fouragiren
laffen,  So  bat  mit  aller  Generals  Berfohnen  guet  befinden,  Ir  Brl:
Dri:  gnadigft  gefallen,  daß  wür  ven  geraden  mweeg  nach  Tuttling  auf
fein  des  Veintd  haubt  Duartier  zuegeben,  vnd  gleidy  feines  alarmen
plazed  ond  feiner  Studh  vnd  Artigleria  vor  der  Statt  zu  impatroniren,
ynd  vong  auch  befagter  Statt  Tutling  mit  denen  darin  anmefenden
Generaln  vnd  feints  Völdhern  zu  bemächtigen,  damit  dardurd)  des
feint®  außwendig  logirende  Völcfher  in  Confusion  gebraiht  vnd  deflo
leichter  audy  gefchlagen  werben  Eönten,  bechfigevacht  Ir  Dr:  wie  auch
der  Graff  von  Hapfelt,  jambt  allen  andern  Generals  Perfohnen,
Obriften  und  Officier,  haben  zu  difer  occasion  ein  trefflichen  enffer
yıd  begürd  erzeigt,  fein  alfo  Gott  Iob  mit  allen  VBöldhern  nach  mittag
vmb  3.  Vhr  albier  dem  feindt  ganz  vnuermerdht  anfommen,  vnd
durch  den  Dbriften  Wolffen,  fo  die  auanguardia  gehabt,  vn  fidy  bei
diefer  occasion  über  die  maffen  bapfer  verhalten,  bed  Keinbt8  Artigleria
  angreiffen  laffen,  Ime  auch  da  Er  folche  erobert  vund  manutenirn
werde,  vertröfter,  das  bey  En:  Churfrl:  Dr:  ich  Ime  Taufent  Due
caien  zu  wegen  bringen  wolle,  wie  Er  dann  die  ganze  Artigleria  ohne
einiges  Soldaten  verlueft  auffer  dag  2.  verlegt  worden,  fidh  impatronirt,
vnd  folche  erhalten,  allermafjen  auß  felbigen  etliche  Schuß  auf  Zutt»
lingen  in  des  feintd  angeregt  haubt  Quartier  befchehen,  vond  mit
foldyer  bebenvigfeit  von  vun  der  alarmen  plaz  occupiert,  und  bie
Statt  Tuttlingen  mit  der  Meitterei  alfo  ombringt  worden,  daB  fein
Menfch  mehr  heraus  -fommen  fönen,  wie  fih  dann  heut  alle  varinen
geweßne  Generald  Perfohnen,  vermög  beigelegter  Lista  fambt  andern
        <pb n="72" />
        96

Dfficiern,  wie  auch  2.  Regimenter  zu  fueß,  nemblich  der  Königin
Leib  Regiment,  vnd  ded  Obriften  Klüegd,  fo  die  Artigleria  dirigirt
hat,  vf  discretion  ergeben  müeffen  und  gefangen  feyen.

Der  von  Wöhrt  ift  nun  vf  deß  feints  Neitherei,  fo  nit  gehalten,
fondern  durchgangen,  gegen  Möring  zuegangen,  alda  Er  ein  Regiment
  zu  fueß  ganb  nivder  gebaut,  und  etliche  fonft  gefangen.  Mein
brueder  der  General  Wachtmeifter  aber  ift  vf  den  Rofa,  fo  fi  von
Mülen  auß  etwas  präsentirt,  und  doch  fich  wider  geiventt,  loß  gangen,
der  auch  durchgangen,  vnd  Im  deromegen  nit  mehr  erreichen  Eünen,
fondern  hat  mein  brueder  hernadh  die  in  Möring,  darin  vom  feint
7.  Negimenter  zu  Bueß,  gelegen,  und  fich  opiniatrirt,  die  nacht  durch
ingehalten,  biß  ich  heut  nit  mehr  voldh,  vnd  mit  den  2.  vom  feint
befonmnen  halben  Garthaunen  angelangt,  vnd  nad  etlichen  Schuflen
fich  gleichfahld  vf  genad  und  ungenad  zu  ergeben  gezwungen,  benn
Obrift  Spordh  hab  ich  ebenmeßig  mit  1000  Pferdten  ven  flüchtigen
feint  zu  uerfolgen  nadıygefchidlht,  ver  hat  bed  Guebrians,  Marggrafl:
Breyftjch  und  andere  mehr  Negimenter  angetroffen,  und  8  Standarten,
ond  ein  Par  hörtrumen  von  Ime  eingebracht,  Waß  nun  in  allem  an
gefangnen  auch  an  Artigleria,  Cornet,  ond  fahnen  befommen  worden,
dauon  will  ich  die  verzeichnuß  hinnach  gehorfamift  überfchiefhen.  Darbei
  auch  fonft  alle  deö  feints  bagage  fanıbt  der  Artigleria  Pferdt  befonmen
  worden.

Bnd  wie  alled  im  DVebrigen  her  und  abgangen,  werben  Em:
Ehurfrl:  Drchl:  von  bringern  dig.  dem  Obriften  Wolffen  in  Ehurfrl:
gnaden  mündlich  zuuernemmen  belieben,  vf  dene  ich  nich  nit  allein
referire,  fondern  auch  Em:  Ehurfrl:  Drehl:  deme  vmb  feiner  ermwißner
dapffern  Kriegd  dienft  willen  vnderthenigft  recommandire.  #ür
welche  fo  anfehnliche  von  Gott  erlangte  Victory  feiner  allmacht  gröften
dandh  zu  fagen,  auch  zu  hoffen,  e8  werbe  hierburch  deß  gemeinen
wefend  nut  merdhlich  befürdert  werden,  weil  difer  feint  gang  ruinirt
ift,  mie  ich  dann  Em:  Ehurfrl:  Durl:  noch  ferners  glüdlichen  regress
und  gengliche  veberwindung  Dero  feinden  herglich  mwünfche,  viß  ift
infonderheit  bei  difer  Victory  wohl  zu  merfhen,  dad  der  unferigen  nit
ein  Soldat  vmbfommen,  vie  gefangnen  fagen  auß,  daß  die  flüchtigen
Iren  meeg  gegen  Lauffenburg  zunemmen,  vnd  berichte  Ew:  Ehurfrl:
Drehl:  weitern  eruolg  vondertbenigft  binnad).
        <pb n="73" />
        97

Befchlieglichen  Bithe  ich  gehorfamift  Em:  Ehurfrl:  Dril:  geruben
  de3  Dbrift  Wolffen  wegen  angeregter  1000  Ducaten  gnädigft  eingevendh
  zu  fein,  damit  Er  viffahls  meinem  vertröften  nach,  guäpigites
Contento  empfindten  möge,  Ew:  Ehurfrl:  Drhl:  mich  zu  fteten  Ghurfrl:
milten  gnaden  vnd  hulden  onderthenigft  eımpfehlend,,  verbleibend

Erw:  Ehurfrl:  Dr:
Dat.  Haubt  Quartier  Tuttlingen
25.  Novbris  Anno  643.
Unvertenigfter  geborfanfter
Franz  von  Mercy.

P.  S.

Morgen  geliebtö  Gott  marchiren  mwür  von  bier  of  Rothiweil,
zue,  vond  weil  wir  vom  feint  die  nötige  Artigleria  und  munition  darbei
zugebrauchen,  erlanget,  So  hoff  ich,  mür  wollen  folche  bald  wider
recuperiren,  vnd  feyen  die  vorher  bierku  Pitlich  begerte  Studh  nit
von  netten.

).
An  den  Feldtmarfchallen  von  Mercy.

Mar  Eurfürft  or.

Lieber  getreuer.  Wür  haben  fomoll  auß  Eurem  fchreiben

1)  vom  25.  difß.  alß  deß  Oberften  Wolfen?  relation,  die  particularia
  wegen  der  gegen  dem  feindt  durch  Gotted  genad  erhaltner
glicher  DVictori  mererd  vernommen,  bdarfür  van  Seiner  Almacht
  billich  groffes  Lob  vd  Dandh  zufagen,  allein  habt  Ir
ab  beiliegender  Gopi  mererö  zu  erfehen,  waß  ded  Kerzogen  zu
Kottringen  8:  für  ein  accord  vberfchieht,  welchen  diefelbe  des
feindt8  gefangnen  Generalß  Perfohnen  vnd  officieren  erthailt
haben  follen.  Dieweil  aber  Ir  in  obaccufirtem  Eurem  bericht
hieuon  nicht:  fondern  meldet,  daß  fye  fich  allein  vf  discretion
ergeben,  allermafien  auch  der  Obrift  Wolf  referirt,  daß  Ir
        <pb n="74" />
        2)

98

fomwol  alß  der  Graf  von  Hazfeld  nicht8  anderft  verfprochen,  und
diffahl8  ainichen  accords  wider  allen  Kriegäbrauch  deftowenie
ger  vonnetten  gemweft,  weil  dife  Zeuth  fich  dergeftalt  eingefchloffen
und  necessitirt  befonden,  daß  Inen:  he  betten  fich  dann  alle
wollen  nider  bauen  laffen,  zu  Irer  errettung  Ehein  anberd
mit!  alß  fich  vf  genad  ond  ungenad  zu  ergeben  vebrig  gemelt,
Alfo  und  gleich  wie  difer  accord,  da  felbiger  von  Herzogen  zu
Lottringen  8:  mantenirt  werden  wolt,  Irer  Kayl:  MT:  ond  dem
beil:  Reich  zu  grojfen  nachteil  und  fyoth  auch  disreputation
geraichen  wiırde,  in  dene  oben  befagte  General  Berfohnen  und
hoche  Dfficier  fich  bernegft  rantionirn  vnd  ledig  machen,  alfdan
auc)  vf  Ire  Megimenter  und  Völdher  defto  ehennder  wider  zu
verfamblen,  zu  restaurirn  vnd  fi)  wo  möglich  zu  reungieren
und  rechen,  euifferift  angelegen  fein  laffen  würden,  da  hingegen
befhandt,  wie  lang  die  Branzofen  den  Johann  von  Worth,
Emfhofer  (2)  ond  andere  in  der  gefangenfchafft  vfgehalten,  So
ift  e8  unn$  defto  onuerboffter  vorfhommen,  und  Haben  unnß  bei
folcher  geftalt  famb  wie  ed  darmit  bergangen  nit  darein  finden

3)  Ehinden.  Dafern  nun  Seine  Xiehven  defhalb  meiter  nichts

4)

mouirn,  oder  ainige  feindtd  General  Perfohnen  oder  officier
zu  erlafien  begern,  Fhinvdet  Ir8  zivar  gegen  befagten  Hergogen
für  difgmahl  simulirn,  und  Euch  gegen  Sr:  8:  alzeit  erzaigen,
daß  Ir  anderfi  nit  mwifft  alß  daß  fich  Diefe  Generals  Perfohnen
und  officier  vf  disorelion  ergeben,  allermaffen  wir  e8  gegen
Sr:  8:  aniezt  felbft  auch  simulirn  big  man  fi,  weflen  fi  Ir
Kayl:  MI:,  denen  e8  der  Graf  von  Hazfeldt  gewiß  berichtet
haben  würdet,  bierüber  erclern  werden.

Dafern  aber  under  beffen  der  Derzog  beßhalber  wider  etwas
melden,  oder  eine  oder  Die  andere  feinptd  gefangne  Generalß
Berfohnen  ond  hohen  Öfflcier  erlaffen:  vond  den  accord  bebaubten
  wolt,  hettet  Ir  folches  zu  uerbindern,  und  darmit  durchauß
£heiner  nit  erlaffen  werde,  mit  gueter  manier  daran  zu  fein,
auch  zu  entfchuldigen,  dag  Euch  ohne  vunfer  vorwiffen  und  verwilligen
  vergleichen  erlaffung  fheined  weegd  gebür,  ond  baß  Ir
beromegen  vnnh  Ddefien  vorher  berichten  vnd  vunfer  resolution
ermwartten  mieflet.
        <pb n="75" />
        59

Bnd  damit  entzwifchen  vergleichen  erlafjung  befto  meniger
5)  practieirt  werben  finde,  So  halten  wir  für  dad  befite,  daß  Ir
foldye  gefangne  General  Perfohnen  und  Obrifte  alßbald  mit
genuegfamer  Conuoy  vnd  beiorbnuhg  eineö  wol  qualificirten
Commendantend  nad  Ingolftatt  fchiefhet,  alermailen  wür
entzwifchen  verorbnung  thuen  wollen,  daß  fye  Dafelbft  gebürend
6)  logirt  und  omb  Sr  gelt  tractirt  werden  follen,  Allein  weil  dem
Johann  von  Wörth  vuder  feiner  gefangenfchafft  in  Srandhreich
mehr  nit  alf  ein  Diener  zuegelaffen  iworden,  So  habt  Ir  zu
fehen,  daß  fi  bemelte  Genern!ß  Berjohnen  und  DOfficier  in
difem  fahl  gebürend  accomodirn  vnd  nit  vil  leuth  mitbringen,
weil  fbe  alfdan  zuuermuachten  vnd  zuuerfichern  defto  fdywerer
fallen  würde.  Damit  aber  die  Senige,  fo  bei  einem  oder  anderm
praetension  fuechen  möchten,  nit  vermainen,  al  man  man
7)  nen  darburd)  praeiudicirn  wolte,  If  Inen  zu  bebeilten,  baß
ed  nit  dahin  angefehen,  fuondern  alned  ond  ded  andern  praetension
  ficherlich  vorbehalten  feien:  und  Eheiner  des  feindts  gefangner
  vorher  erlaffen  werben  foll.

Maß  aber  die  vhrige  Gefangne  gemaine  Dificier  und  Khnecht

8)  betr:  da  wollen  wür,  mweffen  fi  mit  Inen  zuuerhalten,  ebeift‘
Eures  berichtö  und  guetachtend  erwarten  ond  Halten  wür  bar
für,  daß  man  fonderlich  die  vorhandne  Teuitfche  Khnecht,  gleich

9)  dest  nach  Eurer  discretion  under  bie  Negimenter  ftoffen  Ehinde  ,
und  fole.

Diemweil  aber  die  hierher  gefchicfhte  designation  ber  feindtd
gefangnen  ganz  vnuolfhommen,  vnd  in  Fheiner  ordnung,  auch
fonfl  Thein  volfhonene  relation  wie  alle8  hergangen  vorhanden,
wie  dan  ermelte  designation  und  ded  Obriften  Wolfens  relation
fonderlich  in  diem  different,  in  vente  die  designation  vun  3000.
der  Obrift  Wolf  aber  von  6000  gefangnen  fagt,  und  beneben
von  dem  mweimmarischen  Regiment,  ba  doch  fowol  Ir  alß  ver

10)  Herzog  zu  Rottringen  in  den  fhreiben  angereget,  daß  die  ganze
Infanterie  ruinirt  fehe,  gar  nichtd  gemelt  würdt,  So  thuen  wür'
dem  General  Commissariat  beuelchen,  vber  alles  ein  rechte.
volfhomene  relation  zuuergreiffen,  vnd  darin  nit  allein  recht
zu  explieiren,  wie  dad  werdh  incaminirt,  vnd  die  fach  in  der
        <pb n="76" />
        60

occasion  felbit  hergangen,  fundern  auch  daß  bie  gefangne  Gene»
ralß  Berfohnen  und  hohe  Dfficier  anfange  nacheinander  gefeßt,
alfdann  audy  die  anzahl  der  gemainen  Officier  und  Soldaten:
in  gleihem  wieuil  zu  Roß  vnd  fueß  vom  feindt  tobt  bliben,
fonderlich  wa8  für  vornemme  officier  darımder  gemefen,  Item
waß  man  in  specie  für  ftuh  und  anders  befhommen,  addirt,
vnd  orvenlich  außgefiiert  werde,  damit  mans  alfvan  mit  vefto
befferem  fundament  alhie  trudhen  Iaffen  Eiinde,  Deromwegen  Ir
ermeltem  General-  Commissariat  Die  Contenta  ded  aigentlichen
hergangß  und  verlauffd  vefto  mer  an  die  handt  zugeben,  bamit
fhe  angeregte  relation  fürverlich  vergreiffen  und  ohne  daß  e8
gar  zu  alt  würdet,  bieher  fcichen  Fünden;  Dem  Obriften

11)  Wolffen  Haben  wir  die  von  Euch  verfprochne  1000.  Ducaten
alhir  erlegen  laffen,  vnd  erlaubt,  daß  er  gar  nach  Wienn  Irer
Kayl:  May:  die  particularia  zu  referirn  verralfen  möge.

12)  Wie  e8  interim  mit  weiterer  verfolgung  des  feindts:  tie
auch  mit  Mottmeil  hergangen,  wollen  wür  berichtlich  erwartten,
ond  weil  Ehein  zmeifel,  ed  werben  ftch  bes  feinpt8  veberblibene
Völcher  zu  Roß  vunnd  Yueh  an  einem  gemiffen  orth  wider  verfambeln,
  So  würdet  vefto  mehr  vonnötten  feyn,  daß  man
biffeitH8  darauf  guete  obacht  gebe,  und  ehe  dan  fye  veber  Ahein:
und  folcher  geftalt  von  der  bannd  gezogen,  daß  man  fich  vifen
wüntter  nichts  von  ihnen  zu  befahren,  die  wüntterquartier  mit
unfern  völfhern  nit  beziehe,  dan  fonft  möchte  difer  collegirte
feindt  older  Tommen,  etlicher  Regimenter  quartier  anftöllen,
auch  der  ganzen  armaba  die  notwendige  chur  zerftören.  8
würdet  aber  vifer  feindt  felbft  nit  lang  beifamen  ftehen  £önden,
  ond  fich  zeigen,  was  er  für  difömahld  zu  thuen  ges
finnet  ift.

Mollten  ıc.
München  den  29.  Novbris  Anno  1643.
        <pb n="77" />
        61

6.

Summarische  Belation

dep  VBerlauffs,  waß  geftalt  durdh  die  Ehur--Bayrifche
und  barzue  zum  succurs  coniungirte  SKahnferlide
Hazfelt.  wie  auh  Dil.  Lothringifhe  Waffen  am  24.
und  25.  Nouember  vif  1643  Jahres,  die  franzößijde
und  Guebrianifhe  armeen  zu  vnd  vmb  Tuttlingen,
zertrent,  theild  erfchlagen,  vond  in  die  fludt  gebradt
auch  folgents  Rothweil  wider  erobert  worden.

E83  ift  vorbin  befant,  wa®  maffen  die  Eron  Sranfreich  zu  bes
meldter  Jar  vorher  im  Heiligen  Römifchen  Reich,  unter  dem  Conte
de  Guebriant  habende  nod)  eine  succurirende  Armada,  vnder  dem
Beneral-eutenant  Ranzau  von  8000  Mann  ftarkh  vnlängft  heraus
gefant,  welche  zumahlen  nach  der  im  Elfaß  bei  Dadhftein  gefchehener
Coniunction,  (Nachveme  fhe  im  Elfaß  etliche  Tage  wohl  ausgeraft,
ond  allerhandt  grofje  Praeparatoria  au8  Straßburg  und  Iren  borten
herumb  gelegenen  Guarnisonen,  mit  anmwendung  der  gröjten  Spefen
gemacht)  im  anfang  ded  Monat8  Novembris  über  Mhein  fommen;
und,  nachdent  fie  den  Schmargwald  passirt,  die  Neih3-Stadt  Roth
weil,  nadı  iötägiger  Belägerung,  und  befftigem  Zufegen  mit  Ganoniren
  und  Miniren,  ehe  dann  der  im  Anzuge  begriffene  Succurd  dahin
gelangen  fönnen,  am  18.  Novembris  mit  Accord  (fo  aber  den  Auffe
gezogenen  ohne  Yug  oder  Urfach,  nicht  gehalten  worden)  einbefommen,
vor  welcher  Stadt  der  Feind,  jo  mohl  wegen  der  Belägerten  Gegen-Mehr,
  ald  auch  der  eingefallenen  zu  diefer  Zeit  faft  ungemöhnliden,
folhen  gangen  Monat  gewährter  flarden  minterlichen  Kälte,  und
Schnee-Wetterö  willen,  wie  audy  denen  ftetig  an  Ihme  gehabten  Partheyen
  von  der  Ehur-Bayerifchen  Reich8-Armee,  nicht  geringen  Schaden
  und  Abbrudy  erlitten,  und  infonverheit  in  dem  ftarden  Einfall,
jo  der  Chur-Bapyerifche  Obrift  Johann  von  Spord  allein  mit  530  Pferden
  dem  unter  dad  Wennnrifche  Corps  gehörigen  General-Major
Nofa,  nächft  bey  Ballingen  im  Fleden  Geißlingen  ven  7  Novembris
in  der  Nacht  gethan,  alwo  er  Rofa  mit  feinem  eigenen,  fampt  ben
Guebrian,  und  Dehmifchen,  ald  den  preh  beften  Guebrian=  und  Wey-
        <pb n="78" />
        62

marifchen  Meuter-Regimentern,  mie  auch  dem  Toll  Noftfhen  Tras
goner-Regiment,  (die  fämptlih  auff  1100  Pferde  gefchäßt  merden)
ber  Nacht  logiren  wollen,  auch  überfallen,  ven  Fleden  in  Brandt
geftedkt,  und  darburdh  vornehmlich  im  euer  viel  Leute,  Pferde  und
Cornet  verdorben,  ein  guter  Theil  Reuter  niever  gemacht,  tiber  200
gefangen,  wie  aud)  300  Pferde  befommen  worden,  wie  dann  Mofa,
fo  ficy  damal  in  ein  im  Dorff  gelegenes  Schlößlein  salvirt  und  erhal:
ten,  nadıgehend®  mit  wenig  Reuten,  und  nur  drey  Standarten  zu  ded
GegentHeild  Armada  zurüdfonmen.  VBornehnlich  aber  wurde  vor
Nothmweil  dem  Branköftfhen  General  Guebrian  der  rechte  Arm  binmeggefchoffen,
  daran  er  am  24.  Novembris,  ald  eben  der  Tag,  mie
deB  Begentheild  Armada  zertrennt  worden,  in  felbiger  Stadt  Abends
um  6  Uhr  geftorben,  befam  auch  der  Sranköftfche  Marschal  de  Camp,
Roque  Serviere  in  befagter  Rotweilifchen  Belägerung  einen  Schuß  in
bie  Achfel.

Nach  folder  Eroberung  ift.  der  Beind  die  Stadt  wohl  befegt
Jafiend  gegen  der  Donau  nach  Tuttlingen*)  gangen.  Sobald  nun
biffeit8  im  HaupteDuartier  zu  Ballingen  Herkog  Carl  zu  Lothringen
wie  au  Meldior  Graff  zu  ©leichen  und  Sapfeld  ald  Kanferlicher
Veld-Marfhall,  (welcher  in  der  Perfon  vor  Anfunfft  feiner  unter:
babenven  Kapferlichen  Bölder  herbey  fommen)  und  Brang  Breiberr
von  Mercy,  ald  Chur-Bayerifher  Feld»  Marfchall,,  folchen  des  Feines
Auffbrud  und  Avancirung  in  Kundichafft  gebradyt,  hat  Ihrer  Durch
laucht  beyden  Ihren  Excellenzen  beliebet,  gleich  balden  dem  Yelnd
zu  folgen,  und  ihme  den  Vorjprung  abzugewinnen,  ven  Leg  zn  folhem
  Ende  auff  Sigmaring  an  die  Donau  zu  nehmen,  find  alfo  die
Ehur-Bayerifche  Reihe  Armada  und  Ihrer  Durchlaucht  zu  Lothringen
conjangirte  Völder  bey  denen  fid)  auf  6  Kayferliche  Ruambolfche  Re»
gimenter  zu  Roß,  fo  Ihr  Durchlaucht  von  dem  Ahein  mitgebracht,
befunden,  am  22.  um  Straßberg,  und  den  23.  November  zıı  gemeldtem
Sigmaring  zeitlich  ankommen.

Weil  nun  alloort  von  dem  ausgefchisften  Kundfchafften  einge»

*)  Der  Marfch  ging  von  Rottweil  über  Neufra,  Aldingen,  Hofen,
Spaichingen,  Balgheim,  Weilheim,  Wurmlingen  nach  Tuttlingen.
Anm.  bes  Derf.
        <pb n="79" />
        63

langt,  daß  der  Beind  fich  zu  Duttlingen  befinde,  doc)  von  diefer  AUrınce
und  deren  Marche  nicht  mwiffe,  fo  ift  das  einhellige  Conclusum  gefaßt
worhen,,  ftrad®  auf  ihn,  mo  derfelbe  nur  anzurreffen,  zu  geben,  und
im  Namen  Gotted,  venfelben  entiweder  in  ben  Duartleren  zu  über.
fallen,  oder  im  Velde  mit  ihme  zu  fihlagen.  Wie  denn  hlerauff  der
Marfch  gleich  über  die  Thonau,  und  binauff  gegen  Mößkirch  in  Eil
und  Stille  fortgefegt,  der  Arnıee  Bagage  aber  nach  Rievlingen  an  ver
Thonau  zuric  verfchafft  worden.  Sedo  Hat  man  vamalen  ded
fernen  Weges  und  angefallener  Nadıt,  auch  deren  zwifchen  Mepfirdy
und  Duttling  befindlicher  Page  und  Püfchye  halben,  auch  daß  Kahferliche
  Saßfeldifche  Völcer  noch  nicht  angelangt  geweft,  meiter  nicht
fonımen  fönnen,  fondern  felbige  Nacht  zu  Möpfirch  bleiben,  und  die
Armeen  davor  im  Seld,  Iängft  dem  Walde  in  Battaglia  halten  laßen
müßen.  Alva  feyn  abermalen  Gefangene  eingebradyt  worben,  die
berichtet,  daß  der  Gegentbeil  fein  Hauptquartier  und  a  Larma-Plag,
fampt  etlichen  Völdern  zu  Tuttlingen  habe,  Nofa  aber  mit  Theile
Neuterey  befjer  herwärts  zu  Millen,  und  bie  meifte  Brangofen  oberhalb
  Tuttlingen,  auff  ein  Baar  Stund  weit,  zu  Möringen  und  Geiß-Iingen
  zertheilt  lägen,  und  von  difer  Parthei  die  mwenigfte  Kunbfchaft,
fonderlich  aber,  daß  die  Kayferlidy  Sazfelviiche  Völder  auch  anfommen
(offen,  gar  fein  Wiffens  hätten.  Worüber  in  Conformitaet  ded  her
reit  gefaßten  Schlußed,  von  Ihr  Durchlaucht  und  beypen  General»
Beldmarfchallen  die  Bataglia  und  Marfch  angeordnet  worden.
Nachitfolgenden  Dienftag  ven  24.  Nov.  nıit  anblidendem  Tage,
an  welchem  auch  berührte  Kayferliche  Hapfelvifche  Völder  zu  Roff
und  Fuß,  fo  zu  foldyem  End  Tag  und  Nacht  marfchirt,  glücklich  herherbey
  Eommen,  und  fid)  conjungirt,  ridte  man  fänptlich  in  verftandener
  Orbnung  und  Stille  oyne  Trompeten-Schall  und  Trommelfchlag,
burch  die  Waldungen  fort.  Unter  weldem  Marfche  von  denen  zum
recpgnosciren  auögefdjidten  Eleinen  Barthenen  zu  unterfchieblichen
malen  allezeit  biß  im  bie  40  und  mehr  Oefangene  vom  Weind  einge
bracht  worden,  die  nicht  allein  des  Seindes  Still  Liegen  beftätiget,
fondern  aud)  weiter  referirt,  daß  fie  noch  2  oder  3  Tage  alfo  zu  verbleiben
  gemeynt,  benebenft  aber  zu  melterm  ihrem  Fortzug  fih  auff
5  Tage  mit  Fütterung  und  Lebend-Mitteln  zu  verfehen  Orpre  hätten
beöwegen  file  an  felbigem  Tage  bauffig  furagirt  und  audgelauffer,  von
        <pb n="80" />
        64

diefer  Armada  aber  gang  Feine  Kundfchafft  Hätten,  welches  zu  gutem
Effekt  nicht  geringe  Hoffnung  machte.

Der  General  von  der  Cavalleria,  Freiherr  Johann  von  Wörth,
führte  mit  1000  commendirten  Reutern  und  den  Wolffifhen  Tragos
nern  die  Avantguarbia,  neben  600  Mußquetirern,  welche  ver  Chur-Baperifche
  Obrift  Johann  Ulrih  Gold  commendirt.  Man  batte  aber
fo  fchleunig,  ald  man  gern  gewolt,  um  ber  im  Walb  befindlichen  engen
Päffe  und  Thaler  millen,  veßhalben  man  den  meiften  Weg  filiren
müßen,  nicht  fortfummen  fönnen,  fonvdern  erftlich  bei  einem  Dorff,
Neubhaufen  genannt,  fo  noch  eine  Stunde  von  Duttlingen,  und  tiber
eine  halbe  Stunde  weit  nicht  von  Müllen,  da  Rofe  mit  etlichen  Megimentern
  zu  Pferde,  wie  obgevacht,  fein  Quartier  gehabt,  ziemlich
lange  warten  müßen,  biß  dad  meifte  Volc,  fanıpt  den  Stüden,  durd)
folhen  erften  Baß  (damit  man  nicht  zu  weit  von  einander  Fomme)
berbey  gelanget.  Er  bat  fih  audy  noch  an  einem  andern  Ort,  nicht
weit  von  Duttlingen,  der  Enge  halben,  ziemliche  Hinderniß  gefunden,
dabero  man  erft  um  3  Uhr  Nachmittags  bey  Duttlingen  (und  zwar
dem  einde  in  und  außerhalb  der  Stadt  gank  unvermerft,  welches  am
mebriften  zu  vermundern,  meil  gleihwohl  der  Pferde  Gefchrey,  der
Stimmen  Getöß  einen  nicht  geringen  Laut  und  Getiimmel  verurfadht)
ankommen.  3  balff  aber  biezu  nicht  wenig,  daß  bamaln,  und
eben  wie  man  zur  Action  fchreiten  folte,  e8  zu  fehneyen  anfing  baburdh
die  Lufft  did  und  tunfel  worvden,  dahero  man  nicht  mweit  von  fich  fehen,
und  defto  weniger  von  ferne  vermerdt  werben  fünnen.  Sintemalen
nun  infonderbeit  in  Erfahrung  gebracht  worden,  daß  der  Seind
zwifchen  der  Stabt  und  dem  gleidy  nach  vabey  auf  dem  hochliegenven
Schloß,  Homburg*)  genannt,  herunten  im  Grund  bey  einem  Fircdhlein
  feine  Stüden  und  gange  Irtigleria,  etwan  einen  Piftolen-Schuf
weit  von  der  Stadt  beyfammen  fiehend,  und  darben  nur  eine  geringe
MWadıt  hätte,  fo  bat  man  beH  folcher  Befchaffenheit  und  des  Feinved
Unmwiffenheit  mit  dem  Angriff,  uneradht  die  Armada,  die  zwar  hart

*)  Suböftlich  von  Tuttlingen  erhebt  fi  der  Honberg,  auf  mweldhem
bie  bamals  fefte,  jet  ganz  verfallene  Homburg  (Honburg,  Hohenberg)
ftand.  BZwifchen  diefem  Berge  und  ber  Stabt  befindet  fidy  der  Leichenader
mit  feiner  Kapelle.  Anm.  des  Derf.
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        65

und  did  auff  einander  gezogen,  aber  berübrter  engen  Wege  halben  fo
bald  nicht  an«  und  zufammen  Tommen  Eönnen,  länger  nicht  warten,
ober  -biefe  treffliche  Occasion  verfäumen  wollen,  fondern  im  Namen
Gottes  mit  der  Mvantguarbia  erftlichen  auff  berührte  des  Weinves
Stüde  Toszugeben,  das  befte  befunden,  darzu  der  ChursBaperifche
Tragoner  Obrifte,  Iohann  Wolff,  und  der  Kapferliche  Habfelpifche
Obrift  Epp,  fo  behde  mit  in  der  Avantgarde  waren,  fampt  ihren  bey
fidy  gehabten  Tragonern  und  NReutern  commendirt  worden.  Zu
folhem  Ende  war  der  Trucfmüllerifhe  Eroatifche  Rittmeifter  mit
30  Pferden  voran  gefchict,  denen  fulgete  nun  Sporenftreih8  Obrift
Wolff  und‘  Epp  mit  ven  Tragonern  und  Reutern,  welche  im  &amp;amp;repthoff
und  in  der  Kirchen  ded  Gegentheild  Hauptmann,  fampt  bey  fich  gehabten
  Soldaten,  die  bei  der  MArtigleria  die  Wacht  gehabt,  niebergemacht,
  alle  des  Yeindes  Stücke  erobert,  und  manutenirt,  und  den
Ürendt-Hoff  befegt,  unter  welcher  Operation  aud  vie  ftradd  nad)=gefolgte
  Truppen  zu  Pferde  von  der  Apvantgarbia  fich  beyperfeitd  ded
Kirch-Hoffes  binter  der  vom  Beind  eroberten  Artigleria  in  Poftur
gefeßt,  alfo,  daß  felbige  mit  aller  Zugehör  in  dem  erften  momento
glüdlich  weggenommen  worden.  Deßen  nun,  und  daß  man  verhanven,
der  Beind  erfl  innen  und  gewahr  worden,  wie  man  aller  Stüden  und
Artigleria  bereit3  Meifter  gemwefen,  inmaffen  dann  die  Tragoner  gleich
etliche  Stüden  umgewandt,  und  auff’vie  Stadt  ind  Peinded  Hauptquartier
  hinein  gefpielt,  in  Mehynung,  darburd)  ded  Feindes  Vold,
ald  wann®  ihre  Kofungs-Schhiße  wären,  aller  Orten  ber  für  Tuttlingen
  nach  ihrem  Ullarmen  Plab  zu  bringen,  und  nach  einander  zu
fchlagen,  ebenmäßig  wurde  dad  Haupt-Duartier  Duttlingen  durch  die
Neuterey  fo  behend  umrennt,  daß  niemand  heraus  fommen  Fönnen.
Der  Seneral-Beld-Marfchall  Mercy  Tieffe  auch  inzwifchen,  folcher  anbefehlend
  dem  Chur-Baperifchen  Obriften  und  General=  DQuartiermeifter,
  Georg  Sriedridy  von  Sol,  vorgebachtes  Schloß  Homburg
mit  Reutereh)  berennen,  und  darauff  fulches  durch  obgemelbten  Obriften
Gold,  und  deffen  bei  fich  in  der  Avantguarbia  gehabted  Fuß  Vold
occupiren,  welched  gleichfall8  wie  bey  den  Stüden  ohne  Verluft  einigen
Mannes  gefchehen,  verob  audy  die  Offizierer  mit  ven  Solpaten  alle
gefangen  worden:  Welches  Schloß  dod,  fo  vortheilhafftig,  daß  «8
Teichtlih  vor  großer  Gewalt  hätte  erhalten  mwerven  Fönnen.  Die
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        <pb n="82" />
        66

Armada  folgete  in  müglicher  Eyl  hernach,  iweldye  benberjeitd  ber
Donau  aller  Orten  bey  der  Stant  und  auff  ded  Yeindes  Piaze  de  armes
in  foldye  Boftur  gefept  ward,  Daß  denen  in  der  Stadt  ohne  hazard
binterfther  Kein  Entfab  zufommen,  weniger  aber  die  von  nuffen  nemlich
die  Brangofen,  fo  zu  und  bey  Möringen  gelegen,  nod)  Rofa,  der  zu
Miüllen  logirt,  fh  der  Enden  mit  einander  conjungiren  Eünnen,
Da  man  dann  gefehen,  daB  vom  Weinde  niemand  Eommen
wollen,  auch  der  Rofa,  fo  fich  zmar  wie  e8  fhon  Nacht  werden  wollen,
mit  feiner  be  fich  gehabten  Gavalleria  unterhalb  Tuttlingen  im  Belde
fehen  laßen,  aber  fobald  er,  wie  unfere  Armada  und  Völder  fon  in
Battaglia  geftauden,  wahrgenommen,  ohne  Saumnüß  fich  twieder  gewendet,
  und  mit  allen,  wad  folgen  mögen,  durchgangen.  Deromegen
ift  er  von  dem  ChursBayerifchen  General-Wadhtmeifter,  Ga8par  Zreie
herren  von  Mercy,  mit  etlichen  Squadronen  verfolgt,  und  in  foldem
Nachfegen  von  ihme,  weil  Noja  nicht  mehr  zu  ereylen  gewoefen,  brey
Brigaden  Fuß-WVölder,  fo  in  einem  Dorff  bey  Millen  gelegen,  gefchlagen
  werben.  Der  General  von  der  Gavalleria,  Breiherr  von
Mörth,  avaneirte  mit  2000  Pferden  auffwärts  nach  Möringen  gegen’
den  Brangofen,  felbige  NReuterey  von  10  Negimentern  haben  auch)  die
Ylucht  gegeben,  doch  ihrer  viele,  fo  gefangen  und  niedergehauen  wor«
den,  im  Stich  Iaßen  müßen.  Und  weil  in  Möring  die  mehrifte
Trangöfifche  Infanteria,  ohne  der  Königin  in  Srandreih  Guarbi-Regiment,
  fo  in  Tuttlingen  geweit,  jidy  befunden,  fo  Hat  der  Kapferliche
  DObrift  Ep  das.  Mazarinifche  Regiment  von  500  Italiänern,  {9
der  durchgegangenen  Meuterey  den  Weg  verfihern  wollen,  und  Sid
opponirt,  biß  an  wenig  Dffitierer,  denen  dad  Leben  gefhendt  worben,
niebergebauen.  Und  daß  fich  angeregte  Infanteria  von  7  Regiuene
tern  in  befagtem  Möring  befinde,  eylend8  beyde  General-%eld-Dlarfhalle,
  damit  foldye  Infanteria  audgebebt  werden  möge,  zu  wiflen
gemacht.  Darauff  der  Graf  von  Hapfeld  aldbalv  felbft  vahin  geritten,
dieweil  fi)  aber  folche  Beinded-:Bölder  nicht  ergeben  wollen,  fondern
ftardf  genehret,  hat  man  fie  mit  3  ChurzBaperiichen  Cüirafiler  =  Regie
mentern,  al8  Kolb,  und  la  Piere,  wie  auch  des  Kapferlichen  Obriften
Epyps  Regiment  zu  Pferb,  die  Radıt  durd)  eingefchloßen  gehalten,  ver
Graf  von  Kapfeld  und  General  von  Wörth  aber  fidh  wieder  nad)
Tuttlingen  begeben,  und  wurbe  bargegen  der  General-  Wachtmeifter
        <pb n="83" />
        67

Meroy  für  Möringen  verorbnet,  der  Obrift  Spord  aber  mit  1000  Pferben,
  mie  auch  andere  Eleinere  unterfchiepliche  Parthenen  des  Feinde
flüchtigen  Neuterey  nachzuhauen,  commenbirt,  dad  übrige  bliebe  bie
Nacht  hindurch  im  Belde  bei  Tuttlingen  in  guter  Orbnung  ftehen,

Morgend  am  25.  Novembhris  haben  fi}  die  im  Hauptquartier
Zuttlingen  befundene  Generald-Berfonen  ded  Yeinded  mit  andern
vielen  hoben  Dffizierern,  fampt  2  Megimentern  zu  Yuß,  alö  ver
Königin  und  des  Obriften  Kluege,  wie  auch  der  Generalen  Guarbi  zu
Noß,  neben  allen  Artigleria-Berfonen  auff  Discretion,  Gnad  und
Ungnap  ergeben  müßen.  Deßgleichen  find  dbgedadhte  fieben  Srangöfifche
  Regimenter  in  Möring,  welche  nicht  glauben  wollen,  daß  ed  mit
den  Ihrigen  im  Haupt-Quartier  fo  fchlecht  hergangen,  durch  den  Generals®elbmarjchall,
  Sreyherrn  von  Merch,  nach  etlichen  aus  von
ihnen  eroberten  Stürffen  gethanen  Säuüßen,  fick  auff  gleichen  Schlag
zu  ergeben  gezwungen  worden.  Der  Obrifte  Spord  bat  im  Nadıbauen
  10  andere  Regimenter  zu  Pferd,  ald  ved  Marggrafen  von  Durs
lah,  DObrift  Beben,  Rußmurmbd,  und  Debmöd,  (meldje  5  von  dem
Mehymarifchen  Corps)  Item  von  dein  Sranpoöfifchen  ded  Obrift  Notthaffts,
  Chambre,  Rantau,  Bevaus,  und  ver  Königin  Leib-Regiment
zu  Pferd  angetroffen,  felbige  chargirt,  in  Unordnung  gebradt  und
getrennt,  viele  nievergehauen  und  gefangen,  auch  8  Standarten,  al
1  von  der  Königin  Keib-Regiment,  1  vom  Bevand,  3  vom  Marggrafen,
und  3  vom  Nankau  mit  feiner  Heer:  Pauden,  fanıpt  dem  Obriften
Chanbre  und  vielen  Dffizierern  gefangen  zurüdgebradht.  Und  wenn
die  zu  früh  eingefallene  Nacht  des  Beinded  Reuterey  nicht  favorifirt,
folten  in  allem  wenig  davon  Fommen  feyn,  welche  des  Keindes  Reuterey
dennoch  ftard  gelitten,  und  gang  zeritrennt,  find  auch  die  fo  entrunnen,
ohne  Aufenthalt,  ein  ieder  den  Weg  durdigangen,  melden  ihme  dag
Glürf  gewiefen,  wie  dann  Rofa  gegen  Rothweil,  theild  andere  gegen
Blumberg  und  etliche  gegen  der  Schweiß  die  Flucht  genommen.  lnter
TWegd  aber  feynd  durd)  unfere  ausgehabte  PBartheyen,  ingleicyen  nurd
die  Bauern,  fehr  viel  umfommen.  Das  Fuß-  Bold,  darvon  gar
wenig  entrunnen,  ift  entweverd  gefangen,  vder  Darauff  gangen,  wie
dan  forwol  von  demfelben,  ald  aud)  von  des  Weinded  Reutern,  bin
und  wieder  gar  viel  Tobte  fi}  gefunden.

ft  alfo  mit  Benftand  Gottes  ded  Gegentheild  groffe  Macht

5+
        <pb n="84" />
        68

(durdy  welche  er  noch  heur  feine  Winter-Duurtiere  fehr  weit  zu  extendiren
  vermehnt)  mit  männiglicher  Verwundern  gebrochen,  und  welches
die  gefangene  Srangofen  felb8  nicht  zu  faffen  miffen,  daß  man  fich
zwifchen  zweyen  folchen  victoriofen  Armeen,  deren  die  eine  vor  2  Jah
ren  den  Zamboy,  die  andere  aber  erft  diefen  Sommer  die  Spanier  vor
Rocroy  gefchlagen,  wagen,  ohne  einige  hauptfächliche  Feld-Action,  wa
nicht  gefangen  und  umfommen,  fonft  ruinirt,  und  alles  gänglich  in
die  Blucht  gebracht  werden  Fönte,  verlaßend  alle  Stu,  Artilferia  und
Pagage.  Diefe  Bictori  ijt  defto  höher  zu  fchäßen,  meil  ed  burd)
wunderbarliche  Schifung  Gottes  auff  diefer  Seiten  fahier  gar  ohne
Verluft  abgangen,  und  in  allem  nur  etliche  wenige  Mann  tobt
geblieben.

Der  GSenerald  :  Berfonen  Brauen,  die  fich  in  Tuttlingen  befunden,
  find  mit  ihren  Gutfchen  uhd  Saden  per  corresia  nad)  Schaffhaufen,
  dahin  fie  auch  ficherlich  Fommen,  durch  den  Chur  Baper.
DObriften  Trudmüller  begleitet  worden.  Ben  diefer  Saupt=  Action
haben  fi  höchftgedachte  Ihrer  Durchlaudht  zu  Lothringen  heroifch,
und  beeve  vb  molgevachte  General=  Keld-  Marfchallen,  General  von
der  Gavalleria,  Sregherr  von  Wörth,  die  3  General»  Wachtneifter,
al8  Johann  Freiherr  von  Saradezfi,  Caspar  Freiherr  von  Mercy,  und
Johann  Zreyherr  von  Nuifchenberg,  behde  Chur-Bayerifche,  ihrem
vorbin  bekannten  ruhmlichen  Valor  nad),  wie  audı  alfe  Obriften  und
Dfficierer  bei  den  Armeen  vortrefflich  und  fehr  tapffer  ermwiefen.  Und
hat  nicht  menig  zu  folchem  glüdlidyen  Erfolg  des  General:  Quartiermeijterd
  und  Obriften  von  Hulg  Vorftchtigfeit,  in  Durchführung  der
Armada,  meil  ihme  die  Randeö-Gelegenheit  am  beften  befannt  gemwefen,
gebolffen.  Dann  der  eind  in  der  Opinion  geftanden,  daß  man  ihme
von  Mößkirch  her  purch  die  Walvungen  nicht  zufommmen  Eünnen.  So
bat  man  aud)  indgemein,  wie  vornehme  Berfonen,  fo  auf  20  und  mehr
Jahr  dem  Krieg  bepmohnen,  fagen,  an  den  Reutern  und  Soldaten
burchgehends  Feine  folche  Begierde  vermerkt,  ald  dißmalen  mit  fonderm
contento  gefeben  mworben.

Der  Rofa  Hat  in  feiner  Sluht  den  Guebrianifchen  Todten-Eörper
  aus  Rothweil,  jampt  vem  Wehymarifchen  General-Lieutenant
Tubabdel,  fo  allda  Frank  hinterblieben,  und  waß  foniten  von  vornehmen
Perfonen  darinnen  geweft,  wie  auch  bad  Gurkrianifche  Regiment
        <pb n="85" />
        69

mitgenommen,  und  bargegen  zu  dem  barinnen  verbliebenen  Würtems
bergifchen  Regiment,  ein  Krangöflfches  Regiment,  de  Galgre,  ba&amp;amp;
Irlandifche  und  alt  Schottijche,  ingleichen  der  von  Flerfheim  und
Ligau,  Teutfche  Regiment  hinein  gelegt,  welche  6  NRegimenter,  ohne
die  Kranken,  noch  über  die  2000  Mann  gemwefen.  Er  Rofa  aber  ift
durch  den  Schmargmalb  das  Kinkinger-Thal  hinunter  nad)  Breyburg,
und  alfo  die  Blüchtigen  endlich  zu  Neuburg  und  anderen  Orten  über
Nhein  gangen.  Die  Gefangenen  bat  man,  weil  deren  unterfchiedlicher
Drten  und  Guarnifonen,  ald  zu  Sigmaring,  Pfulenvorff,  Villingen,
Möpfirch  und  anderer  Orten  fehr  viel  einfommen,  nod  zur  Zeit  fo
gar  gründlich  nicht  wiffen  Eünnen,  würde  fich  aber  behläufig  die  Anzahl
folcher  Gefangenen  mit  Einfchluß  deren,  fo  man  nachfolgender  Maffen
in  Recuperirung  Rotweil  befommen,  zum  wenigften  auf  7000  belauffen.
  Nod  viel  weniger  fan  umn  noch  zumal  die  Anzahl  ver
Todten  (welche  auch  nicht  gering  ift)  wiffen,  weil  ver  Yeind  an  fo
viel  unterfchieblichen  Drten  angegriffen,  und  in  der  Wlucdht  vertilgt
worden.

Donner&amp;amp;tags,  den  26  Novembris  ift  der  Auffbrudh  von  Tutt«
lingen  befcheben,  und  der  Zug  gleich  auff  Rotweil  zugangen,  darvor
die  Armada  bed  folgenden  Tags  anfommen,  wie  dann  die  zwmo  Bor--ftäbte
  bald  erobert,  und  dann  die  Stadt  auff8  hefftigfte  fomol  mit  dem
EhursBapyerifchen  ald  des  Keindes  Stücken  befchoffen,  auch  damit  eine
ziemliche  brescia  gemadht  worden.  Lind  hat  man  fein  ander  Intent
gehabt,  ald  obgedachten  darin  befindlichen  Veind,  gleichwie  bie  andern
zu  Tuttlingen  und  Möringen  auf  Gnad  und  Ungnad  anzunehmen.
Der  Würtenbergifche  junge  Herbog  Friedrich,  ald  Commendant,  hat
zwar  einen  reputirlichen  Accord  begehrt,  fo  ihme  aber  gänglichen
abgefchlagen  worden,  jeboch  ift  auff  ver  Geiftlidden,  auch  ex  parte
deren  von  der  Burgerfchafft  hberaudgefchickten  Perfonen,  vor  die  arınen
unfchuldigen  Bürger  und  Baurfchafft  inftändiges  Bitten  Ihre  Durch-Taudht
  de  Hertogd  von  Lothringen,  und  der  behven  General:  %elbmarfchallen
  Intention  fo  weit  gemittelt  worden,  daß  dem  Kerkog  von
MWiürtenberg  und  allen  in  der  Stadt  gehabten  Offizierern  biß  auff  ven
Telpmebel  und  Sergeanten  exclusive  von  obbefagten  darinn  gemwelenen
6  Megimentern  ver  Abzug  mit  ihrer  der  Officierer  Bagage  zugelaffen
worden.  Die  andern  gemeinen  Offlcierer  und  Solvaten  haben  ich
        <pb n="86" />
        70

mit  ihrem  Gewehr  und  beim  Yahnpfein  zu  ber  Generalität  Disposition
ergeben  müßen,  deren  jidh  nebenft  etlich  Hundert  Befchäbigten  und
Kranken  an  gefunder  Mannfchaft  nod;  in  2000  Mann  befunden,  telche
bieffeitö  unter  die  Reginienter  geftoßen  worden”).

*)  Gleich  am  Tage  nach  der  Befeßung  von  Tuttlingen  wurben
2000  Munn  Efaiferliher  Truppen  nad)  Nottweil  vorausgefendet,  um  biefe
Stadt  einzufchliegen.  Am  27.  November  folgten  die  übrigen  Truppen
nad.  Im  Rottweil  führte  der  Herzog  Friedrich  von  Württemberg  ben
Dberbefehl  über  die  ungefähr  2000  Mann  flarfe  Befapung,  bie  aus
Brangofen,  SIrländern,  Schottländern  und  Deutfchen  beftand  und  durd
die  Vorfälle  bei  Tuttlingen  ziemlicdy  muthlos  gewvorden  war.  Zudem  waren
die  Vorräthe  von  Mehl  und  Brod  an  die  Truppen  abgegeben  worden  und
das  Spital  war  mit  über  500  ausgehungerten  und  Franfen  Srangofen  ans
gefüllt,  für  welche  der  Feine  Neberreft  von  Lebensmitteln  in  Anfprud
genommen  Wurde.

Die  einzige  noch  brauchbare  Mühle  bei  der  Kabenfleig  wurbe  von
dem  Feinde  gleih  nad  dem  Eintreffen  durd,  Gefchüßfeuer  zerftört  und
der  ganze  Pulvervorratly  in  der  Stadt  beftand  nur  noch  aus  30  Gentnern.
Die  Belagerer  richteten  am  28.  November  ein  lebhaftes  Gefchüßfeuer
gegen  das  Kabenfteigthor  und  am  29.  November  gegen  das  Author;  von
der  Stadt  aus  wurde  diefes  Yeuer  erwidert,  bis  der  Pulvervorrath  beis
nahe  ganz  aufgebraucht  war.  Nun  glaubte  Herzog  Sriedrich,  nicht  mehr
im  Stande  zu  fein,  einen  Sturm  abfchlagen  zu  fönnen,  und  trug  Abends
un  8  Uhr  bie  Webergabe  an;  weil  ihm  aber  nur  Ergebung  auf
Gnade  und  Ungnade  zugeftanden  werden  follte,  entfchloß  er  fich  zu  ferne:
rem  Miderftande,  otgleich  ihm  erklärt  worden  war,  daß,  wenn  er  fi
nicht  unterwerfe,  er  fich  felbft  zugufchreiben  habe,  wenn  er  noch  fchlims
mer  behandelt  werde,  als  bie  in  Tuttlingen  gefangenen  Generale,  unb
man  ihn  noch  zwingen  werde,  auch  Hohentwiel  zu  übergeben,  ba  es  wol
befannt  fei,  daß  diefes  von  ihm  abhünge.  Der  Herzog  verfammelte  bie
finmtliche  Offizieren  und  theilte  ihnen  vorftehende  Erflärung  mit;  fie  ver:
fprachen  anfünglih  einmüthig,  bei  dem  Herzoge  bis  auf  das  Neußerfte
auszuhalten,  wurden  aber  bald  in  diefem  Entfchluffe  wanfend  und  beauf:
tragten  einen  Oberftlieutenant,  biefen  zu  fragen,  ba  €8  doch  vor  Augen
liege,  daß  fie  verloren  feien.  Es  hatten  nämlich  unterbefien  die  Belngerer
die  Befchießung  der  Stadt  fortgefeht  und  namentlih  am  1.  December
aus  vier  Batterien  das  obere  Author  und  den  Bodshof  (den  jegigen  Kirch:
hof)  unaufhorlich  befchoffen,  und  mwaren  im  Begriffe,  die  noch  ftehen
gebliebene  obere  Auvorftadt  zu  flürmen,  als  ber  Herzog,  ber  fih  eben
darin  befand,  den  Befehl  ertheilte,  fle  zu  verlaffen,  worauf  fie  abgebrannt
        <pb n="87" />
        71

Erzeigt  fich  alfo,  daß  dem  Keind  in  erzählten  Occasionen,  befag
diefer  gründlichen  Relation,  bald  auffeinander  in  allem  auff  bie  etliche
und  dreifftg  Regimenter  zu  Roß  und  zu  Fuß  rulnirt,  die  übrige  aber,
fo  noch  in  der  Slucht  davon  fomımen,  ebenmäßig  mercdlich  gefehymwächt
worden.  Auff  diefer  Seiten  find  vor  Rothmeil  ein  Hauptmann  mit
etlichen  Solvaten  todt  geblieben,  auch  obgebachter  General»  Quartiers
meifter,  und  Oberfter  von  Holg  in  der  Iinfen  Seiten,  doch  ohne
Lebendgefahr,  mit  einer  Kugel,  und  fonft  2  Hauptleute  mit  etlichen
wenigen  Soldaten,  verwundet  worden.

Ermeldete  Stadt  Rotmeil  bat  man  alöbald  mit  dem  Ehurs
Baperifchen  Obriften  NRuyer  und  genugfamer  Mannfchafft  befegt,  und
ift  zugleich  in  befagter  Stapt  viefed  Succeßed  halben,  Wreytagd  den
4.  Deceniber  dad  Te  Deum  laudamus  gefungen,  auch  fomwol  aud  den
ChurzBayerifihen  ald  denen  vom  Beind  eroberten  Stüden,  ımb  zus
malen  von  der  gangen  Armada,  zu  der  hächften  Ehre  Gottes  vreymal
Salve  gefihoßen  worden.

E8  befinden  ftch  vornehmlich  unter  den  Gefangenen:
Generallieutenant  Graff  von  Rankau.

Le  Baron  de  Byrob  Affe  drei  Seldmarfchalle  von  der  Rankauie
Marquis  de  Normantier  |
Shen  Armava.
rn  „,  Maugiron
&amp;gt;»   »  Monculier,  Feld-Marfchall  von  ver  Guebrianifchen  Armada.

wurde.  Durch  den  Mangel  an  Pulver,  die  Stimmung  der  Offiziere  und
die  Angriffsanftalten  des  Feindes  fah  fich  der  Herzog  genöthigt,  die  Unter:
bandlungen  wieder  anzufnüpfen.  Cs  gelang  ihm,  am  ?.  December  freien
Abzug  für  fi  und  fämmtlihe  Offiziere  bis  zum  eldivebel  mit  ihrem
Sepäde  zu  erlangen,  fir  die  übrige  Mannfchaft  aber  nicht.  Noch  an
bemfelben  Tage  Mittags  12  Uhr  zog  der  Herzog  ab.  Alles  Abmwehrens
ungeachtet  wurden  bie  abziehenden  Offiziere  gegen  bie  Beflimmung  der
Uebereinfunft  ausgeplündert.  Die  gut  bewaffnete  und  gefleivete  Mann:
fhaft  wurde  von  ben  Generalen  Mercy  und  Hapfeld  auf  dem  Bodshofe
gemuftert  und  dann  unter  bie  bayerifchen  und  Fatferlihden  Regimenter
gefteft.  Die  Belagerer  hatten  an  Tobten  nur  einen  Hauptmann  und
einige  Soldaten  verloren.  Der  Generalquartiermeifter,  Oberft  von  Holz,

zwei  Hauptlente  und  einige  Soldaten  waren  vertuumdei  wmorben.
Martens  p.  450,  451,  452.
        <pb n="88" />
        72

Dehm,  Kriege-Nath3-Director,  und  Obrifter  bey  dem  Wenmarifchen
Sorpß.

Schönbef,  General-:Major  von  dem  Wehmarifchen  Corps.  SObrifler
Klug,  Sommandant  von  der  Wenmarifchen  Urtilferia.

Obrift  Chambrer.

Dbrift  Foleuilfe.

Dbrift  Kolhap.

Obrift  Notthafft.

Ein  Schottländifcher  Obrifter  Obrift  Tiffel.

1  General-Ouartier-Meifter,  fampt  feinen  2  Leutenanten.

ı  General-Brofoß.

1  Commissarius,  fampt  den  Zahl  Ampts-PBerfonen.

7  Obrift  Leutenants,  darunter  2  Marquis  de  Vitri.

4  Dbrifte  Wachtmeifter.

90  Rittmeifter  und  SHauptleute,  darunter  25  von  der  Königin  in
Srandreid,  beyden  Leib-NRegimentern  zu  Roß  und  Buß.

98  KReutenant.

52  Kahndrich  und  Eornet.

Der  gemeinen  Dfficierer  eine  große  Anzahl,  und  ivie  obgemelbet,
der  gefangenen  gemeinen  Soldaten  ungefähr  bey  7000.  So  ift,  mie
vor  angeregt,  der  Feinded  gange  Artillerin  fampt  aller  Zugehör,  ingleichem
  alle  Bagage  und  eine  groffe  Anzahl  Cornet,  Stanvarten  und
Yähndel,  fo  in  ver  Eyl  nicht  alle  zufanımen  zu  bringen  geweft,  erobert
worben.

Bon  diefer  ftattlihen  Viktorl,  Todten,  Gefangene,  Berwuns
deten,  Beuten  und  vergleichen,  meldeten  andere  auff  folgende  Manier:

Dem  Comte  de  Guebrian  (fehrieben  fie)  ift  für  Rothweil  ein
Arm  abgefchoffen,  woran  er  in  befagtem  Rothimeil  geftorben.  Geftalt
dann  aud)  General  Tupadel  darin  fehr  Frank  zurüc  blieben  ift,  daß
einig  und  allein  Generalmajor  Rofa  davon  fomnten,  der  Marquifen
und  Gadet8  find  mächtig  viel,  und  der  geineinen  Soldaten  mohl  bey
4000  Mann.  Bon  den  Todten  Fönnte  man  nichts  Bewiffes  wißen,
alfdierveil  in  loco  principali  wenig,  und  nicht  viel  geblieben.  Uber
fonjten  in  dem  Einfall  ift  e&amp;amp;  ziemlich  fharff  hergangen;  tie  dann  unter
andern  der  Obrift  Arbt  und  des  Garvdinald  Mazarini  neues  Regiment
big  auf  einen  Mann,  alles  niedergehauen  worden:  Welches  etliche.
        <pb n="89" />
        73

Hohe  Dffizierer  barum  bebauret  weilen  viel  fürnehine  Leute  darunter,
und  biefed  ein  alt  Spanifched  Regiment  vun  2000  Mann  gemefen,
welche  alle  von  ben  Srankofen  für  Lerida  im  Spanifchen  Treffen  gefangen,
  und  dem  Cardinal  Mazarini  zu  feinem  Negiment  worden,
auch  ohne  allen  Zweifel  bey  den  Chur-Bayerifchen  fämptlich  verblieben
wären.  Ueber  diefes  ift  der  Königin  Negiment  auf  folche  Weife  auch
fertig  gemacht  worden,  ingleichen  ift  e8  mit  den  Quarbin  ergangen.

Die  Beute,  fo  in  dem  Städtlein  befommen  worden,  war  groß
und  mächtig.  Nemlich  an  baarenm  Geld  ein  Monat-Sold,  vhne  vie
Particular-Provisiones.  Item  waren  fürhanvden  mehr  ald  100,000
Eronen  an  Silbergefhirr,  über  die  Maffen  ftattliche  Pferde,  deren
etliche  Stück  zu  1000  Reichäthalern  aestimirt  worden,  barbey  nod)
mehr  anfehnliche  Kleynodien  und  Kleider  fürhanden  gemefen.  Zu
welchem  allem,  fo  die  Summa  ver  NRankion-Gelder  von  fo  vielen
Generald-PBerfonen,  Obriften,  DOffizierern  und  Soldaten;  item  Stüde
Amunition,  Bagage-Wägen  und  dergleichen  gefchlagen  werben,  muß
folche®  ala  ein  madytiged  Stück  Gelder  nothmendig  betragen.  Worauff
der  Auszug  an  befagtem  Tage  Nachmittags  um  1  Uhr  befchehen,  wor
bey  zwar  die  audztehende  Bagage  in  etwas  Schaden  gelitten,  uns
erachtet  der  Yeld-Marfchall  derentwegen  etlidhe  Soldaten  nieder
fhießen  Tajlen.

&amp;amp;3  murbe  aber  dafür  gehalten,  daß  die  fo  eylfertige  Ergebung
anders  nichts,  dann  der  Abgang  Kraut  und  Toth8  verurfadht.  Ia
e8  hätten  Ihre  Vürftliche  Gnaben  einen  dergleichen  Accord  nicht  leicht
erhalten  mögen,  va  fte  nicht  zuvor  foldye  tapffere  Gegen-Wehr  gethan,
und  die  Resolution  gefaßt,  nacht  Erbieten,  viel  lieber  mit  vem  Degen
in  der  Kauft  zu  fterben,  al  in  dasjenige,  mad  man  Ihro  Anfangs
zugemuthet,  einzumilligen.  Dann  bviefes  Ihrer  Bürftlichen  Gnaden
Valor  mit  Ruhm  vermebret,  daß,  ob  zwar  in  einem  einigen  Iage  über
900  Schüffe  aus  Stüden  auff  fie  befchehen,  gleichreol  die  gemachte
Brefche  tevedmal  mit  guter  Orbnung  verbollwerdt  worden.  Unter
den  gemeinen  Soldaten  haben  fi  biß  auf  1000  Gefunde  und  etliche
Kranke  befunden,  wo  fih  unterftellen  müßen,  und  alle  Bäbnlein,
nebenft  andern  befinitiven  zu  laßen  gezwungen  worden.
        <pb n="90" />
        74

—  —_  —_-  un

T,

Mehrer  Bericht
oder
Schreiben  auf  Duttlingen,  vom  25.  Nouembrig  Anno
1643.  wie  ed  mit  dem  ben  24  eiusdem  gethanen  Einfall
  auff  die  Bransgöfifhe  Armee  hin:  und  wider  hergangen,
  fampt  einer  Berzaichnuß  der  fürnembften  Gefangnen,
  Studen,  vnnd  der  Artolleria.

Den  Herrn  auisiere  id)  hiemit,  daß,  nach  dveme  die  Bnferigen,
geftern  allhier  ohne  verlueft  einiges  Mannes,  de  Keynds  Stud,  dabey
zu  Roß  und  Bueß  vber  40  Mann  nicht  gewacht,  erobert,  und  bie
©rneralöperfohnen  in  Die  Statt  Duttlingen  eingefchloflen,  Haben  fich
beut  alle  auff  Hernach  gefebter  Lista  auff  Onab  und  Dngnad  erges
ben,  welche  dann  fambtlic  auff  Tübingen  geführt,  onnd  dahin  mit
809  Pferdten,  vunnd  hundert  Mann  zu  Bueß  Eonvoyrt  worden.
Bber  vi  bat  der  Obrifte  Spore  10  Megiment  Reuter  ond  drey  Bris
gatten  zu  Bueß  verfolgt,  diefelbe  bey  Blumberg  angetroffen,  dad  Zuehs
vol  maiftens  nivergemacht,  viel  von  denn  Meutern,  darunder  aud)  ein
Scottlänpiichen  Obriften,  neben  fiben  Stanvarten  gefangen  ond  ein«
gebracht.  So  hat  Feld  Marfchall  Habfeldt,  und  Merch,  den  ganken
nord;  oberigen  Vranzöfifden  in  dad  Stättlein  Mehringen  zufamben
geflehneten  Succurd  zu  Fuß,  neben  einer  anzahl  Meuter,  befchloffen,
welche  td)  auch  auff  Onad  und  Bngnad  ergeben,  vem  bey  2000  biehero
gebracht  worden,  ohne  was  Bnfere,  die  Kayferl.  ond-Loihringifche
vor  Mebringen  gemwelte  Regimenter,  nicht  in  geringer  Anzahl  zu  fich
gefangen  genommen.  $Herr  General  von  Wörth  Hat  den  Mofa,  der
auch  auff  3000  Pferpt  wenigft  bey  fich  gehabt,  vnd  in  Mühlhaimb
Togirt  ware,  zwo  Stund  verfolgt,  und  hat  fich  gegen  Rottweil  ober
den  Schwargwald  retirirt.  Kerr  General  Wachtmaifter  Merch,  bat
vergangene  Nacht  auch  vil  Gefangne  eingebradt:  Widerumb  bat
Herr  Obrift  Epp  das  Mazzarinifche  Regiment  zu  fueß  und  vile  andere
nivergehaut:  Bon  vnverfihienlichen  Negimentern  haben  fich  theils
Völder  in  Schweiß  reterirt.  Ift  alfo  alle  Pagagte  vom  Keynd  im
Stich  gelaffen  worden,  vnd  nicht  ein  Wagen  retterirt,  fondern  alles
von  den  Soldaten  geplündert  worbden.  Dep  Rofa,  Ohembs,  vund
        <pb n="91" />
        75

anderer  hohen  Offlciern  In  Duttlingen  geweften  Sramwen,  bat  man  mit
ihren  Gutfchen,  vond  mad  fle  parauff  laden  Eönnen,  abziehen,  onnb  biß
Schafhaufen  durh  Herrn  Obriften  Trudmüller  Convogren  laffen,
was  vom  Feynd  an  Studen  vnd  Artollerimägen  erobert  worden,  ift
hie  unden  zufehen,  ond  alfo  difes  Feynds  Armee  gang  ruinirt,  warüber
wir,  fo  vil  mwiffentlih,  vber  6  Mann  nicht  verlohren.  Der  Guebrian
ift  geftern  in  Rottweil  geftorben.  Morgen  laffen  Ihr  Durchl.  foldyen
Drth  berennen,  hoffen  wir  wöllen  denfelben  mit  ihren  aignen  geweften
Stufen  bezwingen.  Dem  Rofa  fünnen  Sie  wol  die  Schuld  ihres
Bnglüds  geben,  dann  wir  bey  feinem  Quartier  Mülheimb,  nur  drey
viertel  Stundt  mit  der  gangen  Armee  vorbey  mardhiert,  haben  Dnfer
nicht  gewahr  worven,  fo  fleißig  hatte  Rofa  die  Wachten  beflelt.  Bber
60  Maul  Efel  feyn  von  onderjchiplichen  Negimentern  erobert  worden.
Datum  Duttlingen,  ven  25.  Nouembr.  1643.

Lista
der  Gefangenen,  fo  vom  Peynd  zu  Dutlingen  den  24  Nouembris,  in
der  Kayf.  vnd  Chur  Bayrifchen  Gewalt  gebracht  worden,  ıc.

General  Reutenant  Graf  von  Ranpam.
Seld  Marfchall  Sreiherr  von  Sprott.
„  „  Marggraf  von  Nairmentier.
n  „  n  ‚„  Maugiron.
Darggraf  von  Montoisier.
Dep  General  Wachtmaifterd  Sreyherrn  von  Eschelle,  Comitat,  und
aller  ihrer  Zugehör.
General  Major  Schönbed.
General  Obemb.
Faisolle  de  la  Niandiere,  Richter,  ommiffarien,  Controliers,  Brofoß
fampt  ihren  ITrabanten.

Don  der  Veuterey.
Bon  der  Königin  Megment.

Nittinaifter  de  Frages,  Baileul,  de  l’Estanges,  du  Bourg.
Reutenant  de  Marzel.
Gornet  de  Cannauare,  de  Maine.
        <pb n="92" />
        176

Megim:  Ouartiermaifter  de  la  Coste,  de  la  Pierte.
10  Gaunflierd  onnd  ein  Trompeter  von  gemeltem  Regiment.
Außlandifce.
Der  Obrift  Notthafft.  Deb  Rankamw  Obrifter-Leutenant.  Gemelten
Regiments  Veloprediger.  Gemelten  Regiments  Quartiermeitter.
9  Sauallieri  unnd  ein  Trompeter  von  gedachten  Regiment.
Bom  Schottifhen  Regiment  der  Leibquarpdi.
Der  Obrift  Leutenant.  2  Sauptleuth.  2  Leutenant.  2  Vendrich.
Dep  Maiors  Adiutant.  I  Wachtmaifter.
Bom  Kolbafifhen  Regiment.
Der  Ohrifter.  Der  Wadhtmaifter  Obrifter.  Der  Regiments  Quartiermaifter.
  Ein  Schottländifcher  Obrifter.
Dfficier  vom  Leib  Regiment  zu  Fueß.

Sauptmann  de  Bois  Dauid,  de  Ponser,  de  Vidermont.
Reutenant  de  la  Erite,  de  Couroilles.

%endrich  de  Ville  neufue.

8  Wachtmaifter  gemelten  Regiments.

Bon  dep  Obriften  de  Cundy  Regiment.
Der  Obrift  Zeutenant.  Der  DObrift  Wachtmaifter.  1  Leutenant.
Bon  dep  Obriften  von  Soleruille  Regiment.

1  Eapitain.
2  Leutenante.

Bon  dep  Obriften  von  Foularton  Regiment.
1  Leutenant.
Bon  deß  Öbriften  de  Guieche  Regiment.
1  Hauptmann.

Verzeichnuß  der  Stu  und  Wägen,  fo  vom  KYeynd
befommen  worden.

Obrifter  Slueg  von  der  Artolleria.
2  halbe  Barthaunen.
2  darzu  gehörige  Rauetten.
        <pb n="93" />
        77

1  Singrein.

2  Schlangen.

4  Kurbe  Falconen  in  jhren  Lauetten.
1  Pöller  in  feinen  Rauetten.
32  Munition  Wägen.
20  Kugl  Wägen.

13  Karrn.

8,

Belation*)  exactement.

Veritable.

De  la  desfaicte  de  l’Arme&amp;amp;e  Frangoise  composee  des  gens  de
Winmare  soubs  le  commandement  du  Comte  Guebriant  Mareschal  de
France,  et  des  trouppes  conduittes  par  le  Comte  Rantzau  Lieutenant
General.  Par  l’Armee  Imperialle  de  Bauiere  assistee  du  Secour  de
S.  A.  Loraine,  et  du  Comte  de  Hatzfeld  General  pour  le  seruice  de
la  Maieste  Imperiale.  A  Tuitling  et  lieux  voisins  le  24”°  et
25°  Nouembre  dernier  168.

Joincte  a  la  reduction  de  Rotwille.

Cette  Armee  que  la  France  tenoit  bastante  de  faire  des  nouueaux
  progr&amp;amp;s  en  Allemagne,  a  faict  voir  que  les  forces  de  la  terre
ne  sont  que  des  foibles  iouäts  de  fortune,  quand  elles  ne  sont
secondees  des  faueurs  du  Ciel.  Apres  la  conionction  de  ces  deux
corps  amassez  des  enuirons  de  Dachstein,  et  assortis  des  munitions
et  autres  aduantages  tirez  de  Strasbourg,  et  des  places  de  l’Alsace,
il  sembloit  quet  rien  n’arresteroit  le  cours  de  leur  entreprise;  mais

*)  Diefe  faft  zu  gleicher  Zeit  mit  der  bayerifchen  erfchlenene  Ne:
Tation  jcheint  mit  geringen  Abweichungen  eine  Meberfegung  der  erfteren
ju  fein.  Anm,  bes  DBerf.
        <pb n="94" />
        78

—

les  disgraces  qui  les  ont  costoiez  depuis  qu’ilz  eurent  passe  le
Rhin  au  commencement  de  Nouembre,  deuoient  leur  seruir  de  presage
  du  desastre  finale,  qui  a  mis  leurs  armes  en  desroutie,  et
leurs  desseins  a  neant.  L’extrordinaire  rudesse  de  la  saison  les  a
extremement  des  fauorize  tant  exdestroicts  de  la  Noire  forest,  par
ou  il  leur  a  faillu  passer,  quau  siege  de  Rottuille,  Ville  Impgriale,
la  ou  les  neiges  et  frimats  les  ont  aussy  puissament  combattu  qup  leg
frequentes  sorties  des  assiegez,  lesquelz  en  fin  furent  contraints  de
se  rendre  auant  l’arriuee  du  secour,  le  28  de  Nouembre,  a  conditions
  assez  fauorables,  si  la  desloyaute  des  Assiegeants  ne  les  eust
iniustement  oiolees.  Pendant  ce  Siege,  qui  a  dure  quinze  iours,
les  rencontres  des  parties  Imperialles  de  Bauieres  qui  battoient  continuellement
  la  campagne,  n’ont  pas  manque  d’estre  les  aduat  courreurs
  de  la  desconfite  generalle:  la  plus  remarquable  arriua  le
septiesme  du  mois  susdit,  Le  Colonel  Sporck  de  l’armee  de  Bauiere,
  aiant  recognu,  que  Rosa  Sergent  de  Bataille  estoit  command&amp;amp;
pour  s’emparer  de  la  Ville  de  Balingen  et  pris  ses  logis  au  bourg  de
Geislingen,  saduanga  la  nuict  n’aiant  que  530  cheuaux,  auec  tant  de
bon  heur  et  de  courage,  qu’estant  fauorize  de  l’obscurit&amp;amp;  des  tenebres,
  il  surprit  quatre  Regiments  de  Cauallerie,  sgauoir  celuy  du
dit  Rosa,  tout  au  nombre  d’onze  cent  cheuaux,  meit  le  feu  au  boyrg,
de  sorte  qu’une  bonne  partie  des  hommes,  cornettes  et  cheuaux
demeurerent  dans  cet  embrazement,  le  reste  fust  mis  en  desroute,
ou  faict  prisonniers  iusqu’au  nombre  de  deux  cents,  sans  meltre  en
ligne  de  compte  les  300  cheuaux  qu'il  y  gaigna;  Rosa  sesant  a  peine
saune  au  chasteau  du  dit  bourg,  et  peu  apres  retourne  a  l’armee
aecompagne  de  fort  peu  de  gens,  auec  irois  Estendarts  seulement.
Cette  disgrace  fut  suiuie  de  la  bressure  du  Comte  de  Guebriaat  au
Siege  de  Rottuille,  la  ou  aiant  eu  le  bras  droict  emporte,  il  rendis
lEsprit  le  24  du  dit  mois  sur  les  six  heures  du  soir,  au  mesme
tomps  que  don  estoil  a  poursujiure  le  debris  de  ses  gens.  Le  mesme
sirge  a  laisse  des  ses  enseignes  au  Sieur  de  Rocque  Seruiere
Mareschal  de  Camp,  par  une  mousquetade  quil  y  a  regeu  ä
l’espaule.

Apres  la  prise  de  Rottuille,  et  les  ordres  doennez  pour  la
garnizon,  et  dispositions  necessaires  a  la  defense,  l’Armee  Frangoise
        <pb n="95" />
        79

aiant  prise  la  route  du  Danube,  s’ulla  rendre  a  Tutlingen,  Cependant
  le  secour  de  S.  A.  de  Lorraine  grossy  de  six  Regiments  de
Cauallerioe  de  Lambois  (celuy  de  Hatzfeld  n’estant  plus  guieres
esloigne)  auoit  ioinct  l’armee  Imperialle  de  Bauiere  proche  de  Balingen
  quartier  general,  la  ou  sa  dite  Altese  aiant  appris  la  marche
de  l’Ennemy  et  entendu  l’aduis  du  Sieur  Comte  Hatzfeld  general  du
secour  Imperialle,  et  du  Sieur  Baron  de  Mercy  Mareschal  de  Camp
des  trouppes  de  Bauiere,  elle  feict  promptement  marcher  l’armee
vers  la  Danube  a  dessain  de  deuancer  l’ennemy,  et  luy  couper
chemin.  Le  22  de  Nouembre  on  se  loyea  a  l’entour  de  Strasberg,
et  le  23  a  Sigmaring  au  bord  du  Danube.  Les  Courreurs  aianle
rapport&amp;amp;  la  posture  de  l’Ennemy,  et  quil  n’estoit  aduerty  de  la
routte  de  l’Armee  susditte,  la  dessus  fut  vnanimentent  conclu  de
passer  le  Danuabe,  et  d’aller  droict  a  Tutling  auec  resolution  d’y
venir  aux  maius.  A  ces  effect,  et  pour  auoit  moins  de  retardement,
on  renuoie  le  bagage  a  Rüdlingen  pres  le  Danube:  La  nuict.  suruenante,
  les  embaras  de  certains  passages  et  bois  d’entre  Meskirch
et  Tutlingeu,  par  ou  il  failloit  marcher,  et  l’absence  des  trouppes
de  Hatzfeld,  qui  n’estoient  pas  encore  arriuees,  furent  cause  qu’on
ne  put  se  rendre  qu’a  Meskirch,  la  ou  l’armee  gista  rangee  en  bataille.
  Sur  ce  on  apprend  des  prisonniers  que  l’Eanemy  auoit  sa
place  d’armes,  et  une  partie  de  ses  gens  ä&amp;amp;  Tuttling;  que  Rosa
s’estoit  aduance  a  Müllen  auec  vn  gros  de  Cauallerie,  et  que  la  plus
part  des  trouppes  Frangoises  estoient  logees  a  Meringen  et  Geislingen
  a  deux  petites  heures  de  Tutling,  mais  que  pas  vn  d’eux
n’auoit  laugue  de  la  marche  ou  dessain  de  l’Armee  Imperiale  de
Bauiere,  ny  de  celle  de  Lorraine,  non  plus  que  du  secpur  de
Hatzfeld.  Ces  rapports  aianis  confirme  la  resolution  prise  le  iour
auparauant,  on  faic  marcher  des  le  point  du  iour  sans  bruit  de
tambour,,  ou  s0@  de  irompete,  les  gens  de  Hatzfeld  qui  auient,  faict
diligence  iour  et  nuict,  esianis  arriuez.  Ce  pedant  les  aduis  des
prisonniers  que  les  parties  remenoient  alloient  conlinuanis  que
l’Ennemy  s’estoit  log®  pour  deux  ou  lrois  iours  sans  auoir  le  vent
de  cetle  Armee,  et  qu’on  auoit  ordre  de  se  prouuoir  de  viures  et
fourages  pour  eing  iours,  et  que  bon  nombre  des  gens  estoit  escart6
ga  et  ja  pour  en  amasser.
        <pb n="96" />
        80

Le  Baron  Jean  de  Werth  General  de  la  Cauallerie  de  Bauiere
aiant  mil  cheuaux  d’eslite,  les  dragons  commender  der  Wolf,  et
fix  cent  mousquetons  du  Regiment  Bauarois  sous  le  commandement
du  Colonel  Goldt,  fasoit  l’auantgarde:  La  marche  ne  put  estre  si
diligentee  qu’on  eust  bien  desire,  a  raison  des  destroicts,  par  ou  il
falloit  faire  filer  l’armee  et  le  Canon,  notamment  aupres  de  Neuhausen
  village  distant  du  quarlier  de  Rosa  d’vne  demic  heure  de
chemin,  et  en  vn  autre  passage  proche  de  Tuttling;  de  sorte  qu’on
ne  put  arriuer  audit  Tuttling  qu'a  trois  heures  apres  midy,  mais  si
couuerlement,  que  non  obstant  la  marche  des  escadrons,  le  cliquelis
des  Armees  et  hanissement  des  cheuaux,  l’Ennemy  n’en  eust  aucun
aduis.  Le  Ciel  y  contribua  fes  faueurs  faisant  tomper  vne  neige  si
dru&amp;amp;  ei  espaisse  qu’ele  ostoit  la  veu&amp;amp;  des  trouppes  a  l’Ennemy  qui
tenoit  le  Chateau  de  Homburg  sitae  sur  vne  colline  tout  proche  de
Tuttling  et  a  ceux  qui  estoient  es  enuirons  de  la  Ville,  et  particulierement
  a  la  garde  du  Canon  proche  d’vne  Chapelle  a  vn  coup  de
pistolet  de  Tuttling,  qui  estoit  en  fort  petit  nombre.  L’occasion  se
presentant  auec  tant  d’auantage,  non  obstant  que  le  corps  et  i’  arriegarde
  estoient  encore  assez  esloignez,  l’auantgarde  ne  laissa  pas
de  donnet  sur  le  Canon  ct  faire  aduancer  treute  Crabats  du  Regiments
  de  Truckmiller  soustenus  du  Colonel  Wolf  et  de  ses  dragons
et  du  Colonel  Epp  de  l!’Armee  de  Hatzfeld,  lesquels  s’estans  d’abord
rendus  maistres  du  Cemeliere  et  du  Canon  de  I’Ennemy,  feirent
main  basse  sur  la  garde,  pendant  que  le  reste  de  l’auantgarde
arriuee  prend  son  post  au  derrier  du  Canon  el  a  l’entour  du  Cemetliere,
  auant  que  le  gros  de  l’Ennemy  en  eust  le  vent,  sinon
apres  quelques  coups  de  Canons  tirez  sur  la  Ville,  ä  dessain  d’alarmer
  l’Ennemy  et  l’amasser  par  ce  signal  pour  se  rendre  au  quarlier
general,  affıin  d’en  auoir  d’autant  meilleur  marche.  Au  mesme
instant  la  Cauallerie  inuestit  la  Ville  en  sorte  que  personne  n’en  put
sortir,  et  le  Baron  de  Mercy  Mareschal  de  Camp  aiant  commande
Holtz  general  quartiermaistre  de  prendre  les  aduenuäs  du  Chateau
de  Homburg,  faict  approcher  le  Colonel  Gold  quant  a  son  Regiment
d’Infanterie,  aueo  ordre  de  s’en  rendre  maistre:  Le  tout  effectud
sans  perdre  vn  seul  hamme,,  non  plus  a  la  prise  du  Chasteau  (la  ou
ceux  de  dedans  furent  faicts  lous  prisonniers)  qu’a  celle  du  Canon,
        <pb n="97" />
        81
non  obstant  que  ledit  Chasteau  fust  assez  fort  pour  attendre  le
Canon  et  soustenir  vn  bon  assaut.  Entre  temps  le  reste  de  l’armee
arriue  se  faisit  des  deux  riuages  du  Danube  et  du  Camp  de  l’Ennemy,
en  sorte  que  ny  les  Francois  logez  a  Mering,  ny  Rosa,  ny  pas  vn
autre  ne  prouuoit  se  ioindre  au  secour  de  la  Ville,  sans  courir
resque  de  se  perdre.  Quoy  nonobstant  Rosa  feict  semblant  de  se
presenter  et  parut  la  nuict,  mais  voiant  la  resistance,  se  relira  plus
viste  que  le  pas,  auec  touts  ceux  qu'il  pust  traisner  apres  soy,
estant  poursuiuy  par  le  Baron  de  Mercy  Sergeant  de  Bataille,  lequel
tailla  en  pieces  trois  brigades  de  gens  de  pieds  rencondrez  proche
de  Müllen.  En  mesme  temps  on  faict  aduancer  le  Baron  Jean  de
Wert  auec  deux  mil  cheuaux,  sur  les  btisees  de  Mering  la  ou  la
plus  part  des  Regiments  Frangois  estoient  logez'.  Il  donne  la  chasse
a  dix  Regiments  de  Cauallerie,  les  met  en  desroute  et  en  pieces,  et
en  faict  quantit&amp;amp;  de  prisonniers:  Et  par  ce  que  la  plus  part  de  l’Infanterie
  Frangoise  s’estoit  fauu&amp;amp;e  a  Mering  (le  seul  Regiment  des
gerdes  de  la  Reyne  estant  reste  a  Tultling)  le  Colonnel  Epp  estant
commande  de  les  aller  arrester,  trouue  en  chemin  le  Regiment  Mazarin
  compos&amp;amp;  de  500.  Italiens  lesquels  s’estant  opiniatrez  d’assurer
la  fuite  de  la  Cauallerie  ,  il  les  feit  passer  par  le  fil  de  l’espee  horsmis
  quelques  officiers,  auxquelz  il  donna  quartier.  Iceluy  donc
aiant  apris  la  retraicte  de  sept  Regiments  Francois  dans  Mering,  en
donna  part  aux  Mareschaux  de  Camp.  Le  Comte  de  Hatzfeld  y  alla
en  personne,  mais  y  voiant  de  la  resistance,  il  les  feict  inuestir
par  les  Regiments  de  Kolb,  et  de  la  Piere  Bauarois,  et  celuy  d’Epp,
et  s’en  retourna  au  Camp,  le  Baron  de  Mercy  general  de  l’Artillerie
de  Bauiere,  receuant  ordre  d’aller  a  Mering,  et  le  Colonnel  Sporck
de  poursuiure  les  fuiards  de  la  Cauallerie  Ennemie  auec  mille  cheuaux.
  Le  gros  de  l’Armee  demeura  en  bataille  la  nuict  iusques  au
lendemain  25.  de  Nouembre,  auquel  les  Generaux  de  l’Ennemy
enclos  dans  leur  quartier  general  de  Tuttling  furent  contraincts  de
se  rendre  a  discrelion,  quand  a  grand  nombre  d’Officiers  de  qualitez,
  et  deux  Regiments  de  pied  scauoir  celuy  de  la  Reyne  et  celuy
de  Klueg,  comme  aussy  la  garde  des  Generaux,  gens  des  Cheuaux
et  les  Officiers  de  l’Artillerie.  Les  sept  Regiments  Frangois  refugiez
a  Mering  coururent  la  mesme  fortune:  Ils  ne  pouuient  d’abord  croire

6
        <pb n="98" />
        8A

qye  laur  quartier  General  fut  en  ai  mayuais  agtal;  AAis  apren  augqir
soygteuu  quelqyes  Goupgs  de  Ganoy  geigne  gur  leurg  gens,  ilz  86
rendirent  aygsy  a  diseretion  audit  Bargn  de  Meroy.

Pendant  quy’on  estait  a  les  receupir,  I&amp;amp;  Gelannel  Sparck  commandg
  a  chasser  les  fuiardg,  desfgict  dix  Regiments  de  Cauallerie
parlig  kaillez  gn  pieces,  partie  mis  en  fuille  el  gonfusion,  gaigna
kon  nomhre  de  prisapnierg,  entre  auytres  le  Colanyel  la  Chamhra  et,
pWsieyra  officiers  auea  hyiot  estandarig,  seauoir  celuy  dy  Regiment
da  la  garde  da  la  Reyne,  celyy  de  Bepaug,  trois  du  Marquis  de
Daurlach,  et  trois  aytres  de  Ranzau,  Les  anamg  des  Regiments  sent
cgux  cy.  La  Regiment  de  Dourlach,  de  Beze,  Rosvvuym,  Flecken.
stain  ei  Obem,  Nathaftt,  Ja  Chambre,  Ranzau,  Beugus,  et  la  Regr
ment  de  la  gard  de  la  Reyue.  Les.  cing  premiers  den  gens.  de
Weinmar,  les  ging  auires,  deg  Irguppeg  frangoiseg:  Quasi  la  guich
v’aust  mig  ces,  fyyards  a  Gouuert,  leur  Gauallerie.  aureit  4  pqu  pres
sanray  mesmg  kartung  que.  V'Infanterie,  et  fort  pey  se  gervient  fannez..
Tant  y  a  quelle  a  grandement  paty,  aiant  este  esoarlge  ga  at  la
et  miga  en  vne  holale  desroute,  ghacuy  prenant  lea  fuilte  quil  iugeoit
la  plug  gcure.  Rosa  ge  retira  a  Rotyville,  d’autzes  du  cosid  da
Blumberg  ,  d’antres  an  Suisse,  tqauie  sang  ordre  Qu  eondyicia,  de
maniere  que  les  paursuiyunts  en  degsirent  quankite  de  Brigaden,
gamme  les  paisans  aussy,  qui  ne  Mmanquerent  da  se  ielier  gur  GRUX
qua  la  fuikte  leur  presentait.  Qyand  ä  I’Inlanierig  a  peine  an  ash  il
rien  eschappe,  aiant  este  ay  faicte  prisonniere,  ou  taillee  en  pieces,
lea  ehamps  el  chemins.  parsemez  da  Igurs  sorpa  ei  de  cayx  de  1a
Canallarie.

Vigla  la  ogtastrophe.  de  getie  auhon  fragique,  et  la  fin  d’vne
si  puissgnle  armee,  que  Dieu  a  voylu  ruiner  a  |a  sorte,  ayec  l’egtonr
nement  de;  tout  le  monde,  particuligrement  des  Pzisanniers  Franggig,
lesqyela  ne  psuuent  asse4  admiret  yu’on  ayg  056  allconler  deyx
anmeeg  victoriguses,  dont,  l’vne  venoit  de,  gaigner  la  Jguznee.  de
Recroy,  lautre  estoit  encore  tgutte  enflee  de  la  desfaite  de  Lamboig,
touties.  deux  grosses  de  l’esperagce  quwelles  auoient  conceue,  de,
faire  leurg  quarliers  d’hiuer  bien  auant  en,  Allemagne.  Ce  qui  rend
este  Victoire,  plys  admirable,  C’est  que  Dian  I’a  donnee  sans.  augun
Gombat  ou  actign,  generalle,  sans  Qucune.  pelte  des  VYainqueugs,
        <pb n="99" />
        83

toutte  l’Artillerie  ei  hagaga  de  l’Ennemy  estant  demeure  aueo  vn
nombre  effroyable  de  prisoniers:  les  Dames  femmes  de  Generaux  et
d’autres  enfermees  a  Tutling,  aiant  este  par  courtoisie  canuoiees’  a
Schaffhaus&amp;amp;  par  le  Colonnel  Truckmiüller.  Apres  la  gloire  et  action
de  graces  qu’on  doibt  a  la  diuiue  bonte  d’vn  si  heurex  succ&amp;amp;s,  Il  en
faut  aussy  donner  la  louange  a  la  prouesse  et  iressage  conduiete  de
S.A.  da  Lorraine,  laquelle  a  l’honneur  d’y  auoir  emploie  sa  vertu
herosque  aussy  hien  que  ses  armes.  Les  deux  Mareschaux  de  Camp
y  oat  aussy  faiet  paroistre  leur  valeur  et  prudence.  Le  Baron  de
Wert  General  da  la  Cauallerie  de  Bauiere,  les  trois  Sergents  de
Rataille  Jean  Baron  de  Saradezki,  Caspar  Baron  de  Mercy,  et  Jean
Baron  de  Ruischenberg  s’y  son  tres  louablement  comporte,  comme
aussy  tous  les  Colonnels  et  Offciere,  et  notament  Holtz  General
Quartiermaistre;  lequel  aiant:  voe  particuliere  cognoissance  du  pais,
&amp;amp;  heurausement  addresse  la  marche  de  l’armee  par  les  bois  et  desiroicts
  que  l’Ennemy  oroioit  auoir  pour  sa  defense,  sans  qu’on  le
pust  aborder  de  co  coste  la.  C'est  la  verite  gas  toutte  l’armee
astait  ai  plains  de  resolution  et  de  oourage,  que  lea  plus  experts
fansanis  profession  de  armes  ıl  y  a  vingt  ans,  hny  donment  ce  tesmognaga
  de  nauoir  oneques  veu  tant  d’allegresse  et  de  desir  de
combattre,  de.  mode  que  sil  en  eust  faillu  venir  a  vae  bataille
rangee,  hsmminemeni  parlant,  la  Victoire  semblois  estre  assuree,
rien  n’alant  manque  que  la  resissance,  de  l’Ennemy  st  l’occasion  de
la  gaigner  aueo  plus  d’eschat,  Dieu  s’en  aiant  reserud  dea  autres  expedienta
  selon  l’ordre  de  sa  prauidence  et  inefable  bonte.  Rosa  se
retirärant  poux  aller  ioindre  de  debris  des  furards  es  enuirons  de
Nesbourg,.  ammena  de  Rotiuille:  le  Corps  du  feu  Comte  Guebriant,
es  Tubadel,  lequet  y  rasteit  malade,  quant.  auRegiment  de  Guebriant;
y  leissand  pour  garnizon  }  Jeune  Due  Friderie  de  Wirtenberg  Comnendast,
  aueo  son  Begimest,  et  celuy  de  Galgr&amp;amp;,  les  Regiments
&amp;amp;klrtande  et  d’Esoosse,  caluy  de  Flesskeim  et  Lizau  altemand  farsants.
  en  tout,  sans  y  compzxendre  les  malades  plus  de  deux  mil
hommes  effeolifs.  La  nombre  des  Gaptils  tent  de  een  que  l’ay
desia  mentioane  qu’autres  pris  a  Pfußendosfi,  Villingen,  Meskirch
e4  allieues,  y  oampranent:  aeun  de  Rotwville,  monte  a  plus  de  sept
mil  hommes.  On  n’a  encore  sgeu  banzement  apprendre  iz  quantite

6*
        <pb n="100" />
        des  morts,  pout  estre  demeurez  en  trop  de  lieux  erpars  ca  et  la  en
diuerses  rencontres.

La  Beduction  de  Rottuille.

Apres  ceste  vniuerselle  desfaicte,  l’armee  ne  voulant  point
perdre  de  temps,  partit  de  Tuttling  le  leudy  26.  de  Nouembre,  et
marchant  droict  a  Rottuille  arriua  a  la  veuä  de  la  Ville  le  lendemain,
et  s’estant  logee  dans  les  deux  faux  bourgs,  commenga  a  chaudement
  battre  la  Ville,  employant  le  Canon  gaigne  sur  l’Ennemy  et
celuy  de  Bauiere,  si  bien  qu’en  peu  de  lemps  on  vid  vne  bresche
suffisante.  On  auoit  intention  de  contraindre  les  affıegez  a  nıesmes
conditions  que  ceux  de  Tuttling,  de  sorte  que  le  Jeune  Dux  de
Wirtenberg  aiant  demande  vne  Capitulation  honorable,  fust  renuoye
usques  a  tant  qu'a  la  sollicitation  du  Clerge,  de  laBourgeoisie  et  des
Paisans  y  refugiez  et  pressez  par  menaces,  S.  M.  de  Lorraine,  el
les  deux  Mareschaux  de  Camp  mitigerent  leur  premiere  resolution,
luy  accordant  de  sortir  auec  les  officiers  de  la  garnison  iusques  aux
alfers  inclusiuement,  le  reste  se  rendant  auec  leurs  arappeaux,  a  la
dispostion  de  la  Generalite,  iusques  au  nombre  de  deux  mille,  non
compris  les  malades  et  blessez,  les  sains  ainants  este  distribuez
parmy  les  Regiments,  ou  on  les  a  faict  prendre  partie.

La  relation  precedente  fair  voir  qu’en  diuerses  Occasions,  de
compte  faict,  I’Ennemy  a  perdu  iusques  a  trente  Regiments  tant  de
Cauallerie  que  d’Infanterie,  Le  reste  que  la  fuitte  a  sauue,  aiant  este
mal  mene  et  fort  diminue.  Du  cost&amp;amp;  Victorieux  est  d’emeure  vn
Capitaine  auec  fort  petit  nombre  des  Soldats  deuant  Rottuille:  la  ou
le  Colonel  Holtz  a  receu  vne  legere  blessure  au  coste  deux  Capitaines
  et  fort  peu  de  Soldats  blessez.  La  Ville  ainsy  redue  a  este
pourueu&amp;amp;  d’vne  suffisante  garnizon  soub  le  commandement  du  Colonel
  Royer  de  l’armee  De  Bauiere:  La  resiouissance  de  tant  de  bou
heur  et  faueurs  d’enhaut,  celebree  par  actions  de  graces,  par  le
Te  Deum  solennellement  chant&amp;amp;  le  4.  de  Decembre,  auec  trois
diuerses  salues  de  tout  le  Canon  et  singuliere  deuotion  de  toulte
l’armee  &amp;amp;  l’'honneur  du  Dieu  des  armees,  et  treshumbles  prieres,
qu’il  luy  plaise  tourner  ceste  Victoire  a  l’achimenent  d’vne  bonne
paix  et  repos  de  la  Chrestiente.
        <pb n="101" />
        85

Liste  des  Captifn.

Le  Lieutenant  General  Comte  de  Ranzau.
Le  Baron  de  Syrot
Le  Marquis  de  Normantier
Le  Marquis  de  Maugiron
Le  Marquis  de  Moncolier,,  Mareschal  de  l’armee  de  Guebriant.
Le  Colonnel  Oehm  Conseilier  et  directeur  de  l’armee  de  Weinmar.
Schönbeck,,  Sergeant  de  bataille  de  Weinmar.
Le  Colonnel  Klueg  Commendant  de  l’Artillerie  de  Weinmar.
Le  Colonnel  la  Chambre.
Le  Colonnel  Foleuille.
Le  Colonnel  Kolhas.
Le  Colonnel  Notthaft.
Le  Colonnel  Tiffel.
Vn  General  Quartiermeister  et  ses  deux  Lieutenants.
Vn  premier  Preuost  de  Camp.
Vn  Commissaire  quant  a  ses  Officiers.
Sept  Lieutenants  Colonnels,  entre  iceux  deux  Marquis  de  Vitry.
Nonante  neuf  Lieutenants.
Cinquarte  deux  Alfers  et  Cornettes.
Grand  nombre  d’Officiers.
Enuiron  sept  mille  Soldats,
Toutte  l’Artillerie  et  Bagage.
Grande  quantite  de  Drappeaux  et  Estandaris  que  la  haste  n’a  encore
permis  de  metre  en  Liste.
A  Dieu  I’honneur  et  aux  hommes  la  Paix.

tous  trois  Mareschaux  de  camp  de  l’armee
de  Ranzau.

Betrachtungen  über  den  lleberfall  von
Zuttlingen.

Zu  den  Hauptunternehmungen  des  dreißigjährigen  Fries
ges  gehörte  das  fogenannte  „Duartierauffhlagen‘  ober
Meberfallen  der  feindlihen  Quartiere.  Bon  den  Schweden
im  Heinen  Mapftabe  ausgeführt,  erreichten  diefelben  durd  bie
Katferliben,  befonders  aber  dur  die  Bayern,  die  hödhjfte
Bedeutung.  Zu  foldhen  Unternehmungen  gehörte  ein  rafcher
        <pb n="102" />
        86

Entfhluß,  genaue  Loealfenntniffe  und  eine  fehr  verläffige  und
abgehärtete  Truppe,  welde  noh  überdieß  fo  leicht  ald  nur
möglich  zu  marfchiren  hatte,  indem  das  Angriffsobjert  mel
ftens  in  foreirten  Märfchen  erreicht  werben  mußte,  welde,
wenn  die  Truppen  nah  damaligen  Gebrauhe  ihren  zahlreihen
  Troß  mitgefhleppt  hätten,  nit  augzuführen  geiwefen
wären.  Das  befannte  Ervatenhaupt  SIfolani  führte  gar
mandyen  folhen  Coup  aus,  weshalb  er  aud  bei  dem  ärieb-[änder
  fo  in  Ehren  ftand.  Im  bayerifchen  Heere  zeichneten
fi)  befonvere  der  General  der  Reiterei  Jean  de  Wörth  und
der  Reiterobrift  Sporf  hierin  aus.  Erfterer  trieb  die  Cadıe
tim  großartigften  Style  und  war  im  Jahre  1696  nahe  daran,
die  frangofifhe  Hauptitadt  zu  überfallen,  was  jeboh  durd
die  Plünderungsfuht  feiner  Truppen  vereitelt  wurde.  Denn
während  fich  Diefelben  diefem  damald  fo  beliebten  Gefdhäfte
hingaben,  woran  fo  mande  gut  audgedahte  Unternehmung
fheiterte,  ermannte  fidy  der  erjihredte  Kardinal  Ridhelieu  wies
der  und  rief  das  BVolf  zu  den  Waffen,  weldhes  den  fühnen
Wörth  über  die  Eomme  zurüdwied.  Der  Lleberfall  von
Geislingen,  von  dem  wir  fon  in  der  erften  Abtheilung  ausr
führlide  Erwähnung  thaten,  gereiht  dem  Dbriften  Spork  zum
größten  NRuhme  und  dürfte  unter  gleichen  Berhältniffe  zur
Nahahmung  dienen.  Der  großartigfte  und  zugleih  mit  den
entidhiedenften  Solgen  verbundene  Leberfall  ift  unftreitig  jener
der  frangofifhh-  weimarifhen  Quartiere  an  der  oberen  Donau
durd  die  bayerifch  -  Eniferlich  «  [othringifche  Armee,  welder  zur
erften  Folge  den  DVerluft  faft  einer  ganzen  Armee  und  jenen
des  wichtigen  Plages  Rottweil  und  daburd)  zur  zweiten  Folge
die  Beendigung  eined  Feldzugs  hatte.

Als  man  im  bayerifhen  KHauptquartiere  zu  Balingen
von  den  ausgefhidten  Kundfhaftern  die  Nahridt  erhielt,
daß  der  Feind  nad  der  Einnahme  von  Rottweil  durd)  das
Spaihinger  Thal  gegen  Tuttlingen  marfihirt  fei,  um  vbafelbft
in  der  Umgegend  Erholungsquartiere  zu  beziehen,  melde  bie
dur  Kälte  und  Hunger  fo  herabgefommene  Armee  benötbigte,
jo  wurbe  dafelbft  Kriegsrath  gehalten,  weldem  außer  bem
Beldmarfhall  von  Mercy,  dem  Herzoge  Karl  von  Lothringen
        <pb n="103" />
        und  dem  für  feine  Derfon  im  Hättptgkartlet  erfhlenenen
Faiferlicyen  Felumärftyall  Grafen  von  Hapfelo  alle  fibrigen
Geterale  und  SObrtften,  worunter  befönders  det  biiherifche
Generalguartfermeifter  Oberft  von  Holz  zu  erwähnen  dft,  betwohnten.
  Demzufolge  fourve  der  Beichlug  gefußt,  dem  Feinde
nicht  auf  dem  Fuße  hadgufolgen,  fondern  gegen  Eigmafingen
zu  marftdiren  und  fi  des  dafeldft  befindiidyen  Donauübere
ganges  za  bemäkhtigen.  Zu  piefem  Zrede  bradı  bie  bayeris
fhe  Arihee  am  22,  Novenider  von  Balingen  Auf  und  mars
fhirte  ben  erften  Tag  über  Ehingen  bis  Stradberg,  wofeldft
fie  übernadhtete)  ten  folgenden  Tag  ging  der  Marid  bie
Cigmaringen.  As  man  aber  bafelbit  die  fidere  Nachricht
urhlelt,  daß  der  Feind  ganz  forglos  in  feinen  Kuartieren
liege  und  von  dem  Matfche  der  Bayern  und  ihrer  bevor
ftehenden  Vereinigung  mit  einem  Theile  ber  Balferlidien  Ttups
pen  unter  Hasfeld  feine  Ahnung  Habe,  fich  im  @enentheil
ang  fiher  wähne,  ferner,  daß  feln  Bortiger  Aufenthalt  hoch:
ftiend  nad  einige  Tage  dauern  därfte,  fo  wurde  ber  Be
Ihluß  gefäßt,  ftatt  Dem  Yeinde  das  \veitere  Vorbringen  zu
verivehren,  was  die  erite  Abfidit  gewefen  zu  fein  feheint,
geräde  auf  ihtt  loszugeheh,  ihn  zu  überfallen  over  fi  dm
offenen  Felde  mit  ihm  zu  fchlagen.

Nahvem  alfo  am  23.  fammtlidhe  zu  diefer  Unternehitung
erforverliden  Zruppen,  mit  Ausnahme  des  Habfeld’ihen  Eorps,
bei  Sigmaringen  vereinigt  in  Bereitfhaft  ftatibeh,  ging  Die
Armee  ned  Denfelben  Tag  bei  diefeh  Brite  an  das  fee
Dounatiiifer  über,  von  mo  and  Mercy  dad  Gepädf  bonaus&amp;gt;
abwärts  had  dem  5  Stunden  entfernten  Miedlingen  fchicte,
um  fo  leiht  al®  möglih  ju  marfdiren,  Am  fpäten  Abend
deffelben  Tages  erreichte  die  Armee  die  Gegend  von  Mösfird,
nadjdem  man  bie  ftorendften  Terrainhinderniffe  gu  überwinden
gehabt  Batte.  Weiter  zu  marffchiren  war  un  biefem  Tage
rein  ufimögli,  Inder  die  Truppen  fat  5  Meilen  Unter  beit
ungftftigften  DVerpältniffen  guridgelegt  hattet  und  babirtd)
auseinander  geforhimeti  waren,  audı  das  Hapfelv’fdre  Corps
nod  nicht  eingetroffen  war.  Die  Armee  lagerte  in  Edladt-
        <pb n="104" />
        88

ordnung  in  drei  Treffen,  die  Reiterei  auf  den  Flügeln,  das
FZußvolf  in  der  Mitte,  das  Gefhig  hinter  der  Front.

Nachdem  nun  das  Hapfelv’ihe  Corps  eingetroffen  war,
und  die  ausgefchicten  Detachementd  zu  wiederholten  Malen
die  völlige  Sorglofigfeit  des  Feindes  berichtet  hatten,  entichloß
fihh  der  Höcdfteommandirende  Herzog  Karl  von  Lothringen,
den  geraden  Weg  auf  Tuttlingen  lodzugehen  und  die  Yeinde
zu  überfallen.  Er  brad)  deshalb  am  24.  mit  Tagesanbrud;
unter  den  erforderlihen  Cicherheitdmaßregeln  von  Mösfird,
auf  und  richtete  feinen  Marfdy  auf  Luttlingen.  Bon  ben
auf  diefem  Marfhe  eingebrahten  Gefangenen  —  ed  waren
weder  Botrouillen  no  Maroveurs,  fondern  auf  Fouragirung
ausgefhidte  Reiter  —  erfuhr  man  mit  Beftimmtheit,  daß
der  Feind  von  dem  Unmarfche  der  bayerifc  =  Fatferlich  =  lothrins
gifdhen  Armee  Feine  Ahnung  habe.

Unter  biefen  Berhältniffen  erreichte  die  Armee  gegen
Mittag  Neuhaufen  ob  Ed*)  nad  lWeberwindung  der  ftörend:
ften  und  auf  den  Marfh  einer  Armee  fo  nadıtheilig  einwirfenden
  localen  Hinderniffe.  Tropdem  war  die  Armee
heiteren  Muthed  und  voll  Kampfbegierve.  Betrachten  wir  den
Marfh  der  verbündeten  Armee  näher,  fo  finden  wir,  Daß
diefelbe  von  Balingen  bis  Neuhaufen  ob  Ef  18  Stunden
im  Angefihte  des  Feinded  zurücgelegt  hatte  und  im  vollften
Einne  in  die  Cantounements  des  Feindes  hineinmarfdirt
war.  Wohl  Flingt  es  faft  räthfelhaft,  wenn  man  fagt,  daß
die  Armee  drei  Tage  lang  im  Angefidhte  des  Feindes  herummarfhirte,
  ohne  daß  diefer  aud  nicht  die  leichtefte  Ahnung
davon  hatte.  3  erklärt  fi)  nur  aus  der  Annahme,  daß
von  einem  Sicherheitsdienfte  auf  feinvlicher  Seite  Feine  Spur

*)  Es  ift  ein  wunderliches  Zufammentreffen,  daß  zur  felben  Stunde,
ale  das  drohende  Derverben  bie  Franzofen  reitungelos  umringte,  ber
Genius  bes  Heeres,  Marfhall  Guebriant,  in  Rottweil  feinen  legten
Athemzug  that,  nachdem  er,  als  verfünde  ihm  eine  fchwarze  Ahnung  ben
nahen  Unfall,  in  der  Fieberhike  mehrmals  ausgerufen:  „Ah  ma  pauvre
armee,  on  la  defait,  mes  bottes,  mes  armes,  mon  cheval,  tout  est

perdu,  si  je  n’y  suis“,  Barthold,  ‚„Iohann  von  Werth  134.
        <pb n="105" />
        89

——

 

vorhanden  war.  Wber  au  nit  ein  Soldat  des  Fatferlid;-bayerifchlothringifhen
  Heeres  defertirte,  was  damals  bei  den
fo  verfdjiedenartig  zufammengefegten  Heeren  zur  Tagesordnung
gehörte;  ein  einziger  Ausreißer  hätte  bingereiht,  das  fo  gut
angelegte  Unternehmen  zu  vereiteln.

Die  Umgehung  der  feindlichen  Cantonnements  in  einem
weiten  Bogen,  die  Weberfchreitung  der  Donau  und  dann  bad
Durdgiehen  ded  rauhen  Bergrüdend  zwilhen  der  Donau  und
Ablady  bei  tiefem  Schnee  und  ftrenger  Kälte,  um  fi  von
einer  Seite  ber,  wo  man  feinen  Seind  vermuthete,  auf  Tuttlingen
  zu  ftürgen,  waren  etwas,  wa  bie  Sranzofen  fi  nicht  zu:
fammenreimen  fonnten.  Daher  deren  gänzlidye  Unadhtfamfeit*).

MWie  groß  die  Sorglofigfelt  und  Unadıtfamfeit  der  Wahen
  war,  erhellt  daraus,  daß  fi  die  Bayern  ohne  einen
Mann  zu  verlieren  in  den  Befis  ded  Schloßed  Homburg  und
des  Artillerievarfs  festen,  weld  lester  einmal  genommen
das  Schieklal  Tuttlingen  entfhied.  Bei  nur  einiger  Pflicht:
erfüllung  hätte  irgend  ein  Boften  dur  Abfeuern  feines  ewehrs
  oder  eined  Gefhübed  die  Truppen  in  Tuttlingen
allarmiren  und  dadurd  vor  der  gänzlihen  Aufhebung  retten
fonnen.  US  die  Truppen  in  Tuttlingen  zur  Befinnung
famen,  war  ed  fhon  zu  fpät,  indem  der  bayerifhe  Oberft
Wolff  die  Gefhüge  fogleid,  gegen  die  Stadt  richten  ließ,  Der
unterbeffen  herbeirüdende  Großtheil  der  Armee  Zuttlingen  von
allen  Seiten  umfhloß  und  fih  fogleidy  gegen  Möhringen  und
Mühlheim  wandte.  Hierdurch  war  jeder  Entfab  des  in
Tuttlingen  befinvlihen  Hauptquartier  unmöglid,  indem  daffelbe
  durd  die  Einfhließung  von  Möhringen  und  Mühlheim
gänzlich  ffolirt,  daher  feinem  eigenen  Schidjale  überlaffen  blieb
und  fi  den  Eiegern  auf  Gnade  und  Ungnade  ergeben  mußte  **).
Ein  gleihes  Schidfal  hatten  die  Truppen  in  Möhringen.

*)  Hanbbibliothek  für  Offiziere  4.  pag.  337.

*")  —  —  Quoique  les  Francois  fussent  surpris  et  postez  dans
les  quartiers  differents,  ils  ne  laisserent  pas  de  soutenir  l’effort  des
ennemis  avec  une  valeur  incroiable;  le  Comte  de  Ranzau  qui  ne
put  venir  a  bout  de  rassembler  ses  quartiers,  fut  fait  prisonnier  en
combattant  courageusement  avec  le  Margnis  de  Montausier  Marechal
        <pb n="106" />
        SGeneral  Rofen,  welcher,  vole  befannt,  mit  25  @ont-Yannlen
  deutfcher  Meiter,  2  Draganer:  und  3  pnfattertevegimentern,
  zufämmen  beiläufig  I0,000  Man,  in  Mühlheim
lag,  wollte  den  bedrängten  SKanptquartiere  Ju  Külfe  eilen,
wurde  jedod)  von  dem  gegen  Mühlheim  entfendeten  bayerticfatferliben
  Corb3  unter  dem  Generalmachtineifter  Kaspar  von
Mercy  hiervon  abgehalten  und  mit  Verluft  feiner  Anfanterle
zum  Niüczuge  gezwiingen,  \welden  er  gegen  Rottivell  einflug,
  die  Befagung  dafelbft  verftärfte,  Guedriant’s  Leldye,
fowie  den  in  Rottiveil  befindlichen  verwindete  General  Taupaben
mit  fi  fortnahm  ind  dur  da3  Kinsigthal  dem  Rheine  zieilte.

8  Geherale,  9  Oberften,  12  Etaböoffigiere,  240  Ende
alternöffiziere,  7000  Mann,  die  gefammte  Artilferie,  der

de  Camp,  et  quelques  autres  Personnes  de  marque.  Qulincy,  histolre
milituire  du  regtie  de  Louis  le  Gränd,  roi  de  France  ete,  T.  18.

Me  contraftirt  viefer  Bericht  nicht  mit  der  kunhren  Satylage:  Wie
aus  vorftehender  Anmerkung  zu  erjehen  fft,  gelang  es  vem  Grafen  Rankau
nicht,  fümmtliche  in  den  verfchiedenen  Quartieren  vertHeilte  Truppen  zu
fammeln.  Marquis  de  Ouincy  irrt  fich  hierin,  denn  Rankau  var  burdy
Die  Rafchhelt,  mit  welcher  vie  Bayern  und  Katferlihien  Ettlingen  über:
felen,  nicht  einmal  im  Stande,  fhmmtliche  Truppen  in  Zuttlingeit  Ju
fammeln,  ut  wie  viel  menfger  war  ihm  diefes  bei  den  auswärtigen
Duartieren  möglih.  Daß  die  Befagung  in  Mühlheim  in  corpletter  Kechts
bereitjchaft  dem  detachirten  bayerifchsfaiferlichen  Corps  unter  dem  General:
wachtmelfter  Kaspar  von  Mercy  entgegenrüdte  und  fich  einen  ehrenvollen
Rückzug  errang,  gebührt  einjig  und  allein  beim  mehhärifchen  General
Heinholo  von  Rofen,  diefem  alten  verfuchten  Soloaten,  ber  fo  viel  zum
Rahm  D68  Herzogs  VBerthdard  Von  SarhfensWeintat  beittug.  Die  Bantis
fon  Möhringen  erlitt,  wie  fhon  oben  gefagt,  gleiches  Schiefal  mit  jener
FZuttlingens.  Marquis  de  Duincy  fagt  weiter,  daß  Rankau,  obfchen
tapfer  Kimpfend,  mit  dem  Marfchall  ve  Camp,  Marquis  ve  Montaufiet
und  einigen  andern  vornehmen  Perfonen  zu  Gefangenen  gemadjt  würden.
Das  tft  wahr,  daß  Generallieutenant  Graf  von  Rankan  Miene  machte,
fi)  zu  vertheibigen,  als  er  jedoch  die  @ernirung  feiner  Quartiere  bes
merkte,  wodurch  ihm  jene  Musflcht  nuf  einen  Cntfaß  tnb  ihr  felbit  die
Hoffnung,  fi)  durchzufchlanen,  genommen  war,  ergab  er  fich,  ohfte  auch
aut  die  getingfte  Befechtspispofition  entworfen  zu  habex,  fwozu  ihm  burdy
die  unglanbliche  Schnelligfeit,  mit  welcher  der  Heberfall  ausgeführt  wurde,
feine  Zeit  übrig  geblieden  war,  auf  Gnade  und  Ungnabe.

Anm;  des  Berf.
        <pb n="107" />
        91

größte  Thel  ver  Bagage  flel  den  Siegern  in  vie  Hände,  Außer:
dem  hatte  der  Feind  beiläufig  4000  Zodte  und  Verruundete.

Es  warm  noch  Nie  fo  viele  eigentliche  Arangofen  währe
rend  biefes  Krieges  fb  tief  in  Dentfchland  eingedrungen,  und
no)  dazu  waren  ed  ‚großentheild  die  Eieger  von  Rocroy,  bie
fo  Shimpflid)  heimgewiefen  wurden.  Ganz  Deutfchland  vergaß
über  diefen  DBorfall  auf  furge  Zeit  fein  Glenn  und  tröftete
fi)  mit  einem  eben  nicht  befonverd  wisigen,  aber  dem  ®eifte  der
Zeiten  angemefjenen  Bonmot:  „Die  Frangofen  hätten  ihren  Proceß
zu  Rottweil*)  verloren  und  nad)  Lauffenburg  appellirt  ++)",

Die  Kriegdgefhichte  dürfte  Faum  einen  Fühner  projectirten,
  bejjer  unternommenen  und  gefhidter  ausgeführten  Ueberfall
  aufzumweifen  haben.  Ein  Blid  auf  die  Karte  zeigt,  in
welde  ıumangenehme  Lage  die  angreifenve  Armee  hätte  Fommen
fonnen,  wenn  bie  Srangofen  nur  einigermaßen  auf  ihrer  Hut
gewwefen  wären.  Die  Garnifonen  von  Tuttlingen  und  Möhr
ringen  hätten  hbingereiht,  ven  Feinde  Widerftand  zu  leiften,
während  ed  von  Mühlheim  her  General  Rofen  ein  Rreidhted  geiwer
fen  twäre,  den  Defterreihern  und  Bayern  in  ven  Rüden  zu  gehen.

Der  Schuggeift  Deutfhlande  mollte  e8  aber  andere.  —
Hundert  Jahre  lang,  fagt  Ediller  in  feiner  Gefchicdte  des
breißigjähtigen  Krieges  von  viefem  GEreignig,  hat  jih  das
Unvenfen  viefed  unholden  Tages  erhalten,  das  fypäter  bei
Moßhad;  erneuert  ward,  und  ed  war  den  Deutfihen  zu  gün«
nen,  wenn  fie  fi  für  dad  Elend,  das  bie  franzöfifge  Bor
fit  uber  fie  häufte,  mit  Gaffenhauern  auf  die  franzofifche
Tapferkeit  bezahlt  machten.

Die  Franzofen  Tantı  nidyts  .entfhufdigen,  fih  nit  befier
vorgefehen  zu  haben.  &amp;amp;a  ift  wahr,  der  Weind  fiand  feche
Meilen  von  ihnen,  unmwirthbare  und  faum  zugängliche  Gebirge
trennten  fie  von  einander  -—  eine  firenge  Kälte  und  tiefer
ESıihnee  erhöhten  ned;  die  Befdhwerlidfeit  jeder  Unternehmung
—  aber  reihen  alle  Diele  Entfdyuldigungen  hin,  auf  dem

*)  Zu  Rottweil  beftand  lange  Zeit  ein  berühmtes  katferliches  Hof:
gericht  und  Laufenburg  am  Rhein  mar  ver  Ott,  wohin  fich  ein  Theil  ver
franzöfifhen  Neiterei  geflüchtet  hatte.

**)  Schmidt,  „Neuere  Gefhichte  der  Deutfchen.  10.  192,
        <pb n="108" />
        92

Wege  nah  dem  Fatferlihen  Kauptquartiere  nidt  einen  Poften,
nicht  einige  Wahen  gehabt,  Feine  Patrouilfen  detadirt  zu
haben?  Es  ift  wahrfdheinlih,  Daß  die  frangöftfche  Eitelfeit
Entfhuldigung  und  Troft  darin  fand,  dies  dem  mweimarifcdhen
General  Rojen  überlaffen  zu  haben,  und  daß  Tas  ganze  Iins
glük  einen  Ausländer  traf,  der  den  Vorzug  erlangt  hat,
durdy  die  Verftümmelungen,  welde  er  in  ihren  Reihen  erlitt,
eine  traurige  Berühmtheit  zu  erlangen  *).

Marquis  de  Duincn  fügt  in  feiner  histoire  militaire
du  regne  de  Louis  XIV.  etc.**)  am  Edyluffe  ded  Feldzuges
von  1643  nachftehende  NRecapitulation,  welde  wir  überfeßt
wiedergeben  wollen,  an.  Der  Marfhall  Guebriant,  welder
eine  Feine  Armee  am  Rhein  befehligte,  ging  über  benfelben
in  der  Abfiht,  in  Schwaben  einzubringen  und  bafelbft  Winterquartiere
  zu  beziehen.  Er  war  genöthigt,  Rottweil,  welches
die  Bayern  befegt  hielten,  zu  belagern,  und  verlor  babet
fein  Leben  durd  eine  Falfonnetfugel.  Der  Graf  von  Ranpau,
welcher  unter  feinen  Befehlen  ftand,  fegte  vie  Belagerung
fort  und  marfdirte  nad)  ter  Einnahme  gegen  die  Donau.
Er  vertheilte,  dort  angefommen,  feine  Truppen  in  verfcles
dene  Ouartiere  und  verlegte  dad  feinige  nah  Tuttlingen.
Herzog  Karl  von  Lothringen  aber  ftieß  mit  6000  Mann  zum
Feldmarfhall  Mercy,  und  da  diefer  Feldherr  Rottweil  nicht
hatte  entfegen  fonnen,  fo  marfdirten  fie  gegen  Tuttlingen
und  tberfielen  dafelbft  den  Grafen  Rangau,  der  nidt  Zelt
genug  hatte,  feine  Truppen  zu  fammeln,  fid)  aber  dennoch
mit  großer  Hartnädigfeit  vertheidigte  und,  tapfer  Fämpfend,
gefangen  genommen  wurde,  woburd  er  dem  General  von
Rofen  Gelegenheit  gab,  die  franzöfifhen  Truppen  in  guter
Drdnung  an  den  Rhein  zurüdguführen.  Der  Feldmarfhall
Mercy,  diefen  Bortheil  benugend,  beendigte  den  Yeldzug
dur  die  Belagerung  von  Rottweil,  weldes  er  wievers
eroberte.

*)  Handbibliothef  f.  Offiziere.  Gefchichte  des  Kriegemwefens  IV.  339.  340,
“)p.17  un  18.   .
        <pb n="109" />
        Sperationen
vom  Beginne  des  Jahres  1644

einfhlülfig  der

Eroberung  von  Freiburg.

Mit  einem  Plane.
        <pb n="110" />
        <pb n="111" />
        I.

Dperafionen  vom  Beginne  des  Jahres  1644  ein:
ihlüffig  der  Eroberung  von  Vreiburg,

Ban  nad)  der  Vernihtung  des  franzöfifhrweimarifhen
Hesred  bei  Zuttlingen  wurde  Die  am  norhweitlichen.  Arıne  des
Robenfeed  gelegene  Stadt  Ueberlingen  durd  Abtheilungen  das
Bayerifchen  Heeres  unter  Sean  de  Worth  blokirt,  aber  wegen
Mangel  an  Schiffen  und  fonftigem  Belngerungsgeräthe  nicht
förmlich,  Belagert.  Eıft  am  5.  April  vidte  Feldmarfhali
Merey  mit  einen,  19,000  Mann  ftarfen  Corpa  über  MWaldshut
  zu  einem  evnftlihen,  entfheidenden  Angriffe  heran;  fein
Vortrab  berannte  UVeberlingen,  während  das  Grgs  bei  den
Ruinen  der  vor  einigen  Jahren  zerftörten  Burg  Homburg,
um  fih  zu  fanımeln,  Bofto  faßte.  Der  franzofifhe  Graf
Gonrnal  hielt  Meberlingen  mit  12—  13,000  Mann  hefegt,  und
traf  die  beften  Vertheipigungsanftalten.  eine  Truppen  waren
muthig,  und.  madıten  mehrere  glüdlihe  Ausfälle,  woburd  Die
Belagerer  in  ihren  Urbeiten  aufgehalten,  wurden  und  zwei
auf  Der  Landfeite  bereitd  eroberte  Außentwerfe  wieder  ver:
Igren,.  Allein  die  Maht  und  Behgrrlidkeit,  mit  melden
Heldmarihall  Mercy  die  Belagerung  betrieb,  exrihünfte  enblid
die,  Kräfte  den  DBefagung,  melde  fih;  bald  auf  den,  innern
Raum  der  Stadt  befdhränft  fah,  Während  Mercy  von.  der
Landfeitg  aus,  die  Approchen  fleißig  und:  mit  Snd  yortrieb,
Ihloß  er  die  Stadt  aud  mittetf;  einigen  Schiffe  von.  der
Seefeite  ein  und  fing  bei  diefer  Gelegenheit  einen  Provtantz
transport  auf.  Dadurd,  daß  die  Stadt  Conftenz  dent  Gayeviihen
  Belagerungseorps  ihr  Feftungsgefhnt  lich,  vermochte
        <pb n="112" />
        96

Mercy,  feinen  Bemühungen  den  gehörigen  Nahdrudf  zu  geben.
Am  2.  Mai  waren  bereitd  den  Belagerern  alle  Streihiwehren
benommen  und  die  Thürme  der  Ringmauer  eingefchloffen  ;
auh  war  die  Befagung  fchon  theild  durd  die  frühern  haus
figen  Ausfälle,  theild  durd  Krankheiten  bid  auf  600  Mann
herabgefhmolzen;  die  Lebenämittel  fehlten  bergeftalt,  daß  ver
Commandant  fid  genöthigt  fah,  einen  Theil  der  Gefangenen
ohne  Ranzion  frei  zu  geben,  um  fie  nur  nicht  verhungern
zu  laffen.  Seldmarihall  Mercy  fah  diefes  für  eine  Cour:
toifie  an  und  wollte  eine  gleiche  Anzahl  gefangener  Sranzofen
frei  faffen,  allein  diefe  weigerten  fib,  in  die  Stadt  zurüd:
zufehren,  weil  fie  die  Hungerönotl,  in  Ueberlingen  fannten.
Deito  eifriger  befhoß  Mercy  jebt  die  Etadt,  und  als  er  mit
feinen  Approden  am  9.  Mai  bid  an  den  Graben  gelangt
war,  jo  ließ  er  fofort  die  Brefchbatterie  errichten;  fhon  am
folgenden  age  war  eine  gangbare  Brefhe  von  30  Ellen
Weite  gelegt,  worauf  ter  Sturm  vorbereitet  ward.  Ehe  jebod
der  Anlauf  gefhah,  ließ  Mercy  den  DVicomte  zur  Llebergabe
auffordern,  wobei  er  demfelben  glimpflide  Bedingungen  ver:
fprah.  Der  Unfall,  welder  die  franzöfifh-weimarifhe  Armee
bei  Tuttlingen  betroffen  hatte  und  die  daraus  folgende  Uns
wahrfheinficheit  des  Entfages,  die  Schwäche  der  Befagung
und  der  Mangel  an  Lebensmitteln  beftimmten  ven  Grafen
Courval,  die  angebotene  Bapitulation  am  10.  Mai  anzunehmen.
  Er  erhielt  freien  Abzug  mit  Gepäd  und  Waffen,  dod
ohne  Gelhis,  nah  Lauffenburg..e  Mangel  an  Transport:
pferden  verzögerten  den  Ausmarfh  der  nur  noch  550  Mann
ftarfen  Befagung  bis  zum  12.  Mat.  Feldmarfhall  Mercy
ernannte  den  verbienftvollen  eneralquartiermeifter  von  Hol
zum  Commandanten  von  Lleberlingen  und  befegte  diefe  Stadt
mit  beffen  eigenem  Regimente.

Diefe  Belagerung  hatte  den  Frangofen  über  700,  ben
Bayern  aber  nur  400  Mann  gefoftet*).

*)  Rothenburg  750752.
        <pb n="113" />
        Deilagen.

1,

Durcdleuchtigfter  Herzog,  Gnäbigfter
Churfürft  und  Herr.

Em.  Chfitl.  Dehlt.  werden  nunmehr  mein  vorgeftrigen  vnderthänigften
  bericht  gnebigft  empfangen,  und  barauß,  maß  maffen  wür
der  Statt  albereit  alle  ihre  auffere  Werkch  hinwedh  genommen,  Ich
auch  am  Graben  2  balteria  vnıb  die  Preß  zufchüßen  pauen  lafjen,  zuuernemmen
  fi}  gnevigft  belieben  Taffen  Haben,  Nun  hab  Ich  geftern
angefangen  Breß  zufchüßen,  vnd  albereit  die  halbe  Preß  gefchoffen
gehabt,  und  auch  groffe  Studh  von  den  Mauern  gefallen,  und  ob  ih
zwar  gehofft,  wenn  die  Preß  ganz  gefchoffen  in  die  Stadt  zu  Konmen,
weiln  aber  ich  gefehen,  daß  der  Gummendant  ftch  darinen  fo  jehr  Kennden
  hinein  Komnten,  al  hab  ich  mit  guet  befindten  der  andern  Generals
Perfohnen  vd  anivefenden  Kriegs  Näth,  fye  nochnahlen  Sommiren
laffen,  wie  e8  auch  gefcheben,  vund  Bat  mir,  wie  die  beylage  außmeifet,
ein  Capitulation,  Die  Er  begert,  zuegefchiefht,  ift  auch  entlich  nach
vielem  debattiren  verglichen  worden,  wie  auß  bey  Kommend  anderer
beylag  gnebigft  zu  erfehen,  hab  zmar  gemeint  Ine  zu  einem  andern  zu
bringen,  allein  hab  ich  gefürcdht,  wie  vbgemelt,  ed  werde  vil  Teuth
lafien,  were  auch  mehrer  fchabden  al  ungern  zu  befürchten  gemwefen,
vnd  will  fye  Taut  ded  accords  mit  einer  Convoy  nacher  Rauffenburg
convoyren  laffen,  dann  Inen  den  accord  zubrechen,  trage  ich  bedendhen,
  Erftlicdy  wegen  böfen  nach  Clang  zum  andern  megen  befer
Conseguenz,  weiln  wür  hoffentlich  dig  Jahr  noch  andere  orth  mehr
atteguiren  werden,  bnd  alfo  ein  ieder,  wann  diejer  accord  nit  gehalten
  werden  folle,  mit  onß  zu  tractiren  bevendhens  tragen  wurde,  Zus

7
        <pb n="114" />
        98

deme  fo  find  Ire  Soldaten  alfo  verhungert,  daß  iye  felbige  fobald  nit
mehr  werden  gebrauchen  Könnten,  auch  gar  vil  teutfche  vorhandten,
welche  vor  difem  dieffeitö  gedient,  vnd  vnder  die  Negimenter  gehören,
Wie  dann  der  Obrift  Holz  allein  biß  in  60  darımder  hat,  melde  under
fein  Regiment  gehören,  fo  alle  wider  vermöge  diefen  accords  Inen
Hinmwecfh  genommen  werden,  waß  nun  in  politieis  mit  den  Bürgern,
pnd  Iren  Archiuis  für  disposition  gemacht,  vnd  wir  folche  inventirt,
audy  Burgermeifter  und  Rathverwanthen  arrestirt  werden,  werden  Em.
Churfürftl.  Durchl.  auß  dero  anmefenden  Kriegäräthen  relation  meh
rerö  gnedigft  vernemmen.

Den  Pofto  biß  auf  Em.  Churfürftl.  Durchl.  weiter  gnebigfte
verorbnung,  neben  einem  DObrift  Wachtmeifter  mit  200  Mann,  weiln
dermahlen  Kein  feintd  gefahr  vorhandten,  befegen,  auch  Jme  befeblen,
dag  Er  die  Schanz  und  alled  einreifen  und  verprennen  lafle  auch  die
werdh  fouil  müglich  verbeffert  und  midy  morgen  oder  Debermorgen
mit  den  Völchern  gegen  hohentwiel  auanziren.  Dort  herumb  biß  das
graß  beffer  heraus  Kombt,  logiren,  und  daruor  bie  werdfh  verfertigen,
auch  die  Kanferlich  ond  Öfterreichifche  Völdher  an  mich  ziehen  und  zu=Churfürftl.
  Dohl.  gnedigster  Befely,  was  mit  der  armada  meitter  vorzunemmen
  fein  würbt,  geborfamft  erwartbe.

Wap  id)  fonften  wegen  Vreyfach  für  anftalten  gemacht,  werben
Em.  Churfürftl.  Durchl.  auß  obangezogenen  meinem  vorgeftrigen
berichte  mit  mehrern  gnedigft  erfehen  haben,  will  alfo  erwartben,  wie
fich  diefe  fachen  anlaffen,  vnd  wann  auch  mit  der  rebellion  nod  etwad
daran,  vnd  zu  effectuiren  fein  mwürdt,  mich  zu  meinem  Brueber  dem
Generalwachtmeifter  gegen  Neuftatt  mit  dem  Küttner  auanziren,
mich  nach  befindung  der  fach  beichaffenheit  Comportiren  vund  Em.
Ehurf.  Dh.  den  weitern  verlauf  hienacdy  vnderthänigft  berichten.

Zu  dero  beharrlichen  Churfürftl.  Hulden  vnd  gnaden  ich  mid
gehorjamift  empfehle,  und  bleibe

Em.  Ehurfürftliden  Durdylaudht
Bor  Überlingen  ven  11.  May.
Bnperthenigfter  geborfambiter
dran;  von  Mercy.
        <pb n="115" />
        Accords  Puncten

In  den  Hauptquartier  vor  Vberlingen  den  11.  May,  Anno  1644.
befchehnen  Vergleich8,,  fambt  einem  Ertract  auß  dem  Oberland
den  16.  May.

I.

Erftlich  fol  Herrn  General  Velomarfchalden,  Srante  Breiherrn
von  Mersy,  der  Commendant  in  VBberlingen  Viconte  de  Courual,
noch  heut  die  A.  gefchloffene  Breffe  zu  bejegen,  abtretten,  barauff  er
GCommendant  mit  feinen  Dfficieren,  die  Ingenlerd,  und  denen  zu  der
Artelleria,  onnd  Schangmefen  gehörige  Berfonen,  wie  auch  den  Soldas
ten  mit  ihrer  Ober«  unnd  Bndergemöhr,  brinnendten  Zundten,  Kuglen
  im  Mund,  vnd  offentlichen  Trummelfchlag.  aud)  mit  Sad  und  Bad
ab,  vnd  außziehen,  vbarbeh  aber  follen  die  jenige  Soldaten  außgenonimen
  feyn,  melche  vorhin  der  NRön.  Kayf.  Maj.  Ihro  Ehurfürftliche
Durch.  in  Bayern,  den  gefambten  confoederirten  Fürften  und  Ständ,
und  alfo  der  Reich8  Arınee  gedient,  welche  under  ihre  vorige  Negimenter
  fich  wiederumb  zubegeben,  verbunden  feyn  follen,  im  vbrigen  bey
bifem  Abzug  einiger  Burger,  oder  Einfäß  auß  der  Statt  nit  fol  mitgenommen
  werden.

I.

Sollen  vem  Commendanten  in  Dberlingen  zu  fortbringung
feiner  Bagagi,  Franden  Knehten  und  Vermundten,  die  Kubren  beygee
fchafft:  alle8  vbrige  aber,  fo  ihnen  nicht,  fondern  den  Burgern  vnd
andern  gehörig,  in  ver  Statt  onverrudt  gelaffen,  vnd  alfo  biß  nadher
Zauffenburg  mit  ficherm  ©elaibt  convoiert  werben.

nl.

Soll  mehr  gemeldter  Courual  allen  Borrath  an  Gefäß  vnd
Munition,  nichts  darvon  aufgenommen,  oder  verborgen,  ed  fey  gleich
fchaphafft,  over  verbrochen,  ermeldtem  Herrn  General,  oder  veffen
Bevollmächtigten  zu  fichern  Handen  zuliffern  fchulvig  feyn.

IV.

Ingleichen  folle  er  Conrual  verbunden  feyn,  alle  gemachte  vnd
verborgene  Minen,  oder  gelegted  Bemwrwerd,  vor  feinem  Abzug  zu
offenbaren,  vnd  das  geringfle  nichtö  Davon  zu  verichweigen,  aud)

+
        <pb n="116" />
        100

beromegen  biß  zu  wiberfunfft  ver  Gonvolen,  und  Einlifferung  der  mitgegebenen
  Buhren,  zu  mehrer  Sicherheit  annemblich  Gaifel  zu  ftelfen
und  zu  lifferen,  melde  Gaifel  mit  Convona  bernacer  bi8  auff  Schaffe
haufen  fulfen  geliffert  werben.  |

V.

Dap  fein  Commendanten  Bott,  Namens  Georg  Beder,  wie
auch  die  Trumelfchlager,  unn  Burger,  fo  von  einem,  oder  dem  andern
Theil  bißhero  auffgehalten  worven,  ohn  all  entgelt  follen  abgefolgt,
vrınd  frey  gelajfen  werden.

v1.

Soll  vilgemeltem  Courual  nod  heutigen  Tags  in  der  Statt  zuverbleiben
  vergont  und  zugelaffen  feyn,  jepochy  daß  er  die  Poften,  vnd
fürnembfte  Pläß  der  Statt  aldbald  cediren,  vnd  einraumen,  auch  morgenden
  Tagd,  den  12.  May  vnb  7  Vhren  eigentlich  abziehen  folle.

Difer  Buneten  halber  zmwey  gleichlautende  Originalia  zuverfaßen.

So  befcheben  im  Hauptquartier  vor  Vberlingen,  den  11.  May
Anno  1644.

3.
Extract  Schreibens  auf  dem  Oberland
vom  16.  May  164.

Mit  Vberlingen  hat  ed  nunmehr  fein  richtigfeit,  wie  auß  den
gedrudten  Accordö  Bundten  zu  vernemmen.  Die  Brefche  ift  erft  am
Dinftag  vormittag  an  zwehen  Orthen  gefcbofjen  worben,  und  alled  zum
Sturm  fertig  geweft,  aber  ungeachtet  der  Weind  fich  bargegen  ftard
verbawt,  vil  verborgen  Yerurmwerd  und  Rohr  eingraben,  auch  alles
alfo  georonet  gehabt,  daß  der  Sturm  wol  4.  in  500.  Mann  wurde  ger
£oftet  haben,  iit  e&amp;amp;  doch  gleich  auff  gefchoffene  Brefche,  zu  einem  Stillftand,
  vonn  felbigen  Tag  noch  fo  weit  fommen,  daß  die  Neichövnälder
beeve  Brefche  vermadhet,  darauff  volgenden  Tag  der  Accord  völlig  befchloffen
  worven,  vnd  am  Donnerftag  der  Außzug  befchehen.  Der
Beind  Hat  nod)  505  Mann  in  allem,  bey  55.  Malter  Mehl,  200.  Bueder
Wein,  80.  Gent.  PBulffer  und  100.  Cent.  unten,  audy  nody  etlich
        <pb n="117" />
        101

Kühe,  Sapaunen  prnd  dergleichen  gehabt,  alfo  daß  er  ohne  Gewalt
noch  wol  länger  hätte  halten  fönden.

In  der  Statt  bleiben  300.  Mann,  onnd  commanvdiert  der  Obrift
Lieutenant  von  dem  Hagenbadyifchen  Regiment.  Jeßt  ift  die  Oenera-Titet
  zu  Stofach,  die  Reutterey  gebt  vnner  dem  Kommando  Herrn
General  Wachtmaifterd  von  Merch  vber  den  Schwartmwald  hinab  gegen
Preyfach,  vie  Infanteria  aber  fulle  etlich  Tag  omb  Hohenmiel  verbleiben,
  biß  die  Schangen  darvor  verfertiget,  ynnd  der  Orth  beichloffen,
aledann  verbleibt  die  notturfft  an  Vold  varvor.

In  Brepfach  bat  fi  ein  newer  Tumult  erbebt,  Erlach  manuteniert
  im  Schloß  mit  200.  Mann,  vond  ift  Tourraine  mit  der  gangen
Macht  dahin  im  Anzug.  Gott  gebe,  da  die  unfere  noch  vor  Fonınen.

Nah)  der  Einnahme  von  Meberlingen  rüdte  Mercy  Telbft
vor  Hohentwiel,  weldhes  fhon  früher  durd)  600  Mann  be:
rannt  worden  war.  Alm  gegen  die  Ausfälle  der  Befagung
gefidyert  zu  fein,  wurden  mehrere  Echanzen  ringe  um  bie
Feftung  angelegt,  während  man  mit  dem  Gommandanten
Unterhandlungen  anfnüpfte.  In  Folge  berjelben  wurde  nadj:
ftehender  DVergleihh,  vorbehaltlich  der  Betätigung  durd  den
Kaifer,  den  Kurfürften  von  Bayern  und  dem  SHerzoge  Gberhard
  von  Würtemberg,  abgefdloffen.

Vergleichspunfte  wegen  Hohentwiel.

Demnad  auf  vergangene  Bnberhandlung  vnd  fchilhung  vep
Herrn  Obriften  ond  Conmmandanten  ber  Veltung  Hohentwiel,  Herrn
Gonrad  Wiverholden,  der  durchleuchtigften  bodhgeborne  Zürft  vnd
Herr,  Herr  Eberhard  Hertoge  zue  Württemberg,  Dero  Hof  Mars
fchallen  und  geheime  Regiments  Räthe,  Herrn  Unthoni  von  Ligelburg
vnd  Doktor  Johann  Sridrich  Jäger,  vf  obgemelte  Veftung  zu  genanntem
  Herrn  OÖbriften  abgefchidbt,  denen  Ihr  een  Herr  General
Selomarfchall  Freyherr  von  Mercy,  deß  durchleuchtigften  hochgebornen
Würften  und  Herrn,  Herrn  Maximilian  Pfalzgraffen  bei  Ahein,  dep  $.
Nom.  Reichs  ErksTruchfeffen  und  Churfürften  ac.  2c.,  bey  Dero  Bnder-
        <pb n="118" />
        102

habenvden  Reich  Armeen  General  Krug  Commissariat  Unmefenden
Hof  Krieggratd  Herrn  Johann  Bartholomeum  Schefer,  beigeorbnet:
Alp  ift  mit  Ihm  Herr  Obriften  Wiverholden  vnd  Ihnen  jeßo  benannten,
  beymwefend  feiner,  ded  Obrijten,  fürnehmiten  Officirer  zu  Roß
vnd  Sue,  folgender  niaffen  abgeredt,  gehandelt  vnv  verglichen  worden.

AB  erftlihen,  wolle  Drift  Widerhold  wie  Hochgen.  Ihr.
Yürftl.  Gn.  er  durch  feinen  zu  Derofelben  abgefertigten  guten  Sreund,
30h.  Fac.  Dimenhäufern,  Staptfchreibern  zu  Stein,  unterthänig  offe
riren,  ©.  Fürftl.  On.  u.  Dero  Hodl.  Bürftl.  Hauß,  Dero  und  denen
von  Gott  und  der  Welt  mit  Recht  und  Billigfeit  an»  u.  zugehörigen
Beftung  Hohentwiel  vergeftalt  und  auff  folgende  Conditiones  über
geben,  u.  mit  allen  deren  Appertinentien  einraumen:  Doch  daß  erftlich
u.  fordeniß  folche  Veftung  Ihr.  Fürftl.  Gnad.  jebo  regierendem  Herrn
Eberharden,  Herkogen  zu  Würtenberg  ıc.  und  Dero  Fuürftl.  Hauß  emig
verbleiben,  und  von  Kayferl.  Majeft.  wegen  mit  Derofelben,  neben
anderm  auch  diefer  Beftung  halb  gepflogenen  Tractaten,  und  berofel«
ben  Uberlaffung  and  Hodjlöbl.  Hauß  Defterreid)  ferner  nicht8  praetendiret
  nody  gejucht  werben,  fondern  diefer  Punct  in  specia  auch  aller=Dingd
  gefallen,  und  remittirt  fehn  folle.

Yırd  ander,  meilen  die  suspendirte  generalis  amnestia  vorbans
den,  u.  ohne  daß,  vermög  berofelben  Ih.  %.  On.  in  Geift-  und  Welts
lien,  auch  Beftungen,  plenarie  restituirt  werden  follen:  Ad  will  er,
Dbr.  Wiverhold,  fich  verfichert  halten,  allerhöchftg.  Kapferl.  Maj.
umb  fo  viel  mehrerd  allergnädigit  und  milveft  geruhen  werben,  ratione
35.%.  On.  die  suspensionen  effectus  amnistiae  jego  gleich  zu  cassiren,
u.  diefelbe  zu  Dero  Landen  und  Leuten  in  Geift-  und  Weltlichen  voll
fonımentlic  fommen  zu  laffen,  Ih.  Churfl.  Durdl.  in  Bayern  fid)
auch  gnädigft  bearbeiten  werden,  Ihre  Maj.  zu  folcher  Restitution  zu
disponiren.

Dagegen  drittens,  ift  Dbr.  Wiverhold  ded  Anerbietens,  bi
foldhes  befchehen  werde,  mit  aller  Hostilität  gänglich  einzuhalten,  und
alleinig  defensive  zu  gehen:  Jedoch

Meilen  viertend  die  Guarnifon  auff  der  Beftung  Hohentwiel
müße  ihren  richtigen  Unterhalt  ohne  Angreiffung  der  Magazins  haben,
u.  nun  bero  bet  denen  umb  die  Veftung  fituirtenden  Ständen,  die  fidh
dato  in  Contribution  eingelaffen,  an  folchen  Contributions-  und  Unter=
        <pb n="119" />
        103

Halt8-Geldern  noch  35.000  fr.  ausitehen:  Ufd  will  er  Obrifter  ehift  eine
Specification  der  Hudylöbl.  Chur-Bayr.  Generalität  audlieffern,  u.  fid)
auf  fein  befchehenes  Begehren  vergemiffert  halten,  daß  inner  den  nddjftien
  Tagen  ihme  Dbr.  Widerholden  für  feine  Guarnifon,  und  deren,
biß  auff  erfolgende  Kayferl.  Ratification,  begürfftigen  Unterhalt,  an
genannter  audftändiger  Contribution,  von  allerhöchitg.  Kayf.  Maj.
oder  höcdhftg.  Churfl.  Drl.  in  Bayern,  in  Abfchlag  10000  Rthlr.  vder
15000  fl.  an  Müng  baar  auf  Hohentwiel  erlegt,  wie  nicht  weniger  ver
Vieberreft  der  20000  von  dato  inner  Monatöfrift,  oder,  warın  die  Kay.
Ratificationes  ehender  erfolgen,  und  die  Veftung  Hohentwiel  höchitgeb.
39H.  %.  On.  völlig  abgetretten  und  übergeben  feyn  wird,  alddann  auch
baar  auff  abgehörted  Drt  bezahlt  werden  follen:  Singegen  wolle  er,
Obrift  Widerhold,  nod)  feine  Untergebene,  an  Contribution  von  den
Ständen  in  biefem  Monatöfrift,  von  heut  gefeßtem  dato  an  zu  rechnen,
weiter  nichtö  begehren,  noch  erfordern,  fondern  diefelben  verentiwillen
frey  und  unangefochten  verbleiben  laffen,  damit  der  jenige  Commissarius,
  welcher  von  der  Nom.  Kadyf.  Mai.  oder  der  Reich8-  Armada
barzu  deputirt  wird,  folche  35000  f.  wiederum  von  denen  auff  der  Beylag
  A  benannten  Ständen,  fo  diefe  Summen  annod)  fchuldig,  eintreiben,
  und  mwiederumb  zu  Hand  bringen  fönne,  fintemalen  des  Obriften
Miderholden  Dafurbalten  nad)  fie  auch  lieber  ihnen  ald  ihme  die  Bes
zahlung  thun  werven.  Solte  aber  die  Kayferl.  Ratification  fich  über
obgemeldte  4  Wochen  Zeit  verweilen,  und  fernere  Tractaten  gepflogen
werden  wollen,  fo  will  er  Obrifter  dennoch  auff  der  defensiva  verbleis
ben,  doch  dan  ihm  nadı  4  Wochen  die  auff  der  Benlag  B.  specificirte
Contributiones  für  die  Guarnifon  auff  der  Vefltung  von  obgedadhtem
Commisserio  einem  bet  den  Ständen,  die  er  Or.  weiter  damit  zu  bes
chmeren  nicht  begehrt,  eingebracht,  u.  von  Monat  zu  Monat,  biß  die  Kahferl.
  Ratification  einfommen,  auff  die  Veftung  richtig  gelieffert  werben,
allermaffen  auch  biß  auff  ergehenve  Ratification  die  nachft  gelegene
Stände  noch  etmaß  Kronfuhren  dem  Obriften  auff  Begehren  (welche  er
doch,  damit  fle  ihre  Weld»  Arbeiten  nicht  pahinden  laffen  müffen,  nicht
übertreiben  will)  fchiden  follen:  Ia  wann  aud)  die  Klayferl.  Ratification
  biß  auff  die  Heu»  u.  Ernde-Zeit  auöbleiben  würde,  fo  hat  fich  ver
Obrifte  vorbehalten,  daß  er  alddann  dad  Heu  u.  Erndte,  aud)  die
Zebenvden  einbringen  und  einheifchen  möge,  und  folcyes  männigliche
ungehindert.  Ia  geftalten  auch  unter  diefem  währenven  Stillftand  und
        <pb n="120" />
        104

big  Kayferl.  ‘Maj.  die  Ratification  obbefchriebener  Maffen  allergnäpigft
einfchiden,  dem  Obriften  und  feinen  Untergebenen  von  ber  Veftung
herab  ver  freye  Baß  u.Stepaß  ohne  männigliches  Hindern,  aud)  feinem
Luft,  fi)  ded  Wenpmerfö  zu  gebrauchen,  zugelafjen  fein  folle:  Hin»
gegen  denen  von  der  Reihd-  Armada,  und  allen  berumb  gelegenen
Beampten,  auch  Unterthanen,  gleichmäffiger  Pag  uud  Nepap  von  dem
Obriften  und  den  Sainen,  neben  freyer  Handlung,  vergönnet  und  zugelaffen
  mwerven  folle:  Doch  daß  die  von  der  Reich:  Urmee  audgehende
Partheyen,  oder  Gonmanpirte,  auch  fonft  Reifende  von  ihren  Gene
ralen  oder  Obriften,  ded  Obriften  Widerholds  Reifende  und  Partheyen
aber  von  ihme  Obriflen  felbften,  und  beyverfeits  nicht  von  geringern
Dfficieren  gefertigte  und  unterfehriebene  Baßzettuln  bey  fich  haben.

Sünfftens,  folle  der  Dbrift  Widerhold  veffelben  fäntlich  anger
hörige  und  untergebene  Officiere,  Soldaten,  auch  Particular-Diener,
fambt  dem  Pfarrer  und  Keller,  fo  auff  der  Veftung  Hohntwiel  fidy
befinden,  jego  und  ind  Eünfftig,  von  allerböchft  gevadhter  Kapferl.
Maj.  ein  folcher  vollfommene  General-Pervon,  unter  Kayferl.  Hans
den  und  Secret,  allergnäbdigft,  fuwolen  auch  eben  abfonverlich,  von
hbochgedachtem  Herkogen  zu  Würtemberg  Fürftl.  On.  vor  Ubergab  ver
Beftung  eingehändiget  werden,  Rrafft  deffen  er  Obrifter,  veifen  Erben,
und  jego  fämptlicdy  Untergebene  und  Angehörige,  umb  alle  auf  Dato
von  ihnen  verübte  feindlihe,  aud)  andere  Actiones,  ie  die  immer
Namen  haben,  und  befchbehen  feyn  mögen,  in  Emigfeit  nicht  befprodyen,
gerechtfertiget,  noch  unter  einigen  Pracetext  angefochten  werden,  fon
dern  wad  immer  befchehen,  alle8  gänslich  perdonirt,  vergeflen,  tobt
und  ab  jeyn  folle,  und  daß  alle,  die  jeßo  dem  Obriften  Untergebene,
welche  Hierumb  unter  fein,  Herrn  Obriften,  Hand  und  Pittfchafft
Schein  vorzumeifen  haben,  foldyen  General-Pervons  in  fo  meit  fähig
und  theilhafftig  bleiben,  auch  darfür  im  Neich  aller  Orten  pafitert
werben  follen,  ald  wan  fte  felbft  ein  Sayferl.  Original-Diploma  toten
völligen  Berdond  in  Kanden  hätten.

Fürs  jechfte,  mann  vor  Richtigkeit  der  Kahferl.  Ratification  der
Obrijte  Wiverhold,  oder  nach  der  Ratification  und  darauff  verfproches
ner  maffen  erfolgenver,  völliger,  aufrichtiger  Uebergab  der  Beftung
Hohentwiel  an  hocdygevadhte  Ihre  Fürft.  On.  zu  Würtenberg,  von
einiger  feindlichen  Armee  folche  Veftung  belägert  oder  blocquirt  werden
  möchte,  folen  allerz  und  höchged.  Kayferl.  Maj.  und  Ehurfl.
        <pb n="121" />
        105
Durdıl.  in  Bayern  2.  folche  bey  rechter  Zeit  zu  entfeßen  verbunden
feyn,  doch  wegen  deren  auff  die  ded  Succurs  erlauffender  Kriegsfoften
halber  an  die  Beftung  oder  Ih.  Fürftl.  Gn.  zu  Würtenberg  ıc.  Feine
Refusion  oder  Ergetlichfeit  fuchen.

Siebendend,  warn  nach  eingelangter  Kayferl.  Ratification,  er
DObrifter,  feiner  getbanen,  ofnveränderlichen,  reblichen  Parole  nadh,
Hr.  Fürftl.  On.  die  Veftung  Hohentwiel  übergibt,  folle  dann  Yhr.
Yurftl.  On.  gang  frei  und  offen  jtehen,  da8  Coınmando  und  Guarnifon
in  folcher  Veftung  Ihr.  B.  On.  Belieben  nach  zu  verändern,  anzuord«
nen,  oder  jeßige  zu  confirmiren.

Schlieflihen,  und  zum  achten,  weil  er  Obrifter  viß  alles  ohne
fuchendeß  Interesse  ,  dergleichen  ihme  von  andern  vielfältig  in  groffen
Summen  angeboten  worden,  und  nod)  wird  ungezwungen,  ungedruns
gen,  allein  aus  treuem,  reblichem  und  Chriftlichem  Teutfchenm  Hergen,
35.  Fürftl.  On.  von  Würtenberg  sc.  und  Dero  Hodlöbl.  Kauf,  aud
deito  ehender  Beruhigung  viefer  Randen,  und  ded  allgemeinen  Reichdwefend
  zum  beften,  auffrichtig  meynet  zu  halten,  und  zu  tbun  verfpricht:
  So  will  er  fich  dargegen  auch  reciproce,  gegen  ihme,  und  ben
Seinigen  von  Kayf.  Maf.  und  Churfl.  Drl.  in  Bayern  ıc.  deren  Generalitäten,
  und  fämtlicher  Soldatesca,  au  I.  Fürftl.  On.  zu  Würten»
berg  ıc.  gleihmäfliger  Treu,  Intention,  und  gang  feiner  nivrigen  Bes
gegnuß  oder  Actionen  verfehen.

Zu  alles  defjen  fläter  auffrichtiger  Vollziebung  hat  der  Obrijte
diefe  von  ihm  resolvirte,  und  mit  venfelben  verglichene,  auf  aller=  und
gnädigite  Ratification  obhöchftgedachter  dreyer  hoher  Potentaten  ges
fiellete  Bunften  mit  eigenen  Händen  unterfchrieben,  und  mit  feinem
gemöhnlichen  PBitrfchaft  befräfftiget,  und  uns  obgenannte  dreh,  neben
ihme,  daß  diß  fein  endliher  Will  und  Meynung  feye,  mit  zu  unterfhreiben
  und  zu  fertigen  begehre,  fo  wir  auch  bey  oben  befchriebener,
warhaffter,  vorgangener  Bewandnuß  und  gepflugenen  Sandlung  gern
gethan.

Geben  auff  der  Beftung  Hohentwiel,  ven  21.  Maji  Anno  1644.

(L.  S.)  Conrad  Wiverholp.
(L.  S.)  5.  B.  Schäffer.
(L.  8.)  Antoni  von  Küigelburg.

(L.  S.)  Johann  Friedrich  Iäger,  D.
        <pb n="122" />
        Diefer  Bergleih  ging  nit  in  Erfüllung  wegen  ber
darin  enthaltenen  feden  Forderungen,  wodurdy  fowohl  dem
Kaifer,  dem  Reid  als  dem  gemeinen  Wefen  der  größte  Nadıs
theil  erwadifen  wäre.  Näheres  hierüber,  forwie  über  das  Pros
viantwefen,  Sommerverpflegung  ıc.  enthalten  beiliegende  drei
Schreiben  vom  21.,  22.  und  29.  Juni.

1,

Durchleuchtigfter  Herzog  Onäpigfter
Shurfürft  ond  Herr.

Em:  Churfrl:  Drl:  gnädigften  befelh  vom  14.  vifß,
fambt  den  Einfchlufßp  Hab  ich  mit  gebürender  Meuerenz
undertbenigft  empfangen,  vond  mehrern  inhalts  geborjamift
  vernommen.

Souil  nun  die  erbandlung  eined  Prouiantsvortathö,
  und  wohin  felbiger  zu  richten,  anbelangt,  da  wers
den  Em:  Churfrl:  Drtl:  von  dem  Schäffer  albereit  mein
meinung  bierinen  gnedigft  vernommen  haben,  vond  vermeine
  noch  (ievoch  ohne  unverthenigfted  maßgeben)  daß

feye  der  mainung  einen  man  den  gröften  Vorrath  vnd  Magazin,  mweiln  die  Ars
Profiantvorrath  nad)  Rotz  apa  auf  Freyburg  hinunder  gebet,  zu  Nothiweil  machen
weill  zu  maßen,  mit  bitt  folfe,  dann  von  daraus  die  Prouiant  gleich  auf  Billing,
der  Regierung  Haiblberg  _.  .  .
zu  beuel_hen,  damit  fie  fürterd  veber  den  Waldt  den  Völdhern  zuegefürth  werben
firderfamb  einen  Brofiant  fÖnden,  allein  Pithe  Ew:  Churfel:  Drel:  hiemit  vndervorratb
  an  Mehl  zufanı=  thenigft,  She  geruhen  gnebigft,  dero  vnderpfalzifchen
men  bringen  lafien,  daB  Pegierung  zu  Heidlberg  anzubefehlen,  daß  fye  aud)  davar
  die  Armada  hinumdert  —unper  ein  Worrath  Mehl  fürberfamift  zufamen  bringen
gehen  fole,  felbe  wenigiit  laffen,  damit  mann  dife  Armada  hinunder  geben  follte
ein  Monat  verfehen  wer:  ’  ’
ben  fönne.  felbige  wenigft  auf  ein  Monat,  und  fo  lang  mit  nötigen
Prouiant  dauon  verfeben  werden  möge,  biß  daß  folches
von  gedachtem  NRothmeil,  ond  aus  dem  Landt  zw  Würs
tenberg  dahin  fann  transferirt  werben,  dann  Em:  Chur
frl:  Detl:  felbften  gnäavigft  wohl  miffen,  dad  mit  denn
hiergu  nothmwendigen  fuhren,  nit  alzeit  fo  gefchwindt  aufzufonmen
  ift,  auch  biß  man  folcye  Prouiant  Binunder
bringen  Fann,  Zeit  ond  Weil  erfordert,  dahero  auf  fol-
        <pb n="123" />
        107

chen  fahl  die  Soldatesoa  vonder  befjen,  vnd  wann  foldhe
anftalt  mit  vorrätbigen  Mehl  in  der  vndern  Pfalz  nit
jolte  gemacht  werben,  nothleiven  müefte.

Betr:  vem  Schäffer  gnädigit  verwilligte  Bavden  Chur,  Starzhaufen  folle  morgen
da  bericht  Er  mich,  daß  der  von  Starghaufen  morgen  !iederumb  zur  Armada
mwiederumb  zu  der  Armade  fommen  wirbt,  alfo  kann  Er  el  Schäffer  bie
folche  fein  Baden  Chur  nach  Belieben  anftellen.

Megen  deren  von  Ingolftatt  nach  Thonaumörth  abgeführten
  200  Gentner  Buluer,  hat  ermelter  Schäffer  (mie
Er  mich  berichtet)  fchon  vor  etlich  tagen  gefchriben,  vah
folche  von  dar  auf  Tübing  abgeführt  werben,  vond  meift
audı  nit,  das  ihemalen  von  der  Kriegd  munition  etrwa®  mit  der  munition  folle  vfs
vnnuzlich  oder  vergebentlich  verbraud)yt  worden,  fondern  genauift  angetragen  wer:
man  ift  allzeit  fo  gefparfamb  alß  immer  menfch:  und  müg=  ben.
lih,  damit  vumbgangen,  wie  ich  dann  daran  fein  will,
auch  dem  General-Commissariat,  mann  ed  die  noth  er&amp;gt;
fordert,  an  die  handt  gehen,  damit  auf  genauift  pamit
vmbgangen,  und  nicht8  vergebentlich  gebraudht  werde.

Dem  Commissario  von  Vorftenhaufen  hab  ich  bereit8
  befohlen,  auch  veßwegen  zu  Erhaltung  ver  fuhren  vem  Commiß:  Forftenhau:
von  den  Ständten,  nötige  Patent  erteilt,  daß  Er  die  zu  fer  hab  er  beuelhen,  bie
Meming  anfommne  2000.  Stud  Schanzzeug  vor  dar  2000  fhanz  zeug  vf  Dil:

e  re  -  ..  lngen  veberbringen  zlafjen.
fürderfamift  auf  Villingen  veberbringen  laffen  jolle,  vn

zwar  nit  ohne,  dad  Em:  Ehurfil:  Dri:  difen  Sriteling

etlichen  vergleichen  Schanzzeug  gnädigft  herausgefchicht,

allein  Hat  man  ven  wintter  hindurch  vor  Vberling,  wie

aud)  an  ießo  vor  hohentwiel  foldye  unglaubliche  fchmwäre

arbeit  verrichtet,  ond  alfo  hart  und  fpigige  fülfen  durch»  weilln  fie  vor  hohentiviel
hauen  müefgen,  das  unmöglich,  das  nit  alled  zerfprungen,  folche  fehwere  arbeit  durch
und  zerbrochen  worden,  ond  fann  Ew:  Ehurfrl:  Dre:  folgen  verrichtet,  feie  nit
underthenigft  verfichern,  da8  auch  folder  Schanzzeug  zum  Munder  das  nit  alles  zer:
Öfftern  miderund  gefpist,  geftählet,  und  fo  lang,  alf  broden,

immer  menfch:  vnd  müglich  gewefen,  gebraucht,  auch

durch  den  mwagenmeifter  alzeit  nachgeführt,  und  nichts

bauon,  wa®  noch  zu  gebrauchen  gewefen,  bahinden  gelaffen

  worden,  Zu  deme  habe  ich  zu  Überling,  vergleichen
        <pb n="124" />
        108

—.

folle  ehift  ein  Derzeich:  auch  an  lego  vor  hohentwiel  300  ftudh  fchanz  Zeug  genuß
  einfhiehen,  iwas  an  Inffen,  wie  dann  Ew:  Churfrl:  Drl:  wo  ein  und  anders
anaäeng  hinderlaffen  ginkommen,  binnach  eine  verzeichnuß  gehorfamift  eins
\  geihickht,  auch  guäpigften  befelch  gemeß,  binfürterd
iemandt  gewiffer  hierzu  verorbnet,  vnd  barumben  alzeit

gebürende  rechenfchafft  gegeben  werben  folle.
erivarte  Weitern  beuelch  Wegen  der  rencontre  bet  böffingen,  will  ich,  was
ivegen  ber  recontre  bei  piefelbe  mir  gnapdigft  befehlen  werden,  gehorfamift  er»

Hiffingen.  warthen.

Wegen  remontirung  der  verlofrenen  Mannfchafft,
Pferdt,  und  armaluren,  werden  Em:  Ehurfrl:  Dr:  die
ftehe  zu  erwarten,  wegen  Beichaffenheit  fowohl  auß  meinenn  vonderthenigften  Bes
fi  E:  Churfrl:  Dr:  wer  ridyten,  alß  auch  aus  ver  Obriften  felbften,  und  des
gen  außwerlung  ber  ger  Schefferö  relationen  gnädigft  vernommen  haben,  vnd

fangnen  resoluiren  wer:  berubet  allei  ,  ,  ,
\  ein  darauf,  weflen  Em:  Ehurfl:  DrY:  fich  wegen
ben,  wolle  daran  fein,  das  arauf,  jj  durfl  fich  meg

die  verlorne  Manfchafft,  außwechßlung  der  gefangnen  fich  gnüpigft  resoluiren

pferdt  und  arınaturn  ehift  Werden,  will  auch  vnderbejjen  daran  fein,  damit  folder

erfeßt  werben.  Verlurft  an  ver  Danfchafft,  Pferbt,  ond  Armaturen
ebift  möge  erfeßt  werden,  Zumaln  die  Ständt  gnädigfter
intention  nach  megen  bezallung  ded  fünfften  Monats
fchrifftlich  erfuchen,  Was  fonften  jeithero  bei  einem  und
anderm  Regiment  anfonımen,  vnd  wie  flardb  ein  jedes
ift,  geben  die  Muffter  Rohlen  mehrers  gnäpigft  zu
erfehen.

Dep  Eofeldhifchen  Regiments  Obrift  Leütenant
belangend,  da  ift  folcher  ein  gueter  reblich  und  Ehrlicher
mann,  deme  wohl  zu  trauen,  auch  das  Megiment  in

nant  feye  ein  Gbrlicer  absenz  feined  Obriften  zu  Commendiren  Capabel,  db
Mann,  und  werde  das  Re,  AM  beifen  Vator  ich  nit  zmweifle,  dad  nun  gemeine  reitter
giment  bie  zu  feines  Obri-  manguirt,  da  laffe  ich  degmegen  fon  vleißigft,  geftern
ftien  Erledigung  woll  Com-  vndertbenigft  berichter  maffen  nacforfchen,  wann  ih
mendirn,  von  ben  Caßals  auch  folche  in  erfahrung  bringen  würdt,  will  ich  etliche
Ahifhen  Reuttern,  fo  in  pauon  andern  zum  Erempel  archibusirn,  au  mir  fober

  recontre  manquirt
wohln  vi  tiru  Conseruation  Pegi
haben,  wolle  er  vf  erfor:  hin  die  remontirung  alf  ion  deffen  Regifchen

  etlihye  archibusiern  MNt  angelegen  fein  laffen.
laffen.  Die  gefange  beeve  Franzgofen  Vitermont,  vnd  du

der  Sofaldkhifch  Obrift  Leut:
        <pb n="125" />
        109

Sontet,  feind  2.  Gapitaine  under  dem  Reuifchenbergifchen

Regiment  gefangen,  jo  zwar  Irer  ranzion  halben  fich

noch  nit  verglichen,  allein  will  der  feint  ganz  feine  Franz  der  feind  wolle  feine  Fran:
zofen,  fondern  nur  Teutfche  außmechgIn  Taffen,,  doch  feind  zofen,  jondern  nur  Teut:
fpe  wohl  zu  entlaffen,  dann  mann  fhe  einmahl  [of  mwers  Ihe  aufwechrln  Iafen.
den,  ond  in  Brandhreich  fommen,  felbige  fobalven  nit

mebr  heraus  begern  iwerben.

(Betr:  den  der  Frauen  Brfula  von  Stadion  Wittis  dem  Safalkhifchen  Obrifts
ben,  durch  etliche  Eofeldhifche  Reitter  abgeraubten  Sti=  leitnant  hab  er  beuelchen,
bih,  da  hab  ich  albereit  dem  Cofelhifchen  Obriftleutes  die  Tenige  Stibih,  fo  die
ndnt  orbonanz  ertbeilt,  nit  allein  die  abgenommne  fach,  Reutte  ber  DBrjula  von

.  Stadion,  Wittiben,  abge:
oder  wann  fbe  ed  fchon  verpartiert  beten,  darfir  dad  nommen,  vnuergogenlid
billiche  precium  unuerzogentlich  restituiren,  fondern  aud)  restituirn  slaffen,  vnd  bie
die  thäter  darumben  Exembplarifc,  abftraffen  zu  laffen,  Thätter  zu  firaffen.
auch  mich  wie  ein:  und  ander&amp;amp;  befcheßen,  alfobalden  zu
berichten,  fb  Em:  Churfrl:  Del:  auch  binnady  vnderthenigft
  veberfchreiben  merbe.)

Dennah  Em:  Churfrl:  Dri:  fidy  auch  gnädigft  resoluirt,
  mir  ond  andern  eine  Sommer  Verpflegung  gnädigft
  geben  zu  lafien,  Nun  aber  fjomwohl  ih,  alß  andere
bifen  ganzen  Wintter  hindurch  alle  mit  höchftem  Bn=  bitt  die  Sonmer  verpfle:
foften  (wie  annoch)  Fauffen  laffen  miefgen,  auch  wo  wir  gungs  verwilligte  gelver
nun  hinfommen,  dad  geringfte  nit  finden,  fondern  man  *bift  Hinauß  ordnen  zinfs
alled  mit  onerfehwinglichen  unfofften  zuebringen  Laffen  PFt,  weilln  er  und  andere
.  ,  Generales  folche  zum  hödh:
müelßen,  AB  Pithe  Em:  Churfrl:  Dril:  Sye  geruben  ften  nöttig.
gnäpdigft,  für  mich  ond  andere  die  gnädigft  verwilligte
gelter  fürderfamift  heraus  zu  fchaffen.

Derofelben  zu  beharrlicden  Churfl:  milten  dulden
ynd  genaden  mich  unverthenigft  enıpfehlend,  verbleibende

Em:  Ehurftl:  Drei:
Dat:  Mülhaufen  bey  Hohenmiel
21.  Xuny  Anno  644.
vndertenigfter  gehorfanfter
dranz  von  Meroy.
        <pb n="126" />
        110

2,

Durdjleüchtigfter  Herzog,  Onäbigfter
Churfurft  und  Serr.

Em:  Ehurfrl:  Drl:  an  mich  den  18.  bifß.  gnäpigft  abgelafnen
befelch  mit  fambtlichen  beylagen,  bab  ich  mit  gebürender  reuerenz
pnderthenigft  erhalten,  vond  mehrern  inhaltd  gehorfamifl  vernommen.
Souil  nun  Heinfelden  betr:  dag  felbige  Guarnison  fich  fchmirig  erzeigen
folle,  und  daß  fhe  fich  verlauten  laffen,  wann  man  Inen  die  handt
büethe,  She  fih  ein  anderd  resoluiren  mwolten,  da  ift  mir  zwar  folche8
von  den  Correspondenten  au&amp;amp;  Bafel  auch  zuegefchriben  worden,  allein
fann  ich  veme  ganz  Fein  glauben  geben,  dann  foldhed  feithero  fchon
lautbar  werde  worden,  zu  veme  fo  ift  in  gebadhtem  Seinfelven  wie
Em:  Ehurf:  Durl:  bey  dem  Scheffer  Durch  Da8  memorial  onderthenigft
anbringen  laffen,  ein  Pfarrherr,  mweldyer  warn  etwa  daran,  nid)
deffen  gemwifß  auch  auisirt  bete,  und  bericht  eben  der  Correspondent
offtermahl  alled  wad  Er  ınir  hir  Hin:  vnd  her  höret,  gleich  für  ein
warheit,  wann  fih  auch  einige  occasion  mit  ermelten  Nheinfelden
praesentiren  folte,  werbe  ich  fulche  nit  auffer  acht:  fundern  mir  ieberzeit,
  waß  immer  menfch:  vnd  müglich  zu  thun  fein  wirbt,  gewiß  eüfferigft
  angelegen  fein  Taffen,  daß  die  ihenige  fachen  aber,  meldhe  von
Münden  beraußgefchriben,  ond  resoluirt  werben,  offtermahlen  gar
zeitlich  außbrechen,  da  weiß  ich  nit  moher  ed  fombt,  und  von  weme  ed
befchicht,  allein  thung  meine  leuth  nit,  vnd  fann  Em:  Ehurfrl:  Drei:
onderthenigft  verfihern,  daß  mir  offt  gnädigfte  befeld  zue  kommen,
beren  Inhalt  mir  fehon  zuuor,  ehe  fye  mir  einlangen,  bemuft  ift,  nit
weiß  id),  ob  villeicht  vauon  Copia,  auch  meme  folche  gefchiefht  werben
möchten,  wann  ich  auch  einen  dergleichen  propalanten  erfahren  folte,
wurde  ich  gewißlich  gegen  vemfelben  ein  Exemplarifdyed  einfehen  fürs
nemmen.

Belangent  den  Kuntfchaffter,  veijen  fich  der  feint  bebient,  ba
hab  ich  alfobalden  dem  General  Profofen  und  feinen  Leutenanten  auch
dem  General  Auditor,  von  feiner  Berfohn  description  Eopiam  geben,
folhe  allen  Profofen  zu  veberreichen,  auch  fonften  aller  orthen  guete
anftalt  gemacht,  damit  difer  verräther  bei  dem  Kopff  möge  ertapt
werben,  welcher  auch,  warn  e8  gefchieht  feiner  verrätherei  halben
        <pb n="127" />
        111

andern  zum  abfcheilichen  Erempl  gewifßlich  ernfthafft  fulle  abgeftrafft
  werben.

Der  Trompeter  fo  zun  Marchal  d’  Tourraine,  wegen  ber  gefangnen
  gefchiefht  worden,  ift  noch  nit  wider  zurudh  Tommen,  allein
befindt  fich  ein  Trompeter  vom  Rofa,  megen  außmwechßplung  folder  gefangner
  alhier,  berubet  alfo  nur  auf  deme,  vnderthenigit  berichter
maffen,  iweffen  Em:  Churfrl:  Dri:  fich  bierinen  gnädigft  resoluiren,
ivie  ich  dann  derofelben  gnäpigften  befelch  gehorfumift  ermarthen  werde,
allein  wollen  jye  feine  Srangofen,  fondern  nur  Teütfche  außmechßIn,
dem  Trompeter  hab  ich  auch  gefagt,  daß  vnfere  gefangıre  von  den  Jrigen
  fo  vebel  tractirt  ond  gehalten  werben,  ber  will  aber  foldhe8  im  ger
ringften  nit  befteben,  allein  will  ich  den  Marquis  de  Vitri  Giß  vnfer
Trompeter  wider  zu  rudh  anlangt,  aufhalten,  audı  Ime  Vitri,  wann
fih8  alfdan  zeigt,  vor  feinem  verreyfen  alles  gnädigften  befelh&amp;amp;  gemeß,
vorbalten.

Daß  einer  von  des  feints  Rithmeiftern  jelbften  fich  vernemmen
laffen,  ob  folte  ver  anfchlag  mit  iungften  Einfahl  bey  Tonefchingen  dem
feint  vornemlich  von  dem  Commendanten  zu  hohentwiel  an  vie  handt
geben  worden  fein,  laffe  ich  zwar,  daß  Er  fid)  deffen  vernemnien  haben
laffen  mechte,  gefchehen,  allein  Fanıı  ich  mir  vaderthenigft  berichter
mafien  folche®  nit  einbilten,  weil  der  effectus  ein  anderd  zuerfenen  gibt,
in  deme  Er  die  tractata  felbften  eüffrig  vrgiret,  ond  zu  halten  begeret.

Waß  e8  mit  der  Muffterung  fomwohl  der  Regimenter  zu  Pferbt,
alß  zue  fueß  für  ein  befchaffenheit  hat,  werden  Em:  EChurfrl:  Drl:  von
dem  Schäffer  mebrer3  gnädigft  vernemmen.

MWeiln  nun  fomohl  Er,  alf  audy  der  Obrift  Kürmreiter  mid
bericht,  das  vnder  feinem  Regiment,  von  den  3.  Wolffenbütlifchen
Gompagnien  fi  in  70.  Reitter,  fo  noch  nit  montiert,  bsfündten,  welche
fonften  guete  Solvaten,  auch  wohl  befleit  feind,  ond  fi  gern  brauchen
Tafien  wollen,  A  Pithe  Em:  Churfrl:  Del:  hiemit  onderthäanigft,  Sye
geruhen  gnädigft  zu  uerfchaffen,  mweiln  jelbige,  wann  fye  nit  accommodirt
  werben,  fonften  zu  grundt  gehen  müefßen,  auch  fonften  dauon
lauffen,  fo  noch  guete  dienft  praestiren  fünden  ,  das  folche  fürderfamift
mechten  berithen  gemacht,  vund  muntirt  werden,  und  werden  die  Rithwmeifter
  felbige  auch  gern  accommodirn,  wann  man  Inen  nur  ein  wenig
mitel  darzue  an  die  handt  geben  wirbt.
        <pb n="128" />
        112

Derofelben  zu  bebarrlichen  Churfrl:  milten  hulden  und  gnaben

ih  mid)  onberthenigft  enıpfehle  und  bleibe

Em.  Ehf.  Dehlcht.
Dat.  Keipferding  22  IJuny  Anno  1644.
(beantmworttdt  27  Jun  644)
Bnoertenigfter  gehorfamfter
$ranz  von  Meroy.

d.
An  den  Veldmarfchall  von  Mercy.

Marimilian  ıc.

Kieber  getreuer.  Wir  haben  eure  fchreiben  vom  21.  ond  22.
1)  difß.  empfangen  vnd  vernommen.
Souil  nun  daß  prouiantwefen  betrifft,  da  würdet  euch  daß
2)  General  Commissariat  referirn,  maß  wir  Ihnen  deßhalb  nıeh»
terd  beuelchen,  ond  fir  mittel  Hinaußfchichen,  darauf  wür  unf
hieniit  beziehen,  vnd  geraicht  vnnß  zu  gnäpigftem  gefallen,  vaß
3)  ihr  wegen  der  pruiant  alfo  forgfältig  feith,  vnd  euch  die  Conseruation
  ded  volfh8  mit  foldhem  etifer  angelegen  fein  Tafft,  daß
aber  ven  Reittern  anftatt  der  Prouiant  gelt  geben  werben  folle,
4)  finden  wir  hechft  fhAplich,  wie  wıir  dann  dem  General  Commissariat
  die  barauß  entftebende  inconuenientien  vd  vungelegenheiten
  mit  mebrerm  gefchriben,  Deromegen  und  weil  ed  zum  ruin
vnd  verluft  willen  volfh8  gereicht,  auch  leichtlich  ein  noch  gröfs
ferer  fchaden  varauß  entftehen  Eonte,  To  betet  ihre  Eheinedmegs
gefchehen  Taffen,  fundern  felbft  verhindern  und  abftellen  follen.
5)  Die  Sommerverpflegung  wollen  wür  ehift  hinaußfchidhen.
Maß  anbelangt,  daß  durch  eure  Leuth  von  geheimen  fachen
niht8  außfhomme,  fondern  daß  euch  mol  zu  zeiten  der  inhalt
von  vnfern  beuelchen,  ehe  euch  felbige  zufhommen,  bebeitt  wors
den,  da  habt  unn  ihr  zu  berichten,  von  weni  ein  folche8  gefche-6)
  ben,  vnd  dafern  fich  dergleichen  Ehonfftigs  begeben  folte,  Sy
        <pb n="129" />
        113

wuürffet  Ihr  die  Ienige,  welche  euch  mit  folchen  fachen  vorfhoms«
men,  woher  fye  von  ven  beuelchen  nachricht  haben,  zu  fragen,
pnd  onnß  felbige  namhafft  zu  machen,  bamit  man  einftens  auf
den  grund  Ehommen  und  die  fhäbliche  palesationen  durch  statuitung
  gebürenden  Erempls  praecauirn  föhnne.

Sonften  haben  wür  nadıricht,  daß  der  Commendant  vf  H0=bentwiel
  onderm  praetext  der  vermainten  tractatn  nod)  flettige8
darauf  ombgebe,  wie  er  fuetterei,  Holz  vıd  andere  notturfft,
daran  er  mangl  bat,  in  die  vefftung  hinaufbringe.

7)  Gleich  wie  wür  eudy  aber  fehon  vorher  außfiehrlich  bebeitt,
warumb  vnd  auß  was  vrfach  genachtem  Commendanten  daß
menigift  hinauf  zu  Taflen  Eheines  megd  rathfamb,  Alk  Habt  ihr
bei  dem  Dbrift  tenant  Marimont  ernfthafft  zuuerfiegen,  daß  er
ihme  vurchauß  nichts,  e8  fene  gleidy  wa8  ed  immer  wolle,  hinaufs
laffe,  fonvdern  die  bloquirung  vf8  vleißigift  fortfege,  und  gevadhten
  Commendanten  fambt  der  guarnison  in  möglichfter  enge
halte,  Inmeffen  ihr,  weilln  feine  actiones  auß  der  experienz
genuegfamb  befanth,  mit  Ihme  gemahrfamb  und  ficher  ze  gehen,
und  wol  adıt  ze  geben,  damit  man  von  ihme  nit  mit  disreputation
  hinder  das  liecht  gefiehrt  werde;  Dan  ob  ihr  fchon

8)  meldet,  daß  Ihr  euch  nit  Einbilven  Ehönet,  daß  er  ben  anfchlag
of  euren  bruedern  bei  Hifingen  an  die  handt  geben,  weil  er  vie
traclata  felbft  eifrig  vrgir,  ond  zu  balten  begehre,  fo  ift  doch
folches  Ehein  fundament,  daß  man  ein  beflerd  von  Ihme  praesumirn
  foll,  dan  daß  er  berierte  tractaten  vrgirt  vnd  zu  halten
begertb,  daran  fucht  er  nicht8  anders  alß  feinen  Vortheil,  zu»
mahln  er  folche  impertinente  fachen  begerth,  weldye  Ihrer  Kail:
Majl:,  dem  Rei  vnd  gungen  gemainem  Wefen  zu  hechilem
nachtbeil  geraichen,  ond  dahero  felbige  einzeiwilligen  weder  thun=9)

  ih,  Nuzlih  nody  rhauih,  Ein  ald  anderwegen  Ehan  man  bie
tractaten  mit  ihme  vortfeßen,  vr  fechen  ob  er  fich  feinem  vor»
geben  nach  zu  billichern  conditionen  bequeme;  oder  ob  er  etiva
wan  nıan  ihme  ein  Suma  geltö  zur  recompend  gäb,  zur  Veber-10)

  gebung  zu  bringen  fein  möchte,  Intrim  aber  und  weil  nit  ongeitig
zu  befahren,  ver  feindt  möchte  under  der  Zeit  weil  Ihr  mit
Srenburg  Ivipegniert,  of  unfere  vor  befagter  vöfftung  Hohenmwiel

8
        <pb n="130" />
        114

ligenvde  völfher  ntit  feiner  ganzen  forze  etma&amp;amp;  fürnemen,  vn
tentiren,  wie  er  felbige  ruiniren  vnd  verfchlagen  fhönde,  So

11)  wervet  Ihr  hierauf  nit  allein  ein  wachfame®  aug  zhalten  und  mie
des  feindeö  geferliche  intention  in  Zeiten  zu  contraminirn  darauf
zugedenfhen,  fondern  auch  vor  beuoldhner  maffen  die  werdh  vor
Hohenwiel,  wofern  ed  nody  fomweith  nit  gefcheben,  in  folche  Praefeotion
  bringen  zlaffen  wiffen,  damit  fich  vnfere  Völkher  varinn
gegen  ven  feindt  flcherlich  defenbirn  und  erhalten  Fönden,  vnd
darauß  nit  anflatt  des  verhoffenden  Nuz  grofier  [haben  und
bifreputation  entfpringe,  und  ift  diffahls  omb  fonil  mehr  Alerta
zujehen,  und  wohl  acht  zu  geben,  weil  die  feindt  an  ber  hand,
deshalb  Dan  ver  feindt  wo  müglich  etmaß  intentirn,  und  dem
Gommendanten  zur  einbringung  der  Erndt  lufft  zu  machen,  auch
ihme  felbft  darzu  zuverhelfen  an  eufferifterer  müglichheit  nichts
erwinden  laffen  würdet.

12)  Wegen  vnferer  beim  feindt  gefangenen  werdet  ihr  unkerbeffen
vnier  resolution  empfangen  haben,  worgber  wür  be  eruolgs
ebift  berichtlich  erwerttig.

Die  an  Ihre  Mapl:  gebettene  recomendation  wollen  mir

13)  euch  erthallen,  vond  vunferm  Agenten  zu  Wien  dem  Dr.  Stihl
beuelhen,  felbige  zu  vebergeben  und  darauf  resolution  zu  vrgirn.

Schliefglih  Habt  ihr  aud  dem  einfchlufß  zu  erfehen  an  unnß
der  Duc  d’Angouleme  wegen  beß  gefangnen  Obrift  Keitenant
Naigonne  gelangen  laffen,  worüber  wür  mit  vefjen  loßgebung
ihme  Duca  zu  willfahren  gedenfhen,  verowegen  ihr  demjenigen,
welcher  von  ihıne  Naigonne  die  ranzivn  zu  praevidiro,  bife  onn«
fete  intention  zu  notifieirn,  bamit  er  fich  der  ranzion  halb  mit
ihme  vergleiche.  Da  fye  nun  derntiwillen  ainig,  Habt  unnß  ihr
deffen  zu  vnnfer  nachricht  und  weiterer  verfiegung  zu  berichten.

Wollten  ıc.
Datum  ven  29  Juny.

Obrift  Wiererhuld  fam  wegen  diefen  Verhandlungen  in
ven  Verdadt,  als  habe  er  fi  befteden  lafien.  Marfhall
        <pb n="131" />
        115

Türenne  und  der  Commandant  von  Breyfakh,  General  Erlad,,
forderten  ihn  deshalb  auf,  ver  bisherigen  Eade  treu  zu
bleiben.  Wegen  diefes  PVerbadites  erließ  Wiederhold  unter
dem  21.  Juni  von  Hohentwiel  aus  nadftehenden  offenen  Brief.

Brief  Wiberbolds  de  dato  Hohentwiel  11.  21.  Junii,

Mir  zmeiffelt  nit,  daß  nicht  allerhand  wider  einander  lauffende
Meden  unter  dem  gemeinen  Pöffel,  wegen  ber  rantione  Yhr.  Bürfil.
Bm.  Herkogen  zu  Würtenberg,  und  diefes  von  Derofelben  mir  hiebevor
anvertraueten,  und  biß  auff  dato  erhaltenen  Plaed,  gepflogenen  Trac
taten,  im  Schwang  geben,  an  die  fich  aber  ein  eyferig  patriotifch  ®emüth
  gank  nicht  zu  fehren,  fondern  gewiß  verfichert  halten  mag,  daß
hierunter  gant  fein  privat-Interesse,  al®  deren  man  mir  offt  in  groffen
Summen  angebotten,  versire,  fonbern  mein  Übfehen  einig  und  allein
dahin  gebe,  wie  das  zertiffene  Herkogthum  Würtenberg  einft  einmal
zufamimen  zu  bringen,  fo  viel  1000  bedrängte  Seelen  in  Ruhftand  ges
bracht,  und  Bergieffung  weitern  Chriftenbluts  verhütet  werden  möge.

Der  meiite  Theil  dubitiret  zwar  flard  an  Kayferl.  und  Ehurs
Baprifcher  Seiten,  ed  werbe  jolche  Ratification  hart  halten,  und
allerhand  Mittel  auff  die  Bahn  gebracht  werden  mwollen:  viefes  hoche
wichtige  Werd  entweder  weit  hinaus  zu  verlängern,  oder  aber  mit  uns
beliebigen  neuen  Tractaten  zu  vermengen:  Sch  aber  verbleibe  bey
meinem  Anfangs  gefaften  fchrifftlich  übergebenen  Propos,  gevende
aud)  darvon  den  geringften  Meyerhof,  gefihmeige  wa8  anders,  nicht
bintertreiben  zu  laflen,  weniger  weiche  ich  von  der  Veftung,  fo  lang,
biß  man  genugfam  verfichert.  Würden  aber  die  Sachen  anders,  oder
zu  Streichen  ausfchlagen,  oder  meine  Sincerationen  bißmald  in  ber
gelegenen  Zeit  nicht  beobachtet  werben  wollen,  fo  ftehe  ich  in  der  alten
Poftur,  und  lafje  mich  gewiß  darzu  nimmermehr  bereven.  Man  bat
fi)  auch)  feine  Gedanken  darvon  zu  madyen,  e8  wäre  dann,  daß  Gott
den  edlen  Teutfchen  Srieden  befchehren  thue,  da  dann  billig  alles  an
feinen  gehörigen  Ort  wieder  übertragen  zu  werben  fi  ein  jeder  fehulbig
wiffen  fol.

Noch  zur  Zeit  ift  hierum  vom  Kayferl.  Hof  nicht8  erfolgt,  man
erwartetö  aber  ftündlich.  Indeffen  umbhenfen  ung  die  Bayrifhen  mit
Scyangen  und  Nebuiten,  wie  ein  Jacob8-Bruder  mit  Mufcheln,  blel«

8%+
        <pb n="132" />
        116

ben  aber  ziemlich  weit  vom  Centro,  gebenden,  meit  von  baiinen  feh..
gut  für  die  Schuß,  die  Armee  ftehet  noch  fämtlich  ta..  So  viel  nian
weiß,  mangeln  Zebendmittel  bereit  fir  Menfchen  und  Viehe,  alfo  daf
der  im  Auff  gehende  Auffbruch  bald  wird  erfolgen  müffen.

Nachdem  deromegen  bie  fürgemwefene  und  jeht  erzehlte  Tractaten
mit  Hohentwiel  feinen  Effect  erreichen  wollen,  hat  die  Chur-Bapyerifche
Neiche-Armada  felbigen  Ort  mit  5  Haupt-Schangen,  und  barzu  gebörigen
  Völkern,  untern  Befehl  des  Dbr-Meylands  ,  blocquirt  hintere
laffen,  und  fi)  von  dannen  für  Sreyburg  begeben,  meldye  Stadt  fie
endlich  auch  Durch  Accord  erobert.

Die  Vefte  Hohentwiel  blieb  unterbeffen  von  den  Bayern
bis  zum  Eintreffen  der  Faiferlihen  ntfheidung  umlagert;
aud  wurden  nody  mehrere  Schanzen  angelegt,  weldye  fämmt-(ih)
  durd  einen  Graben  mit  einander  verbunden  waren.
Feindfeligfeiten  fielen  während  diefer  Zeit  Feine  vor,  da  fid
die  Belagerer  ruhig  verhielten.

Beiliegender  Plan,  weldyer  dem  im  fönigl.  Reidhsardive
vorgefundenen  unverändert  nachgezeidhnet  ift,  und  nadıftehende
Epecification  dürften  hinreihenden  Auffhluß  geben,  auf  welde
Art  und  Weile  die  Bayern  die  Vefte  Hohentiviel  umfchloffen
hatten.  Die  Gorm  und  Anlage  der  Schanzen  ıc.  geben  uns
übrigeng  einen  Beweis,  wie  weit  dDiefer  Theil  der  Kriegsfunft
  fon  damals  vorgefchritten  war.

Specification
Mit  mwievil  zu  Roß  und  Zueß  alle  Haubtwerfh  und  Reduten
befeßt  fein.

No.  2.  50  Mann  Ehurbayerifche.
3.  20
4.  10
5.  100

Lat.  180.
        <pb n="133" />
        117

Transp.  180
No.  6.  200  zu  fues  und  250  zu  Pferbt  wovon  50  bei  ver  Weinbergs=T.


8.
9.
10.

fhanze  die  Wadıt  haben.
50
30  &amp;gt;
20
20

 

Sa.

11.
12.
13.
14.

750  Chur-Bay.  zu  Ro  und  Fues.

80  zu  Fued  Lindauifche.
30
30
100

 

Sa

15.

16

.  240  Lindauifche  Völdher  wozu  die  dftr.  40  Mann  geliehen
alfo  nur  200  Lindauifche.  :

20  zu  fued  öfterreichifche.
.  268  und  100  Pferbt.

 

Sa

.  388  Öfterr.  VBoldh  zu  Pferbt  und  fued,  wovon  den  Lindauifchen
40  geliehen  worden  und  follen  auch  die  3  Mebuten  fo  noch
zu  bauen  gegen  Uch  hinauf  bauen  und  befegen.

Nahftehendes  Berzeihnig  dürfte  zur  Genüge  beweifen,

mit  welder  Eorgfalt  fhon  damald  das  Hauptquartier  des
Eommandirenden  gebildet  war.

Ir.  Erzl.  Serr  General  Belt  Marfchall  Sreyherr  von  Mercy.

s

-  Zobann  Freyherr  von  Wörth,  General  veber  die  Caualleria.

Herr  Seneralwachtmeifter  Sreyberr  von  Mercy.

=

3

.  von  Reufchenberg  Freyherr  zu  Sitterich.

General  Commissarius  Scheffer.

.  z  von  Starzhaufen.
-»  Duartiermeifter  und  Obrifter  von  HoT;.
_  Vicarius.

s  Yupitor.
        <pb n="134" />
        118

Herr  Kriegdcommiffar  von  Vorftenhaufen.
E  s  Söldner.
=  Proflant  und  Kriegscommiffär  Schaldh.
=  Kriegs  Commiffär  Schweidhl.

=  -  Pittinger.
.  e  Prenner.
«  -  Reitter.
-  .  Schadner.
E  s  Rampf.

Velt  Zal  Ambt.

General  Profop.

Nelt  Medicus.

Belt  Apotedh.

Kriegs  Canzley.
General  Commissariats  Ganzley.
Oeneral  Adiutant  Ottenthall.

n  =   Gtehle.

n  =   Hüttendorfer.
Duartiermeifterleut.  Opfer.
.  s  KÖlbl.
Wagenmeifter.

=  »  leutenant.
Hoffurir.

Gapitain  d.  Guide.
Herr  Erzellenz  von  Mercy  Alblutant  und  aufiwarter.

W

W

=  =  =  Mörth  =  s  3

=  Ölmwadytm.-  Mercy  =  -  z

s  m  =  Haujdyenberg  Adiutant  ond  aufiwarter.
2  Profop  Leutenant.
Hofftabs  Beltfcherer.

Gerichtichreiber.
4  Hofftabs  Einpfenniger,  Hofmann,  Barl,  Haund  Ziwey  und  Beter.

Profient  -Stab.
Profiant  Bermalter  Däftnger.
-  =   Baul  Wilhelm.
        <pb n="135" />
        119

.—_——  mn

Profiant  Verwalter  Zeuerer.
 Buhrwerhs  Gommiff.  Bart  Mayr.

-   Dfficier  Holl.

.  =   Geruasi.

s  :s  Berlin.

-  :=   Kögl.

“  =  von  Män.

e  «e   Grhart  Mayr.
”  e  Dauidt  Stich.
=   Bardbenmeifter.

s»   Anifpanniger.

:s   SHandtlanger.

Muplbaufen  v.  Hohentwiel  18  Jung  1644.

Bor  Hohentwiel  den  Oberften  Meillarb  mit  einigen  Trups
yer  zur  Blodirung  Diefer  Fefte  zuridlaffend,  rüdte  Mercy
mit  ber  bis  auf  16,000  Mann  verftärften  bayerifchen  Armee
am  5.  Juli  vor  Zreiburg  im  Breidgau.  Die  Vorftabt  wurde
fogleich  eingenommen  und  »on  hier  aud  ein  Bertheibigungss
thurm  der  Ringmauer,  der  die  Vorftadt  beherrjchte  und  den
Belagerern  fehr  nadtheillg  war,  aufs  heftigfte  befcoffen,
worüber  derfelbe  bald  zufammenftürgte.  leichzeitig  ward  das
unweit  der  Etadt  gelegene,  von  60  Franzofen  befegte  Schloß
Edweifen  angegriffen  und  burd  ftarfed  Bombardement  zur
Tiebergabe  gezwungen.  In  Sreiburg  lag  der  Dberft  Friedrid
Ludwig  Kanoiwöfy  mit  1400  Mann  Infanterie  und  150  Reis
ten;  e8  war  auf  fehs  Monate  verproviantirt.  Freiburg  zu
enifegen,  wurden  aud  verfhiebenen  Barnifonen  des  Ella
10,000  Dann  und  40  Gefhüge  zufammengezgogen,  mit  wels
den  der  frangöfiidge  Marfhal  Zürenne  in  ver  Nadt  des
20.  Juli  bei  Breifady  über  den  Rhein  ging,  Die  bayerifce
Armee  ward  dadurd  genüthigt,  fih  auf  den  Freiburger  Berg
zurüdgugiehen  und  nur  einige  Truppen  in  den  Berfdyangungen
der  Vorftadt  liegen  zu  lafien.  Am  11.  Juli  warb  jedod  die
        <pb n="136" />
        120

Sohannitervorftadt  gleihfalld  von  den  Bayern  erftürmt,  wobei
fie  einen  Eaplitain  und  50  Mann  verloren.  Am  20.  und
21.  Zuli  wurde  die  Stadt  ftarf  befhhoffen  und  am  21.  von
beiden  eroberten  WVorftädten  aus  Brefchen  gelegt,  von  denen
die  in  der  Sohannitervorftadt  durdy  eine  Mine  erweitert  werden
  mußte.  Die  franzgöfifhe  Armee  hatte  fi},  gegenüber  ver
bayerifhen,  auf  einem  andern  Berge  gelagert,  fo  daß,  beive
nur  durh  ein  fchmaleds  Thal  und  Feine  Viertelftunde  welt
von  einander  entfernt  waren.  Ohne  etwas  Entfcheidendes  zu
unternehmen,  ftanden  fi)  beide  Heere  bis  zum  27.  Auli
gegenüber,  an  weldhem  Tage  4000  Franzofen  das  bayerifche
Lager  allarmirten.  Die  Belagerung  wurde  jedodh  ohne  Aufs
enthalt  fortgefegt.  Der  tapfere  Kommandant  Kanowefy  flug
eilf  Stürme  zurüd,  worauf  Mercy  das  Schloß  befhießen  ließ,
um  ben  Belagerten  jede  Retraide  zu  benehmen.  Ald  aud
hier  am  27.  Juli  eine  Brefhe  entftanden  war,  wurde  ein
Generalfturm  vorbereitet.  Diefen  Fonnte  der  Commandant
nicht  abwarten,  weil  er  feinen  Schuß  Pulver  mehr  hatte  und
fihh  auf  die  Hülfe  des  dem  Feinde  fchon  fo  Tange  unthätig
gegenüberftehenden  Lürenne  nicht  verlaffen  Fonnte;  er  capitus
lirte  daher  am  folgenden  Tage  und  erhielt  freien  Abzug  mit
Waffen,  Gepädf  und  allen  Kriegsehren  nah  Breifah,  wohin
er  am  29.  Zuli  Morgens  mit  600  gefunden,  200  Ffranfen
Coldaten  und  100  SBferden  nebft  2  Gefchüben  marfdirte.
Der  Herzog  von  Enguten  fhmwur,  ald  er  die  Llebergabe  von
Freiburg  erfuhr,  den  Commandanten  hengen  zu  laflen;  aber
der  PBremierminifter  Mazarin  begnügte  fih,  ihn  zu  verabfchies
den.  MUebrigend  lafjen  felbft  Kanomwsfy’s  Feinde  ihm  die  Gerechtigfeit
  wiederfahren,  daß  er  fi  al8  ein  tapferer  Eavalier
und  tüchtiger  Commandant  bewiefen.  Er  hatte  während  ber
Belagerung  über  600  Soldaten  verloren,  während  den  Bayern
der  Befit  von  Freiburg  2000  Mann  Ffoftete.e  Nad)  dem  Be:
rihte  des  bayerifhen  Obriften  Kolb  (d.  d.  Freiburg,  den
29.  Juli  1644)  find  zur  Belagerung  biefer  Stadt  2500  Earthaunen
  und  Balfonetfugeln,  100  Gentner  Musfetenfugeln
und  240  Gentner  Pulver  von  den  Bayern  verbraudt
        <pb n="137" />
        121

worden,  wogegen  die  Belagerten  die  in  der  Feltung  vor:
handenen  100  Gentner  bid8  auf  das  legte  Loth  verfchofien.
Die  Stadt  Freiburg  wurde  von  Mercy  mit  1000  Mann
befest  *).

Eo  fiel  diefer  wichtige  Plah,  nachdem  der  Marfhall
Türenne  einen  fAwahen  Berfud,  denfelben  zu  entfegen,  un:
ternommen  hatte,  in  die  Gewalt  der  Bayern.  Diefer  Verjud
beftand  darin,  daß  Tiirenne  eine  die  ganze  Ebene  bei  Frei:
burg  dominirende  Anhöhe  befegen  wollte  und  zu  diefem  Zivede
aus  den  Regimentern  Montaufier  und  Mezieres  ein  1000  Manıt
ftarfes  Bataillon  bildete.  Kaum  hatten  fi  jebody  diefe
franzöftfhen  Negimenter,  durd;  andere  Infanterie  foutenirt,
in  Bewegung  gefegt,  ald  Mercy  einige  20  Mufgquetiere  de:
tadjirte,  welde  den  Berg  von  einer  andern  Seite  fihnell  erfommen
  und  ein  Gewehrfeuer  gegen  bie  avancirenden  Frans
zofen  eröffneten.  Diefe  ftusten,  glaubten  die  Anhöhe  vom
ganzen  bayerifhen  Außvolfe  bejegt  und  geriethen  auf  den
fteilen  Wegen  in  Unordnung;  zwei  feige  Fähndridhe  wendeten
ih  mit  ihren  Fahnen  zur  Fludt,  ihnen  folgten  mehrere
Compagnien,  worauf  nach  einer  zweiten  Dedharge  der  bayeri«
hen  Mufquetiere  fih  das  ganze  franzöfifhe  Bataillon  auflöfte
und  den  Berg  hinabfloh.  Mercy  befekte  während  biefer
(himpflihen  Fludt  der  Feinde  den  Berg  mit  mehrern  Regimentern;
  Türenne  aber  gab  fein  Vorhaben,  weldjes  er  jegt
mit  großen  Opfern  hätte  erfaufen  müffen,  auf,  caffirte  bie
beiden  FYähndrihe  und  lagerte  fih  auf  einer  andern,  nur
400  Schritte  entfernten,  niedrigen  Anhöhe,  mo  er  im  Angefihte
  des  Feindes  —  der  in  feiner  Belagerung  ungeftort
fortfuht  —  ftehen  blieb,  jedod  feinen  ernftlihen  Entfaß
wagte;  die  nummerifche  Lleberlegenheit  des  Yeindes  und  ber
fhlechte  Gelft,  den  feine  ihm  neu  untergeordneten  Truppen
am  erften  Kampftage  bliden  ließen,  gaben  ihm  feine  Luft,
feinen  frifhgrünenden,  faum  errungenen  Lorbeer  den  wohl:
geführten  Streihen  eines  an  Erfahrungen  überlegenen  Geg-*)

  Rothenburg  754756,
        <pb n="138" />
        122

——n  ons

nerd  wie  Mercy  audzufegen*).  Er  zog  fid  daher,  während
der  Commandant  von  Freiburg  nad  einer  tapfern  Bertheibigung
  capitulirte,  zwei  Etunden  weit  zurüd,  um  bier  bie
Berftärfung  unter  Conde,  welde  im  Anmarfhe  war,  abzus
warten.

Erfläruug

auf  die  von  der  Eron  Franfhreid  Obrijiten  und  Gommenbanten
  in  Bregyburg  Herrn  Sridbrih  Ludwig  Canofsky
  von  Xengendorf  der  Röm.  Kayfl.  Majft.  vnd
Ehurffil.  Durdl.  in  Bayern  General  Belt  Marfdhallen
$ranz  Sreyberrn  von  Mercy  heraußdgefdhidhten
Accords  PBunften.

l.

Solfe  Herr  Gommenvdant  in  Freyburg,  Irer  Wolgeb.  Herrn
Belt-Marfhaln  die  Statt  Freyburg,  fambt  dem  Schloß  die  Burge
halten  genannt,  morgen  ben  29.  Julii  frühe  und  10.  Uhren  Vormittag
völfig,  mit  Sinterlaffung  Stüd  un»  Munition,  abtretten,  und  auff
folde  Stund  mit  feinen  Böldern  ven  Auszug  nehmen,  und  die  5100
Suarnijonen  abziehen,  mit  Unter  und  Ober:Gemehr,  Ead  und  Bad,
fliegenden  Kahnen,  brennenden  Zunten,  Kugeln  im  Mund,  offenen
Spiel,  und  wie  ein  jeder  Soldat  fich  rüften  fan,  Doch  daß  Feiner  von
Kirchen,  oder  was  in  der  Stadt  anmefenden  Bürgern  oder  Eingeflohn»
ten  angehörig,  fordern  allein  feine  eigene  Sachen  mitnehmen,  ber
Gommenvant  aber  Ihro  Excell.  nody  Heute  die  ziwo  Brefchen  und
Ihürnen,  wo  foldye  gefhoffen  worden,  jede  mit  60  Dann  zu  befehen,
einraumen,  und  mag  der  Obrift  inmendig  in  ber  Statt  feine  Wadhe
halten.

2.

Den  andern  Bunct  betreffend,  folle  fo  wol  dem  Gommenvanten,
und  allen  Sohen  und  niedern  Dfficierern,  nebenit  allen  Solvasen  gu
NRoß  und  Fuß,  vom  Köchiten  biß  auff  den  niebrigften,  was  Nation  e8

*)  Rothenburg  757  und  758.
        <pb n="139" />
        123

 

———

feyen,  te  haben  gleich  auff  diefer  Partheh  gebienet  over  nicht,  fambt
ihren  angehörigen  dienern,  freyer  Abzug  auff  Breyfach  gemoilligt  werben.
8.

Alfo  follen  au  vie  3.  Offichrer  zu  Pferd,  und  gemeine  Reuter,
wie  bet  dem  Yußvolk  in  dem  vorgehenven  Punct  gemeldet,  abziehen,
und  nicht8  anders,  ald  das  Ihrige,  wie  oben  gemelvet,  mitnehmen.

4.

Nicht  weniger  follen  auff  obverwiligte  Welß  der  Stabt-Major,
ber  Medicin  Doctor,  Commissarius,  Pfarrher,  Negimentd-Scyhultheiß,
Profoß,  und  alle  Stabe-Perfonen,  fambt  den  Angehörigen,  auch  die,
fo  unter  der  Soldatesca  begriffen,  und  In  der  Guarnifon  gewefen,  mit
Wägen,  Bagage  und  Pferbt  pafftren,  doch  daß  jte  nichtS,  als  was  ihr
it,  mitnchme.

5.

Die  mit  Hinaußnehmung  deren  vom  Obriften  Canofföfy  zimey

begehrte  Stüde  feyene  auff  jenes  4  Schüß  bemilligt.
6.

Sollen  vor  die  frande  und  befchäpigte  Solpaten  4  in  6  Wägen
zu  deren  Abführung  gegeben  werben,  da  fich  aber  etliche  finden  mirven,
fo  vigmals  nicht  abziehen  könten,  fol  felbigen,  biß  fle  wieder  zu  ihrer
Gefundheit  fommen,  die  Nahrungd--  Mittel  gegeben,  binnady  aud,,
wann  fle  gefund,  von  dem  in  Breyburg  verbleibenden  Gommendanten
auf  Brenfacd)  ficher  nachgefchickt  werven.

T.

Meilen  die  vor  die  Bagage  begehrte  Wägen  in  ber  Nähe  nicht
zu  haben,  fo  follen  von  vem  Commendanten  und  beyden  Obriftsteutenanten
  4  Wägen  biß  auff  Breyjadh  vorgeliehen  werben,  nicht  zweiffelnd,
die  andern  merben  jchon  Mittel  finden,  ihre  Bagage  mit  jich  forte
zubringen.

8.

Soll  ver  Obrifter  Ganoffsfy  Schwähervatter  mit  fambt  beh  fidy
habenver  Bagage  gleihfalld  mit  ven  DOfficirern  und  Soldaten  freyer
Abyug  geftattet  werben.

g.

Ob  man  Urfady  Hätte,  fi  zu  revangiren,  maß  den  unferigen  vor

Diefems  bey  dem  Abzug  zu  Sreyburg  befeheben,  fulle  doch  alles  viefjelt®
        <pb n="140" />
        124

m

realiter  gehalten  werben,  twad  der  Yeld-  Diarfchall  auff  parola  de
Cavogliero  verfprochen.
10.

Die  Streit  und  Mißverftände,  fo  zmifchen  ver  Guarnifon  und
den  Geiftlichen  oder  Bürgern  in  Breyburg  vorgelauffen,  begehrte  man
iweber  zu  rächen  noch  zu  anben.

il.

Dap  die  Stadt  Srepburg  bißhero  in  König!  DMaf.  zu  Srandreic)
pflichten  gewefen,  begehrt  man  folche  defjen  biffeitö  nicht  entgelten  zu
laffen,  dann  e8  bey  ihnen  gebeiffen,  geziwungener  aydt  ift  Bott  laid.

12.

Daß  der  Conımendant  in  Freyburg  begehret,  dad  Schloß  Burg«
halden  alfvort  fo  lang  von  den  Seinigen  befegt  zu  Tajjen,  biß  alled
nacher  Breyfach  geführt,  Fan  der  General=  Feld  »  Marfchall  nicht  be&amp;gt;
willigen,  fondern  behde  in  der  Stadt  und  Schloß  liegende  Kriegsvölder
follen  zugleih  mit  einander  abziehen,  dann  ver  Beld-Marfchall  fie  alle
mit  genugfamer  Sonvoy  auff  Brenfach  Tieffern  Taffen  will,  doch  folle
der  Obrifte  Canoffäfn  Kriegdö-Gebrauch  nach  genugfame  Geiffel  binterlajfen,
  biß  fomwohl  die  Convoy,  al8  vor  fie  und  ihre  Gefchädigte  oder
Kranfe,  die  Buhren,  fo  man  ihnen  vorgeleyhet,  ficher  zurüd  wieder
geliefferl  werben

13.

Die  in  folcher  Belägerung  bierinn  und  hinaus  Gefangenen  follen
gegen  einander  frey  loß  gelafjen,  und  denen  Sinaudziehenden  Fein  Pferv
angefprochen  werben.

14.

So  der  Commenbant,  der  hinüber  Convonirung  halber  begehr,
hat  es  in  vorgehenden  Puncten  feine  Richtigkeit,  doch  fulle  der  Come
menbant  die  andern  über  die  ihme  vermwilligte  ame  Stüde,  Munition,
Magazin,  Getreyd  und  Wein,  denjenigen  überantmworten  laffen,  welche
ber  Feld-Marfchall  Hierzu  verorbnen  wird.

15.

Und  folle  beyperfeitd  fchließlich  nicht8  in  hierob  gemeldten  Buncten
  disputirt,  fondern  alle  bey  Gavallier-PBarola  flät,  und  unvers
brüchig  gehalten  werben,  zu  beffen  Bekräfftigung  molgenannter  Belt-Marfchall
  und  Obrift  Eanofsky  diefen  Uccorb  gegen  einander  unters
        <pb n="141" />
        129

Ichrieben,  audgefertiget,  und  jeder  barvon  ein  Eremplar  behalten.
So  befchehen  in  der  Vorftabt  vor  Freyburg  den  28.  Jul.  1644.
(L.  S.)  Sriedrich  Ludwig  Canofsky  von
Langendorf.

Le  Vicomte  de  Turenne  Mareschal  de  France  et  lieutenant
general  de  l’armee  du  Roy  en  Allemagne.

Laissera  librement  passer  et  repasser  ce  trompette  lequel  nous
enuoyons  deuers  l’armee  de  L’ennemy,  Scauoir  si  l’on  venlt  Eschanger
  le  colonel  clough,  contre  le  colonel  Casalky  et  le  General  auditeur
  de  L’arm&amp;amp;e  de  Bauiere.  Faut  au  camp  ce  le  vingt  neufieme
Juillet  mil  six  cent  quarante  quatre.

(L.  S.)  Turenne.

Par  Monseigneur
Terwel.
        <pb n="142" />
        Deilagen.

1.

Durchleuchtigfter  Herzug,  Onäpdigfter
Churfürft  und  Herr.

Eiwer  Ehurfil:  Drhl:  an  mid;  vom  233.  difß  gnädigft  abgangnen
  befelch  mit  fambt  den  beylagen  hab  ich  vnderthänigft  empfangen,
  vnd  inhalt  gehorfamijt  vernommen.

Souil  nun  dep  Obriften  Kürmreitherd  mit  dem  Rofa  gehabter
  rencontre,  Item  woher  dem  feint  die  Prouiant  zuefommen,
auch  wie  e8  bey  Stürmung  ber  Borftatt  vor  Freyburg  hergans
gen,  maß  vnferdfeitd  gebliben,  oder  gefchedigt  worden,  maß  fid}
darunder  für  Officier  befunden,  In  gleichen  wie  ed  auch  auf  des
feints  feithen  abgelauffen,  vnd  anders  mehr  betrifft,  da  werden
Ewer  Ehurfrl:  Drl:  auß  mein  onderfchieblich  onderthenigften  bes
rihten,  alf  vom  12.  15.  beeven  vom  18.  vnd  26.  difß.,  ein  vnd
ander8  mehrerd  zuerfehen,  fid)  guäpigft  belieben  Taffen  haben,
diefelbe  haben  fich  auch  gnädigft  zuuerfichern,  daß  mann  etwas
an  Dem  ihenigen  wie  eingefchidhter  Extract  außmweift,  geiefen
were,  Em:  Churfrl:  Drl:  ich  foldyes  fchuldigiter  maffen  gehorfas
mift  bericht  hete,  allein  feind  folches  nur  Straßburgifche  Zei«
tung,  bie  anderd  nicht  juechen,  alß  mit  dergleichen  unwarhafften
Sigmentis  Em:  Churfl:  DrI:  Kriegsmaffen,  wo  fye  inımer  Könden
  ondb  mögen,  zu  uerfleinen  und  zuuerftümpffen  alfo  das  Fein
Wunder  were,  wann  bie  Soldaten  e8  wiffen  folten,  She  Inen
        <pb n="143" />
        No.  1.

No.  2.

127

Straßburgern  alles  wiberwertiged  zu  thun,  vnd  barvurch  fich
vegen  folchen  unwarhafften  zuelagen  zu  techen,  underftehen  mwurden.
  So  hab  ih  aud)  noch  von  feinem  mehrern  Succurs,  ielber
  dem  feint  anfommen,  als  iungft  vnderthenigft  derichter
maflen  von  4  Regimentern  alß  2.  zu  pferbt  vnd  2.  zu  fuefß,  So
dann  von  einem  Brangöfifchen  Regiment  von  300.  pferdt,  dann
einem  zu  fueß,  welche  auß  Nancy  genommen  worden,  und  flär=Aber
  nit  al  400  Mann  ift,  auch  wie  die  gefangne  auffagen,  tag
noch  die  teutfche  Regimenter  vargue  anfommen  follen,  gehört.

Spuil  nun  die  Statt  belangen  thuet,  da  hab  ich  felbige,
nachdeme  ber  feint  vunderthenigft  veberfihribner  maflen,  von
YUnß  in  etwaß  zu  rucdh  gangen,  mit  force  angriffen,  audy  zur
vbergab  bezmungen,  vnd  ob  zmar  ich  vereint  den  belägerten
fein  fo  gueten  accord  zu  geben,  So  hab  ich  dody  und  andere
Generals  Perfohnen  vnd  Obrijten  in  gehabtem  Rath.  wie  aus
der  beylag  Sub  No.  1.  gnädigft  zu  erfehen,  der  VBrfachen,  meiln
die  Statt  an  Ime  felbften  zwar  fchlecht,  felbige  aber  ftarfh  befegt
gemwefen,  auch  on  ftardhe  gegenwöhr  gethban,  zumahln  wir
auch  denn  feindt  ex  opposito  gehabt,  zu  Conseruirung  Em:
CHurfrl:  Dri:  Reichövöldher,  mweiln  aud)  onß  wand  Ienger  gewert
  hete,  daraus  gröfferer  fehaden  auß  mangl  ver  Fourage
entitanden  were,  für  ratbfamb  befunden,  Diefelbe  mit  Condilionen
  wie  bie  andere  beylag  Sub  No.  2.  außmweift,  abziehen  zu_
laffen;  dann  ob  zwar  wär  mit  jlurmb  hatten  hinein  fommen
fönden,  fo  wiffen  diefelbe  felbjt  gnädigft  woll,  daß  e8  ohne  Verfueft
  des  VBoldb8  nit  hergeben  Fann,  zumahln  aud)  wann  man
mit  fturmender  bandt  hinein  Fommen,  die  Burger  ond  alle
nidergemacht,  die  Statt  gant  außgeblindert,  auch  fo  gar  ver
Clerisey,  fo  grofß  in  der  Statt  ift,  nit  were  verfchont  tworben.
IH  will  iego  die  Prefßen  vnd  anderd  was  verfchoffen,  fo  guet
müglid)  repariren  laffen,  wie  ich  dan  Hoffe  noch  fo  lang  die
fourage  hierumb  zu  haben,  mid)  alfdann  näher  mo  die  fourage
zu  holen  fein  mürbt,  begeben,  den  feint  mit  Barthey  und  fonften
jowil  muiiglich  trauagliren,  mic)  nach  beffen  actiones  reguliren,
vod  Em:  Ehurfrl:  Dri:  ferner  guädigften  befelch8  gehorfamift
erwarthen.
        <pb n="144" />
        No,  3.

No.  4.

128

Wegen  veblen  tractemenis,  mwelche8  ainem  gefangnen  Capilaine
  durch  den  Kaplangifchen  Obrift  Leutenant  mwiderfabren  fein
fülfe,  will  ich  denfelben  varuber  vernemmen,  die  befchaffenheit
Em:  Ghurfrl:  Dil:  Hinnay  vwnderthenigft  berichten,  vnd
warn  fich8  alfo  erfindten  würbt,  die  gebürenve  abftellung  fürnemmen.


MWaß  fonften  der  Belt  Marfchall  de  Tourrene  nr  megen
erledigung  de8  Obriften  Coselcky,  und  vnfern  General  Auditor,
welcher  von  Dberling  wivderumb  auf  biebero,  auch  der  Convoy
zu  Billing  vorreithen  wollen,  und  darüber  onder  wegä’von  einer
feintd  Parthey  gefangen  worden,  gegen  dem  Öbriften  Klueg
durch  fein  Trompeter  anfagen  laflen,  geruben  Em:  Churftl:  Dre:
auß  der  benlag  gnädigft  zu  erfehen,  nun  fiche  ich  (iedoch  ohne
gehorfamifte  maßgebung)  nit,  da8  Er  Klueg  vnß  fo  groffen
fhyaden  thun,  alß  folche  repliche  Leuth  vunß  noch  nußen  fönden,
  will  alfo  Derofelben  gnäpigften  befelch  Hierin  gehorfamift
erwartben.

Die  Obriften  und  Commendanten  der  Regimenter  fagen  mir,
wann  fye  die  remontirungd  gelter  nit  bald  befommen,  da&amp;amp;  fye
re  dismantirte  Reitter  nit  werden  remontiren  fünden,  wann
aber  die  gelt  mittel  Inen  folten  fürberfamb  gereicht  werden,
wolten  fye  jolche  bi8  zu  Endt  des  zuefommenven  Augufti  widerumb
  montiren.

Sonften  Kombt  mir  gleich  ießo  von  Straßburg  auisen,  da8
der  Duc  d’Anguin  mit  6000  Mann  vber  die  fteig,  onb  biß  Freytag
und  Sambftag  abend  ald  heut  bey  oder  zu  Zäbern  anfommen
fole,  Ic  glaub8  zwar  nit,  dann  ber  General  Beh  au  vom
16.  difß.  laut  der  beylag  nicht8  dauon  fchreibt,  Ich  will  aber  nit
pnderlaffen,  darauf  vleifigfle  aufficht  zu  geben,  und  beßmwegen
hin  ond  wider  guete  Kuntfchafften  außzulegen,  auch  Em:  Churfrl:
Drl:  wa  ich  derenthalben  weiter  erfahren  wirbt,  Hinnadh  onbers
thenigft  berichten.

Map  nach  abzug  des  Canofski  in  der  Statt  Breyburg  und
dem  Schloß  an  Studh  gefhig,  munition,  feuerwerdb  und  gewöhr
  gefunden  worden,  geruben  Em:  Ehurfr:  Drl:  aus  beyges
gefchloffnem  Inventar  gnädigft  zu  erfehen.
        <pb n="145" />
        129

Ihue  zu  Derofelben  beharrlichen  Ehurfrl:  milten  Hulden  un
genaden,  mich  onberthenigft  empfehlen  und  bleiben
Em:  Ehurfrl:  Det:
Dat.  Bfbaufen  vor  Freyburg
29.  July  Anno  644.
undertenigfter  gehorjanfter
$ran;  von  Mercy.

2,

Den  29.  July  Anno  1644.

Herr  Velt  Marfchall  befragt  den  Herrn  General  Wachtmeifter
von  NReufchenberg,  wegen  göftriger  protestation,  ver  in  dem  accord
twegen  der  zum  $rid  geloffener  eingefezter  wortt,  und  begert  hierauf
von  nadhjuolgenden  Herrn  Generalen  und  Obriften,  maß  eines  ieden
meinung  feh,  ob  man  den  accord  brechen,  und  fh_meitter  attaguiren  fol:

Obrift  Eufchering,  man  folle  ven  accord  halten,  dann  Er  hab
die  breche  gefehen.

Obrift  Rouyr,  dad  man  des  Veltherrn  interesse  in  acht  nemmen,
  ond  wegen  eines  geringen  Dingd,  nichts  tun,  daraus  gröfjerer
fhad  entftehen  Eönte,  vermeinen  deromwegen  man  fol  Inen  den  accord
geben,  wie  jhe  e8  begern,  in  anfehung  da8  die  Caualleria  fouil  leibt.

Obrift  Spordh,  fey  feiner  geiitrigen  meinung,  dad  man  Inen
denn  accord  geben  foll.

Ohrift  Kolb,  weil  man  die  Conseruation  mehr,  alß  etliche  auß:
gerifgne  fchelmen  in  acht  zu  nemnien  habe,  auch  geftern  der  verftandt
obnedas  dahin  gangen,  foll  man  den  accord  mit  den  zuegefeßten  wortten
  halten.

Obrift  Holg,  hab  ben  befegung  der  Breche  die  fach  alfo  befundten,
  das  kein  müglichheit  gemefen,  nody  bey  folcher  geftalt  mit  dem
Sturmb  hinauf  zu  fommen,  dahero  vmb  etlicher  außgerifßner,  viefer
accord  nit  zu  brechen  were,  In  bedendhen  die  Armada  varburdh  bei
lengerm  verzuge  in  gefahr  und  ruin  gerathen  mecdhte,  Und  weil  bie
Armada  ohne  das  groffe  Ehr,  in  deme  fh  foldyen  hoch  importirenven

9
        <pb n="146" />
        139

orth  (fo  die  Schiltwacht  bifer  Landtsarih  gegen  den  Mhein  tft)  in  anges
ficht  des  feints  binmedh  nimbt,  vermein  Er,  man  foll  ad)  Hamit  Contentiren,
  vnd  nen  den  aceord,  wie  die  Kriegs  razion  zue  TAft,  mie
geitern  einhelig  gefchloffen  worven,  halten.

Obrift  von  Saflang,  maß  gefftern  im  Hath,  darkue  er  nit  ges
zogen  worden,  gebür  Ime  nit  omb  zu  ftoffen.

Herr  Oeneral  Wadhtmeifter  von  Reufchenberg,  hat  einmahl  ger
ftern  fein  parer  geben,  vabei  blieb  Er,  allein  bett  man  vermeint,  e8
jollen  die  wortt,  wegen  der  außgerifßnen  nit  jo  Expreflidy  im  accord
melden,  zumahl  der  verftandt  ohne  daß  darin  begriffen.

Serr  General  von  der  Caualleria,  vmb  ein  50  leichtfertiger
Schelmen  willen,  margegen  man  het  2.  oder  3.  mahl  fouil  Ehrlicher
Leuth  verlieren  Tönen,  fen  geftern  wie  noch  fein  meinung  gemefen,
dad  man  Inen  den  accord  geben,  vnd  |y  aufziehen  Iaffen  fol,  dann
was  Ehrliche  leut  fein,  werben  felb8  Ffommen,  fonverlid  meil  man
in  ber  fach  verlengerung  vilmehr  an  ber  Heitterei  verderben  ond  ruiniren
  twurd.

Conclusum.

Herr  Belt  Marfchall,  Welln  die  Maiora  auf  haltung  de&amp;amp;  auf:
gefegten  accords,  wie  ®r  vf  dem  Papier  ift,  onb  beinebend  Iro
Shurfrl:  Drl:  ven  Herrn  Belt  Warfchallen,  die  Conserualion  der  Ars
mada  fo  offt  mahlen  gnäpigft  anbefeblen,  So  laffe  Er  e8  auch  dabel
verbleiben,  und  fol  ver  accord  alfo  volzogen  iwerden.

No.  1.  (Beilage.)
        <pb n="147" />
        IV.
Die  Schlacht  bei  FSreiburg

(3.—5.  Auguft  1644)
nebft  den

Dperationen  bis  zum  Schluffe  des  Iahres  1644,

Mit  einem  Plane  de8  Schladitfelve®.

Motto:  Die  Breiburger  Schlacht  if  eine  von  den  wenigen,
wo  das  Terrain  die  Hauptrolle  fpielt  und  wo  der
Angreifende  in  zwei  getrennten  Golonnen  bandelt.
  E3  ift  gerapezu  eine  Schlacht  im  neueflen
Styl.  Die  Armeen  waren  aber  auch  nur  15  und
2,00  Mann  ftarf.

Glaufewig  9.  166.
        <pb n="148" />
        <pb n="149" />
        IV.

Schladht  bei  Freiburg
(3.—5.  YAuguft  1644).

Mad,  dem  Falle  Freiburgs  hatte  fih  Eonde*),  naddem
er  mit  feiner  10,000  Mann  ftarfen  Armee  68  Meilen  in
13  Tagen  zurüdgelegt,  mit  dem  Marfhall  Turenne  bei
Breifady  vereinigt.  Die  nun  vereinigte  franzofifch-tweimarifche
Armee,  über  weldhe  Eonde  den  Oberbefehl  übernahm,  beftand
aus  zwei  Corps,  wovon  das  eine  die  Armee  von  Sranfreid,,
das  andere  die  weimariihe  Armee  genannt  wurde.  Die
Armee  von  Sranfreih,  welde  der  große  Conde  herbeigeführt
hatte,  Fam  nun  unter  die  Befehle  des  Marfhalld  Herzogs
von  Grammont,  und  war,  wie  fhon  erwähnt,  10,000  Mann
ftarf,  worunter  6000  Mann  Fußvolf  und  4000  Pferde,  mit
17  Gefhügen.  Die  weimarifche  Armee,  von  Turenne  befeh-Iigt,
  zählte  gleihfalls  10,000  Mann,  5000  Mann  zu  Fuß
und  ebenfo  viel  zu  Pferd,  mit  20  Gefhügen.  Das  ver»
einigte  franzofifch-mweimarifche  Heer  war  fohin  20,000,  \wors
unter  11,000  Mann  zu  Fuß  und  9000  zu  Pferd,  ftark,  und
führte  37  Gefhüge  mit  fid).

Die  bayerifhe  Armee  unter  den  Befehlen  ded  Yelpmar-(hald
  von  Mercy  zählte  15,000  Mann,  tworunter  8000
Mann  Infanterie,  7000  Mann  Cavallerie,  mit  28  fdweren
Gefhügen.

%)  Louis  de  Bourbon,  duc  d’Enghien.
        <pb n="150" />
        134

Zerrainbefchreibung  und  WUngrifföplan.

Freiburg  im  Breidgau  liegt  am  Yuße  des  Edywarzwalbgebirges,
  weldes  fi  hier  halbmondförmig  gegen  Weften
öffnet.  Bor  bdiefer  Stadt  befindet  fid)  eine  Fleine  Ebene,  von
dem  Dreifamfluß  bewäffert,  welder  viefelbe  in  norbwehs
licher  Richtung  durdfdneidel.  Im  DOften  und  Süben  ift
diefe  Ebene  von  fteilen  Bergen  und  im  Weften  und  Norben
von  einem  fumpfigen  Wald  (Apelshaufer-,  Untverfitäts-«  und
Mooswald)  begrenzt,  dur  welden  nur  eine  Straße  von
Altbreifah  nad  Freiburg  führte.  Diefe  Straße  mündet  am
füdöftlihen  Ende  des  Adelshauferwaldes  in  die  Ebene,  welde
fie  in  gerader  Ridhtung  durdläuft  und  über  Et.  Georgen
und  Steinwenden  nad  Freiburg  führt.  Ale  übrigen  Zugänge
waren  zu  jener  Zeit  größtentheild  inpracticabel  oder  nur  mit
zeitraubender  Uebermwindung  der  ftörendften  Localhinderniffe  zu
überjchreiten..  Mercy  hatte  nun  aus  diefem  vortheilhaften
Terrain  den  größten  Nuten  gezogen,  und  wir  Fünnen  dreift
behaupten,  daß  fein  Feldherr  diefe  Kunft  der  Lerrainbenugung
in  dem  Grade  befüß,  ald  er.  Mercy  lehnte  feinen  rechten
Flügel  an  den  Dreifamfluß;  fein  Centrum  befand  fi  weft
ih  der  Dörfer  St.  Beorgen  und  Wendlingen,  und  fein
Iinfer  Flügel  erftredte  fi  bid  auf  die  fteilen  Weinberge  hin
ter  Reuteröberg  und  bringen.  Ein  Blid  auf  die  Karte
zeigt,  daß  die  bayerifhe  Aufftelung  bei  den  genannten  Dürfern
  gegen  die  Altbreifaher  Straße  einen  ftumpfen  Winfel
bildete,  Daher  den  feindlihen  Angriffscolonnen  zunädit  lag
und  ter  Zugang  zu  demfelben  mittelft  der  Straße  am  leid:
teften  war.  Zudem  war  diefer  Winfel  dur  ein  gefchloflenes
Beldiverf  marfirt,  welded  vor  dem  Dorfe  Wendlingen  lag
und  bie  Straße  von  Ultbreifah  beherrfhte.  Daffelbe  war
mit  600  Mann  bdefegt  und  mit  fünf  fchweren  Gefhügen
armirt.  Die  ganze  Stellung  von  dem  Dreifamfluffe  bis  hin
ter  Leuterdberg  und  Cbringen  war  durd  eine  ftarfe  Ders
fhanzungslinie,  in  welder  fit)  alle  200  Schritte  mit  Ge
(hügen  armirte  Neduten  befanden,  gevedt;  nidt  auftieven
        <pb n="151" />
        —--  -{—_  m

mit  diefer  zufammenhängenden  Verfchanzungslinie,  twelde  ohne:
bin  fon  eine  Fräftige  Vertheidigung  darbot,  ließ  Mercy  vor
derfelben  nod,  einen  großen  Berhau  von  Bäumen,  deren  halb
abgehauene  und  ineinander  geflodhtene  Zweige  das  ‘Durds
brechen  jehr  beichiwerlih  madıten,  anlegen.  Der  Feind  mußte
daher  zuerft  den  Verhau  erftürmen,  ehe  er  an  die  bayerifce
VBerfhangung  gelangen  Fonnte.  Hinter  diefer  Linie  hielt  der
niht  als  Befakung  der  Reduten  verwendete  Großtheil  ver
bayerifhen  Infanterie  im  erften  Treffen,  und  Die  bayerifche
Meiterei  im  zweiten,  zivifhen  dem  Dreifamfluffe  und  den
Bebirgen,  welde  die  Ebene  fühlich  begrenzen.  Zroffchen  ber
Höhen,  welde  der  linfe  bayerifhe  Flügel  befegt  hatte,  und
dem  Sofephsberge  und  der  Wonnhalde,  welde  jüplih  von
Freiburg  liegen,  befand  fid)  ein  Defile,  dur  wwelded  man
den  bayertfchen  linken  Flügel  turniren  Fonnte;  um  jebodj
dahin  zu  gelangen,  mußte  man  auf  einem  weiten  unbetretenen
  Umwege  die  Dörfer  Au  und  Merzhaufen  am  Miühlens
bady  zu  erreihen  fudhen  und  bafelbit  in  die  Ebene  Hinabftelgen..
  Die  Wichtigkeit  diefed  Defiled  veranlaßte  den  bayes
riihen  Feldmarfhall,  daflelbe  durdy  einen  VBerhau  von  quer
eingefenften  Stämmen  zu  fperren.  Nie  war  eine  Gegend  in
einem  günftigern  DBertheibigungszuftande  und  beffer  verfchangt,
al8  die  bezeichnete.

Sobald  Conde,  der  Sieger  von  Rocroy,  in  Begleitung
des  Marihalld  Grammont  im  Lager  Türenne’d  eingetroffen
mar,  wirde  Sriegsrath  gehalten.  Marfhall  Türenne,  von
der  Außerft  vortheilhaften  Situation  der  Bayern  volfommen
unterrichtet,  war  der  Meinung,  man  folle  die  Armee  über
Denzlingen  und  durd  das  Glotterthal  in  das  St.  Peters:
thal  führen,  um  den  Bayern  Die  Lebensmittel  von  Villingen,
ienfelts  des  Schwarziwaldgebirged,  abzufhneiden,  indem  er
beifigte,  daß  es  eben  fo  leicht  fei,  viefelben  auszuhungern,
ald  es  gefährlih  fei,  diefe  alten  Fampfgeübten  Truppen  in
einer  folden  feften  Bofition,  mit  dem  größten  Seldherrn
Deutfchlands  an  ihrer  Spise,  anzugreifen.  General  Erladı
und  der  Marfhall  Grammont  waren  der  nämlichen  Anficht.
        <pb n="152" />
        136

Der  fühne  Bonde  allein  beftand  darauf,  daß  man  die  Bayern
in  ihren  Berfhanzungen  angreifen  folle.  Zu  diefen  Zwede
unternahm  er  in  Begleitung  des  Marfhalld  von  Tiürenne
eine  Necognoseirung  der  bayerifhen  Stellung,  wobei  ihm
Türenne  ein  Deftle  zeigte,  durch  weldes  ein  Theil  der  Armee
die  bayerifhe  linfe  Flanke  umgehen  fonnte,  während  ver
übrige  Theil  die  bayerifhe  Stellung  in  der  Front  und  rechten
Slaufe  angreifen  follte.  Die  gefundene  Beihaffenheit  bes
bayeriichen  Lagerd  madte,  daß  die  verfchiedenen  Meinungen
no  einmal  im  Kriegsrathe  erwogen  wurden.  SIedod  Conde
blieb  unabänverlih  bei  feinem  einmal  gefaßten  Entfchluß,
nämlih  die  Bayern  um  jeden  Preis  in  ihren  VBerfchangungen
anzugreifen.  Cr  befhloß  daher,  mit  der  fogenannten  Armee
von  Ftanfreih  felbft  die  Bayern  aus  ihrer  Pofttion  hinter
Ebringen  und  Leuteröberg  zu  verdrängen  und  dann  von  ba
aus  in  ihr  Lager  hinabzufteigen,  während  Türenne  mit  ber
weimarifhen  Armee  ihnen  in  die  linfe  Flanfe  fallen  follte.
Da  Lepterer  einen  großen  Imweg  zu  maden  hatte,  fa  wurde
feftgefegt,  daß  Conde  erft  drei  Stunden  vor  Sonnenuntergang
zum  Angriff  übergehen  follte,  damit  beide  Angriffe  A  tempo
ftattfinden  Fünnten*).

*)  Bel  der  Terrainbefchreibung,  mozu  wir  außer  dem  vorzüglichen  -
großherzoglich  badifchen  Generalftabs-Atlas  (Blätter  Freiburg  und  Todtnau)
verfehiedene  andere  Karten  und  Planmwerfe  zu  Rathe  zogen,  fließen  wir
auf  große  Unrichtigfeiten.  So  in  RKausler’s  Schlachtenatlas,  wofelbit  fich
ein  fehr  gut  gezeichneter  Plan  des  Freiburger  Schlacdhtfeldes  befindet.
Hier  {ft  Freiburg  auf  das  foliveite  befeftigt,  was,  wenn  wir  uns  nicht
irren,  eine  gute  Weile  fpäter  gefchah.  Kerner  bemerfen  wir  füblich  diefer
Stadt  ein  Plateau,  weldes  Kausler  mit  Burghalde  benennt  und  welches
der  bayerifchen  Armee  zur  zweiten  Aufftellung  diente.  Diefe  Unrichtigfeit
findet  fi  faft  in  allen  Terrainbefchreibungen  biefer  Schladt.  Wie  wir
in  unferer  Befchreibung  fagten,  heißt  biefes  Plateau,  und  zwar  der  nörbliche
  Theil  defielben,  der  Zofephesberg,  worauf  fich  Die  Lorettocapelle  befindet
und  der  fühliche  Theil  die  Wonnhalde.  Die  größte  und  zugleich  flörendfte
Unrichtigfeit  bei  Kausler  ift  jedoch  die,  daß  fein  Mann  der  franzöflfchweimarifhen
  Armee  auf  der  Straße  von  Altbreifah  marjhirt,  fondern
die  feindfihen  Colonnen  des  linken  Flügels  auf  zwei  zu  jener  Zeit  un-
        <pb n="153" />
        137

gangbaren  Waldwegen  von  Thingen  und  von  Opfingen  ber  gegen  die
bayerifche  Pofttion  und  jene  des  rechten  Klügels  füblich  von  biefer  Straße
marfchiren,  während  doch  die  benannte  Straße  die  einzige  practicable  An:
näherung  barbot.  „Es  find  dies  nod)  überbies  die  Colonnen  der  weimaris
schen  Armee  unter  Marfchall  Türenne,  welche  bei  Kausler  diefe  improvi&amp;gt;
firten  Wege  marfchiren,  während  aus  den  frangöfifchen  und  bayerifchen
Driginalberichten  hinreichend  zu  entnehmen  ift,  daß  Türenne  mit  feiner
Armee  den  rechten  Flügel  der  feindlichen  Armee  bildete  und  am  erften
Schlachttage  jene,  gefahrvolle  Umgehung  des  "bayerifchen  linfen  Flügels
bewerkftelltgte.  Nach  Kausler’s  Schladhtplan  hätten  demnach  Türenne’s
Eolonnen  den  rechten  und  jene  Conde’s  den  linfen  bayerifchen  Flügel
zu  attaquiren  gehabt,  während,  wie  fchon  gefagt,  deutlich  angegeben  ift,
dag  Gonde  feinen  Angriff  auf  die  bayerifche  Pofltion  Hinter  Leutersberg
und  Ebringen,  und  Türenne,  vom  rechten  feindlichen  Flügel  abfallenp,
die  erwähnte  Umgehung  des  bayerifchen  Linfen  Flügels  ausführen  mußte.
Bon  diefer  Umgehung  that  Kausler  weder  in  feinem  Angriffsplan  des
Herzogs  von  Enghien,  no  in  dem  DBerlaufe  der  Schlaht  nah  ihren
Hauptmomenten  eine  Cwähnung,  woraus  zu  entnehmen  ift,  daß  befagter
Autor  bei  Befchreibung  diefer  Schladht  gerade  nicht  die  beften  Quellen
benügte,  welche  ihm  bei  nur  oberflächlicher  Durchficht  diefen  großen  Ver:
ftoß  gegen  bie  hiftorifche  Wahrheit  nicht  Hätten  geftatten  Fünnen.
Anm.  des  Berf.
        <pb n="154" />
        Deilagen.

1,

Durcleuchtigfter  Herzog  Gnäpigfter
Ehurfürft  und  Serr.

Em.  Chf.  Dehl.  werben  verhoffentlich  auß  meinem  vndtbaft.
bericht  vom  1.  diß  ded  duc  d’Anguin  anzug,  vnd  daß  darauf  in  gebaltnem
  Rath;  befchegnes  Conclusum,  daß  man  mit  der  arınada  in
albifigem  Pofto  verbleiben,  und  des  feintd  ankunfft  erwarthen  folle,
gndgft  zu  uernemmen  fich  belieben  Taffen  Haben,  Nun  ift  ermelter
d’Anguin,  welcher  aller  gefangnen  auffagen  nach  veber  9000  man  ftarckh
gewejen,  ven  2  huy.  mit  folch  feinem  succurs  zu  Breyfady  vf  dig  feithen
des  Nheind  berüber  gangen,  vnd  fich  gleich  mit  den  Tourrenifchen
Völdhern  Coniungirt,  aud  den  3.  dito  gar  zeitlich  vor  Mittag  in  dem
alten  Tourrenifchen  gleich  gegen  ung  hinüber  gelegnen  läger  Iogirt,  bald
aber  darauf  ift  Er  Tourren  mit  dem  Weymarifchen  völdhern  vf.  der
feithen  negft  einem  alten  fhloß  durch  bie  Püfch  veber  einen  hoben
Berg,  vnd  ungebrauchten  Weg  hberunder  gangen,  und  gegem  vem
Haubt  Quartier  Vfhaufen  auanzirt,  ob  zwar  folcher  Berg  mit  groffen
Bäumen  meiftentheild  aber  Puüfchen  fehr  verbaut  gewefen,  vaß  man  nit
vermuetet,  fobalden  durch  zu  Kommen  müglidy  fein  werde,  So  hat  Er
doch  mit  folcher  menge  voldh3  und  bei  fi  gehabter  villen  mit  hacken
verfehen  gemwefen  Pauern  mit  groffem  gewalt  und  furj  angefezt,  pnb  in
gar  wenig  Stundten  pla&amp;amp;  gemacht,  daß  Er  anfangs  mit  dem  Jueßvol&amp;amp;h,
  Hinnachy  auch  mit  den  Reittern  vurchfommen  Können,  alß  wür
nun  foldhe  de&amp;amp;  feint#  intention  zeitlich  vernerdht,  Haben  wür  gleich
        <pb n="155" />
        139

4  Mgir.  zu  fueß  und  etliche  Es  guadronen  zu  ‘Pferbt  an  folchen  orth  wo
der  feint  heraus  gemwolt  gefezt,  feiner  an  Kunfft  alda  erwartet,  vnd  ob
zwar  wir  ung  gemelt,  der  feint  mit  groffer  Fury  vf  vnd  angefezt,  in
meinung  burdhzutringen,  fo  bat  Er  doch  von  den  DBnferigen  foldhe
resistenz  gefunden,  daß  fold)  rencontre  vmb  5  Bhren  abentd  die  ganze
nadıt  hindurch  Biß  den  andern  morgen  Srue  yınb  4  VBhren  ia  noch
länger  gegen  einander  ntit  mußqueten  fchüffen,  vnaufhörlich  Continuirt,
ond  der  feint  nit  allein  etlichmahlen  zurucdh  getriben,  fondern  auch  von
ben  Bnfrigen  difer  plaz  manutenirt,  ein  Branzöfifcher  Obrifter  neben
etlichen  Vendrichen  vom  feint  gefangen  befommen  und  2  Vahnlein  fo
biebei  Kommen,  erobert  worden,  auch  der  Obrift  Haßftein  todt  blieben,
alß  aber  under  beifen  ver  duc  d’Anguin  mit  feinem  Succurs  den  gegen
bed  feints  alten  Bayer  verfchanzten  Berg  vnd  trenchement  aber  ber
General  Wachtmeijler  von  Rauifchenberg  daß  Commando  gefürth,  zumahlen
  nit  weniger  mit  fehr  groffer  furi  angefallen,  ift  Er  zwar  daß
erft  ond  ander  mahl  mit  verlueft  abgetriben  worben,  vor  vrite  aber
bat  er  fi  einer  fchanz  bemechtigt,  vahero  ond  mweiln  wür  beforgt
mecht3  vond  gar  vf  den  rudben  Kommen,  haben  wür  fanmentliche
Generals  Perfohnen  für  rathfamb  befunden,  den  von  NRauifchenberg
mit  denen  bey  ftch  gehabten  Völdhern  und  Studh  mit  gueter  ordnung
an  vnß  zu  ziehen  und  ung  fammentlich  damit  vf  ein  ander  hohen  berg”)
negit  bey  Vreyburg,  almo  ber  Dbrift  Rouyr  mit  feinem  Regt.  gewefen,
und  Bofto  gefaßt  gehabt  zu  fezen,  wie  ed  dann  gefcheben,  ohne  einigen
lärınen  oder  verfolgung  des  feints  ond  hat  Sich  gleich  der  feint  auch
fobald  ed  tag  worden,  vnd  recognoscirt,  daß  wir  albort  felnd  in
flachem  Beldt  wo  vnfer  lager  geftandten,  gegen  Vn$  in  batallia  geftellt,
und  felbigen  tag  ob  er  wegen  des  eingefallnen  ftardihen  Negen  Wetter
oder  warum  nichtd  tentirt,  daß  und  bie  weill  geben  hat,  vnß  fouil  in
fo  Kurzer  Zeit  auch  bei  foldem  Dblen  Wetter  zu  irenschiren  ond  zuuerhauen,
  alg  Er  nun  den  ganzen  Tag  alda  geftandten,  bat  ed  daß
anjehen  gehabt,  alB  warn  der  feint  marchiren,  und  wider  zurudh
geben  mwolte,  allein  ift  ein  Meitter  vom  Spordbhifchen  Regt.  nußgeriffen

*)  Der  Iofepheberg,  worauf  fi  die  Lorettocapelle  befindet,  und
nicht  die  Burghalde,  wie  das  Theatrum  Europaeum  umd  feine  Nad)-fchreiber
  ihn  benennen.  Anın.  des  Berf.
        <pb n="156" />
        140

pnd  hinüber  gangen,  barauf  ber  feint  Kuerz  wider  vumbgewandt,  ‚und
fi  in  onfer  alt  Lager  logirt,  wie  die  gefangnen  fagen,  bat  Er  dem
feint  referirt,  ba8  wür  willend  weren,  die  Bagage  fort  zu  fchiefhen,  und
vnd  zu  retiriren,  darauf  Er  gleich  am  morgen  frue  resolution  gefaft,
vnß,  sie  auch  gefcheben  zu  attaquiren,  in  meinung  wür  werben  nit
halten,  fondern  im  Sprung  fein,  auch  vn  zu  reliriren  begeren,  bat
aber  folchen  Wirerjtand  gefunden,  obwohl  Er  mit  folcher  fury  alß
ihemalen,  fo  lang  alß  difer  Krieg  weret,  gefchehen,  zu  underfchieplichen
mahlen,  iha  biß  in  die  nacht  hinein,  an  vnd-gefegt,  daß  Ime  ein
Belt  Marfchall  fambt  vill  obriften  und  offlcier,  neben  villen  Todten
fizen  bliben,  daß  Er  gewiglich  fobald  an  unf  in  difem  Pofto  weiter
nicht8  tentiren  wirbt,  vnd  were  Er  an  Reitlerei  vn  fo  flardh  nit
veberlegen  geweien,  fo  were  ed  gewiß  an  ein  haubt  action  Kommen,
und  mit  foldhen  feint  hoffentlich  ein  End  gemacht  werben,  wie  Er  dann
in  der  nacht  in  aller  jtülfe  mit  hinvderlaffung  ver  Todten,  darunter  ein
Delt  Marfhall  vnd  vi  obriften  feind,  aud  Studh  Kugeln,  Pulver
vnd  etliche  Schanz  Zeug  in  fein  lager,  wo  Er  iego  ift,  zurudh  gangen,
wir  haben  aber  aud  mangl  Reitterei  mitieffen  Inen  halten,  und  hat  der
feint  wie  alle  gefangne  audy  veberfchifhte  Trompeter  vnd  Tambour
referiren,  etlich  taufend  an  Todten  vnd  gefchevigten  eingebüft,  mwür
haben  zwar  auch  Sein  feyven  dabei  gefpunen,  fondern  etlich  Hundert
verlohren,  allein  ift  der  maifte  fchaden  und  verlueft  an  dene,  daß  ein
getreuer  biener  Ew.  Chf.  Dehl.  alg  mein  bruder  der  Generalmadıtmaifter,
  aud)  der  Obrift  Mühe  Todt  geblieben,  vnd  vil  Officer  gequetfcht
  worden,  wie  dann  Em.  Chfl.  Diehl.  ein  orvenliche  Verzeichnuß
aller  der  ihenigen  fo  Todt  und  gefchedigt  worden,  bernegft  onderthaft.
veberfchichen  will,  fonften  flehet  der  feint  in  feinem  gefaften  Pofto  alß
in  onferm  gehabten  alten  Rager,  und  wür  gegen  Ime  albier,  Er  hat
geftern  abentd  auch  angefungen  zu  fehanzen,  aber  heut  frue  vmb
4  Bhren  in  feinem  läger  hat  man  Touta  Sella  geblafen,  wir  fehanzen
on$  flareh  und  beim  allerbeiten  ald  muüglich,  063  mwoll  auch  unß  wegen
ber  Bourage  die  nit  näher  alß  auf  6,  7  und  8  flundt  zubefommen,
Ihwärlich  vorfombt,  fonderlih  ver  MReitterei  wegen  Iren  has
bendenaccords  alhir  zu  fehben  und  daß  veflo  mehr  weiln
in  etlich  tag  vorhabenden  occasionen,  die  Reitterei  alzeit  zu  Pferbt
figen  muiffen,  dahero  die  fourage  nit  haben  Könen,  vnd  die  ‘Pferbt
        <pb n="157" />
        141

darumben  fehr  abgemattet,  Wann  man  aber  Consideriren  will,  wa8
ed  für  gefahr  Hat  ein  retirada  zu  machen,  bei  foldhem  flardhen  feint,
infonberbeit  an  der  Caualleria,  tmwie  e8  dann  Em.  Ehf.  Dil.  ghgft.
böfen  weg  ein  Confusion  Kommen  Kann,  auch  was  in  bevendhung
durch  unfer  retiriren,  den  feint  nach  zu  ziehen,  für  grofle  Consequenz
dem  ganzen  Nöm:  Reich  geben  würde,  alß  haben  wir  unß  resoluirt,
biß  of  Em.  Chf.  Dehl.  gogft.  befeldy  aus  allen  ergelten  obigen  motiuen
und  in  meinung  daß  e8  Derofelben  vd  ded  ganzen  Röm:  Reich  dienft
ift,  diefen  Pofto  nit  zu  Quittiren,  e8  gehe  wie  e8  Gott  will  fondern  biß
uf  Em.  Ehf.  Dehl.  meiter  gdaft.  Verorpnung  alhir  zuuerbleiben-  in--anfehung
  der  feint  die  Fourage  bald  fomeit  al  wur  hollen  müeffen,
vnd  damit  wür  defto  beffer  fomohl  die  Prouiant  al  Fourage  haben
mögen,  bat  man  ein  haar  Compagnia  Tragoner  nach  St.  Peter  gefhidht,
  alda  Pofto  zu  faffen,  auch  vf  dein  Hollengraben  ein  fhanz  zu
machen  nit  weniger  of  der  rechten  handt  zu  Maltfürch  dag  Schloß  zu
befezen,  damit  mwür  vefto  ficherer  die  waffen  bin  und  her  brauchen
Könen,  EB  wurde  aber  Em.  Chf.  Del.  Reitterei  merkhlich  wider  zunemmen,
  wann  biefelbe  fich  jeßt  belieben  Taffen  wurden  [hon  zuuor
etliche  mahl  vunderthgft.  veberfchriebnermaffen  für  diefelbe
  etlich}  taufent  malter  Gaaber,  abuolgen  auch  die  remontirungsgelter
  fürderfambift  Herausfchidhen  zu  laffen.  Zumalen
  auch  ded  allgemeinen  Wefend  dienft  fein  muevde,  wann  die  Hazfeltifhe
  Völdher  fürberfamift  zu  Un$  Kommen  mechten  dann  bie
Pferdt  bei  fo  beftändig  traualliren  alfo  ermathet  alß  ich  ihemaln  fo
lang  ich  bei  difer  Armada  bin  nit  gefehen  habe,  und  wurben  aud)  wann
foldhes  erfolget,  merdhlich  wider  auffommen,  dann  Em.  Chf.  Del.
jelbften  gogft.  willen,  daß  nunmehr  bey  dem  Traft,  mann  nit  etwa  hart
fuetter  darbey  ift,  die  Pferbt  mit  fortl.  vilmeniger  wider  auf  Kommen
ond  fih  erhollen  Könen,  wir  haben  alfo  fammentlich  für  rathfaınb
befunden,  Bringer  difen  Obriften  von  Pledhenitein,  welche  auch  bey
allen  difen  occasionen  gewefen,  und  fi}  vabei  neben  andern  ritterlich
und  mohl  gehalten,  zu  Em.  Chf.  Diehl.  eilenvft  B.  Pofta  abzufertigen,
Derofelben  diefen  vnfern  Zuftandt  underthaft.  zu  referiren  vnb  barauf
bero  fernern  gbgftn.  Befelh,  maffen  wir  und  weiter  zuuerhalten,  einzuhollen.
  Xnd  weiln  durch  ableiben  meines  brucdern  deö  General
machtineifters  fel.  fein  Regt.  vacirend  worden,  auch  notwendig  widers
        <pb n="158" />
        142
umb  eheift  mit  einem  andern  obriften  erfezt  werden  muß,  UTB  Bithe
Em.  Ehf.  Dal.  fye  geruben  ghgft.  folchen  Ime  Obriften  von  Sleddenfein
  zu  conferiren.  Demnach  audy  nit  weniger  Iettig,  da®  des  Dbrifien
  Mühes  Regt.,  weiln  weder  Obriftlent.  noch  Obriftwarhtmeifter
dermahlen  dabei  ift,  mit  einem  andern  Obriften  fürberfamift  werfehen
iwerbe,  folches  den  Obriftl.  Mairemont  oder  wen  g8  Derpfelben  gogR.
beliebt,  zu  veberlafien.

E£  würbt  aud)  ohne  undthgft.  maßgebung  nötig  frin,  Daß  Em.
Ehf.  Diehl.  fih  nit  weniger  gogft.  gefallen  laffen  die  Generalmachtmeifter
Charge  baldigit  wiperumb  mit  einem  andern  zuyerfeben,  well  obnebem
onferer  Generals  Berfohnen  gar  wenig  feind,  auch  ver  feint  mehrer
Generals  Perfohnen  bat,  al  mwür  Generals  ond  Obriften  wit  ein«
ander  feind.

Em.  Ehf.  Dıhl.  in  erwartung  Derofelben  eilendiften  gbgR.  ber
fely8  durch  bringern  viß,  thue  zu  dero  bebarrl.  Churffil.  Hulden  pn»
gnaden  mich  undthaft.  empfehlen  verbleibende

Em.  Churf.  Dil.
Dat.  Anlhaufen  negft  bey  Treyburg
den  7  Auguft  1644.
undertemigfter  gehorfamfter
$ran&amp;amp;  von  Merey.

2,

Durdleuchtigfter  Herzog,  Onäpigfter
Churfürft  ond  Herr.

Em.  Chf.  Dihl.  berichte  ich  hiermit  underthaft,  haß  gleich  iego
ber  feint  aufbricht  und  wie  bringer  difed  Leutnant  Herison  vom  Horft«
fchen  Regt.  fo  in  die  3  Wochen  bey  Ime  gefangen  geweien,  referirt,
in  die  under  Marggraffihaft  Baden  zu  gehen  intentionist  fye  Nun  were
ich  glei  Im  auf  der  feith  vorgangen,  allein  darf  ich  die  Campagna
nit  vor  Ime  eringen,  Weiln  Er  Bnß  infonverheit  an  Reittern  veberz_
Iegen,  dann  der  duc  d’Anguin  4000  pferbt  mit  fich  gebracht,  alfo  dap
        <pb n="159" />
        143

[he  10000  Pferdt  flardh  feind,  wi  alfo  meinen  marche  gegen  Billingen
  zu  nemmen,  bod}  foldyes  auf  der  rechten  Sand  ligen  laffen,  vn
auf  Horb  zue  marchiren,  auch  fehon  fouil  immer  müglid)  daß  ic)  vor
dem  feint  noch  die  Stadt  Pforzheimb  erreichen  möge,  und  alda  Pofto
faffen,  ober  aber  ivann  der  feint  mir  vorfommen  folte,  mid  mit  ver
Armada  an  Nedher  over  fonften  an  einem  bequemen  ortb  biß  of  Em.
Khf.  Dihl.  weiter  gogit.  befeldh  fezen  auch  das  Landt  fo  guet  immer
müglih  ond  fo  lang  ich  Kann  hevethen,  allein  ift  Höchit  notwendig  daß
nit  allein  die  Cauallerie  eillendift  Höchft  remontirt  werden,  fondern  aud)
die  Hazfeltifche  Negt.  zu  Bnß  ftoffen  mechten,  dann  wie  obgemelt  ver
feint  nit  allein  Bun  infonderheit  an  ver  Caualleria  veberlegen,  fondern
demfelben  auc)  noch  ein  Suocurs  wie  hiebei  liegender  Zetl  außmeift,
pub  difer  Leutnant  referirt,  audy  man  von  andern  orthen  mehr  nach«
richtung  bat,  von  5000  Mann  under  Conduite  beö  Cassion  zue  Koms
men  folle  alfo  daß  dife  fachen  wohl  zu  appraehendiren  und  ifl  zwar  nit
obne,  daß  ber  feint  wie  bringer  bijer  Leutnant  fo  den  ganzen  Verlauff
weiß,  auch  alles  gefehen,  vundertbgft.  referiren  wirbt,  bet)  vifen  reneontre
  welcher  2  tag  anelnander  gemeret,  auch  fo  hart  daß  niemahlen
fo  lang  alß  difer  Krieg  weret,  gefcheben,  6000  Mann  an  Todten  vond
gefchebigten  verlohren  allein  haben  wider  auch  Kein  Seypen  darbei  ges
fpunen,  fondern  vill  eingepueft,  dann  Em.  Chf.  Dahl.  felbften  gpafl.
wohl  wiflen,  daß  e8  bey  vergleichen  occasion  nit  lehr  abgehen  Kann.

Ich  will  in  der  Statt  Freyburg  den  Oberft  Enfchering  mit  feinem
“  Wegt.  neben  50  pferbt  vom  Coselckifchen  Regt.  biß  of  Em.  Ehf.  Dal.
gögfte  ratification  Hinderlafien,  und  Em.  Ghf.  Diehl.  gpgfte  resolution
in  einem  vnd  andern  mit  verlangen  erwarthen,  allein  würbt  auch
böchfindtig  fein,  daß  ich  mit  andern  Stüdhen  verfehen  werbe  dann  wie
Ev.  Chf.  DHl.  auf  Hiebeifommender  verzeichnuß  gogft.  zuerfeben  has
ben  9  Stucdh  fehaphafft  feind,  welche  ich  nit  gebrauchen  Kann.  So  alles
Derofelben  durch  ermelten  Leutenant  eglienvift  per  Vofta  pndth.  ıc.  ıc.

Erw.  Churf.  Dahl.
Adlhaufen  beb  Sreyburg
9  Auguf  1644.
undertenigfter  gehosfamfter
$rank  von  Mercy.
        <pb n="160" />
        144

3.

Durchleuchtigfter  Herzog,  Onäpigfter
Ehurfürft  ond  Serr.

Em.  Chf.  Dehl.  werden  auß  meinem  vndthgft.  bericht  durch  den
Horftifchen  Zeutnant  gbft.  vernommen  haben,  maß  maffen  ver  feint  auf
feinem  Duartier  aufgebrochen,  wie  ed  gefchehen,  und  wie  ed  fidy  hat
anfeben  laffen,  vnd  fomwohl  von  Veberlaufern  alf  auch  gefangnen
bericht  worden  daß  Er  fein  marche  gegen  ded  Marggfichf.  Baden
nemmen  werde  So  hab  ich  auch  alfobald  in  ven  Quartiren  ombfchlagen
  Bouta  Selle  blafen  lafjen,  zumahIn  mich  fertig  gehalten  zu  marchiren
  ond  fo  lang  gemwarttet  biß  ich  vernommen,  mohin  Er  eigentlich  fein
Kopff  wenden  wuürbt.  Wie  ich  nun  gefehen,  daß  Er  nach  dem  gebürg
fich  wendet  und  bey  langvenzling  Binder  Freyburg  (almo  zwar  auch  ein
weg  nach  ged.  Marfgfichf.  Baden,  aber  gar  weit  gegen  vem  gebürg  Ift)
logire,  So  habe  ich  vermuetet  maffen  auch  befchehen,  nemblich  Er
mechte  durch  ein  Weg  dad  Olatterthall  genannt,  melches  fehr  Eng  ift
und  ganz  verhauen  vnd  vergraben  gewefen,  fidy  underfiehen  ven  Berg
hinauf  zu  gehen  ond  mir  den  Weg  zur  retirada  abzufchneiden,  vardurdh
mir  auch  die  Proftant  ganz  were  abgefchnitten  gewefen,  So  bald  Id}
folche&amp;amp;  wermerchet  bin  ich  abentE  umb  4  Vhr  aufgebrochen,  die  ganze
nacht  burdy  marfchirr,  auch  alda  bey  St.  Peter  anfomnıen,  und  obmohl
ich  Die  Studh  und  bagage  durch  ziween  onderfchinliche  weg  fahren  laffen,
So  haben  he  dod)  des  büfen  wegd,  ver  hohen  berg  vnd  mattigfeit  ver
Pferdt  halber,  fonverlich  beh  der  Artigleria  die  ganze  nacht  durch  nicht
ganz  hinauf  Kommen  Können.  Wie  nun  der  tag  angebrochen  ift  ver
feint  durd)  ermelten  weg  auanzirt  da  ich  nun  folches  gefpürt  hab  ich
daß  Clofter  St.  Peter  befezt  mich  mit  der  armada  auf  eine  Höhe  beges
ben,  ond  dem  feint  Festa  geboten,  auch  die  Studb  und  bagage  fouil
menfch-  und  müglich  gegen  ven  holen  graben  auanziren  lafien.  Weil
aber  die  Studhpferbt  wie  obgemelt  fo  matt  gemefen,  hat  e8  fich  ein
zeitlang  vermweghlet,  Inmittelft  der  feint  etliche  Gonımandirte  Reitter
laffen  herauf  geben,  vnd  angefangen  die  bagage  zu  blindern.  Nadıdeme
  ich  nun  folcheß  vernommen,  wierwohl  die  retroguardi  noch  nit
anfommen  gewvefen,  bin  ic}  auf  den  feint  loß  gangen,  Ime  attaguirt,
ynd  wannvonfere  Reitter  fodeuoirgethan  hetten,  wolte
        <pb n="161" />
        145

ih  verboffentli  des  feints  auanguardi  mit  Gottes
bülff  gefhlagenhaben,  wie  wir  dann  drey  Cornet  fo  hiebei  von
demjelben  befommen,  E&amp;amp;  haben  aber  vie  Reitterden  Officiren
  nicht  volgen  wollen,  wiewohlen  id  mit  den  Suefvolfhpdenangryffgethban,
  auch  fpedurd  dafjelbeimmer
forthb  seoundiren  laffen,  So  bat  man  fye  gleid  wohl
weter  mit  fteben  nodı  hauen  dahin  anbringen  Können,
ob  fye  nun  die  mattigfeit  der  Vferbt  oder  weiln  fyegefeben,
  daß  der  feint  onß  an  Reitterei  weit  veberlegen,
bDieuon  abgehalten  Kann  ich  nicht  mwiffen  Ichdarffaud
an  iezo  bieuon  nit  vil  fagen,  damit  fhe  nicht  zu  eine
andern  befterft  und  widermertiger  resolution  bewegen,
weillen  doch  mit  der  Zeit  jich  wohl  findten  würbdt,  nicht
ohne  ift  daß  die  mattigfeit  der  Pferbt  fehr  groß  nadyremal  man  in
ganzer  8  tag  Kein  pferdt  wegen  ftetiger  action  abfatIn  und  nur  einmahl
  fouragiren  Könen,  Gleihmwohl  hat  der  feint  eben  fowohl
  alf  wür  dergeftalt  ichen  müeffen,  Wie  nun  der
Johan  von  Wörth  mit  der  retroguardi  angelangt,
baben  wür  noch  einmahl  daran  gemolt,  Wür  haben  aber
bey  fo  befchaffner  fachen,  meil  der  feint  ie  lenger  ie  mehr  fich  erzeiget
nicht  ratbfanıb  befundten,  Bnß  in  eine  Haubt  action  einzulaffen,  Sondern
  allgemach  gegen  dem  KHollen  graben,  doch  mit  der  hinverlaffung
einer  fchaphafften  halben  Karthaune,,  eined  Balconetd,  und  eined  Feuer
Mörfel  weiln  folche  fowohl  wegen  mangl  alß  muttigfeit  ver  Pferbt
nicht  forth  zu  bringen  gewefen,  zu  retiriren  Bnd  weil  der  alarm  ihe
(enger  ihe  gröffer  worden,  ift  auch  die  meifte  Bagage  im  ftiih  gebliben,
  ver  feint  hat  BnB  zwar  biß  an  den  Hollen  graben,  aber  nicht
iveiter  verfolgt,  So  haben  mir  Vnß  mit  gueter  ordre  fouil  menfch:
vnd  muglich  geiwefen  geftert  kiß  nacher  Villingen  ond  heut  biß  anbero
retirirt,  Bnd  weil  dem  Yeint  aberınabl&amp;amp;  6000  DM.  succurs  anfommen
jeind,  vırd  id)  den  erften  tag  nit  wilfen  Können,  wo  Er  hingehen  wurbt,
babe  ih  den  Obriftlt.  Maremont  vor  hobentwiel  von  Villingen  auf
ordre  zuegefhidht,  damit  die  Völdher  nicht  verlohren  gehen,  die
blocquada  aufzuheben,  Weiln  ich  aber  gefehen,  daß  der  feint  nicht
weiter  nadıgehet,  ond  etliche  Kuntfchafft  gebracht,  daß  veffen  fueßvoldh
wider  zu  Much  gehen  fulle,  hab  ich  Ime  fo  Triplicat  anbefohlen,  jo

10
        <pb n="162" />
        146

lang  biß  Er  eigentliche  Kuntfchafft,  ob  der  feint  bahin  marchire  oder
nicht,  weil  Er  ohmedent  die  retirada  nicht  weit,  fondern  nur  1%  flundt
im  Wald  bi  nach  Zell  zu  nemmen  bat,  die  placguada  zur  Continuiren
vnd  da  Er  febon  binwedh  were,  fih  aud  (imfahl  Er  felbige  ohne
fchaden  der  Völdher  recuperiren  Kann,)  iwiter  dahin  in  die  vorige
fhanzen  zubegeben,  ob  Er  aber  mein  Triplicat  zeitlich  genueg  empfansgen,
  vond  iwie  Erd  ind  werdh  ftellen  rourdt,  ermarthe  ich  feines  berichte.
Sonften  berichte  Er  Chf.  Del.  gehorfamft  daß  fowohl  vie  Meitterei
alß  fuepvolcb  megen  deß  fteetigen  tranagliren  und  Scharmüziren:  fü  abgemattet,
  daß  ed  zu  erbarmen,  dahero  zu  mwünfchen  were,  daß  Bnß
der  feint  ein  wenig  Rube  liffe,  Unß  auch,  fomohl  al  Ime  Suocurs  an
Kommen  thete,  dann  ich  befürchte,  wierwohl  Er  fomohl  alf  wir  nader6,
Fr  Dnß  bey  feinem  anfonmen,  neuen  Suceurs  wider  auf  den  Half
gehen.  werde,  dann  einmahl  der  gefangnen  auffag  nad}  ift  Er  resaluirt
nicht  allein  ein  feften  fueß  in  difen  Xanden  zu  feßen,  fondern  auch,  wie
auß  beigefüigtem  fchreiben  zu  erfehen,  trauet  Er  Heylpronn  ftardh,,  Ich
habe  auch  aller  orthen  Kuntichafft  auß,  ond  iverde  mid)  ieverzeit  nad)
deffen  andamenti  Comporliren,  iwouern  Er  auch  gegen  Heylpronn  ben
Kopf  wendten  folte,  den  Obrift  Wolffen  mit  feinem  Negt.  eilligft  hinein
thiefhen,  were  doch  ohne  mein  vnderthgft.  maßgebung  guet,  daß  es
andermertö  mechte  befezt  werben.

Em.  Ehf.  Dchl.  gugft.  befeldy  fo  ich  bey  difem  Currir  empfangen,
rwill  ich  nit  allein  in  gebitrende  obseruation  gehorfamift  nemmen,  fondern
  auch  alfobald  vndthaft.  beantwortten,  meiln  ıc.  ıc.

Ew:  Ehurfrl:  Dral:
Schönberg  den  11.  Auguft  164.
Bnpertenigfter  gehorfamfter
Vrant  von  Meroy.

pP.  S.

Auch  guädigfter  Churfürft  und  Kerr  Gleich  bei  befchließung  viß
bericht  mich  der  Obrift  Keutenant  Mairemont,  daß  Er  geftern  vb
11  Vhr  die  bloguada  vor  hohentwiel  vfgehebt,  vnd  die  fchanzen  Daruor
verprent  babe,  alß  hab  ich  Ime  befohlen,  daß  Er  von  den  bey  fi
habenven  Völdhern  naher  Dberlingen  2  Somp.  zu  fueß  und  2  m
        <pb n="163" />
        147

pferbt,  dann  zu  DHauenfpurg  2  Bonıp.  zu  fueß  vd  eine  zu  Bfertt,  Er
auch  für  fein  Perfohn  alda  verbleiben  und  in  Monnig  i  Comp.  zu  Bureß,
weiln  dife  orth  fchlecht  verfichert  thun  folle,  Weiln  aber  ohnevem  in
ged.  Mberlingen  von  vier  Ew.  Ehf.  Dehl.  Reihsarmada  300  Eounmans
dirte  Dann  fein,  fo  will  ich  vam:t  alle  Boften  gegen  dem  Allgem  befegt
bleiben,  eine  Comp.  nacher  Biberach  fcbicfhen,  auch  in  mehrermelten
pberlingen,  weiln  der  Obrift  Leutenant  Häml  difer  tag  todt  gefallen,
den  Obriftleutnant  Mairemont  alda  dad  Commando  zu  führen,  fdhichen,
Sonften  werden  Em.  Chf.  Diehl.  aus  meinen  vundthgft.  beridyt  von  9
diß  daft.  erfehen  haben,  waß  maflen  höchft  nötig,  weiln  9  Studh
Ihabhafft,  daf  he  ganz  nit  mehr  zuegehrauchen,  daß  fürberfamift  andere
  an  flat  deren  mögen  heraus  gejchiefht  werden,  alß  Pithe  Em.  Ehf.
Do.  Hhiemit  vundthaft.,  Sye  geruben  gogft.,  nit  allein  folche  nötige
jtueh,  fondern  auch  antere  Artigleriapferdt  meiln  eben  darumb  auß
mangel  der  pferbt  aud  mitettlgfelt  derfelben,  die  Studh  nit  haben  Köne
den  fortgebracdht  werben,  fondern  ftehen  bleiben  müelfen,  fürverlich
gogft.  heraus  zu  fıhidhen,  die  fhadhaffte  Stuckh  will  ich  zu  Tübingen
fteben  lafjen,  Thue  gu  €.  ır.
Em.  Ehurfel.  Dril.
Schönberg  den  12.  Aug.  1644  morgen®
vmb  11  Uhr.
Bnpvertenigfter  gehorfamfter
Urank  von  Mercy.

4.

Bon  Gotted  Onaden  Marimilian  Pfalzgraf  bey  Ahein  ac.  -

DBnfern  grued  zuuor  Eoler  Lieber  getreuer.  Wür  zweifeln  nit
eö  werde  entziifchen  der  Horftifche  Leutenant  mit  Bnfer  Schreiben  bei
euch  angelangt  fein,  und  ihr  daraus  vnfer  intention  vernommen  haben,
MWeiln  nun  an  der  Armada  saluirung  dad  Mom.  Reid)  ieziger  Zeit
Laftet,  So  werdet  ihr  foldde  woll  in  adıt  nemmen,  vn  euch  alzeit  in
ein  folchen  Boflo  fezen,  daß  euch  Der  feindt  zum  fchlagen  durdjauß  nit
obligiren  fünde,  fondern  das  ihr  den  feinbt  vertoben  laffet  zumablen

10*
        <pb n="164" />
        148

euch  hoffentlich  gleidy  fomwoll  ald  dem  Beindt  soccors  eruolgen  vnd
alßvann  befjer  fortzuffommen  fein  würdet,  darauf  wir  und  biermit
bezieben  thuen,  Deffen  wür  auch  dan  bei  bringern  dif  den  Obriften  von
Sleckhenftein  Hirmit  nodymallen  erinnern  wollen.  Seindt  eudy  dabei
mit  Gdl.  vnd  allen  queten  Wol  gewogen.  Dat.  München  13.  Aug.
1644.

d.

Extract
Eines  Schreibend

Un  ein  vertrawte  Berfon  auß  Straßburg
de  dato  12.  Augufti  anno  1644.

Der  Herr  wird  bereit  wiffen,  welcher  geftalt  Duc  di  Angien  mit
vngefehbr  8000.  Mann,  darunder  4000.  Vferbt,  vnd  in  specie  2000.
Courassier,,  die  vbrige  4000.  zu  Bueß  geiweft,  eylendtd  zu  Breyfad)  an»
fonnen,  fid)  den  24.  Julij  Stylo  veteri,  vnd  3.  Auguft  Stylo  nouo
mit  dem  Yrangojchen  Mareschal  Visconte  de  Touraine,  und  den  Weinmarifchen
  conjungirt,  vnd  dardurch  eine  groffe  Macht  zufamen  ges
bracht,  mit  welcher  fie  noch  felbigen  Tag  vmbt  2.  Vhr  Abenpta  vie
Buprifche  Armada  in  ibrem  Pofto  vor  Breyburg  mit  großer:  vnd
folcter  Furi,  dergleichen  niemalen  erhört  worden,  angriffen,  darüber
der  Streitt  nit  allein  felbigen  theil  de  Tags,  fondern  die  Nadıt  durd)
fajt  gegen  ven  Tag  vnaußgelet  fehr  hefftig  geweft,  ja  auch  die  folgende
Täg  biß  auf  den  7.  continuirt,  melchen  Ierften  Tag  die  Srangöfifche
mehr  al&amp;amp;  zuvor,  ein  vnaußfprechliche  Furi  gebraucht,  vnd  Hat  der  Duc
di  Angien  jhme  beftändig  vorgenommen,  die  Bayrifche  auß  jhrem
Bortheil  zufchlagen,  vnd  gang  zu  ruiniren,  er  hat  aber,  wie  die  allberfommene
  Srangöfifche  Offieir  felbften  befennen,  ein  folch  unglaubliche
Resistenz  ,  dergleichen  Sie,  die  Bransofen,  jid)  nit  eingebilvet,  von  den
Baprifchen  gefunden,  alfo  daß  in  difer  etlidy  Täg  continuirten  Occasion,
von  den  Brangöfchen  und  Weinnarijchen  VBöldern  vber  die  6000.  auff
der  Wahlftett  gebliben,  varunder  etliche  Generals  Perfonen,  aud)  vil
andere  Hohe  und  Vornenne  Xeuth  von  Marquisen,  Grafen,  Sranpos
        <pb n="165" />
        149

——[.0..

fifche  Nobelesse,  Edlleuthen  und  Obriften  jich  befinden,  deren  specifcation
  man  noch  fobald  nit  haben  Eünden,  allein  hab  idy  gleich  jegt
Schreiben  empfangen,  daß  zu  Bajel  ve  Mareschal  Marquis  de  Montelier,
  ingleichen  deß  Mareschal  de  Roussilon,  Conte  de  Montuille
(weldyer  abfonverlib  Hoch  beflagt  wirbt)  todte  Keichnamb  vafelbft
durch:  vd  nach  Brandreich  geführt  worden:  Jtem  daß  zu  Breyfadh
ver  Obrift  Hapftein,  dann  ein  Irrlimdifcher  Obrifter,  der  Obrift  Leite»
nant  Nembinger,  zween  Srangöfifche  Obrifte  Leitenant,  neben  vilen
andern  Hohen  Olficirn,  ond  Gapitän  begraßen:  vond  zumahlen  vfft
zehen  Officir  in  ein  Grab  gelegt  worven,  dad  Weinmarifche  gute  alte
Sueßvold,  ald  der  beite  Kern,  neben  ihren  Officirn,  auch  wad  man
auß  ven  Guarnisonen  genommen,  ift  faft  alleß  gebliben.  In  dem  erften
Angriff  feynd  drey  Teutfche  Regimenter,  ald  Habftein:  Schönbed:  vnd
Schmidtbergifeh  ,  fo  jegt  Conte  de  Roqueseruire  commandirt,  geiwveft,
welche  faft  gant  gebliben,  vnd  von  allen  brey  Negimentern  mehr  nit
ald  50.  Dann,  fampt  drey  gemeinen  Officirn  darson  fomntn,  was
von  Officirn  nit  gar  gebliben,  ijt  gefchäpigt,  Mareschal  de  Touraine
ift  auch  im  Armbt  vermundt.  Man  fchreibt  aus  Breyfach  allber,  dag
nit  zubefchreiben,  was  fir  ein  Sammer  dafelbft,  vnd  daß  allda,  wie
auch  zu  Nementurg,  alle  Säufer  vol  Gefchätigter,  ingleichen  vafı
von  allen  Dreyen,  ald  de  Angien,  Touraine,  und  Weinmarifchen  nit
mehr  1500.  Mann  zu  Bueß  vbrig.  Ihre  Caualleria  hat  neben  ver  Infauteria
  zu  beeven  feithen  halten  müffen,  welche  vahero  von  den  Bay
rifhen  Studen  ebenfald  groffen  Schaden  empfangen.  Bey  den  Pays
rifchen  finden  fih  1500.  Gefchädigte  und  Todte,  wie  man  Nachricht  hat.
Ihre  der  Bapyrifchen  Pferdt  feynn  fehr  abgemattet  worden,  vnd  haben
eilicy  Tag  nichts,  ald  Naub  von  den  Biumen,  ond  Neben  zufiittern
gehabt,  weil  dann  die  Srangofen  gefehen,  daß  fie  nichtd  richten  Fönden,
fepnd  fie  aufgebrochen,  vnd  gegen  der  under  Margaraffihafft  Raven
marchirt.  8  nun  die  Bayrifche  folches  vermerdt,  feynd  fie  von  reyburg
  (als  Sie  felbige  Statt  in  Angeftcht  dep  Beindtd  erobert,  vnd  mit
&amp;amp;ewalt  manuteuirt,  vnd  behauptet,  auch  mit  einem  Regiment  zu  Zueß
befeßt  gelaffen)  den  9.  Nugufti  gleichfald  auffgebrochen,,  vd  vurch  den
Schmwartwaldt  nach  Villingen  marchirt,  auff  des  Beindts  Vorhaben
acbtung  zu  haben,  under  Weegd  aber  in  befagtem  Schwargwalbt  ein
fchabthaffte  halte  arthannen,  fampt  einer  Falkhonen,  vnd  einem
        <pb n="166" />
        150

Pöber,  mie  auch  etliche  Bagage  Wägen  tahinven  gelajjen,  melche  jhnnen
zmar  nit  der  Weindt  abgenommen,  fondern  Sie  die  Bayrifche  felbft
wegen  groffer  Mattigkeit  ihrer  Pferbt  ftehen  gelaffen,  vd  nit  fortbringen
  Eönden.  Der  General  Major  Rosa  ift  jhnen  under  Weegs  bey
©.  Peter  in  den  Nachzug  gefallen,  aber  mit  Berlueft  viler  Officir  und
Soldaten,  auch  9  Eornet  vund  Standarten  wider  zurud  getriben:  vnd,
wie  man  fagt,  Rosa  felbft  vermundt  worden.  est,  fagt  man,  gehe
Duc  di  Augien,  Touraine  vund  die  Weinmarfcye  in  die  under  Marggrafffchafft
  Baden  noch  fort,  ohne  zmeiffel  dajelbfl  etwas  zurefrechirn,
vnd  follen  fle  einen  newen  Soccors  von  vngefähr  4000.  mehrentheils
Bueßvolf  erwarten:  Hingegen  zu  den  Bayrifchen  gleihmäfjig  eheift  ein
ftardfer  Soccärs  ftoffen  folle,  da  e8  dann  ohne  zweifel  hernädhft  miver
etivad  newed  abfeten  wirbt.

6.

Deuticher  Feldzug  —  Tage  von  Freiburg").
(In  daS  Deutfche  übertragen.)

Türenne  eilte  herbei,  die  Trümmer  der  Truppen  zu  fammeln  und
die  Borifchritte  Des  feindlichen  Generals  aufzubalten,  e3  gelang  ihm
aber  blo8  8000  Mann  und  20  Gefdsüge  zufammenzubringen.  Umvermögend,
  feinen  Gegner  mit  diefer  [hmachen  Arınee  Stand  zu  halten,
Ift  er  genöthigt,  zurüdzugehen  und  ihm  Yreiburg  zu  tiberlaffen.  Auf
diefe  Nachricht  riickte  Cunde  in  Eilmärfhen  zur  Unterftüßung  bes
Marfchalld  herbei,  ging  gegen  Ende  Juli  1644  bei  Vreifach  über  ven
Nhein  und  fhickte  fi,  gegen  den  Math  Türenne’s,  an,  vie  feinpliche
Stellung  bei  Srelburg  anzugreifen.

—

 

*)  Diefe  Relation  findet  fih  in  dem  neueften,  in  Lieferungen  erfchei:
nenden,  höchft  interefianten  Werfe:  „Histoire  de  l’armee  et  de  tous
les  regiments  depuis  les  premiers  temps  de  la  monarchie  frangaise
jusqu’  A  nos  jours  etc.‘  Tome  second  Chapitre  premier.  1.  Partie

page  29-32.
        <pb n="167" />
        Breiburg  liegt  am  Buße  ded  Schwarzwaldes,  der  fi  bier  halb»
ınondförmig  audbreitet.  Im  Mittelpunfte  viejed  Maumes  befindet  fich
eine  Eleine  Ebene,  rechtö  von  hoben  Vebirgen  und  linf8  von  einem
fumpfigen  Walde  begrenzt.  Dan  fann  von  der  Breifacher  Seite  nur
burch  eined  der  ‚bei  einem  fuft  unzugänglichen,  bie  Ebene  nach  allen
Seiten  zu  beberrichenden  Berge)gelegenen  Defiled  gelangen;  auf  den
andern  Wegen  ift  ver  Eingang  nod;  fchroieriger.

In  diefer  Stellung  hatte  fich  der  Graf  von  Merch,  der  für  einen
der  größten  Keloherren  Europas  gehalten  wurde,  verfihanzt.  Er  hatte
den  größtmöglidyen  Bortheil  a8  feiner  Stellung  gezogen.  Seine  Infanterie
  ftand  auf  einem  dur)  VBerbau  und  Verfchanzung  gebedten
Berge.  Die  Borfprünge  diefer  Berfchangungen  murben  durch  Rebvuten
  mit  2  bi8  3  Gefdyüßen  vertheidigt.  An  ber  rechten  Seite  des
Berges  befand  fich  ungefähr  in  ver  Mitte  eine  flarke  Pallifavirung  mit
5  Gefchägen,  welche  die  Ebene  vorwärts  und  in  der  rechten  Blanfe
beftrichen.  In  der  Ebene  felbft  dehnte  fich  die  Reiterei  in  langen  Linien
nit  12  Gefhügen  aus.  Bor  ihr  war  Waldung  und  Sumpf,  die  Defiles
  waren  durch  Verbau  und  Bataillone  mit  ihren  Regiments»
geichbüßen  vertheidigt.  Died  war  die  Stellung,  welche  Conde  nehmen
wollte.  Mercy  hatte  15,000  Dann  und  28  Gefhuge  von  fchmerem
Kaliber.  Die  beiven  Armeen  von  Türenne  und  Eonde  waren  zufammen
  230,000  Mann  ftarf,  vie  WUrtillerie  befland  nur  aus  37  Yeldgeihugen.


Bermwegenheit  und  Muth  allein  waren  nicht  außreichend,  um
Mercy  aus  biefen  Stellungen  zu  belogiren,  welche  er  nacheinander
gegen  Breiburg  zurüd  einnehmen  Eonnte;  denn  man  Fann  nidi
hoffen,  eine  in  Bergen  aufgeftellte  Armee  durch  einen
Angriff  zu  vertreiben.  Das  einzige  Mittel,  zum  Ziele
zu  gelangen,  ıft,  in  ihrer  Slanfe  und  im  Rüden  ein  kager
  zu  beziehen*).  Auch  war  e8  die  umgebende  Bewegung  Tiireune’8
  allein,  welche  ven  General  Mercy  zwang,  fich  zurichzuziehen.

Der  Angriffsplan  war  folgender  :

Conde  follte  mit  feinem  lrmeecorps  ven  Tinten  Flügel  ded  Yeindes
  in  der  Front  angreifen,  wahrend  Tiirennme  mit  feinen  8000  Dann

 

——  —

*)  Memoiren  Wapoleon’s,  gefchrieben  auf  St.  Helena.
        <pb n="168" />
        152

 

und  20  Kanonen  diefen  finfen  Slügel  vurdb  dad  von  und  ermähnte
enge  Thal  umgehen  würde.

Den  3.  Auguft  mit  Tagesanbrudy  jegte  fich  Die  Armee  in  Berne»
gung.  Die  Infanterie  befand  aus  6  Bataillonen,  jeved  von  800  Mann.
Sraf  von  Eöpenan  mit  2  Bataillonen  erhielt  Befehl,  den  Angriff  zu
beginnen.  Der  Graf  von  Tournon  follte  ihn  mit  den  Megimentern
Gonti  und  Mazarin  unterftügen.

Der  Generalmajor  von  Paltau  hatte  die  Bewegung  der  Batail-Ione
  mit  dem  Gavallerieregiment  Engbien  zu  deden.  Die  Genvarmen
wurden  am  Gingange  aufgeftellt,  um  bie  Feinde  zu  verbindern,,  der
Anfanterie,  während  fte  angriff,  in  die  Slanfe  zu  fallen.

Der  Bring  Sonde  Hutte  den  Marfchall  Grammont  und  ven
Grafen  Marfin  unter  feinen  Befehlen.

Die  franzöfifhen  Truppen  gingen  Außerft  bitig  vorwärts,  ob--gleich
  fie,  um  zu  dem  Seinde  zu  gelangen,  eine  ziemlich  fteile  Anhöhe,
auf  welcher  in  gemwiffen  Zwifchenräunen  vier  Fuß  bobe  Muuern  bes
findfich  waren,  zu  erfteigen  hatten  und  in  ihrem  DVBorgehen  ein  lebhafted
  und  mörberijches  Weuer  auöhalten  mußten.  EE  gelang  ihnen
aber  nicht,  die  Schanzen  zu  nehmen,  ohne  audeinander  zu  fommen.
Der  ungeftüime  Conde  befchloß  nun  einen  zweiten  Angriff  auf  die  Mitte
der  Rinie;  er  jtieg  vom  Pferde  und  ftellte  fich  feleft  an  die  Spibe  zweier
Regimenter,  vie  die  Neferve  bildeten.  Die  Soldaten,  begeiftert  dur)
feine  Gegenwart,  erfletterten  die  Schanzen  umd  verjagten  die  Bayern
aus  den  Nepouten.  Über  das  ort  hielt  noch  Stand  und  die  Nacır
rüdte  heran.  Türenne,  aufgehalten  durch  feine  Artillerie,  genötbigt,
auf  einer  nicht  recognodrirten  Straße  einen  großen  Umweg  zu  machen,
und  gebemmt  durch  allerlei  Hinderniffe,  fonnte  erft  gegen  Abend  ven
Angriff  beginnen,  ver  nod)  uberdied  nur  aus  Scharmiügeln  bejtand.
Dies  war  der  erfte  Tag  bei  Breiburg.

Der  Prinz  Gonde  befhloß  nun,  den  folgenden  Tag  über:  die
Höhen  gegen  dad  Rager  der  Bayern  vorzuritden,  um  biefe  zu  nöthigen,
ihm  mit  einem  Theile  ihrer  Kräfte  entgegenzurüden  und  fo  dem  Marfhall
  Türenne  den  Einmarfch  in  die  Ebene  zu  erleichtern.  Der  baderifche
  Oeneral  aber  durchichaute  den  Plan  feined  Gegners,  verließ  Das
Yort  und  z0g  feine  Truppen  auf  einen  Berg  bei  Freiburg  zurid,  wu
jelbft  fie  fich  verfchangten.
        <pb n="169" />
        153

Der  linke  Zlügel  ver  neuen  Kinie  Mercy’s  lehnte  fich  an  einen
jehr  fteilen  Berg.  7  Gefchüße  vertheibigten  viefe  Seite.  Die  brige
Linie  dehnte  fich  auf  einem  langen  und  fohmalen  Plateau  au,  veffen
Saum  mit  Berfehanzungen,  welche  von  einigen  Gefchigen  vertheidigt
wurden,  verfehen  mar;  an  der  aufßerften  rerbten  Seite  des  Platenus
war  eine  Batterie  von  10  Gefihügen,  die  das  enge,  zwifchen  vem
Plateau  und  Sreiburg  befindliche  Thal  beftrich.  Mit  5  Gefchugen
beießte  Schangen  verfperrten  died  Thal;  das  grobe  Geichug  Breiburgsd
  endlich  flanfirte  wollftändig  den  ganzen  rechten  Ylügel  ver
Stellung.

Nadıdem  Bonte  feine  Vereinigung  mit  Tiirenne  bewerfitefligt
hatte,  befcbloß  er  einen  Eraftigen  Angriff  auf  ven  Tinken  Slügel  des
Feinded;  die  Reiter  und  ein  Theil  der  Artillerie  folten  während  veffen
den  rechten  Ylügel,  der  ein  wahrer  euerfchlund  war,  beobachten,  und
ein  blinder  Angriff  follte  auf  da®  Centrum  gemacht  werten.  Die
Unftalten  zu  diefem  neuen  Berfucte  nahmen  den  ganzen  Tag  des  4.  in
Anspruch  und  geitatteten  den  Aruppen,  fich  zu  erholen.  Den  folgenven
Tag,  am  5.  Auguft,  ald  der  Brinz  in  Begleitung  der  Vlarfchälfe  Tu:
renne  und  Grammeont  einen  hoben  Berg  beitiegen  hatte,  um  ven  Mücken
ded  Feinded  zu  recognoßeiren  und  die  Arrieregarve,  melche  wegen  der
fchlechten  Wege  nicht  früher  hatte  zu  ihm  ftoßen  Fönnen,  erwartete,
wurde  er  plöglich  durch  ein  unvorhergefehenes  Creigniß  gezwungen,
feine  Dispofition  zu  ändern,  wodurd)  dad  Schicfal  des  Tages  entfchier
den  wurde.  Der  General  Echelle,  ver  1000  Muifetiere  commanbdirte,
hatte  nämlidy  Befehl,  nicht  eber  anzugreifen,  al  big  der  blinde  Angriff
auf  dad  Gentrum  begonnen  hätte.  Eöpenan,  welcher  die  Infanterie
des  Prinzen  commanvirte,  hatte  einige  Mann  vetachirt,  um  eine  Fleine,
vor  der  feinplichen  Stellung  gelegene  Nedoute  zu  nehmen,  wodurch  unmerklich
  ein  Gefecht  auf  beiden  Seiten  herbeigeführt  wurbe.  Die
Bayern  unterftügten  ihre  Keute,  Eöpenan  veritärfte  vie  feinigen  und
bald  wurde  dad  Scharmiükel  fo  Tebbaft,  daß  der  General  Echelle
glaußte,  e&amp;amp;  feit  Zeit  zum  Handeln.  Diefe  Bewegung  zerftörte  Gonne’a
Pläne.  Er  eilte  fo  fchnell  als  möglich  auf  diefen  Bunft,  fand  aber  ven
General  getödtet  und  die  Truppen  in  der  größten  Unordnung.  Geine
Gegenwart  gab  ihnen  neuen  Veuth  und  trieb  fie  zu  wiederholtem
Kanıpfe.  Zivei  Bataillone  Bayern,  weldye  die  Schanze  bejegt  bielten,
        <pb n="170" />
        154
fingen  an  zu  wanfen,  bie  daneben  befindlichen  feuerten  aber  fo  heftig,
daß  die  Sranzofen  noch  einmal  genöthigt  waren,  zuridzumeichen.
onde  befahl,  den  Augriff  auf  piefem  Punkte  einzuftellen.  Der  Brinz
fegte  fi)  bei  diefer  Gelegenheit  ver  größten  Gefahr  aus  und  gab  Bes
weife  der  Faltblütigften  Tapferkeit,  denn  er  blieb  auf  30  Schritt  von
der  Schanze  faft  immer  zu  Pferd.  Die  20  Offiziere  feines  Gefolges
wurden  faft  fümmilich  verwundet,  eine  Kanonenkugel  rif  den  Sattelfnopf
  von  Gonde’3  Pferde  weg  und  feine  Degenfcheide  wurde  von  einer
Muffetenkugel  zerfchmettet.

Er  mußte  fofore  feine  Dispofttionen  andern,  gab  daher  den  Ans
griff  auf  den  linfen  Sigel  des  Feinded  auf,  ließ  einige  Truppen  auf
diefem  Bunfte,  raffte  was  ihm  an  dißponiblen  Kräften  noch  übrig
blieb  zufanmen,  ftieß  damit  zu  der  in  der  Ebene  jtehenvden  Reiterei  und
ftürzte  fich  auf  ven  linfen  Flügel  des  Beindee.

Hier  entfpann  fid)  ein  furdhtbarer  Kampf  unter  dem  unauds
gefeßten  Yeuer  einer  zablreihen  Artillerie.  —  Die  Sranzofen  thaten
Wunder  der  Tapferkeit,  aber  Alles  war  umfonft;  der  Feind  behauptete
feine  Stellung.

Daran  verzweifelnd,  biefelbe  mit  Gewalt  zu  nehmen,  faßte
Bonde  den  Plan,  ven  Feinde  die  Verbindung  von  Breibung  nad  Vils
lingen,  einer  Stadt  am  usgange  des  Bebirges  nach  Schwaben  zu,
abzufchneiden.

Merch,  ven  Plan  Gonde’s  errathend,  trat  jofort  feinen  Rüdzug
an,  indem  er  feine  WUrtillerie  voraudmarfchiren  ließ,  während  vie
Truppen  die  zur  Seite  befindlichen  Berge  befegt  bielten.  Er  mußte
aber  die  energifchen  Angriffe  der  nachrüdenven  franzdftfchen  Schmwa«
dronen  zurüdichlagen  und  wurde  gezwungen,  fich  mit  Verluft  von
eh3  Kanonen  und  zwei  Mörfern  in  die  Defiles  zu  werfen.

Dies  waren  die  vier  Tage  vor  Kreiburg,  blutige  Jage,  in  denen
die  frangöfifche  Infanterie  Wunder  von  Tapferkeit,  Entfchloffenheit
und  Kühnheit  that,  und  faft  vernichtet  wurde.

Wir  haben  erklärt,  welche  irfachen  da8  fo  entfcheidende  Diandver
Türenne’3  gleich  beim  Beginne  paralpfirten  und  einen  fo  großen  Vers
luft  an  Dannjchaft  veranlaßten.  onde  verdanfte  den  Sieg  nur
feiner  umübermindlichen  Sartnädigfeit  und  der  Tapferkeit  feiner  Ins
fanterie.  Der  Oeneral  Merry  zeigte  fich  bei  diejer  Gelegenheit  al8
        <pb n="171" />
        155

twirbiger  Gegner  der  beiden  berihmten  Belpherren  in  der  allgemeinen
Reitung  feiner  Vertheirigung  forwohl,  als  in  der  betvundernäwerthen
Benübung  feiner  Stellung.

Nah  einem  zweitägigen  Aufenthalte  bei  ver  St.  Peteröabtei
  fehrte  Bunde  über  Denzlingen  in  fein  frühered  Luger
zurücd,  wofeldft  er  Kriegsrath  über  tie  nun  ausgufihrenden
Operationen  hielt.  Die  meljten  Generale  waren  der  Anticht,
Sreiburg  wieder  zu  nehmen,  Gonde  war  jedoch  nicht  Diejer
Anfiht,  indem  er  hervorhob,  daß  man,  da  die  bayerifche
Armee  mehr  ald  20  Etunden  entfernt  fei  und  fi  wegen
Mangel  an  Lebensmitteln  und  Fourage  nidyt  nähern  Fönne,
bie  Gelegenheit  benügen  müfle,  um  fi  de3  ganzen  Rheins
ftromes  bis  Mainz  und  jelbft  der  Pfalz  zu  bemeiftern,  ftatt  fid)
auf  die  Einnahme  einer  einzigen  Stadt  zu  befdyränfen,  1os
beit  die  ganze  nod  übrige  Zeit  unnüg  verftreihen  würde,  und
daß  man  den  zweifelhaften  Feldzug  durd  eine  glänzende  That
befhließen  müffe*).  Claufewig  jagt  hierüber,  daß  die  Weits
AAufigfeit  der  Kriegätheater  den  ganzen  Krieg  unzufanmens  .
‚hängend  madıte.  Nad  der  Freiburger  Ecladyt,  fährt  er  fort,
geht  Mercy  aus  freien  Etiden  über  den  Edywarzwald  nad)
MWürtemberg  zurüd,  und  Conde  geht,  Phllippsburg  zu  bes
lagern,  ald  ob  beide  nichts  weiter  mit  elnanver  gemein  haben
wollten.  Da  braucht  denn  freilidh  Die  Strategte  nicht  fo  ge
wiffenhaft  zu  fein.  Er  fährt  welter  fort,  daß  die  Shwähung
  durdh  den  Angriff  durd  eben  biefe  Ericheinung
bewiefen  wird.  Man  wirde  dem  ©egner  (in  unferm  Fall

*)  Ein  Hauptgrund,  warum  der  junge  ehrgeizige  Feldherr  ben  'einflimmigen
  Rath,  feiner  Generale  verwarf,  mochte  wohl  der  fein,  daß  er
durch  die  Groberung  Philippeburge  —  welches  damals  für  die  ftärffte
Feftung  und  Vormauer  Dentfchlande  galt,  deren  Verfuft  Kranfreih  feit
ven  28.  Janıtar  1635  täglich  und  fehmerzlich  bedauerte  —  größeren  Ruhm
und  Dant  erwarten  fornte,  als  durch  die  Einnahme  der  unmichtigeren
Stadt  Freiburg.  —  Rothenburg  775.
        <pb n="172" />
        156

 

Eonde  tem  General  Mercy)  nadgezogen  jein,  wenn  man
nicht  gefürdhtet  hätte,  fi  in  eine  zu  gefährlihe  Lage  zu  be:
geben.  Man  ließ  ihn  alfo  ziehen  und  that  etwas  weniger
Gefährliches,  man  belagerte  Philippsburg*).  Wenn  wir  aud
im  Allgemeinen  mit  der  Anficht  Des  großen  Theoretiferd  über:
einftimmen,  fo  fonnen  wir  Diefed  niht,  wenn  wir  in  bag
Detail  eingehen.  Ev  hat  Claufewig  Unreht,  wenn  er  fagt,
daß  Mercy  aus  freien  Stüden  tiber  den  Schwarzwald  nad
MWirtemberg  zurüdging.  Obgleidy  nidyt  befiegt,  waren  dod)
der  erlittene  Verluft,  weldyer  befonders  die  Reiterei  traf**),  ber
ganzlihe  Mangel  an  Lebensmitteln  und  die  Ausfiht  auf  eine
feindliche  Dperation  in  jenem  Niden,  wodurd  ihm  feine
Rüdzugslinie  abgefihnitten  und  die  Verbindung  mit  der  Operationdbafi8S
  verloren  gegangen  wäre  —  called  dad  waren
unferer  Anficht  zufolge  für  den  erfahrenen  Feldmarfhall  Mercy
hinreihende  Gründe,  durh  den  Schwarzwald  nah  Wiürtenberg
  auf  fein  Hauptdepot  Villingen  zurüdzugehen.  Ein  Ver:
folgen  von  Eeiten  ded  Feinded  war  unmöglih,  da  die  reis
burger  Schladht  feine  Armee  ruinirt***)  und  zu  einer  folden
ftrapaziofen  Unternehmung  unfähig  gemadht  hatte.  Zudem
befand  fit)  Feldmarfhall  Mercy  to  aller  oben  angeführten
Hinderniffe  in  fteter  Fechtbereitihaft  und  würde  hödft  wahr:

*)  Glaufewiß  9.  156.

**)  Siehe  Beilage  1—7.

***%)  La  fatale  journee  de  Fribourg  lui  (a  Mazarin)  a  arrache
des  larmes,  et  sun  grand  courage  fut  outre  de  douleur,  lorsqu’il
apprit  qu’ons  s’etoit  opiniätre  pour  se  rendre  maitre  d’un  poste  ou
camp  presque  inaccessible,  qui  a  tant  fait  verser  de  sang,  et  pertir
une  si  grande  quantit€  d’honestes  gens,  que  l’histoire  en  a  pitie,  et
il  est  impossible  de  lire  la  relation  de  cette  funeste  victoire  sans
horreur.  Nous  pouvons  dire,  que  c’etoit  fait  de  nous,  et  la  france
etoit  perdue,  si  elle  en  eüt  emporte  beaucoup  de  semblables.  La
Cadme&amp;amp;enne  (Canne&amp;amp;ene)  n’a  point  ete  si  cruelle,  et  la  perte  de  cette
sanglante  et  malheureuse  bataille,  et  la  retraite  de  notre  armee  eüt
ete  beaucoup  plus  utile  et  avantageuse  A  nos  affaires,  que  le  succ&amp;amp;z.
Disoours  sur  la  Conjoncture  presente  des  Affaires  d’Allemagne,  par
le  Sieur  de  Bonair  page  32.
        <pb n="173" />
        157

fcheinlich  feinen  ®egner  bei  feinem  Deboucdhtren  aus  den  De:
filed  des  Echwargwaltgebirges  gehörig  empfangen  und  zurüd:
geworfen  haben.  Daher  zog  GEonte,  mit  Claufewig  zu
jpreben,  etwas  weniger  ®efährlihed  vor,  indem  er  zur
Belagerung  von  Whilippsburg  fchritt.  Die  Lnternehmung
gegen  diefe  Feftung  war  deffenungeadytet  mit  großen  Echwierigfeiten
  verbunden,  da  die  in  Folge  der  Freiburger  Edladıt
herabgefommene  Snfanterie  einen  beträhtliden  Marfdı  zurüdzulegen
  hatte,  die  Caffa  erfhöpft  war  und  die  Lebensmittel
aus  den  entfernteften  Gegenden  herbeigefchafft  werden  mußten*).
  Doc  alle  diefe  Hinderniffe  murden  von  dem  feurigen
Eonde  ignorirt  und  die  Belagerung  beicdloffen.  Während
no  dad  frangojifhe  Heer  bei  der  St.  Peterdabtel  ausruhete,
eilte  der  Marfhall  Zürenne  mit  dem  Armeeintendanten  Mole
du  Champlatreur  nady  Breilad,  um  von  den  Gouverneur
biefer  Seftung,  Generallieutenant  Erlad),  12  halbe  Garthaunen,
  2  Mörfer,  30  Gentner  Pulver,  Pie  dazu  nöthigen
Projectile  und  andere  Kriegs:  und  Mundbedürfniffe,  fomwie
Vontons  zum  Brüdenfhlagen  behufsd  der  Belagerung  zu  requiriren.
  Died  geihah,  und  die  Edhiffe  mit  einer  Edforte  von
300  Muffetieren  fuhren  von  Breifad;  ab,  nahdem  die  Etraßburger
  ihnen  die  Durdfahrt  unter  ihrer  Brüde  geftattet
hatten;  die  große  Zahl  der  Verwunteten  Fam  nad  Breifad.
Zur  nämlihen  Zeit  brady  der  General  Tanpatel  mit  einem
Theile  der  weimartfchen  Reiterei  und  einem  Corps  Muffetiere
und  Dragoner  ald  Avantgarte  gegen  Milippsburg  auf;  ihm
folgte  der  Generalmajor  Reinhold  von  Rufen  mit  dem  Refte
ter  weimarifhen  Armee.  Am  16.  Auguft  trat  Conde  mit

*)  Aber  dies,  fehte  er  Hinzu  (nämlid)  Conde),  fehredt  mich  nicht
ab;  denn  die  Entfernung  von  hier  bis  Philippeburg  ift  mir  eher  nüßlich
als  nadıtheilig,  well  die  Keinde,  die  fich  gegen  die  Tionau  zurücdgezogen
haben,  mir  nicht  vorfommen  fünnen,  wenn  ich  meinen  Marfch  befchleu:
nige.  Das  zur  Belagerung  und  zum  Eolo  des  Heeres  nöthige  Geld  will
ih  auf  meinen  Namen  borgen,  und  wae  die  Infanterie  betrifft,  fo  muß
ihre  Tapferfeit  ihre  Anzahl  erfegen.  —  Gefchichte  Rurdwige  von  Bourbon
von  Deformeaur.  1.  p.  113.
        <pb n="174" />
        158

—  -_—  -

der  fogenannten  Armee  von  Franfreih  den  Marih  an.  Die
Avantgarte  hatte  den  Auftrag,  alle  auf  der  Straße  nad)
Philippsburg  Dindernd  im  Wege  liegenden  Drtjchaften  weg:
zunehmen  und  fo  dem  Huauptcorpd  einen  ungehinderten  Marfd
vorzubereiten.  JTaupadel  fette  fid)  deshalb  in  Den  Belis  von
Baden,  Ettlingen,  Durlad),  Bretten  und  Etollhofen.  Rofen
follte  den  Marfdy  der  Hauptarmee  durh  die  Wegnahme  von
Kupenheim  und  anderer  ‘often  erleihtern.  onde  jelbft  foreirte
  auf  feinem  Marfdie  das  Ediloß  Liethens,  6  Meilen
von  Straßburg,  und  fdidte  von  dort  den  Marfhal  Fit:
venne  mit  3000  Pferden  und  700  Muffetieren  voran,  um
Bhilippsburg  einzujchließgen.  Der  Bring  felbft  Tangte  mit
dem  nody  übrigen  Theile  der  Arınee  am  25.  Auguft  vor  der
Seftung  an.

Philippsburg,  zu  Unfange  des  17.  Jahrhunderts  ned)
ein  Dorf,  war  fpäter  durch  die  Bifchöfe  von  Epeyer  mit
großen  Koften  befeftigt  worden,  dann  an  dad  Haus
Defterreidh  gefallen,  dem  es  die  Schweben  abnahmen;  biefe
verfauften  die  Peftung  nad  der  unglüdliden  Edladıt
bei  Nördlingen  für  1,200,000  Xiored  an  Franfreid,,  weldyes
fie  aber  nur  furge  Zeit  befaß;  denn  der  nadjläffige  Gouverneur
  Urnault  ließ  fi  von  dem  Faiferlihen  Dberften  Bam:
bergr  am  25  Januar  1635  üüberrumpeln.  ben  verfelbe
Bamberger  vertheidigte  jest  Philippeburg  mit  1000  Mann,
während  der  Herzog  von  Enghien  den  ehemaligen  Gouverneur
Arnault  mit  der  fpeciellen  Leitung  der  Belagerungsarbeiten
beauftragte  und  ihm  dadurd  Gelegenheit  gab,  fid}  von  dem
feit  jenem  Ueberfalle  auf  ihm  haftenden  Fleden  zu  reinigen.
Philippsburg,  150  NRuthen  vom  Rheine,  auf  einer  von
Moräften  und  Gehölz  umgebenen  Ebene,  hatte  nur  Erpwerfe;
aber  die  Höhe  und  Dide  der  Wälle,  die  Breite  und  Tiefe
der  aus  dem  Rheine  reichlich  beiväflerten  Gräben,  die  Anzahl
und  Etärke  der  Baftionen,  vornehmlich  aber  bie  Unmöglidyfett,
  der  Seftung  auf  eine  andere  Art,  ald  dur  einen  engen
und  fandigen  Paß  beizufommen,  erfhwerte  die  Eroberung
fehr.  Den  Rhein  beherrfhte  eine  große  Schanze,  die  mit
        <pb n="175" />
        159

der  Feftung  durd  einen  6  Fuß  breiten  und  800  Fuß  langen,
ber  einen  Moraft  führenden  Damm  verbunden  war  *).

Nachdem  Bonde  tie  Gegend  recognoschrt  Yatte,  vermwentete
  er  den  Reft  ded  Faged  dazu,  um  feine  Pofitton  einzunehmen,
  und  traf  zugleid,  Anftalten,  die  große  Ehanze  (Zoll:
fhanze)  während  der  Nadt  anzugreifen.  Die  franzofifdhe
Armee  lagerte  von  Knaudenheim  bid  an  den  Eaalbah  und
Die  welmarifhe  von  dem  redyten  Ufer  diefes  Bade  an  bie
gegen  Rheinhaufen.  Cobald  ed  Naht  war,  rüdten  die  Trup:
pen  gegen  bie  Zollfhanze,  der  Prinz  fuchte  auf  einem  lim:
wege  durh  das  Holz  dahin  zu  gelangen,  Türenne  näherte
fid}  derfelben  auf  einigen  Fleinen,  dur  die  Eümpfe  führen:
den  Dammen.  General  Bamberger,  welder  nit  genug  In:
fanterte  befaß,  hatte  die  zur  Bertheibigung  der  Schanze
beftimmte  Mannfhaft  nad  Philippsburg  an  fidy  gezogen;  fo
fand  fie  Tiirenne,  welcher  zuerft  anfam,  verlaffen,  worauf  er
fidy  derfelben  bemädhtigte  und  fie  mit  Allem,  was  zum  Angriff
gegen  die  Etadt  erforderlih  war,  verfah.  Konde  befchäftigte
fit}  hierauf  mit  der  vollftändigen  Eiderung  feiner  Circumvallattondlinien,
  er  ließ  an  den  Etellen,  wo  tad  Terrain  es
geftattete,  Forts  und  Redouten  errichten  und  in  dem  Eumpfe
eine  Menge  Bäume  umbauen,  um  alle  Wege  abzufchneiden.
Türenne  hatte  weniger  Edjwiertgfeiten  bei  Befeftigung  feines
Poftens,  er  bediente  fib  eines  Ravins,  weldyes  fi  faft  von
einem  Ende  feines  Lagers  bid  zum  andern  ausdehnte,  und
feste  e8  durd  Anlegung  einer  Bruftwehr  in  Vertheidigungezuftand.
  Im  vier  Tagen  waren  die  Circumvallationdarbeiten
beendigt  und  das  Lager  wurde  auf  allen  Seiten,  von  Knaus
denheim  bi8  NRheinhaufen,  geichloffen  **).

*)  Rothenburg  776,  777,

"”)  Es  ift  erftaunlih,  fo  ungeheure  Arbeiten  von  einer  Hand  voll
Menfchen  in  fo  furzer  Zeit  zu  Stande  gebracht  zu  fehen;  aber  von  der
©cgenmwart  des  unermüdfihen  Beloherrn  angefenert,  arbeitete  der  Eolvat
defto  eifriger,  je  mehr  er  durch  die  Eroberung  von  Philivpeburg  Ruhe,
Veberflup  und  Ruhm  zu  erlangen  hoffte.  Deformeaur  I.  116.
        <pb n="176" />
        160

Mahrend  der  Zeit  famen  die  mit  Gefhig,  Munition
und  Lebensmitteln  beladenen  Fahrzeuge  an.  In  24  Etunten
wurde  eine  Brüde  zwiiden  Knautenhein  und  Germerähein
über  den  Hthein  gefchlagen.  Die  Ginnahme  von  ermerdheim
  war  nothwendig,  um  fid,  den  Befig  dDed  Oberrheing  zu
jihern,  und  da  man  jenfeits  diejed  HYluffes  feine  ircum:
vallationälinien  anlegen  fonnte,  fo  war  ed  nöthig,  fi  aller
feften  läge,  die  ihn  beherricten,  zu  bemädtigen.  Sobalv
die  Briide  vollendet  war,  ließ  Conde  den  Generallieutenant
Marquid  von  Aumont  mit  600  Mann  zu  Zug  und  300  Pfer:
den  hinüber  gehen,  um  Germersheim  anzugreifen.  YUumont
nahm  es  zwei  Tage  nad  Eröffnung  der  Laufgräben  und
rüfte  dann  vor  Epeyer.  Tiefe  am  Rhein  gelegene  Etadt
war  damald  nur  durh  den  Eiß  der  faiferlihen  Sammer
von  Wichtigfeit*),  sie  butte  Feine  Bejagung  und  war  nur
von  einer  Mauer  ınit  einfadhen  Thürmen  umgeben,  aud)  bes
fanden  fi  in  ihrer  Almgegenvd  Feine  fatjerlihen  Truppen,
weshalb  fie  fid}  auf  die  erfte  Aufforderung  ergab  und  am
29.  Auguft  eine  frangofiihe  Befagung  erhielt.

Mährend  Aumont  fi)  aller  wichtigen  PBunfte  am  -linfen
Rheinufer  bemädjtigte,  begann  Conde  den  Angriff  auf  Philippeburg.
  3  wurde  Shen  erwähnt,  daß  man  fid  nur  durd
einen  einzigen  jcymalen  und  jandigen  Paß  der  Feftung  nähern
fonnte.  Gonde  befahl  zivei  Angriffe  an  Dieer  Stelle.  Der
Marihal  Grammont  befehligte  den  auf  der  linfen,  Türenne
den  auf  ter  redten  Eeite;  beide  ließen  in  einem  Zwifden:
raume  von  1500  Edıristen  den  Lauf  eines  Bades,  welder
purdı  die  Ebene  fließt,  umgehen,  um  ihre  Arbeiten  nady  den
Baftionen,  weldhe  fie  angriffen,  vorzufdteben.  Die.  Lauf:
gräben  wurden  den  I.  September  eröffnet;  in  der  nämliden
Nacıt  errichtete  man  einen  für  beide  Angriffe  gemeinihaftliden
WMWaffenplag,  von  weldem  aus  Ieder  feine  Approden  nad)
dem  entgegengejegten  Bafıion  führte.

Edpenan  war  in  der  erjten  Naht  mit  dem  Regiment

*)  Die  NReihefammer  wurde  1688  nad  Weplar  verlegt.
        <pb n="177" />
        161

Perfan  auf  Wahe  und  begann,  nahdem  er  200  Schritte
weit  vorgerüdt  war,  eine  große  Redoute  zu  errichten;  dort:
bin  legte  er  100  Gendarmen,  um  die  Arbeit  zu  fchüßen,
mit  dem  Befehle,  fih  am  Tage  hinter  eine  alte  Mauer  in
der  Nähe  des  Laufgrabend  zurücdzuziehen.  Bet  anbredhendem
Tage  mahte  Bamberger  mit  200  Muffetieren  und  100  Pferden
  einen  Ausfall,  um  die  während  der.  Nadıt  ausgeführten
Arbeiten  zu  zerftören;  die  Oendarmen  famen  jogleid  hervor,
um  fih  dem  zu  widerfegen;  obgleih  durd  den  erften  Choc
geworfen,  rallitrten  fie  fi  wieder  und  trieben  die  Augfallenden
  troß  des  Feuers  der  Baftionen  bis  zur  ontrescarpe
zurid,

Die  durh  die  Schladht  bei  Freiburg  auf  5000  Mann
rebucirte  Infanterie  Conde’3  follte  nun  diefe  fo  ausgebehnten
Circumvallationslinten  bervaden,  die  Laufgräben  deden  und
alle  bei  einer  Belagerung  erforderlichen  Arbeiten  ausführen.
Um  diefes  zu  bewerfftelligen,  verwendete  Conde  feine  Infanterie,
  iwelde  nodh  vier  Bataillone  bildete,  wie  folgt:  ein
Bataillon  wurde  zu  den  außerordentlihen  Lagermwadhen,  zwet
zum  Angriffe  der  Feftung  und  dad  vierte  zum  afchinenbau
verwendet,  um  mit  vdenfelben  den  Graben  zu  füllen.  edes
Bataillon  beforgte  der  Reihe  nad;  diefe  Verrihtungen  und  fo
thaten  5000  Mann  die  nämlihen  Dienfte,  die  15  oder
20,000  Mann  gewöhnlih  zu  thun  haben.

In  der  zweiten  Naht  fhob  man  die  Laufgräben  auf
der  Eeite  Grammont’8  vor  und  beendete  die  Reboute;  bie
beiden  folgenden  Nähte  rüdte  man  noch  weit  näher  und
errichtete  eine  Batterie  von  6  Geihüben.  Türenne  hatte  fich
nicht  weniger  beeilt.  Sn  der  fünften  Nadıt  legten  beide  Angreifer
  Ihre  VBerfdyangungen  auf  der  Eontredcarpe  an,  weldye  bie
Arbeiter  zu  durhbrehen  anfingen,  während  man  gletdjzeitig
Batterien  errichtete,  um  die  Vertheidigungsarbeiten  der  Feftung
zu  zerftören.  Nady  einem  mehrtägigen  Widerftande  ging  man
mittelft  einer  Fafchinenbrüde  über  den  ©raben.  General
Bamberger  fah  ein,  daß  es  ihm  niht  mehr  möglid  war,
die  Ausfüllung  des  Grabens  zu  hindern,  und  bei  der  Schwäde

1l
        <pb n="178" />
        162
feiner  Befagung  glaubte  er  nit  bis  zur  Anlegung  der  Minen
warten  zu  dürfen,  indem  er  vorher  nod  auf  eine  beffere
Gapitulatton  hoffte;  er  ließ  Chamada  fdlagen,  von  beiden
Eeiten  wurden  Geißeln  geftellt  und  am  12.  September,  alfo
jech8  Tage  nadı  Eröffnung  der  Laufgräben,  z0g  die  Befagung
mit  zwei  Gefhügen,  fliegenden  Sahnen  und  völliger  Armatur
nah  Heilbronn  ab.  Die  Franzofen  hatten  1643  Kanonen»

ihüffe  gegen  Philippsburg  gethan.

AÜceordspuntte  wegen  der  Hebergabe  von  Philippsburg.

l.

Soll  der  Obrift  Bamberger  und  Commendant  der  Beftung  Phi»
(ipp&amp;amp;burg  mit  gefamten  Ober=  und  Unteroffizieren,  auch  gemeinen
Soldaten  zu  Ro  und  Fuß,  mit  fliegenden  Sähnlein  und  Standarten,
Trompetenfihall  und  offenem  Trommelfchlag,  Ober  und  lintergewehr,
Kugeln  im  Mund,  auffgerichteten  Karbinern,  mit  auffgezogenen  Hab&amp;gt;
nen  und  Piftolen,  audy  Lunten  zu  beyven  Enden  brennend  mit  Kraut
und  Loth  genugfam  verfehen,  und  in  Ordnung  geftellt,  famt  dem  Kay
jerlichen  Proviantverwalter,  PVhilipp  Plot,  audy  aller  und  jeder  Sad
und  Bad,  Garogen,  Heermägen,  Galetfchen,  und  wie  alled  Namen  hat,
nach  der  Stadt  Heilprunn  abziehen,  und  mit  genugfamer  verficherter
Convoy,  oder  da  bemeldte  Stabt  Heilprunn  bereits  bloquiert,  ferners
in  andere  nechft  gelegene  Kayferlicdye  Guarnison  fidyerlich  begleitet  wer--den,
  allermaffen  zuglich  der  Zeugmwart,  famt  allen  Konjtabeln,  &amp;amp;euerwerkern,
  Petardiren,  Handlangern  und  allen  zur  Artolleria  gehörigen
Perfonen  mit  unterbegriffen,  auch  2  Stud  grob  Gefhüß,  ala  2  Fals
onen  fanpt  2  Tonnen  Pulver  und  erforderten  Kugeln  mitzunehmen
gelaffen  feyn,  die  Verwundeten  aber  fo  nicht  können  mit  ausziehen,  bis
zu  ihrer  Genefung,  mit  PBaßzetteln  verfehen,  und  fortgelaffen  werben
follten.

2.

Sollen  zu  Abführung  der  Kranfen  und  Befchädigten,  auch  ihrer
und  der  VBerftorbenen  Bagage,  Weiber,  Kinder  und  Diener  30  Bubhren,
und  behuffige  Pferd  verfchaffet,  auch  fowohl  in  ald  außerhalb  ver
        <pb n="179" />
        163

Peftung,  und  ganzen  mwährenden  Marfche  von  allen  Völkern,  fie
feyen  der  Cron  Srandreich  oder  Schweden  zugetban  oder  nicht,  ficherlich,
  frey,  obnaufgehalten  und  ohnbefucht  passiert  werben.

3

Ingleichen  follen  die  Ergfürftliche  öfterreichifche,  fürftl.  Marggr.
Bavifcbe  und  Bürftl.  Speyerifche  respect  Canonici,  Näth,  Priefter
und  Diener,  aud)  was  zu  dem  Stifft  Brüffel  gehörig,  melche  fich  eine
Zeitlang  in  der  PVeltung  aufgehalten,  oder  eingefloben  find,  mit
ihren  respective  Weib  und  Kind,  auch  allen  ihren,  und  ihrer  Herrfchafft
  darein  gebrachten  Sachen,  Wägen,  Viehe  und  Pferbt,  wie  bag
Namen  hat,  ohne  Rangion  oder  PBlünderung  nad)  Hauß,  oder  mohin
fie  wollen,  ihren  Belieben  nach,  gleich  jeßo  mit  dem  Regiment,  over
innerhalb  Friit  3  Monaten,  frey,  ficher,  ungehindert  abziehen  und
nicht  auffgehalten,  auch  derenimegen  ihnen  allhie  in  ver  Veftung,  nechft
gelegenen  Stäbten  oder  auff  dem  Land  zu  mohnen  Paßzettel  und  Salvi
Conductus  verftattet  und  gutwillig  gegeben  werben.

4.

Die  Sarholifche  Religion  foll  in  der  Veftung  und  auff  vem  Land
frey  gelaffen,  und  die  Hebung  derfelben  öffentlich  geftattet,  auch  die
Bürger  und  Inmwohner,  fonderlich  aber,  und  zuförderft  dad  Schloß  mit
der  fürftl.  Speyerifchen  Kanpley,  Archiven,  Brivilegien,  Immunitäten,
und  was  dahin  immer  gebürig,  oder  wie  deme  allen  Namen  gegeben
werben  mag,  Jura  und  Kochheiten  Hat,  ohne  Plünvderung,  und  ohne
Nangioniren,  bey  ihren  alten  Sreyheiten  und  Einfünfften  befhüst  und
im  geringften  wider  alt  Herfommen  nicht  befchwert  werben.

5.

Was  einer  oder  der  andere,  ein  Theil  dem  andern,  mit  Krieg»
manier,  Gebrauch  und  Gewohnheit  abgenommen,  da&amp;amp;  fol  jedem,  wie
dad  Namen  hat,  unangefochten  gelajjen  werden.

6.

E83  fol  fein  abziehender  Offizier  oder  Soldat  im  Abzug  auffgehalten,
  vielmeniger  zu  bienen  gezwungen,  fondern  im  Ball,  einer  oder
ber  andere  in  der  Veftung  fih  verfteden,  oder  zum  Gegentheil  Tauffen
würde,  derfelbig  gefucht,  und,  ohne  einigen  Borgemwandten  Scheine  hinfweggenommen
  unb  gefolget  werben,  und  Feiner  won  ver  Gegenparthei
deflen  fich  annehmen,  oder  einmifchen  fol.

1l*
        <pb n="180" />
        164

T.

Da  einiger  Soldat  zu  Buß  oder  Roß  vorhanden,  fo  den  Srankos
fen,  Schwebifchen,  oder  andern  jeßt,  oder  vor  diefem  abgelaufen,
und  noch  würflich  bei  dem  Negiment  zu  Suß,  oder  der  Piftingerifchen
Kompagnie  zu  Vferd  wären,  felbige  follen  glei  ven  andern  ohne
einigen  Unfpruch  freyen  Auszug  haben,  und  feines  Weg  weggenummen
  werben.

8.

Alle  die  Gefangene  follen  vor  dem  Abzug  zu  beiden  Theilen,  fonberlich
  die  in  ven  Pläßen,  Obrift  Bambergerd  Commando  gelegen,  und
bey  dem  Gegentheil  der  vor  der  Veftung  haltenden  Armee  gefangen,
al8  ver  reformirte  Obrifte  Wachtmeifter,  Heinrich  Taillard  de  Bechamp,
und  bie  Snechte,  fo  zu  Lichtenau,  und  der  Velbmebel,  fo  zu  Brüjfel
gelegen,  frey  und  ledig  gegeben:  SHergegen  die  allhier  habende  auch
ohne  Entgelt  erlafjen  werben  follen.

9.

Soflen  die  beide  in  der  Veftung  gewichene  Hauptleute,  ald  Ger:
hard  von  der  Pfort  und  Eyfer,  die  der  Ende  im  Bifthum  Speyer,  und
Marggr.  Durlach  begütert,  zu  den  Ihrigen,  und  bey  Hauß  und  Hoff
ohnangefochten  zu  Handeln,  wohnen  und  wandeln,  fidher  erlaffen,  nicht
weniger  ihnen,  und  fümtlichen  der  Veltung  und  Lands  Bürgern  und
Untertbanen,  daß  fie  zur  Gegenmehr  angehalten  worven,  weder  jeßo
noch  ind  Fünftig  folche8  gedacht,  aucd)  defmegen  einig  Entgelt  over
Schad  nicht  zugefügt  worden.

10.

Sollen  die  fämtlichen  Suden  mit  Weib  und  Kindern,  und  ihrer
Zugehör,  wie  dad  Namen  hat,  zum  Theil  eingeflobrt,  Hiehero  fommen,
zum  Theil  unter  der  Fürfll.  Stifftö  Speyer  Schuß,  Schirm,  und  aud)
hier  wohnhaft  find,  verfchonet,  bey  dem  Ihrigen  unangefodhten,  und
in  der  Protection,  wie  vorher,  gelaffen  werben.

11.

Endlich  und  zum  eilften,  follen  dem  Obriften,  fämtlichen  Offis
zieren  und  Soldaten  zu  Roß  und  Buß,  mit  all  andern  in  Abzug  begriffenen
  vier  Tagzeit,  von  Stund  an  ded  Ausd-  und  Abmarfciereng,
den  geraden  Weg  nach  Heplbrunn  zugelaffen,  nothourfftige  Proviant
und  Bourage,  famt  zeitlichen  Nacht-Quartieren  verfchaffet,  und  des
        <pb n="181" />
        165

Tags  über  2  Meilen  nicht  gemarfchieret  werden.  Und  da  einer  oder  der
ander  wider  biefen  Afkord  handelt,  und  brüchig  würde,  veffen  foll  meder
  der  Obrift  Bamberger  noch  übrige  mit  abziehende,  fonvern  allein
die  Verbrecher  zu  entgelten  haben.  Zu  meldyed  alles  rechten  Verficherung
  und  Vefthaltung  der  DVergleichungsartifel  von  beyden  Theilen
GeHfel  gegeben,  ziveen  gleicylautende  Accordd  =  Buncten  auffgerichtet,
und  an  Saiten  der  Rom.  Kayf.  Majeftät  von  Obrift  Bamberger  von
NRavenberg,  fovann  an  Saiten  der  Königl.  Mafeftät  in  Srandreich  und
Navarra  vom  Herkogen  von  Anguien  burdy  eigener  Hand  Subscription
und  Inflegel  confirmirt,  und  darburdh  Fräfftiglih  und  unverbrüdig
gehalten  werben.  Befchlieffentlich  foll  die  eine  Pforten  der  Veftung
Philippsburg  am  rotben  Thurm  dem  Gegentbeil  noch  diefen  Abend  mit
dem  vor  der  Brücke  gelegenen  Schänglein  aber  weiter  nicht,  biß  an  dad
innere  an  dem  rothen  Thurm  vergatterte  Thor,  jo  befchloffen  gehalten
werden  fol,  und  Morgen  ven  10.  Septembris  die  Loffepre  und  eine
Baften  in  währendem  Abzug  einzunehmen,  zugelaffen  feyn,  wie  dann
ingleiyem  auch  jeßo  balden  etliche  Commissarii  von  der  Artiglerie  und
Proviant  Wägen  herein  und  in  die  Beftung  fommen,  und  ein  Inventarium
  von  allem,  was  dazu  gehörig,  einzunehmen  Macht  haben  folle.
Decretum  im  %elvläger  vor  Philippsburg  den  9.  Septbr.  1644.
(L.  S.)  Louis  de  Bourbon.

Der  bayerifhe  Feldmarfhall  von  Mercy  hatte  fi,  wie
fhon  erwähnt,  nad  der  unentfhiedenen  Schladht  bei  Freiburg
über  Et.  Beter  nad)  Villingen  zurüdgezugen.  Diefer  Rüdzug
durd  die  unmwegjamen  Defiled  des  Echwarzwaldgebirges,  wel:
ches  nod)  tiberdieß  zwilhen  Freiburg  und  Villingen  die  größte
Breite  hat,  ift  ein  Meifterftük  der  Kriegsfunft,  indem  der
bayerifche  Oberfeldherr  denfelben  troß  diefer  furdtbaren  Hinberniffe
  nody  überdieg  im  AUngefihte  eined  wadfamen  und
fühnen  Gegnerd  ausführen  und  daher  in  fteter  Sechtbereitfhaft
  marfhiren  mußte  Es  ift  faft  unerflärlih,  wie  Mercy,
nadhdem  er  Freiburg  erftürmt,  eine  mehrtägige  mörberifde
Ehladjt  gefhlagen,  hierbei  einen  großen  Theil  feiner  Infans
        <pb n="182" />
        166

terte  verloren  hatte  und  feine  Neiterei  ruinirt  worden  war,
einen  folden  Darf  auszuführen  vermodte.  Diefer  Rüdzug,
fagt  O:Cahill,  madt  dem  General  von  Mercy,  wegen  der
entfeglihen  Defiled  und  ganz  ungangbaren  Wegen,  die  er
paffiren  mußte,  beinahe  eben  fo  viel  Ehre,  ald  dem  Hannibal
fein  Marfh  über  die  Alpen*.  Bon  Villingen  z0g  Mercy
über  MWeilersdbah,  Nievereihbah,  Horgen,  Rottweil  und
Neufirhen  nah  Schönberg,  wofelbft  er  fi  brei  Tage  auf:
hielt.  Am  14.  Auguft  verließ  er  Edjonberg  und  marfdirte
über  Aubingen,  Rangendingen  nad  Rottenburg  am  Nedar,
wo  er  am  folgenden  Tage  eintraf  und  eine  Stellung  bezog,
welde  er  verfchangte.

Balingen,  Horb,  Heigerloh,  Rottweil,  Villingen,  Hornberg,
  Schiltady),  Lauffen,  Leberlingen  ıc.  waren  von  ben
Bayern  befet.  Da  man  im  bayerifhen  Hauptquartiere  von
den  Abfihten  bed  Feindes  nody  Feine  gewifle  Nadhridt  erhalten
  hatte,  fo  entfhloß  fid)  der  bayerifche  Oberfelpherr,  einftweilen
  in  feiner  Stellung  bei  Rottenburg  zu  verbleiben,  welde
ihm  geftattete,  gleich  fehnell  an  die  IUer,  fowie  in  die  untere
Marfgrafihaft  zu  rüden.  Bon  Rottenburg  aus  erließ  der
forglame  Feldherr  mehrere  Schreiben  an  feinen  Herrn,  dem
Kurfürften  von  Bayern,  worin  er  vemfelben  befonverd  bie
Remontirung  der  Reiterei,  die  Ergänzung  der  Artillerie  an
Gefhügen  und  Pferden,  die  Refrutirung  der  Infanterie,  die
Unterflügung  der  vermwundeten  Offiziere  ıc.  empfahl**).  Nadı
einem  fünftägigen  Aufenthalte  in  der  Stellung  zwifchen  Rottenburg
  und  Zübingen  zug  Mercy  gegen  Heilbronn.  Diefer
Mari  hatte  die  Aufhebung  der  Belagerung  von  Hohentwiel
zur  Yolge.  Der  mehrerwähnte  Kommandant  diefer  Fefte,  Obrift
Wiederhold,  verfolgte  die  Abzlehenden  und  fehrte  mit  einiger
Beute  zurüf,  um  nun  wieder  ungeftört  feine  gewohnten
Streifs  oder,  wie  man  aud  fagen  will,  Raubzäge  audzuführen,
  an  denen  er  feit  der  Unmwefenheit  ber  Bayern  vor

*)  Gefchihte  ber  größten  Heerführter  I.  36.
”*)  Siehe  Beilage  1-7.
        <pb n="183" />
        Hohentwiel  fo  unangenehm  verhindert  war.  Am  15.  September
  bejegte  er  Pfullingen  und  in  den  erften  Jagen  des
fommenden  Sahres  die  nfel  Meinau,  wo  er  große  Beute
machte.

Mercy  war  nah  Heibronn  und  Nedarsulm  marfdirt,
um  bier  dem  Faiferlihen  Feldmarfhall,  Meldhior  Grafen  von
Hapfeld,  naher  zu  ftehen  und  behufd  bed  ntfaged  von
PBhilippsburg  fih  mit  ihm  zu  vereinigen.  Ad  Marfhall
Hapfeld  erft  gegen  Ende  des  Monats  September  in  ber  Ger
gend  von  Heilbronn  eintraf,  nahtem  alfo  Philippsburg  fehon
14  Tage  in  den  Händen  der  ranzofen  war,  zogen  fie  gegen
den  Rhein.  Die  gefdwäcte  und  ermattete  Armee  der  Frane
zofen  war  nidt  im  Stande,  einen  Kampf  mit  den  heranrüdenden
  Bayern  zu  beftehen;  überbieß  mußten  die  Brefhen,
welde  Philippsburg  durd  das  Gefhük  erlitten  hatte,  audgebeffert
  werden.  Conde  hielt  es  nidt  für  rathfam,  fidh
davon  zu  entfernen,  und  begnügte  fi,  fein  Lager  längs  des
Rheines  fo  zu  befeftigen,  daß  ihm  feine  Eroberung  weber
genommen,  nod  er  zu  einem  allgemeinen  Kampfe  gezwungen
werden  fonnte.  Er  hatte  den  Fluß  auf  der  einen,  Bhilippeburg
  auf  der  andern  Eelte,  vor  fih  das  Fort  am  Rhein,
hinter  fih  den  Sumpf  und  den  Wald.  Gelagert  an  einer
fo  vortheilhaften  Stelle,  beauftragte  er  Türenne,  Wormd  anzugreifen.
  Der  Herzog  Karl  von  Lothringen,  dem   biefe
Stadt  gegeben  worven  war,  hielt  fie  befegt,  und  feit  dem
BVerlufte  feiner  Staaten  hatte  er  faft  feinen  andern  Zufludtsort.
  Tirenne  ging  mit  der  ganzen  deutfhen  Neiterei  und
500  Mann  Infanterie  durd  die  Pfalz,  detadhirte  den  Dberft
sledftein  mit  Drei  Regimentern,  um  500  Pferden,  melde
der  fpantfhe  Dberft  Savary  nad  Branfentbal  werfen  wollte,
entgegenzurüden,  und  feste  feinen  Marih  auf  Worms  fort,
defien  Einmohner  die  Lothringer  zum  Abzuge  nöthigten  und
ihm  die  Thore  öffneten.  Don  da  rüdte  er  vor  Mainz  und
entjendete  Rofen,  um  fih  Oppenheimd  zu  bemädtigen,  mel:
ches  fih,  obgleih  durb  ein  fehr  gutes  Schloß  vertheidigt,
ohne  Winerftand  ergab.  Mainz  war  der  bedeutenpfie  Drt
        <pb n="184" />
        168

am  Rhein  wegen  feiner  Verbindung  mit  Heffen  und  feiner
Lage  an  der  Mündung  des  Maind.  Die  Stärfe  der  Stadt
beftand  mehr  in  der  Zahl  ihrer  Einwohner,  ald  in  der  Eitabelle,
  deren  Befeftigungswerfe  fehr  vernadjläjfigt  waren.
Der  Ehurfürft,  fih  Ddafelbft  nidt  in  Ctiherheit  glaubend,
hatte  fih  nad  ©ermersheim  zurücdgezogen,  und  das  Dom:
capttel  führte  während  feiner  Abwefenheit  die  Regierung.
Türenne  marfhirte  ohne  Bagage  Tag  und  Nadt,  um  der
Unterftüßung  zuvorzufommen,  iweldye  die  Bayern  nad  Mainz,
wo  fi  nur  einige  vom  Domcapitel  unterhaltene  Soldaten
befanden,  hätten  werfen  fünnen.  Als  er  fih  der  Etadt  nd
herte,  erfuhr  er,  daß  fih  auf  der  andern  Eelte  des  Rheine
1000  bayerifhe  Dragoner  unter  dem  Obriften  Wolff  befänden,
iwelhe  Hahrzeuge  verlangten,  um  in  die  Stadt  zu  rüden.
Türenne  drohte,  die  Stadt  von  allen  Eeiten  anzugreifen,
wenn  man  den  bayeriihen  Truppen  nidıt  fofort  beföhle,  fid
zurüdzugiehen.  Das  Domcapitel  gehorhte  auf  der  Stelle,
ließ  die  Bayern  zurüdgehen  und  fchidte  eine  Deputation  ind
Lager,  um  zu  capituliren.  Iürenne  madıte  fofort  dem  ‘Prinzen
  Conde  Meldung,  welcher  mit  einer  Esforte  von  400  Pferden
  von  PBhilippsburg  aufbrah,  nah  1%  Tagen  vor  Mainz
anfam  und  die  Bapitulation  unterzeihnete.  Das  Domcapitel
verpflichtete  fi)  noch  überdieß,  Die  Befagung,  welde  es  in
Bingen  hielt,  herauszuziehen  und  dafür  franzgöfifhe  Truppen
aufzunehmen.  Gonde  ließ  eine  Befagung  von  400  Mann
in  Mainz  mit  Allem,  was  nöthig  war,  um  bie  alten  Zeftungswerfe
  auszubeffern,  oder  neue  zu  erbauen.  Da  er  fih  vor
Ende  ded  Feldzugd  der  ganzen  Pfalz  vieffeitd  des  Rheins
bemädtigen  wollte,  fo  detadirte  er  den  Oenerallieutenant
Aumont,  um  Landau  mit  1200  Mann  zu  Fuß  und  1500  Pferden
  einzufchließen.

Diefe  in  einer  Ebene  gelegene  Stadt  war  damald  nur
dur  eine  mit  Thürmen  und  KHalbmonden  verfehene  Mauer,
einen  guten  Graben  und  einen  bevedten  Weg  befeftig.  Sie
wurde  von  400  Mann  lothringifher  Truppen  vertheidigt.
Während  Aumont  fein  Lager  bezog  und  bie  Arbeiten  vor
        <pb n="185" />
        169

Landau  begann,  ging  Conde  zu  feiner  Armee  nah  Philippeburg
  zurüd,  um  mehr  in  der  Nähe  ver  Belagerung  zu  fein.
Bei  feiner  Ankunft  erfuhr  er,  daß  die  Laufgräben  fchon  eröffnet
  waren,  daß  aber  Aumont  gefährlih  verwundet  fei.
Türenne  fegte  hierauf  die  Belagerung  fort  und  betrieb  diefelbe
fo  eifrig,  daß  man  nad  drei  Tagen  eine  Batterie  und  eine
Perfhanzung  auf  der  Gontrescarpe  anlegte.e  Am  fünften
Tage  unterhandelten  die  Lothringer  mit  Fürenne  und  zogen
ab.  Nady  der  Einnahme  von  Landau  leifteten  Mannheim,
Neuftadt  und  mehrere  andere  Orte  mur  fehr  geringen
Miderftand.

Eämmtlihe  Truppen  wurden  bei  Philippsburg  zufammengezogen
  und  der  Prinz  Fehrte  gegen  Ende  October  mit
feiner  Armee  nad  Sranfreih  zurüd;  über  die  zurüdgelaffenen
Truppen  erhielt  Lürenne  den  Oberbefehl..  Evbald  Gonde
fort  war,  näherte  fih  Mercy,  der  in  Würtemberg  Zeit  ges
habt  hatte,  feine  Armee  wieder  herzuftellen,  dem  Rheine  und
lagerte  fid)  zwifchen  Heidelberg  und  Mannheim.  Er  warf
fid)  auf  Diefe  lehtere  Etadt,  und  nadhdem  er  fi  ihrer  be
mädtigt  hatte,  ftellte  er  fih,  ald  wolle  er  eine  Brüde  das
felbft  fhlagen,  um  feine  Truppen  über  den  Rhein  gehen  zu
laffen.  Er  braudte  die  Lift  in  der  Abfiht,  die  franzofifche
Armee  zur  Dedung  von  Speyer,  Wormd  und  Mainz  zu
veranlaffen,  was  diefe  nit  thun  fonnte,  ohne  Philippsburg,
weldes  wieder  einzunehmen  fein  Plan  war,  zu  entblößen.
Türenne  ging  mit  feiner  fämmtlihen  Neiterei  und  einiger
Infanterie  über  den  Rhein,  rüdte  nah  Speyer  und  fdidte
fhnel  1000  Pferde  zur  Dedung  nad  Worms  und  Mainz.
Kurze  Zeit  darauf  erfuhr  er,  daß  der  Herzog  von  Lothringen
über  die  Mofel  gegangen  war  und  Baftellaun  und  Simmern,
zwei  Orte  auf  dem  Hundsrüden,  eingefhloffen  hatte.  Es
ftand  zu  befürdten,  der  Herzog  mödte  fid)  mit  Mercy  vereinigen
  und  daß  diefe  beiden  Generale  mit  einem  Male  über
ihn  herfielen,  vder  daß,  wenn  fie  fortführen  einzeln  zu  agiren,
  der  Eine  ihn  überrafchte,  während  er  im  Begriff  wäre,
ih  vor  dem  Andern  zu  deden.  In  diefer  Rage  verlangte
        <pb n="186" />
        170

Zürenne  Unterftügung  vom  Hofe,  erhielt  aber  zur  YUntivort,
man  habe  die  Truppen  anderwärts  nöthig,  er  möge  fid  vers
theidigen  fo  gut  er  Fonne;  dies  fel  Alles,  was  man  von  {hm
verlange.  Jeder  Hoffnung  auf  Unterftügung  beraubt,  war
er  genöthigt,  die  Stärke  durd  Lift  zu  erfeßen  und  fie  durd
feine  Tchätigfeit  zu  vervielfältigen,  um  nad  allen  Selten  bie
Spige  bieten  zu  fünnen.  Nahdem  e8d  den  Bayern  gelungen
war,  in  Speyer  Verbindungen  anzufnüpfen,  foidten  fie
1200  Muffetiere  auf  HZahrzeugen  von  Mannheim  rheinaufwärtd
  in  der  Hoffnung,  fie  in  die  Stadt  werfen  zu  fönnen.
Türenne  entdedte  diefen  Plan,  befegte  die  Ufer  mit  Infun«
terie,  verhinderte  Die  Fahrzeuge  zu  valfiren  und  rettete
Speyer.  Zu  gleicher  Zeit  wollte  der  Herzog  von  Lothringen
Bahara)  am  Rhein  belagern.  Türenne  mit  nur  500  Mann
rüdte  gegen  Bingen  vor,  von  wo  aus  er  nah  Baharadı  zu
ein  Lager  abfteden  und  Lebensmittel  in  Bereitfchaft  halten
lieg.  Die  Lothringer,  im  Glauben,  daß  ein  großes  Corps
gegen  fie  im  Anmarfche  fei,  hoben  die  Belagerung  fihleunigft
auf  und  zogen  fih  hinter  die  Mofel  zurüd.  E8  blieb  Fein
einziger  bedeutender  Ort  am  Rhein,  deffen  ZTürenne  nid
Herr  gewefen  wäre.  Das  Schloß  Kreugnad  an  der  Nahe
war  nody  in  dem  Beliße  der  Bayern.  Er  griff  daffelbe  Anfang
  December  an,  worauf  fid  die  Befabung  nad  einer
mehrtägigen  DVertheidigung  ergab.  Da  er  nun  nichts  mehr
zu  befürdten  hatte,  fo  fihidte  er,  nadhdem  die  Befatungen
aller  neuerdings  am  Rhein  eroberten  Städte  verftärft  waren,
feine  Truppen  nadı  dem  Elfaß  und  den  Reft  feiner  Reiterei
nad  Rothringen  in  die  Winterquartiere,  überzeugt,  daß  ber
Mangel  an  PBourage  den  Feldmarfhall  Mercy  verhindern
würde,  ein  zweites  Mal  in  ein  Land  zu  rüden,  in  dem  in
der  That  Alles  fo  zerftort  war,  Daß  man  Mühe  gehabt  hätte,
aud  nur  ein  Pferd  zu  füttern.  Er  nahm  eine  folde  Stellung
  zwifhen  dem  Feldmarfhal  Mercy  und  dem  Hergoge
von  Lothringen,  daß  fie  fi  während  des  ganzen  nod  übrigen
  Winterd  nidht  vereinigen  Fonnten,  und  um  fle  felbit  in
der  Nähe  zu  beobachten,  blieb  er  in  Speyer,  anftatt  an  den
        <pb n="187" />
        171

Hof  zu  gehen.  Wenn  ed  ruhmvoll  ift,  eine  große  Strede
Landes  mit  einer  Fleinen  Armee  zu  erobern,  ift  es  vieleicht
nod  rühmliher,  feine  Eroberungen  mit  einer  nody  geringern
Truppenzahl  zu  behaupten.  Dies  that  Türenne.  Er  verlor
nur  Mannheim  und  entfhäpdigte  fid)  dafür  durd  Einnahme
von  Kreusnah.  Genaue  Drtöfenntnig,  Die  Wahl  vortheilbafter
  Stellungen  und  die  gejhidte  DBertheilung  feiner  Truppen
erfegten  ihm  die  Menge,  fo  daß  er,  wie  fein  Lehrmeifter
Bernhard  von  Weimar,  aus  Nihts  Alles  madte*).

*)  Ramsay,  Histoire  du  vicomte  de  Turenne  135—147.
        <pb n="188" />
        Deilagen.

1,

Durchleuditigfter  Herzog,  Gnäpigfter  -
Ghurfürft  und  Serr.

Em:  Ehurfl:  Durch:  an  mich  gnädigft  abgelaßne  3  befelh,  al
vom  5.  12.  vnd  13.  diß  fanıbt  den  post  Scriptis  auch  behlagen,  hab
ich  onderthänigft  empfangen,  vond  mehrern  inhalt8  gehorfamift  vernommen.


Daß  nun  Em:  Churfl:  Durchl:  wegen  meined  bruedern  de  General
  wachtmeifter  feel.  Xodt  mit  mir,  und  feiner  bindterlaßner  mittiben
gnädigft  mitleivden  tragen,  vefjen  thue  mich  ganz  unverthgift  bedandihen
vnd  ift  mir  allein  herzlich  Teyd,  dz  Em:  Ehurfl:  Durchl:  an  deme  ein
getrenieften  viener  verlohren.

Waß  fir  Rencontre  zwifchen  unß  und  dem  feint  fich  zuegetragen,
wie  jelbige  abgangen,  auch  maß  geftalten  unfer  Retirada  abgelauffen,
werden  Em:  Ghurfl.  Drl:  auß  meinen  onderfchiplicdy  undertbgften  berichten,
  darauf  nod;  alles  beruhet,  mit  mehrerm  zuerjeben  fich  gogit
belieben  Tafjen  haben,  feithero  hab  ic}  underfchlebliche  Parthen,  aud)
Kuntjchafften  Hin:  vnd  wider  vf  denn  feint  zu  recognosciren  aufge-Ihidht,
  aber  feithero  nichtd  vernommen,  WB  d;  Er  nun  2  tag  dz
Schloß  Weifjenefh  befchieffe,  ob  Erd  nun  einbefommen,  weiß  ich  nit,
auch  vorgeftern  nod)  gegen  Srenburg  nicht8  tentirt  habe,  und  mit  feinen
völdhern  umb  langen  Denzlingen  logiren  thue.

Sonften  Brepburg  betr:  da  hab  ich  folchen  Pofto  vunbefezt  zu
Iafien,  aus  naduolgenden  Vrfachen  bevendhend  getragen,  Erfllichen
        <pb n="189" />
        173

dad  wür,  wann  mans  behaubten  würbt  ein  groffen  nuzen  veber  den
Schwarzmaldt  hinnab  biß  dahin  daraus  auch  gegen  Breyfach  und  den
walbtftetten  guete  nachricht  haben  Tönen,  fürd  ander  meiln  wir  bie
Krandhe  und  gefhedigte  fo  gar  nit  fort  zubringen  gewefen,  barinen
laffen  müefte,  die  gleich  dem  feint,  wann  der  orth  nit  befezt  bliben
were,  In  der  furj  in  die  handt  gegeben,  vnd  außer  zweifl  wegen  bed
feints  ftard£hen  verlueftd,  gar  vmb8  leben  weren  gebradyt  worden,  die
noch,  ehe  folchen  orth  der  feint  erobert,  böffer  reconvalesciren,  vn
auf  folchen  fahl,  da  wider  verhoffen  die  Statt  wirer  vorüber  gehen
folte,  mit  vonfern  abziebenden  aldan  mit  einem  accord  dauon  Fommen
fönden,  Dritend,  wann  man  folchen  orth  ganz  widerumb  verlaffen
hete,  wurde  der  feint  on  noch  ehender  ond  mehrerd  nachzufezen,  auch
dife  armada  zu  angagiren  gelegenheit  gehabt,  auch  bei  jme  die  Consideration
  vervrfacht  haben,  mwür  flüehen,  geben  Brehburg  fihon  ver-Iobren,
  vahero  Er  ong  mit  aller  macht,  mweiln  Binder  jme  fein  gefahr
mehr  geweft  were,  nachfazen  müefle,  bahingegen  bergeftalt,  biß  Er
darunden  mit  Sreykurg  fertig,  ich  hieroben  die  völdher  mwiderund
etwas  recolligiren,  ond  in  die  Pferbt  etmaß  fuetter  auch  mehrere  Eräfften
  zubringen  lufft  und  gelegenheit  habe,  So  dann  vıud  zum  vierten
wurde  man  bei  folcher  abondonirung  difer  Statt  nit  allein  allen  Stäns
den  die  gänzliche  affection  genommen,  fondern  auch  neben  venfelben,
den  Soldaten  ein  disgurage  gemacht,  hingegen  aber  bem  feint,  ein
groffe®  Courage  verurfacht  Haben,  Alfo  ich  aud  difen  ond  andern  Br--fahen
  mehr  die  Statt  Vreyburg  mit  dem  Enfchringen  Regiment  zu
fueß,  vmb  weiln  foldyed  in  vem  Xandt  befant,  auch  meiftentheild  EIfälfer
  ond  Breißgauer  feind,  dahero  auch  fid)  ebender  dafelbften  al
andere  Regimenter  recrutiren  fönen,  neben  50  Reittern  befezt  gelaffen.
Die  bloc  guada  Hohentwiel  belangent,  da  hab  ich  felbige  auf  bifen
vrfachen  aufgebebt,  meiln  ich  beforgt,  der  feint,  omb  willen  Er  meifter
der  Campagna,  auch  vunß  infonderheit  an  Reitterei  vil  veberlegen  If,
mechte,  meiln  Er  von  Bn$  abgelaffen  hat,  auf  bohentwiel  zuetringen,
dafelbften  die  daruor  impegnirte  völdher  dergeftalten  umbringen,  dz
ich  felbige  nit  mehr  succuriren  fönte,  dahero  nit  allein  Em:  Ehurfl:
Dri.  Reich8völdher  verlohren  geben,  fondern  auch  ven  Kayf.  und  äfter«
reichifchen  der  Bafß  von  Lindam,  Coftanz,  ond  Zell  allerdingen  abges
fchniten  werde,  auch  foldhe  PBofti,  welche  ohne  dz  an  voldh  entplöft,
        <pb n="190" />
        noth  leiden  mechten,  zumahblen  aud;  ich  folche  völdher,  die  PBoften  im
algew,  alf  NHauenfpurg,  Biberach,  ond  Vberlingen,  weil  man  nit  weiß
wohinaus  ber  feint  fich  menden  iwürbt,  damit  zuuerfichern  nötig  ges
habt,  dann  fonften  da  Er  fich  deren  Poften  ver  orıh  bemächtigen  folte,
Er  dz  algew  in  fein  ganzen  gewalt  gebracht,  vnd  biß  an  die  Diler,  ond
darüber  hin,  vefto  leichter  fidy  gezogen  haben  wurde,  Ich  bin  nur
3  tag  zu  Schönberg  flill  gelegen,  vmb  die  völdher,  jo  fich  bei  difen
ocoasionen  fehr  ftarefh  verlauffen,  wider  umb  an  mich  zu  ziehen,  vnd
felbige  zu  recolligiren,  nit  weniger  bie  Pferdt,  welche  wegen  Continuirlichen
  trauaglien  allerdingen  ermattet,  widerumb  in  eimasd  außs»
raften  zu  laffen,  vnd  ber  dorten  berumb  gemwelter  Sommer  frücht  zu
füettern,  maflen  dann  ih  dem  Aumormeifter  nit  allein  anbefoblen,
fondern  audy  an  alle  Standt  gefchriben,  auch  deßmwegen  bin:  vnd  wider
vnderfchiedliche  officier  außgefyiht,  vergleichen  ftraflicher  weiß  voraußgelauffne
  völdher  widerumb  zu  der  armada  zu  rudh  zubringen  und
zu  treiben,  fo  ich  zu  Irer  anfonfft  fhon  mit  gebürender  firaff  will  an«
fehen  Taffen.  Geftern  bin  ich  von  ged.  Schönberg  aufgebrochen,  biß
nacher  Aubingen  marchirt,  vond  heit  altero  Eommen,  und  will  biß  man
eigentlidy  fehen  würbt,  mwobinaus  ver  feint  fein  Kopff  wendet,  alhier
Pofto  faffen,  mich  in  etwas  verfhangen,  dann  ich  albie  in  der  mitten
bin,  ond  aber  Ballingen  mit  Tragoner,  audy  Horb  mit  den  Wolffifchen,
und  Heigerlody  mit  Commandirten  Tragonern,  damit  fye  mir  vorftehen
befezen  lafjen,  von  welchen  ortben,  ich  habe  dann  zeitlich  daruon,  fowohl
  ald  von  Rothweil,  und  Villingen,  Hornberg  und  Schiltah  Kunt»
Schafft  zuuor,  Sobald  der  feint  nit  an  mid  Eommen  Eann,  mann  aud
der  feint  ftch  gegen  dem  allgem  auanziren  folte,  Eünte  ich  mein  marche
von  hier  gleich  veber  die  Alb  auf  Rieplingen,  Ehingen  an  die  Donau,
alfvann  die  Iller  zuenemmen,  vnd  mich  alva  fo  lang  Poftiren,  biß  bie
Remontirung  von  Em.  Ehurfl:  Dri.  fürderfamift  gefihehen  möchte,
wurde  fich  dann  ver  feint  gegen  der  vundern  Marggraffchafft,  vnd  dem
Derkber  zue,  wie  verlautet  wendten,  will  ich  Ime  vorzubliegen  mit  ver
armada  auf  Ganftatt,  und  fürterd  Heylpron  zue  marchiren,  vole  ich
auch  jchon  den  Pap  Lauffen,  vond  Stettenfelß  mit  etlichen  Tragonern
befezt,  wür  au,  in  beme  wür  anlezo  wenig  mehr  bagage  bei  vn
haben,  vefto  gefehminder  werben  fort  fommen  Eönden:  Bold  ift  zwar
bey  vifer  occasion  nit  vil  verlohren  worden,  fundern  noch  genueg  vors
        <pb n="191" />
        175

banpten,  allein  feind  vil  pferdt  Todt  gejchoflen,  auch  wegen  beftendigen
trauallien,  in  deme  man  vor  Yrehburg  an  Fourage,  biß  die  Statt
vebergangen,,  [chon  mangl,  vnd  hienad)  bei  anfonfft  des  feintd  in  veme
man  8.  tag  gegen  Ime  in  Belt  ftehen  müeffen,  Fein  Zeit  zu  fouragiren
gehabt,  ganz  und  gar  ermattet,  zu  fchanden  geritten,  befftig  getrudht
worden,  vnd  nit  wenig  gar  vmbgefallen,  auch  fonflen  in  andere  und
erfchipnliche  weeg  dem  feint  in  die  handt  Fonımen,  alfo  ligt  eö  allein  an
deme,  dz3  Ew:  Ehurfl:  Dr:  gogft  beliebe,  die  onberitne  eylend  ift  wider»
und  zu  remontiren,  dann  einmahl  für  vißmahl  vf  difer  remontirung
nit  allein  ded  ganzen  Landtd,  fondern  fogar  ded  ganzen  heyl:  Rom:
Reihe,  auh  Em.  Ehurfl:  Dr:  Neichdarmapa  aigne  Conseruntion  bes
fteben  thuet,  wann  man  audy  nit  haben  will,  dz  alleö  zu  grundt  gebe,
wüurdt  (dody  ohne  mein  gehorf.  maß  geben)  nötig  fey,  (zunahlen  mit
den  Reitter  Recruten  fich  iezo  nit  practieiren,  ond  feiner  dermahlen  fich
barzue  gern  underbalten  laft)  daß  Ew.  Ehurfl.  Drl.  weyIn  fye  felbften
gndgft  wohl  wiffen,  wie  wenig  bülff  fye  fonjten,  feithemahlen  die
Kayl:  waffen  und  wider  im  Neich  hefftiig  impegnirt  feind,  haben,  fich
felbften  etiwad  angreiffen,  ynd  dife  Remontirung  fürderfamift  gefchehen
Iajien.

Wap  Em.  Ehurfl:  Drl:  durch  den  Obriften  von  Kfeckhenftein,
wegen  der  Recruten  gögift  befehlen,  ba  ift  zwar  nit  ohne,  dz  folche,
warn  man  in  den  wintter  Quartiren  oder  fonften  flill  zu  ligen  hete,
gefcheben  Fönte,  allein  werden  felbige  der  Brfachen  fehmwerlich  hergeben,
tweiln  niehrern  theild  officier&amp;amp;  bey  den  Reginientern  gefchedigt,  vnd  fich
an  iezo  dabei  nit  befindten,  ond  vermeinte  ich,  (dod)  ohne  einiged  maß«-geben),
  ed  wurde  wie  obgemelt  beffer  fein,  wann  Ew.  Churfl.  Dri:  fidh
gogft  belieben,  etliche  neue  MNegimenter  zu  fueß  werben  zu  laffen,  wie
dann  von  den  völdhern,  die  in  Italia  abgedvandht  worden,  vnd  im
heraus  zug  feind,  Teichtlidy  eylend  ift  Könte  etwaß  zufamen  gebracht
werben,  vd  Fönte  doch  Em:  Churfl.  Dil:  folche  Negimenter,  wann  fye
ganz  auffommeten,  dabei  fehen,,  oder  aber  wann  fye  nit  ganz  auflom«
meden,  dero  gogiten  belieben  nach  under  andere  Regimenter  reformiren
laffen,  ich  will  denn  von  Lygelburg  zu  mir  erfordern,  ond  fehen  ob  Er
Ime  getraut,  noch  mit  einem  Negiment  zu  fueß  aufzufommen,  auch
Ew.  Ehurfl.  Durl.  deffen  Resolution  alßbalden  onderthäanigfl  berichten,
vnd  were  guet,  d;  Em,  Eburfl.  Dri:  gleich  etwar  gegen  Tyrol  und  der
        <pb n="192" />
        176

ortben,  mo  dergleichen  völdher  heraus  Eommen,  fhielhten,  damit  folche
medhten  geworben  werden.

Ep  berubet  alfo  wie  obgemelt  onfer  hey!  ond  aller  Conseruation
darauf,  dz  die  Remontirung  der  vnberittnen  nit  allein  eylend  ift  vor  die
bandt  genonmen,  fonder  aud)  mir  ein  anzahl  frifcher  Artigleria  Pferbt,
dann  nit  mehr.der  vorgeftrigen  mufterung  nach,  alß  419.  vorhanden,
auch  andere  Studh,  weiln  die  Pferbt  iungft  underthanigft  berichter
maffen  allerdingen  ermattet,  und  die  Studh  ganz  Schadhafft  feind,  dahero
  nit  mehr  zugebrauchen,  fürderfamift  heraus  gefchicfht  werden,  auch
alzeit  ein  folcher  vorrath  gelt,  für  die  Prouiant  verhandten  feye,  dz
man,  100  die  Armee  prorenata  fi)  Hinwenden  muß,  gleidy  alzeit  voraußfchichen,
  getreidt,  Mehl  und  Brotb  erfauffen  könne,  dann  ob  gleich,
an  einem  oder  andern  orth,  bei  Binauf  oder  binab  marchirung  der
Armada,  ein  vorrath  Prouiant  verhandten  fein  mechte,  ift  Doch  folche
fo  gefhwinot,  und  in  tempore  an  die  orth,  wo  Er  am  nöthigften,  auß
mangl  fuehrwerdh8  nit  fort  zubringen,  Ich  will  mich  wie  gemelt  alhie
Poftiren  biß  man  fehen  würdt  wohin  der  feint  geben  medhte,  vf  deflen
actioned  vd  andamenti  jederzeit  vleißigfte  vflicht  geben,  mid)  barnady
reguliren,  au)  Em.  Churfl.  Dri:  vernern  gogifte  befelch8  gehorfamift
erwarten,  vnd  dero  iedermweild  mad  meiter  fortgehen  wirbt  onverthänigift
  berichten.

Weil  die  Obriften  die  Remuntirungsgelter  vf  viled  zuefprechen
vergeftalten  nit  annemmen  wollen,  dz  fie  fich  obligiren,  vom  bie  iezige
Remontirungs  gelter  dem  ferndrigen  accord  gemeß,  Ire  Negimenter  zu
compliren,  welche  fhe  fonften  aufler  vorgangner  occasionen  und  be--fchwerlichfeiten
  vor  Freiburg  und  SHüffingen  fchuldig  gemeft  mweren,
fondern  fagen,  vermög  def  accords  feyen  fhe  folches  zuthun  fo  wenig
fchuldig,  ald  ed  Inen  möglich,  mweiln  vor  Freyburg  aller  orthen  folche
vnderfchipliche  occasiones  vorgangen,  die  härter  vond  Hiziger,  aud)
mehrer  geweft  alß  bei  difen  Friegenven  Jahren,  etliche  vorgangne  velts
fchlachten  waren,  fo  ich  vnd  andere  Generals  Perfohnen,  war  zu  fein
befenen  müeffen,  hingegen  Summum  periculum  in  mora,  weil  vermuetlid)
  der  feint,  nicht  lang  feyrn  mechte,  daz  fouil  dapfere  zu  fueß  gehende
Reitter  eheift  widerumb  bey  Em.  Ehurfl.  Drl:  Neicdhdarmee  dem  feint
vefto  beffer  zu  miderftehen,  remuntirdt  werden,  big  Em.  Churfl:  Def:
bie  darüber  zu  fueß  alfdann  nod)  befindende  anzahl  völlig  remuntiren
        <pb n="193" />
        177

laffen,  Al  Hab  ich  fpe  disponirt,  dz  fhye  von  Em:  Ehurfl:  Dr:  naber
Tanamdrth  herausgefchichte  Remuntirungsgelter  fhe  annemmen,  zu
deren  abhollung  gleich  Teuth  hinauf,  auch  Quittung  mitfchidlben  wollen,
d3  She  durch  Fre  abgefertigte  fobald  varoben  taugentliche  Pferbt  ein»
bandlen,  vnd  fchein  durch  die  ibenigen,  welche  foldhye  erfauffen,  mits
bringen  laffen  werben,  welcher  orthen,  vnd  mie  teuer  fhe  ein  vndt
anderd  pferbt  bezalt  haben,  darüber  fye  dann  die  rechnungen  bem
General-Commissariat  eingeben,  vnd  Em.  Ehurfl.  Dr:  gnävigift  bes
feld  nach  die  folcher  maflen  darumben  remuntirte  PReitter  vorjtellen
laffen  follen,  It  aber  iedoch  ohne  gehorf.  maßgeben,  nit  zu  feyrn,
weiln  man  nit  weiß,  mie  lang  vn  ber  feint  plaz  laffen  würbt,  Damit
fye  alfobaldt  wider  remuntirt  werden,  dann  c8  fich  lang  verweilen
würdt,  biß  fye  Hinfommen,  foldhe  Pferdt  Fauffen,  vnd  auch  zu  ber
Armada  bringen.

Wann  ich  obbefchribner  maffen  gegen  dem  Nedher  hinab,  oder
an  die  Donau  hinauf  die  Armee  führen  müeße,  fo  ift  nit  Rathfamb  die
feint8  gefangne  in  Tübingen  zu  laflen,  dann  ich  funften  mich  mehrer
fhmweden,  und  aldorten  zu  deren  verwahrung  vil  mehr  voldh8  hinderlaffen
  müßte,  will  vahero  vf  ein  oder  andern  gehörten  fahl  alle  bie
ihenige  gefangne,  beren  mwenigft  150.  fein  werben,  mit  Convoy  gegen
Donawöhrt  fhidhen,  ond  Em:  Churfl:  Dri.  hiemit  underthänigift  gebeten
  haben,  in  euentum  nader  Tonaumöhrt  gnebigift  zu  befehlen,
wohin  fye  folche  gefangne  in  andere  Em.  Ehurfl.  Dr:  Stätt,  alß  nad
Nhain,  Tonaumort,  Ingelftatt,  Eichen,  Schrambhaufen,  oder  wohin
e8  Em:  Churfl:  Dr:  beliebig  außtheilen  follen.

Die  Shadhaffte  Stud  alß  nemblich  3.  Halbe  Garthaunen,  mit
jren  plodhmaren,  fambt  deren  zuegehürigen  Rauetten,  vond  Lahzeug,
ein  veltfchlangen,  zmo  Baldhonen  zmwei  Faldhonetlin  und  ein  Weiers
merfl  mit  darzue  gehörigen  Rauetten,  hab  ich  geftern  auf  Tübingen  ges
Schiefht,  vnd  wie  mir  der  Scheffer,  melcher  vf  mein  begern,  heit  wider
zur  Armee  fommen,  referirt,  Er  weiter  fort  befpanen,  ond  bei  Yimb
an  die  Donau  fort  von  danen  zu  mwafler  nach  Ingolftatt  hinab  führen
laft,  dahero  wann  Em:  Ehurfl:  Del:  zu  den  noch  verhanpnen  3.  Veltfhlangen,
  vnd  4.  Faldhonen,  nody  6.  Saldhonen  befpant,  gnäpigifl
heraus  fchicthen  Tießen  Eönte  man  vf  allen  fabl,  damit  pife  Compagnia
fort  fonımen.

12
        <pb n="194" />
        178

Herzog  Plrich  von  Würtenberg  ift  heüt  zu  der  armang  fommen,
will  fehen,  d5  Em.  Ehurfl.  Dri,  anavigift  befelch  gemeß  Er  mit  einer
Rompagnia  Currassir  verfehen  werde,  und  ift  eben  gleich  auch  iezo  ber
Dbrift  von  Wledbenflein,  widerumb  bei  mir  angelangt,  wegen  beflen
anbefoblner  vorftellung,  wie  auch  was  Em:  Ehurfl.  Dri.  dem  opriften
Mebling,  der  General  mwachtmeifter  Charge  halber,  zufagen  befohlen,
will  dero  gnäpdigiften  befelch  fhuldigfier  maffen  nachfonınen,  der  yon
Sigersbhouen  ift  auch  heüt  bei  mir  anfonımen,  ben  mill  ich  morgen,
mwiderumb  wit  genuegfanier  instruction  in  einem  und  anderm  abferti«
gen,  ond  Em.  GShurfl,  Dri.  vndershenigift  veberfchidhen,  &amp;amp;o  afleg
berofelben  hurch  gigne  Staffeta  undertbenigift  zu  veberfhreiben  eine
nntturfft  zu  fein  erachtet,  dero  zu  bebarrl,  Khurfl:  milten  hulsen  vn
geneyen,  ich  ich  vndersbenigift  empfehle  und  bleihe

Em:  Churfrl:  Drei:
Datum  Motienburg  am  Nerfher
16.  Yugufti  Anno  69.
Bnpertenigfter  gehorfamfter
Stanz  von  Merey.
Beantmortt  den  20.  Augufli  1644.

2,

Von  Gottes  genaden  Maximilian  Pfalzgraf  bei  Rhein  Herzog  in
Obern  vnd  Nidern  Bayrn,  des  Heyl:  Röm:  Reichs  Erztruchsess
vnd  Curfürst.

Ppfern  grues  zuuor,  Eoler  Lieber  gethreurr.  Wür  haben
eur  berichifpreiben  aus  Rottenburg  am  Neskher  vom  15.  dig  pmpfangen,
  ennd  ain  und  anders  merern  inhalts  venommen,.  Das  Ir
nun  aus  ben  berichten  Vrfachen  die  Statt  Freyburg  mir  den  En;

1)  fheringifehen  Regiment  und  50.  Pferbten  befezt  gelaffen,  Imgleichen
Die  blocquada  Hohenmwill  wider  aufgeheht,  und  eych  mit  ber  Yrmaba
nacdar  Motienburg  retirirk,  aurb  zu  mehrer  Verfiherung  ia  Balz
lingen,  Horb,  Haigerloh  vnd  andere  ohrt  etwas  Volrkh  geleert,
        <pb n="195" />
        179

daran  Ift  recht  gefrheden,  Bd  wollen  woür  nit  zweiflen,  Ir  werdet
eurer  gueten  Kriegserfahrenbeit  nach  auf  ded  feindts  Aweitere  andamenti
  fleißige  obadht  geben,  und  guc)  under  deffen  mıit  der  Armada,
biß  Solche  in  beßere  Boflyr  gebracht  würbet,  in  gueter  verficherung
halten,  Inmaffen  wür  den  weitern  eruplg  in  einem  vanb  aubern,
pon  euch  narb  und  nach  berichtlichen  ermwartten.

Was  die  Reiter  Remontirung  anbelangt,  da  befünden  wür
felofien,  Das  gn  hefürberung  folcher  Remgatirung  fehr  oil  gelegen,

2)  Deßmegen  wür  dann  zu  befürderung  difes  merdh8,  dHifer  Jagen

3)

Beroronung  getbann,  da&amp;amp;  in  onfern  Landten  abermahlen  1000.  Reit:
HD  209.  Artilleria  Pferbt  fampt  der  Zuegehör  zufnmen  befrhriben,
ond  yom  30.  biß  bjß  13.  negfleingebenden  Monats  Septembrig,  meill
folches  gefchminder  ond  ehender  nit  bay  fünnen  incaminirt,  nad}  vnd
nad)  alhie  einlangen  werpen  Wie  wir  euch  dann  negftend  binadh
berichten  wollen,  wan  pnd  welcher  ohrten  folche  Prerbt  weiter  zu«
Hhernemmen,  und  volgendt#  zur  Armada  zugberhringen  fegen,  Bnd
obfehon  die  vhriften  auf  Eur  flardfhes  zuefprechen  die  nach  Ihonausworth
  zur  remontirung  gefrbichte  gelter  anzunemmen  fich  erclert,
Sp  werbet  ihr  doch  von  dem  obriften  von  Muehp  vonfer  Resplution,
weill  8  mit  der  Dbriften  Remontizung  etwas  lanafamb  bergehn
würde,  mehrers  yernenimen.

Souil  aber  die  mwerb:  vnd  reerutirung  zu  fueß  betrüfft,  da
würdet  ohnedad  im  Land  hin:  vnd  mwiter,  mad  an  tauglichen  fngchten
  fomwol  aus  Italia  ald  andern  obrien  herfompt,  angenommen
ond  paderhbalten,  Das  aber  eurem  andeitten  nach  ganze  Regimenter
zu  fueß  von  ben  in  Italia  abgedandhten  völdhern  Eundten  geworben
werden,  wiffen  wur  nit,  ob  pnd  mag  der  zeit  an  dergleichen  yöldkhern
zu  fueß  abgedandbt  worden,  Unp  ob  folche  nit  bereit  Die  Spanier,
tvie  auch  die  Branzofen  in  Piemont  an  fidh  möchten  gezogen  haben,
Jedoch  habt  ihr  hieuon  mit  dem  obriften  pn  Ruepp  miehrers  mund“
lid  zu  conferiren,  vnd  uns  alfdan,  ob  vnd  wie  folche  werbung
anzuflöllen  fen  möcht,  eur  gefambted  parere  zunberfchreiben,
Sonnften  haben  fich  onberbrffen  thnild  yon  ben  pbgrkachten  Italigs
nifchen  Meüter  Regimentern  angemelt,  vnd  merden  wir  mit  jelbigen
  negilend  tractirn,  nd  euch  deßmwegen,  vie  88  fich  mit  jelcher
tractation  angelafjen,  binach  bericht  thuen  lafjen.

12  *
        <pb n="196" />
        180

Was  wür  fonnften  bei  den  negfthinausgehenden  200.  Artilleria
  Pferbten  für  Studh  binauszufchiehen  vorhabens,  habt  ihr
aud  beiligenvder  Verzaichnud  zu  erfehen,  da  ihr  aber  an  ainer  ober
der  andern  fortten  andere  Studh  vonnetten,  hettet  und  ihr  foldhes
underbefien  zu  berichten.

Wegen  erfauffung  Profiantd,  haben  wür  alberaith  die  note
turfft  dem  General  Commissariat  beuolchen,  und  werdet  ihr  von
dem  Obriften  von  Auenp  vdißfald  ebenmehig  mererd  münbtlich  vernemmen.


Belangend  die  feindtögefangene,  da  wollen  wür  verhofen,  e8
werbe  fich  bie  fach  dergeftalt  anlaffen,  daß  felbige  von  Tibingen  zu
retirirn  nit  vonnetten.  Auf  den  fall  aber  die  notturfft  folche  retirirung
  erforderte,  So  werdet  ihr  vom  Obriften  von  Ruepp  beraithg
vernommen  haben,  daß  mir  felb8  für  guett  befinden,  felbige  vf
folchen  fahl  rechter  zeit  beifer  herein,  vnd  an  fichre  ortt  zufchidhen,
allein  weilln  ed,  dife  gefangene  zu  Tonauwerth  zu  logirn,  bebendh»
lich  ift,  So  Habt  ihr  folche,  wannd  vonnetten,  of  Dinfhlfpihl,  zu«
gleich  aber  auch  die  nottmwendige  foldavefca  neben  einem  guetten
Commendanten  mitzufcbichen,  melcher  die  gefangene  bafelb8  verwahr,
  würden  fich  aber  die  fachen  alfo  anlaffen,  daß  fie  auch  zu
Dinkhlfpihl  nit  fiher  weren,  würde  ınand  alfvdan  gar  herein  nad)
Tonaumwerth  fchiefhen  ond  fehen  müffen,  wie  fhe  hernach  meitter  zuuermahren.


Scylieglihen  mollet  Ir,  wan  feindtd  gefangne  eingebracht
werben,  felbige  ievermahlen  wie  e8  mit  dem  feindt  befchaffen,  vnd
wie  ftardh  fich  felbiger  befinde,  mit  fleiß  examinirn  laffen,  QBnv
ond  mit  deren  auffagen  vmb  miffenfchafft  vnd  nadricht8  millen
herein  gberfchifhen.  Wolten  wür  euch  hiemit  anfüegen,  und  feindt
euch  dabei  mit  gnaben  vd  allem  guetem  mwoll  gewogen.  Dat.  Gei:
fing,  den  20.  Augufti  1644.

An  Deld  Marfchalln  von  Mercy.
1)  Mit  Befeßung  Breyburg,  Aufhebung  Sobentmielifcher  blocquada,
pnd  der  retirada  nach  Rottenburg  fei  recht  gefchehen.
2)  Wegen  ver  Remontirung  werde  Ihrer  Churfl:  Dil:  intention  vom
Oberften  von  Rupp  vernemmen.
        <pb n="197" />
        181

3)  Wegen  der  recrutir:  ond  werbung  zu  fueß  fol  er  mit  Oberft  von
Auepp  conferirn  und  parer  geben.

4)  Berzaichnuß  der  hinauffchiclhenden  artigleria  facben  bei  ven  200.
pferden.

5)  Prouiant.

6)  Die  feindtögefangene  foll  er,  wand  gefahr,bab,  nit  nach  Tonaumerth
fondern  dermahl  nady  DinEhHlfpinl  fchicfhen.

7)  Dero  befhommenven  feindtögefangenen  aufjagen  hereinzefchickhen.

Dat:  20.  Aug.  644.

3.

Was  Ihr  Churfrl.  Dil:  in  Bayrn  sc.  Kriegdrath  und
Mundifchendh  Herr  Marimilian  von  Sigeröhouen  referirt,  vnd
begert  auß  E&amp;amp;hurfl:  befelch  zu  mwilfen,  auch  in  hiebeygelegten  feinem
Memorial  angebracht,  hat  Er  fumohl  hier  mündlid)  vernommen,
alß  ich  von  batid.  7.9.  11.  vnd  15.  onderthänigift  mit  umbftenden
bericht,

))  Mapnun  vorgefchedigte,  Todt,  oder  gefangen,  auch  wie  lardh
die  vebrige  Manfchafft  bey  eim  fo  anderm  Regiment  ift,  Tann  man
noch  £ein  eigentliche  Lista  darumb  haben,  mweiln  etliche  völdher,  wie
bey  foldden  occasionen  befhicht,  annoch  bin  vnd  wider  zerftreit,
ond  noch  nit  alle  berbey  Fommen,  in  menig  tagen  aber  hofft  man
dauon  gewißbeit  zu  haben,  dann  jolle  Iro  Ehurfrl:Drl.  alled  under»
thenigift  veberfchiefbt  werben,  ienoch  hat  wegen  der  gefchepigten
vfficiere  der  Herr  von  Sigeröhouen  ein  designation,  ich  Hab  bie
voran  außgeloffne  herbei  zutreiben  ein  Obriftleutenant  außgefchicfht,
allermaffen  auch  wa8  man  mit  der  Armee  zu  thun  vermeint,  warn
der  feint  ab:  oder  aufmertd  gehet,  Irer  Ehurfl.  Dri:  mein  onderthenigiteö
  parere  veberfchriben  worden,  darauf  idy  mich  fürz  halber
beziehe,  ond  will  gleich  iego  verlautten,  der  feint  gebe  veber  offenburg
  gegen  der  Marggraffchafft  Hinab,  fo  ermwartte  ich  befen
mehrer  gewißheit,  fchicfhe  den  Obriften  Wolff  mit  Tragonern  In
SHeylpron.
        <pb n="198" />
        182

2)  Die  verlohrne  offieir  betr.  füllen  deren  ftellen  mit  andern  von
von  Irer  Churfl.  Drl.  armee  verbandmen  erfezt  werden,  dis  vers
bungen  aber  betr.  mehrea  völdhyer,  vie  und  wo  foldhes  anzuftellen,
bab  mein  meinung  geftern  unverthenigft  bericht,  vund  weil  mit  und
dem  General  von  der  Caualleria  zu  gemueht  gehet,  5  wrfer  Ver
General  Perfohnen  wenig,  hingegen  deren  beim  feint  14.  verhaitbten
feind,,  fo  hielten  wur  guet,  fhe  fchicfhten  mit  vollnsacht  zu  tractiren
eirl  eigrtem  auf  der  Boflt  dem  Gildehas  of  Venedig,  offerirten  Ime
Belt  Marfhall  Leitenant  ftell,  mit  patent  und  leidellcheh  mwerbgeldern
  3.  oder  4000.  Mann  zu  fueß  vnd  1000.  ‘Pferdt  zu  werben,
nicht  zmeiflend,  Er  brechte  folche  bald  zufanımen,  vnd  die  Soldaten
fo  iego  in  Italia  abgedanfht  fein  und  werden,  wurden  Ime  heüffig
zue  lauffen,  und  Er  bald  mit  folchen  auffummen,  Er  für  fein  Perjohn
  aud)  felb3  fro  fein,  wie  mir  dann  bewußt,  dz  Er  lang  darnadı
getrachtet,  In  Em:  Ehurfl.  Dri.  vienft  durch  dif  mittel  einzutretten,
dabei  zumifjen  dz  Er  Gildehas  nit  nur  die  Neitterei  practisirt,  fons
bern  vil  länget  zit  fueß  gedient  hat,  und  aln  fü  andern  iweeg  würbt
nötig  fein,  iwerber,  venen  in  Italia  abgevandhten  völdhern  aller
oriffen  entgegen  zufchiethen,  die  folche  wöldher  an  fich  ziehen,  vnd
bet)  zeiten  werben,  geftalten  ich  auch  dem  Obrift  Leütenant  2hzelburg
  beihriben,  von  Ime  zuuernemmen,  ob,  und  wie  bald  Er  fidh
mit  einem  Regiment  zu  fueß  aufzufoınmen  getraut,  veberbig  Pithen
wir  onderthenigift  mit  der  remontirung  fein  flundt  zeit  zuuerfaus
men,  funbern  veber  die  zur  Remontirung  ond  Pferdt  Fauff  heit  angerwipne
  gelter  zu  Villingen  ver  Neltter  ond  Tragoner  Remontirung
noch  in  drithalb  taufent  Pferdt  eilligft  zufammen  zubringen  vond
hesaus  zufchichen,  auch  für  theil  Meitter  und  Tragoner  getvöhr
und  waffen  in  vorrath  zufchaffen,  und  weil  Die  Infanteria  den  ganzen
iwintter  vor  Hherling,  binnachh  mit  dem  ftardhen  fchanzen  vor
Hohentwiel  ond  Freyburg,  duch  anders  beüfige  Iravaglien  gattz  abgerifien,
  nadhent  ond  bloß,  parunder  ein  groffe  anzahl  ohne  fehucc
onid  fitimpff  marchiren,  &amp;amp;o  Pithe  ich  unverthenigift  Ewi  Ehurfel:
Dri:  Tafen  eilfertigft  vor  die  Infanteria  fehusch  und  ftrimpff  Herauef&amp;amp;hihen,
  und  dann  vor  folche  darauf  die  Kleider  vefto  ehenver  verfertigen
  laffen,  Damit  auch,  folche  deftö  bälver  heraus  ver  Soldaten
vebermacht  werden  ınögen,  feithemahlen  fye  folches  .vf  datd  mit
        <pb n="199" />
        183

Iren  erwißnen  dapfern  Valor  wohl  meritirt,  vd  bey  dert  offeirn
grofle  affsotion  madyen,  Irer  Chufl.  Dri.  Kriegspienft  auch  merdhlich
  befürbern  wurde,  mann  denen  officieren,  welche  Ire  bagage
verlohren,  fiy  wider  niit  der  notturfft  etwas  auß  zu  rüften  ein
gnedigift  recompens  befchehen  mechte,  Nicht  weniger  ift  audy  nötig,
dap  Ir  Ehurfl.  Del:  den  Succurs  der  Hapfeltifchen  Böldher  vrgire,
dann  warn  foldyer  nur  erfchallet,  Er  fey  auch  fo  Flein  al  &amp;amp;r  will,
macht  foldhes  den  feint  fugen  und  nadjdendhen.

3)  Beber  den  driten  Bunft  it  Ir  Churfl.  Dil.  von  mir  in  allem
ondertHenigifter  bericht  gefchehen.
4)  Zt  Ir  Ehmfl.  Dri.  darfür  vnderthenigft  danıfh  zu  jagen,

vnd  daraus  Jre  vätterliche  forgfalt  vor  dero  getreue  arme  Soldaten,
  vejto  mehr  zuuerjpären,  die  arne  gefchedigte  Dffieir  werben
darumb  nit  wenig  erfreuet,  und  erquicfhet,  Eönen  auch  defto  edender
  wider  Curirt  werden,  und  zu  Irer  gelundheit  gelangen,  weil  fhye
durch  dife  gnadigifte  gelt  verehrung  mwiderumben  etwad  mittel  befommen,
  rer  defto  befjer  mit  dem  Vunverbält,  doctoribus,  Balbierer,
  vnd  Urzneyen,  wartten  zlajfen,  mweldyeö  fye  wegen  verlohrner
mittel  ond  pagage  funft  nit  hetten  thun  Fünen,  wie  dann  dife  gelter
gleich  außgeteilt  werben  füllen.

Bnd  ob  zivar  dife  obbefchribne  begerte  mittel  Hoch  und  fchmwär
fallen  oder  jcheinen  möchten,  fo  ift  doc)  auffer  defjen  Feln  mitel  alf
auf  dife  weiß  Irer  Ehurfl.  Dri.  Landen  und  Urmee  zu  Conseruiren,
dann  in  deren  auffer  oder  Hinverbleibung  von  difen  mechtigen  feind
noch  gröffer  onheil  alß  bey  vifen  Kriegenven  Jahren  geweft,  man
zuermarten  haben  würbt.

Daß  jehreiben  aus  Freyburg  an  mich  abgangen,  wolle  herr
von  Sigeröhouen  Jrer  Churfl.  Drl.  oundertbenigift  einlifern  und
Pithen,.dz  mann  der  feint  Sreyburg  bleiben  lafien,  vnd  hit  attaguiren
  folte,  wie  &amp;amp;r  megen  mangl  fourage  und  Prouiants  würdt
thun  fünen,  Ir  Churfl.  Dr:  von  Kayl:  Mapl:  oder  Ir  Frl:  Dri:
frau  Erzherzogin  an  die  von  Üreyburg  fchreiben  ausbringen  mech«
ten,  darin  fhe  folche  erinvern  fid,  eifjerift  zu  wöhren,  und  der  Guarnison
  Irem  mir  gethanem  verfprecben  nach  eufferift  zu  assistiren,
Demnadh  aud  fihlieglichen  die  bei  der  Reitter  Regimentern  ver:
handtne  Tragoner  vergejtalt  wenig  mit  nugen  gebraucht  werden  und
        <pb n="200" />
        184

die  Obrifte  denen  nit  recht  anftehen,  al  were  bejfer  Ir  Ehurfl:  Drl.
machten  aud  foldyen  Gompagnien  ein  Negiment  Tragoner,  darüber
den  Obrift  Leütenant  Nußpaum  zum  Obrijten,  ven  prion  zum
Obrift  Leiitenant,  ond  Mercyfchen  Tragoner  Compagnla  Haubtman
  zum  Obrift  Wachtmeifter.

Ic  Hab  nit  mehr  500.  ftuch  tauglichen  fchanz  zeig.  Pithe
enligft  2000.  ftuh  vf  Tonaumörtb,  von  danen  mit  felben  fuhren
weiter  zur  rmee  zu  fchiefhen.

Dag  Ir  Churfl.  Drl.  dem  von  Vledhenftein  meines  bruebern
feel:  Megiment  conferirt,  thue  mich  vndertbenigift  bevandhen,  au
der  Resolution  halb  megen  de&amp;amp;  Meuifchenbergifchen  Obriften  leütes
nanten  Cobb,  hab  Ime  interim  befohlen,  of  dz  geweite  Mührifche
Megiment  achtung  zugeben  Pithe  Ime  dz  obriften  Patent  eheift
heraus  zu  fohiefhen,  auch  die  fachen,  wegen  ded  obriften  Reutenant
Mairemonts  bey  dem  von  der  Horft  Richtig  machen  zlaffen,  darfür
haltent,  weil  Horft  in  der  ondern  Pfalz  guete  gelegenheit  hat  zu
werben,  Ir  Churfl.  Dr:  folten  Ime  widerumb  etliche  Gonıpagnia
zu  fueß  dargegen  zu  werben  vftragen.

Schließlidyen  weil  ver  Commenvant  in  hH„herling  geftorben,
vnd  der  Obrift  Leitenant  Schierl  nun  lange  Jahr  in  Ir  EChurfl.
Drei:  Kriegövienft  wohl  zuegebracdht,  Er  in  vergangner  occasion
zu  Srenburg  geichoffen,  Ime  iezo  auch  alle  fein  bagage  vom  feint
genommen  worden,  fo  halt  er  hiebei  umb  dz  Commando  zu  veberling
  an,  warzue  ich  Ine  wohl  Qualificirt  befündte,  vahero  underthenigift
  Pithe,  Ine  Obriftleitenant  Schierl  darzue  anftellen  zu
laffen.

Darbei  der  Herr  von  Sigerähouen  mid;  auch  Ir  Ehurfl.
Del:  onderthenigift  zu  recommandiren,  Datum  Rotenburg,  ven
16.  Augufti  Anno  1644.

Sranz  von  Mercy.

(L.  S.)
        <pb n="201" />
        185

4,

Memorial
MWap  von  der  Ehurfl:Drl.  in  Bayrn,  bey  deren  Belt  Marfchallen  herren
&amp;amp;ranz  Freyberrn  von  Mercy  zuuerrichten,  gnädigift  anbefohlen
ivie  volgt.

Demnady  die  EChurfl:  Dr:  in  Bayrn,  von  dero  Kriegs  Rath,
und  zu  dem  General-Commissariat  verordneten,  dem  Scheffer  underm
6.  Auguft  au8  Tübingen  berichtet  worden,  welcher  geftalten  dero  Ars
mada  vom  feint  fchaden  gelitben  haben  folle,  werden  Em.  Erl.  aus
Inen  beygefhhloßenen  Copy  mehrers  erfehen  haben,  vahero  mweiln  Ir
Ehurfl.  Dr.  vor  meinem  abreyfen  an  Ir  Erl.  wie  eö  abgangen  feinen
bericht  befommen,  aber  folches  höchftend  zumiffen  verlangt,  mid,  bei
derojelben  in  einem  und  anderm  zu  informiren  heraus  gefchicfht,  dabei
gnebigift  anbefohlen,  Em.  Erl:  ond  den  andern  Generals  Berfohnen
und  Obriften  dero  genad  vd  grueß  zuuermelvden,  vnd  zu  bebeithen,
dz  fye  mit  Em.  Erl.  au  andern  Generals  PBerfohnen  vnd  Obriften
gnebigift  zufriven,  mad  aber  ver  feint  gegen  bero  Reidy8  Armada
tentirt,  vf  beeden  feithen  gebliben,  dann  in  waß  für  einer  postur  Ew:
Erl.  mit  ver  Arınada  ftehen  und  maß  fhe  weiters  zutbun,  intentionirt,
nit  weniger,  wie  ftc)  der  feint  verhalte,  maß  bei  folchem  zueftandt  zuthun
  ond  wohin  zugeben  jein  mechte,  (melches  zwar  alles  die  Churfl.
Drei.  zu  Ew:  Erl.  disposition  und  Kriegs  erfahrenheit  anheimbs  ftellen,
©o  erwarthen  fye  doch  Em:  Erl.  und  andern  Generals  Perfohnen  ond
Obriften  hierüber  fchrifftliches  parere  vnd  guetacdhten  von  vun.

Vord  ander,  meiln  bei  difer  recontre  vil  officier  gebliben,  auch
eine  guete  anzahl  des  fueßvoldh8  verlohren,  wollen  Irer  Ehurfl.  Drl.
von  Em.  Erl.  gern  vernemmen,  wie  fye  folche  ermangelnde  officier  zu
erfezen  gevenfen,  auch  wo  die  werbungen  fueßvoldh  zu  befommen,  vnd
durch  mwene  beftens  funvden  angeftelt  werben.

Drittens  die  gehabte  Commission  an  Obrift  Eolftett,  obriftleütenant
  Samel,  und  Mairemont  betr.  habe  Em:  Erl.  folche  fachen
mündlich  referirt,  allein  meiln  alled  in  einem  andern  ftandt  al  man
verhofft  Gott  Iob  befunden,  und  die  plocguada  vor  hohenwiel  fchon
vfgehebt,  der  feint  auch  nit  oben  hinauß  fid)  gemwenvet,  habe  bei  Ir
Erl.  erinern  follen,  ob  fie  foldhe  vor  hohenmiel  geftandtne  völdher
        <pb n="202" />
        136

zu  fueß,  aucd)  etwas  aus  yberling,  Tübing,  vnd  da  ber  feint  weiters
geben  wurde,  audy  Nothweil  nemmen,  vnd  an  fi  zu  ziehen  vor
Ratbfamb  befünden.

Bord  vierte  folle  Em.  Erf.  nit  verhalten,  dz  Ir  Churfl.  Drl.
mir  gogift  anbefohlen,  mich  bei  der  Armada  befindenten  gefchedigten
officiern  felbft  zubegeben,  und  zubebeüten,  weiln  fie  dz  einer  ober  ander
in  vorüber  gangnen  Rencontro  verlezt  worden,  gdgfl  vernomniem,  ond
ds  fte  Are  fchulvigfeit  mit  groffem  eliffer  manlid)  und  beherzten  mueth
gegen  bem  feint  erzeigt,  und  mit  Inen  ein  gbgfled  mitleiven  tragen,
verfpüren  mögen,  Irer  annemmen  vnd  bapfferer  gelaifter  Dienfte
erkennen,  mir  elu  ftudh  geltö  mit  gegeben,  folched  den  gefchenigten  damit
zu  Suceuriren  außzutbeilten,  babero  an  Ir  Excel,  vor  mein  Perfohn
under  dienftlidyes  erfuechen  ,  fye  belieben  von  allen  Negimentern  gefches
digten  officdern  von  obriften  biß  vf  ven  Gorporal  inclusiue,  mir  eine
von  denn  Obriften  oder  Commendanten  der  Regimenter  mit  handt  ond
Verfchafft  verfertigte  Kifta  behenpigen  zlaffen,  nit  meniger  vf  bije  einuerleihte
  Buncten  ohnfdywär  fchrifftliche  Resolution  entgegen  ertballen,
Gottes  obfihuz  anbei  ergeben  mid)  zu  deren  dverharlichen  gnaben  ems»
yfehlent,  verbleibe

Ev:  Erl:
Rottenburg  am  Nedher

16.  Augufti  1644.

Martimillan  von  Sigershouen.

5.

Bon  Botted  genaden  Marimillan  Pfalzgraf  bei  Rhein  Herzog  in
Dber  onnd  Nivern  Bayrn  ır.  deß  heil:  Röm:  Heich  Erztruchfefß
vnnd  Churfürft  ac.

Bnnfern  grued  zuuor,  Edler,  lieber  getreuer,  waß  Ihr  vnn«

ferm  Krlegörath  deme  von  Sigeröhuuen  vnn$  in  einem  und  ans

1)  dern  onderthenigift  zu  referirn  aufgeben,  da®  haben  mir  fomol
aud  deme  von  euch  ihme  mirgegebnien  fchrifftlichen  Memorial,  alß
        <pb n="203" />
        18%

feiner  abgelegten  windlichen  relation  iMererd  Ynb  hit  ombjleriben
  wernömmen.  Laffen  euch  batauf  ji  vfinfeter  resolution
hit  verhalten,  das  vont  nit  ongerleigt  iweren,  bei  iezigett  Yeferlichen
  zueflanst  ven  Gil  de  Haes  eurem  borfdjlag  nah  für  einen
veldtimarfchalt  Reiteriant  fambt  einen  heuen  MHegiment
2)  zu  fweß  Anzunemmen,  wie  wir  Sitte  bat  beh  geftriger  ordinat6
  durch  freiben  albereit  an  die  hand  geben  lafßen,  vas
artiego  zu  feiner  accomodation,  wart  et  fd}  gebrattheh  Tafßen
will,  gelegenhelt  worbanden,  Barhber  tbür  tun  feiner  erclerung
mit  negiten  erwarten.
Ingleichyen  Tafpen  wür  vn  auch  Aus  dei  firfhommenen
vönsideratichen  grteigift  gefallen,  Das  die  ienide  Ttagoner
3)  Sompagnien,  weldje  bishero  bey  ben  Meutter  Meginiehtetn  geweft,
  wie  wir  euch  alberelth  In  vrferim  geftrigen  fehrelben  bedeittet,
  zufamten  in  ein  Tragoner  Neglment  gegodeti  werben,
alleln  gehet  unnf  nody  zu  gemiett,  ob  ver  öhrift  Feitendnt  Nuf-Yaun
  dargue  alf  oßrifter  fürzuftellen,,  und  etwän  nit  eln  bafhers
vntd  meritirters  subiectum  bey  arınada  vorhanden  fee,  Derowegen
  Ir  deni  werfh  nochmaln  nachzugedenfheii  und  folched
neben  dem  Obriften  von  Rüepp  rool  gu  veberlegen,  im  fahl  ihr
aber  ie  vermainet,  dad  der  Nufpaum  zum  Obriften  vor  andern
genuegfamb  Dualifleirt,  und  Ine  hierzue  anzunentinen  rathfamb,
&amp;amp;d  lafgen  wür  gefcheben,  das  er  Dbrift  leitenant  Nufpaumb  bey
bifem  neuen  Tragoner  Regiinent  fir  einen  Öbriften  firgeftellet,
vole  auch  der  hHaubtmat  Brion  zum  Odrlft  Leitenart  ,  omd  ber
haubtman  Hengle  zum  Obrift  Waditmeifter  gentacht  Werbe,  und
bamlt  euch  die  Reutier  vbriften,  das  Ir  unnf  difen  vorfchlag
gegeben,  beflo  weniger  verdendhen  Ehönven,  ©o  habt  it  hiebey
4)  von  onnß  ein  abfonverliches  fchreiben  In  vißer  fach  zu  enipfungen,
  melde  Ir  den  Meütter  Obriften  firmeißen  Ehönbet,  allermafßen
  mir  atıh  dem  SObriften  von  Nuepy  beeldten,  das  er
euch  mit  zuthuen  des  General  Commissariats  diffahle  Yebürenn
an  die  hand  Aehe,  vnd  dad  werfh  incamidirn  belffen  folle,  vie
obriften  Patent  wie  fonjten  gebreichig,  wollen  wir  vf  euren
weitern  bericht  binnady  fchirfhen.
Dad  die  Burger  zu  Srehburg,  wie  ver  Cummendant  dafelbft
        <pb n="204" />
        188

 

berichtet,  nit  fechten,  noch  die  SErandhen  ond  gefchüdigten  mit
onderhalt  verfeben  wollen,  da  feind  wür  im  werfh  begriffen,  deß-5)
  wegen  die  nottdurfft  an  Ihr  Kayl:  Maitl:  wie  auch  der  Erzberzogin
  zu  Infprugg  ac.  beiveglich  gelangen  zu  laffen.
Interim  aber  habt  Ihr  zuuerfüegen,  daß  die  Burger  zu  Frey»
burg  angehalten  werben,  bdife  gefchäpigte  fouil  möglich  zuuer=6)
  pflegen,  daneben  aber  werdet  ihr  auß  onnferin  vorigen  fchreiben
verftanden  haben,  daß  man  ermelte  gefchädigte  und  Franfhe  auch
fonft  fouil  möglich  assistirn  folle,  damit  fe  nit  nott  leiden  oder
zu  grund  gehen.
Sonften  Haben  wür  dem  General  Commissariat  beuolchen,
weilln  zu  Srepburg  ded  Commendanten  Bericht  nad)  allein  auf
7)  34.  teg  prouiant  vorhanden  felbigen  orth  mit  etwas  mehl  ober
frichten  zuuerfehen,  wie  Ir  von  ermeltem  General  Commissariat
juuernemmen,  vnd  weilln  in  difem  yplaz  vil  gefchödigte  und
Krandhe  Knecht  verhanden,  auch  teglich  darzue  gefangne  ein=8)
  gebracht  werden,  So  mollet  ihr  vf  mitl  gevendhen,  das  nach
vnd  nad  mit  gueter  ficherheit,  wand  wegen  der  hoben
twieller  außlauffen  gefchehen  Fan,  fomol  an  gefangnen  alß
gefchödigten  ein  anzahl  herauf:  und  an  andere  orth  gebracht
werben  inöge.
Dem  Obrift  Leitenant  Schürl  möget  ir  eurem  vorichlag  nach
bad  Commando  zu  Dberlingen  vftragen,  ond  ihne  der  Guarnison
9)  dafelbft  firftellen  laffen,  vabey  ir  ihme  alle  notturfft  was  zu
Conseruation  dies  importirenden  ortb8  vond  der  völdher  vonnethen,
  wol  einzubinden.
So  ift  von  euch  recht  befchehen,  das  ihr  den  Obrift  Wolf  mit
feinem  Regiment  Tragoner,  weilln  ver  feindt  fi  abmerts
10)  wendet,  in  Hailbron  gelegt,  ond  wifßet  Ir  darauf  zu  gebendhen,
das  difer  importirende  plaz,  darauf  der  feind  ohne  daß  fein  abfehen
  bat,  alzeit  mit  einer  genuegfamben  Duarnifon  von  unnpern
Reichs  Völdhern  verfeben  feye,  ile  wür  van  berntmilln  felbft
auch  an  Ihr  Kayl.  Maitl.  fchreiben,  und  Ihro  den  zueftand  zu
gemiet  flehren  wollen.
11)  Die  Yber  vie  bereit  hinaudgeorbnete  12  noch  weiter  begerte
8  Pirenmaifter  werden  aus  Inglflatt  negftend  hinnach  volgen,
        <pb n="205" />
        189

Pit  weniger  aud)  ift  man  alhie  Im  werkh  begriffen,  firverlich  ein
12)  guete  anzahl  Soldaten  Elaiver  fambt  fhuech  ond  ftrimpf  fir  die
bebürfftigen  Soldaten  zufamen  zu  richten,  ond  ehift  hinaus  zu
fhidhen.
Im  Hbrigen  zweiflen  wir  nit,  ir  werbet  mit  dem  Öbriften  von
Nuepp,  welcher  numehr  varaufßen  angelangt  fein  würdet,  von
13)  einem  und  dem  andern  nach  notturfft  deliberirn,  vnd  vnnfer
intention  in  gebürende  obacht  nemmen,  geftalten  wir  barhber
fowol  eur  alf  des  obriften  von  Auepp  meitern  bericht8  und
relation  erwartten,  Wolten  mwür  euch  biemit  anfuegen,  vnd
feind  euch  dabey  mit  gnaben  vnd  allem  gueten  wolgerwogen,
Datum  Geißing  den  20  Aug.  Anno  1644.

6.

Durdhleuchtigfter  Herkog,  Gnäpigiter
&amp;amp;hurfurft  und  Herr,

Er:  Churfrl:  Drl:  mir  vom  15.  difß.  gnädigft  zuegethanen  befeld,
  fambt  der  beylag,  hab  ich  mit  gebürenver  reuerenz  onderthenigft
empfangen,  und  mehrern  inhalt&amp;amp;  gehorfamift  vernommen.

Dap  nun  Em:  Churfrl:  Dr:  fi  gnävigft  gefallen  Taffen  aufs
eulfertigft,  fomwohl  zu  remontirung  ber  onberittnen  alß  befpannung  ber
Artigleria  ein  ergibige  anzahl  Pferdt  zufamen  bringen,  vnd  heraus
führen  zlaffen,  nit  weniger  dad  der  remontirung®  accord  ganz  ond  gar
pfgehebt  fein  folle,  vejfen  thue  mic  ganz  onderthenigft  bevandhen,  und
ift  Höchft  nötig  gewefen,  das  folcher  accord  allerdingd  miderumb
Cassirt  worden,  zugleich  die  remontirung  odne  verliehrung  einicher  zeit
für  die  handt  genommen,  vnd  bie  unberittne  fürberfamift  widerumb
mögen  remontirt  werben,  hab  auch  andern  Generals  Perfohnen  Obrifien
  ond  Commendanten  der  Negimenter  zu  Pferbt  foldye  gnäpigfle
resolution  vorgetragen,  vnd  darauf  befohlen,  da8  fye  morgen  foldhe
demontirte  Reitter,  vmb  fhe  zu  muftern  zufamen  führen  follen,  wie
fye  fih  nun  befündten  werden,  will  Em:  Ehurfl:  Dr:  deffen  eine  ordene
        <pb n="206" />
        190

liche  verzeihnuß  vudrrtäenigit  hinnarh  fehldhen,  mieml  Ihe  fch  aber
an  iebo  eingeben,  geruhen  biefelbe  aus  Hiebei  Fonmenven  eingaben
gnöpigfi  gu  erfehen,  damit  aber  an  fplrher  höchft  nötgen  remontierung
fein  Zeit  verlobren  werbe,  fo  Hab  ich  iungft  vnderthenigit  berichter
mafien  venfelben  zuegefprochen,  vnd  fye  dahin  disponirt,  Da8  biefelbe
bie  von  Em:  Churfrl:  Did:  nacher  Donaymöhrt  heraus  gefchichte
remoatirungägelter  angenpmmen,  zu  deren  abhpllung  aych  erfguffung
gleich  Ive  leuth  an  vnderjhipliche  orth  hinauf,  ayh  Quittung  mitgeihistht,
  daß  fye  vurd)  Ire  gbgefertigte  fobglden  darunben  tqugliche
Pferdt,  fo  fonften  pon  dem  GeneralCommissariat  erft  mit  Janger  handt
betten  müeffen  beigebrasht  werden,  einhanplen,  vnd  fchein  pprc  bie
ihenige,  welche  foldhe  erfauffen,  mitbyingen  laffen  werben,  welcher
ortben,  und  wie  theüer  fye  Ein  und  anders  Pferdt  bezalt  haben,  varüber
fye  dann  die  rechnung  dem  General  Commissariat  eingeben,  und  Em:
Ehurfrl:  Drf:  gnäpdigften  befelhb  nad),  die  folcher  maffen  darumben
remontirte  Reitter  vorjtellen  Iaffen  follen.

Dap  Em:  Ehurfl:  Drl:  den  Dbriften  von  Ruepp,  mweldjyer  neben
andern  die  Obrifte  und  Soldaten  zu  animiren,  vnd  zu  getröften  im
befeldy  hat,  gnäpigft  heraus  abgeorbnet,  hab  ich  erfrefilich  vernommen,
Deme  will  ih,  fobalden  Er  bey  der  Armada  anlangen  mwürdt,  in  einem
und  anderm  an  bie  bandt  gehen,  unp  ing  alfeny  nach  notturfft  informiren.


Demnadh  ayisen  einfommen,  daß  ber  feint,  nach  dene  Er  St,
Better,  Waltfürd,  aud)  das  Schlofg  Wifenekh,  weiches  Er  wiperumb
einbefonmen  bat,  verprant,  und  in  die  Welche  gelegt,  wit  der  Arınada
aufgeprushen,  yıd  in  die  andere  Marggraffchafft  marchire,  auch  bereit$
bey  pffenburg  vprüber  gangen  feye,  Alb  hab  ich  afbalden  dey  DYprifl
Molffen  mit  feinen  Negiment  nadyer  Heylpron  gefchirfht,  venfelben,
an  den  dafelbfligen  Commenvanten  ynd  die  Statt  fihreigem  mife
geben,  auch  wie  inligenvde  Copia  außmeilt,  orbonanz  ertheilt,  zumabln
  bemfelben  befohlen,  dab  Er  mit  dem  Beneral  Wachtzeifter
von  der  Horiit  vleißigft  Correspondiren,  vud  wannd  Die  noth  erfordern
  wärkt,  Ime  in  die  under  Pfalz  mit  mebrerem  voldh  assistiren
  jolle.

Weil  nun  der  feint  Freyburg  alfo  verlafien,  al$  hab  ich  Die
ouftalt  gemact,  246  nit  allein  noch  mehrer  Profiant  hineingehradyt
        <pb n="207" />
        m

jwerbe,  fondern  guch  der  ganze  Schwargmwalbt  pahin  Gontribuiren  Tolle,
wann  auch  vom  feint  folcher  Poffto  nit  miderumb  occupiert  werken
folte,  wurden  vnfere  funfftige  Wintter  Quartier  omb  eju  guetd  durch
den  ganzen  waldt  Könvden  erweitert  werben.  Ich  will  noch  Heut  ober
morgen  alhie  ligen  bleiben,  vmb  twillen  man  nad  nit  eigentlich  weiß,
wohin  fich  der  feint  mwendt,  vnd  obe  Er  nit  vileldht  in  anfehung  Er
groffen  [baden  gelitten  (fp  auß  difem  erfcheint,  pelln  Er  Sreyburg  nit
atlaguirn  dörffen)  audı  eben  fomohl  alf  wür  abgemgttet,  fich  in  ber
undern  Murggrafichafft  refrechiren  mechte,  fobald  aber  ich  pie  gewiß“
heit,  wohin  Er  gehet,  erfahren  wirbt,  will  ich  auch  aufbredyen,  vnd
mich  mit  der  Urmara,  bey  Windling,  zmifchen  Kürdhen  under  Tech
vnd  Conftatt  feen,  auf  deß  feintd  actiones  vnd  andamenli  iederzeit
vleißigfte  aufficht  geben,  auch  mit  verarmada  fouil  müglic)  alfo  behuetfamb
  gehen,  vond  mich  in  obacht  nenimen,  daß  hoffentlidy  ver  feint
mic  zum  fhlagen  nit  wirbt  neceasitiren  Fhönnen,  ober  Kıv:  Eburfrl:
Dri:  Reichd  armada  fhaden  Teipen  werbe,  zumabin  mid),  ispermeilig
nad  bejien  modus  ph  scliones  Comportiren.

Daß  Horffifche  Megiment,  hab  ich  miderumb  an  mich  gezogen,
von  denn  dreh  Küurmreitterifhen  Compagnien  zu  Pferdt  aber  eine  in
Dberling  ,.  on  zwo  in  Balling  neben  der  Tragpner  Gombagnig  pam
General  Wachtmeifter  Gehling,  vmb  die  hobentmwicler  fouil  immer
müglich  inen  zu  halten,  ond  Inen  pa  ftreyffen  zuuerhindern,  Hinbter-Laffen,


In  Summa  e8  beruhbet  vermahlen  eingig  vd  aflein  hauptfädhlich
guf  diefem,  daß  nemblich  zu  remontirung  der  pnberittnen  die  Pferbt,
neben  den  zu  befpanung  ver  Artigleria  nötigen  Pferbten,  fürberfamift
beraußgeihidht,  dauon  die  wonberittene  eilenvift  mwiberumb  beritten
gemadht  werben,  auch  ver  Succurs  «hift  ankommen  möge,  Alkdann
hoffe  ich  mit  göttlicger  Hulff  dem  feint  widerumb  bastant  zu  fein,  knp
Ine  feine  retirada  über  Ahein  zu  fuechen,  zu  bezwingen.

MWap  ich  vermein  daß  man  nad)  difen  welt  zug  an  Studh  ph
andern  requisiten  £ünte  ind  velt  führen,  und  mwga  noch  für  vorrath
yerbandten,  gibt  beyligenve  verzeichnuß  miehrerd  gnädigft  zu  erieben,
  doch  were  noch  pin  mehrers  veher  Dad,  maß  hereitd  Yer«
banpten  ift,  an  Mußqueten  Kugln  und  Runden  heraus  zufchidhen,
mein  mich  der  Scheffer  berichtet,  daß  alhereit  naß  Puluer,  nemblic
        <pb n="208" />
        192

200  Sentner,  ond  allein  7  Mufßqueten  KugIn  zu  Donaumährt  ans
fommen  feyen.

Maß  weiter  zwifchen  onß  und  dem  feint,  auch  fonften  in  einem
vnd  anderm  Pafpiren  würdt,  will  Em:  Ehurfrl:  Dri:  fehulvigfter  maffen
von  Zeit  zu  Zeit  gehorfamift  berichten,  ond  berofelben  ferner  gnäpig»
ften  befeld8  erwartben.

Dero  zu  bebarrlihen  Churfrl:  milten  Hulden  und  genaden  ich
mich  undertbenigft  empfehlen,  und  bleiben  thue

Dat:  Rodenburg  am  Nedfber
18.  Nugufti  Anno  644.

P.S.

Aud)  gnädigfter  Churfürft  und  Herr,  gleich  bey  befchließung  difß
fohreibt  mir  mein  Correspondent  aus  Straßburg,  wie  Em:  Churfrl:
Drl:  Aus  dem  Original  zu  erfehen  fich  gnadigft  werben  belieben  Laffen.
weiln  Er  nun  au8  meinem  befelch  einen  eignen  Potten  nacdher  Meg
geihidht,  der  folches  bringt,  alß  ift  nit  mehr  daran  zu  zweifln,  ver
march  den  Er  befchreibt,  dad  der  Succurs  nemmeen  folle,  gibt  mir
afferhandt  nachzudendhen,  ob  fhe  nit  etwan  medten  Phillippsburg
attaguiren,  welched  meined  wiffens  mit  wenig  voldh  verfehen,  auch
die  officier  (außgenommen  des  Obriften)  fo  doch  ein  vnuermöglicher
Mann  tft,  gar  fchleht,  Ich  Hab  Ine  deffen  auisirt,  ond  mürdtd  noch
alfobald  reiteriren,  hab  auch  neben  andern  Generald-Berfohnen  für
guet  befundten,  durch  einen  eignen  Eurir  difen  zueftandt  nit  allein  dem
Grafen  von  Hazfelt,  fondern  auch  dem  ihenigen,  der  die  4.  Megimenter
die  in  Nivderlandt  follen,  Commanbirt,  melde  ald  mich  ver  Obrift
Bamberger  bericht,  fih  no  vmb  AUfchaffenburg  befindien  follen,  zu
auisiren,  aud)  beederfeit8  zu  erfuechen,  die  Coniunction  zu  vun  zu  befürdern,
  vnd  SImen  vunfern  march  andeuten  Taffen,  damit  fe  veito
ficherer  zu  ons  floffen  mögen,  nit  zmeiflend,  warn  dife  Coniunction
eruolgt,  audy  die  remontirung  von  Em.  Churfrl:  Dri:  fürverfamift
befchicht,  ed  merbe  noch  wohl  abgeben,  Sonften  befumme  ich  bericht,
daß  2.  Lothringifche  Regimenter  von  Lamot  am  Rheinftromb  angelangt
  fein  follen,  Wormbs,  Speyer,  und  die  Nhein  Pofften  zu  befeßen,
        <pb n="209" />
        193

bie  Herzogen  befinbt  fidy  auch  zu  Wormbs,  mas  Ich  weiter  erfahre,
berichte  Em:  Churftl:  Durdhl:  underthenigft  Dinnadh,  dero  zu  bes
harrlihen  Ehurfrl:  Dri:  mich  nochmahlen  geborfamift  empfehle,
bleibende
Em.  Ehurfrl:  Drei:
undertenigfter  gehorfamfter
Stanz  von  Mercy.

T,

Demnach  mir  gleich  iezo  auisiren  einlangen,  da8  der  feint  mit
feiner  Armada  vfgebrodien,  vnd  in  die  under  Marggraffchafft  marchire,
auch  dabei  aller  ortb  bero  bericht  würbt,  daß  verfelbe,  infonderheit  vf
die  Statt  Heplpron  ein  aug  habe,  Nun  aber  der  Röm:  Kayl:  Map:
dem  ganzen  heyl:  NRöm:  Rei,  ond  allgemeinen  Wefen  eufferift  und
vf8  allerhöchfte  gelegen,  vamit  folchees  ind  feint  Handt  nit  gerathen
möge,  alß  wolle  ver  Hr.  Obrift  belieben,  gleich  nach  empfahung  vifß
vnd  aljobalden  nit  feinem  Negiment  vfzubrechen,  fi)  damit  nacher
gevachtem  Heplpron  begeben,  Hiebei  Fonımende  beeve  fchreiben  an  den
dafelbftigen  Hrn.  Commendanten  mie  auch  die  Statt,  jelbige  gleich  eins
bändigen,  vnd  Grafft  deren  den  einlaß  alda  begern,  fich  neben  ermelten
  Srn.  Commendanten  in  der  Statt  mit  feinem  Regiment  Iogiren,
aud  folchen  Boffto  neben  Ime  ond  der  burgerfähafft  aufd  aller  beffte
defendiren,  Ih  mill  Ime  mit  der  Armada  gleiy  nachuolgen  vnd
gewifß  Succuriren,  dann  einmahl  folche  Statt  nit  Fann  vnSuccurirt
gelaffen  werben,  nit  zweiflend,  fomohl  der  Hr.  Conmenvant  ald  bie
burgerfchafft  werben  ven  herrn  mit  feinem  Regiment  dafelbft  guete
willig  einlafjen,  alß  auch  Ime  allen  gueten  willen  erweifen,  vnd  neben
Ime  vnd  feinem  Regiment  die  Statt  vf3  eüfferift  defendiren  helffen,
So  bald  nun  der  Hr.  zu  Hehlpron  anfomnıen  würdt,  wolle  Er  mich
alfobald  miderumb  berichten,  ob:  und  mad  Jme  an  munition,  auch
fonften  in  einem  vond  andern  mangIn  mürbt,  fo  mwill  ich8  Imie  gleich
zuefhiefhen,  dauern  aber  der  feint  fich  weitter  hinunder  gegen  Heiblberg
  auanziren  folte,  fo  hat  der  Hr.  biebei  ein  fchreiben  an  Sr.  ©e-13
        <pb n="210" />
        194

neral  Wachtmeifter  von  der  Horft  zu  empfahen  und  Ime  einhendigen

zlaffen,  damit  man  alzeit  wiffen  Fan,  wo  ber  feine  Dinziehe,  audı

me  weiter  begegnen  möge:,  deme  ber  Hr.  in  allem  vleißigft  nadızufommen

  wiffen  wirbt,  und  ich  mich  vf  fein  befanten  eufer  verlaffe.
Sigl.  Rotenburg  am  Nediher  18  Augufti  1644.

An  Hrn.  Obrift  Wolff.

Gopia
Drdonanz  vor  Hrn.  Obrift  Wolff.
        <pb n="211" />
        V

Das  Treffen  bei  Mergentheim
(5.  Mai  1645).

15  *
        <pb n="212" />
        <pb n="213" />
        v

Treffen  bei  Mergentheim")
(5.  Mai  1645).

Sn  den  erften  Tagen  diefed  Jahres  drang  der  weimarifche
  General  Reinhold  von  Rofen  mit  ungefähr  1200  Pferden
  und  600  Muffetieren  aus  dem  Rheinthale  durd  das
Kinzigthal  und  den  Schwarzwald  in  Würtemberg  ein.  Freus
denftabt,  Dornftetten,  Nagold,  Wildberg,  Calw,  Liebenzell,
Neuenbürg  und  Leonberg  wurden  veggenommen  und  gebrands
(hast.  Die  Stadt  Weil  wurde  am  27.  und  2%.  Janıtar
umfhloffen,  aber  niht  eingenommen.  Die  Bayern  hatten
fid)  bei  Annäherung  der  Franzofen  bei  Göppingen  zufammengezogen
  und  dur  diefe  drohende  Stellung  den  General  Rofen
gezwungen,  fih  Anfangs  Februar  über  Nagold,  deffen  Scyloß
von  den  Frangofifhen  befegt  blieb,  durdy  das  Kinzigthal  an
den  Rhein  zurüdzuziehen.  Die  Bayern  folgten  ihm  über
Herrenberg  bi8  Nagold  nah,  welde  Stadt  fie  am  9.  Februar
befesten.  Dbrift  Widerholt  hatte  fi)  am  2.  Februar  in  den
Beliß  von  Tuttlingen  gefeßt  und  wahrfcheinlidh  die  befannte
Homburg  dafelbft  zerftört,  um  den  Drt  für  Die  Bayern  unhaltbar
  zu  maden**).

*)  Bon  den  Branzofen  bas  Treffen  bei  Mariendal  (Marienthal)  bes
nannt.  Anm,  des  Berf.

”*)  Martens  459.
        <pb n="214" />
        198

Nah  dem  Eiege  des  Ichiweriichen  Feldinarfchalls  Bernhard
  Forftensfohn  bei  Sanfowig  in  Mähren  am  6.  März
biefes  Jahres  über  den  Faiferliden  Seldmarfhall  Hapfeld,
und  wozu  Mercy  4000  Mann  unter  Sean  de  Wörth  von
feiner  Armee  hatte  abfhiden  müflen,  hielten  die  ranzofen
ed  an  der  Zeit,  in  Deutfhland  wieder  einzufallen.

Dom  Monat  März  an  zog  LTürenne  feine  Armee  zus
fammen,  zu  deren  Berftärfung  er  ohne  alle  Beihülfe  von
Ceiten  ded  Hofed  Mittel  gefunden  hatte.  Er  verließ  Epeyer,
wo  er  den  Minter  zngebraht  hatte,  ging  auf  einer  Ediffbrüde
  bei  Alt-Quisheim  unweit  Speyer  über  den  Rhein  und
marfchirte  mit  5000  Pferden,  6000  Dann  Snfanterie  und
15  Kanonen  gegen  Pforzheim,  wofelbft  er  fein  Hauptquartier
nahm.  Bier  Regimenter  lagen  bei  Vaihingen  an  ver  Enz;
Rofen  lag  mit  fünf  Regimentern  in  Calw;  das  Edjloß
Hohen-Nagold  war  no  von  den  weimarijhen  Truppen  befeßt.

Mercy  vereinigte  feine  Zruppen  bei  Ecyorndorf  und
rüfte  dann  an  dem  Kedar  von  Gannftadt  His  Heilbronn
vor.  Das  Hauptquartier  war  in  Winnenden.  Tübingen  und
Rürtigen  waren  ebenfalld  nocd)  von  den  Bayern  bejett.  Ale
jedody  Türenne  vorwärts  fih  in  Bewegung  feßte,  mwiden  bie
Bayern  zurüd.  Um  12.  April  gingen  die  frangöfifh-weimas
rifhen  Truppen  unter  Tärenne  und  Rofen  bei  Marbach  über
den  Nedar  und  rüdten  über  Groß-Bottiwar  gegen  Hal  vor,
welde  Stadt  am  12.  April  von  den  Bayern  verlaffen  wor:
den  war.  Auf  diefem  Zuge  wahrfcheinlih  wurden  vie  Orte
Liebenzell,  Güglingen  und  Lauffen  von  den  Franzofen  geplündert;
  nu  fol  die  Stadt  Weil  um  diefe  Zeit  von  ihnen  befhoffen
  worden  fein.  eneral  Rofen  traf  am  16.  April
(Dfterfeft)  Abende  6  Uhr  mit  der  Vorhut  vor  Hall  ein  und
forderte  Die  Stadt  zur  Uebergabe  auf.  Die  Bürger  baten
zuerjt,  fie  damit  zu  verfhonen;  nun  traf  aber  audy  Türenne
felbft  ein,  nahm  fein  Hauptquartier  in  der  Epitalmühle  und
ließ  die  Truppen  um  diefelbe  herum,  zu  Gelbingen,  auf  der
Bleibe  und  bei  ter  Pulvermühle  lagern.  Dann  ritten  Füs
renne  und  Rofen  vor  das  Gelbinger  Thor,  ließen  zwei  halbe
        <pb n="215" />
        199

Eurthaunen  bei  der  Et.  Nicvlaifirhe  gegen  die  Etadt  auf
führen  und  verlangten  die  Deffnung  der  Etadt.  Die  Bürger
öffneten  nun  das  Gelbinger  Thor,  Tießen  die  erwähnten  Ge:
nerale  herein  und  fiahloffen  mit  Denfelben  in  dem  zunadft  am
Thore  befindlihen  Haufe  eines  Nothgerberd  einen  gütlidyen
Vergleih  ab,  durd  welden  die  Etadt  fih  zur  Bezahlung
einer  Summe  Geldes  uud  zur  Lieferung  vor  Brod,  Wein
und  Bier  in  dad  Lager  verpflichtete,  Dagegen  von  den  Frans
zofen  nicht  befegt  werden  follte.

Auf  diefe  Weife  wurde  die  Stadt  felbft  verfhont,  aber
aufferhalb  der  Ringmauer  wurden  alle  Häufer  ausgeplündert,
Kiften  und  Schreine  zerhauen,  Zäune  \weggeriffen  und  vers
brannt,  und  einige  hundert  Etüd  Vieh  und  Echafe  geraubt.
Hierdurd;  geängftigt,  erbat  fi}  die  Stadt  Hall  eine  frangöfifce
Edhugiwadye  von  25  Mann.  Das  bayeriihe  Heer,  mit  dem
ih  aut  Johann  von  Werth,  welcher  der  unglüdlidyen  Ehladt
bei  Zanfowig  mit  dem  bayerifhen  Hüffscorps  beigewwohnt,
wieder  vereinigt  hatte,  zog  fidy  gegen  Ellwangen  zurüd;  am
19.  Aprit  fol  ed  bei  Neuler,  ummweit  Ellwangen,  geitanden
haben.

Turenne  blieb  drei  Tage  bei  Hal  und  folgte  dann
nicht  dem  bayerifhen  Deere  nah,  fondern  nahm  feine  Rich
mg  nah  Mergentheim.  Hal  blieb  durh  200  Dragoner
befegt.  Der  General  Rofen  dedte  die  redhte  Eeite  ded  Hres
res  und  rüdte  nah  railsheim,  Bon  hier  aus  üderfel  er
mit  300  Dragonern  bei  Dinfelsbühl  eine  von  300  Mann
begleitete,  aus  30  mit  Lebensmitteln  belabenen  Wagen  be
ftehende  Zufuhr  und  bradte  fie  nad  Eralishelm.  Türenne
war  unterdeffen  nad  Mergentheim  gerüdt,  wo  er  fein  Huupte
quartier  nahm  und  verlegte  feine  Truppen,  des  Mangeld  an
Lebensmitteln  und  Pferdefutter  wegen,  ziemlich  weltläufig  in
bie  umliegenden  Orte.  Wud  die  Fefle  Neuhaus  wurde  von

den  Branzofen  befegt*).

*)  Martens  460,  461,  462.
        <pb n="216" />
        Deilagen.

1.

Durcdhleuchtigfter  Herzog,  Onäbdigiter
Churfürft  ond  Herr.

Em.  Ehurfürftlicden  Durchleucht  werben  verhoffentlicdy  von  dero
alhero  gefchiefhten  Curir  mein  vndterthänigften  Bericht  gnädigft  empfangen
  und  daraus  maß  ung  Gott  für  ein  Victori  geben,  zuuernemmen
  fich  gnädigft  belieben  Lafjen  haben.  Weiln  nun  idy  die  ausfuhr«-liche
  relation  wie  ed  in  einem  bnd  andern  mit  diefer  rencontre  her»
gangen  Em.  Ehurfürftl.  Durchleucht  noch  nit  oberfenden  Kann,  meldhe
ich  aber  auffezen  laffen,  und  verofelben  omb  felbigen  vero  gnäbigflen
Belieben  nah  zu  München  trudhen  zu  laffen,  vndterthänigft  hinnach
veberfchickhen  will.  Alß  fehidlhe  ich  under  deffen  Bringern,  vifen  Obri»
ftien  Hannd  Jacob  Kolb  von  Steinverff  mit  etlichen  Standaren  v.
Bahnen  meldye  bereit8  eingelifert  worven,  deren  noch  mehr  befommıen,
aber  noch  nit  gelifert  vnd  Em.  Churfürftl.  Dohlcht.  alles,  wie  ed  in
diefem  Treffen  hergangen,  vndterthänigft  mündlid)  referiren  wird,  fo
fidy  papffer  und  fehr  wohl  gehalten,  in  dveme  Er  mit  feinem  Regiment
eben  im  anzuge  auf  den  feint  begriffen  gewelen,  vnd  nit  allein  vnfere
Meitter  auf  dem  rechten  Blügel  fo  zurudh  gemwichen,  fich  wider  zu  wen
den  gemacht,  fondern  audy  den  feint  darauf  reboussirt,  vnd  alfo  nit
wenig  verpracht  daß  man  die  Victori  erhalten,  die  Generals  Perfohnen
und  andere  hohe  officier  haben  bey  difer  occasion  alle  Ire  fchuldigfeit
getban,  vd  darben  Ir  Dapferfeit  und  Valor  wohl  erwißen,  pnd  hat
fi  dag  Bueßvoldh  fehr  wohl,  die  Reitterei  aber  auf  dem  rechten
        <pb n="217" />
        201

Slügel  fich  fehr  übel  gehalten  ond  burchgangen,  fich  aber  wider  ges
wendet  und  darauf  angefezt,  allein  Kann  ich  niemand  al  hHaubtfächlich
der  mwenigfeit  deren  babei  gewefenen  officier  weiln  derenfouil  von  ber
Böhmifchen  occasion  nocd)  gefangen  feind  die  fchuld  geben,  Ich  habe
aber  den  Obriften  anbefohlen,  andern  zum  fihredihen  und  Künfftig
Erempl  etlih  gemeine  Reitter  aufbenthen  zu  Taffen,  feind  von  vem
Beindt  nit  fouil  officier  alß  man  vermeint  gefangen,  fondern  meiften»
theil8  nivdergemacht  worden,  wie  dann  von  bem  alt  NRoftfchen  Negiment
in  allen  an  offiecier  ond  FReitter,  nit  veber  20  vauon  Kommen,  vnd
alfo  meiften  theild  Todt  gebliben,  oder  gefangen  worven,  auf  Bnferer
feithen  ift  Todt  der  Obrift  Beauuau,  der  Obriftlieut.  Angelody  vom
PBuchrifchen  Regt  fehr  verwundt  auch  ein  Haubtman  Sad  vom  meinem
Negt  Todt,  und  mein  Vetter  einer  von  Argenteau  vebel  gequetfcht,
wür  haben  ved  Trassi  ond  Tourenne  Negt  fo  nit  bey  dem  Treffen  ge:
weien  bey  Mergentheim,  welche  die  retirada  machen  follen  angetroffen,
felbige  Chargiren  laffen,  fo  aud)  gant  Caput  vnd  ruinirt  worden,  vnd
haben  alfobalden  ven  Obrift  Greig  mit  feinem  und  Spordhifchen  Regt
nacher  Schwäbifch  Hal  gefchiht,  vuıb  zu  fehen,  daß  Er  die  2  annody
vom  feint  dajelbften  hündterlaffne  halbe  Gartbaunen  befommen  möge,
3cy  aber  marchir  mit  der  armada  geg  dem  Rhein  und  mwerbe  dife  victori
proseguiren  auch  thun  waß  Immer  menfch  ond  müglich,  wie  dann  auf
die  1500  Pferbt  zu  100.  200.300  die  flücdhtige  zuuerfolgen  nachgefchickht,
hoffe  audy,  fhe  follen  noch  viel  gefangne  von  demfelben  einbringen,
maffen  auch  gleich  iezo  Ir.  Kürftl.  Dohl.  zu  Würzburg  mich  auisiren
laflen,  daß  die  ibenige  Kayf.  Reitber  fo  ver  orthen  Tigen  von  Inen
6  Standarten  eingebracht,  vnd  feheint  fye  fich  gegen  Heflen  wenden
werden,  habe  auch  dem  Salis  vd  Nußpaumifchen  Obriftleutenant  be»
fohlen,  mit  den  Salifchen  Völdbern  ond  fouil  Er  Dbrift  Leutenant
entpären  Kann  gegen  Bhiliypsburg,  mie  e8  auch  bereits  gefcheben  ift,
zu  auanziren,  werbe  auch  Sehen,  daß  bie'menigen  erther,  fo  ver  feint
dieffeitö  eingenommen  hat,  twiderumb  mögen  recuperirt  werben,  aud)
mich  ieverzeit  nach  de&amp;amp;  feintö  andamenti  Corportiren,  allein  vernim  ich
aus  bed  General  Maior  Nofen  und  andern  gefangen  officir  discursen
fouil,  daß  fye  bald  widerumb  ein  ftardh  Corpo  zufanımen  bringen  auch
mit  Inen  die  beffen  und  Königsmardh  fich  Coniungiren  werden,  mie
ed  fon  im  Werd  gewefen,  und  ift  nit  zu  zweifeln,  vaß  fomwohl
        <pb n="218" />
        202

Srandhreich  alß  die  hefien,  Königdmarcih  und  Schiveden  auf  Er.  Chf.
Durch.  Waffen  aufs  ıeufferfte  feierlich  Tosgehen  werden,  miürbt  :alfo
por  ohne  gehorfamfte  unfgebung,  Höhft  nothiwendig  fein,  Danıit  man
Schon  vije  Victori  erhalten  werbe,  nit  allein  mit  ven  neuen  Werbungen
fchleinigfi  fortfahren,  fondern  auch  dahin  fehen  möge,  Damit  difes
Corpo  df  alle  mitel  vnd  weg  geflereht  nuch  Ew.  CHurfurftl.  Dur.
fronliren  mit  Landt  und  geworben  Boldh  of  alle  mitel  und  weiß  wie
folche  zu  bekommen,  auf  alle  Künfftig  snentus  verfichert  werben,  Ich
vermeinete  auch  (iedorh  ohne  vudterthenigfte  maßgebung)  iezo  were  bie
rechte  Zeit,  Die  frivendmitel  zuerheben,  Wann  die  amnistia  publicirt
vnd  mit  allen  benachbarten  Batholifchen  vnd  Cath.  Stinden  eine  neue
ollienanz  ven  friden  zuerheben,  ober  rechte  defension  und  verfaßung  mit
deren  Zutbun  ergriffen  wurde,  Wann  nuch  Werber  herauffen  weren,
ztveifle  ich  nit  ed  wurben  fich  vil  von  den  gefangnen  onderhalten  Taffeu,
Sch  Taffe  die  VWöldher  zu  Bueß  jo  vom  feint  gefangen  worven  unfern
Negimentern  onderftoffen,  welche  wohl  werben  guet  thun  mueffen,  dann
warn  fhe  außreiffen  folten,  will  ich  von  Inen  praf  aufhenfhen,  nuc
felbige  wann  ed  vonnethen,  Thon  vorausfchicfhen  und  tobt  fehlagen  Iaffen.

Sonften  will  ich  wefen  mich  in  einem  vund  andern  fomohl’wegen
ben  gefangnen  officier  alß  fonften  weiter  zuuerbalten  haben  wirbt,  Ew.
Ehurfl.  Durchl.  gnädigften  befelch  gehorfamft  erwarthen.

Die  Lista  der  gefangenen,  wie  auch  ver  Tudten  Hab  ihn  dy  nit
haben  Können,  will  aber  felbige  undertäänigft  Hinnach  vberfchickhen.
Derfelben  zu  beharren  2c.

Em.  Ehurfürftliden  Durcjleucht

Bifchofshein  7  Mai  1645.

P.  S.

Auch  guädigfter  Churfürft  und  Herr,  hiebei  haben  Em.  Ehurffil.
Ducchl.  die  fachen  nu  de8  Trassi  Ganzlei  gnadigft  zu  empfangen,  von
denen  andern,  bab  ich  nicht8  befommen  Tönnen,  weiln  fye  dad  Schloß
zu  mergentheim  befett  gelafjen,  fo  ich  auch  erft  Hab  befchißen  müffen,
ondver  befjen  fye  alle  farhen  darin  verprent  haben.

Bnoertenigfter  gehorfambfter
%rant  von  MNoroy.
        <pb n="219" />
        203

om  nn  nn

2,

Summarifche  Belation,
deß  zwifchen  der  Chyr  Baperifchen  Meichd  Armada,  vd  der  Königklid)
frangöfifchen,  dem  General  Visconte  di  Tonrraine  vndergebenen  Armada
  (in  welcher  zugleich  das  von  Kerkog  Bernbarben  von  Sacıfen
Meimar  heriihrende  Corps  begriffen)  bei  dem  nädft  Mergeutheimb
gelegenen  Dorff  Serbithaufen,  ven  5  May  dife8  16%  Jahr  filrgangenen
  haupt  Treffend,  dvarinnen  ermelote  Tourrainifdhe  Arınada
geichlagen  worden.

Demnach  der  Königliche  Brantöftfche  General  Vi-Comte  de
Tourraine  unlangft  mit  feiner  untergebenen  Armada,  vermittelft,  der
bey  Speyer  gefchlagenen  Schiffprüden  über  MRhbein:  Bolgenbs  auch  bei
Marpacdh  tiber  den  Mefarftrom  gefebt,  die  Stadt  Schwäbifch  Hall,
Greiläheim,  NRobtenburg  an  ber  Tauber,  Mergentheim,  und  andere
mehr  Ort,  fo  der  Chur-Bapyrifchen  Reich3s  Armee  zum  Winterquartier
und  Unterhalt  angemwiefen  worden,  occupirt,  alfo  ermelter  Chur-Bapyrifchen
  Reichd-Armee,  ihren  angewiefenen  Unterhalt  guten  theil®
entgogen,  ift  ber  Ehurs-Baprifche  Feld-Marfchall  Krank  Wreyherr  von
Mercy,  verurfacht  worben,  ermelte  Reichs-Armee  (wiewohl  man  bamahl
  mit  Reinontierung  theild  Nenterey  im  Werd  begriffen,  und  noch
nicht  am  End  gemeft,  fo  viel  fenn  Eönte  zufammen  zu  führen,  und  zu
fehben,  mie  der  General  Vi-Comte  de  Tourraine  (melcher  fortan  je
langer  je  mehr  Drt  occupirt,  und  an  fich  gezogen)  an  fernerm  Brogref
behinvert:  Auch  zugleich,  bie  der  Bayrifchen  Meichd  Armava  anges
tviefene  Quartier,  und  nothwendige  Unterhaltss  Mittel  defenpirt  und
manuteniret  werden  £önten.

Zu  welddem  Ende,  und  ald  der  General  Vi-Comte  de  Tourraine
dad  Haupt»  Duartier  gu  Mergentheim  genommen,  feine  untergebene
Armada  aber  in  die  umligende  Städt  und  Duartier  logirt,  umd  aufs
getbeilt,  Vorhabens,  die  Bölder  und  Pferd  in  etwas  refrefchiren  zu
laffen,  und  alddann  noch  ferner  in  der  Neichd--  Armada  Dunrtieren  eins
zutringen,  auch,  wo  möglich,  gar  an  die  Donau  zurüden  ift  zu  Cons
tramandirung  deffen,  ermeldter  Keldmarfchal  von  Merey  jambt  venen
von  ber  Bapyrifchen  Reich3-Armada  verfammelten  VBöldern,  auch  mit
gebabter  Artillery  biß  nad  vem  Brandenburg-Anfpachifchen  Stäbtletn
        <pb n="220" />
        204

Beihtwang  gezogen,  allda  biß  alles  ajustirt,  und  zu  fernerem  Yortzug
angeftellt  worben,  etliche  tage  ftill  gelegen.

Wiervol  nun  unterbeffen  die  Tourainifche  in  Ereilsheim  gelegene
neu  Roftfche  tragoner,  die  nach  der  Bayrijchen  Armada  gangene  ProplantsFuhrer
  bey  Dinkelfpiel  angriffen,  und  davon  ein  Anzahl  Fuhr
Pferbt  meggenommen,  ift  jedody  der  Baprifche  Selpntarfchall  ven
4.  May  Abende,  allda  In  Beichtwang  mit  der  Armada  auffgebrochen,
und  in  aller  Stil  mit  zufammenhaltung  der  Völder  vamit  der  Gegenteil
  Hiervon  nicht  Kundfcbaft  befonme,  zwifchen  veffelben  Quartier
hinein  gangen,  felbige  Nacht  bei  ‘Pertfelden,  ungefehr  halben  Weg
zwifchen  Beichtwang  und  Mergentheim,  allmo  der  Brangöftfch  General
Vi-Comte  de  Tourraine  angeregter  maffen  dad  KHaupt-Quartier  gehabt,
  campiret,  von  bannen  den  5  May  nit  anbrechendem  Tag  abermahl
  In  höcfter  Still  6i8  auff  eine  Eleine  Meyl  von  Mergentheim
avancirt,  da  fie  bet)  dem  auff  der  Höhe  gelegenen  Dorff  Herbfthaufen,
etliche  Ejquadronen  von  ven  Gegentheil  in  Poftur  flehend,  angetroffen.

Al  nun  behvde  Theil  einander  wahrgenommen,  haben  fie  als
gleich  die  Battaglia  formiret,  und  ift  der  Ehur-Baprifchen  Reichs-Armada,
  Sancta  Maria  gegeben:  Folgend8  von  ermelter  Chur-Bapris
fhen  Armada,  die  Tourrainifche  in  ihrem  ingehabten  groffen  Vortheil,
mit  beroifcher  Refolution  angriffen:  ta  dann  gleich  Anfangs  des  General
  Vi-Comte  de  Tourraine  Infanteria,  melde  nädıft  an  einem  Walp,
und  theil8  gar  darinnen  geflanden,  über  Ddiefes  noch  tieffe  Weg:  und
Gräben  in  ihrem  Avantagio,  vor  fich  gehabt,  von  der  Bayrifchen
Infanteria,  fo  ®eneral  zeugmeifter  Sreyherr  von  Nutfchenberg  fehr
wohl  und  tapffer  angeführt,  zurüd,  und  aus  ihrem  Posto,  gefchlagen
worben.

AS  aber  darauff  ermeldter  NReih8-  Armada  Rechter  Klügel,
gegen  den  Tourrainifchen  Linken,  welcher  ebenmäfjtg  auff  einer  vortbeilhafftigen
  Höhe  geftanden,  über  ein  Wiefenthal  avancirt,  hat  folcher
  Tourrainifche  Iinfe  Klügel,  ald  in  deme  fie  damaln  die  meifte  Forza
ihrer  Cavalleria  befunden,  ermeldten  Ehur-Baprifchen  rechten  Klügel
gutentheil&amp;amp;  zurüid  getrieben,  und  weichen  machen.

Entzmwifchen  der  linke  Bayrifche  Flügel  auf  ven  Tourrainifchen
rechten  Wlügel  getroffen,  und  gegen  vemfelben  befjer  Süd  gehabt,
ermeldter  rechte  Bayrifche  etwad  gewichene  Flügel  aber,  ift  vom  Obrift
        <pb n="221" />
        205

Hank  Iakob  Kolben,  welcher  mit  feines  Regiments  3  Efquadronen
noch  dahinden  geweft,  und  in  diefer  Dccaflon  einen  fondern  Ruhm  verdient:
  Nachgehends  au  durch  etliche  Efquadronen  von  der  Reiche»
Armee  linfen  Flügel,  jo  der  General  von  ver  Cavalleria,  Freyherr  von
Wörth  rechter  Seit  auf  den  Chur  Bayrifrhen  weichenden  rechten  Klügel
geführt,  mit  zuthun  der  Infanteria  succurrirt,  alfo  endlich  die  Tours
rainifche  gante  Armada,  wiemohl  deren  Infanteria  in  gemeldten  Dorff
Herbfthaufen,  zum  anderumal  Posto  gefaft,  aber  der  Bayrifchen  Infanteria
  furi  nicht  Tänger  aufftehen  Eonnten,  in  völlige  lucht  gebracht:
4  Generald  Perfonen,  als  Beldmarfhall,  Gen.  Major  Rofa,  Vi-Comte
  de  la  Met,  und  Gen.  Major  Passage,  neben  andern  mehr
hoben  und  nievern  Officirern,  auch  vielen  gemeinen  Soldaten,  wie  ber--nach
  folgende  Designation  mehrerd  zuerfennen  gibt,  gefangen  worben.

Gen.  Vi-Comte  de  Tourraine  hat  fich  Anfangs  nach  Mergent«
heim  retiriret,  dajelbft  2  Regimenter  zu  Pferd,  melche  zu  fpat  zum
Treffen  Eommen:  Als  nehmlidy,  fein  eigen  Regiment,  und  bes  Gen.
Commissarii  und  Obriften  Tracei  Regiment  zu  ftelen,  und  damit
etwa8  Retirada  zummaden,  vermeynt.  8  hat  aber  die  Avanguardi  der
Baprifchen  Reich&amp;amp;-Armada  foldye  beyde  Regimenter  ebenmäfftg  schargirt,
  in  die  Klucht  gefchlagen,  und  mehrerntheil  ruinirt.

Felomarfchall  von  Mercy,  ift  nach  erhaltener  Victori,  von  ber
Wahlftapt  aldgleich  mit  der  ganzen  Armada  gegen  Mergentheim  bie
Victori  zu  prosequiren,  fortgangen,  und  bie  dafelbft  in  Schloß  gelegene
  200  Mann  fich  auf  Discretion  zu  ergeben  gezwungen.

Selbige  Nacht,  ald  den  5.  hat  Veld-Marfchall,  fambt  ver
Reichd-Armee,  um  Mergentheim  campirt,  jedoch  ohne  Zeitverfaumnuß
viel  unterfchiedliche  Truppen  ven  Tourrainifchen  Klüchtigen  nachgefchickt,
welche  Blüchtige  unterfchledliche  Wege,  wie  folchen  jedem  das  Glüd
oder  Unglüd  in  ver  Noth,  ungefehr  an  die  Sand  geben,  für  fich  ges
nommen,  und  haben  vie  jenige,  welche  fich  nad)  Seifen  retiriren  wollen,
theil8  zn  Mardbeint,  oberhalb  Ochfenfurth,  theil8  aber  ober,  und
unterhalb  Wertheim  durch  den  Mayn  (davon  doch  viel  erfoffen)  gefeßt,
theild  andere  über  den  Odenwald,  durch  die  Grafffchaft  Erpach,  und
das  Darmftättifche  auf  Beruftheim  am  Rhein,  theild  über  den  Neder
gegen  Philippsburg  begeben,  alfo  weit  auß  einander  zerftreuet,  daß
fein  Theil  wiffen  Fönnen,  wo  der  ander  Hinfommen,  davon  jebod)
        <pb n="222" />
        angeregte  von  Beld-Marfchall  Srepherr  von  Mercy  nadhgefchidt  unter»
Ichiebliche  Truppen,  noch  gar  viel  erellet,  nienergemadht  und  gefangen.

In  Specie  bat  ver  fjeiger  Zeit  in  Hehdelberg  ligende  Obrift:
Lieutenant  PBiffinger,  bey  Epping  in  der  Undern  PBfalk  von  dem  Buebrianifchen
  Regiment  bey  100  Reuter  ruinirt,  von  dem  Witrgenfteink-[hen
  Regiment  ein  Anzahl  Gefangene  befonmmnen.

Der  Nußbaumifche  Dragoner  Obrift  Lieutenant  Gabor  aber  in
Würtenberg  in  200  $rangofen  zu  Buß,  und  40  zu  Pferdt  nivergehaut,
auch  88  gefangen.

Und  weilen  eben  vamablen  von  der  Kapferlichen  Armada  etliche
Pegimenter  nach  Böhaimb  in  Sranden  in  ihre  dafelbft  habende  Diusartier
  fi)  in  etwa  zu.  refraischaren  gefchirft  werden,  und  fie  «ilport  in
Sranden,.  ehe  dann  fie  fidy  in  ermeldte  ihre  Quartier  außgetbeiht,  am
wiffend  dep  fürgangenen  KauptsTreffend,  noch  beyfanımen  geftanden,
jeyen  folche.  Kayferliche  Negimenter,.  der  dur  ven.  Mayn  grefegten
flüchtigen  Teind-Bolder  gewahr  worden,  auff  felbige  loß  gangen,
deren  viel  niebergehaut,  gefangen,  und  von  ihnen  6  Standarten  fambt
etlichen  gelavenen  Maul-Efeln,  und  guien  Beuten  erobert.

Der  Bayrifhe  Dragoner  Obrift  Sreuß,  welcher  fambt  feinem
auch  dem  Spordifchen  Regiment  zu  Pferde,  vom  Weln-Barfhallen
auf  die  Tourrainifche  zu  Schwäbifchen  Hal  gelegerren  Böhder  „  welche
nicht  bey  dem  Treffen.  gewefi,  commandirt  worden,  hat:  folde  Tourrainifche
  Vülder,  die  in  200  zu  Pferde,  und  200  zu  Buß  beflanben,
und  zwey  halbe  Garthaunen  bey  fi  gehabt,  eben  in  ihrem  Abzug  im
Sindringen  am  Kader  angetroffen,  dad  Yußvold  niedergehaut,  die
Reuter  gefchlagen,  und  theild  gefangen,  alfo  daß  gar  wenig:  fick  mit
ber  Slucht  salviren  Eöndten.

It  alfo  von  ermeldter  Toarrainifchen  Arınada  bie  Infanterie
totaliter:  die  Reutereh  aber.  mehrentheil  ruinivt  worden,  wie  dann  von
folder  Tourrainifcher.  Armada  die  Wahlflatt  bei  Gerbfthaufen  voder
Todten  gelegen,  und  ffch  darumter  ven  äufferlichen  Umptänden  nach  viel
vornehme  Leuth  un®  Hohe  Officier  befunden,  welche  man  banal,
weil  die  Beyrifhe  Armada  zu  Prosequirung  der  Biftori  gleich  fürtgerudt,
  noch.  nicht  erfennen  Eöndten.,  vo)  hernächft  erfahren  mwurket.

Bon  ermeldter  Ehurbaprifchen:  Neih3-Armada,  find  in  allem
nicht  ber  300  Mann,  darunter.  von  Dfficierern,  Obrifter  Beauvau,
        <pb n="223" />
        -—-  —  nn

Hauptmann  Argenteav,  hauptmann  Sad,  Kehde  von  Helr-Marichell
von  Merey  Regiment  neben  »en  Greußifchen  Dragoner  hauptmana
Bupert  fort  gebliebn.

Und  hat  in  diefer  Haupt-Occasion  ermeldter  Bahrifcge  Kein
Maufhal  Sreyherr  won  Mercy  feinen  funverbahren  Valor,  Enfer,
Vorfihtig-  und  Tapfferkeit  Iöblicy  erfcheinen  laffen:  Ingleihen  bie
andere  Baprifche  Oenerald-Perfonen,  ale  ver  General  von  der  Meuterey
Johann  Breyherr  von  Werth,  General  Zeugmeifter,  Johann  Breyberr
von  MAuifchenberg,  beide  General  Wachtmeifter  Heinrich)  Ehriftoph
Geyling,  und  Clauß  Dietrich  Freiherr  von  Sperreuth,  fambt  andern
Obriften  und  Offieieren  ihren  devoir  rüuhmfich  ermolefen,,  dann  aud)  die
Bayrifche  Artigleria  in  währender  Action  mol  gefpielt.

Die  gefungene  gemeine  Solvaten  von  der  Tourrainifchen  Armada
haben  fich  mehrentheild  unter  vie  &amp;amp;hur  Bayrifche  Reich&amp;amp;  Armada  gutwillig
  unterftellt.

Summarifche  Verzeichnif  der  Gefangenen,  item.  eroberten
Artilleria,  Standarten  und  Käbhnlein.

Gefangene:
Herr  Held-Marihall  Schmibtberger.
Herr  General  Major  Rofa.
Gerr  General  Major  Visconte  de  la  Met.
Herr  Genstal  Disjor  Passage.
3  Oberfte  Lieutenant.
6  Oberfte  Wachtmeifter.
32  Rittmeifter,  und  hauptleuth.
38  Lieutenant  und:  Gornet.
104  ®eneine  Offizier.
Vnngefehr  auff  2500  gemeine  Reuter  und  Bußfnecht.

Artilleria.
2  halbe  Barthaunen.
4  Kaltbonen
Sampt  der  Munition.
Stanvarten  und  Yähnlein,  feynd  bißher  gelieffert  in  allen  58.
aber  wol  mehr  erobert  worden,  fo  vermuthlidy  die  Offieirer  und  See
        <pb n="224" />
        208

daten  zur  Fünftiger  memori  hinderhalten.  Neben  veme  zu  merken,
daß  die  Srankofen  nicht,  wie  die  Teutfche,  bei  jeder  Compagnia  ein
Fähnlein,  fondern  bey  einem  ganzen  Regiment,  nur  ein  oder  zieh
Fähnlein  führen.

&amp;amp;o  hat  ermeldte  Tourrainifche  Armada  alle  Pagage  Wägen  im
Stich  gelaffen”).

3.

Nelation  des  Treffens  bei  Mergentheim  in  Namfjays  histoire
du  Vicomte  de  Turenne.

(In  das  Deutfche  übertragen.)

Marienthal  fchien  ihm  der  fchiklichfte  Drt  zur  Errichtung  eined
Hauptquartierd.  Diefer  Ort  war  von  mehrern  fleinen  Städten  um
geben,  von  welchen  man  Subfiftenzmittel  beziehen  fonnte,  und  befand
fih  in  der  Nähe  ver  Staaten  der  mit  Sranfreich  gegen  da8  Haus
Defterreic;  verbündeten  Landgräfin  von  Heffen,  deren  Armee,  wenn  fte,
wie  er  hoffte,  zu  der  feinigen  ftieß,  die  Verftärfung  erfegen  follte,
welche  er  vergebens  vom  Cardinal  erbeten  hatte.  Biß  zu  diefer  Bereinigung
  glaubte  er  feine  von  fo  vielen  Strapagen  und  verfchlevenen
Märfchen  ermübeten  Truppen  in  Marienthal  ausruhen  Iaffen  zu
müffen.  Da  ed  noch  fein  Grad  gab,  fo.  waren  die  Offiziere  der  Meinung,
  daß  man  der  Reiterei  erlaube,  ftch  in  vie  Fleinen  umliegenden
Städte  zu  vertheilen,  mo  fte  Kourage  finden  und  beffer  beftehen  fonnten.
  Türenne  flellte  ven  Offizieren  mehrfach  vor,  daß  fie  ftch  in  einem
Lande  befanden,  veffen  Einwohner  man  für  eben  fo  viele  Seinde  halten
müffe;  daß  er  leicht  von  den  Spionen  hintergangen  werben  Tünnte,
welche  natürlicherweife  mehr  auf  Seite  ihres  Volks,  ald  auf  Seiten  der

*)  Den  7  May  bericht  er  (nämlich  Jean  de  Wörth)  aus  Bifchofsheimb,
  daß  Er,  unnd  der  Beldtmarfchall  Mercy,  beim  Dorf  Zerbfhaufen
2  Stund  von  Mergentheim  die  franzöfifch-weinmarifche  Armee  in  Ihrem
Vortl  mit  gefchtwinder  Resolution,  vnd  guet  herzhafften  Mueth  angegriffen,
faft  ehunder,  alf  in  einer  Stund  ganz  vfs  Haupt:  unnd  aufm  DVeldt  ge:
Schlagen,  worbey  4  Studh,  vill  Fandl,  Standarten,  vunnd  anders  erobert
worden.
        <pb n="225" />
        209

Bremden  mären,  die  um  fie  zu  verderben  erfcbienen  wären;  daß  die
feindliche  Armee,  weldye  mit  fo  großer  Eile  nach  Bayern  marfdirt
wäre,  dort  neue  und  ganz  frifche  Truppen  finden  würde,  daß  viefe,
da  ihnen  der  Rüdzug  frei  jtünde,  fte  überrafchen  könnten,  daß  es  mit
einem  Worte  weit  ficherer  fei,  beifanımen  zu  bleiben,  und  daß  man  fich
damit  begnügen  folle,  ftarfe  Derachement8  zum  Kouragiren  in  die  Umgegend
  zu  fdhiden.  Die  Offiziere  antworteten,  daß  died  nur  noch  ein
neue8  Mittel  fei,  um  Menfchen  und  Pferde  vollends  umzubringen,  daß
ein  großer  Theil  ihrer  Meiter  unberitten  fei,  daß  fie  an  den  verfchiedenen
  Orten,  mo  fie  Bingeben  wollten,  Pferde  zu  kaufen,  finden  wir:
den,  daß  ver  Veind  mindeftend  16  Stunden  meit  entfernt  fei  und  fich
nicht,  ohne  daß  man  davon  unterrichtet  würde,  nahen  fünne.  Der
®eneralmafor  Rofen  vereinigte  fi  mit  den  Offizieren,  um  in  ihn  zu
dringen,  ihrer  Anficht  nachzugeben.  Xürenne  widerftand  von  Neuem;
endlich  aber  beftimmten  ihn  die  Zurcht,  die  Cavallerie  zu  fehr  leiden  zu
laffen,  da  er  münfchte,  viefelbe  bald  wieder  bergeftellt  zu  fehen,  und  die
Entfernung  des  Beinvded,  fo  Iebhaften  Bitten  nachzugeben.  Doc  um
fich  feinem  lieberfalle  von  Seiten  der  Bayern  audzufegen  und  nichts
aufs  Spiel  zu  feßen,  ohne  alle  denkbaren  Vorfichtäimaßregeln  ergriffen
zu  haben,  gab  er  mehrern  Offizieren  Reiterabtheilungen,  un  an  verhiedenen
  Orten  zu  recognodeiren,  waß  der  Beind  machte.  Alle  viefe
Abtheilungen  meldeten  ihm,  daß  die  Bayern  vereinzelt  wären  und  fi
an  den  verfchiedenen  Orten,  wo  fie  im  Lager  wären,  befeftigten.  Trog
aller  diefer  Vorfichtämaßregeln  fürchtete  er  immer  irgend  einen  Unfall,
behielt  dad  Gefhüß  und  die  Infanterie  bei  fih,  Tieß  NRofen  mit  feiner
Reiterei  von  Rothenburg  fommen  und  wollte  nicht,  daß  fich  die  Reis
terei  mehr  wie  3  Stunden  meit  von  Marienthal  entfernte,  welche  er
zum  Sauptquartier  gemacht  hatte.  Er  verlegte  feine  zwei  Cavallerie-Regimenter
  fehr  weit,  das  eine  nach  Bayern  zu,  um  die  Bewegungen
der  Armee  Merch’8  zu  beobachten,  das  andere  nad  Branfen,  um  bie
zu  beobachten,  weldye  die  Befagungen  diefes  Kreifed  etwa  machen
fönnten.

Kaum  Hatte  er  feine  Armee  jo  vertbeilt,  ald  er  fih  auch  fchon
Vorwürfe  darüber  machte.  Er  Hagte  fih  felbft  an,  zu  nachgiebig
gegen  feine  Offiziere  gewefen  zu  fein,  und  glaubte  den  ihm  gemachten
Napportd  Feinen  Glauben  fehenfen  zu  dürfen.  Um  fich  perfönlich  zu

14
        <pb n="226" />
        210

überzeugen,  nahm  er  am  folgenven  Tage  vie  Keldwache  feineg  Quartierd
  und  ging  3  Stunden  welt  von  Marienthal  auf  dem  Wege  vor,
auf  welchen  der  Beind  Fommen  mußte,  wenn  er  ihn  angreifen  wollte,
Nachdem.  er  fehr  fpät  zurückgekehrt  war,  erfuhr  ev  am  2.  Mai  um
2  Uhr  nad;  Mitternacht  von  einer  Abtheilung,  welche  er  gegen.  Feuchtwangen
  gefchieht  hatte,  daß  Mercy  fchleunigft  mit  feiner  ganzen  Armee
norrüce.  Tirenne  befahl  auf  der  Stelle  allen  Duartieren,  nad  Serbfthaufen.
  zur  rüücden,  einem  Dorfe,  wofelbft.  fidh  die  Seldiuache  befand,
1%&amp;amp;  Stunden  von  Marienthal  und  der  Mittelpunft,.  von  weldyem  alle
Quartiere  am  wenigften  entfernt  waren;  er  befahl  den  General  Rofen,
fh  dahin  zu.  begehen,  um  die  Truppen,  fü  wie  fie  anfonmen  würben,
zu  empfangen.  Die  Befchaffenheit  de3  Terraind  war  fehr  giünftig,
wenn  Rofen.  naffelbe  benust  hatte.  Un  der.  Spike  ver  Selnmadhe  Gefand
  fidy  ein  5.  bid  600  Schritt  Ianges  Holz  und  jenfeits.  eine:  fhöne
Ebene,  Die  die  Bayern  pafftren  mußten,  um  die  Brangofen  anzugreifen.
Nofen  hätte  dieffeitd  ned  Holzes.  bleiben  follen,  den  Eingang  mit  einigen
Botaillonen.befegen,  um  ben  Feind  zu  verbinvern  zu  merken,  daß  bie
Armee  noch  nicht  beifanımen  war;  er  glaubte  aber  nicht,  dap  Merch
thon  fo  nahe  fei,  ging  durd)  dag  Holz  und:  war  fon  Im.  Begriffe,.  einige,
Regimenter  in:  der  Ebene.  aufzuftellen,  ald  Zürenne  ankam.  unn  ben
Behler  bemerkte,  den.  diefer  Offizier  gemacht.  hatte;  er  wollte.  ihn  aber
wieder  gut.  machen  und  den  Truppen  Kefehlen,  durch  ons  Holz  zurüdzugehen.
  Doc  al&amp;amp;  er  im  nämlichen,  Augenblicke  die  bayerifche  Auants.
garde  bemerkte,  melche  aus  einem  14  Stunde  vor  ihm  liegenden:  zweiten.
Holze  im  breiter  Iront  vorrücte,  faher  ein,  daß  er  nicht  mehr.  Zeit
genug  hatte,  feine  Stellung:  zu;  verändern,  und  machte  auf  ver  Stelle
feinen  Plan.  Ed.  maren.  noch  nicht  mehr:  wie  300U  Dkann-  feiner  Infanz
fanterie  und  7  bi8  8  Meiterregimenter  in-ver  Ebene  angekommen.  Tiürs
renne  beulihte  alle  Bortbeile  de  Tairrgins,  er  verlegte  feine:  Infanterie
auf  dan  rechten  Shügel:  in  ein:  Kleines  Geholz  und  ftellfe  zwei.  Schwahrenen:
  zur  Unterftügung.  pabinter;  den  Kinken.  Flügel.  bildete  er:  au&amp;amp;  der
fammtlichen  übrigen  Reiterei,  die  er,  mit  Ausnahme  von  zwei  Scmas
beonen,  welche  am  großen  Solze  ftauden,  in  eine  Linie  aufitelite.  .  Rofen
ftellte.  fih  an  die  außerfte-Nechte  und  Türenne  an.  die  außerfte  Linke
biefer  Linie.  Im  diefer:  Stellung  entyarteten.  fie:  den  Veind

Merch  breitete  fich  balı  in  der  Ebene  aug,  ftellte  fich  In.  Schladit-
        <pb n="227" />
        211

ordnung,  feine  Infanterie  in  dad  Gentrum  und  die  Reiterei  auf  beide
Slügel.  Nachdem  er  die  Sranzofen  eine  Zeitlang  mit  Gefcehih  befchoffen
hatte,  fah  er,  vaß  feine  Artillerie  Feine  befondere  Wirkung  hervorbrachte
und  daß  jeden  Uugenbli  neue  Truppen  anfamen,  welche  zulegt  ihre
Armee  der  feinigen  hätten  gleich  jtar&amp;amp;  machen  Eönnen;  er  jtellte  fich
daher  an  die  Spite  feiner  Infanterie  und  griff  das  Kleine  Holz  an,
vejfen  er  fich  durchaud  bemächtigen  mußte,  um  feinen  von  Johann  von
Worth  brfehligten  linken  Zlugel  agiren  laffen  zu  fönnen.  Türenne
ging  gleichzeitig  niit  feiner  Reiterei  gegen  ben  rechten  feindlichen  Shügel
vor,  er  warf  ihn,  bemachtigte  fi)  des  Gefchüßed,  nahm  12  Standarten,
machte  mehrere  Gefangene  und  drang  bi8  zur  zweiten  Linie  vor,  melche
er  erfchütterte.  Anders  ging  ed  mit  den  3000  Dann  Infanterie,  welche
der  Generalmajor  Rofen  anführte,  während  Türenne  den  redjten  Slüs
gel  mit  fo  vielem  Erfolg  angriff,  hatte  fich  die  Infanterie  Nofen’s,  ala
fle  fah,  daß  die  gegen  fie  anrudende  bayerifche  Infanterie  ihr  an  Zahl
fehr  überlegen  war,  von  Furcht  ergriffen,  zugleich  mit  den  2  Sihivadronen,
  welche  fie  unterftügen  follten,  in  größter  Unoronung  in  dag
Fleine  Solz  geworfen.  Die  Bayern  drangen  hinein,  fprengten  diefe
Infanterie  ganzlid)  auseinander  und  nahmen  Nofen  gefangen.  Johann
von  Wörth,  diefe  Unyronung  benußend,,  Fieß  feinen  ganzen  linfen  &amp;amp;lügel
  vorgehen  und  fing  an  fich  Dinter  den  fiegreichen  lugel  Türenne’8
aufzuftellen,  um  ihn  in  Nüden  zu  nehmen.  Iürenne  bemerfte  diefe
Bewegung,  und  da  er  fahb,  daß  er  in  Oefahr  war,  eingefchloffen  zu
iverven,  ließ  er  feine  Reiterel  eine  Vierteldfchwenfung  machen  und  befahl
  ihr,  fich  zuräckzuziehen.  Er  felbft  ging  mit  nur  zmei  ober  drei
Dffzieren  durch  das  Holz  und  fand  jenfeits  die  drei  Envallerieregimenter
Dinas,  Beruvan  und  Trach,  welche  eben  anfamen.  Zu  diefen  Regimentern
  ftießen  bald  12  bis  1500  Reiter,  welche  eben  im  Öefecht  gewefen
waren.  Türenne  ftellte  fle  in  Schlachtoronung,  entfchlofjen,  ven  Seind
nochmals  anzugreifen,  wenn  er,  um  ihn  zu  verfolgen,  burdy  dad  Holz
gehen  follte.  Die  Bayern  aber,  erftaunt  über  feine  Beharrlichkeit,
wagten  nicht  weiter  vorzugehen.

Nun  machte  Türenne  den  Plan  zu  einem  Rüdguge,  welcher  ihm
eben  fo  viel  Ehre  machte,  wie  ein  Sieg.  Er  beauftragte  Deauregards
Chabry,  die  Infanterie  zu  ralliren  und  biefelbe  ohne  Aufenthalt  geraden
  Wegs  nach  Philippsburg  zu  führen,  mit  den  Befehl,  fie  ihm

14*
        <pb n="228" />
        212

alddann  in  die  Landgrafichaft  Heffen  zuzuführen,  mohin  er  mit  feiner
Reiterei  zu  geben  befchloß.  Zu  gleicher  Zeit  befahl  er  dem  Marquis
Beauvau,  die  ganze  übrig  bleibende  deutfche  Reiterei  mit  feinem  Negis
mente  von  Marienthal  nad)  dem  Main  zu  zu  führen  und  von  da  nad)
der  hefitfchen  Grenze.  Er  felbjt  blieb  mit  den  beiden  Negimentern
Dunad  und  Tracy  zur  Dedung  des  Rüdzugs  zurud,  und  um  dem  Refte
feiner  Truppen,  welche  aud  den  entfernteften  Quartieren  famen,  Zeit
zu  lafjen,  über  ven  Tauber  zurüdzugehen.  Er  zog  fld)  darauf  in  giems
lich  guter  Ordnung  läng8  viefed  Sluffes  zurüd,  immer  genedt  und  oft
genöthigt,  feine  Truppen  megen  ver  verfperrten  Wege  zu  theilen,  fo
daß  er  oft  nicht  mehr,  ald  einige  zwanzig  Reiter  bei  fich  Hatte.  Er
rallirte  troßdein  recht8  und  linfö  alle  die,  welche  fich  zu  weit  entfernten,
und  machte  oft  Kehrt,  um  die  Bayern  zurüdzutreiben,  bot  ihnen  bei
allen  Defileed  vie  Spige,  ging  über  den  Ahein  und  erreichte  endlich  vie
hefiifche  Grenze,  wo  er  fidy  mit  dem  Refte  feiner  Armee  vereinigte,  nach
einem  Verlujte  von  dem  größten  Theile  feiner  Infanterie,  1200  Pfers
ven,  feined  ganzen  Gefchüged  und  fämmilicher  Bagage.

4,

Maximilian  ır.

Eoler  lieber  gethreuer,  Wür  haben  Eur  fchreiben  vom  7  diß  eins
pfangen,  vd  daraus  wie  auch  auß  der  obriften  Hann  Jakob  Kolben
abgelegter  mündtlicher  relation  miehrerd  vernommen,  wie  ed  mit  der
5  dieß  wider  die  Sranbofen  erhaltenen  glidlichen  victori  darumb  dem
Allmecdhtigen  hocher  Dandh  zufagen,  abgeloffen.

Sleich  wie  wir  nun  bißher  in  allen  occassionen  Euer  fonverbas
ren  valor,  Vorfichtigfeit,  Dapferfeit  und  ruhemblichen  eyfer  zu  gnebigfter
  Satisfaction  eröffnet,  Alfo  gereicht  unß  zufonderbarem  Wohlgefallen,
das  Ir  joldhen  ond  Eurem  vorhin  ermorbnen  ruhemb  in  diefer  Occasion
auch  Toblich  vermehrt,  und  dardurch  dem  NRömifchen  Reich  onß  vnd
dem  allgemeinen  Wefen  einenerfprießliyen  Dienft  erwielen.  Deromegen
MWür  das  genaigt  vnd  erbiettig  folcher  vmb  euch  in  gnaden  und  allem
guetten,  mit  denen  Wür  euch  ohne  das  wolgemwogen  zuerfhennen.  Dat.
München  den  13  May  1645.
        <pb n="229" />
        213

mn  om

Betrachtungen  über  das  Treffen  Bei
Mergentheim.

Als  Türenne  lange  Zeit  nad  dem  Treffen  bei  Mergentheim
  über  die  Urfadhe  des  DVerluftes  deffelben  gefragt  wurde,
gab  er  zur  Antwort,  diefer  Unfall  fet  Dadurd  herbeigeführt
worden,  daß  er  zur  Ungeit  ten  ungeftümen  Bitten  feiner
Dffiziere  nadgegeben  und  feine  Truppen  in  die  Winterguartiere
  verlegt  habe.

In  diefen  Winterquartieren  hoffte  Türenne  bis  zur
Vereinigung  mit  den  Zruppen  der  Landgräfin  von  Heffen-Gaffel
  zu  verbleiben  und  während  diefer  Zeit  feine  von  fo
vielen  Etrapazen  ermatteten  Truppen  in  Mergentheim  aus
ruhen  zu  laffen.  Die  Armee  war  damald  12,000  Mann
ftarf  und  führte  15  Gefhübe  mit  fih.  Da  Mergentheim
nit  im  Stande  war,  fämmtlidhe  Truppen  aufzunehmen,  fo
waren  die  Offiziere  der  Meinung,  daß  man  die  MReiterei  in
Die  umliegenden  Ortfhaften  vertheilen  möge,  wo  fie  Fourage
  finden  und  daher  beffer  beftehen  Fönne.  Türenne  wollte
diefer  Anfiht  anfänglid  nicht  beitreten,  indem  er  hervorhob,
daß  Mercy  fih  in  Bayern  mit  neuen  Truppen  verftärft  habe
und  von  diefer  Seite  einer  baldigen  Dffenfive  entgegen  zu
fehen  wäre,  und  daß  es  deshalb  beffer  fei,  anftatt  fih  in
der  Umgegend  zu  zerftreuen,  ftarfe  Detahements  auf  Fouragirung
  auszufhiden.  Die  Offiziere  follen  gänzlich  gegen  biefen
Borfhlag  gewelen  fein  und  venfelben  gerade  ald  Mittel  betradhtet
  haben,  um  Menfhen  und  ‘Pferde  vollends  zu  Grunde
zu  ridhten.  Ueberdbieds  war  ein  großer  Theil  der  KReiterei
unberitten,  weldhe  fi)  in  den  benadhbarten  Drtfchaften  remontiren
  fonnte,  und  die  Bayern  im  geringften  16  Stunden  entfernt.
  As  fi)  enplih  Generalmajor  Rofen  mit  den  Offizie:
ren  vereinigte  und  biefe  neuerdings  in  Türenne  drangen,  ber
ftimmte  ihn  die  Furt,  daß  feine  herabgefonmene  Reiteret
gänzlih  zu  Grunde  gehen  möge,  zur  Nachgiebigfeit,  und
er  verlegte  feine  Truppen  in  ausgedehnte  Bantonnirungss
quartiere,  So  fam  dad  Regiment  Rofen  vier  Stunden
        <pb n="230" />
        214

von  Mergenthein  und  andere  Negimenter  noch  nuf  zwei  bie
breit  Stunden  weiter.

Diefe  bequeme  Verlegung  der  frangöfifhen  Truppen,
bemerkt  Napoleon,  welde  zwar  nidt  nothwendig  war,  fel
aber  au  nicht  der  Hauptfehler  Türenne’d  gemwefen.

Wenn  audı  diefe  weitläufige  Verlegung  nad)  des  großen
Katferd  Meinung  fein  Hauptfehler  war,  fo  war  es  unferer
Anfiht  nad)  doc  ein  großer  Fehler,  im  Angefihte  eines  fo
unternehmenven  Gegners,  wie  Mercy  war,  die  Armee  zu
zerftreuen.  Türenne’d  Eorglofigfeit  und  Nadigiebigfeit,  zwei
Eigenihaften,  weldhe  im  Kriege  ftetd  mit  den  übelften  Folgen
begleitet  find,  befonderd  wenn  man  es  mit  einem  Gegner  ju
thun  Hat,  der  die  Bewegungen  ded  Yeinded  mit  dem  größten
Charfblide  verfolgte  und  aus  jeder  Blöße,  die  derfelbe  darbot,
  den  größten  Bortheil  zu  ziehen  verftand,  waren  lUlrfade
der  Niederlage  bei  Mergentheim,  welde  FYeldmarfhall  Mercy’s
Rorbeerfrang  mit  einem  der  jchönften  Blätter  zierte.

Diejer  Hauptfehler,  fagt  Napoleon,  liege  vielmehr  in  dem
falihen  Verfammlungspunfte,  welden  Threnne  feinen  zerfireut
herumliegenden  Truppen  anmied.  Anftatt  bei  Herbfthaufen,
welhes  auf  den  Borpoften  gelegen  habe,  hätte  Tirrenne  bei
Mergentheim  feinen  Truppen  ihren  Lärmplak  anweijen  follen,
wofelbit  die  Armee  vier  Stunden  eher  hätte  verfammelt  fein
fonnen  und  durdh  die  Tauber  gebedt  gewefen  wäre.  MWapoleon
  ftellt  hierbei  ala  Grundjag  auf:  „daß  ein  General  feine
Truppen  ftetd  auf  einem  vom  Feinde  entfernteften  unDb  gegen
ihn  am  melften  gefiherten  Bunft  verfammeln  müffe”.

Den  Plan,  welhen  der  bayerifhe  Feldherr  zum  Jwede
des  1leberfals  der  franzöfifhen  Duartiere  entwarf,  verbient
dad  größte  Lob  und  zeigt  von  großer  KHühnheit  und  feltner
Borausfiht,  worauf  bei  ver  FKriegführung  fo  viel  anfommt.
Als  er  nämlih  in  der  Rihe  von  Feuchtwangen  Radhridi
von  den  ausgedehnten  Owmartieren  erhlelt,  weldye  bie  franzbfifhen
  Truppen  bezogen  hatten,  entihloß  fid)  der  bayertfche
Oberfeldherr,  diefe  Duartiere  zu  überfallen  und  dadurd  vielleide
  ein  Seitenftüd  zu  dem  von  Tuttlingen  zu  liefen.  Zu
        <pb n="231" />
        215

biefem  Zmede  vereinigte  er  feine  Zruppen  bei  Feuchtwangen,
Brady  den  4  Mat  Abends  mit  den  erforberlichen  Sicherhettsmaßregeln
  gegen  bie  feindfihen  Duartiere  auf  und  erreichte
in  fpäter  Naht  über  Dorfgätingen  und  Öberöftheim  das
Dorf  Bettenfeld,  wofelbft  die  Armee  In  Scladtorbnung
eampirte.  Am  5.  Mat  mit  andredendem  Tage  rüdte  bie
Armee  bis  auf  eine  Melle  an  Mergentheim.  Türenne,  wel
her  Hiervon  Nadıridyt  erhalten  Hatte,  fuchte  feine  Truppen
bei  Herbithaufen  zu  verfammeln,  was  ihm  fedodh  nur  theilweife
  gelang,  da  mehrere  Truppenabtheilungen  nicht  einmal
den  Befehl  zum  Verfammeln  erhielten.  Hieraus  Iäßt  fid)
fhliegen,  daß  der  Anmarfh  der  Bayern  im  frangdfiichen
Hauptauartiere  eine  bedeutende  Verwirrung  hervorgebradit
haben  mußte.  Es  fchelnt  alfo,  daß  viefer  Anmarfch  für  bie
Stangofen  überrafihender  war,  als  diefelben  in  ihren  verfchies
denen  Relationen  über  biefes  Treffen  angaben.  Dem  Mar:
hal  Zürenne  blieb  nichts  anderes  übrig,  als  die  Vortheile
des  Terrains  fo  gut  ald  nur  immer  möglid  war  zu  be
nußen.  Der  rechte  franzdfifhe  Wlügel,  aus  Snfanterte  beftes
benb  und  in  einem  Treffen,  befand  fih  in  einem  Fleinen
Gehölze  nahe  bei  dem  Dorfe  Hollenbadh;  hinter  diefem  Ge
hölfe  landen  zwei  Escabronen  Reiter  in  Referve.  Der  Iinfe
Flügel,  gleihfalls  in  einem  Treffen,  beftand  aus  Reiterei,
hinter  welcher  fih  zwei  &amp;amp;scabronen  in  Neferve  befanden,  Die
Artillerie  war  noh  im  Marfhe  von  Mergentheim  ber  und
nahm  feinen  Theil  am  Gefechte.

Als  Mercy  über  Bartenftein  hinausgefommen  war,  ftellte
er  feine  Armee  in  Ehlahtordnung.  Die  Infanterie  im  Gen:
trum,  die  Reiterei  auf  beiden  Flügeln,  Alles  in  zwei  Treffen.
Hinter  der  Mitte  befanden  fi  drei  Escadrond  unter  dem
Dbriften  Kolb  in  Referve.  Die  Artillerie,  aus  neun  Ge:
fhügen  beftehend,  war  in  drei  Batterien,  jede  zu  drei  Oefhigen,
  vor  dem  Centrum  placttt.  Die  Munitiondreferve
und  die  Badmagen  waren  bei  Bartenftein  zurüdgeblieben  und
wurden  von  zwei  Escadrond  escortirt.

Die  Frangofen  hatten  faum  die  vorertwähnte  Pofttion
        <pb n="232" />
        216

eingenommen,  al  auh  fhon  Mercy  gegen  fie  heranrüdte
und  das  Treffen  mit  einer  lebhaften  Kanonade  eröffnete.  Als
jedvod  Mercy  fah,  daß  diefelbe  Feinen  befonderen  Effect  hervorbradite,
  ftellte  er  fid)  an  die  Epige  feiner  Infanterie  und
griff  das  Fleine  Geholz  an,  in  deffen  Befiß  er  fid  um  jeden
Preis  fegen  mußte,  um  daburd)  feinen  linfen  Cavallerieflügel
agiren  Iaffen  zu  Fonnen.  Naddem  die  frangöfifche  Infanterie
jene  der  Bayern  gegen  das  Geholz  anrüden  jah,  gab  fie  eine
Deharge,  worauf  fih  die  Bayern  mit  Ungeftum  in  das  Ge
hölz  warfen  und  die  Sranzofen  nah  Furzem  Widerftande  aus
demfelben  repouffirten.

Mährend  Mercy  Alles,  was  ihm  gegenüber  ftand,  über
den  Haufen  warf,  hatte  Türenne  einige  Bortheile  über  den
bayerifhen  redıten  Flügel  errungen,  welde  ihm  jedoch  durd
den  bayerifdyen  Obriften  Kolb  entriffen  wurden,  welcher  mit
den  drei  in  Neferve  geftandenen  Escadronen  dem  berrängten
Flügel  zu  Hilfe  eilte.  Der  linfe  bayerifdhe  Cavallerieflügel,
welder,  wie  fhon  gefagt,  nad  Räumung  des  Gehoölzes  un«
gehindert  agtren  fonnte,  hatte  das  Geholz  umgangen  und  fid
im  Rüden  Türenne’3  aufgeftellt.  Diefe  Beivegung  war  ent«
fheidend  und  nöthigte  den  frangöfifhen  General,  nah  großem
Verlufte  das  Scladytfeld  zu  verlaffen.  Mercy  feinerfeits
befegte  Mergentheim,  während  Zürenne  fidy  beeilte,  da8  Gebiet
  der  Lardgräfin  von  HeffenEaffel  zu  erreichen.
        <pb n="233" />
        VI.
Die  Schlacht  bei  Mllerbeim

am  3.  Auguft  1645,

nebft  den

Dperationen  bis  zum  Schluffe  des  Dahres  1645.

Mit  einem  Plane.
        <pb n="234" />
        <pb n="235" />
        Tat  dem  rubmvollen  Eiege  bei  Mergentheim  wandte
fih  Feldmarfhall  Mercy  gegen  den  Rhein  und  eroberte
Sernsheim*).  Anfänglid  glaubte  man,  er  werde  über  ben
Rhein  gehen  und  die  Arangofen  In  ihren  Quartieren  beunruhigen.
  Statt  deffen  marfdhirte  er  an  den  Main  und  über-Schritt
  diefen  Fluß  bei  Höhft**).  Nachdem  die  Armee  in  der
Umgegend  von  Frankfurt  ausgeruht  hatte,  marfdirte  fie  an
Urfel  vorbei,  über  Homburg,  NRosbad,  Friedberg,  Dftheim,
Bupbadı,  Langyons,  Großlinden  nah  Gießen.  Auf  die
Kunde  von  der  Annäherung  der  Bayern  verließen  die  Aranzofen
  bie  Begenp  yoifhen  leben  und  Marburg  und  zogen
fh,  nahbem  fie  ihre  Quartiere  audgeplündert  Iatten,  unter
die  Kanonen  der  Feltung  Ziegenhain  zurid,  wohin  aud)  ein
Theil  der  Truppen  der  Randgrafin  von  Heflen-Caffel,  melde
bisher  Amöneburg  blofirt  hielten,  marfhirten.  Diefe  Truppen
sonrden  namlid  in  Folge  des  Anmarfches  ter  Bayern  ge
nöthigt,  eine  mehrmonatliche  Blofade  viefed  Plages  aufzuegeben.
  Der  feitherige  Kommandant  diefes  Plaped,  Obriftlieutennnt
  Asmus  von  Mandeldlo,  hatte  dem  Blofadecorp6
dur  feine  gut  geleiteten  Wusfälle  großen  Schaden  zugefügt.
Die  Kühnheit  einer  feiner  entjendeten  Parteien  ging  fo  weit,
dad  fie  im  Angefichte  ded  Blofaderorpd  und  Der  zurüdziehen:
den  gefchhlagenen  franzoftfch=  weimarifchen  Armee  aus  der  be
nachbarten  Gegend  Cchladtviceh  in  den  Plab  brakte.  Im

—

*)  Siehe  Beilage  1.

”)  Megen  biefes  Marfches  an  den  Main,  der  Erhaltung  der  Truppen,
  ber  Ergänzung  berfelben  pur  Werbung,  ber  befiern  Berwaltung
ber  Gelber,  der  Remontirung  ber  Meiterel  sc.  fiehe  Beilagen  2,8,  4  a.  5.
        <pb n="236" />
        220

Holge  der  rüdgängigen  Bewegung  Türenne’d  entfhloß  fid
Mercy,  das  fefte  Kirhain  zu  belagern.

Die  Landgräfin  von  Heffen-Gaffel,  durd  das  fiegreiche
Borrüden  der  Bayern  felbft  in  ihrer  eigenen  Refivenz  bebroht,
gab  ihren  In  MWeftphalen  ftebenden  Zruppen  den  Befehl,
eiligft  zum  Schute  thres  bebrängten  Landes  herbeizurüden,
und  bat  überdies  den  fchwedifchen  General  Graf  Königsmarf,
welder  an  der  obern  Wefer  ftand,  feine  Bereinigung  mit
den  Türennifhen  Truppen  zu  bewerfftelligen.  Königsmarf,
obgleich  ihn  ein  Befehl  feines  Oberbefehldhabere,  des  fdhmwedifhen
  FeldmarfhaNs  Leonhard  Torftensfohn,  eine  andere
Beftimmung  gegeben  hatte,  folgte  dem  Rufe  der  hart  bedrängten
  Landgräfin,  ging  bei  Hörter  über  die  MWefer  und
vereinigte  fih  bei  Wolfshagen  mit  dem  frangöfifhen  Marfhall
Tirenne.  Nadı  diefer  Vereinigung  marfdirten  Türenne  und
Königsmarf  nady  Korbah,  wohin  audh  die  aus  MWeftphalen
heranrüdenden  heffifhen  Truppen  ihren  Marfcı  richteten.

Während  diefer  Ereigniffe  auf  feindliher  Eeite  hatten
die  Bayern  die  Belagerung  von  Kirhain,  weldes  von
900  heffifhen  Muffetleren  unter  dem  Obriftlieutenant  Hein»
rich  Uffel  vertheidigt  wurde,  unternommen.  Ale  Mittel,  die
Belagerten  zur  MWebergabe  zu  nöthigen,  waren  vergeblich.
Eelbft  nadydem  eine  Brefche  gefhoflen  war,  melde  jedod  von
der  Befatung  auf  das  fhnelffte  wieder  ausgebeffert  wurde,
hoben  die  Bayern  die  Belagerung  diefes  Plabes  auf,  worauf
Mercy,  welder  von  der  franzöfifhen  Truppenbewegung  gegen
den  Rhein  Kunde  erhalten  hatte,  an  den  Main  imarfcirte
und  bet  Gelnhaufen  ein  Lager  bezog,  tweldyes  er.  bald  wieder
verließ  und  über  Meerholz,  Getfelbadh  nad  Afchaffenburg
marfjdhirte.

Nah  der  Vereinigung  mit  den  Truppen  der  Landgräfin
von  Heflen-Baffel  und  des  fchiwebifhen  Generald  Grafen
Königemarf  betrug  die  Stärfe  der  Armee  ded  Marfchalle
Türenne  14,000  Mann,  mit  welder  er  nad;  Friedberg  und
von  da  gegen  Gelnhaufen  marfhirte.  ALS  er  jerodh  von  dem
Anmarfhe  Eonde’8  gegen  den  Rhein  Nadıriht  erhalten  hatte,
        <pb n="237" />
        221

ging  er  zwifhen  Franffurt  und  Hanau  über  den  Main
nad  der  Bergftraße,  um  feine  Bereinigung  mit  Eonde  zu
bewerfftelligen.

Mercy  marfhirte  von  Afhaffenburg  längs  ded  Maines
bis  Miltenberg,  ging  bier  an  das  linfe  Ufer  über  urd  vereinigte
  fih  den  4.  Juli  bei  Amorbad)  mit  dem  aus  Weftphalen
  herbeigeeilten  Corps  des  Faiferlihen  HBeldmarfhalls
Grafen  Gfleen,  weldes  5000  Mann  ftarf  war,  nämlid)
3000  Mann  zu  Fuß  und  2000  zu  Pferd*).  Nad)  viefer
Bereinigung  verließ  Zeldnarfhal  Mercy  den  5.  Juli  Amor:
bady  und  fuchte  nun  in  foreirten  Märfhen  dad  wichtige  Heil
bronn  vor  dem  Feinde  zu  erreihen,  ıwad  ihm  aud)  gelang.
leder  dieje  Unternehmung  fagt  dad  Theatrum  Europaeum,
„daß  der  frangofifhen  Generalen  Meynung  war,  ehe  vnd
bälder  ald  die  Chur-Bayrifdie  bey  Heyldrunn  zu  feyn.  6
hatte  aber  folder  Anidylag  gefehlet,  dann  General  Mercy
vom  Gen.  Major  Horften,  von  Heydelberg  aus  beyzeiten
advisirt  worden,  daher  er  fambt  der  unterhabenden  Ehur-Bayrifhen
  Armee  eine  Stunde  den  Vorzug  gehabt,  und  fi
zwifhen  Heylbrunn  und  Nedare-Ulm,  auff  die  Berge  gefebt,
dag  man  ihnen  nidt  mödte  beyfommen‘.

Die  franzöfifdehefiiicheweimarifchfhwedifhe  Armee  (aus
diefen  Beftandtheilen  war  diefelbe  zufammengefegt)  unter  Ziürenne
  hatte  fi  nad  dem  Mebergange  über  den  Nedar  bet
Ladenburg  mit  Eonde  vereinigt,  welder  bei  Epeyer  über  den
Rhein  gegangen  war  und  eine  Verftärfung  von  10,000  Mann
(6000  Mann  zu  Fuß  und  4000  zu  Pferd)  herbeigeführt
hatte.  Die  nun  vereinigte  feinvliche  Armee  hatte  eine  Stärfe
von  24,000  Mann  mit  27  Gelhügen.  Nah  einem  mehrtägigen
  Aufenthalte  bei  Heidelberg  marfhirte  die  feindliche
Armee  gegen  Heilbronn,  wofelbft  fie  dieffeitd  des  Nedars
ein  Lager  bezog.  Am  8.  Juli  bradte  der  Oberfeldherr  ver
Verbündeten,  Prinz  Conde,  die  Stadt  Wimpfen,  worin  fid
eine  [hwadhe  Befagung  befand,  in  feine  Gewalt,  ging  bet

*)  Siehe  Beilagen  4,  5,  6  und  7.
        <pb n="238" />
        222

diejer  Stadt  über  den  Nedar  gegen  Neuenftant  am  Kodıer.
Inmittelbar  nad)  dem  lebergange  über  den  Nedar  erflärten
die  Generale  Königemarf  und  Geis,  weldhe  fih  mit  &amp;amp;onde
wegen  des  Operationdplanes  überworfen  hatten,  die  Urmee
verlaffen  und  ihre  Truppen  zurudführen  zu  wollen.  Ed  war
von  der  großten  Widtigfeit  für  das  Intereffe  Franfreide,
diefe  Trennung  zu  verhindern,  von  welder  Keldinarfhall
Mercy  gewiß  nidyt  verfehlt  haben  würde,  den  gehörigen  Vors
theil  zu  ziehen.  Jürenne,  welder  ed  verftand,  die  Genitrther
zu  lenfen  und  Die  Leidenfdjaften  zu  beruhigen,  redete  beiden
Seneralen  mit  jeiner  gewohnten  Eanftmuth  zu,  gewann  den
beifiihen  ©eneral  Geid  und  veranlaßte  ihn  zu  bleiben.  Er
vermochte  jedoh  nidtd  gegen  die  Heftigfeit  Königemarfg,
eined  im  Kriege  aufgewahfenen  Mannes,  begabt  ınit  den
größten  militäriihen  Eigenjdaften  und  gewohnt,  die  hödyfte
Etelle  zu  behaupten,  tıberbie3  eigennüßgig,  ruhmjüchtig  und
von  unzugänglichen  Character.  DViürenne  verfuchte  vergebens,
jeinen  igenfinn  zu  überwinden,  nidytd  vermodte  ihn,  zu
bleiben.  Er  zug  erzürnt  ab,  ließ  hinter  jedem  feiner  Reiter
einen  Sufanteriften  auffigen  und  ging  nach  Bremen  zurüd*).
Sonde,  um  ihm  fühlen  zu  laffen,  wie  wenig  er  jeimer  be
durfe,  Feß  ihm  öffentlich  eine  glüdlidde  Reife  wäufden**).
Der  bayerifhe  Feldherr  fühlte  fidy  nicht  ftarf  genug,
eine  Scladyt  anzunehmen  und  beeilte  ih,  feinen  Marid
über  Weinsberg,  Löwvenftein,  Mainhardt  einfhlagend,  Hall
zu  befegen,  wohin  er  den  Mari  der  framgofiid-heiitich-weimarijhen
  Armee  gerichtet  glaubte;  am  10.  Juli  traf  er  in
Hal  ein.  Bonde  rüdte  gegen  Mergentheim  und  NRethenburg
an  ber  Tauber  und  ließ  auf  diefem  Marfhe  die  meiften
Ditichaften  in  Brand  fteden,  da  man  deren  Einwohner  bes
fhuldigte,  fie  hätten  nadı  dem  Treffen  bei  Mergentheim  eine
große  Zahl  der  verfprengten  Srangofen  erichlagen.  WRurhenburg
  ergab  fih  am  18.  Juli  nah  einigen  Kanonenfdhüffen
*)  Siehe  Beilage  8.
*)  Ramsay,  Histoire  du  vicomte  de  Turenne  I.  16  un.  162.
        <pb n="239" />
        223

auf  Gnade  und  Ungnade;  die  fhwahe  Befakung  wurde
untergefiedt  und  die  Bürgerfchaft,  ald  in  den  Waffen  fiehend,
übel  mitgenommen.  Stier  bielt  fi  Conde  einige  Tage  auf,
worauf  er  eine  Stellung  bei  Hollenbad)  und  Schrogberg  bezog.

In  Holge  diefer  Bervegung  zog  fih  Feldmarfhall  Mercy,
Hal  befegt  Laffend,  über  Thalheim,  wofelbft  fi  am  18.  Juli
jein  Hauptquartier  befand,  nad  Crailsheim  und  am  24.  Juli
nad  Beuchtwangen,  „‚omb  dardurd  nit  allein  gedachte  Statt
Dinfplfpüul  zu  bedefhen,  jundern  aud  den  feint  vorquftehen,
und  daß  er  vnß  den  Vorfprung  gegen  die  Donau  nit  abges
wünen  möge  ,  fouil  menfdhlid  zu  verhindern  —  —  *).
Bon  hier  aus  detadirte  der  bayerifhe  Felbmarihalt  am
30.  Juli  den  Obriften  Creug  mit  feinem  Negtment  und  commandirten
  Dragonern  der  Regimenter  Gleen  und  Holftein,
zufammen  600  Mann,  in  adt  Compagnien  ald  Verftärfung
nah  Dinfelsbühl.  As  fi  nun  Conde  gegen  Mercy  in
Bewegung  feste,  flug  Diefer  die  Ridhtung  gegen  die  Donau
ein,  um  diejen  Strom.  ver  feinem  Gegner  zu  erreiher.  Am
1.  Auguf  fanden  die  beiden  Heere  einander  bei  Dürriwangen**)
  an  ver  Eulz  gegenüber.  Die  Abfiht  Conde’s,  die
Bayern  bier  anzugreifen,  wurde  vereitelt  durd  die  faft  unangreifbare
  Stellung,  welde  Meriy  inmitten  von  Stümpfen
und  Ffleinen  Seen  gewählt  hatte.  &amp;amp;8  fam  nun  zu  einer
gegenfeitigen  Bejhießung,  weldye  nichts  weiter  bezwedte,  als
dag  auf  beiden  Eeiten  einige  hundert  Mann  blieben.  Die
nun  in  Ausfidht  ftehende  feindliche  Unternehmnng  gegen  Nord:
lingen  veranlaßte  den  bayerifhen  Oberfelpherrn,  eine  300  Mann
ftarfe  Muffetierabtheilung  des  Regiments  Gil  de  Hafi  unter
dem  Obriftlieutenant  Baldin  ald  Befagung  in  diefen  Drt  zu
legen,  wobei  er  zugleih  die  Bürgerjchaft  zur  tapferen  Gegenwehr
  aufforberte.  Gonde  fohritt  nad  diefem  mißglüdten  Verfuhe,
  die  Bayern  zu  einer  Schlaht  zu  zwingen,  zur  Belagerung
  von  Dinfelsbühl,  welde  er  auc  wieder  aufgab,  als

*)  Siehe  Beilage  8.
”r)  Siehe  Beilage  9  und  10.
        <pb n="240" />
        224
Feldmarfhall  Mercy  eine  vdiefen  Plan  Andernde  Stellung  bei
Sinbron  nahm,  worauf  er  feinen  Marfh  gegen  Nördlingen
einfhlug.  Mercy  folgte  ihm  zur  Geite,  und  auf  bdieferh.
Maride*)  gefhah  ed,  daß  beide  Heere,  in  geringer  Ent
fernung  von  einander,  zu  gleiher  Zeit  durd  den  Oettinger
Borft  zugen,  ohne  von  einander  etwas  zu  wiffen.

*)  Marfhtablean.
Kaiferlih-bayerifche  Sranzdfifhcheffifh-weimartfgde
Armee.  Armee.

Dürriwangen,  Dinfelsbüpl,
Dorffemmathen,  Neuftäptlein,
Unter  Michelbadh,  Knittelsbach,
MWittelshofen,  Willburgftetten  (vorbei),
Auffirchen,  Greifelbadh,
Oerolfingen,  Frembdingen,
Maflertruedingen,  Minder  Offingen,
Aubaufen,  Markt  DOffingen,
Lehmingen,  Mallerftein,
Dettingen,  zwifchen  Nörblingen  und  Löpsingen
Munningen,  zum  erften  Male  und  zioifchen
Mechingen  (vorbei),  Deiningen  und  Großelfingen  zum
Feffenheim  (vorbei),  zweiten  Male  über  die  Eger.
Allerheim.  Allerheim.

Anm.  des  Berf.
        <pb n="241" />
        Deilagen.

1,

Durchleuchtigfter  Herzog  Onäbigfter
Churfürft  und  Serr.

Em:  Ehurfrl:  Dri;  gnädigftes  Creditiu  fehreiben  vom  12.  difß
hab  ich  durch  dero  Kriegdrath  vnd  Mundfchendh  Marimilian  von
Sigeröhouen  vunderthenigft  empfangen,  vnd  von  vemfelben  was  Ime
für  Commission  aufgetragen  worven,  gehorfamift  vernommen.  Nun
feind  e8  gar  guete  gevandhen,  warın  auch  die  Guil  de  Hasifche  Völckher
zu  onß  Fonımen,  vnd  ich  das  Rouyrifche  Regiment  fehon  vor  vnderthenigft
  vberfchribner  maflen,  aus  Heylbron  zu  mir  ind  Belt  beraud
nimme,  fo  hoff  id)  nit,  daß  der  feint  fouil  fueß  völdher  wirbt  zufamen
bringen,  daß  Er  ung  veberlegen  fein  würbt,  dem  Dorftenfohn  will  ich
wegen  unfern  gefangnen  fchreiben,  auch  mein  Trompeter  dahin  fchickhen,
daß  felbige  widerumb  möchten  Toß  gelaffen  werben,  allein  beforge  ich
Er  werde  fchwerlich  etwas  thun,  biß  daß  ınan  fich  aud)  wegen  der  gefangnen
  Generals  Perfohnen  resoluiren  mürdt,  doch  will  ich  nod)  von
foldyen  Generald  Berfonen  fein  meldung  tbun,  big  daß  ich,  welfen  Em:
EHurfrl:  DrI:  derenthalben  fd)  gnädigft  resoluiren  werden,  vernemmen
würdet.

GSonften  berichte  Em:  Churfrl:  Drl:  vnderthenigft,  daß  Gernsheim
  fi  nunmehr  per  accordo  vebergeben,  ich  hete  biefelbe  gern
änger  stringirt,  vnd  zu  ftrengern  Capitulation  gebracht,  allein,  weiln
da8  veble  wetter  eingefallen,  auch  an  Brouiant  mangl  gewefen,  al  hab
ich  Inen  difen  accord,  wie  hiebei  Tigt,  geben  Iafien,  vnd  biemweilen  von

15
        <pb n="242" />
        den  frangöf:  menmarifchen  retirirten  Völdhern  meifte  forza  iungft
ondertbenigft  veberfchribner  maffen,  fich  gegen  Heflen  gewenbet,  alB
will  mich  auch  gegen  den  Muyn  auanzirn,  vnb  zu  fehen,  ob  ih  felbigen
an  Half  fommen  Eönte,  und  maß  weiter  Pafpiert,  Em:  Churfrl:  Dr:
jederzeit  hinnach  gehorfamift  berichten.

Derofelben  zu  der  Ehurfrl:  miltiften  bulden  und  genaben  ich
nich  gehorfamift  empfehle,  alß

Em:  Ehurfrl:  Dr:
Dat:  Cranftatt  denn  18.  May
Anno  1645.
vnvertbenigfter  gehorjamfter
dran;  von  Mercy.

Articles  accordez  au  Commendant  de
Gerensheim.

1)  Le  dict  commendant  sortira  auec  tout  sa  guarnison  demain
a  8  heures  du  matin  le  18  may:  auec  armes  et  Bagages  hormis
ceulz  qu’ont  serui  a  S:  Mayst:  Imp:  oü  a  son  Alt:  Serenissim:  ©:
Electeur  de  Bauiere  et  leurs  aliez.

2)  ils  seront  conduits  uisques  a  Meyance  par  le  plas  court
Chemin.

3)  Le  Commendant  serot  oblig&amp;amp;  de  rendre  la  Ville  auec  le
Chatteau  sans  aulcune  sinesse  ou  tromperie.

4)  Aux  Bourgois  ne  sera  faiet  aulcune  dommage  ny  auront
a  pretendre  quoy  que  se  soit  contre  eux.

5)  Le  diot  commendant  laissera  icy  vn  oflicier  en  ostage  pour

la  seurete  de  l’escort,  a  retour  de  la  quelle  la  dict  ostage  serat
enuoye  par  vn  trompet  ou  tambour  iusques  a  Meyance.

6)  Ceste  soir  il  donnera  vne  porte  poar  lager  Cingnant  hommes:
  Cecy  estant  soubsigne  du  main  le  generall  de  Canons  4e
Baron  de  Reuschenberg  et  du  diet  commendant.
        <pb n="243" />
        227.

2.
An  VBeldtmarfchal  von  Mercy.

Marimilian  ıc.
Eoler  lieber  geihreuer.  Wür  haben  eure  beebde  fchreiben  aus

1)  Craftadt  vom  15.  und  18.  difg.  faınbt  ven  behlagen  empfangen,

2)

und  deren  inhalt  und  fonverlich  under  andern  vernommen,  daß
Ir  mit  der  Armada  gegen  vem  Main  auanzirn  vond  fehen  mollet,
wie  Ir  den  Heffen  und  andern  dahin  retirirten  VBöldhern  abbrud
thun  Ehöndet,  mie  wür  nun  joldye8  wol  considerirt,  aud)
räthlich  befinden,  daß  Ir  foldyen  march  an  die  handt  nemnıet,
UlE  wellen  wür  van  weitern  eruolg  von  euch  berichtlich  ermwartten,
  allein  habt  Ir  euch  neben  den  andern  Generalperfohnen  die
conseruation  ber  Böldher  zu  Roß  ond  Buß,  meiln  euch  felbft
beivuft  waß  biran  gelegen,  alzeit  eiffrigft  angelegen  fein  zlaffen
pnd  daran  zu  fein,  daß  die  leith  an  Prorh  und  vie  Pferbt  an
fourage  nit  mangl  leiden,  zu  welchem  ende  Ir  zufehen,  dag  man
fich  des  Bifchofen  von  Würzburg  vnd  Landtgrafen  Geörg  zu
Heffen  und  anderer  benachbarten  Stend  und  onderthanen  assistenz
bedienen  £hönde,  wie  wür  dan  auch  zu  merern  nachdrudh  des
Biihofen  zu  Würzburg  GI:  defhalbf  nach  befag  hiebeiligender
Eopi  felbft  auch  zuefchreiben.

Spuil  nun  die  Offenburg:  ploquirung  betr:  und  daß  Ir  den
Obriften  Graf  Bugger,  wie  auch  den  Nufpaumb:  Obrift  Wachtmeifter
  leitinger  zu  euch  befchriben,  vnd  mit  Inen  aiustirn
wollet,  welcher  geftalten  mit  dem  Nufpaumb:  Regiment  fanıbt
den  commandirten  Böldhern  nit  allein  bemelte  plocquirung  auf:
zubeben,  fondern  au  des  feindtd  progress  Yerhiettet  werben
Ehonde,  finden  mür,  daß  durch  das  Naufpaumbifch  Regiment
vnd  Die  menige  coniungirte  fueßvöldher  dem  mwerfh  beforglich
nit  geholffen,  fonvdern  wartben  fein  würbet,  daß  etiwas  merer

3)  Boldh  varoben  beyfammen  flehe,  nit  allein  bie  plocquirung

offenburg  aufzuheben,  fonvdern  auch  zu  befürvern,  daß  Dffenburg

  vnd  Breyhurg  an  iezo,  da  ednoch  zeit  ift,  mit  allen  nottinendigen

  requisiten,  alö  Prouiant,  Holz,  Hey  und  firen,

beuorab  die  Statt  Brehburg  mit  Munition  vnuerlengt  verfehen:
15*
        <pb n="244" />
        3)

228
dan  auch  die  hernegft  Fhommende  Erndt  durch  dijer  Völdiher
assistenz  an  einem  vnd  dem  andern  orth,  weldhe  Erndt  fonft
den  feindt  zu  guettem  Ehämbe,  möge  eingebracht  werden;  zu
difem  ende  wir  dan  für  nottwenbig  befinden,  baß  neben  dem
Nufpaumb:  Regiment,  vnd  den  Commandirten  VBöldhern,  au
dad  neu  gemworbne  Salifche  MReginent  zu  Pferdt  vor  6  Compag:
nien  mit  einfchluß  des  obriften  Keitenantd  Belicans  hey  der  Armaba
  anmefender  Compagnia  employrt:  vnnd  in  anzug  gehracdht
werde.  Diemeilen  aber  auch  ver  DObrift  von  Saliß,  vnd  Obrift
Gasyar  Schuh,  al  beme  wür,  wie  Ir  feithero  vernommen
haben  werdet,  das  Nufpyaumb:  Megiment  verlichen,  alle  beebe
neue  Obriften  feyen,  fo  würdet  vonethen  fein,  daß  ein  älterer
Obrift,  welcher  ein  merern  respect  hat,  und  deme  auch  die  refir
befier  befbant,  hinauf  geordtnet,  werde,  pnd  mwiewoln  mir  auf
den  Obriften  alt  Kolben  angetragen,  So  ift  und  doc,  hlebey  zu
gemieth  gangen,  daß  fein  obrifter  Xeitenant,  ond  ander  Officier
mehr  vom  Negiment,  in  Böhain  gefangen  worden,  ond  dermaln
nit  beb  der  ftell  feyen,  pnd  weil  ohne  dad  der  General  Zeuge
maifter  von  Ruifchenberg  und  General  Wachtmaifter  Sperreitter
wir  gefundtheit  Halb  von  der  armada  zu  raifen  erlaubend  befhommen,
  der  General  Wachtmaifter  Geyling  aber  valetudinerius
  Ift,  Ihr  alfo  wenig  General  Berfohnen  und  Obrifte  an  der
handt,  So  haben  wir  für  guett  gehalten,  daß  der  Obrift  Junge
Kolb,  alß  deilen  Regiment  mit  officirn  am  mehriften  verfeben,
ond  er  gleichwol  ölterer  Obrifter  alß  der  Salif  vnd  Gafpar
Schod  hierzue  gebraudt,  und  ihme  fein  nigene  Compagnia
fambt  obbefagten  des  Saliftfchen  Obriftleittenants  Belicans  mitgegeben
  werde,  in  allmeeg  aber  Ihne  Obriften  Kolb,  wie  er  fi}
auf  einen  und  andern  fahl  zuuerhalten,  mit  nottiwendiger  Instruction
  zuuerfeben,  vnd  Ime  aufzutragen,  daß  er  fich  vnd  bie
völdher  ievermaln,  fonderlich  twan  der  feindt  zufamben  ziehen,
vd  auf  Ine  gehen  wolte,  wol  in  acht  nenımen  folle,  auch  daß  er
auf  den  nottfahl  die  auf  dem  Wimifchen  territario  begründe
neugeworbne  Stall:  und  Sperreitterifche  berittne  Trouppen  an
fi}  zuzieben,  und  den  eruolg  von  Zeit  zu  Zeit  Öffter8  fowol  hiebero,
  alß  euch  zu  berichten.
        <pb n="245" />
        229

4)  Sonften  haben  wür  auch  ven  General  Conmiffariat  beuolchen,

Ime  Obriften  Jung  Kolben  einen  Qunlifleirten  Commissarium
von  ber  Armada,  auch  etwas  gelt  mitzugeben,  auf  daß  bie
völcher  ond  Pferdt  vefto  beffer  mit  bebürfftiger  Prouiant  vnd
fourage  verfehen,  vnd  conseruirt  werden  Ehänven,,  welche  Conseruation
  Jr  dem  Dbriften  auch  abfonderlich  felbft  wol  einzubinden
  wifjen  merbet.

Waß-  Ir  wegen  werbung  5  Compagnien  zu  Rop  für  Vor
Ichlag  gethan,  haben  mwür  vernommen,  vnd  wollen  wür  ven

5)  DObriften  Trucfmiller  mit  anmweifung  ded  Samelplaz  in  der  obern

6)

7)

Pfalz  ziwo  Gompagnien,  den  Pliere,  deme  der  Samelplaz  auf
dem  VBlinifchen  verbleibt,  noch  aine  fowol  al8  feine  aigne  Gone
pagnia,  weldye  under  das  Sperreitterifche  Negimentt  fhomnıen
folfe,  vnd  den  Obriftleitenant  Biffinger  auch  ain  Compagnia  zu
Pferdt  werben:  und  Ime  Biffinger  den  Samelplaz  in  der  undern
Pfalz  assignirn  laffen,  Inmaffen  wür  einen  ond  den  andern  zu
gewinnung  der  Zeit  von  hierauß  gleich  felbft  defmegen  zuegefchriben.
  Die  fünffte  Compagnia  mirbet  durch  den  Obriften
von  Saliß  erfezt,  veme  mür  albereit  vor  einlangung  eurer
iezigen  fchreiben  zu  feinem  Negiment  noch  ein  Gompagnia  zu
werben  aufgetragen.

Vnd  mweiln  Eur  Cöllens  8:  ond  gefchriben,  daß  auch  in  den
daniedigen  lannden  bald  mit  einer  Anzahl  Reittern  vfzulhonmen,
So  feind  wir  of  folchen  Vorfchlag  im  werd,  in  befagten  daniedigen
  Iannden  gleichfahle  5  Compagnien  Heitter  werben  zu
laffen.

Daß  Ir  die  gefangne  General  Berfohnen,  vnd  Obrift  Teitenant
  außer  ded  alten  Roftfchen  Obriften  Leitenantd,  meldher
ivegen  feiner  harten  befchödigung  nit  fortzubringen,  nadher
Ingolftat  gefchiefht,  vabey  hat  fein  verbleiben.  Dieweiln  wür
euch  aber  auch  sub  dato  16.  diß  hebeittet,  die  gefangne  Obrift
MWachtmaifter  ebenmefftg  auf  Ingolftatt,  ond  die  vebrige  Officir
nacher  Vberling  zufchtlfhen,  So  werbet  Ir  folche8,  bafern  eö
pnder  beffen  noch  nit  gefcheben,  ind  werfh  zu  ftellen  wiffen,  und
werden  die  nachher  Vberlingen  gehörige  gefangne  officir  an  iezo
durch  den  Obriften  Jung  Kolb  und  Obrift  Leitenant  Belican  am
        <pb n="246" />
        230

beften  dahin  zu  bringen,  alfo  ein  abfunverlide  conuoy  zu
eriparen  fein.

Map  die  onderftoffung  ver  gemainen  gefangnen  fußvöldher
vnnd  Branzofen  betrifft,  da  laffen  wür  e8  zwar  bei  eurm  Vor
fhlage  verbleiben,  allein  mweiln  wir  nachricht  haben,  vaß  vife

8)  leith  fhon  anfangen  aufreiffen,  So  ift  defto  mehr  zu  feben,  daß
bemelte  gefangne  nit  vergebend,  unnd  mit  Schaden  undergeftoffen
werben,  vnd  alfvan  fambt  den  bemöhrungen  wiverumb  zum
feindt  gehen,  veromegen  Ir  gleichwol  in  acht  zu  nemmen,  daß
fhein  gefangne  fonverlich  Sranzofen,  vie  nit  felbft  dreift  begebrn,
pnd  darzue  guetten  luft  haben  vonder  geftelt  und  bemöhrt  werben,
dan  wan  man  vergleichen,  daß  fte  bleiben  werben,  nit  verfichert,
fo  ift  vil  beffer,  daß  fie  gefangen  gehalten,  ond  mit  Snen  dahin
angetragen  werde,  daß  man  fle  Ehonfftigen  gegen  onvern  onfern
Soldaten,  welche  bey  dem  Torftenfohn  gefangen  feyen,  aufwerlen
  £hönve.

9)   Sonften  wervet  Ir  vunderbeffen  auß  vnferm  fihreiben  vom
19.  diß.  verftanden  Haben,  daß  Ir  wegen  außmerlung  der  gefangnen
  ond  aufrichtung  eined  chartels  mit  dem  Torftenfohn  auf
fein  Torftenfohns  jüngft  bey  dem  Wörtbifchen  Trombeter  veber-Ichiefhte
  erclerung  ein  mweiterd  antworttfchreiben  auffeßen,  vnd
folche8  neben  einer  charta  bianca  bey  einem  Tirombeter  alhero
fchiefhen  follet,  welche8  wir  mit  negftem  erwartten.

Daß  Ir  den  Duca  di  Amalfı  ein  Diuersion  an  den  Rhein

10)  ftromb  fürzunemmen  ond  Mainz  vver  Pingen  zu  recuperirn  an
bie  Handt  geben,  bdaran  ift  gar  mol  gefcheben,  ond  habt  Ir  eu
angelegen  fein  zelaffen,  daß  Ir  nit  allein  foldye  diuersion  durch
meitere  erinberung  faciliterirt,  fonvdern  auch  mit  Jıne  Ducati  di
Amalfi,  dem  Herzog  von  Lothringen,  beeden  veldtmarfchallen

11)  Gelen  und  Beben  bebarlich  correspondirt,  damit  man,  wie  e8
fowol  in  Niverlandt,  al  an  der  Miofel  hergehet  und  mad  bauon
zu  hoffen,  ftehets  wiffen  Ehönpe.

Dep  Burgundifchen  (?)  Obriften  Gouland  Werbung  betreffent,

12)  da  haben  wür  Ime  vber  vorige  3000,  difer  tag  mwiderumb  2000
Reichdtaller  vbermadhen  laffen,  bahingegen  feind  auf  dem  Samelplaz
  biöhero  Iauth  des  Comissary  Börftenheuferd  bericht  von
        <pb n="247" />
        13)

14)

15)

15)

16)

231

17.  diß  noch  mer  nit  al8  86  Khnecht  anfhommen,  baß  ed  Ime
alfo  an  den  ©eltern  nit,  fonder  an  ftellung  der  Khnecht  erwinden
thuet.  Wap  fonften  fein  offertir  wegen  flelung  einer  anzahl
fasier  betrifft,  da  mwollet  Jr  Ime  Obriften  Goulan  bedeitten,  daß
wir  bermalen  vergleichen  werben  ze  lafjen  nit  gevacdht,  er  aber
fih  die  verfprocdhne  1000  Man  zu  fueß  aufzubringen  euffrig  angelegen
  fein  Iajjen  folle.

Sonften  Haben  ver  Tanner  und  FKitter  von  ihrer  berichten
Commission  relation  abgelegt;  Waß  nun  an  Reitter  ond  Yuepvol
  bei  der  armada  offectiue  vorhanden,  mürdet  die  anbeuolhne
  muflerung  zaigen,  und  feind  bieryber  deß  General  Commissariats
  bericht  ermerttig,  vaneben®  aber  zweifelt  unß  nit,  ihr
werdet  bei  den  FReitter  Oberften  und  Rittmeiftern  ernftlich  und
eüferig  darob  fein,  daß  She  ihnen  die  conseruation  der  pferbt
ihrer  fchuldigfheit  nach  angelegen  fein  laffen,  wie  ihr  dan  felbft
Teichtlich  zu  ermeffen,  daß  vf  dife  weiß  fowol  mit  den  geltmiteln,
alß  den  pferdten  zugeuolchen  eine  lauttere  unmöglichEheit,  Sintemahl
  nur  von  Anfang  vifg  Iahrs  albereith  3300  HReitterpferd
auffer  der  Artilferia  ond  Brofiant  Pferdt  Hinauß  geichieht,  vnd
darburch  unfere  Landen  an  tauglichen  PBferbten,  vfd  eufferift
entblöfft  worden,  So  feind  auch  die  pferdt  anderwerttig,  wie
euch  vorhin  bemufft  ift,  ganz  nit  zu  befhonmen;;  veber  berüerte
binaußgefihidlhte  anzahl  pferdte  aber  befinden  fih  von  alt  Kolbifchen
  Regiment  noch  122  onberittene  zu  Tonaumertbh,  So  feind
deren,  welche  der  Oberfte  Wachtmeifter  Graf  von  Salmd  vom
Dorftenfohn  mitgebracht,  286,  welche  alle  nody  beritten  gemacht
werden  follen,  und  albereith  die  verorbnung  gefcheben;,  verfehen
vnß  demnad)  zu  euch  guäbigft,  ihr  wervet  euch  bei  fo  geftalten
Dingen,  vnd  meillen  ihr  ferne  mit  pferbten  in  quantitet  aufgufbommen
  felbft  onmüglicdy  befindet,  die  Conseruation  der  pferbt
vfg  eufrigift  angelegen  fein  Taffen,  auch  die  Meitter  Oberften  ond
Dfficier  ernftlich  parzue  halten,  ond  nit  allein  die  Reitter,  fondern
fouil  mehr  die  Officier,  fo  ihre  Meitter  die  pferbt  ruinirn  laffen,
jey  glei  Rittmaifter  oder  Oherfte  felbft  ernftlich  beftraffen,
auffer  beffen  mueß  die  Caualleria  ainmahl  zu  grundt  gehen.

Sonften  aber  laffen  wir  vnng  daß  mittel  gefallen,  wann
        <pb n="248" />
        17)

18)

19)

20)

91)

22)

232

nemblich  ein  vd  anderd  Neitterpferbt  getrudht  oder  fonften
Ihaphafft,  ond  ohne  gefahr  nit  fortzußringen,  daß  jelbige  außgetaufcht,
  vd  nach  geftalten  Dingen  vf  ein  anders  taugliched
pferbt  vil  oder  wenig  durch  die  Regiments  Commifjarien  aufgeben
  werde,  zu  welchem  ende  mir  dan  der  nottmwendigen  gelter
Halb  jchon  verorbdnung  gethan  vnd  damit  onnfer  feitd  nur  nichts
verfaumbt  werde,  waß  zu  conseruation  der  Pferbt  notiiwendig
it,  So  wollen  wür  den  an  Satl  ond  zeug  fich  erzaigten  mängel
ebenmeffig  abHelffen  laffen,  allein  wirbt  auch  daran  gelegen,  vnd
die  höchfte  notturfft  fein,  daß  ihr  die  varauffigen  noch  gröffern
mangeln  ebenmeffig  ernftlich  remedisirt  und  abhelffet,  welches
ihr  euch  eufrigft  angelegen  fein  ze  laffen;  Weilln  die  duella  an
fich  felb8  verbotten,  und  aber  wie  wir  vernenmen,  bei  onferer
armada  zimlich  gemein  fein,  So  mollet  felbige  fürbas  vorbevolhner
  maffen  durch  offentlichen  ruef  ernftlichift  verbietten,
und  die  vbertretter  eremplarifch  ftraffen  Iaffen.

In  gleichem  follet  ihr  bie  Concubinen  bei  der  Armada  nit
gedulden,  jondern  map  nit  Cheliche  weiber  feindt,  dauon  wefh-Schaffen.


Bnd  mweilln  ir  eurer  vilfeltigen  occupation  halb  zu  der  möfß
fein  gewiffe  ftundt  halten  Fündet,  alfo  auch  die  beim  Hofitanb
warı  man  bey  euch  möfß  haltet,  folche®  nit  alzeit  wiffen;  over
alfe  dabei  jein  Eönden,  So  haben  wür  euch  einen  abfonderlichen
Bapellan  bewilliget,  und  dem  General  Commissariat  albereithen
beuelch  erthailt,  felbigen  dem  Negimentd  Gaplanen  in  allem
gleich  zu  balten,  alfpan  der  General  Bicaryus  alzeit  zu  einer
gewiffen  flundt  dem  SHofitaab  möfß  Töfen  Eann.

MWiemohl  wür  unß  eüfferift  angelegen  fein  lafjen,  ven  Pferbtthauff
  in  die  Schweiz  zu  uerbinvdern,  fo  vernennmen  wür  bod)
nichtö  defto  weniger,  daß  die  pferbt  in  groffer  quantitet  vf  bie
Schweizerifhe  Märkht  fhommen  vond  verfhaufft  merven,  derotwegen
  vnd  meilln  zu  verbinderung  difes  höchft  fchänlichen  pferbt«
verfhauffd  daß  befjere  mittel  tere,  wann  ınan  vf  ein  oder  andern
dergleichen  Rofßhandler  Ehommen  Ehöndte,  So  wollet  unuerlengt
ein  in  der  Schweiz  vnd  difen  Rofghandlern  vnbefhante  refierige
perfohn  dahin  an  die  Schweiz  fehifhen,  felbige  je  vf  vunderfchid-
        <pb n="249" />
        23)

24)

233

liche  Märkbt  und  barob  vnderm  fchein,  al  ob  ermelter  perfohn
barımb  ze  thun  were,  vaß  fye  jelb8  pferbt  Ehauffen  wollte,
Ehumdfchafft  einziehen  Taffen,  wer  vergleichen  Roffhandler  feyen,
vo  fye  zu  Hauß,  maß  fonften  ihres  thund,  mie  fye  mit  nahmen
baiffen,  ond  maß  ber  gleichen  nottwenbige  pnıbftand  mehr  feind,
allermaffen  auch  dife  von  euch  gefchiefhte  perfohn  gar  mit  bergleichen
  Rofhandlern  raifen  folle,  biß  fye  an  orth  und  endt  Fontmen,
  da  er  einen  ober  ben  andern  zur  verhafft  bringen  Fan,
algdan  man  auch  defto  eher  auf  andere  vergleichen  delinquenten
fommen  möchte,  mwasgeftalt  ir  nun  hierüber  die  anftalt  gemacht,
was  auch  darauf  für  ein  effect  eruolgt,  habt  und  ir  zu  berichten,
und  daran  zu  fein,  vf  dad  gegen  foldye  delinquenten  ein  Exempl
statuirt,  vnd  difes  hechft  fchanliche  pferbt  verfiehren  vefto  mehr
firthommen  werbe.  Diemeilln  fidy  bei  etlichen  Regiments-Coms
miffarien  grofjer  mangel  ond  inhabilitet  zu  irer  function  erzaigt,
auch  der  beim  reizifchen(?)  Regiment  geweffte  Gonmiffari
Meber  an  dem  ein  vermefines  ftufh  begangen,  daß  er  bei  ver
mufterung  zwei  feiner  Diener  fir  Soldaten  durchreitten  laffen,
©&amp;amp;p  haben  mür  dem  General  Commissariat  beuelch  ertheilt,  vie
ontaugliche  abzufchaffen,  und  an  derfelben  ftatt  andere  taugliche
aufzuftellen,  ven  Weber  aber  wollen  wir  feinem  verdienen  nad)
ftraffen  laffen,  wie  euch  dad  General  Commissariat  dauon  miehrerö
  referirn  würdet.

Sonften  hat  der  Oberft  Sannk  Iucob  Kolb  an  feinem  hirfein
neben  andern  auch  referirt,  wie  daß  der  General  Major  Rosa  bei
Zingftem  tröffen  die  meifte  forca  in  den  linggen  fligl,  welchen  er
jelbft  commandirt,  gezogen,  der  intention  vnnfern  dagegen  geftandenen
  rechten  fligl  durch  vberlegne  macht  zu  trennen,  in  vie
ucdyt  zu  bringen,  vnd  aljvan  vunferm  lin£hen  fligl  im  ARuggen
ze  geben,  wied  ihme  dan,  wann  man  nit  remedisirt  hette,  bald
angangen  mere.  Deffen  wir  euch  darumb  hiemit  erinnern
wollen,  damit  ihr  wie  ihre  eurer  befhanten  Kriegderfahrenheit
nad  ohne  dem  darauf  gedacht  fein  werdet,  folches  fludb  in
fhonfftiger  occasion  in  acht  nemmen,  deme  zu  begegnen,  ober
jolche8  jelb8  eurer  Eriegserfarenheit  gemeß,  nad)  befchaffenheit
der  ombftendt  zu  practicirn  und  zu  brauchen  miffet.
        <pb n="250" />
        Schlieglich  haben  wür  dem  Commendanten  zu  Schornvorff

25)  ein  Compagnie  zu  Buefß  zu  richten  und  vf  den  Kopf  10  fl.  zu
geben  bewilligt,  So  wür  euch  zu  einer  nachricht  hiemit  notificirn.


26)  Wie  ftarfh  fonften  die  unnf  veberfafjene  wirttenbergifche  Guarnisonen,
  ald  Schorndorff,  Afperg,  Uurady  ond  Jede  in  specie
feyen  tie  die  Commendanten  jedes  ortt3  befchaffen,  ob  fye  zu
irem  Commando  tauglich,  vnd  wie  ein  vnd  ber  ander  bi  dato
internirt,  waö  vf  Dife  guarnifonen  underhalt  eingebracht:  vnd
wie  applicirt  ond  verwendet  würdet,  twaß8  ieded  ortb3  an  fludh,
munition,  Brofiant  und  anderm  fir  vorrath,  deßhalb  mollet
euch  informirn,  vnd  vnß  die  befchaffenheit  berichten.  Daran  ıc.

Datum  den  24.  May  1645.

3,
An  DVeldmarfchallu  von  Merey.
Marimilian  ıc.

Lieber  gethreuer.  Wiemoln  wur  in  gar  Ehurzer  Zeit,  vnd  erft
von  anfang  bed  gegenmwerttigen  Velbzugd  bloß  allein  vf  bie  Pro&amp;gt;
viant  z;  fl.  zur  DBeld  Cassa  hinaußgefhidht,  fo  feind  Doch  felbige,  wie
wir  auß  denen  vom  General  Commissariat  eingelangten  berichten  vers
nemmen,  albereith  biß  vf  ein  fo  geringes  aufgangen,  daß  he  in  mangl
der  gelter  mit  deren  prouiant  und  Haberfhauff  wir  die  Prouiant  und
attigleria  fuern,  weiln  vie  Caualleria  nunmer  fich  ded  graß  zu  bevienen,
de  facto  anftehen,  melche8  dan  vornemblich  daher  Ehombt,  dag  man
an  fricht  ond  habern  fo  gar  von  denen  Ständen,  denen  ed  tiffentlich
an  den  mitteln  nit  mangelt,  onangefehen  fye  bißhero  der  defeusion  von
vunfer  armada  fo  ftattlich  genoffen,  vnd  erft  ießt  bei  jüngft  von  Gott
verlichener  Victory  vor  weiterer  blünderung  vnd  bevrangnud  ver  feint
verfichert  worden,  vber  alled  eingemwendte  erfuechen  vund  remonstrirn
anderer  gejtalt  alß  gleich  gegen  barer  bezahlung  einige  assistenz  haben
fhinde;
        <pb n="251" />
        235

Nun  laffen  wir  zwar  ermeltent  General  Commissariat  zu  fol«
chem  ende  etwas  an  gelt  zufhommen,  dieweilen  aber  bei  ven  fo  veberauß
  ftarfhen  ond  euch  wolbewuften  außgaben,  welche  vunß  von  ber
armada  wegen  obligen,  firter8  mie  biß  dato  gefchehen,  Jedegmahln
gleich  in  puncto  mit  den  baren  geltern  zu  geuolgen  pur  lauttere  unmög-=Tichfheit
  ift,  ond  ziwar  vmb  fouil  mehr,  mweilln  ung  von  derRöm:  Kay:
Mail:  an  denn  vf  die  prouiant  bewilligten  geltern  nocdy  dato  einige
heller  erlegt  worben,  dagegen  aber  vie  onderthultämittel  für  Ro  vond
Mann,  will  man  anderß  die  armada,  daran  den  gemeinen  wefen  dermahln
  vaft  alles  gelegen,  aufrecht  erhalten,  jeder  Zeit  richtig  an  der
hand  fein  miteffen,  Alfo  ond  meiln  die  zum  behueff  der  Armada  nottiwendigen
  frücht  und  Haber  Ievedmahln  gleich  barer  zu  bezahlen  angetegter
  maffen  ein  pur  lauttere  unmöglichkheit  ift,  So  haben  mwür  dem
General  Commissariat  beuelch  ertheilt,  alle  weeg  und  endtlich  auf  den
fall  ein  oder  anderer  Stand  fi)  oppiniatrirn,  vnd  feine  habende  frucht
anderer  geftalt  nit  alß  gleich  gegen  barer  bezahlung  herlaffen  wollte,
gar  die  militarische  executionsmittel  zu  ergreiffen,  vnd  jeder  Zeit  wie
ige  Ehönnen  ond  mögen,  foldhe  firfehung  zu  machen,  damit  Nofß  vnd
Mann  an  ihrem  Bnderhalt  nit  nott  Teiden  ;

Daneben  ifl  ermelted  General  Commissariat  zugleich  beuelcht,
wieuil  von  ein  vnd  anderm  Stand  ver  geitalt  an  frücht  und  anderm
genoinmen  tworben  vleißig  firmerfhen,  und  ein  ordenlichen  Conto  halten
ze  lafjen.  Deromegen  vnd  wellln  ein  foldyed  zur  Conseruation  der
Armada  gereicht,  &amp;amp;o  wollet  an  eurem  ortt  auch  dabei  cooperirn,  vnd
zu  mehrerem  nachtrufh  auf  ded  General  Commissariats  an  euch  erfolge
te8  begern  die  Stände  gegen  gemeltem  General  Commissariats  vere
trofftender  bezahlung  umb  volglaffung  ver  frücht,  habern  und  wo  von
nötten  des  fuehrmwerch8  durch  bewegliche  fchreiben  erfuechen  audy  zu  dem
ende  offne  Patenten  hergeben,  wen  da  aber  foliches  begern  und  gietliche®
anfuechen  bey  einem  oder  andern  ftand  nicht  vervangen  folte,  Nitweniger
  dem  General  Commissariat  vor  ain  notturft  behilflich  zu  ain  und
anbermahliger  Execution  mit  benottigten  VBöldhern  zu  Rofk  und  Fuefß
auch  mit  gueter  disciplin  ohne  abnamb  pferdt  und  viechd  auch  anderer
blinderung  vnd  insolentien  vnmwaigerlich  und  ohne  eitverliehrung  die
bandt  bietten.  Dat:  den  25  May  645.
        <pb n="252" />
        236

4,

Durcpleuchtigfter  Herzog,  Onädigfter
Ehurfürft  und  Herr.

Em:  Ehurfrl:  Dil:  beeve  gnapigfte  befeldy  vom  27.  und  28  passato
  neben  fambtlichen  einfhlüffen,  hab  ich  mit  gebürender  Neuerenz
undertbenigft  empfangen,  und  mehrern  inhalts  gehorfamift  vernommen.
Nun  bat  mir  da  General  Commissariat  referirt,  wie  id!  auch  auß
eingefchicfhter  Copia  erjehen,  maß  bei  Eunfftiger  Remontirung  in  lcht
zunemmen,  beme  ich  auch  wie  bißhero  iederweild  von  mir  befchehen,
in  allen  gebürend  assistirn  vnd  an  die  handt  gehen  will,  daß  aber
Em:  Ehurfrl:  Dr:  fich  gnädigft  vermundern,  daß  abermahlen  in
1599  Reitter  ond  Tragoner  onberitten  fein  follen,  und  dahero  unmüglich
feye,  daß  ed  mit  difem  Pferbt  abgang  recht  hergehen  müeffe,  da  berichte
Ew:  Ehurfrl:  Dit:  darauf  vnderthänigft,  daß  ich  mir  nit  wohl  eins
bilden  fann,  daß  hierunder  einger  Betrug  gefchehen  Fönne,  angefehen
nit  allein  ein  ieded  Megiment  fein  verorpneten  Commissari  hat,  welcher
die  inspeclion  darıber  tragt,  und  man  dergleichen  Pferdt  vmbfallen,
alles,  warn,  wo,  auch  wie  ed  gefchehen  orbenlich  aufmerfht,  fonvdern
auch  die  NRithmeifter  und  andere  Dfficier  felbften,  meilen  ed  Inen  fihon
zum  öfftern  fo  hoch  eingebunden  worden,  nit  geftatten  werben,  daß
man  darmit  einige  begrieglichfeit  fpüllen  möge,  maffen  dann  ein  ober
der  ander  fo  fi)  deffen  onverflehen  und  darüber  ergriffen  wird,  alfo
Exemplarifd)  folte  abgeftrafft  werden,  daß  fidy  gewißlidy  andere  daran
fpüegeln,  und  ift  nit  ohne  daß  vill  Pferbt,  theild  wegen  continuirlichen
ftarefhen  trauaglien  theil&amp;amp;  wie  etliche  vermeinen,  omb  millen  man  eine
Zeit  lang  für  die  Pferdt  das  Graß  nit  mohl  haben  Eönven,  vnd  alfo
den  Samm  aufm  Belt  auffrezen  laffen  müeffen,  bei  der  Armada  vumbs
gefallen,  maffen  mir  felbft  und  andern  Generals  PBerfohnen  auch  hohen
Dfficieren  folche  geftorben,  fonften  fallen  auch  ebenmefjig  bey  dem  feint
die  Pferdt  ftardh  vd,  alein  wo  verfelbe  Hinfombt,  vd  vergleichen
findt,  Nimbt  Er  wiverumb  alß  feint  binmefh,  theild  auch  erfaufft  Er
in  den  groffen  Stätten  wo  Er  Fan  vmb  boplt  la  dreufach  gelt.

Waß  wegen  Hergebung  der  Pferbten  auf  bie  vnberittne  Reitter
auch  Prouiantirung  der  Armada  beeve  Pürften  von  Bamberg  vnd
Würzburg  fich  vf  vielfeltig  de8  Dbrift  Rouyrs  und  Schäffers  befchehnes
        <pb n="253" />
        237

vrgirn  erflärt,  ond  fich  iwegen  ber  remontirung  auf  die  nechft  bes
Graifed  Zufammen  Befchreibung  bezogen,  audy  fye  beede  mehrers  nit,
al8  1300  malter  frücht  für  Dife  armada  bemiligt,  geruhen  Ew:  Churfrt:
Dri:  alled  auß  inligender  deren  Original  relation  mit  mehrerm  gnävigft
zuuernemnen,  Nun  feind  die  Considerationes,  fo  felbige  bierinen
haben,  von  fich  felbften  zwar  erheblich,  allein,  weiln  periculum  in
mara  vıd  man  folche  remontirung  fo  Tang  nit  auffchieben  Fan,  alf
will  ich  bi8  im  500  dergleichen  unberithnen  mit  zween  Commissarj
hinauf  der  orthen  fihiefhen,  und  fehen,  wann  fidy  folched  practicirn
Inffen  würdt,  daß  die  Pferdt  mögen  zur  handt  gebracht  werden;  8  ift
aber  dabei  zu  Consideriren,  daß  ob  man  zmar  an  ein  oder  andern
ortben  etliche  Pferbt  bekommen  mechte,  von  andern  orthen  aber  fo
balvden  fye  e8  gewahr  werden,  folche  ab  weeg  und  in  die  groffe  Stätt
gefürth,  zugleihh  auch  algdann  bey  Zufammen  Fonfft  des  Eraifes  die
abfolgung  ver  gleichen  Pferdt  defto  fchwarer  wurde  gemacht  merben,
doch  wie  gemelt  will  ich  fehen,  wie  fich8  wirbt  practicirn  vnd  an  mir
hierinen  nicht8  ermwindten  lafjen.

Daß  aber  die  Officier  vnd  Reiter  wie  Em:  Ehurfrl:  DrY:  in  dero
an  da8  General  Commissariat  abgangne  gnäbigfte  befeld)  meldung
tbuet,  fo  wenig  respect  gegen  mir  tragen  follen,  indeme  fhe  die  bey  der
jüngft  bey  Herbfthaufen  vorbeigangner  occasion  von  feint  eroberte
pferdt  fogar  vmb  billic)  preyß  dem  General  Commisariat  nit  haben
verfauffen  wollen,  da  wirbt  mir  noch  Feiner  den  respect  genommen
haben,  und  anno  nit  nemmen,  allein  ift  dem  gar  nit  alfo,  wie
ermelt  General  Commissariat  berichtet,  fondern  wann  ein  oder  der
ander  zu  Inen  fommen,  haben  fye  vf  vergleichen  Pferbt  ein  Spott
biß  in  10  oder  12  Taler  darvf  gebotten,  fo  doch  aller  billigheit  nach
viel  ein  mehrer8  wert  gewefen,  vahero  fye  verurfacht,  daß  foldye  zurudh
gehalten  worven,  ziweifle  aber  nit,  wann  vergleichen  von  Inen  omb
rechten  vnd  billichen  Preiß  Ypares  Geltd  wurden  angenonimen  werben,
daß  man  noch  wohl  ein  pond  andern  findten  wurbe,  welche  die  Pfervt
vnıb  foldyen  bilfichen  Preiß  zur  Remontirung  der  Bnberitnen,  lieber  dem
&amp;amp;eneral  Commissariat  ald  anderwertig  verfauffen  theten.

Dem  Herboge  Vlrih  zu  Württenberg  will  Em:  Ehurfrl:  Dri:
gnädigfte  intention  andeuten,  wie  auch  wegen  erledigung  des  zu  Donauwöhrt
  gefangen  figenven  Besifchen  Rithmeifters  vero  gnädigften  befelch
        <pb n="254" />
        238

dem  MWöhrtifchen  Rittmeijter  Nicolas  (2)  notificirn,  allein  habe  Ew:
Edurfrl:  Drl:  auf  inftändiged  vrgirn  des  VicComte  de  Tourene  vnder«
thenigft  gefehriben,  ob  audy  andere  dergleichen  gefangne  dem  aufgerichten
  Cartel  gemeß  gegen  erlegung  Irer  ranzion  mechten  Ioß  gelaffen
werben,  bdarbf  aber  viefelbe  fich  no)  gnabigft  nicht  resoluirt,  Pithe
alfo  dero  gnädigftem  belieben  nad)  mir  derenthalben  gnäbigfte  resolution
  zuefommen  zu  laffen;

Heut  befchicht  die  Coniunction  mit  dem  Belt  Marfchallen  Grafen
von  Geleen,  vond  mir  wollen  alfobalden  die  auanguardi  auf  die  höhe
marchiren  laffen,  auch  mit  ven  vebrigen  völdhern  gleich  morgen  in
aller  frühe  vfbrechen,  vond  fehen,  mad  man  gegen  bem  feindt  mwürbt
tentiren  können,  Waß  maffen  der  feint  Weinheimb  einbefommen,  aud
was  mir  der  General  Wadhtmeifter  von  Horft  wegen  bes  feintd  fchreibt,
gibt  vie  beylage.

Die  in  einem  dem  Grafl:  Witgenfteinifchen  Residenz  Hauß  negft
gelegnen  Stättlin  fürgangne  blinverung  betr.,  daift  nit  ohne,  daß  foldhe
befchehen,  weiln  vamahl8  bei  ver  Armada  ein  broth  mangl  gemeft,  pnd
mich  die  Obrifte  erfuecht,  Inen  zu  erlauben,  ein  ftudh  fleifch  zu  fuechen,
weiln  dann  die  Orafen  von  Witgenftein  ven  feint  ieverzeit  gedient,
aucd)  ich  anderd  nit  vermeint,  alß  daß  foldhes  Stättlin  feindt:  vnd
difem  Obriften  fo  dem  feint  dient,  gehörig  feye,  alß  haben  fye  ein
Stufh  60  viech  und  etlich  Specdh  und  broth  daraus  genommen,  voels
che8  auch  ver  Armada  aufgetailt,  vnd  albereit  verzört  morben,  baß
alfo  folches  zu  restituirn  nunmehr  ein  unmüglichheit  ift.

Thue  Em:  Ehurfrl:  Del:  zu  dero  beharrlichen  Churfrl:  miltiflen
hulden  und  genaden,  mich  onbertbenigfl  empfehlen  uno  bleiben

Ew:  Ehurfrl:  Dril:
Dat:  Amerba  4  Juli
Anno  1635.
undertenigfter  gehorfamfter
Srant  von  Mercy.
        <pb n="255" />
        1)

2)

3)

239

I.

Un  Deldtmarfchal  von  Merey.
Marimilian  ıc.

Eoler  lieber  gethreuer.  Wir  Haben  er  fchreiben  vom  4.
fambt  dem  P.  S.  vom  5.  biß  aus  Anerbady  empfangen  ond
darauf  gern  vernommen,  daß  fich  der  Velbtmarfchal  Graf  von
Geleen  mit  3000  zu  fueß  und  2000  Pferbt  coniungirt,  und  daß
Fr  den  march  auf  Winpfen  anftellen,  und  bafelbft  ein  Pruckhen
veber  den  Nedhar  fchlagen  Taffen  wollet,  vınb  des  feint3  andamenti
  defto  befjer  in  acht  zu  nemmen  vnb  wie  berfelbe  anfangs
aufzuhalten,  vnd  in  etwas  consumirt  werden  möge,  zu  fehen,
damit  Ir  alfpan  auf  Ine  gehen,  und  deme  mit  Ootted  bilf  einen
gueten  ftreich  verfezen  £hönder.

Nun  zweiflen  wür  gar  nit,  Ir  merbet  alled  mit  dem  Belt:
marfchal  Grafen  von  ©eleen  und  andern  General  Berfohnen,
waß  weiter  gegen  dem  feindt  vorzunemmnen  vleiffig  veberlegen,
und  euch  in  einem  vnnd  andern  nad)  ded  feindtd  postur  vnd  andamenli
  zu  richten  wiffen,  ond  befchieht  eubren:  felbft  anveuten
nah  gar  recht,  daß  ihr  den  feindt  fo  will  möglich  aufhalten
mwollet,  damit  er  fid)  consumire,  ond  man  alß  dan  fo  vill  mehrern
vortheill  vber  ihn  haben  Ehinde,  Inmaffen  wür  das  ganze  werd
euer  ond  ded  Grafen  von  Geleen  befhandter  Kriegdexperienz
vnd  texteritel  haimbftellen  tbuen,  und  Den  weitern  eruolg
erwartten.

Waß  uns  fonften  von  einem  verthrauten  orth  wegen  ded  Duc
d’Anguien  Armada,  und  deren  befchaffenheit  einfhommen,  vnd
fid)  darauf,  wie  man  vnß  verftchert,  mol  zuuerlaflen,  haben  wür
euch  und  den  Veldtmarfchal  von  ©eleen  biebey  vmb  nachrichts
willen  oommunicirn  wollen,  vnd  demnach  auch  underfchipliches
mal  auisiert  wirbt,  Daß  des  feindtd  intention,  wan  ed  zu  einer
faction  fhombt,  vnfere  armada,  mit  fheinen  trouppen  an  allen
ortten  zu  trauallirn,  Alfo  haben  wir  euch  deffen  erihnern  wollen,
darauf  zu  gebend’hen,  mie  ihr  folchen  trouppen  begegnen  wollet.

Bnd  weiln  aus  den  euch)  vorher  communicirten  intercipirten,
        <pb n="256" />
        4)

5)

6)

240

wie  auch  aus  deme,  waß  der  Obrift  Graf  Fugger  nach  befag
Diebeyligender  Copi  an  iezo  mwiderumb  fchreibt,  genuegfamb  wnd
elarlich  erfcheint,  daß  In  Württenberg  fonderlich  aber  zu  Xemberg
  und  Befldham  für  ven  feindt  allerhandt  provision  gemacht
wiirdet,  jo  habt  Ir  zu  fehen,  wie  Ir  etwan  durch  eine  caualcada
foldye  Prouiant  ond  victualien  fambt  iwÄägen,  oren  vnd  pferbten
wedhnenmen  ond  der  Armada  zum  beften  anwenven  Ehindet  oder
auf8  mwenigft,  da  ed  wegen  fortbringung  nit  mehr  an  der  Zeit,
foldhe8  provisiones  mit  ruinirung  dem  feindt  nit  zu  Daill  wer«
den,  nit  zmeiflend  der  Herzog  von  Württenberg  welde  folche
prouision  felbft  lieber  der  Neich8  Armada  alf  dem  feindt  begonnen,
  mafjen  Ime  Serzog  folches  felbft  foweit  zum  beten
fhombt,  daß  der  feindt  alßdan  aus  mangl  beren  in  feinem  land
beflo  weniger  mwiirbet  subsistiren  Ehönden,  und  habt  ihr,  wouern
es  nit  Schon  alberait  gefchehen,  Thein  ftundt  hierin  zuuerabfaus
men,  vnd  euch  von  weggnemung  alles  des  Jenigen,  fo  dem  feind
zunuz  vnd  böfften  angetragen  wirbt,  nicht8  abhalten  zu  laffen  ;
ob  vnd  maß  nun  diffahl8  aufgericht  würdet,  habt  vn  zu
berichten.

Dabey  wir  euch  auch  erinnern  wollen,  darauf  zu  gebendben,
iwan  etwan  der  feindt  von  feiner  Caualleria  ein  oder  2000  oder
mer  Pferdt  an  die  Thonau  fehiefhen  vnd  diuersion  machen  und
posto  faffen  wollte,  daß  auf  folchen  fahl  ihr  die  Verorpnung
gleich  vraufhin  thuen  wollet,  alß  welchen  folcher  fahl  zum  erften
durch  vleifige  Fhundfchaft  zu  ohren  Ehonmen  wirbt,  dan  bie
Prüdhen  an  der  Thonau  nit  allein  gleich  abgeworffen,  fondern
gar  verbrennt  werben,  damit  ber  feindt  defto  weniger  vebergehen
  Ehönde.

Anlangent,  daß  wir  in  vnferm  tingften  fehreiben  wegen
heraufihidhung  eines  Regiments  zu  Buch  anregung  gethan,
da  ift  folche8  allein  conditionaliter  gefhehen,  und  der  mainung,
mwofern  Ir  folches  felbft  für  guett  befündet,  und  etwan  des  Velbtmarfchall
  von  Geleen  caniundion  nit  eruolgen  folte,  oder  ver
feindt  einen  Borfprung  erlangen  möchte,  Alvieweilen  aber  dife
considerationes  derimablen  gefahlen,  Alf  ift  euremfelbft  anbeitten
nach  difer  Zeit  ein  Regiment  herauf  zu  fhiefhen  nit  vonethen.
        <pb n="257" />
        241

Maß  des  Obriften  Rouyers  und  Schefferd  verrichtung  bey
beeden  Bifchofen  Bamberg  ond  Würzburg  gewefen,  haben  wir
vernommen,  nemblich  daß  felbige  mit  Prouiant  in  etwas  wes

7)  niges  assistirn:  in  dem  veberigen  und  beuorab  der  Pfernt  halber
bie  fach  auf  zufammenfHonfft  des  Brändhifchen  Craiß  defferirn
wollen  ;  Nun  mieffen  wıır  e8  zwar  an  fein  orth  geftelt  fein  Taffen,
Ir  wollet  aber  einen  ald  andern  tmweeg  öffter8  bey  beeden  Bifchöfen
  defwegen  beweglich  anzumahnen  nit  vnderlaflen,  kiß  von

8)  Inen  oder  von  vem  bemelten  Sränfhifchen  Craiß  ein  wilfehrige
resolution  eruolge,  Inmafjen  wür  ein  folche8  von  hieraus  ebenmeffig
  treiben  wollen;

9)  O5  fie  aber  underbeffen  diejenige  500  vunberittene,  welche  Ir
in  Srandhen  gefhidht,  remontirn  werben,  oder  maß  ed  damit
für  ein  befchaffenheit,  habt  unß  Ir  fürverlich  zu  berichten,  damit
der  nottmendigen  remontirung  balb  weitere  Verorbtnung  bes
fcheben  Ehönde.  DBnd  weiln  mir  felbft  gerne  fehen,  e8  auch  bie
höchfte  notturfft  erfordert,  daß  bie  remontirung  fhleinigift  be:
fürdert  werden  möchte,  So  würdet  Euch  daß  General  Commissariat
  referirn,  maß  mwür  vemfelben  vefhalber  weiter  beuoldten,
und  ihr  felbigem  zu  assistirn  wiffet.

Daß  wür  fonften  in  unferm  an  ba®  General  Commissariat
sub  dato  27.  Juny  abgangnen  fchreiben  vermeldt,  daß  wir  ung

10)  veber  ven  fchledhyten  respect,  weldhen  Officir  ond  Reitter  gegen
euch  zuuörderift,  und  den  General  Commissariat  tragen,  verwundern,
  habt  Ir  e8  dahin  nit  aufzunemmen,  alß  war  unß  da®
General  Commissariat  defmegen  etwa8  geclagt,  oder  gefchriben
hette,  fondern  wir  haben  folche8  dem  General  Commissariat
felbft  verwifen,  welches  mür  aud)  daher  nenımen  mieffen,  melln
nan  fo  offt  beuolchen,  dag  Ofeir  und  Reitter  die  bey  Herbfthaufen
  befhommene  veberige  Pferbt  zur  remontirung  vmb  die
bezahlung  veberlafien  follen,  und  folche8  dannoch  nicht  gefchehen,
fondern  biß  fie  anjeßo  erft  wie  der  Scheffer  und  bericht  hat
wegen  ver  ermanglenden  fourage  bie  nott  darzu  treibt,  ges
warttet.

11)   Waß  ber  General  von  der  Caualleria  Johan  von  Wörth  nıit
der  aufgefchtefhten  Caualcada  verricht,  haben  wür  nod)  nit  ver-16
        <pb n="258" />
        202

nommen,  wollen  aber  folched  yon  gych  npch  berichtlich  erwartten,
  gleicher  geftalt,  ob  fih  der  General  Wachtmeifter  von
Spaar  ond  mit  wie  vill  völfher  coniungirt  Hat;  ond  demnach
bey  dem  Stalifchen  Regiment  wenig  Rittmaifter  ond  officir  vorhanden,
  vnd  Obrift  Leittenant  zu  folchem  Commando  zu  gering,
der  Obrifte  nit  bej  ber  fiel,  alß  mollet  Ihr  einen  tauglichen
Obriftleutenant  ond  bebierfftige  officier  alfo  balten  verorbnen,
ehe  dad  Negiment  nody  mehr  zu  grund  gehet,  und  beuorab  bej
jo  fihlechter  ond  vebler  beftellung,  da  e8  zu  einer  faction  fhombt,
nit  eine  faulte  zu  vnwiderbringlichen  nachtheil  begebe.

Schließlid)  werdet  Ir  von  vnferm  Obriften  Camerer  Graf
Khurz  vernemmen,  waß  der  Tourraine  megen  ded  Treffen&amp;amp;  bey
Herbfthaufen,  vund  beuorab  in  specie  wegen  nidermadjung  ber
Branzofen  in  Srandhreich  und  anderer  orthen  gefchrihen,,  gleidywie
  aber  die  notturfft  erfordert,  folches  durch  ein  manifest  abzulainen,
  AB  werdet  Ir  Ime  Obriften  Camerer,  waß  Jr  befmegen
zu  fehreiben  vermaint,  an  bie  handt  zu  gehen  wiffen.

Wolten  ıc.
München  ven  10  July  Anno  1645.

6,

Durchleuchtigfter  Herkog,  Onädigfter
Churfürft  und  Herr.

Em:  Ehurfrl:  Drl:  fambentliche  gnädigfte  befelh  al  vom  1.  2.
3.  ynd  5,  difg  mit  denen  P.  s:“®,  ond  beplagen  hab  ich  underthenigft
erhalten,  und  inhaltlich  gehorfamift  vernommen.

Souil  nun  die  beyfchaffung  ded  Prouiantd  auch  remantirung  der
pnberithnen  yon  beeden  Bifhouen  Bamberg  und  Würzburg  betrifft,
da  werden  Em:  Chyurfrl:  Dr:  au  meinem  vnderthenigften  bericht  auß
AUmerbacdh  vom  4.  difg.  und  eingefchicfhter  relation  des  Obriften  Rouyr
und  Schäffer  mit  mehrerm  zu  erfehen  fich  gnädigft  belieben  Iafjen  haben;
Wellen  fpe  beede  Bürften  fich  fomohl  wegen  ein  ald  andern  hazauf
resoluirt,  maß  nun  feithero  der  Bifchou  zu  Bamberg  Imegen  zufamen
        <pb n="259" />
        Beihreibung  ved  Graifed  mir  zuegeichriben,  geruben  Em:  Churfer:
Drl:  auß  der  behlag  gnäbigft  zu  erfehen,  underbefien  aber,  vnd  biß  fye
fich  infonderheit  wegen  bergebung  teitern  Brouiants  resoluiren  werden,
  follen  die  völdher  gnäpigft  anbefohlener  mafien  an  Prouiant  fein
noth  leiden.

Belangent  ven  Belt  Marfchall  Grafen  von  Geleen,  da  werben
En:  Ehurfrl:  Dri:  aus  meinem  obangebeiten  gehorfamiften  bericht
vom  4.  huius  gnädigft  vernommen  haben,  maß  maflen  felbigen  tays
mit  Ime  die  mürdhliche  Coniunction  gefchehben,  darauf  wür  aud
fambtlich  gleich  den  andern  tag  von  Amerbach  aufgebrochen,  und  auf
Hiebero  gegen  Hellbron  marchirt,  auch  vnfern  marche  fouil  immer
Menfch:  und  müglicdy  dafelbfthin  geeylet,  maflen  dann  auch  der  feint
thnfeitö  degNedhere  felbigen  tagd  auf  gedacht  Heylbronn  zue  marchirt,
ond  eben  al&amp;amp;  wir  mit  vnfer  armed  difjeits  Nedherd  zwifchen  bier  und
HSenlbron  angelangt,  verfelbe  auch  ihenfeits  des  Nedhers  anfommen,
daher  mir  gleich,  alG  wir  folched  gefehen,  vuß  gegen  Ime  ex  opposito
logirt,  wann  auch  mwür  ein  einige  flundt  fpäter,  oder  ber  feindt  ein
flundt  ebender  alf  wur,  ankommen  were,  hete  Er  fich  difes  Pofto  bemädhliget,
  ond  Hehlbron  vor  onfern  Augen  hinwedhgenommen,  Dies
weilen  aber  Er  gejehen,  vaß  Er  bey  folder  befdhaffenheit  nicht&amp;amp;  ausrichten
  Eönnen,  bat  Er  geflern  die  Statt  Wimpfen  belägert,  folchen
ort  befchoffen,  auch  darnf  einbefonmen,  pub  obmwohln  wür  un  gegen
‘me  alaa  ex  opposito  logiren  fönden,  fo  bat  dodh  der  feint  den  vortheil
  mit  ver  Höhe  des  Berges  Inen  gehabt,  und  vn  mit  Stuchen
vertreiben  fönden.  EB  hat  auch  der  feint  eine  fehr  flardihe  armee  infanderbeit
  an  Reitterei,  wie  ich  dann  geitern  felbige  felbften  marchiren
geliehen,  vnn  wie  mir  Die  Veberleufer  fagen,  auch  Die  gefangne  berichten,
  bat  er  17  hrigada  zu  fueß,  vnd  62  Esguadronen  zu  Pferbt,  und
wär  hingegen  14  brigada  zu  fueß,  und  36  Esguadronen  zu  Pferbt,
yard  ift  heut  viffelt8  veber  den  Nediher  pafhirt,  vaß,alfo  wär  an  tego
gegen  vnd  nur  ziwo  flundt  von  einander  ligen;  etliche  der  gefangnen
fagen,  der  feint  wolle  auf  un  Toß  geben,  Kombt  Er  nun  vf  ung,  fo
Haben  mwür  ein  folchen  gueten  Pofjto,  vaß  wur  venfelben  mit  Gotted
Hülff  präf  empfangen  mollen,  nimbt  Er  hann  fein  marche  gegen
Srandhen,  fo  mollen  wür  mit  der  arme&amp;amp;  audy  marchiren,  neben  Ime
unfarun  marche.  fortnemmen,  und  fehen,  pamit  mar  Ime  alzelt  vorbitegen

16*
        <pb n="260" />
        244

und  fouil  mas  immer  Denfch:  und  müglidh  thun  Eünvden.  Bmar
bringen  vonfere  außfchidhende  Parthey  vom  feint  täglich  viel  gefangne
ein,  Schiffen  aud)  viel  zu  tobt,  allein  ft  der  feint  ftardh,  vond  in
12000  Pferdt  und  10000  Mann  zu  Buefß.  Ich  habe  auch  die  in  der
Neuftatt  an  der  Kinden  logirende  Geleenifche  Tragoner  berauß  zu  nems
men,  vnd  nachher  Mergenthal  zu  legen  vermeint,  barzue  aber  fich  der
Graf  von  Geleen  nit  verftehen  wollen,  wie  dann  dad  General-Commissariat
  fo  in  Kriegärath,  gemwefen,  wegen  weitleüfigfeit  der  fachen  alles
Ew:  Ehurfrl:  Dri:  mit  mehrerm  vunverthenigft  berichten  werben,  do
hab  ich  nacher  Schwäbifchenhall  neben  denen  von  den  vunfrigen  albereit
dafelbften  ligenden  80  Tragonern  alfobalden  noch  150  Tragoner  gefhieht,
  vmb  den  Pofften  defto  beffer  zu  beobachten,  auch  die  Landen
defto  beffer  zu  bevedhen,  wür  wollen  alzeit  wie  obgemelt  thun,  waß
immer  menfch:  vnd  müglich,  vond  vnß  nach  def  feintd  motus  vnd
actiones  reguliren,  allein  mweiln  der  feint  an  Caualleria  fo  ftardh  und
etwan  hin  vond  wider  Parthenen  geben  laffen  möchte,  Alb  Bithe  Em:
Ehurfl:  Dr:  hiemit  onderthenigft,  She  geruben  gnädigfi,  wan  ed  noch
nit  gefchehen,  (doc)  ohne  gehorfamifte  maßgebung)  nacher  Donaumörtb
etlich  Hundert  Jäger  under  einem  gueten  Commendanten  zu  Berhüetung
allerhandt  ungelegenheit  zu  fchiefhen,  dann  ich  nit  für  rathfamb  befinde,
wie  Ein:  Ehurfil:  Drl:  aus  meinem  onderthenigften  bericht  vom  4.  difß.
werben  gnäbigft  erfehben  haben,  daß  man  von  der  Armada  ein  Regiment
  zu  fuefß  alvahin  fchiefhen  folle,  auß  vrfach  mweiln  wir  unß  dare
durch  fhmächen,  zugleicy  allen  Ständen  eine  groffe  forcht  einiagen,  und
allen  da8  Herb  benemmen  murben.

Mit  Außmechplung  beeverfeitö  gefangnen  mit  dem  Turrene,
folle  Ew:  Churfrl:  Dri:  gnädigfte  intention  gebürend  in  obacht  genommen
  auch  wann  der  Torftenfohn  fih  megen  loplafß:  und  außmwehhßlung
deren  noch  bey  Ime  fich  befindenven  vunfern  gefangnen  2  Dbrift  Leutenant,
  vond  3  DOhrift  Wachtmeiftern  erklärt,  fouil  Obrift  Zeitenant
und  Obrift  Wachtmeifter  pargegen  vem  Tourrene  hinveber  gefhidht
werden.

Der  Eroaten  Obrift  Leütenant  Cuseniz  ift  albereit  mit  der  in
obern  Pfal&amp;amp;  gelegnen  Compagnia  Croaten  kei  ver  Armada  angelangt.

Dap  Em:  Churfrl:  Dri:  fi)  gnäpigfi  gefallen  Iaffen,  des  baubteman
  Kürfchnerd  neue  Compagnia  zu  fuefß  nacher  Schorndorf,  dafelbften
        <pb n="261" />
        245

zu  logiren,  zufchiclhen,  daran  ift  fehr  wohl  gefchehen,  will  auch,  warn
e8  mweitter  vonneten  fein  mwürdt,  noch  etwas  Tragoner  oder  fuefßvolch
jelbigen  orth  befto  beffer  zu  verfichern,,  alpahin  fchickhen,

Die  Baplifche  auisen  feind  mir  auch  albereit  fehon  zuuor  von
dem  bafelbftigen  Correspondenten  communicirt  worden.

Em:  Ehurfrl:  Dri:  gnädigften  befelch  an  den  Velt  Marfchallen
Grafen  von  Geleen,  habe  vemfelben  nit  allein  eingelifert,  fonvern  auch
berofelben  gnädigften  intention  gemeß  deme  alle8  mit  mebrernn  ombfänden
  remonstrirt  ,  werde  zugleich  Ew:  Ehurfrl:  DrY:  weitern  gnäbigften
  befelh  in  allem  fehulbigfter  maffen  in  obacht  zu  nemmen  nit
onderlaffen.

Daß  der  Graf  von  Geleen  in  3000  zu  fuefß  und  2000  zu  Pferbt
mit  fich  gebracht,  werben  Em.  Ehurfrl:  Drl:  au8  meinem  vorigen  bes
richt  gnädigft  vernommen  haben.

Weffen  fih  Em:  Ehurfrl:  Dri:  fih  fomwohl  wegen  Ir  Frl:  8:
Herzog  Vlrih  zu  Würtenberg,  alß  auch  ded  General  Wachtmeifters
Sperreither  gnädigft  resoluirt,  hab  ich  denfelben  gebürendt  notificirt.

Die  in  Kupenheim  gelegne  Mercyfche  3  Compagnien  betr.  da
feind  von  felbigen  nur  60  oder  80  Mann  dauon  in  Gernsheim  Fommen.

Der  General  veber  die  Caualleria  Iohan  de  Wörth  hat  vf
iungft  außgeweßner  Parthey  anders  nicht?  ausgerichtet,  alB  daß  er
vom  feint  40  oder  50  Tragoner  gefangen  und  nivergehauen.

Em:  Ehurfl:  Dr:  gnädigfter  intention  gemeß  will  ich  den  anieto
zu  Ditöberg  ligenden  haubtman  auf  hoben  Aurach  fihielhen,  Ine  dafelbft
  zum  Commendanten  verorbnen,  bemfelben  die  Conseruation  der
vefftung  ond  ber  -völdher  einbinden,  zugleich  daß  Ihenige,  wa8  ven
Eommendanten  zu  Afperg  und  Schoorndorff  aufgetragen  worben,  an
befehlen,  auch  Kürchen  an  ver  Tedh  da  es  vonnöthen  zu  rechter  Zeit
befegen,  vnd  auf  folchen  fahl  Iro  frl:  OT:  zu  Würtenberg  bewegen
notification  thun,  nit  weniger  aud),  wann  e8,  wie  aud  Treffen  auisirt
würbt,  daß  2000  Dann  feints  völckher  heraus  gehen  follen,  Continuirt,
und  ohne  verbinderung  bed  haubtmwefens  gefchehen  Tann,  vf  foldhe
2000  Drann  eine  Caualcada  verrichten,  allein  erfehen  Em:  Ehurfrl:
Drl:  gnädigft  auß  der  behlag,  wad  mir  defmwegen  der  Graf  von
Colleredo,  daß  nemblich  folche  feints  völdher  widerumb  zurudbgangen,

zuefchgelbt.
        <pb n="262" />
        246

Der  General  Warhtmeifter  Sparı  Ift  nit  bey  vnf,  der  Obrift
Lucas.  Spih  aber  hat  300  Kayl:  zu  fueß,  vnd  17  Pferde  mit.  fich
gebracht,  allein  feinv  folche  Neither  gar  vebel  bewöhrt,  bahero  felbige
gleich  wiverumb  zuruckh  gefchicht  worden.

Mag  nun  des  feints  halben  weitter  pafhieren,  auch  fünften  wiitbt
vorgenommen  werben,  berichte  Ew:  Ehurfrl:  Drl:  fchulvigfter  maffen
alzeit  gehorfamift  Hinnach;  dero  zu  beharrlichen  Churfrl:  mitifien
hulden  und  genaden  ich  mich  underthenigft  empfehle,  und  bleibe

Em:  Ehurfil:  Dre:
Dat:  Nedherdulm  ven  9.  July
Anno  1645.
unberthenigfter  gehorfaufter
Yranz  von  Meroy.

l,
Ar  VBeldtimarfchall  vor  Mercy.

Marimilian  ıc.

Eoler,  Fieber  gethreuer.  DBnß  ift  euer  berichtichreibei  aus
Nerkers  Blm  vom  9,  vnd  das  P,  S.  vom  10.  diß  fambt.  den  beylagen
  bey  dem  zuriudhgefichten  Eurrier  zurecht  gelifert  wors
den.  Daraus  wür  mebrerd  vernommen,  maß  feithero  beh  ber

1)  Armada  vund  bed  feint&amp;amp;  halber  pafftrt,  vd:  twaß  geftakten  fowol
ber  feindt,  alf  Ir  ven  march  angeftelt,  und  Ir  euch  nadı  ved
feindtö  actiones  richten  wollet,  umb  feine  desseigni  fouil  möglich
zu  contraminirn,

Nun  Faffen  wir.e&amp;amp;  bei  dem  veltmarfchallen  Grauen  von  Ge-Iehen
  und  eurer  anftalt  allerdings  verbleiben,  vund  wie  Ir  in
enven  norigen  fchreiben  anzegung  gethan,  daß  Sr  fouil  möglich
den  feindt,  damit  er  fi)  consumire,,  aufzuhalten  gedadıt,  vnv
alfvan  fehen  mollet,  wie  Sr  mit  mererm  Vortl  auf  Sne  gehen
Ehönbet,  Al  Laffen  wür  uns  folches  nochmaln  gefahlen,  vn
fielen  alles  des  Velptmarfchall  Grafen  von  Geleen  und  outer.
        <pb n="263" />
        3)

4)

247

befhandten  Kriegsetperienz  anhalmb,  und  welln  fidh  dermaln
die  ooniuncturn  fo  nahent  erjaigen,  So  wiffet  un®  Ir  ben
eruolg  defto  öffter,  on  mo  möglich  veber  den  andern  dag  zu
berichten,  oder  da  Ir  nit  fouil  Zeit,  foldye®  durch  das  General
Commissariat,  mwaß  fürfablet,  und  wohin  Jedermaln  fumol  eur
alß  des  feindtö  intention  gerichtet,  thun  zu  laflen,  damit  wir
und  in  onfern  consilijs  defito  beffer  darnadh  reguliren  Ehynden,

Maß  Ir  fonften  wegen  Befezung  Thonaumwörth  und  MRhain
erinnert,  da  haben  mwür  verorbtnung  geihan,  baß  folche  orth
fobaldt  alf  Immer  möglich  mit  etwas  Gemorbnen  wie  aud)
Iandtooleeh  und  Yäger  befezt  werden.  Solte  nun  ber  felndt
etwan  fo  ftardh  gegen  der  Thonau  eillen,  So  werdet  Ir  felbft
darauf  gebacht  fein,  menigift  die  Tragoner  zu  befferer  ond
eilliger  befezung  Thonaumdrth  und  NRhain  voran  zu  fchichen;
auf  welchen  fahl  Ir  auch  itingft  angeveitter  maflen  die  ruinirung
ber  Thonauprüdhen  von  Blm  bi  Thonaumörtb  und  Infonderheit
  Lauigen  im  Neuburg!  in  zeitliche  quette  obacdht  zu  rlemmen
wiffen  merbet,  ond  ob  zwar  die  Pfalzifchen  fich  für  neutrall  angebert
  mechten,  fo  habt  ihr  eucdy  veifen  nicht8  ihren  zu  Laffen,
damit  der  feindt  nit  veber  eine  ober  Die  andere  durch  ein  fchrelle
canalcada  durchkhonmen  Ehönde.

Br  bat  der  Velntmarfchal  Graf  von  Geleen  zwar  auch  ges
fehriben,,  fi}  aber  in  der  haubtfach  auf  euch  gelendet,  beromegen
wür  vn  in  onferm  antmwortfchreiben  hinmwiderumb  auf  euch  bes
ziehen,  deme  Ihr  nun  in  allem  verthrauliche  communication  zu
thuen,  ond  weiln  fich  gedachter  Velotmarfchal  Graf  von  Beleen
gegen  unß  vernemmen  laffen,  daß  die  Stende  des  Weftphallifchen
Eraiß  beforglich  empfinden  werben,  daß  er  fich  fo  meit  herauf:
begeben,  da  doch  Ir  mainung  geweft,  daß  er  von  Geleen  von
dem  Main  meiter  nit  abgehen  folte,  Alf  bat  man  Ine  fanbt
feinen  Völdhern,  wie  e8  ohne  das  recht  od  biffih  ift,  bey
guettem  willen  zu  erhalten,  damit  er  fidh  nit  separire,  vnb  daß
haubtwerdh  barburch  in  eufferifte  gefar  onb  extremitet  geftelt
werbe,  maffen  Ir  dan  vorbeveitter  maffen  mit  Ime  von  Geleen
alfe  communicato  consilio  freundtlidy  und  verthreulich  zu  hand»
Ien,  und  Iedermahln  Bas  werfh  mit  Ime  und  den  andern  General
        <pb n="264" />
        5)

6)

7)

8)

248

PBerfohnen  zu  veberlegen;  Vnperbeffen  wollen  wir  Ime  Veldtmarfchal
  von  Geleen  bey  ven  Weftphallifhen  Stenvden,  und  wo
ed  vonetben,  genugfamb  verthreten.

Wir  wollen  auch  ein  Sommer  Verpflegung  vermilligt  haben,
und  gedachten  Velttmarfchal  Grafen  von  Geelen  audy  darunder
verftandten  haben,  maflen  wür  bie  Verorbtnung  thuen,  daß
folche  Verpflegung  negftens  hinaus  gefchicfht  werde.

Das  fonften  die  gefangne  den  feindt  in  12"  Pferbt,  vnd
10”  zu  fueß  ftarh  machen,  da  möchten  wür  gern  vernemmen,
ob  Ir  darfür  haltet,  daß  bemelter  feindt  vnd  fonderlicd)  an  fueßvoldh
  fo  flarfh  fein  folte,  entzwifchen  mwerbet  Ir  vernommen
haben,  maß  von  einer  verthrautten  Perfohn,  welche  ded  Duc
d’Anguien  heraußgebrachte  völdher  bey  Zabern  auf  dem  randezvous
  felbft  gefeben,  bericht  worden,  So  vermainen  mür,  man
£hönde  fi)  nach  den  brigaden  und  Esquadronen,  meiln  einer
ein  brigada  und  Esquadron  ftarfher  vnnd  geringer  bat  ond  macht,
al&amp;amp;  der  ander,  fo  gar  nicht  richten.

Bnd  mweiln  eurem  anmdeitten  nach  fouil  gefangne  eingebracht
werden,  So  babt  Ir  felbige  durch  den  Beneral  Auditor  mit
Bmbitenden  examinirn  zu  laffen,  infonderbeit  auch  wie  man  bey
dem  feindt  mit  der  Prouiantirung  fortfhombt,  und  waß  darbey
für  anftalt  gemacht  ift,  Item  ob  nit  vil  außreiffen,  erfranfhen
ond  fterben,  audy  vil  pferbt  vmbfhomen  vd  fallen,  und  demontirte
  beh  der  Heitterei  verhanden,  vnd  waß  dergleichen  fachen
mer  feyen,  weldhe  auffag  onnd  vmbftendt  ung  Ir  alfvan  zu
veberfchicfhen.

Sonften  haben  mwür  vernommen,  daß  der  Kahl:  General
Machtmeifter  Sparr  nit,  fondern  allein  der  Obrift  Lucas  Spidh
mit  300  zu  fueß  vnd  17  Reitter  zur  Armada  Thommen,  welche
Meitter  aber  vebel  beritten  und  wider  zurudb  gefchidht  werben
mieffen.  Dieweiln  aber  gevacdhter  General  Wachtmeifter  Sparr
derzeit  bey  der  Armada  mol  vonnethen,  dan  euch  felbft  bewuft,
daß  der  General  Zeugmaifter  von  Ruifchenberg,  ob  er  zwar  die
Beneral  Wachtmaifterftell  zu  Fueß  zugleich  verftehet,  ohne  daß
bey  der  Artilleria  genueg  zu  thuen,  Alß  möchten  wür  gern  feben,
e8  wurde  auch  dem  werfh  fehr  befürberlich  fein,  man  ber  Velbt»
        <pb n="265" />
        9)

10)

249

marfchal  Graf  von  Geleen,  neben  euch  Ime  General  Wadıtmaifter
  Sparr  alfo  balten  ganz  beweglich  zuefchreiben  thette,
baß  er  fich  vor  fein  Perfohbn,  wan  er  ie  an  Völdhern  weiter
nicht8  mitbringen  Than,  fürberlich  zur  Armada  begeben  ond  bie
General  Wachtmaifter  charge  zu  fueß  neben  dem  Raufchenberg
nur  fo  lang  exerciren  wolte,  biß  die  occasion  vorveber,  foldhe
wurde  onß  von  ihme  zu  gröftem  gefallen  raichen.

Anbelangent,  daß  des  Bifchof  zu  Bamberg  2.  auf  den  25  di.
ein  tag  dahin  nacher  Bamberg  aufgefchriben,  omb  vafelbft  wegen
der  für  die  Neicy3-Armada  begerten  Pferbt  und  Proulant  zu
deliberirn,  da  werdet  Ir  auf  folche  Zeit  auch  Iemandt  vabin
abzuorbnien  wijfen,  Diemeiln  aber  der  Obrift  Rouyer,  wie  auch)
der  Scheffer  bey  iezigen  geferlichen  coniuncturn  von  der  Armada
fchwerlich  zu  entlaffen,  So  habt  Jr  auf  ein  anderd  taugliches
subiectum,,  mwelcheö  bey  der  Armada  beffer  zu  entratben,  zu  gedendben,
  vnd  mit  genuegfamber  instruction  und  information,
welche  der  Scheffer  am  beften  geben  Than,  abzufertigen,  vond  zu
fehben,  daß  man  doc)  weder  eind  noch  daß  ander  weiter  nit  in  die
bar  ziebe,  fondern  fomwol  die  eruolglafjung  der  hechft  bevürfftigen
  pferdt,  alß  der  Prouiant,  meiln  ed  damit  summum  periculum
  in  mara  vnd  fich  Fheined  ohne  nachtl  ded  gemainen  meefend
lenger  ganz  nit  verfchieben  laffet,  alfbald  und  ohne  weitere  zeit
Verlidrung  zu  iwerfh  gerichtet  werde,  waß  funften  Ihr  2b.  Bd.
(wohl:  von  Bamberg?)  an  die  auffchreibende  fürften  wie  audh
des  zu  Würzburg  2.  abgehen  laffen,  habt  ihr  aus  der  abfchrifft
neben  empfachung  der  Originale  zu  erfehen,  vnd  die  originalia
an  Ir  gehör  beflellen  zu  laffen.

Daß  der  Ervaten  Obrift  Leitenant  Qufcheniz  numer  bey  der
Armada  angelangt,  ift  recht,  mweiln  er  aber  an  feiner  neuen
werbung  nod)  60  Groaten,  darauf  er  albereit  die  gelter  empfangen,
  zu  ftellen  fhuldig,  So  wollet  Ir  Ime  Gufcheniz  ernftlich
beuelchen  und  daran  fein,  daß  er  folche  60  Eroaten  numer  vnuerzogentlich
  flelle,  dan  man  dveren  iezt  im  veldt  vil  mer  alß
fhonfftig  in  den  Wintter  Ouartirn  vonetben.

Wir  haben  aud  den  auisen  erfehen  mieffen,  daß  abermaln
des  feindts  Meitter  allein  aus  mangl  conuoy  die  Prouiantwägen
        <pb n="266" />
        250

—[1[1.2...__

11)  angriffen,  vil  pferbt  aufgefpant,  und  bauon  geführt:  Nun
erinnern  wir  und,  daß  dergleichen  in  Ehurzer  zeit  ber  fehon  daß
dritte  mahl,  ond  fonderlich  erft  füngftlich  bey  Dinglfpihl  gefcheben,
  und  ob  zwar  bie  feige  von  dem  feindt  angriffne  Prouiantfuhren
  nit  zu  der  Armada,  fondern  den  Stenden  zuegehörig
gemeft,  fo  ift  doch  bemwujt,  daß  ohne  der  Stend  assistenz  mit  genuegfamben
  fuhrmwercd  aufzufhommen  unmöglich,  dagegen  die
Stende  nit  zuuerdendhen,  man  fie  bey  folcher  geftaltfanıbe  ond
da  fle  aus  mangl  der  conuoy  nit  ficher  feyen,  die  fuhren  vertwaigern,
  und  nit  herlafen  follen.

Dieweiln  aber  die  Conseruation  der  Armada  an  der  Pros
uiantirung  hechftens  gelegen,  vnd  mie  Ir  felbft  gar  mol  meldet,
den  feindt  wegen  des  Proulant  mangl®  zu  consumirn  gebadht,
bey  folcher  anftalt  aber  vil  mehr  onfer  al8  bes  feindts  Armada
zu  grundt  gehen  mieffte,  Alg  werbet  Ir  bife  breh  beh  dem  Proulantfuhrwerf
  baldt  aufeinander  geuolgte  ungliclh  ein  wahrnung
fein  laffen,  und  fürter8hin  und  zwar  an  lego  alfbaldt  ievdermahln
gevachtem  fuhrmwerkfh  ein  foldhe  genuegfambe  conuoy  vf  begern
bes  General-Commiffariatd  oder  der  Proulant  Directoren  ohnwaigerlich
  mitgeben,  auch  daß  foldhe8  durch  andere  General«
Berfohnen,  von  welchen  dergleichen  conuoy  begert  werben,  ohnfehlbar
  befchehe,  ernftlich  daran  fein,  auf  daß  man  flcher  vort»
fhommen,  vnd  hieran  nit  gehindert  werbe:  und  ob  man  fidh
zwar  beh  der  Armaba  mit  bergebung  dergleichen  conuoyer
vumb  etwas  fchwöchet,  So  eruolgt  doch  noch  mer  fhabt  on
ruin  der  völdher,  warı  e8  an  der  Prouiant  ermangln  thuet.

Sy  vernemmen  wur  au,  daß  der  Pferptfahl  ben  ver  Armaba
  noch  nit  ganz  aufgehört,  Diemwelln  dan  difen  vebel  foull
möglich  zu  fteuren,  und  fich  ohme  da8  vil  wnberittne  bey  ver
Armada  befinden,  So  ift  on®  bengefahlen,  ob  nit  etivan  folcher

12)  Pferbtfahl  fich  auch  in  etwas  daher  nemmen  möchte,  weiln  bie
Regimenter  und  Gompagnien  in  ver  flerfhe,  infonberheit  aber
In  der  anzahl  der  berittenen,  vond  die  Dienft  leiften  Ehönden  gar
ungleih,  daß  etman  dannodh  Baldt  vor  einem  fehrvachen  Megis
ment  oder  Compagnie  fouil,  alf  von  einem  flarfhen  auf  vie
wacht  zum  battirn,  ober  in  ander  weeg  eömmandirt  werben,
        <pb n="267" />
        2351

be  welcher  befchaffenheit  aber  die  ongelegenheit  wil  öffter  an
den  Meitter  bey  den  fchmacyen  Negimentern  vd  Gompagnien
thombt,  ond  dahero  auch  defto  eder  zu  grundt  geben  müelten,
Dergmwegen  guett  were,  daß  hierin  ein  proporlion  und  merere
gleichheit,  bib  etwan  die  remontirung  befchehen,  vnd  die  Megie«
menter  und  Compagnien  etwas  mehrer®  gleich  feyen,  obseruirt
und  gehalten  werden  möfhte,  zu  dene  ende  Ir  dad  werfh  mit  vem
General  von  der  Caualleria  und  beevden  General  Wachtmaiftern
zu  veberlegen,  und  alfvan  maß  viffahl8  am  beften  befunden
wärdet,  Ind  merfh  zu  ftellen,  audy  unß  waß  maffen  folches  be-Iheben,
  zu  berichten.

MWeiln  an  Nörlingen  vill  gelegen,  wen  ver  feindt  berauf
gehen  folte,  al  mwerbet  ihr  vf  folchen  fahl  in  zeiten  auf  Befeßung
foliden  Ortb3  gedacht  fein.

Maß  onnf  fonften  aus  Drefven  für  auisen  eingelartgt,  habt
it  Diebeyligendt  zu  erfehen,  und  euch  foull  nötig,  barnad)  zu
regulirn.

Was  wir  fchlieflih  Chur  Saren  Lo.  bei  algen  Eurir  fehries
ben,  Habt  ihr  aud  der  abfchrifft  zuerfehen,  fo  wir  eudy  und  dem
grauen  von  ©elehen  under  nachricht  und  miffenfchafft  notifieirn,
Inmaffen  wür  eudy  auch,  mad  für  andermeitt  eruolgt,  alfo  balten
Binach,  zu  wiffen  machen  wollen.

Molten  ıc.
München  ven  13.  July  1645.

8.

Durchleuchtigfter  Herbog,  näpigfter
Ehurfürft  und  Kerr.

Ew:  Churfil:  Dri:  grabtgften  befeld)  vom  21.  difg  neben  beeven
P.  sY®,  und  veren  Benlagen  hab  ich  endertdenigft  erhalten,  und  alles
mehrern  Inhalts  gehosfamift  vernommen.  WIN  verbhoffen,  Er:
Ehurfrl:  Dr:  werden  onderbeffen  mein  vunderthenigflen  bericht  von
        <pb n="268" />
        252

22.  huius  auch  gnäbigjt  empfangen,  vnd  daraus  vnfer  alf  des  feintd
Statum  mehbrers  erfeben  Haben.

Nun  hat  man  zwar  vermeint  und  fowohl  von  den  gefangnen,
alß  fonften  hero  die  auisen  gehabt,  daß  der  Königsmardh  fi}  von  den
andern  coniungirten  feintövöldhern  Separirt  hete,  E&amp;amp;  will  aber  an  ießo
verlauten,  daß  Er  nody  am  Mayn  gegen  Würgburg  hinab  fermirt,
feine  aufftandige  ranzionen  oder  prantfchagung  von  felbigen  Biftumb
einzutreiben,  voch  berichten  die  gefangne  noch  underfhhidlich  dauon,
alfo  daß  man  derenthalben  ganz  Fein  Gewißheit  haben  fann;  Deßmegen
ich  geftern  den  Obrift  Spordh  mit  einer  ftardhben  Parthey,  omb  veßwegen
  die  aigentliche  Gemwifßheit  einzubringen,  der  Drihen  aufge-[hiht,
  auch  deme  befohlen,  daß  Er  nit  wider  zurudhfommen  folle,
bi  Er  von  dem  Sönigdmarsfh  die  gewiffe  befchaffenheit  haben  würbt,
und  mweiln  bericht  einfommen,  alß  wann  der  feint  auf  DinkHlfpult  fein
abfeben  gericht  bete,  mafjen  er  dann  fdhon  von  folcher  Statt  Ime
Prouiant  zu  geben  begert,  AlB  Hat  ver  Belt  Marfchall  Graf  von  Ge
leen  vnd  ich  neben  andern  in  gehaltnem  Kriegsrath  für  guet  befunden,
mit  der  Armada  von  Grailpheim  vfzubrechen,  auf  hiebere  zu  marchiren,
vnd  alda  Poffto  zu  fallen,  vmb  dardburd  nit  allein  gebachte  Statt
DindHifpult  zu  bedeefhen,  fondern  auch  den  feint  vorzuftehen,  vnd  daß
er  un  den  Vorfprung  gegen  die  Donau  nit  abgerwiinen  möge,  fouil
menfchlich  zu  verhindern,  wie  mwür  dann  ieberzelt  ung  angelegen  fein
laffen  wollen,  venfelben  von  foldyen  Vorfprung,  Infonderbeit  auf
Donaumwörth  fouil  Immer  Menfch:  ond  müglich  abzuhalten,  zumahlen
dad  Prouiant  von  Nörbling  auf  DindHlfpul  ficher  an  unf  zu  bringen,
vderenthalben  Grailgheim  mit  100  Tragonern  befeßt  gelafien  worden,
und  mwür  feind  von  danen  heüt  früe  aufgebrochen,  auch  vifen  abent
albie,  fo  ein  zimblich  gueter  Poffto  ift,  glüdhlich  angelangt,  fangen
ung  Schon  an  zuuerfihangen,  und  werben  feben,  mo  ber  feint  hinauf
will,  oder  wad  Er  weitter  thun  mechte,  auch  bvenfelben  mit  Parthey
ond  fonften  fouil  immer  muglich  immerdar  zu  trauagliren  und  abbruch
zu  thun,  vunß  ieberzeit  eufferift  angelegen  fein  laffien,  Wann  audy  der
Königsmardb  fid)  von  den  andern  wirbt  Separirt  haben,  wollen  wür
vnß  gegen  dem  feiut  iüngfl  onderthenigft  berichter  maffen  noch)  mehrers
nähern  ondb  Ine  fouil  miüglich  Stringiren,  daß  Er  fi  abmatten  und
consumiren  möge.
        <pb n="269" />
        253

Interim  befege  ich  etliche  feffte  Schlöffer  gegen  dem  feint,  vemfelbigen
  mit  Partbeyen  bierin  fchaden  zu  thun,  deito  beffer  zuuermöhren,
  merden  auch  die  alt  Mühl  mohl  beobachten,  damit  Er
weder  von  dorten,  noch  fonften  gegen  Donauwörth  onß  foull  müglich
  nit  vorfomme,  und  Em:  Churfrl:  Dri:  ih  mad  von  Zeit  zu
Zeiten  den  feintd  andamenti  und  Poftur  halben  einlangt,  gehorfamift
auisiren.

Der  Obrift  Stahl  ift  noch  bey  der  Armada  nit  anlangt,  allein
feind  geflern  wiberumb  bei  140  Mann  zu  feinem  Regiment,  auch  viel
Caualleri  au  Italia  anfommen,  vie  berichten,  daß  Er  Obrift  Stahel
gleich  folgen  werde,  Wann  nun  Er  fombt,  folle  alle  guete  anftalt  bey
feinem  Regiment  gemacht  werden.  Waß  ich  dem  Viscomte  de  Tourrene
  wegen  bed  treffen  bey  Herbfthaufen,  in  Branfhreich  ond  anderivertig
  Spargirten  Schreiben,  gefchriben,  würd  nechft  gehorfamift
veberfchribner  maffen,  Em:  Churfrl:  Drl:  der  Küttner  onderihenigft
bericht  haben,  Welcher  aud)  mad  ermelter  Tourrene  mir  darvf  geante
wortt,  fo  ich  Ime  Küttner  gleichermaffen  zugeftelt,  verofelben  Communiciren
  würdt,  daraus  zu  erfehen,  daß  Er  fi  derenthalben  entfchul«
digt,  vnd  nicht8  darumb  wiffen  will,  alfo  daß  folche  lautter  erbichte
und  vnmwarhaffte  fachen  feind,  ond  von  böfen  Mäulern  in  Srandhreich
vnd  Rom  gefhriben  worden,  wie  dann  auch  auß  hiebeiligender  relation
des  General  Auditors  mehrerd  gnädigft  zuerfehen,  iwaß  in  bijem  bey
neulich  zmifchen  on  ond  dem  feint  berichter  mafjen  gehabten  Conferenz
tag  proponirten  puncten  ftch  In  fonderbeit  der  Obrift  Leütenant  Schüig,
dad  alles  nur  ein  pur  lautere  Unwarheit  feye,  vernemmen  Taffen.
Was  fonnften  vunferd  General  Auditors  in  einem  vnd  andern  weiter
verrihtung  gemwefen,  vnd  fich  des  feint8  abgeorbnete  auf  ratification
erflärt,  geruben  Em:  Churfrl:  Drl:  auß  erft  angezogner  feiner  relation
aud)  mehrer8  gnabigft  zu  erfehben,  vnderthenigft  Pithent  She  geruhen
gnäbigft,  dero  gnapigftem  belieben  nach  mir  bei  eigner  Staffeta  darauf
gnädigfte  resolution  zu  fehiefhen,  damit  wann  der  Yeindt  fich  hierüber
resoluiren  folte,  Ich  damit  nit  in  mara  fein,  fondern  dardurdy  mit
außmechßlung  oder  ranzionirung  der  gefangnen,  auch  fonften  in  andern
Buncten  fürderlich  ein  gantes  gemacht  werden  möge,  Bnb  haben  wir
albereit  von  dem  Yeint  fouil  gefangne  beifammen,  daß  ich  bald  nit
weiß,  wo  ich  mit  felbigen  bin  folle,  wann  man  auch  Inen  dad  broth
        <pb n="270" />
        nit  reichen  ließe,  wurde  man  alfererft  fagen,  alß  tvann  wür  mit  denfelben
  ein  Tyranei  vertieben  theten.

Dep  Obrift  Spordhen  Trompeter,  fo  von  Ihme  zum  Torftens
fohn  gefchiefht  worden,  ift  noch  nit  wider  zu  ruch  Eommen,  allein  iverden
  Em:  Ehurfrl:  Drl:  aud  meinem  geborfamiften  Bericht  gnädigft
vernommen  haben,  mwa8  ich  dem  Toorftenfohn  ber  gefangnen  2  Dbrift
Leitenant,  und  3  Obrift  Wachtmeifter  halben  gefhriben,  maß  nun  fidh
berfelbe  durch  den  Spordhifchen  Trompeter  resoluiren  würdt,  ift  zu
erwarthen,  vnd  fobalden  mir  folche  resolution  einlanget,  berichte  Ew:
Ehurfrl:  Dr:  ich  onderthenigft.

Die  gefangne  will  ich  gnädigftem  befeldy  gemeß  durch  den  Ges
neral-Auditor  iederzeit  examiniren  laffen,  und  foldhe  examination  Eiv:
Ehurfrl:  Dil:  wie  dann  abermahlen  deren  auffagen  biebei  Eommen,
gehorfamift  veberfchickhen.

Dem  Obrift  Reitenant  Guseniz  habe  Em:  Ehurfrl:  Drl:  gnä=Digfte
  intention  wegen  der  60  Croaten  aungedeit,  der  vermundert  fich,
daß  Solche  nodh  dato  nit  anfommen,  dann  Iure  von  Hauß  auß  ger
fihriben  worden,  daß  fye  fchon  im  marche  heraus  mwert&amp;amp;  begriffen.

Der  Statt  Nördling  wollen  der  Graff  von  Geleen  und  ich,  neben
veberfchifhung  Em:  EChurfrl:  Dil:  an  diefelbe  abgangen  gnädigftes
Ihreiben,  fchon  bey  Zeiten  zuefhreiben,  auch  berfelben  vf  ein  nothfahl
die  nötige  völdher  zuefchiclen,  allein  will  ich  nit  hoffen,  daß  weiln  mir
albereit  fo  hoch  flehen,  e8  vonnöthen  fein  würbt.

Wie  far  dife  armada  in  allen  zum  fechten  tauglich  fid)  ie
befindet,  gibt  hiebei  Kommende  verzeichnug  mit  mehrer  zu  erkennen.

Den  Obrift  Goulant  betr:  da  wundert  mid,  mie  ed  mit  Ime
eigentlich  befchaffen,  dann  er  mich  iüngft  veberfchribner  maffen  bericht,
vap  Er  300  Mann  beyfamen,  fonften  ift  fein  Obrift  Leütenant,  fo
vom  Niderlandt  herauffombt,  bereits  zu  Branfforth,  fobalden  verfelbe
hey  mir  anlangt,  will  ich  Ine  gleich  wiberumb  zu  feinem  Obriften
fortfchidhen.

Don  den  120  Knechten  zu  Ingolftatt,  hab  ich  ander&amp;amp;  nichts
gewuft  alf  was  mir  der  Obrift  Leutenant  Präntl  veßwegen  gefchriben,
pabero  ed.  auch  bey  Ew:  Ehurfrl:  Del:  gnädigften  resolution  fein  Berhleiben
  hat.

Das  der  feint  an  der  Jart  an  fleifch  und  broth  ein  veberfluß
        <pb n="271" />
        Add

gefunden  haben  folle,  betr.  da  ift  nit  ohne,  daß  die  Teutfche  noch  fon«
dern  mangl  daran  nit  gehabt,  allein  haben  die  Brangofen,  welche  die
Manier  nit  alfo  wie  die  Teutfche  wiffen,  grofje  noth  gelithen,  vnd
fangen  an  bey  Inen  die  Krandheiten  ftardh  einrenffen.

Waß  zwifchen  ven  Duca  d’Anguin  vnd  dem  Herzugen  zu  Würtenberg
  accordirt  worden,  vnd  von  dergleichen  mebrerm,  dauon  weiß
der  herüber  fonmene  duca  d’Anguinifcye  Adiutant  gang  nichts  zu
fagen,  allein  erwartet  Er  mit  verlangen,  biß  an  Em:  Ehurfrl:  Drl:
Ime  an  den  Örafen  von  Gallas  gnädigfted  recommendations  fchreiben
zuefommıen  mechte,  dan  Er  fürchtet  fich  bey  vunß.

Die  Ruinirung  der  Prudhen  an  der  Donau  mill  ich  gnädigftem
befelch  gemeß  fchon  zeitlih,  vnd  wannd  die  nolturfft  erfordert,  in
obacht  nemmen,  doch  were  ohne  mein  gehorfamiftes  maßgeben,  nechft
vunnderthenigft  veberfchribner  maffen  guet,  daß  ein  foldhed  von  andern
orthen  möchte  zu  thun  anbefohlen  werben.

Die  Conseruation  der  Armada  will  ich  mir  fouil  immer  Menfch:
vnd  müglich,  wie  bißhero,  iegerzeit  enfferift  angelegen  fein  laffen.

Dem  SKayl:  General  Commissario  Bluemmenthal  hab  ich  ane
gebeit,  mellen  Em:  Churfrl:  Dil:  fih  wegen  einer  Sommer  Verpflegung
  für  Ihne  gnädigft  erflärt,  der  thuet  gegen  verofelben  fich  vefjen
ganz  vonderthenigft  bevandhen.  Daß  der  General-Wachtmeifter  von
ber  Horft,  fih  alfo  beclaget,  vermundere  mich,  angefehen  ich  weiß,
daß  noch  oil  frücht  vfm  Schlofß  zu  Helblberg  ligen,  zudem  ob  fchon
etwas  früchten  der  orthen  berumb  im  velt  durch  den  veint  verberht
worden,  fo  bat  Er  doch  noch  ein  gueten  berbft  zu  hoffen,  dafı  alfo  hie
‚npth  noch  nit  fo  groß  wie  Er  macht,  Ich  will  aber  deßmwegen  venfelhen
zuefchreiben  ond  fehen,  wie  ein  anders  damit  anzuftellen  fein  wirbt.

Souil  die  drey  Guil  de  Hasifchen  Compagnien  betr:,  da  fönden
diefelbe  ohne  mein  onderthenigfte  maßgebung  an  der  Dongu  fo  lang
gefegt  werden,  big  man  eigentlich  fichet,  wohin  der  feint  fich  ziehen
tpurbt,  damit  wann  berfelbige  gegen  der  Donau  fein  marche  nemmen
  mechte,  man  bie  Tuch,  two  eö  vonnerhen,  mit  folchen  befern  Eönte.

Berürendt  gber  dig  in  Gernöheim  Iogirende  3  Mercyfde  Com»
pognien,  da  werben  felbige  veber  50  oder  60  Mann  nit  flardh  fein,  Ic
deforge  au,  mann  ich  felbige  heraus  nemmen  folte,  e8  wurden  menig
hauon  berausfonmen,  fondern  meifte,  weiln  fye  der  orthen  zu  Kauf,
        <pb n="272" />
        256

Hinmedhgeben,  zu  deme  fo  wiite  ich  nit,  wie  felbige  leßiger  Zeit  feints
halber  ficher  herauß  zu  bringen,  doch  war  fye  heraus  müelfen,  will  ich
Interim  vf  folchen  fahl,  biß  Ihro  Churfrl:  Dr:  zu  Mainz,  derenthalben
  ich  auch  dero  zuefchreiben  mwerve,  ob  fye  difen  Pofto  von  den
rigen  befeßen  Taffen  wollen,  resoluiren  merbden,  foldhen  ortb  von
HeidIberg  auf  befegen  Taffen,  auch  dem  Obrift  Leütenant  Piffinger
fein  erlaffung  von  Iro  Erzfrl:  DI:  zugleih  Em:  Churfrl:  Dri:  gnddigfte
  intention  feiner  werbung  halben,  vaß  er  folche  euferig  fortfeße,
andeüten.

Ein  gefangner  Schotlendifcher  Haubtman,  meldher  zuuor  beim
feint  onder  dem  Tourrenijchen  Regiment  gedient,  hat  freiwillig  dienft
genommen,  mit  offerten  von  den  gefangnen  Bin  und  wider  eine  Compagnia
  zu  Bueh  ond  Em:  Churfrl:  Dri:  Armada  zuerichten,  maflen  Er
fhon  12  Soldaten  bei  fich  hat,  fein  Name  ift  Rennedi  von  ......
Manns  Ew:  Ehurfrl:  Dri:  alfo  gnäpigft  beliebig,  mwolte  ich  Ine  under
das  Gil  de  Hasifche  Regiment,  weiln  eine  Compagnia  darunder  ledig
ift,  felbige  geben,  vond  dife  12  Knecht,  fo  Er  mit  gebracht,  mit  fidh
darunder  nemmen  laffen,  dann  fann  ber  feint  unfere  gefangne  Solvaten
zum  dienen  bezwingen  ond  traut  felbigen,  So  fünen  wür  auch  denfeldigen,
  welche  guetwillig  dienft  nenmen,  trauen,  allein  were  guet,  weiln
dergleichen  gefangne  Teuth  fo  von  difem  baubtman  vdienft  zu  nemisen
berebet  werben,  aufgezogen  und  bloß  fein,  daß  Em:  Ehurfrl:  Dri:  vers
“willigten,  folche  Teuth,  mann  fye  bienft  genommen  ober  hierzu  verpflichtet
  werben,  frhuech  vnd  flrimpf  oder  etwa  ein  Mödhlin,  oder  ein
Parr  hofen  von  der  Belt  Cassa  verfchaffen  mechte,  darburch  noch  mehr
affection  dienft  zu  nemmen,  befommen  wurden,  mueß  man  doch  vf  die
Recruten  fo  bißhero  heraus  fommen,  fouil  gelt  spendiren,  und  thun
deren  fo  menig  guet,  difes  fein  verfuechte  Soldaten  und  dergleichen
Spesen  wohl  wertb,  dann  in  der  occasion  müeffen  fye  fomohl  alf
andere  fechten,,  oder  erwarten,  daß  fhe  Todt  gefchlagen  werden.

Die  Soldaten  bey  Ei:  Churfrl:  Drl:  ond  den  Geleenifchen  Re»
gimentern  erfrandhen  fehr  vil,  man  bringt  fye  zu  Nörtling,  Dindhlfpüll,
  Elmangen,  Dettingen,  Ginzburg,  Ahlen,  Gingen,  Popffingen
und  der  Orthen  under  wo  man  fann,  aber  an  difen  ortben  haben  die
Einwohner  bereit  mit  gefangnen  feintövöldhern,  mit  Proulantfuhren,
Bachen  und  Mahlen  mit  matten  aud;  fhadhafften  Artilleria  und  Pros
        <pb n="273" />
        257

fiant  Pferbten,  vnd  in  anbermweegen  fihon  groffen  laft,  zu  deme,  fo
werben  [he  zu  Detting,  Ahlen,  Elmangen,  Bopffingen,  Bingen,  wegen
etwa  burchfchleichenter  feints  Partheyen  nit  fiher  bleiben  könen,  Pirhe
Eiw:  Churfrl:  Drl:  onderthenigft,  She  wollen  gnäbigft  interim  fchaffen,
daß  die  Statt  Wenbping  gleichfamb  zu  einem  Velt  Spithall  bergelaffen,
  vnd  dahin  die  Soldaten  einzunemmen,  aud)  zu  verpflegen  notiwendiger
  befeld)  an  die  beanıbten  ergehen  möge,  finthemalen  man  von
danen,  bie  alzeit  nf  den  notbfahl  ficher  nadyer  Donaumörth  und  weiter
Binein  retiriren  Eann.

EB  beclagen  fich  auch  die  officier,  daß  obmwolen  die  von  Weichersund
  Mergenthaimb  mit  mühe  und  arbeit  retirirten  in  der  Herbfthaufer
Schladht  gefhädigte  Dfficier  ond  Knecht,  zum  theil  aus  vrfach  wie
En:  Ehurfrl:  Drl:  neulich  undertheniaft  berichtet,  nah  Donaumerth
gefhifht  worden,  damit  fye  alvort  mögen  verpfleget  und  gar  geheilt
werben,  bag  Inen  levoch  alvorı  faft  nicyt8  gegeben  werben  wolle,  fondern
  e8  follen  140  von  difen  auß  Tonaumörth  nad)  Heidenheim,  vn
die  vebrigen  nach  Detting  gefchiht  werben,  mit  folchen  Herumbfchleppen,
  müeffen  dle  arme  gefchebigte  verderben,  in  Detting  Ilgen  von
ber  Armada  fchon  etliche  30  gefchebigte  und  Kranfhe,  So  dad  General-Commissariat
  dahin  gefchiht,  mögten  in  vie  lenge  wie  obgemelt  vajelöft
  nit  ficher  fein,  In  Heidenheim  Könen  fe  weder  Doctor,  Apotbee£her
  noch  Balbierer  haben,  werden  auch  borten  nit  ficher  bleiben,
bie  Officier  vnd  Soldaten,  Wann  She  vergleichen  hören  vnd  fehen,
werben  böfe  alfeclion  faffen,  dahero  bilich  vnd  nötig  wie  gemelt,  ein
elgne:  Statt  zu  difer  revlicher  Xeuth  wider  Curirung  zuuerorbnen,
darumb  ich  hiemit  nochmaHls  onderthenigfi  Pithe,  ond  weil  der  Doctor
Nüber  von  Rauenfpurg  wie  man  gehoffet,  nit  zu  ber  Armada  will,
der  Dr.  Leix  Cammergericht8  Physicus  von  Speher  wie  Em:  Ehurfrf:
Dri:  Rath  zu  Heidlberg  der  Dr.  Pleichner  gehandelt,  daß  Er  fich  zu
fommen  resoluirt,  nun  dato  außbleibt,  ond  ob:  oder  wann  Er  fommen
  will,  nlemandt  weifl,  hingegen  Dfficier  und  Soldaten  teglich
mehrer  erfrandben,  oder  vf  den  PBartheyen  gefchebigt  werben,  daß  man
Ienger  eine®  gueten  Medici  nicht  entpören  kann,  Alb  Pithe  Em:
Edurfrl:  Dri:  vunderthenigfl,  She  woln  aus  dero  Landen  ein:  fchon
lange  Jahr  practicirten  gueten  vnd  Feinen  jungen  medicum  der  erft
berauß  Iernen  will,  ebehift  heraus.  fchicfhen,  der  mwenigift  nur  Ein  ober

17
        <pb n="274" />
        298

2  Monat  oder  fg  lang  heraußen  bleibe,  biß  gedanhter  Dr.  Lez  (aie),
der  fehr  beruehmt  würdt,  Herhei  Fommen  mag.

Thue  zu  dero  bebarrlichen  Khurfrk:  miltiften  hulden  und  genahen
mich  onverthenigft  empfehlen  und  bleiben

Em:  Shurfrl:  Deal:
Dat:  Keichtmangen  24.  July
Anno  645.
pnverthenigfter  gehorfamfter
drant  von  Mercy.

9.

Durchleüchtigfter  Herzog,  Gnäpigfter
Churfürft  und  Serr.

TR  ich  geftern  zu  Beichtmangen  vernommen  ,  ber  feint  feye  vfr
gebrochen,  ond  nemme  feinen  march  auf  DindHlfpäfl,  bin  ich  glei
fahls  mit  ver  Armada  biehero  gangen,  vonh  hab  geftern  noch  in  der
nacht  mehr  munition  in  Dindhlfpül  dem  Obrift  Ereiz  hHineinbringen
Yaffen,  da  fich  hefundten  ver  feint  flehe  mit  dem  halben  thell  feiner  Ylre
mana  vor  folher  Statt,  ob  Er  nun  felbige  heut  attaguiren  werde,  tft
zu  erwarthen,  damit  aber  dife  Teuih  des  enifates  eine  hoffnung  haben,
ya  fi  defto  bafier  halten,  fo  Krich  ich  ießo  von  Hier  auf,  vnd  fege
mid)  &amp;amp;  viske  der  Statt  nf  einen  auantagioifchen  Pofflo  zu  Sibbrum  iu
battaglia,  kon  Danen  auß  ich  die  ganze  Statt  und  de  feintd  barba
führende  agtiones  nor  mir  im  geficht  habe,  Waß  meiter  Bafpirt  auisir
&amp;amp;w:  Ehurfrl:  Dil:  ich  Öffterö  onderthenigft  hinnach,  Habe  heit  verr
ihine  nacht  den  Mil  de  Hasifchen  Dbrift  Leittenant  mit  800  Gummenhirten
  Soldaten  nadı  NRörling  veberfchirfht,  und  neben  dem  Velt  Dkatr
jhallen  Grafen  von  Selsen  folche  Statt  beweglich  Rurch  fehreäkem
erfuecht,  nifed  NWoldh  alda  einzunemmen,  ynb  neben  Irer  burgerfchafft
nf  allen  wothfahl  fich  Dapffex  zu  mohren,  auch  verorbnet  baf  son
Donaumörtd  die  notburfjt  muanitiom  ehlenpift  nf  Mörlingen  vberbracht
werben  folle,  und  fanften  im  Bebrigen  Ime  Obrift  Leutenant  hie
genuegfambe  intructiog  ertbeilt,  au;  interim  zu  mehrer  Dorfoxg  bad
        <pb n="275" />
        259

SHlofd  Wallerftein  wit  vtnas  Iragoner  befeht,  So  Ew:  Churfrl:
Dr:  m&amp;amp;yt  Hiemit  underthenigft  veberfchreiben,  und  zu  Ders  beharlichen
EHurfrl:  miltiften  bulden  und  genaben  mich  gehorfamift  empfehlen
wollen,  bleibende
Ew:  Ehurfrl:  Dri:
Dat:  Dürwargen  ven  1.  Augufti
Anno  645.
Unbertenlgfter  gehorfamifter
$rant  von  Meroy.

P.S.

Auch  gnädigfter  Churfürft  und  ‚Kerr,  gleich  bey  befchliefgung  dig
fommen  die  Eroaten,  fo  ic}  vf  den  feint  zu  Recognosciren  außgefchichht,
die  bringen  daß  der  feint  Dindhlfpul  vorbeigehet,  wohin  aber  Fan
man  nod  eigentlich  nit  miffen,  ich  wervde  mich  had  deffen  andamenli
Comportiren,  und  Em:  Ehurftl:  Dil:  was  meiter  Paffirt,  hinnad)
pnndershenigft  berichtet.

10,

Durdhleuchtigfter  Herzog,  Onäbigfter
Churfürft  ond  Serr.

Em.  Ehurfrl:  Durchl.  werden  ungmweiflidh  mein  geftrig  onderthgft.
Bericht  im  Belt  datirt  bey  Dürmangen  gpgft  empfangen  vnd  daraus
wa  maffen  wür  mit  dem  Weint  vor  ein  recontre  gehabt,  vnd  den
ganzen  Tag  ftardh  mit  Studhen  gegeneinander  gefpült  gogft  erfehen
haben.  Nun  Hat  fi  der  feint  an  Heut  in  der  Nacht  aus  dem  Belt
und  miderumb  zurudh  veber  die  Werniz  nad)  Dindehlfpül  begeben,
ond  hat  man  an  heut  vf  dem  plaz  wo  Er  geftandten  eine  groffe  anzahl
Todt  gefehoßner  Pferbt  gefunden.  EB  fagen  auch  die  eingebrachte  gefangne,
  daß  der  feint  an  Völdhern  auch  groffen  Schaden  gelitten,
heut  abentd  vmb  4  Vhr  Ift  Er  der  feint  vor  Dindehlfpil,  fo  Er  verlaffen,
  widerumb  vfgebrochen,  und  ninıht  feinen  marche  vf  Noerblingen,

17*
        <pb n="276" />
        260.

deme  aber  vorzubeugen  haben  wür  onß  mit  der  Armee  anhero  begeben,
vnd  wollen  unß  fouil  immer  menfh:  und  müglich  fein  des  feints  vorhaben
  zuuerhindern  aufferft  angelegen  fein  laffen,  wie  wür  dann  morgen
gelibt8  Gott  zu  difem  Ende,  zmifchen  Donaumörth  vnd  Nördlingen
wo  müglih  gen  dem  feint  alfo  Pofto  faffen  mollten,  daß  Er  fein
intent  hoffentlich  nit  erreuchen  Kann,  werde  aud)  von  allem  ferneren
Verlauf  Em.  Ehurf.  Durdl.  nach  vnd  nach  deverzeit  geborfamiften
bericht  veberfchreiben  vund  meiln  der  feint  Dinhlfpill  Hat  abondonirt
hab  ich  dem  dafelbft  gelegenen  Obrift  Ereiz  anbefohlen,  daß  er  fich  mit
300  Tragonern  von  bafelb  nacher  Ionaumörtb  eiligft  begeben  und  fo
guet  er  Kann  fi  vndermegs  durchftellen.  Zu  Dinfhlfpull  bleiben  noch
100  Tragoner  und  60  Maun  zu  fueß  vmb  Zuuerbinderung  der  Zuefuhr
vor  den  feint  der  prouison  aus  Yrankhenlandt  ond  der  orth.  Thue
Em.  ır.
Ew.  Ehurf.  Durdl.
Negft  Detting  2.  Auguft  1645.
Bnpertenigfter  gehorfambfter
drant  von  Mercy.
        <pb n="277" />
        Shladht  bei  Allerheim*
am  3.  Auguft  1645.

Zerrainbefchreibung.

Um  weitlihen  Rande  der  Nörblinger  Ebene  erheben
fi)  zwei  Hügel,  wovon  der  eine  der  Wenneberg  heißt  und
der  andere  burh  das  Schloß  Allerheim  befrönt  if.  Die
Abdahungen  beider  Höhen  verlaufen  fi  gegen  einander  und
bilden  zwifchen  fi  eine  Mulde,  in  der  das  Dorf  Allerheim,
etwa  300  Schritte  vor  den  beiden  Höhenfuppen,  Tiegt.
Hinter  dem  Dorfe  felbft  erhob  fih  das  Terrain  allmälig
gegen  die  beiden  Hügel.  Die  Strede  vom  Dorfe  nad)  dem
Schloffe  zu  war  wegen  eines  Grabens,  der  fit  bi8  in  bie
Höhe  der  Kuppe  zog,  für  gefchloffene  Truppe  durdaus  ungangbar;
  vom  Dorfe  aber  nad  dem  Wenneberge  machte  ber
fteilere  Abfall  der  Böfhung  Bervegungen  von  frangöftfcher
Seite  fchwierig.  Das  Dorf  flanfirte  überbied  die  Angriffe
nady  beiden  Ridhtungen,  während  biefes  burd  feine  Bauart
jede  Attaque  auf  daffelbe  felbft  problematifh  madte.  Die
natürlihe  Stärfe  diefer  Stellung  war  nod  durdy  Befeftigungen
  erhöht  worden.  Der  Wenneberg  war  fowohl  nad  vorn,
al8  audy  nad  der  Innern  Seite  hin  mit  Verfhanzungen  umgeben;
  hinter  dem  Dorfe  gewahrte  man  eine  Menge  Werfe,
deren  vorfpringende  MWinfel  mit  Ausfällen  verfehen  waren.

*)  Bon  ben  Franzofen  bie  Schlaht  bei  Nörblingen  benannt.
Anm.  bes  Berf.
        <pb n="278" />
        262

Die  Iinke  Blanfe  fidherte  fowohl  der  innere  erhöhte  Graben
vand,  ald  das  befeftigte  Schloß  felbft.  Allerheim  endlich  war
mit  Eıchangen  umringt,  der  Kirhhof  war  zum  Rebuit,  ja
der  Thurm  felbft,  fowie  einige  andere  Gebäude  In  der  Line
gebung  der  Kirche  zur  Vertheidigung  eingerichtet*).

Bel  der  Betradhtung  des  Planes  der  Schladt  bei
Alferheim  in  ven  Theatrum  Europaeum  ftöfit  man  auf  ver:
fhievene  ftörende  Fehler.  Co  befindet  fi)  dafelbft  hinter  dem
außerften  linken  Flügel  der  bayextfher  Aufftelung  (Edhloß
Alferheim)  der  Hünnerberg,  welder  fortifieirt  und  mit  einem
Haufen  FZußvolf  und  5  Gefhüsen  befest  tft.

Hormayr  In  feinem  Tajdenhud  für  Die  vaterlandifhe
Gedichte  26.  Jahrgang  fagt  pag.  23,  daß  diefer  Berg  nidjt
„Hünnerberg“,  fondern  „Gpisberg‘'  heißen  müffe.  Diefe
Angabe  tft  gleichfalls  untihtig,  indem  fih  der  Spigberg  ftatt
hinter  (öftlih)  dem  Schloffe  Allerheim  Gwifchen  Schfof  Aller:
heim  umd  der  MWöorniz)  fünlich  deffefben  erhebt  und  gänziid)
außer  dem  Bereihe  des  Gchladitfeldes  Fag.  Berner  befindet
fig  in  bem  bezeichneten  Pane  hinter  ter  Mitte  ber  bayertthen
  Aufftefung  an  der  MWorniz  ein  Dorf,  was  gleichfalls
ganz  unridtig  if.  E8&amp;amp;  folt  wäahrfdelntid,  das  Dorf  Würniz
oftheim  fein,  welches  jedod  anftatt  hinter  der  Mitte,  binter
dem  Iinfen.  Flügel  und  zwar  zlentid  weit  entfernt  war,  in
dem  bie  MWürniz,  am  deren  reditem  Ufer  biefas  Dorf  Fiegt,
einen  fanften  Bogen  auswärts  der  Aufftelung  madt.  Ein
Weg  nad.  Nördlingen  hat  üafelbft  in  dem  Dorfe  Allerheim
feinen  Urfyrung  und  Läuft  am  Buße  der  Höhe,  worauf  fid
Bas  Schloß.  Alterheim  befindet,  gegen  Süboften,  Daher  iu
gang  entgegengefegter  Nihtung  von  Nördlingen,  während:  ver
eigentlihe  Weg  von  Allerheim  nah  Nörblingen  die  Ebene
nah  MWeften  burhfdhneidet  unb  über:  bie  Eger  bei  Grofßel:
fingen  gbex  der  MWiedmihle  nad  Nördlingen  führt.  Im
Niden  ber  fronzofifchen  Auffteffung  gewahren  wir  Wallerflein
mit  feinem  Chloffe,  während  daffelbe  nod)  ein  gutes  Stüd

*)  Handbibligthef  für  Offiziere  IV.  393,  344,
        <pb n="279" />
        263

Wege  nörblid  von  Nörblingen  Iiegt,  daher  mit  dem  Schlachts
felde  in  feiner  Verbindung  ftehen  Fonnte.  Die  Wörniz,  welde
im  Rüden  der  bayerifhen  Aufftelung  von  Norden  nad)  Süden
floß,  begrenzt  in  dem  Plane  ded  Theatrum  Europaeum  die
nördliche  Seite  des  Shladjtfelves,  fo  daß  fi}  der  linfe  franzofifhe
  Flügel  an  diefelbe-  lehnt,  während  bod)  diefer  Ylügel
in  offener  Ebene  ohne  alle  Anlehnung  ftand.

Sn  DO-Bahil’8  Gefhicte  der  größten  Heerführer  2.  Theil
befindet  fid)  gleichfalls  ein  Plan  der  Allerheimer  Echladyt,  wos
felbft  der  Berg,  welder  von  dem  außerften  redhten  bayerifchen
Slügel  vertheidigt  wınde,  anftatt  Wenneberg  —  Weinberg
heißt.  Hinter  dem  bayerifchen  rehten  Flügel  ift  ein  Dorf
Piel  angegeben,  Was  gänzlid  unridtig  tft,  Indem  fid)  hinter
biefem  Flügel  gar  Feine  Ortfdaft  befand,  und  auch  auf  ber
ganzen  Karte  Fein  Drt,  ber’  viefen’  Namen  führt,  zu  finden
ift.  Hormayr  fagt,  daß  biefer  Ort  anftätt  Piel  —  Böhl
heißen  müffe,  was  eben  fo  unitdfig  ff.  Deftlih  von
Mörnizoftheim,  alfo  jenfelts’  der  MWörntz,  befindet  fi  wohl
ein  Dorf  Bühl,  weldes  jedod  Wegen  feiner  Lage  nidt  in
geringfter  Verbindung  mit  dem  Scladtfelde  ftehen  Fonnte
und  auf  unerflärlihe  Weife  beide  Autoren  zu  diefen  untidtigen
  Angaben  verleitet  haben  mag.  Bel  nur  oberflädlicher
Befihtigung  einer  Karte  der  Mlerheimer  Gegend  "hätten  fid
foldye  im  hödften  Grade  finnftörende  Fehler  nicht  einfchleidhen
fönnen,  die  überdies  von  Kormayr,  welder  ald  Commentator
  diefer  Pläne  auftrat,  anftatt  verbeffert,  nod)  Unrictiger
Dargeftellt  wurben.
        <pb n="280" />
        A.
Schladhtsrdnung

der

bayerifh-Eaiferliden  Armee,

—,—

E.  Treffen,

=
“
D&amp;amp;D
o
ot

Manvelöloh  .  .„.  .  1  Biered,
Dlettendrg  .  .  .  1  =

Kl  22  m
Salem  .  .  .  2.  —
Selling  .  .  .  ..  —
Sin  .  2.  2  2
Holften.  .  .  2.  —
Crodtn.  .  2...  —

General  leen.

N  %  W  N  SW

Gentrum.  Smnfanterte.

2.  Heny  l  z
&amp;amp;  2  Sovo  1  :
E&amp;amp;  Mercy  1  :
E  e  Gold  1  2
=  2  IHalir  1  :
2  &amp;amp;  [old  l  -
nn  Royer  1  8

Linfer  Zlügel.  NReiterei.

Ele  .(Brth  2.  2  202.
=  ©  E\gledenfein.  .  .  —  +
2  =  ®  Sol  .  2.  2.2.
5  °°  7  (Pierre  _  +

Slügel.  Infanterie  und  Relterel.

—  &amp;amp;öfadrond.

5

ECHCHCECH  CH
u  \\  W  vu  NN

NN  NNNNSN

W  N

DDDD
“

N

 

Summa  9  Bierede,

19  &amp;amp;sfadrond.
        <pb n="281" />
        265

Il.  Treffen,
Rechter  Slügel.  NReiteret.

&amp;gt;&amp;gt;&amp;gt;  Viered,  1  Esfabrons.
Stahl  2  2  2  me  2  z
Sellin.  »  2:  2  2  nr  1  .
Hllen  2  m  1  e
Hlftein  2  2  2  22m  oe  1  ‚
Centrum.  SRetterei  (Referve).
Sreicompaanle  .  »  2  2  22a  2  z
Sllde  SA  ee  1  z
Sung-  Kolb  2...  2.  2  me  2  z
Slide  2.  2.  2  2  To  2  2  nm  8  l  2

Linfer  Flügel.  NReitereti.

Wr  ne  1  s
Sl  .  ı  2  2  z  2  z
Sch  ne  1  z
Sporf  ee  z  2  2
Dragon  .  2.  2  2  2  m  1  s
Dieter  nme  1

 

Summa  —  Viered,  20  Cöfadrone.

Außerdem  waren  2  Bierede  zur  Bertheidigung  des
Schlofjes  Allerheim  und  7  Vierede  zur  Vertheivigung  bee
Dorfes  Allerheim  verwendet.

Recapitulation.

l.  Treffen  20202020.  9  Vierede,  19  Esfadrons.
I.  Treffen  2.  2  2  2  er  20  e
Vertheidigung  des  Echloffed  und

Dorfes  Allerheim.  .  .  .  9  =  —  .

 

Summa  18  Vierede,  39  Esfadrond.
Zufammen  15—  16,000  Mann.
        <pb n="282" />
        266

Arttllerte
beftand  aus  28  Gejhügen,  welde  wie  folgt  vertheilt  waren:

Batterie  Rr.  1  auf  dem  oenneberge  Ghuperfier
rechter  Sfügel)  .  .

ee  nn  3  vor  dem  rechten  Gavallerieflügel

Batterie  Nr.  4  vor  dem  Gentrum  .

Batterie  Nr.  5  vor  dem  Iinfen  Gavallerleflägel

Batterie  Nr.  6  zur  Bertheidigung  des  Schloffes
Alerheim  (äußerfter  linfer  Flügel)  .

Batterie  Nr.  7  zur  Vertheidigung  des  vor  dem
Centrum  liegenden  Dorfes  Allerheim  .  .  6  s

Summa  28  Gefhüke.

Gefchüge.

3

8

Ha  Ss  9  Me  [on

3

&amp;gt;

 

B.
Scladhtordnung

der
franzöfifh-beffifih-weimarifhen  Urmee,

I.  Treffen.
Rehter  Flügel.  NRetteret.
Enghien.  .  .  2.  —  Miered,  2  Esfabrond,

eo.
=  3  Elsabet  .  2  2  2  0  :  1  ;
E  &amp;lt;  E  Wal  ee.  2  1  2
S  25  Garabintrs.  .  2.  —  &amp;gt;  1  +

Gutes  .  .  ..  —%  1  .

 

Latus  —  Vierel,  6  Esfabrons.
        <pb n="283" />
        361
‚  Transp.  —  Viered,  6  Eöfadrond.
Gentrum.  SImfenterie.

Pefans.  -  .  ....1
Engbien.  .  ..  ..1
Cony  .  2...  .  1

Mazarin  (frangais  et
italien).  .  .  .  2

Dyfonvile  2...»

Belenave  .  .  ..  1
Linker  Flügel.  Neiterei.

W  N  W
a

General  Graf
Marfin

pe
\
wann

 

Türen.  2  2  22.0  8  1  ,
Be  £e\lray  .  2.  22.  1  ;
-5  S  ITaupdel  2.  0...  i  s
S  Maar  1  :
Roßwurm  ea  z  1  z

Summa  7  Bierde,  11  &amp;amp;säfadrons,.

II.  Treffen.

Rechter  Flügel.  Neiterei.
La  Elavire.  ©  2  2  00000.  —  Viered,  1  Esfadrons.

Bounty  2  Te  1  :

Ehambre  .  .  2  2  na  1  :

Grammonıt  .  2  2  2  er  22  8  l  .
Centrum.  Snfanterie.

Montaufer.  -.  2  2  202.  1  s  _—  s

Haue  .  2  2  2  re.  1  &amp;gt;  —  6

Grammontt  .  .  2  2  21  5  —  .
Linfer  Flügel.  NRelterel.

San  &amp;gt;  2  m  1  2

Sledenftein.  .  2  2  ee  Hr  1

At-Rofen.  »  2  2  22a  2

 

Summa,3  DVierede,  8  Esfadrons.
        <pb n="284" />
        268

III.  Treffen.
Rehter  Flügel.  Infanterie  und  Reiterei.

 

sMafn.  2  2  2  2020.20  —  Vlered,  2  Esfadrons.
3  |  Sarnifon  .  ..  1  -:  —  s
o  Sabett  .  .  2.  1  2  —  s
=  Irlandais  l  &amp;gt;=  _  s
S  Troufftes  .  l  -:  —  s
5  \Neu-Rofen  —_  :  2  s
Gentrum.  NReiterel.
Barbinierd  .  2.  2  2  2  me  3  .
Gendamn  2...  2  ve.  2  s
Linfer  Flügel.  Infanterie
und  Reiteret.
Leibregiment  .  .  2...  5  1  s
GÜ  .  en  1  s
S  SH  rm  z  2  s
=  1  Bdaucourt  er  2  s
®  Kop  1  g  —  .
8  Stauf  .  1  :  0.
5  Wrede  .  1  :  Er
©  Tuffer  u
Lopez  1  s  —
‚Stan.  1  s  —  s
a  5  Schwert  —.+  2  s
3  2  \Raudhaupt  a  2  s
2  N  Dchm  2.  2  mr  2  s
Summa  10  Bierede,  21  Esfadrond.
Recapitulation,
1.  Treffen.  2.  2020202027  Bterede,  11  Esfadrons,.
1.  Treffen.  .  2  2  2  nd  8  8  .
IM.  Treffen.  .  .  2  02....10  0:  21  .

 

Summa  20  Bierede,  40  Edfadrons.
        <pb n="285" />
        269.

Zufammen  17,000  Mann,  ale:
6000  SHeflen,
5000  Weimarer,
6000  Franzofen,

17,000  Mann.

 

Artillerie,

aus  27  Befhügen  beftehend,  war  in  5  Batterien  und  zivar
wie  folgt  vertheilt:

Batterie  Nr.  1  vor  dem  redten  Flügel.  .  4  Gefhübe.
Batterie  Nr.  2)  2  2  rn.

Batterie  Nr.  I3)vor  dem  Centrum
Batterie  Nr.  4

Batterie  Nr.  5  auf  dem  äußerften  'infen  Zügel  5  z

Summa  27  Gefhüte  *).

Die  Bededung  der  Gefhüge  beftand  aus  commanbdirten
Muffetieren.

[pa
W  W

W

 

)  Nah  Kausler  war  die  Artillerie  gleichfalls,  aus  27  Gefchüben  beftehend,
  in  6  Batterien  vertheilt,  woron
Batterie  Nr.  1  vor  der  Mitte  des  rechten  Zlügels  mit  4  Gefchügen.
Batterie  Nr.  2  nen  e
Batterie  Nr.  3  c  vor  der  Mitte  nn.
Batterle  Nr.  4  nn  ..

Batterie  Nr.  5  oo.
Batterie  Nr.  1  vor  dem  linfen  Slugl  .  .  »  ..  :

\
ne
wvvahn

 

 Summa  27  Gefchübe.
        <pb n="286" />
        270

1,

Begründte  Summarifche
Belation
Dep  zwifchen  ver  Chur  Bayrifchen  Mei  Armada  vunnd  dem  auf
Meftphalen  beugeftojfenen  Kayf.  Succurs  eined  thaild:  Dann  der
Königl.  Sranköftfhen  dem  Duca  di  Anguien  vndergebnen  Armada,
beh  deren  fih  auch  die  Weinmarifche  und  ‚Hefftfche  befunden,  andern
thails,  bey  dem  Dorff  Allershaimb  im  Mieß  den  3.  Auguftt  Anno  1645
fürgangnen  Saupttreffens.

Nachdeme  eingangs  erinelte  zo  wibrige  Urmaden  den  3.  Agufti
  Anno  1645  faft  zugleich  im  Nieß  eingetroffen,  feynd  fie  noch
darüber  felbigen  Tags  bey  dem  Dorff  AUlfershnimb  zur  KHaubtaction
fommen,  die  Bayrifche  Haben  ermeltes  Dorff  Allershaimm  zu  jhrem
vortl  gehabt,  vd  anfangs  mit  {hren  Studen  den  Brantöfifihen  -vil
fchaden  geihon,  Nach  welden  die  Sransöfifhe  ihr  maifte  sforza  von
der  Infanteria  auff  befagte8  Dorff  Afferöhaimb,  welches  von  den  Bay
rifehen  auch  mit  Sueßvoldk  flard  Defeßt  gemeßt,  angeführt,  da  dann
zwifchen  beeberfehts  Infanteria  vber  zwei  Stundtlang  ein  harted  treffen
gefchehen,  warunder  die  Krangöfifche  das  Dorff  in  Brandt  geftedt,  die
Bayrifche  aber  ungeacht  beffen,  vnnd  daß  fie  auff  einer  feyten,  wie  auch
thalls  im  Ruden  das  Berwr:  auf  ber  andern  feyten,  vnd  vor  fich  die
Srangöfifche  zum  Veind  gehebt,  ihren  Bofto  in  folhen  Dorff  atn  als
andern  wmeeg  manutenirt,  -vnd  aines  thaild  dur)  dapffered  antreiben
deß  Baprifhen  Selomarfchalln  Breiherrn  vom  Mercy,  wie  audy  deß
Bapyrifchen  Selptmarfchalln  Grafen  von  Geleen,  mweldyer  ven  Keldinarfchall
  von  Merch  secundirt,  andern  thailg  durch  anführung  veß  Bayrifchen
  General  Zeugmaifters  Freiherrn  von  Auifchenberg  den  Srangofifchen
  mit  continuierlichen  Mußquetaten  ernftlic,  begegnet,  daß  nlfo
die  Srantöfifche  endlich  von  dem  Bayrifchen  wie  auch  Öeleenifchen  im
Dorff  fechtenden  Bueßvold,  und  etlichen  Esquadronen  Reutern  wit
groffem  ihrem  der  Brangöftfchen  verlurft  zurudgefchlagen:  aber  darüber
  ver  Feldtmarfchall  Freiherr  von  Mercy,  welcher  dad  Vold  Ritterlid
  vnnd  ebferig  angeführt,  Todt  gefchoffen  worben,  vnd  wiewol
Hinnacdy  ald  beeverfeyts  Sanalleria  zum  treffen  Eommen,  und  der  Veldtmarfchall
  Graf  von  Beleen  bey  folcdhem  Reutertreffen  gefangen  In  ber
        <pb n="287" />
        271

Trangöftfchen  gemalt  Fommen,  fle  die  Fransöfifdte  mit  maiftenthailg
Infanteria,  und  thaild  Neutereh)  auffd  new  in  befagtem  Dorff  Aller«
Haimb  angefebt,  fehynd  fie  jepody  durch  den  General  Zeugmaifter  von
NRuifchenberg,  weldyer  jhnen  mit  dem  Bayrifchen  Suefvold  und  etlich
baber  geftandenen  Esquadronen  Reutern  testa  gemadyt,  mit  jhrem  ver
Sranpöftfchen  groffen  Verlurft  nochmalen  zurud  gefäylagen  worden.
Das  Reutertreffen  aber  ift  entzwifchen  mit  vngleicdyen  success
abgeloffen,  dann  auf  der  Bayrifchen  und  Geleenifchen  feyten,  If  ver
rechte  fligel  von  dem  Brangöfifchen  linken  in  die  Confusion  gebracht,
onb  ver  Felptmarfchall  Graf  von  Geleen,  wie  gemelt,  gefangen  worden,
Dingegen  aber  hat  ver  Baprifchen  linder  fligel,  dene  der  General  der
Reuterehy  Zohann  Freiherr  von  Wörth  commandirt,  den  Franköfchen
rechten  fligel  völlig  in  die  Flucht  gefchlagen,  zugleich  dad  nod)  reftierende
  Brangöfifche  Bueßvold  in  Confusion  gebracht,  vnd  darunder  vil
fhaven  gethon,  Alfo  daß  die  Sranköfifche  Armada  auffer  Ihres  Tinden
fligel8d  In  völliger  STucht  und  Confusion:  von  den  Bayrifchen  aber,
noch  der  Finde  fligel  faınbt  der  ganten  Infanteria  in  orbnung:  auch  e8
an  deme  genweßt,  daß  der  Bransöfifchen  Armada  Linder  fligel  ebenmeffig
gefchlagen,  und  darburch  felbige  Armada  fambt  ihren  conjungirten
ivere  ruinirt  worben,  wann  e8  nicht  bie  zu  bald  eingefallene  Nacht  verhindert
  hette,  welche  ven  Srangöfchen  zeit  ond  lufft  geben,  baß  in  der
Nacht  die  zerfträten  guten  thails  wider  verfamblen  Fönden,  Sehnd  berowegen
  die  Bayrifche  felbige  Nacht  auff  der  Wahlftatt  ftehn  blihen,
foldhes  den  Frantöfchen  forwol  durch  Tofbrennung  Ihrer  der  Bayrifchen
felbft,  ala  tHaild  der  Sransöfifchen  eroberten  Studen  zuverftehen  geben,
zugleich  jgre  Wachten  ven  Frangöfchen  under  die  Augen  geftelt.  Deme
nadh  fich  aber  in  folcher  Nacht  die  maifte  Bayrifche  Artigleriafnedyt  mit
den  Pferdten  verritten,  thails  in  dem  beym  Tag  vorgangnen  treffen,
fonderlich,  wa®  bey  ihrem  rechten  Neuterflügel  geftanden,  Todt  ger
‚[cheffen  worden,  vun  welches  dad  vornembfte  gewveht,  ihnen  den  Bayrifchen
  wmertig  Monition  vbergebliben,  weil  fie  in  befagtem  Ireffen  ein
unglaublicheä  verfchoffen,  thail8  Monition  aber,  welche  bey  erftbefagteun
  ihrem  rechten  Meuterflügel  gemeßt,  in  felbiger  Confusion  verlofren
yangen,  Daben  fie  die  Bayrifche  fid)  resoluirt,  den  darauff  gefolgten
4.  Augufti  auff  Thonamarth  zugehen,  damit  fie  allda  bie  notwendige
Monition  vnnd  andere  requisiten  on  fid}  ziehen  Tünden,  allermaffen
        <pb n="288" />
        272

folche8  mit  guter  ordre  in  Bataglia  gefchehen,  ond  fie  14  Stud,  varunder
  3  eroberte  Srangöftfche  geweßt,  mit  firb  genommen,  die  vbrige
Frangöftfche  Artigleria  und  Stud,  welche  fie  mehrern  thail  erobert
gehabt,  wie  auch  thaild  ver  fhrigen  felbit,  Haben  fie  auß  angeregter
vrfach  der  verrittenen  Artigleria  Pferdt  nicht  alle  befpannen,  fonder
fteben  laffen  müffen,  die  Brangöfifche  Armada  ift,  nachdeme  fie  fi
möglichft  colligirt,  gegen  der  Statt  Nördlingen  gangen,  welche  Statt
andern  Praetext  einer  angenommenen  neutralitet  jhnen  mit  auffnemme
vnd  Curirung  der  heuffigen  gefchadigten,  (Die  fonft  der  Srangöftfchen
Ofücier  felbft  befennen  nad  mehrenthail  repirn,  vnd  zugrund  gehen
müffen)  hergebung  PBroviant,  vnd  in  anderweg  alle  assistenz  gethan,
auch  der  Srangöfchen  Armada  zugelaffen,  vaß  fie  under  jhrem  Canon
logirn  fünden,  außer  beffen,  ond  wann  die  Statt  Nörbling  fi  nit  fo
pnzeitig  accommodirt,  hette  die  Brantöfifche  vamaln  von  dem  fürgangnen
  treffen  vbel  zugerichtete  Armada  fid)  negfter  Tagen  wmehrern
thaild  consumirn  müffen,  vnd  den  Baprifchen,  welche  fich  zu  Thonaus
wörth  mit  Monition  verfehen,  vpnd  in  etlich  Tagen  wider  gang  aufs
gerüft,  in  mainung  und  def  verlangen  unverlengt  wider  auff  die  Fran
göflfche  Armada  zugehn,  weiter  nit  resistirn  fönden.

Bey  difem  vorgangnen  foharpffen  Haubttreffen,  ift  der  Srantds
fifhen  Armaba  Buepvold  mehrernthaild  zugrund  gangen,  vnd  nidergehaut
  worden,  vnnd  würdet  die  zahl  der  Todten  ihrerfegts  wenigift
auff  6000  Mann  gefchegt,  ohne  ihre  habenve  heüffige  gefchebigte,  darvon
  noch  täglich  vil  fterben,  in  specie  feynd  under  der  Srangöftfchen
Armada  Todten,  fovil  man  vermal  in  gewiffe  erfahrung  bringen  Eönben,
  von  ber  Brangöflfchen  Nation  zween  Kelomarfchall,  darunder  der
Marquis  de  Borri,  zmween  General  Maior,,  Item  der  Marquis  de  Pisani,
deß  Duca  di  Anguien  assistenz  Math,  gubernator  de  Chatteleu,
mehrenthaild  Obrifte  dep  Brangöflfchen  Yueßvolds,  auch  thaild  von
der  Srangöftfchen  Neuterey,  vrnnd  gar  vil  Obrifte  Lieutenant,  Obrift
MWachtmaifter,  Rittmaifter,  Haubtleut,  ond  vergleichen  Officier.  Infonderheit
  ift  under  den  Brangöftfchen  auenturirn,  wie  man  nachricht
hat,  ein  nit  geringe  anzahl,  und  barunder  vil  vornemme  Neut,  Tobt
gebliben,  &amp;amp;So  ift  auch  von  den  Weinmarifchen  ond  Hefflfchen.  Tobt,  der
®eneral  Maior  Graf  Witgenftein,  Obrift  Truchfeß,  Obrift  Schwerbt,
Obrift  Fabri,  Obrift  Lieutenant  Saurzapff,  Obrift  Lieutenant  Halle
        <pb n="289" />
        273
mann,  vnd  mehr  andere  DObrift  Lieutenant,  Obrift  Wachtmaifter,
Mittmaifter,  ond  Haubtleut.  DVil  hohe  Officier  under  den  Frangoflfche,
Meinmarifchen,  ond  Heffifchen  feynd  gefchebigt  worden,  darunder  General
  Marzin,  eldptmarfchall  Marchese  de  Castel  nouo,  General
Maior  Lamosse,  Obrift  Lamperti,  Obrift  vnd  General  Commissarius
Trasi,  Obrijt  Sledenftain,  etliche  Obrijt  Lieutenant,  vnd  vil  andere
Officier.  Ingleichen  feynd  der  gefangnen  hohen  Officier  nit  wenig,
darunder  der  vornembft  {fl  der  Bransöftfche  General  Lieutenant  vn
Mareschal  de  France  Monsieur  Grandmont.  Un  ver  Bagagi  hat  bie
Brangöftfche  Armada  auch  vil  fchaden  gelitten,  deren  thail®  von  ven
Bayrifchen  erobert,  thaild  von  dem  Frangöftfchen  Volc  felbft  geplündert
  worden.  Auff  tehten  der  Bayrifchen  Armada  und  deß  Geleenifdjen
  succurs  feynd  bei  1000  Mann  todt  gebliben,  und  verlohren
gangen,  darunder  dad  Ronrifche  Regiment  zu  Buß,  welches  ven  Poito
auff  einem  Berg  negft  dem  Baprifchen  rechten  flügel  gehabt,  von  den
Srangöftfchen  under  mwehrenvder  Schladyt  mit  groffem  gewalt  attacquirt,
und  nadı  dapfferm  Wiverftand  mehrern  thail  nidergehaut.  Won  dem
Gilli  de  Saftfchen  Regiment  aber  in  die  300  Dann  auff  einem  Kirchhof,
allda  fie  fich  wol  gewört,  vbergemältigt:  ond  mehrern  thall  gefangen
worden,  Bon  ermelter  Baprifcher  Armada  und  dem  Geleenifchen
Succurs,  hat  von  hohen  Officirn  ,  fo  Todt  gebliben  were,  außer  etlicher
Rittmaifter,  Haubtleut,  vnd  dergleichen  Officier  faft  niemand  das
onglüd  getroffen,  ald  mie  hiebevor  angebeut,  den  Kelomarfchall  Freiherr
  von  Mercy,  welcher  bald  anfangs  im  Dorff  Allershaimb  Todt
gebliben.  So  ift  auf  ihrer  feyten  gefangen  worden,  von  dem  @eleeni-[hen
  succurs,  der  Beldtmarfchall  Graf  von  Geleen  felbft,  und  zween
Obrijte,  ald  der  Herkog  von  KHoljtain,  und  Obrift  Hillen,  von  den
Baprifchen,  der  Obrift  Royer,  Obrift  Coob,  onn  DObrift  Stahl,  ver
Moyerifchy  Obrift  Lieutenant  Geißler,  der  Geylingiihe  Obrift  Wadhtmeifter
  Fabri,  etliche  Rittmaifter,  vnd  Haubileut.  An  Yendlen  ound
Eorneten  hat  die  Brangöftiche  Armada  fambt  deren  Coniungirten  in
die  70.  Die  Baprifche  aber  In  allem  15  darunder  8  Yändel  und  7  Cor
net  verlohren.  Difes  ift  nun  der  Sauptfädhlic  unparthepifche  verlauff,
foldyen  fürgangnen  Treffens,  der  Almächtig  verleyhe  an  ftatt  dergleichen
Ehriftlichen  Blutvergieffend  ,  nunmehr  aineft  den  lieben  Frieden.

13
        <pb n="290" />
        274

2.

Nelation  der  Schlacht  bei  Ullerbeim  in  Namfay’s  histoire
du  Vicomte  de  Turenne.

(In  das  Deutfche  übertragen.)

Ungefähr  in  der  Mitte  ver  fehr  ausgedehnten  Nörblinger  Ebene
befindet  fich  ein  durch  zwei  eine  Viertelftunde  von  einander  entfernten
Heinen  Bergen  gebildetes  Thal  von  mittlerer  Größe.  An  Audgange
viefes  Thales  liegt  dad  Dorf  Allerheim,  etwa  300  Schritte  näher  als
die  beiden  Kigel  nah  Nördlingen  zu.  Einer  diefer  Berge,  der  Wenneberg,
  ift  fehr  Goch  und  Tiegt  zur  Linfen  nes  Dorfes,  wenn  man  von
Nördlingen  Fomınt;  ver  andere  mit  dem  Schloß  Alferheim  ijt  rechts.
Das  Terrain  zwifchen  dem  Dorfe  und  dem  Berge  Ullerbeim  gleicht
einer  Ebene,  wird  aber  von  einem  Graben  durchfchnitten;  dad  am  Buße
deö  Wennebergd  befindliche  Terrain  fenft  fi  in  geringer  Ubdachung
nach  dem  Dorfe  zu.  Der  rechte  feindliche  Slügel  unter  vem  General
Sleen  dehnte  fih  bi8  auf  den  Gipfel  des  Wenneberged  aus,  und  fein
linker  STügel,  unter  Iohann  von  Werth,  erftredte  fich  bi8  auf  bie
Spite  ded  andern  Berges,  wofelbft  dad  Schloß  Allerheim  liegt.  Das
Gentrum  der  Armee,  mohin  fi)  Mercy  poftirt  hatte,  nahm  das  Thal
ein  und  hatte  da  Dorf  vor  fi};  die  beiden  Slugel  befanden  aus  feiner
NReiterei  und  einigen  Bataillonen,  die  er  an  die  äußerften  Enden  auf
die  Berge  geftellt  Hatte,  die  ganze  übrige  Infanterie  bildete  die  Schladhtlinie.
  Er  hatte  einige  Infanterijten  in  das  Dorf  gelegt  und  die  Kirche,
den  Kirchthurm  nebft  den  Gotredader,  welcher  von  einer  Mauer  um«
floffen  war,  mit  Muffetieren  befeßt.  Die  Verfehanzungen  beider
Hügel  waren  mit  Gefhüg  bepflanzt.  Seine  Armee  belief  fich  auf  14
bi8  15,000  Mann,  die  bed  Herzogs  von  Enghien  auf  17,000.  Nacpem
Alfes  im  Kriegsrath  erwogen  worden  war,  meinte  Türenne,  daß  man
dem  fo  aufgeftellten  und  verfehangten  Seind  feine  Schlacht  liefern  fönne,
ohne  die  franzöftfche  Arınge  einer  fafl  gewifjen  Niederlage  auszujegen;
ber  Serzog  von  Engdien  dachte  anderd  und  feine  Anftcht  trug  den
Sieg  über  die  Meinung  Türenne’d  dayon.  E38  gab  dann  noch  einen
Heinen  Streit  über  die  Art  ded  Angriffe.  Türenne  fagte,  man  Eönnte
nicht  gegen  bie  beiden  feindlichen  Slügel  mit  der  Reiterei  anrüden,  ohne
zugleih  die  im  Gentrum  befindliche  Infanterie  anzugreifen.  Seln
        <pb n="291" />
        275

Nah)  wurde  befolgt,  und  man  Fam  tberein,  fo  Tange  auf  beiben  Flügeln
  Halt  zu  inacyen,  als  die  Infänterke  init  ver  Einnahme  des  Dorfes
befchäftigt  fein  wiirde  So  mie  diefer  Entfchluß  gefaßt  war,  volırbe  in
folgender  Ordnung  gegen  ben  Feind  angerüdt:  Der  Marfchall  Gran:
mort  befehligte  dei  aud  der  ganzen  franzofifben  Meiterei  beftehenven
rechten  Sigel,  10  Schwapronen  ftark;  Tirrenne  hatte  den  lihfen  Klügel,
bei  welchen  fich  die  etiva  10  Schwabronen  jtarfe  weimarifche  Melterei
befand,  unterftüßt  von  der  aus  6  Batäillunen  und  6  Schwahrünen  beftehenven
  heffifchen  Armee,  weldye  die  zweite  Linie  bildete.  Der  Graf
Marfin  war  am  der  Spibe  ded  aild  10  Bataillonen  beftehenderi  Senttumd
  und  wurde  von  5  Schwahronen  Genbarmen  und  Karabiniere
unterftügt.  Das  Mefervecorps  von  4  Bataillonen  und  6  Schwahroiten,
welches  zugleich  Dem  rechten  Slügel  zur  zweiten  Linie  diente,  fand
unter  dem  Chevalier  Chabot.  Der  Herzog  von  Enghlen,  ver  dlefe
Poften  vertheilte,  behielt  Feinen  für  fich  fel6ft,  da  er  überall  fein
Wollte.  Durdy  diefe  Vertheilung  Gefand  ficd)  ver  rechte  Wlügel  Orammont’8
  den  Bayern  unter  FSobann  von  Werth,  ver  Linke  Flügel  Tiüivenne’8
  den  Kaiferlichen  unter  General  Gleein  gegenüber.  Obgleich  e8
die  Sranzofen  nit  Friegsgeübten  Truppen  zu  thun  Hatten,  fo  waren  fie
duch  voller  Begier,  zum  Sandgemenge  zu  Tommen,  um  die  vor  Kurzem
bei  Marienthal  erlittene  Schatte  audgumeßen.

Um  5  Uhr  Nadınılttagd  begann  der  PBririz  dad  Dotf  mit  Gefarit
bejchleßen  zu  Tafjen;  Die  feindliche  Artillerie  aber,  weldye  drhößt  ftand,
hatte  elien  großen  Vortheil  über  die  feinige,  ibelche  im  Vorrücen  war,
daher  jeden  Augenblick  den  Plaß  wecjfeln  mußte,  und  da  er  fah,  daß
biefes  Manöver  viel  Zeit  Eoftete,  Tieß  dr  das  Dorf  durch  einige  Bataillöne
unter  Marflr  angreifen.  Die  erften  Berfihänzungen  ninren  bald  gengdhimenz
  bei  Annäherung  an  die  Haufer  aber  eröffnete  der  ßeind,  welcher  fich
darin  feftgefeßt  nid  fe  purchbrochen  hatte,  ein!  fo  hefliged  euer,  vAß  dte
Sranzofen  plöglich  ftill  landen,  bald  darauf  zurikmicen  wird  Die  Shircht
ergriffen.  Da  Marfin  gefährlich  verwundet  worden,  fo  Tieß  ihn  ver
Horzog  von  Enghien  durd;  den  Marquis  de  la  Mouffüye  und  eiifigen’Regintentern
  erfeßeit  ;  fie  Fonntert  aber  fo  wenig,  al8  die  erjtereir  dad  Feuer
de  Beindes  aushalten.  Nun  führte  Enghien  felbft  die  ganze  Infansterie
  zum  Angriffe  vor:  Mercy,  welcher  diefe  Bewegung‘  fahr,  Fonnte
dVlegreudenicht  verbergen,  die.die  Hoffnung,  mit  welcherer  fid}  til  dlefeih

i8  *
        <pb n="292" />
        276

Augenblice  fhmeichelte,  in  ihm  erregte,  und  rief  entzüct  aus:  „Gott
hat  den  Tranzofen  den  Kopf  verpreht,  fie  werben  gefhlagen
  werden”.  Er  ftellte  fih  an  die  Spibe  feined  Corps  und
rückte  gegen  das  Dorf  vor.  Das  Gefecht  war  blutig  und  hartnädig.
Die  Kleider  ded  Herzogs  von  Enghien  waren  von  Kugeln  durchlöchert,
er  verlor  zwei  Pferde  unter  dem  Leibe  und  erhielt  eine  Contufton  am
Scenfel.  Man  bat  ihn  umfonft,  fich  zurüdzuziehen,  er  blieb  mitten
im  euer,  feine  Truppen  dur  Worte  und  Miene  ermuthigend,
Mercy,  nachdem  er  Wunder  von  Tapferkeit  gethan,  Fonnte  feinem
Schidfale  nicht  entrinnen,  eine  Muffetenfugel  gab  ihm  ven  Tod.  Der
Tod  ihres  Generald,  weit  entfernt,  die  Truppen  zu  entmuthigen,
machte  fie  müthend  ;  das  Rachegefühl,  das  fich  ihrer  bemächtigte,  Tieß
fle  Altes  überwinden,  und  die  bewunderndmwerthe  Kühnheit  Enghien’8
vermochte  nicht  zu  verhindern,  daß  der  größte  Theil  feiner  Infanterie
in  Stüde  gehauen  murbe.

Auf  der  andern  Seite  griff  der  linfe  Klügel  der  Bayern  den
rechten  der  Branzofen  fo  ungeftüm  an,  daß  bie  franzöftfche  Reiterei,
nachdem  fie  fich  eine  Weile  gehalten  hatte,  gänzlich  geworfen  und  in
Unordnung  gebradht  wurde.  Der  Marfhall  Grammont  entwidelte
eine  beimundernömwerthe  Tapferkeit  und  Seitigkeit,  um  feine  Truppen
aufzuhalten,  fe  zu  ralliiren  und  wieder  gegen  den  Beind  zu  führen.

Da  er  jenod  fah,  daß  alle  feine  Bemühungen  vergeblich  waren,
fo  ftellte  er  fich  an  die  Spite  der  Negimenter  Wabert  und  Wall,  welche
ihren  Boften  nicht  verlaffen  hatten,  erwartete  die  Bayern  felten  Fußes
und  ließ  ein  beftige8  euer  auf  ihre  Schmabronen  geben.  Er  bradite
eine  Rüde  hinein  und  drang  in  diefelbe,  ging  aber  fü  meit  vor,  daß  er,
umringt  von  Veinden,  der  Hebermacht  weichen  und  fich  gefangen  geben
mußte.  Nach  diefer  allgemeinen  Verwirrung  auf  dem  rechten  Flügel
fiel  Johann  von  Werth  über  das  Refervecorps  ber,  fchlug  Chabot  und
drang  biö  zur  Bagage,  die  geplündert  wurde.  Diefer  beutfche  General
zeigte  fich  bei  biefer  Gelegenheit  mehr  al8  braver  Soldat,  wie  ald
großer  Veloherr,  er  ließ  fich  ohne  Ueberlegung  von  der  Verfolgung  der
Flüchtlinge  fortreißen,  ftatt  mit  feinen  fiegreichen  Truppen  umzufehren
und  ven  linken  Slügel  ver  Branzofen  einzufchließen.

Zu  gleicher  Zeit  griff  Türenne  den  auf  dem  Wenneberg  ftehenben
  rechten  feindlichen  Blügel  an.  Er  ging  unter  dem  fortwährenden
        <pb n="293" />
        277

Teuer  der  feindlichen  Artillerie  unaufhaltfam  vor,  verlor  ein  Pferd
unter  fidh,  erhielt  einen  Schuß  auf  den  Küraß  und  erreichte  endlich  in
guter  Orbnung  die  Höhe  des  Berges.  Der  Kanıpf  war  mörberifc}
zwifchen  diefen  beiden,  auf  der  einen  Seite  aus  Weimarern  und  Heffen,
auf  der  andern  aud  Bayern  und  Kaijerlichen  beftebenven  Slügeln.

Bei  diefer  Gelegenheit  fehien  die  Tapferkeit  diefer  beiden  Deut«
fihen  Borps,  melde  mit  fo  großer  Hartnäcigkeit  fochten,  den  Ruhm
der  Branzofen  zu  verdunfeln,  welche  fich  überall  hatten  fchlagen  Taffen.
E83  murben  mehrere  Angriffe  und  Gegenangriffe  gemacht,  bi  man
endlich  zu  den  Piftolen  und  dem  Säbel  griff,  worauf  e8  Türenne  gefang,
  nachdem  er  die  Kaiferlichen,  die  immer  unerfchütterlich  blieben,
mehrmals  vergebens  angegriffen  hatte,  ihre  erfte  Linie  zu  Durchbrechen,
Gleen  aber  ließ  die  zweite  vorrüden  und  brachte  Die  vorderen  Schmwa«-bronen
  Türenne’8  zum  Wanfen,  ohne  fte  jedoch  völlig  zu  merfen;  va
fam  Enghien,  welcher  wußte,  daß  ed  auf  dem  rechten  Klügel  und  im
Gentrum,  wo  Ufles  in  Verwirrung  war,  nichtd  mehr  zu  thun  gab,
auf  den  Tinfen  Blügel  und  ftellte  fi  an  bie  Spiße  ver  in  der  zweiten
Linie  befindlichen  Hefftfchen  Truppen.  Alsbald  warf  Türenne  die  noch
auf  dem  Berge  befindlichen  feindlichen  Schwahronen,  fchlug  die  dort
poftirte  Infanterie,  nahm  das  Gefhig  der  Kaiferlichen  und  ließ  e8
gegen  ven  Neft  ihres  rechten  Slügeld  richten,  welcher  fidy  bi8  an  das
Dorf  ausvehnte.  Er  nahm  die  Bayern  in  die  Slanfe,  attaquirte  fte,
ohne  einen  Augenblid  nachzulaffen  und  zwang  fte,  fih  500  Schritte
jenfeit8  des  Dorfes  zurüdzuziehen,  wobei  er  den  General  Gleen  gefangen
  nahm.  UL  fich  die  in  der  Kirche  und  auf  dem  Gottedader
verfchangten  Regimenter  umringt  fahben,  ergaben  fie  fih  auf  Gnade
und  Ungnade.  So  wie  Johann  von  Werth  bie  Vorgänge  auf  dem
Menneberge  erfuhr,  eilte  er  mit  feinem  flegreichen  Slügel  herzu,  allein
ed  war  zu  fpät,  er  traf  Ules  in  Unorbnung  und  der  Tag  war
zu  Ende.

Um  1  Uhr  nad)  Mitternacht  begann  der  Yeind  den  Rüdzug  und
mit  Tagedandbruch  war  Niemand  mehr  zu  fehen.  Johann  von  Werth,
ber  einzige  General,  ver  ihm  blieb,  Hatte  die  Dunkelheit  der  Nacht
benugt,  um  Donaumörth  zu  erreichen  und  den  Reft  der  Armee  jenfeits
der  Donau  in  Sicherheit  zu  bringen.  Türenne  verfolgte  ihn  mit
3000  Pferden  618  an  die  Ufer  des  Yluffes  und  Eehrte  nicht  eher  um,
        <pb n="294" />
        278

ala  bis  er  ihn  mit  allen  feinen,  Truppen,  batta  binüber  gehen:  fehen.
3  bi8.  4000  Mann  der  franzsfifchen,  Infanterie  blieben  auf  dem  Plage,
und  der  Verluft  der  Allüirten,  war  größer,  als.  jener  der  Kaiferlichen.
Der  Marfchall,  Oranınont  wurde  auf  ber  einen  Seite,  General  Ölen
auf  der  andern  gefangen,  aber.  Der.  Herzog.  von.  Engdien  behauptete  bad
Schlachtfeld,  nahm  eine  große  Anzahl  Offiziere  gefangen,  viele  Standarten,
  und  das  ganze,  feinpliche  Gefhis.  Der  Sieg  Fam  den  Frans.
zofen  fo  theuer  zu.  ftehen,  daß  fie  während  einiger  Tage  nur.  12  big
1500  Mann  Infanterie,  zufammenbringen  fgnnten.  Chriftine,  Königin
von  Schweden,  fhrieb  eigenhändig  an  den  Herzog  von  Enghien,  un
ihm  ihre  Breude,  zu,  bezeugen,  baf  er  burch-  feinen  Sieg  vie  Schmad).
getilgt,  welche  bie,  Schweden  früher  an  der  nämlichen,  Stelle  erlitten,
Dbgleif)  der,  Herzog,  große  Demeife  feines  Durbes  bei  biefem.  Fampfe
geliefert,  war  er  doch  großmüthig.  genug,  in  feinem,  Briefe  an  bie
Königin  anzusrfennen,  daß  der  größte  Theil  des  Verbienftes  um  den
Sieg  der  Tapferkeit  und.dem  Benehmen  Turenne’d  gebühre.

Rh

Sphlacht.  bei.  Nördlingen”).
(Ind  Deutfche  übertragen.)

Die  Ebene  bei  Nördlingen  If  eine  der  größten  von  Franfen**)..
Nach)  der  Mitte  zu  ift  fte  von  zwei,  einige  Hundert  Toifen.von  einander
entfernten  Anhöhen  burchfchnitten.  Die  erfte,  der  Wenneberg,  ift
ziemlich  Hoch  und  fteil,  die  zweite,  bekannt  unter  bem.  Namen  Aller»
heim,  ift  burdy  ein  Schloß  befeftigt.  Ztwifchen  diefen  Höhen  ift  ein
Thal,  das  bei  einem  ohngefähr  300  Schritte  weiter  nady  Nörblingen
zu  liegenden  Dorfe  ausgeht.  Das  Terrain,  zwifchen  bem  Dorfe

*).Histoire.  de.  l’armee  etc,  page  34  et  suiv.

*r)  Mörblingen,  eine  freie  Neichsftadt,  gehörte-  zur  Zeit  des  beutfhen
Saifesreichs,,  dem  fränfifchen:  Kreife  an.  Sept  tft  diefe,  Stadt  in:  dem
Befipe  Bayern,  und,  gebärt.  zum  Sreife  Schwaben:  und  Neuburg.

Yum,  bes  Brrf.
        <pb n="295" />
        279

Allerheim  und  dem  Berge  Ift  eben,  aber  in  feiner  ganzen  Länge
durch  einen  überall  gleich  breiten  und  tiefen  Graben  burchfchnitten.
Der  Weg,  welcher  von  dem  Dorfe  nad  dem  Wenneberg  führt,  ifl
fhlecht  und  fteil.  Sier  hatte  fi  der  gefchicte  Mercy,  der  glüdliche
Sieger  von  Marienthal,  feftgefeßt  und  mit  feiner  gewohnten  Mugheit
nicht8  vernachläfftgt,  diefe  furchtbare  Stellung  noch  furcdhtbarer  zu
machen.  Er  hatte  vor  feiner  ganzen  Brontlänge  Schangen  errichten
laffen,  die  fehmer  zu  nehmen  waren.

Die  bayerifch-Eniferliche  Armee  war  15,000  Mann,  fämmtlich
alte  Soldaten,  flark,  und  hatte  einen  Artilferieparf  son  28  Gefchügen.
Der  General  Gleen  befehligte  den  auf  dem  Wenneberg  aufgeftellten
und  aus  den  Faiferlichen  MRegimentern  beftehenven  rechten  Slügel;  der
linke,  auf  der  Anhöhe  von  Ullerheim  verfchanzt,  ftand  unter  dem  berühnıten
  General  Jean  de  Wörth,  den  man  vor  diefer  Schlacht  mit
Merch  auf  gleiche  Linie  ftellte.

Den  Oberbefehl  über  va8  Gentrum,  welches  dad  Thal  von  einer
Höhe  bid  zur  andern  ausfüllte,  hatte  fich  der  commandirende  General
felbft  vorbehalten.  Die  Elite  der  Infanterie  hatte  er  in  das  vor  ihn
gelegene  Dorf  gelegt.  Seine  Artillerie  war  Tangs  der  Linie  vertheilt,
mwonit  er  dad  Dorf  und  die  beiden  Höhen  gevedt  hatte.

Die  frangöftfche  Armee  zählte  17,000  Mann  und  hatte  einen
Park  von  28  Gefihüten.  Conde  vertheilte  fle  folgendermaßen:  Türenne
  befebligte  ven  linken  STügel,  er  ftellte  fih  mit  16  Schwadronen
und  6  Bataillonen  an  ver  Wörniz  auf*),  der  Graf  Marfin  befehligte
das  Centrum  und  nahm  eine  Pofttion  gegenüber  von  Ullerheim.  Der
rechte  Slügel,  unter  den  Befehlen  ded  Herzogs  von  Grammont,  lehnte
fih  an  die  Eger).  Auf  einer  zweiten  Linie  fland  eine  Referve  von
6  Schwahronen  und  4Bataillonen.  Conde  tbernahm  feinen  beftimmten
Poften,  er  Hatte  fich  vorbehalten  mit  vem  Generalmajor  Marquis  de  la
Mouffaie,  liberal  binzueilen,  wo  feine  Gegenwart  nöthig  fein  würde.

*)  Diefe  Angabe  tft  gänzlich  unrichtig.

“r)  Gleich  unrihtig.  Der  franzöfifhe  DVerfafler  verwechjelt  einen
Bah,  mweldher  am  Fuße  des  Spigberges  entfpringt  und  fich  fühlich  von
Gnakingen  in  die  Eger  ergießt,  mit,  biefem  Slüschen.  Die  Eger  lief  im
Rüden  der  franzöfifchen  Aufftellung  von  Norb  nad;  Süpoften  und  mündet
nicht  weit  von  Heroldingen  in  die  Wörntz.  Anm.  des  Verf.
        <pb n="296" />
        280

Vor  der  Schlacht  recognodeirte  Conde  in  Begleitung  Türenne’s
die  feinpliche  Stellung.  Bein  Anbli  der  DVerfchanzungen  und  der
Pofition  Merch’8  fagte  Tiürenne,  e8  wäre  Dermegenheit,  anzugreifen.
  Der  ungeftüme  Gonde  aber  meinte,  man  müffe  Fampfen
und  fiegen.

Das  Gefecht  begann  mit  dem  Dorfe  Allerbeim.  Der  General
Mercy,  der  mit  lebhafter  Freude  gefehen  hatte,  daß  jich  die  Branzofen
anfchieten,  ihn  anzugreifen,  ritt  an  der  Iront  feiner  Truppen  nieder
und  verfündete  ihnen  den  Sieg.  Man  erzahlt,  daß  er  im  Augenblideded
  Angriffs  feiner  Frau,  welde  ihn  ftetd  begleitete,  die  fich  audbrei«
tende  Arınee  Gonde’8  zeigte  und,  fie  vor  Entzücen  Füffend,  audrief:
„das  ift  der  füßefte  Kuß,  den  ib  Dir  in  meinem  eben
gegeben  habe.  Sieh’ft  Du  diefe  UrmeevonThoren,  die
fih  nähert?  Gott  felbft  überliefert  fie  meinen  Händen!
Treue  Dich,  der  Erfolg  diefes  Taged  wird  dem  Reide
den  Srieden  und  feinen  alten  Olanz;  wiedergeben!
Darauf  trank  er  mehrere  Gläfer  Wein,  ohne  daß  feine  Vernunft  dadurch
  geflört  worden  wäre,  wie  die  Zeitgenoffen  fagen,  nad  gab  Befehl
zur  Schlaht.  Ed  war  3  lihr  Nachnittage,  das  Seuer  begann  und
meit  hin  ertönte  die  Ebene  vom  Lärm  ver  Slanonen.  14  Gefchüße  des
Gentrums  befchoffen  dad  Dorf,  aber  noch  ehe  ihr  euer  mit  Erfolg
gewirkt  Hatte,  mar  Conde,  fortgeriffen  von  der  Kite  ded  Gefechts,
zum  Sturm  vorgerüdt.  Die  franzöftfehen  Eolonnen  drangen  vorwärts,
  ohne  fi  vom  feinplichen  Teuer  zum  Wanken  bringen  zu  laffen.
Sie  famen  bi8  an  die  Verfchanzungen  deö  Dorfes,  griffen  fie  mit  Wuth
an,  nahmen  fle  und  drangen  in  bie  Gaffen.

Der  Oeneral  Mercy,  wohl  miffend,  daß  der  Erfolg  ded  Tages
von  diefem  Poften  abbing,  ließ  neue  Truppen  gegen  benfelben  vorrüden.
  @8  entfpann  fi  ein  fürchterlicher  Kampf.  Die  Sranzofen
erhielten  die  volle  Ladung  der  im  Dorfe  befindlichen  Artillerie  und  murden
  durch  das  Slanfenfeuer  der  auf  der  Schlacdhtlinie  aufgeftellten
Batterien  zerfehmettert,  hielten  aber  Stand  in  diefer  entfeglichen  Kanonabe;
  fle  verboppelten  ihre  Anftrengungen,  ba  fiel  ver  General  Marftn
und  die  Soldaten  wichen  faft  alle  verftümmelt  zurid.

Der  Generalmajor  la  Mouffaie  eilte  zu  ihrer  Unterftügung  berbei;
  da®  Gefecht  beganıı  von  Neuem,  da@  Gemegel  war  entfeglich,  aber  -
        <pb n="297" />
        281

auch  diesmal  fchlugen  die  Feinde,  begünftigt  von  der  Stellung,  unfere
unerfchrodenen  Truppen  zurüd.  Cinige  Qundert  in  den  mit  Schießfcharten
  verfehenen  Säufern  verftedie  feindliche  Muffetiere  feuerten
auf  unfere  Soldaten,  jeder  Schuß  traf.  La  Mouffaie,  Cajtelnau,
Mauriftere  wurden  verwundet.  Die  Truppen  wichen  und  waren  im
Begriff,  die  mit  fo  großer  Mühe  genommene  Schanze  zu  verlajfen.
Eonde  fam  mit  dem  Mefte  der  Infanterie  herbei.  —  Beim  Anblid
biejes  furchtbaren  Gegners  fuchte  der  General  Merch  ven  Muth  feiner
Truppen  mit  den  Worten  anzufeuern:  „Muth,  der  Sieg  ift  Euer!
Gott  verblender  die  Branzofen"  Jm  nämlichen  Augenblide
richtete  er  alle  Kräfte  ded  Bentrumd  gegen  den  Prinzen  Sonde.  Nun
begann  zwifchen  den  beiden,  durc)  die  Gegenwart  ihrer  Führer  gleich
ermutbigten  Aruppen  einer  jener  entfeglichen,  blutigen,  müthenven
Känıpfe,  die  keine  Worte  zu  fehildern  vermögen.  Alle  Adjutanten  ved
Prinzen,  alle  Offiziere  feines  Gefolges  werden  an  feiner  Seite  töbtlich
verrunbet,  fein  Pferd  wurde  erfchoffen,  zwei  andere  verwundet,  fo  wie
er  fie  beitieg;  er  felbft  erhielt  eine  Contuflon  auf  den  Schenkel  und
zwanzig  Kugeln  auf  feinen  Kuraß  und  in  feine  Kleider.  Aber  Conde
blieb  unerfchütterlicy  mitten  in  diefem  furchtbaren  Beuer.  Die  Soldaten
  felbft,  beim  Anblick  einer  foldhen  Metelei,  fielen  und  ftarben  mit
einer  an  Wahnflnn  grenzenden  Wuth,  vie  feinen  an  ein  Zurückmeichen
denken  ließ.

Plöglich  gab  eine  Muffetenkugel  dem  Kampfe  eine  andere  Wens
dung.  Der  General  Merch  wurde  tödtlich  getroffen.  Dies  Ereigniß
erfüllte  die  Sranzofen  mit  neuer  Hoffnung,  fie  fochten  nicht  mehr,  um
fih  zu  vertheivigen,  fie  Fampften,  um  zu  fliegen.  Doc  die  Bayern
wanften  nicht;  der  Tod  ihres  Generals  hatte  ihre  Wuth  verboppelt,
fie  verfchanzten  fi  im  Kirchhof  und  in  der  Kirche,  und  fuhren  fort,
fih  mit  unglaublicher  Hartnäcigfeit  zu  fchlagen.  Cunde,  Herr  des
ganzen  Dorfed,  aber  nicht  im  Stande,  ihre  Stellung  zu  nehmen,  ftedfte
die  Häufer  in  Brand,  in  der  Hoffnung,  dad  Feuer  werde  fidh  biß  zur
Kirche  ausdehnen  und  die  Keinde  vernichten.  Die  Bermüftung  des
Beuerd  aber  wirkte  nur  unvollftändig  und  die  Bayern  verblieben  unerfchütterlich
  In  ihrer  Stellung.

.  Eonde  wandte  fih  nun  mit  feiner  ganz  verftümmelten
Truppe  gegen  den  linken  Slügel,  wo  Türenne,  dem  Blanfenfeuer
        <pb n="298" />
        2.2

 

aus  dem  Dorfe  Troß  bietend,  gegen  den  Wenneberg  vorgerüdt
war.  Obgleidy  verwundet,  war  ber  Marfchall  auf  feinem  Boten  ges
blieben  und  drang  nun  mit  um  fo  größerer  Heftigfeit  gegen  den  Ges
neral  Sleen  vor.

So  wie  Conde  zu  ihm  geftoßen  war,  feßte  er  fi}  mit  ihm  an
bie  Spige  ver  Eavallerie.  Die  Irangofen  wurden  abermals  zurüd:
geworfen.  Gonde  Tieß  nun  endlich  feine  Neferve,  Weimaraner
und  Heffen,  die  einzigen  Truppen,  welche  noch  nicht  im  Gefecht  gewefen
  waren,  vorrüden.  Die  ded  großen  Bernharb’8  von  Weimar
würdigen  Soldaten  eilten  unter  einem  entfeßlichen  euer  herbei,
fchloffen  ihre  durch  die  Kartätfchen  gelichteten  Reihen,  erkfetterten  ven
Gipfel  des  Wennebergd,  metelten  bie  dort  verfchanzte  Infanterie  nles
der,  bemächtigten  fich  de8  Gefcbüges,  richteten  e8  gegen  die  bayerijche
Infanterie  des  Centrums  und  trieben  fle  in  die  Klucht.  Hierauf  rürften
fie,  von  Conde  geführt,  gegen  dad  vom  Prinzen  biöher  vergeblich  ans
gegriffene  Dorf,  nahmen  ven  General  Gleen  gefangen  und  zwangen  bie
beiden  in  der  Kirche  und  dem  Kirchhofe  verfchanzten  Regimenter,  fich
auf  Gnade  und  Ungnabe  zu  ergeben.  Der  Sieg  fhien  den  Branzofen
gewiß  zu  fein;  aber  plöglich  erfchien  Jean  ve  Wörth  mit  feinem  flegreichen
  Tinfen  STügel  und  machte  ihnen  den  fo  theuer  bezahlten  und
mühfanı  erfämpften  Sieg  ftreitig.  Müde,  ven  Marfchall  Grammont,
der  ihm  gegenüber  ftand,  länger  zu  erwarten,  hatte  er  feine  verfchanzte
Stellung  oberhalb  ded  Dorfes  Allerheim  verlaffen,  mar  tiber  den  das
Thal  durchfchneidenden  Graben  gegangen  und  hatte  fich  wie  ein  reißen
ber  Strom  auf  den  durdh  den  erften  Schlag  fchon  ftarf  entmuthigten
Flügel  ver  Sranzofen  geftürgt.  Lange  wiverftanden  bie  von  Grammont
befehligten  Schwabronen,  allein  durch  mehrere  rafch  auf  einander
folgende  Angriffe  zum  Wanfen  gebracht,  kam  endlich  der  Schreden
über  fte,  und  fie  ergriffen  die  Slucht,  ihren  General  im  Stiche  Iaffend,
welcher,  verwundet,  an  ber  Spiße  zweier  Regimenter  noch  Stand  hielt
und  auf  feinem  Boften  fterben  wollte.  Grammont  wurde  umzingelt
und  gefangen  genommen.  Chabot  wollte  mit  der  Referve  den  Sieger
aufhalten;  auch  er  wurde  zuräüdgefchlagen,  feine  Referve  in  die  Flucht
gejagt  und  zerftreut.  Doch  bei  ver  Nachricht  vom  Tode  de  Generals
Mercy  und  der  Orfangennahme  ded  GeneraldÖleen  zauderte  Jean  de
Wörth;  er  war  nicht,  twle  fein  Gegner,  mit  jener  Entfcjloffenheit  bes
        <pb n="299" />
        283

gabt,  die  jeden  Umftand,  felbft  den  fehmwierigftem,  zu  ihrem  Vorrheil
zu:  beaußen  verfteht,  und  die  nie  an  dem  Erfolg  verzweifelt,  jo  lange
fie  dem  Yeinde  noch  ein  paar  Mann  entgegenzuftellen  bat.  Jen  de
Mörıh  gab  einen  geiwiffen  Sieg  auf.  Er  zog  feine  Truppen  erft  auf
Alerheini,  dann  auf  Donaumörrh  zurüd  umd  iberlieg  ven  Sranzofen
bad:  blutige  Schluchtfelb  nıit  4000  Todten,  2000  Gefangenen,  40  Bahnen
  und  Stanharten  und  L5  Gefhügen.  Auf  Seiten  der  Sieger  waren
000  Zodte  und  Bermundete.

Sonde  ließ  Merch  ehrenvoll  beerdigen.  Er  murbde  auf  dem
Shlactfelde  felbft  mit  allen  .militärifchen  Ehren  zur  Erbe  beftattet.
Der  Held  von  Rocroi  ehrte  fein  Andenken:  durch  eine  gerechte  und
fromme  Huldigung,.  Der:  Stein,  meldher  fein  Grab  vedte,  erhielt  die
fhöne  Infchrift:  „Sta  viator  heroem  calcas“.

Des  Verfaffers  Betrachtungen  über  die  Schlacht
bei  Ulerbeim.

Nashdem  Felomarfhall  Franz  Freiherr  von  Mercy  auf
eine  meifterhafte  Weife  jeden  Zufammenftoß  mit  dem  Feinde:
vermieden  hatte,  wählte  er  am  redten  Ufer  ber  Wörniz  eine
Boktion,  melde  ihm  den  ficherften:  Erfolg  verfvrah.  Die
Wahl.  diefer,  Vofltion  verdient  die  größte  Aufmerffamfeit,  indem,
  fie.  wieberholt  von.  der  jo  wichtigen  Kunft  der  Terrain:
benugung,  zeugt,  welde  nicht  leicht  ein  Felpherr  in  grüßerem
Maße  bejaß,  ald  der  uufterblihe  Mercy.  Conde,  Türenne,,
Grammont  und  alle:  übrigen  Generale  ded-  franzofifchrhefftiche
weimartichen  Geered.  waren  betroffen,  ale  fie.  Mercy  in  jener
drohenden  Stellung.  gemahrten.  Diefe  Stellung  erftredte  fid
von  dem  Wenneberge  bid  an  das  Schloß  Allerheim.  Der
Wenneberg  war  jahin  der  außerfte  redhte  und  das  Ediloß
Allerheim  der  Außerfte  linke.  Flügelpunft..  Zur  Berftärfung
feinen.  Linie.  hatte.  Mercy,  ver,  wie  Zeitgenofjen  befchreiben,
immer.  eine  große  Zahl:  von,  Wagen,  ,  mekhe  mit  Schamyjeng
        <pb n="300" />
        284

beladen  waren,  mit  fid}  führte,  in  der  Front,  in  der  redten
und  linfen  Flanke  durd  Verfhanzungen,  welde  ben  Ausfall
erlaubten,  verftärft.  Vor  dem  Mittelpunfte  diefer  Bofition
lag,  wie  fdon  erwähnt,  das  Dorf  Allerheim,  weldes  gleidys
falls  mit  Schangen  umgeben  war,  weldye,  wie  jene  vor  der
Pofition,  mit  Gefhis  armirt  waren.  Außerdem  war  faft
jedes  Haus  zur  Vertheidigung  eingerichtet;  der  Kirchhof  biente
als  Rebuit.  Die  Rüdzugslinte  war  gefidert.  Die  Bofitton
war  nicht  blos  befenfiver  Natur,  fondern  erlaubte  audy  die
Dffenfive,  was  der  linfe  Cavallerieflügel  unter  Sean  de
Morth  hinlänglid;  bewies.

Gehen  wir  nun  zu  dem  DBerlaufe  der  Schladt  felbft
über,  fo  zeigt  fi,  daß,  in  fo  lange  Mercy  lebte,  alle  Anordnungen
  dad  Gepräge  der  größten  Sicherheit  trugen,  mit  deffen
Tode  jedoch  der  Zufammenhang  verloren  ging  und  ein  Ehwanfen
in  den  Anorbnungen  eintrat,  weldes  den  Verluft  der  Schladit
herbeiführte.  Und  troß  des  Todes  des  bayerifchen  Oberfeloherin
  wäre  der  Sieg  nad  des  großen  Kaiferd  Napoleon’d
Ausfpruh,  welder  gleichfalls  ald  Kommentator  diefer  Shladht
auftrat,  dennody  den  Bayern  verblieben,  wenn  Jean  de  Wörth,
ald  er  von  der  Verfolgung  ded  rechten  Flügeld  der  Branzofen
zurüdfehrte,  fi  gegen  Türenne  gewendet  hätte,  ohne  vorher
feine  alte  Stellung  wieder  einzunehmen,  woburd  er  ziel
Ceiten  ded  Dreiedd  zurüdlegte;  wenn  er  vielmehr  in  ver
Diagonale  die  Ebene  durhfchritten  und  Allerheim  rechts  Laffend,
den  Türenne’fhen  Truppen,  die  in  dem  Augenblide  noch  mit
den  Kafferlihen  unter  Gleen  befhäftigt  waren,  in  den  Rüden
gefallen  wäre.  Der  Haden,  welden  er  zurüdlegte,  verfpätete
  feine  Bewegung  nur  um  eine  halbe  Etunde:  ‚‚aber
das  ift  das  Shidfal  der  Schladten,  daß  fie  oft
von  den  Fleinften  Ereigniß  abhängen”.

Wir  fehen  daraus,  daß  das  Gefhie  des  ganzen  Tags
in  Jean  de  MWorth’8  Hand  ftand,  wenn  er,  von  der  Ber:
folgung  des  ihm  gegenüberftehenden,  aus  dem  Zelde  gefchlagenen
  Flügels  mit  feinen  Stegern  auf  den  bebrängten  rechten
hinter  dem  Dorf  weg  geeilt  wäre.  Durd  diefes  Benehmen
        <pb n="301" />
        285

verlor  Jean  de  Wörth,  der  tapferfte  Soldat  des  bayerifchen
Heered,  den  Ruhm  eines  umfichtigen,  befonnenen  Feldherrn  *).

Durd;  Ddiefe  verzögerte  Bewegung  Jean  de  MWörth’s
wurde  nody  überdied  die  Kataftrophe  von  Allerheim  herbei:
geführt,  vdeffen  Befabung,  welde  mehrere  Stunden  lang  mit
der  hödjften  Ausdauer  gefämpft  hatte  und  ohne  jeden  Entfak
geblieben  war,  capitulirte.

Die  frangojifhen  Truppen  des  feindlihen  linfen  Flügels
unter  Türenne  ftürmten  vergebli  gegen  die  Kuiferlihen  unter
  dem  General  Öleen.  Als  Tirenne  und  Conde  mit  diefen
Truppen  nihtd  außrichteten,,  erhielten  bie  im  dritten  Treffen
ftehenden  Heffen  und  Weimarer  den  Befehl  zum  Angriff,
welchen  fie  mit  einer  feltenen  Kühnhett  und  Todesveradhtung
vollfführten,  die  Katferlihen  nah  einem  hartnädigen  Widers
ftande  aus  dem  Felde  fhlugen,  den  General  Gleen  gefangen
nahmen  und  das  eroberte  Gelfhüg  gegen  die  Bayern  ridyteten.
  Durd  die  Gefangennehmung  diefes  Generald  war  jede
Ausfiht  auf  eine  gunjtige  Gefechtöwendung  für  die  bayerifch-Entferliye
  Armee  verloren,

Nady  Napoleon  hatte  der  Prinz  Conde  Inredht,  bei
Nördlingen  mit  einer  faft  ausfdließlid  aus  Reiterei  und  fo
wenig  Artillerie  beftehenden  Armee  anzugreifen.  Der  Ungriff
auf  das  Dorf  Allerhbeim  war  von  der  größten  Wichtigkeit.
War  die  Armee  Eonde’3  an  Neiterei  überlegen,  fo  hatten
beide  Heere  eine  gleihe  Zahl  Infanterie  und  die  Flügel
Mercy’s  waren  fehr  ftarf  unterftugt.  Es  ift  nicht  zu  verwwuns
dern,  daß  Conde,  ohne  Haubizen  und  mit  fo  wenig  Artillerie,
alle.  feine  Angriffe  auf  das  Dorf  Allerheim  vergeblich  gemadıt
hatte,  da  dafjelbe  auf  hundert  Toijen  von  der  Schladtlinie

*)  Per  comune  sentimento  delle  armate  diffaltö  alle  parti  di
bon  capitano  per  soprabondare  in  quelle  di  Soldato  il  Generale
Gian  di  Verth,  mentre  dopo  la  sconfitta  dell’  ala  dritta  de  Francesi
premere  e  incalzare  di  tergo  fieramento  devea  per  sua  cavalleria,
entera  e  terribile  per  la  recente  vittoria  della  sinistra  del  Tureno,
che  no  havrebbe  trovato  alcun  ostacolo  in  vincerla.  Vitt.  Siri
Mercur.  Owero  tom.  VII.  p.  I.  p.  264.
        <pb n="302" />
        286

unterftügt  wurde,  feine  Häujer,  forte  die  Kirde  und  ber
Kirchhof  mit  Schießfdharten  verfehen  waren  und  von  einer
nidyt  blos  an  Zahl  ald  audh  an  Tüchttgfeit  überlegenen  Infanterie
  vertheidigt  wurden.  Shne  ven  Tod  des  Generals
Mercy  wäre  das  Schladtfeld  den  Bayern  verblieben  und  ber
Rückzug  des  Prinzen  Conde  über  die  rauhe  Alp  wäre  ihm
fehr  verderbli  geworden.

Eonde  hat  den  Sieg  verdient  durd  die  Hartnädigfeit
und  feltene  Unerfhrodenheit,  welde  ihn  auszeidhneten;  denn
wenn  fie  ihm  beim  Angriff  auf  Allerheim  aud  zu  nidts  ge
nügt  hatte,  jo  war  fie  ed,  die  ihm  gerathen  hatte,  da6  ©efeht
  mit  feinem  linken  Ylügel  zu  erneuern,  den  einzigen
Truppen,  welde  ihm  nod  blieben,  nahdem  er  den  redten
und  fein  Centrum  verloren  hatte.  Denn  er  war  ed,  der
alle  Bewegungen  Ddiefes  Klügeld  angeordnet  hatte,  und  ihm
muß  audh  der  Ruhm  verbleiben.  Beobahter  gemwöhnlidyen
Edjlaged  haben  behaupten  wollen,  er  hätte  den  Flügel,  als
er  no  vollftändig  war,  benugen  follen,  feinen  Rüdzug  zu
bewerfftelligen..  Mit  folhen  Grunbfägen  fann  ein  General
gewiß  fein,  jede  Gelegenheit  auf  einen  günftigen  Erfolg  zu
verfehlen  und  beftändig  gefchlagen  zu  merbden....  Das  Be:
nehmen  Gonde’s  tft  folglih  nahahmungswerth;  es  ift  in
Mebereinftimmung  mit  dem  Geifte,  den  Regeln  und  dem
Herzen  eined  Kriegerd.  Wenn  er  Ilnredht  hatte,  bei  ver
Etellung,  die  Mercy  inne  hatte,  eine  Schladt  zu  liefern,  fo
that  er  wohl,  nit  zu  verzweifeln,  fo  Tange  Ihm  nody  brame
Truppen  unter  den  Yahnen  blieben.

Durd  Died  Benehmen  errang  und  verdiente  er  den
Eleg*).

Unter  diefen  braven  Truppen  des  Iinfen  Flügels  Fann

*)  „La  conduite  de  Conde  est  donc  &amp;amp;  imiter.  Elle  est  conforme
&amp;amp;  l’esprit,  aux  regles  et  aux  coeurs  des  guerriers;  s’il  edt  tort  de
lirrer  bataille  dans  la  position  qu’occnpait  Meroy,  il  fit  bien  de
ne  jamais  desesperer  tant  gn’il  lui  restoit  des  braves  aux  drapeaux.
Pa»  cette  conduite  il  obtimt  et  merita  d’obtenir  la  vistoire.‘
Napoleon.
        <pb n="303" />
        297

per  Kaifer,  nur  die  Heffen  und  Weimarer  gemeint  haben,
denn  die  franzöfifhen  Natlonaltruppen  waren  an  biejem  Tage
beinahe  aufgerieben  worden,  was  aus  untenftehendem  Briefe  *)

*)  Liebe  Schwefhter!

Ih  muß  vor  allen  Neuigfeiten  Dir  fagen,  bag  ich  Dich  ıc.

Borgeftern  lieferte  man  nahe  bei  Nördlingen  bie  größte  EC  chladht,
bie  man  in  biefem  Kriege  gefehen.  Die  franzöftfhe  Eavallerie  Hatte  den
rechten  Flügel  und  ic)  mit  der  meinen  den  linken  inne.  Der  rechte  Zlu:
gel  ift  völlig  geichlagen  worden,  fo  auch  die  franzofifhe  Infanterie.  Wir
®ottlob  waren,  auf  dem  linfen  Flügel  glücklicher  und  dafelbft  das  Yelb
behalten  und  faft  die  ganze  Artillerie  vom  Feinde  gewonnen.  ©leen,  der
den  rechten  Flügel  der  Bayern  commandirte,  wurde  bafelbft  gefangen,
Der  Herzog  von  Enguien,  der  zwei  Pferde  unter  dem  Leibe  verloren  und
leicht  am  Arme  verwundet  war,  Fam  zum  größten  Olü  zu  mir,  wo  ich
war,  nur  ein  wenig  Augenblide  zuvor,  ehe  die  Truppen  auf  dem  Boften,
ben  er  für  fich  gewählt,  zerftreut  wurden.  Gr  bezeugt,  daß  er  mit  dem,
was  th  gethan,  zufrieden  if.  Die  Todten  und  VBerwundeten  wirft  Du
aus  den  Relationen  fehen;  man  hat  auch  Nachricht  vom  Herrn  Marfchall
Grammont  aus  Bayern,  den  die  Feinde  auf  der  Ketraite  nach  der  Donau
und  biefem  Lande  mitgenommen  haben.  Ihr  DBerluft  ift  größer  als  der
unfre,  obgleich  die  franzöfifhe  Armee  völlig  gefhlagen  worden.  Ich  bin
überzengt,  daß  man  auch)  in  Paris  nicht  anders  wird  fagen  fünnen,  als  daß
die  dentfche  Kavallerie  allein  die  Schlaht  gewonnen.  Der  Herzog  hat
mir  darüber  vor  der  ganzen  Armee  mehr  Gutes  gefagt,  als  id  Dir
jwiederfagen  fann.  Eben  fo  wenig  fann  ich  aber  au  fagen,  was  er  für
feine  eigene  Perfon  durch  Tapferkeit  wie  im  Commando  geleiltet.  Ich
hatte  vier  Batalllons  Infanterie,  zwei,  die  der  Herr  von  Chabot  comman;
birte,  um  die  Eavallerie  des  Herzogs  zu  unterftüßen,  und  die  zwei  andern
bei  feiner  Infanterie.  Aber  die  franzöfifche  Gavallerie  riß  auf  ihrer
Flucht  das  Alles  niit  fih  fort,  fo  daß  nichts  übrig  blieb,  als  die  deutfche
und  heffifhe  Eavallerie.  Der  Herzog  hört  nicht  auf,  die  Deutfchen  zu
loben;  und  ig,  der  That  hat  er  ihnen  auch  Leben  und  Freiheit  zu  banfen.
Es  it  nicht  zu  fagen,  wie  freugbfchaftli  er  mir  die  Ehre  erweifet,  mil
mir  zu  leben,  I.  bitte  Dich  fehr,  der  Frau  Herzogin  von  Longuenille
zu  bezeugen,  wie  fehr  ich  ihm  baburdy  verbunden  bin,
Ich  bin  fehr  hefümmert,  weil  man  mir  von  andern  Seiten  fehreikt,
bap  Du  fo  oft  das  Wieher  haf.  Ich  bitte  Gott  von  ganzem  Herzen,  haß
er  Dich  erhalten  möge,  weil  ich  auf  der  Welt  Feine  größere  Sreube  hate,
als.  Dich,  geiunh  zu  fchen.

Adien,  liebe  Schiefer.
‚Im  Lager  vor  Nörblingen,  ben  8,  Yuguft  1645.
        <pb n="304" />
        288

und  daraus  zu  entnehmen  fein  dürfte,  daß  mehrere  Tage
erforderlih  waren,  um  wieder  12—  1500  Mann  zufammenzubringen
  *).

Glaufewiß  über  die  Schlacht  bei  Allerbeim
p.  156.  (1645)  7.  Die  Schlacht  von  Nördlingen.

a)  Stärfe:  Die  Frangofen  17,000  Mann,  die  Bayern
und  Oefterreicher  14,000.  Die  Artillerie  der  lehteren  18  Geflpe.


b)  Berluft:  4  bis  5000  Mann  auf  jeder  Seite.  Die.
Bayern  und  Defterreiher  den  größten  Theil  ihres  Gefdlikes.

c)  Shlahtorbnung  der  Frangofen:  Die  Snfanterte
in  zivei  Treffen  in  der  Mitte,  die  Cavallerie  in  zwei  Treffen
auf  den  Flügeln;  aber  hinter  der  Infanterie  nody  einige  Cavallerie
  al8  dritte  Treffen  und  hinter  den  Flügeln  zivei  beträdytlihe
  Corps  von  Infanterie  und  Gavallerte  ald  Referve.
Die  Aufftelung  war  alfo  ungewöhnlid  tief,  nämlicdy  drei
volle  Treffen.  Die  Defterreiher  und  Bayern:  die  Infanterie
in  der  Mitte,  die  Cavallerie  auf  den  Flügeln;  Alles  in
zwei  Ireffen,  aber  auf  den  dußern  Flügeln  der  Cavallerte
noh  ein  paar  Batterien.  Infanterie  zur  Befagung  der  feften
Poften.  Hinter  der  Infanterie  nody  eine  Fleine  Cavallerieveferve
  von  ein  paar  Schwabronen.  Cie  waren  alfo  weniger
tief  geftellt,  al&amp;amp;  die  Franzofen.

*)  Menn  die  Branzofen  fi)  mit  dem  Faum  erwarteten  Bortheile
brüfteten,  fo  war  es  nur  die  Tapferfeit  der  wmweimarifhen  Regimenter
unter  Türenne  und  der  Heffen  unter  Gais,  die  durch  ihr  Blut  eine  Ehre
errangen,  mit  welcher  bie  eiteln  Branzofen  ihre  Stirn  fhmüdten.  Und
leider  war  es  faft  immer  fo  in  der  legten  Hälfte  des  ZOjährigen  Krieges;
unter  welfchen  und  fehwebifchen  Fahnen  zerfleifchte  das  deutfhe  Volf,  in
beiden  Parteien  den  Kern  bildend,  fich  felbft,  und  die  fremden  Heerführer
maßten  ihrer  Nation  die  Triumphe  an,  welche  die  verunglimpften  Landeleute
  unter  ihren  Panteren  gegen  einander  erfochten.

Barthold,  „Sohann  von  Werth  162,  163°.
        <pb n="305" />
        289

 

——

d)  Tactifher  Character.  Die  Bayern  und  Defterreicher
  waren  poflirt:

Das  Dorf  Allerheim  vor  ihrer  Mitte  war  mit  etwad
Sinfanterie  befegt  und  die  Hügel  auf  beiden  Flügeln  wieder.

Die  Frangofen  greifen  parallel  an.  Dod  verfuchen  fie,
ehe  die  Flügel  zum  Angriff  fhreiten,  mit  ihrer  Infanterie
das  Dorf  Allerhbeim  zu  nehmen.  Sie  fcheitern  vollfommen.
In  dem  Augenblide  geht  Johann  von  Werth  mit  dem  linfen
Slügel  zum  Angriff  über  und  fdylägt  den  rechten  Ylügel  ber
Sranzofen  unter  Grammont  mit  fammt  der  dahinter  ftehenden
Neferve  unter  Chabot  vollfommen  in  die  Fludyt.  Auf  dem
frangöfifben  linfen  Flügel  rüdt  Jürenne  etwas  fpäter  zum
Angriff  vor,  und  von  feiner  Referve  unterftigt,  gelingt  es
ihm,  ven  feindlihen  rediten  Flügel  zu  Schlagen.  Es  find
alfo  die  beiverjeitigen  rechten  Flügel  gefhlagen  und  in  der
Mitte  die  Anftrengungen  ver  Sranzofen  vergeblid  gemwefen;
ja  ihre  ganze  Infanterie  fcheint  in  der  Flut  des  rechten
Slügeld  verwidelt  zu  fein.  Unter  diefen  Umftänden  hätte  ber
Sieg  den  Bayern  und  Befterreichern  bleiben  follen,  aber
Mercy  tft  im  Infanteriegefehte  des  Centrumsd  geblieben  und
Sohann  von  Werth  hat  feinen  Eieg  nicht  zu  einer  Fortfegung
der  Offenfive  gegen  die  nody  ungefchhlagenen  Truppen  benußt,
fondern  ift  umgefehrt,  um  defenfiv  dem  geidjlagenen  rediten
Flügel  zu  Hülfe  zu  fommen.  Aus  beiden  Ulmftänden  fann  man
wohl  den  Verluft  der  Schladıt  erflären,  denn  er  fommt  erft
an,  ald  ed  dunkel  ift,  und  Die  Infanterie  in  Alferheim,  von
Tirenne  im  Rüden  genommen,  fih  ihm  eben  ergeben  hat.

e)  Dauer  der  Shladt:  Um  1  Uhr  fängt  Eonde
an,  feine  Armee  in  Edladitordnung  zu  ftellen,  wozu  er
vier  Stunden  braudt;  erft  um  5  Uhr  geht  der  Angriff  [o8.
Das  Gefeht  dauert  did  zur  Finfterniß,  d.  i.  bis  8  Llhr,
mithin  drei  Stunden.

DH  Bravour  der  Truppen:  Die  franzöfifhen  Mar:
(halle  Conde  und  Türenne  räumen  ein,  daß  den  weimarifhen
und  heffifhen  Truppen  ganz  allein  der  Eieg  gebühre  und  die
Sranzofen  vollfommen  aus  dem  Felde  gefchlagen  waren.

19
        <pb n="306" />
        290

g)  Folgen  der  Schladt  bei  Nördlingen:  Die
Bayern  gehen  über  die  Donau,  bi3  dahin  folgen  die  Franofen,
  dann  nehmen  fie  Nördlingen  und  wenden  fid  hierauf
zur  Einnahme  von  Diünfelsbühl.

Die  nädjfte  Folge  der  Schlacht  bei  Allerheim  war,  daß
die  verbündete  feindliche  Armee  zur  Belagerung  der  Etabt
Nördlingen  überging  und  biefelbe  am  7.  Auguft  zur  Webergabe
  nöthigte.  Nachftehende  Dorumente  geben  hierüber  ben
ficherften  und  umftändlihften  Auffchluß.

1.

Welcher  geftalt  ver  Eron  Srandreich,  ond  dero  alijrten  Armeen,
vnderm  General-Commando  deß  Duc  de  Anguiens  Altesse,  ober  den
Rhein,  Mayn,  vnd  Nedarftrom,  vunverhindert  der  Chur  Fürftl:  in
Bayern  vnderhabenvden  löblichen  Meichß-  Armada,  passirt,  in  dem
Taubergrund  fich  etlih  Tag  gefeßt,  und  enptlich  Hocdywolgebachter  Chur
Baprifcher  bey  vnd  umb  Greilßheim  vnd  Beuchtwangen  geflandener
Armada,  welche  von  der  Statt  Nördlingen  proviantiert  worden,  (mie
dann  inn  gedachte  Statt,  auß  Behforg,  vnnd  auff  den  fall  etwan  be--rübrte
  Srangöflfche  Völder  an  der  Senten  einbredyen,  die  Ehur  Fürftl:
Armada  vorbey  geben,  vnd  fiih  an  bemelte  Statt  machen  wolten,  zu
mehrerer  DBerficherung,  deß  Iöbl:  Gyldehafifchen  Meginients  Obrifter
Lieutenandt  Beldin,  mit  300,  von  underfdiedlichen  Negimentern  commandirter
  Mannfchaft  gelegt,  vnd  mit  der  gangen  völligen  Armee,  auf
folch  erftbeveuten  fall,  zeitlich  zu  succurriren  verfprodhen  worden)  ges
nähert,  felbiger  nad)  an  der  Seyten  in  da8  Mieß  gefolgt,  vnd  ben
24.  July,  3.  Aug:  diß  fortrucdenvden  45.  Sahrs,  der  Statt  unberührt,
ein  Fleine  Meil  Wegs  von  bannen  fürauß  beb  dem  Dorff  Ahlerheim,
auff  den  Bergen  herumb  in  nit  geringen  Vortheil  flehend,  mit  groffer
Furie  angefallen,  biß  in  die  Nacht  ernftlich  und  dermaffen  getroffen,
daf  beeverfeltö  viel  Vold,  fonverlich  aber,  auff  der  Chur  Bayrijchen
Seyten,  der  mweltberühmbie  General-  Beld  -  Marfchal,  Kreiberr  von
        <pb n="307" />
        291

Mercy,  Ehriftlichen  Angevendens,  neßen  vielen  andern  felbft  tod  geblieben,
  mie  ingleichem  deß  nit  weniger  hochrenommirten  Herrn  Oeneral
Leld  Marfcyaldens,  Grafen  von  Geleen,  Hoc,  Gräfl:  Excellenz  ges
fangen  worden,  ft  notori,  offenbar  und  Reichäfundig;  DBnd  feithes
mahlen  nach  folch  vorgangenem  jehr  harten  ond  blutigen  Treffen,  mehr
hochgedadhte  Chur  Bayrifche  Neichd-Armada  fi  hinderfih  zu  rud
gezogen,  vnd  gegen  dem  Thonawftrom  gewendet,  worüber  fomwol  die
Statt  Thonaumwörıh  von  der  Burgerfchaft,  al8  aud)  andere  viel  onder«
fchieplihe  Orth  ond  Bleden,  biß  gegen  Nugfpurg,  von  jhren  Inwohs
nern,  auß  Sorcht  vnd  Schreden,  verlaffen,  vnd  außgeplündert,  bie
Srangöfifche  Armee  aber  hingegen  auff  ver  Wahlftatt,  und  in  freyem,
offenem,  fladyen  Feld,  4  ganger  Tag,  ficher  vnd  unverfchangt  ftehen®
geblieben,  und  da8  wenigfte  nit  wieder  viefelbe  tentirt  worden,  ift  fie,
endtlich,  auffgebrochen,  ver  Statt  Nördlingen  fich  genäbert,  und  nach
dem  fie  zu  verfdjievenenmahlen,  wor  und  nach  beregtem  Treffen,  brey
Trompeter  an  diefelbe,  und  neben  dem  Xettern  zugleich  einen  @eifel  mit
abgefertiget,  ond  bie  Neutralitet,  wie  ed  Ihr  Altesse  genandt,  befag
dero  mit  Lit.  A:  bemerft,  copialiter  biebet  gefügten  Schreibeng,  felbft
offeriren,  vond,  ind  gemein,  wit  der  Statt  alfo  zuleben  anerbieten
laffen,  vaß  ruin  folle  verhütet  werben,  ift,  nach  vertremlich  gepflogener
deliberation  mit  obgedacdhten  Herrn  Obrifter  Lieutenandt,  und  feinen
Officieren,  zu  bochgevachtö  Herkogen  von  Anguiens  Altesse  jemand
wegen  der  Statt,  doch  nit  anderer  gejtalt,  dann  ad  audiendum  et  referendum,
  abgeorbnet  worden,  weldyer  diejenige  vorgefchlagene
6  puncten  mitgebracht,  wie  in  beygefügter  getrudter  Relation  pag:  4
&amp;amp;  5  vnd  per  totum,  zugleich  die  eygentliche,  gründtliche,  wahre  Bes
fchaffenheit  deß  gangen  Verlauffd,  wie  e8  von  Anfang  biß  zu  End
ergangen,  brib  weldyer  gejtalt  Die  der  Guarnison  angebottene  conditiones
  recusirt,  alled  von  verfelben  auff  vie  Spit  gefeßt,  under  mehren»
den  folchen  tractaten,  vnd  gebettener  dilation,  ftard  Yemr  gegeben,
und  darburch  vielhochgedachter  Gergog  dermaffen  inflammirt,  vaß  Er,
noch  umb  Mitternachtzeit,  die  Statt,  und  zwar  eben  an  dem  Orth,  wo
fie  am  allerfchwächften,  und  mit  Feiner  Streichwöhr  verfehen  gemefen,
auch  erft  vor  furgen  Tagen,  foviel  in  eyl  befchehen  mögen,  nur  in
etmad  wenig8  reparirt,  canoniren  lafien,  da  alle  Schuß  die  Mawren,
mit  groffem  Schreien  und  Entfegen  aller  Inwohner  und  Eingeflohenen,

19*
        <pb n="308" />
        202

durchbrochen,  und,  wber  vielfältiges  fleben  vnd  bitten,  berihrter  Guarnison
  halber,  nicht®  weiters,  dann  daß  fie  fich  des  andern  Tagd  auff
discrelion,  müffen  ergeben,  £ünnen  erhalten  werben,  der  Statt  aber
jhr  begriffener  Aufffag  confirmirt,  außgefertigt,  und  dato  noc)  gehalten
  tporben,  mit  mebrerm  zu  erfehen.

Altvieweilen  dann  bey  fo,  nad)  vorangeregtem  Treffen  verandertem
  Zuftand,  Natürlicher  Vernunfft  nach,  Feinedwegd  zu  vermuthen
gewefen,  daß  Ihr  Ehur  Bürftl:  Durchl:  den  mit  dero  Armee  vorher,
re  ad  huc  integrä,  zeitlich  end  vnvermweilt  verfprocdyenen  succurs  ind
Merck  ftellen,  vnd  dardurch,  wegen  der  Statt  Nördlingen,  fidy  felbfi
vnd  dero  Iohl:  Churfürftenthumb  und  Landtfchafften  entblöffen,  und  in
Gefahr  feßen  werben,  (inmaffen  danı  ver  euentus  folched  nachmal,
ipso  facto,  felbft,  euidenter,  in  dem  erwiefen,  daß  offt  befagte  Bran-Böflfche
  Armee,  ohngeachtet  fie  abermalen,  14  Tag  lang,  bloß  vnv
gang  onverfchangt,  in  offenem  Beld,  gelegen,  nit  allein  nit  attaquirt,
befonders  noch  8  Tag  bernah  Dündelsbühel,  fo  fich  verfelben  auff
Snad  vd  Bngnad  müffen  ergeben,  gleichfall®  nit  succurirt  worben)
mehrbefagte  Statt  Nörblingen  aber  für  fidy  felbften  folch  fürgebrochener
Nacht,  welche  in  NAugenfchein  vie!  gröffer,  ald  fie  wollen  befchrieben
werden,  befunden,  genugfam  zu  resistiren  nit  baftandt,  barzu  Fein
Pap-DOrth,  vor  welcher  fich  einiger  Keind  müßte  oder  Eöndt  auffgebalten,
  vnd  an  feinem  vorhabenden  march  verhindert  werden;  nit  weniger
die  fo  genandte  Neutralität,  befag  vorberegter  Relation,  pag:  10  &amp;amp;  11,
alfo  bewandt,  daß  fie  nit  in  perpetuum  &amp;amp;  cum  rejectione  superioris,
bejonderd  sine  ullo  nexu  obligationis,  confoederationis,  &amp;amp;  praejudicio
  def  Standd  vnnd  der  Pflichten,  damit  man  dem  Römifchen  Reich
zugetban,  geftellt,  vnd  bey  vberhandgenommenen  Notfland,  vnd  ges
brauchtem  Ernft,  Weib  vnd  Kinder,  neben  viel  taufendt  unfchuldiger
Chriften  Seelen,  vnd  eingeflobenen  Hoben  vnd  Niedern,  Geift:  pnd
Weltlichen  Standes,  vor  angetroheter  und  fichtbarlich  vor  Augen  gefchwebter
  jammerlicher  Blutftürgung  zu  erreiten,  die  Statt  vor  totalruin,
  dem  Romifchen  Neich  zum  beften,  nad)  Weltfündigem  Exempel
anderer  Vornehmer  Chur:  Burften  und  Herrn  Ständen,  neben  der
Guarnison  (da  fie  nur  gewolt,  vnd  nit  abfonverlich  für  fidh  felbften,
endtlich,  hetten  accordiren  wollen,  zu  saluiren,  bet  der  expresslicdh
reseruirten  Neichösubjeclion  zu  conseruiren,  und  daß  jenige,  Yvad
        <pb n="309" />
        293

widrigen  vnd  andernfalld  in  unzeblig  viel  Weg  zubefahren,  zu  praecauiren,
  vnd  alfo  nullo  alio  expediendae  salutis  relicto  medio,
periolilanti  patriae  zu  subveniren,  nothwendig  mutffen,  per  Accord,
acceplirt,  vnd  nit  Fünnen  repudijrt  werden.

18  wird  vber  oberzehlted  afled  gefragt,  Db  man  bey  referirtem
Notftand,  mit  Unnemmung  foldy  angebottener  Neutralitet,  verantivorts
lid)  gegen  ver  Rom:  Kayf:  Mapt:  BUnferm  Alfergnädigften  Herrn,  und
Dero  Armee,  vd  zumahlen  nit  wider  den  Anno  1641  ber  Neutralitet
halben,  fo  von  theild,  motu  proprio,  vhne  Not  wollen,  ambijrt  werden,
  gemachtem  Weichd-  Schluß  gehandelt,  oder  wider  obbabenve
Pflicht,  in  praejudieium  imperij,  was  fihäpliched,  oder  fträfliches  be»
gangen  zu  haben,  mit  fueg  rechtens  Fünne  angezogen,  ond  nit  vil  mehr,
vermög  aller  Geift:  Welt:  und  Natürlichen  Redıten,  muß  für  entfchuldDiget,
  vnd  vnfträfflich  gehalten  werben,  mit  Bitt,  vınd  Verfaffung
eines  in  Gotted  Wort,  und  den  Rechten  fundirten  Responsi,

2,

Welcher  geftalt  def  Heyl:  Neichs  Statt  Nördlingen,  von  def
Herrn  Louis  de  Bourbon,  Duc  de  Anguien  Altesse  &amp;amp;c.
Nach  dem  zwifchen  der  Chur  Bayrifchen  Neichs:  und  Königli:
chen  Srangöfifchen  Armeen,  den  24.  July  3.  Augusti,  vond
folgenden  frühen  Tags  vorgenommenem  ftardem  Treffen,  die
Neutralitet  anerbotten  worden,  gemelte  Statt  auch,  nach  befchebenem
  canoniren,  diefelbe  per  Accord  hierin  referirter
  maflen  angenommen;  Der  Warheit  zu  lieb  auff  das
Papier  gebracht,  vıd  andern  vngleichen  vd  widertigen  discursen
  entgegengefeßt,  Gedruckt  den  30.  July  9.  Augusti
Anno  1643.

Nachdeme,  Mittwochs  den  3;  Aug:  diefes  fortrudenden  45.  Jahre,
beeved  die  Chur  Bayr:  vnd  Brangöfifchen  Armeen  fich  mouirt,  einander
  an  der  Sehten  gefolgt,  vnd  in  dad  Rieß  gezogen,  fonverlich  aber
die  Sranköfifche  vie  Gegend  Walferftein  und  Nördlingen  gehalten,  und
ringd  umb  die  Statt  Hin  und  wider  flardf  parlirt,  mit  Plünvern  vieler
Ortben,  worab  der  Statt  Bopfingen,  nit  geringen  Schaden  gethon,
        <pb n="310" />
        294

vnd  groffen  Schreden  allentgulsen  verurfacdhet,  auch  noch  felbige  Nacht
ein  Trompeter  von  derfelben  vor  der  Statt  angelangt,  vorgebend,  an
ben  Rath  dafelbiten  Schreiben  zu  haben,  weldyem  aber  der,  auff
begehren,  in  die  Statt,  zur  Guarnison,  mit  300  Mann  eingenommene
Obrift  Lieutenandt  Beldin,  und  Statihauptmann,  weilen  er  vor  ber
porten  nit  geblafen,  einen  Berweiß  geben,  worauff  er  auch  ohne  ab»
gebung  bed  Schreibend,  wider  fortgeritten,  folgenden  Tags  bey  Ahlers
heim  aneinander  gerathen,  ond  biß  Abends,  gegen  Nacht,  ernftlid
getroffen,  alfo  vap  fich,  envlich,  befagte  Chur  Bayrifche  Armee  zurud«
gezogen,  die  Brangöfifche  auff  ver  Wahlftatt,  gegen  der  Statt  hermwärtß,
ftebend  geblieben,  Hat  der  sc.  Herog  von  Anguien,  de  andern  Tage
bernady,  abermal  ein  Trompeter  an  die  Statt  abgeorpnet,  mit  dem
Mindtlichen  bedeuten,  daß  ziveen  ded  Rath  zu  feiner  Altesse  follten
abgeorbnet  werden,  vmb  dero  Vorhalt  zu  vernehmen,  weldyer,  nad)
gepflogener  Rathbefchlagung  ,  dergeftalt  von  gedadytem  Obriften  Kieu&amp;gt;
tenanbt  Beldin  abgefertiger  worben,  daß  er  Commandant,  vnd  nicht  in
dep  Rachtd  Mädıten  ftände,  fich  etwas  zu  resoluiren:  Worauff  hodygedacht
  Ihr  Altesse,  den  27.  vorgevachten  Monatd  mit  dero  Armeen
auffgebrodyen,  bey  Löpfingen,,  ein  halbe  Stund  von  der  Statt  Nörb«
lingen,  ein  Zäger  formirt,  vnd  gleidy  folgenden  Tagd  wiederumb,  und
aljo  zum  brittemahl,  ein  Trompeter  mit  Schreiben  an  Burgermeifter
ond  Rath  mehr  befagter  Statt  abgefertiget,  darinnen  Er  derfelben  die
Neutralitet,  aud)  freyen  Aupzug  der  Guarnison,  vnd  fichere  derjelben
Degleytung,  vond,  insgemein,  mit  Ihr  ver  Statt  alfo  zuleben  ans
gebotten,  vaß  fernerer  ruin  verhütet  folle  werben,  weldyes  der  Rath,
in  Benfeyn  Herrn  Obriften  Lieutenandts,  vond  feiner  Officieren,  eröffnet,
  nach  vernonnmenem  Inhalt,  weilen  zugleich  ein  Geifel  mit  abge»
ordnet,  deliberirt,  vnd  in  bedacht  allgereit  3  Trompeter  abgefwidt
worden,  unnd  Die  Armee  nädjft  vor  der  Statt,  Ienianden  ad  audiendum
  et  referendum  abgeoronet,  welcher,  zu  feiner  Zurudfunft,  folgende
  vorgefchlagene  fchrifftlidhe  Buncten  mit  fich  gebracht.
        <pb n="311" />
        295
3.

Sp  zwifchen  Ihrer  Fürst:  Ducchls  dem  Herkogen  von  Angulen,

  &amp;amp;e.  der  Königlichen  Frausöfifchen  Armeen  in  Teutfch:

land  Generalissimo,  vıd  der  Statt  Nördlingen,  verglichen
vnd  eingegangen  werden  follen.  |

1)  &amp;amp;3  folle  mit  der  Statt  und  gangen  Burgerfchafft  in  Näörds
lingen,  eine  folcye  Neutralitet  von  vnnd  gehalten  und  eingegangen
werden,  wie  foldhe  mit  ver  Statt  Straßburg  gehalten  wird,  baß
nemlichen  gedachte  Statt  Fein  Guarnison  foll  einnemmen.

2)  Daß  fie  fo  viel  von  Bnferm  Vold,  als  jhnen  beliebig,  in  die
Statt  laffen  follen,  Und  daß  vnfer  Vold  alles  omb  feinen  Pfenning

3)  und  Belt  fauffen,  vnd  fonft  nicht8  gefolgt  werden  folle.

4)  .  Sodann  daß  alle  Inwohner  der  Statt,  fie  feyen  Stand8  meß
fle  wollen,  ihren  freyen  ond  fichern  Ein:  und  Ausgang  In  der  Statt,
ihrer  Nothourfft  und  belieben  nad),  haben  follen.

5)  Dap  die  von  der  Gegenparthey,  fo  fih  in  der  Statt  befinden,
fe  feyen  Hohen  oder  nievern  Stande,  Mann  oder  Weibsperfonen,
entweber  In  ber  Statt  verbleiben,  und  der  Neutralitet  genieffen,  over
aber  frey  ficher,  wohin  fe  beghren,  abziehen  Eünnen.

6)  Wa  die  Guarnison  betrifft,  fol  diefelbe  mait  allen  hoben  und
nidern  Officieren,  mit  Sad  und  Pad,  mit  brennenden  Zunthen,
und  was  ein  jever  an  profiandt  mittragen  mag,  außziehen,  und  auff
Thonaumwerth  beglegtet  werben,  ohne  Verlierung  einiges  Mannes,
oder  anderer  beyhabenven  Sachen.

Diemweilen  dann  diefe  Puneten  nit  gar  außer  acht  zu  Taffen
gewefen,  hat  gevachter  Rath,  ben  foldem,  Teyver  vberhand  genommenen
  Nothftand,  und  eylfertig  begehrter  resolution,  in  dem  aud)
wider  einen  fo  mächtigen  Exercitum,  vnd  beffelben  befandter  furie,
fih  auff  zu  Halten,  man  nit  baftandt,  und  wegen  deß  vertröfteten
zeitlichen  sucours  der  gangen  Armee,  vnd  daß  folcher,  under  andern
audy,  weger  vdeß  vberauß  flurden  Berluft3,  beever  Herrn  General-Veldmarfchalden,
  vermalen  nit  fügliy,  ohne  merflichen  Hazard,
Eönnen  Werkftellig  gemacht  werben,  angeflanven,  fonverlicy  aber,
noch  gröffer  Land=  und  Statt  verberben  zu  verhüten,  Welb  vnd
Kind,  neben  den  eingeflohenen  Bornehmen  Standtöperfonen,  Gräff:
        <pb n="312" />
        296

und  Noelichen  Sramenzimmer,  fampt  der  Statt,  dem  KHeyl:  Rom:
Neid)  zum  beflen,  zu  saluiren,  Ihr  immedietet,  vnd  freyen  Stand
zu  erhalten,  vnd  alfo  salutem  patriae  nach  Müglichfeit  zu  conseruiren,
  räthlicher  erachtet,  nadı  Erenpel  anderer  VBornehmer  Chur:
Bürften,  Herrn  und  Ständ,  der  vorwefenten  necessitet  vb  etiwad
zu  weichen,  vnd  fih  fold)  vortringender  Macht,  nach  geftalten
Dingen  zu  accommodiren,  danı  der  extremiteten  zu  erwarten,  vnd
joldye  Conditiones  einzugehen,  alddann  getrungen  zu  werben,  welche
vnaußbleiblidyen  total-ruin,  mit  mehrerm  deh  Neichd  DVerberben
und  Schaden;  nach  fich  ziehen,  vorab,  weilen  die  liebe  Krücht
meiftentheil8  noch  auff  dem  Feld,  die  ganze  Statt  aber,  durch  bie
langwirige  Kriegd  befchmwerdten,  bahin  gebracht,  daß  feine  Mittel
zu  erfinnen,  wann  ed  zu  einer  Canonade  follte  fommen,  wie
Sloden  und  Gefiyig  Eünten  redimirt,  vnd  andern  vnaußbleiblichen
fürtringenven  dependentien,  ohne  gängliche  euersion,  flatt  gethon;
geichwiegen,  daß  man,  auff  folchen  fall,  ftardfe  Befagung  einzunenmen,
  würde  getrungen  werben,  iweldyes  jo  wol  der  Statt  an  fid)
felbften  vnertragli,  al8  aud)  vem  gangen  Land,  Benad;barten  pnd
Angrängenden,  befehwer:  vnd  nachtheilig:  Soldyem  nad  vnd  auß
andern  mehr  bewegenden  Brfachen,  hat  vfftgevachter  Rath  mit
dem  Obrift  Lieutenandt,  ond  feinen  Officieren,  abermal  vertrewlich
conferirt,  und  nadhjtehenden  Oegenfaß  Legreiffen  laffen.

4.

Sp  ziwifchen  Ihrer  Hoch:Fürftl:  Durchl:  dem  Durchleuchtigften

Fürften  ond  Herrn,  Herrn  Louis  de  Bourbon,  SHergogen

von  Anguien,  Pair  de  France,  ete.  der  Königlichen  Fran:

Böfifchen  Armeen  iı  Teutfchland  Generalissimo,  etc,  vıd
der  Statt  Nördlingen  follen  verglichen  werden.

1)  E38  follen  Burgermeifter,  Rath,  und  gemeine  Burgerfchafft
ber  Stati  Nörblingen,  als  ein  freye  Neichs  Statt,  ond  Stand  dep
Nönifchen  Reichs,  bey  Ihrer  immedietaet,  Freiheiten  und  Pflichten,
damit  fle  vem  NRömifchen  Reich  beygethan,  allervingd  verbleiben,
darwider  im  wenigften  nit  befchiverbt,  vnd  in  jhren  priuilegien  und
        <pb n="313" />
        297

 

immunitäten,  vonnd  derfelben  hergebrachten  excrcilio,  fo  wol  in
politieis,  al8  Ecclesiasticis,  durdyauß  ohnangefochten  gelaffen,  ift
auch  ein  fulche  Neutralität  von  ong  derofelben  geftattet  worden,  daß
fie,  nemlich,  von  vnd  vnd  vnfern  confoederirten  Armeen  fein
Guarnison  einzunemmen,  folle  angehalten  werden.

2)  Daß  fo  viel  von  vnferm  Volk,  ald  jhnen  beliebig,  in  bie
Statt  lajfen,  vnıb  ihren  Pfenning  vnd  Gelt  darinnen  einzufauffen,
außer  ver  Bezahlung  aber  ihnen  fonften  nichtö  gefolgt  werden  folle.

3)  So  dann,  follen  alle  der  Statt  Einverleibte  und  Angehörige,
neben  ven  Teutfh:  vond  andern  Ordend=  vond  KaftensHäufern,  vond
berofelben  verorbnete  Eaftnern  und  Bflegern,  in  ihrem  Stand  vnd
Wefen,  wie  hergefonmen,  verbleiben;

4)  Dap  die  von  der  Gegen  Parthey,  fo  fid  In  der  Statt  befin«-den,
  fle  feyen  Hohen  oder  Niedern  Stande,  Gräff:  Apeliches
Bramenzinmer,  Geiftlich  oder  Weltlih,  wie  auch  alle  eingeflohenen
Inwohner  onnd  Schußverwandte,  niemand  außgefchloffen,  entweder
inn  der  Statt  verbleiben,  ond  der  Neutralität  genieffen,  ober  aber
frey  ficher,  wo  fie  hin  begehren,,  abziehen  mögen.

5)  Wa  die  Guarnison  betrifft,  foll  viefelbe  mit  allen  Hohen  und
Nievern,  wie  auch  Profiandt-Officieren,,  mit  Sad  und  Pad,  brennenden
  Xunthen,  Ober:  ond  Bnvergewöhr,  neben  ven  Gequetfchten
vnd  Kranden,  warn  fie  Eönnen,  außziehen,  vnd  auff  Thonamerth
fiher  begleitet  werden,  ohne  verliehbrung  einiged  Mannes,  oder
anderer  beb  fich  habenvden  Sachen.

3  hat  fidy  aber  ver  Obrift  Wachtmeifter,  welcher  fich  flard
vbermweint,  in  ber  Rathituben,  bei)  angeregter  biefer  conferentz,
dermaflen  importun,  vnbefcheiven,  ond  gang  furiös  erzeigt,  daß  er
endlich  auch  Ihne,  Obrift  Kieutenandt  felbften,  zum  böchften,  ohne
Vrfach,  offendirt,  in  despectirliche  Wort  wider  jhne  außgebrochen,
an  die  Haar  gegrieffen,  und,  in  funıma,  alfo  erwiefen,  daß  leichtlich
9108  Bnglüd  darauf  hette  erfolgen,  und  fle  beeverfeits  felbften  aneinander
  gerathen,  vnd  andere  ehrliche  Leuth  zugleich  mit  einbüffen
börffen,  worburch  verhindert  worden,  daß  bie  vorwefende  Tractaten
nit  Fönnen  noch  felbigen  Tags  fortgefegt,  funvern  vb  dilation,

"biß  folgenden  Dienftag,  müffen  gebeten  werben,  welches  aber  hödıgedachter
  Hergog,  ıc.  nit  zu  Taffen  wollen,  fondern  den  Trompeter
        <pb n="314" />
        298

zurudf  gefchleft,  mit  andeuten,  ob  man  der  Stud  wolte  erwarten  ?
Dene  Obrift  Rieutenandt  allein,  zimblich  fehndd  abgefertiget,  daß  er
mit  Kuglen,  vnd  Spig  vom  Degen,  feiner  wolte  erwarten,  aud)
gleich  varauff,  vd  vonder  foldhen  tractaten,  uhngeachtet  nody  Fein
hostilität  gegen  der  Statt  gebraucht  worden,  ftard  Yeror  geben
lafjen,  wordurdh  verurfacht,  daß  alfobalden,  und  Angejtchts,  die
gange  Armee,  gegen  berbeynahenvder  Nacht,  auff  die  Statt  auancirt,
biß  an  die  Gräben,  in  unglaublicher  gefchwinde,  approchirt,  bie
Stud  und  Böhler  nächft  Deininger  Thor,  ben  der  alt:  und  erft  vor
furger  Zeit  reparirten  Preflen,  allmo  die  Statt  anı  allerfchmächeften,
geftellt,  Zwifchen  Zmölff  und  Ein  Bhr,  mit  halben  Garthaunen
befchoffen,  unnd  weilen  ver  Orth  fchlechtlidh  verwahrt,  vnd  nichts
verbarot  gewefen,  gleich  ein  Loch  durch  die  Mamwr  gemacht  worden:
Bd  ob  zwar  durch  ein  PBoftillon  Ihr  Altesse,  etc.  noch  zu  wehren»
ber  Nachtö  Zeit,  underthänigft  gebetten  worden,  fernere  postilitäten
einzuftellen,  und  fich  biß  folgenden  Tag  zugebulvden,  wie  Sie  vann
darmit  wwag  innen  gehalten,  fo  feyn  Sie  doch  der  Porten,  an  biefem
Drtb,  fo  genam  gewefen,  daß,  ohne  allen  zweiffel,  folche  fchwerlich
mehr  nit  allein  nit  bette  Eönnen  genugfam  defendirt,  fondern  in
wenig  Stunden,  durch  Gefchug,  eröffnet,  vnd  die  ganke  Statt
jämmerlich  müffen  in  die  Afchen  gelegt  werden:  Ungefeben  bas  Bewrwerd
  und  die  Mörfer,  von  140  pfündigen  Granaten,  fertig  und  in
bereitfchafft,  aud)  an  veme  daß  fte  follen  108  gelaffen  onnd  angeziindt,
welches  alled  vunıb  fo  viel  defto  mehr  ohnzweifentlicdy  und  gewiß  hette
müffen  erfolgen,  mellen  die  Statt  nunmehr  von  etlidy  Jahren  bero,
wegen  Berfäugung  ver  Schöpffbrunnen,  groffen  mangel  ond  abgang
an  Waffer,  und  von  dem  eingeflobenem  Bawrägefind,  an  vnderfchienlich
  vielen  obel  verwahrten  Ortben,  mit  Sem  und  Stroh  ans
gefult,  aud)  die  gange  Statt,  in  24  Stunden,  zu  einem  Ktugelplag
zu  machen,  weder  Weib  noch  Kind  zu  verfchonen,  angeirohet  wor:
den,  ond  einig  fernere  dilation  nicht  zu  erhalten  gewefen.

Alfo  der  soldutescä  ;  jelbft  vorgefihlagene  conditiones  dep
völligen  freyen  Abzugd,  mit  Sad,  Pad,  Ober:  und  Bndergewöhr,
auch  Hinwegnemmung  anderer  Sacdyen,  vd  ficherer  Begleytung,
weilen  fie  foldye  außgeichlagen,  alled  auff  die  Spigen  gefeßt,  wnb
zur  Canonada  gelangen  lafjen,  aud)  reuoecirt  werben,  daß  aljv
        <pb n="315" />
        299

weder  befagte  Guarnison,  noch  der  Math,  felbiger  halben  nichts
weiters  erlangen  fönnen,  dann  daß  fte  fidy  alfobalden  von  den
Voften  folten  niachen,  vnd  auf  discretion  ergeben,  worvon  fi
felöften  guten  theild,  fonverlich  die  Frangofen,  vudergeftellt,  ıc.
Der  Statt  obgefegter,  Begrieff  aber,  auff  hohes  vnabläfliches
bitten,  endtlid)  confirmirt  ond  subscribirt  worden,  \pie  nachgefeßt
zu  erfeben.

d.

&amp;amp;o  zwifchen  Ihrer  Hocy:Fürftl:  Durchl:  dem  Durchleuchtigften

Fürften  ond  Herrn,  Herrn  Louis  de  Bourbon,  Herkogen

von  Angulien,  Pair  de  France  etc.  der  Königlichen  Frans

söfifchen  Armeen  tı  Tentfchland  Generalissimo  etc.  vd
der  Statt  Nördlingen  verglichen  worden.

1)  3  fullen  Burgermeifter,  Rath,  vund  gemeine  Burgerfchafit
der  Statt  Nördlingen,  ald  eine  freye  Reich8  Statt,  und  Stand  ded
Römifchen  Reiche,  beu  Ihrer  immedietaet,  Freyheiten  und  Pflichten,
banıit  Sie  dem  Römifchen  Reich  beygethan,  allervings  verbleiben,
barmwider  Im  wenigften  nit  befchwerbt,,  ond  in  jhren  priuilegien  vnd
immunitäten,  vnnd  derfelben  hergebradjtem  exercitio,  fo  wol  in
politicis,  al8  Ecolesiasticis,  durchauß  obnangefochten  gelaffen,  Ift
auch  ein  folche  Neutralität  von  und  derofelben  geftattet  worden,
daß  fie,  nemlich,  von  und  vd  unfern  oonfoederirten  Armeen  fein
Guarnison  einzunemmen,  folle  angehalten  werben.

2)  Dap  Sie  fo  viel  von  onferm  Vold,  ald  ihnen  beliebig,  in  die
Statt  laffen,  vomb  jhren  Pfenning  ond  Gelt  darinnen  einzufauffen,
außer  der  Bezahlung  aber  ihnen  fonften  nichtd  gefolgt  werden  folle.

3)  Sodann,  follen  alle  der  Statt  Einverleibte  und  Angehörige,
neben  den  Teutfch:  und  andern  DOrdend=  vnd  aftenhäufern,  vnd
derofelben  verorpnete  Saftnern  und  Pflegern,  in  jhrem  Stand  vnd
Mefen,  wie  bergefonmen,  verbleiben;

4)  Daß  die  von  der  Oegenparthey,  fo  fid)  in  der  Statt  befinden,
Sie  feyen  hohen  oder  nivern  Stands,  Gräff:  Apeliched  Iramwenzimmer,
  Beiftlich  oder  Weltlic),.  wie  auch  alle  eingeflohene  Inmwohner
  onnd  Schußverwandte,  niemanpfaußgefchloffen,  entweder  Inn
        <pb n="316" />
        300

der  Statt  verbleiben,  vnd  der  Neutralitet  genieffen,  uper  aber  frey
fiher,  wo  fie  hin  begehren,  abziehen  mögen.

Solches  alles  fteth,  vöft,  und  unverbrüchlidy  zu  Halten,  verfprechen
  Ihr  Hoch  Fürftl:  Durdhl:  bey  FKürftlichen  wahren  Worten.
Actum  den  8.  Augusti  Anno  1645.

(L.  S.)  Louis  de  Bourbon.

Par  Monseigneur
Girara.

6.

Messiers.  Mit  diefem  Trompeter,  veberfchiefe  Ich  den  Herrn
einen  Capitain  zur  Geifel,  mit  Bitt,  Sie  wollen  dergleichen  thun,  vnd
mir  auch  einen  vom  Rath  bergegen  zu  fehidden,  vmb  mit  venfelben  ver
Neutralität  wegen  zu  tractiren,  viejelbe  verfichernd,,  daß  Ich  vergeftalt
mit  Ihnen  zu  leben  begehre,  daß  Sie  ftch  nit  zu  befchweren,  vnd  die
geringfte  Unordnung,  oder  ruin  in  jhrem  Land  nit  zu  befürchten  haben
ollen.

Deffen  mich  gegen  ihnen  verlaffend,  verbleibe  Sch  Ihnen  mit
Gnaden  wol  beygethan.

Datum  im  Sauptquarlier  den  6.  Augusti  Anno  1645.
Der  Herrn
Breundtiwilliger
Louis  de  Bourbon.
A  Messiers
Messiers  Les  Bourgenmestres  et  senals
de  la  Ville  de  Nördlingen.

t,
Durchleuchtigfter  Herzog,  Gnäpdigfter
Ehurfürft  und  Serr.

Ew:  Ehurfl:  Drapl:  berichte  ich  hiemit  gehorfamb,  vaß  gleich
in  biefer  Viertel  ftundt  ein  Soldat  von  Ryrifchen  Regiment  vom  feindt
        <pb n="317" />
        301

hinveber  Fonıpt,  vnd  referirt,  baf  der  Magistrat  ond  Bürgerfchafft  zue
Nürlingen,  vnwißent  de  vom  Gill  de  Hasifdben  Regiment  zum  Come
menbanten  dahin  gefchidten  Obrift  Lieutenant,  und  feiner  Völder,  mit
dem  feindt  einen  fulcyen  Accordt  getroffen,  dag  heutt  Vormittags,  der
feindt  zu  Nürtlingen  eingezogen,  Er  der  Gilli  de  Hasifche  Obrift  Lieutenant
  aber,  mit  der  beh  fich  gehabten  Manfdyafft  abziehen,  und  die
Soldaten  fich  onderftoffen  Taffen  ınigen,  mie  ed  aber  mit  Ihne  Obrift
Lieutenant,  vnd  andern  officieren  gehalten  worden,  wiße  Er  Soldat
nit  zue  fagen,  Meldet  aber  dabey  foniel,  dag  fich  die  von  Nortlingen
vernebnien  laßen,  Sie  wollen  lieber  von  den  Srangoßifcben  leuth  einnehmen,
  als  fich  angetroter  Maßen  verbrennen  Taßen,  weilen  fich  dan
hier  durch  der  feindt  einen  vornehmen  poft  bemädhtigt,  end  Ihme  damit
einen  ftarden  fueß  gemacht,  worauuß  Er  mit  Prouiandt  und  andern  verfehen
  werben  fan,  So  habe  Ewer  Ehurfl:  Drohli:  Ich  foldyes  dabey
auch  gnedigft  berichten  follen,  daß  Ich  Ewer  gnebigften  beueldy  wegen
deß  Obriften  Manderdlo  empfangen  babe,  und  mir  eifferigft  angelegen
fein  lagen,  mie  er  Manvderdlo  dahin  zu  disponiren  were,  baß  er  mit
feinem  Regiment  bier  bey  der  Armada  verpleiben  möchte,  Weilen  aber
heut  nachmittags  der  General  Wachtmeifter  Miplingb  hiehero  Ehomen,
und  bey  Ihme  Manderölo  den  fortzogh  Inftendig  vrgirt,  fo  ift  Er
Manverslv  diefen  abendpt  mit  gevachtem  feinen  Megiment  fort  die
Thonamw  bin  vonder  marchirt,  vnd  hatt  fih  Hieruon  nicht  abwenden
lagen  wollen.  Ich  Habe  Ihne  aber  den  General  Wachtmeijter  Geihlingh
nachgefhict,  und  Ihne  zum  rud  Fehren  nochmahlen  erfuechen  Taßen,
wirbt  erd  nun  nit  thun,  werde  Ich  ihne  mit  gewalt  auffbalten  vnd  nit
fortgehen  Taßen,,  auch  wie  e8  befcheben  und  waß  weiter  erfolgt,  berichte
Em:  Churfl:  Drchlt:  Hernegft  underthenigft,  mich  zu  derofelben  beharlihen
  On:  geborfambft  empfeblend
Sigl:  Thonawerth  den  8  Augusti  Nacht  vomb  12  Uhr  1645.
Ew:  EChurfl:  Dralt:
onderthenigft  gehorfambfter
Diener  und  Knecht
Johan  von  Wörth.

In  diefer  ftundt  bringen  die  Ereisifche  Tragoner  noch  etliche
gefangne  ein,  weldse  gleicher  beftallt  berichten,  daß  Nörlingen  vebers
        <pb n="318" />
        302

gangen,  wie  aber  der  Accordt  getroffen  fönnen  fe  eigentlich  nicht
referiren;  So  vermeine  ich  aber  daß  die  bereitö  vor  einen  Monat  bei
den  Duca  d’Anguien  gewefen  und  mit  Ihme  accordirt  follten  haben.

=  —2.0.0

8.

Durchleücdtigifter  Churfürft,  Onedigifter
Herr  x.

Euer  Churfrl:  Drl:  gnebigfte  fehreiben  vom  5.  6.  ond  7.  haben
Mier  mit  onder  thenigifter  ehrerbiettung  erhoben,  Souill  die  50  Man
betrifft,  werben  Euer  Churfürftl:  Dr:  gnevigiften  befelch  zu  folge  des
Herrn  Herkogen  Bhilipp  Wilhelbmö  furftl:  DrI:  auf  dero  ferners  begehren
  veberfchifhen.  Daß  Harburg  nicht  befeget,  haben  Wier  nicht
anderft  gemeindt,  e8  mürde  ver  officier  mit  feiner  Manfchafft,  welchen
der  Veldtmarfcyhall  See  dahin  commandirt  Sich  annoch  darin  befunden
haben,  Bnd  ift  felbige  Manfchaft  nicht  von  der  Armada,  fondern  von
den  hießigen  Völfhern  gemwefen,  zwar  haben  Wier  alfobaldt  Nachvene
folche8  erfahren,  50  Man  hineinlegen  wollen,  in  deme  aber  foldye
Vianfhafft  vahin  commandirt,  ijt  eine  Barthey  vom  Yeindt  vurbey
gangen,  vnd  alf  Eheine  Befabung  darin  gefunden,  ver  ortt  alfobaldt
befeßt.  Daß  Salifche  Regiment  anlangendt,  werden  Wier  vonß  bie
Conseruation  deßen,  wie  audy  der  gangen  Armada  alles  fleißed  anges
legen  fein  laßen,  auch  dahin  feben,  damit  eine  von  den  uacirendten
chargen  mit  einem  tauglichen  Officier  wider  erfeßt  werde.

Maß  ded  Obriften  Mandelsioh  Regiment  betrifft,  tft  die  haldfcheidt
  depen  heut  nachher  Regenfpurg  fortgangen,  ber  Obrifter  aber
auf  Euer  Ehurfrl:  Drl:  gnedigiften  befelh  mit  vem  andern  halben  theil
alhier  bey  ver  Armada  verpliben.

Sonften  können  Euer  Ehurfrt:  Drl:  underthenigft  nicht  verhalten,
  daß  die  Statt  Mörblingen  ohne  Vorwißen  deß  daringelegenen
Officiers  den  Belndt  fich  ergeben,  vnd  nicht  geftatten  wollen,  daß  die
Soldaten  Sich  wehren  follen,  die  Officier  feindt  gefangen  genobmen,
die  Soldaten  aber  haben  Sich  ondterftellen  müeßen,  zu  beforgen  e8
bürffte  die  Statt  Blmb  ond  andere  Dertter  derfelben  folgen,  dahero
        <pb n="319" />
        303

MWier  fobaldt  die  requisiten  behyefchafft,  mit  ver  Armada  gegen  Nörblingen
  geben,  vnd  vnß  dem  feindt  nahen  werben,  Womit  zu  Euer
Churfrl:  Dil:  beharrlichen  Ehurfürftl:  Hulden  vnd  genaden  un  vnderthenigft
  empfehlen
Dat:  Thonawerth  den  9.  Aug.  1645.
Euer  Ehurfel:  Dri:
pndterthenigfte  gehorfambjte
Johan  von  Wort.
Ruischenberg.

9,
An  Wörth  und  Nuifchenberg.

Marimilian  ıc.

1)  Liebe  gethreue.  Wur  haben  eure  berichtfchreiben  vom  8.  und
9.  difß  empfangen,  ond  inhaltlich  mehrers  vernommen.
Nun  zweifln  mir  nit,  e8  werde  ber  Oberjte  von  Schle  ent-2)
  zwifchen  bey  euch  angelangt  fein,  ond  ihr  waß  miür  ihme  zuuerrichten
aufgetragen,  von  ihme  vernommen  haben,  mit  dem  ihr  nun,  waß
ein  ond  daß  anbermahl  vorfallet,  vleifjig  zu  conferiren,  vnd  euch
angelegen  fein  zulaffen,  vamit,  waß  alfo  in  feinem  beifein  verglichen
vnd  resoluirt  wirdet,  allzeit  gebirendt  exequirt  vd  ind  merk
gejezt  werde.
Daß  funften  beever  theil  general  Auditors  der  gefangnen
3)  halb  firderlidy  zufamen  Ehommen,  daran  gefhicht  wol,  und  habt  ihr
bie  fach  an  eurem  ortt  beuolhener  maffen  möglichft  zu  befirbern,
damit  hierinn  fehleinig  ein  ganzes  gemacht,  vnd  hierunder  nit  allein
unfere  in  Jungfter  occasion  bey  Allersheim  von  Reittern,  Iiragonern,
  Soldaten  zu  fucfß  vnd  artilleria  perfohnen,  fondern  auch  die
zu  Wimpfen,  Rottenburg,  Nörbling,  vnd  andermerttig  in  bed
feindtö  gerattne  Officier  vnd  Solvaten,  fo  bald  immer  möglich  auß-4)
  mwechfelt,  vnd  wider  berpber  gebracht  werden,  zu  welchem  ende  ihr
dan  die  zu  Amberg,  Memmingen,  Tonamwerth  vnd  anberwerttig
        <pb n="320" />
        304

 

—

vom  feindt  befindliche  gefangne,  fu  bald  man  der  außmweßlung  Halb
miteinander  einig  ift,  alßgleich  zufamen  bringen  zu  laffen,  Allein
meiln  wir  vernemmen,  baß  der  feindt  die  von  vnnfer  Arınaba  bes
5)  Ehonmmene  gemeine  Knecht  mehrern  theil  wider  ihren  willen  unders
gefkoffen,  So  Habt  Ihr  bey  den  traclaten  in  specie  auf  derfelben
augwechßlung  und  loßlafgung  begehren  und  inftendig  darauf  tringen
zu  laffen,  Bnd  ob  She  zwar  vorgeben  werden  oder  möchten,  daß
ermelte  Knecht  freymwillig  bey  ihnen  vndergeftellt,  So  ift  ihnen  aber
dagegen  zu  fagen,  daß  man  diffeitö  dad  widerfpul  ond  fouil  wol
wiffe,  daß  fich  vergleichen  alte  Knecht  nit  freymwillig  underftellen,
fondern  daß  fye  zu  dienen  gezivungen  worden  feyen,  mit  anbang,
meilln  viffeits  von  den  ihrigen  auch  vil  gemeine  Knecht  bei  onnp
gefangen  vorhanden  feyen,  daß  ihnen  die  anzahl,  welche  fye  von  ven
unnfern  ondergeftoffen,  von  den  ihrigen,  fo  bet  un  gefangen  ligen,
wider  erfößt:  oder  warn  wider  verfehen  etwaß  baran  abgehet,  die
ranzion  dem  vrtel  gemeß  erftatt  werben  folle,  vernmwegen  man  fich
6)  verfehen  mölle,  She  merven  vnfere  ondergeftoffene  nit  aufhalten,
auch  millig  volgen  laffen,  damit  mit  erbittung  beffen  nit  die  Außmwechßlung
  der  Dfficier  verhündert  werde.  Worauf  ihr  nun  den
General  Auditor  nottärfftig  zu  instruiren.
In  gleihem  gefhicht  wol  daran,  daß  ihr  eud)  die  Conser-7)
  uation  des  Salifchen  Megimentd  angelegen  fein  laft,  und  erfordert
die  boche  notturfft,  daß  die  vacirenvde  Officier  charge  mit  qualifieirten
  subiecten  firberlich  erfeßt  werde,  und  meilln  dad  Stallifche
Negiment  bei  ded  Dberften  gefangenfchafft  an  offieirn  gleichfahle
8)  mangl  hat,  So  habt  ihr  felbiged  Regiment  ebennieffig  in  guette
obacht  zu  nemmen,  und  euch  deffelben  conseruation  eiferig  angelegen
fein  zu  laffen.
Negft  difem  und  meil  die  unombgengliche  notturfft  erfordert,
9)  auch  die  ranzion  felbft  gibt,  daß  beede  General  Wachtmeifter  alzeit
zu  nacht  im  IÄäger  bey  ver  Heitterei  fid  befänden,  Al  habt  ihr
Ihnen  Grafft  dies  anzubeitten  und  daran  zu  fein,  vf  daß  fye  foldhes
fürterähin  in  gebirende  vbacht  nemmen,  fily  niemalen  dauuon  fepa--rirn,
  oder  im  haubtquartier  fchlaffen  oder  veber  nacht  bleiben,  welche3
  dan  vınb  fouil  mehr  die  notturfft  erforbert,  vf  daß  auch  vie
Heitter  defto  mehr  beifamen  gehalten,  und  daß  hodyjchenliche  auß--
        <pb n="321" />
        305

ftraiffen  praecavirt  werde;  man  Fan  ihnen  dannoch  wol  im  haubtquartier
  ein  quartier  assigniren,  damit  wan  fye  beim  tag  im
baubtquartier  zehren,  fye  accomodiert  feien.

Maß  fchliefßlidh  ver  Oberfi  von  Haflang  an  ung  gelangen
Iajfen,  habt  ihr  zu  mehrer  nachricht  ab  beiligenvder  Copi  zu
erfehen  onß  hierüber  euer  gutachten  zu  veberfchiden  oder  da  Periculum
  in  mara  ihme  feineö  vorhalt8  Halb  ordonanz  gleich  von  drauffen
zu  erthailen,  onß  auch  eur  meinung  zu  veberfhickhen,  ob  ihr  varfür
halt,  daß  Sailbronn  vnd  Rottweil  Jeziger  Zeit  zur  genueg  befezt
vd  verjichert  feie.

Daran  ıc.

Dat:  den  12  Aug:  645.

Nady  dem  Falle  Nördlingens  fohritt  Die  feindfihe  Armee
zur  Belagerung  von  Dinfelebühl,  welde  Stadt  nad)  harten
Drangfalen  am  24.  Auguft  in  ihre  Hänte  fiel.  Won  hier
wandte  fih  Eonde  rüdwartd  auf  den  Nedar,  um  wwenigftend
einen  fihern  Gewinn  dur  den  blutigen  Feldzug  erfauft  zu
haben,  fid)  des  Pafled  bei  Heilbronn,  nach  weldem  er  fdyon
früher  geftrebt,  zu  bemäditigen.  Aber  er  fand  den  Ort  hins
langlicy  bejegt  und  ©ewalt  war  nidt  anwendbar.  Heilbronn,
weldies  damald  ald  vie  Bormauer  von  Franken,  Schwaben
und  Bayern  betradytet  wurde  und  von  bdeffen  Befi  nad  dem
Ausfprude  Conde’3  aub  der  Miündend  abbing,  hatte  Mercy
mit  9  Compagnien  faijerliher  Dragoner  beiegen  laffen,  weldye
nody  überdied  vor  der  Allerheimer  Schladıt  mit  noh  5  Coms
pagnien  unter  dem  Obrijten  Krug  und  400  WMuffetieren  vers
ftärft  wurden,  fo  daß  fid)  die  ganze  Befagung  auf  1500  Mann
belief.  Den  Oberbefehl  über  viefelbe  führte  der  bayerifche
Dbrift  Graf  von  Fugger,  welder  fih  in  der  Edjladıt  bei
Freiburg  fo  ausgezeihnet  hatte.  Er  war  zu  einer  Fräftigen
Vertheidigung  des  ihm  anvertrauten  widtigen  Poftend  ent

Ihloffen  und  hatte  deshalb  die  Feftungswerfe  ausbeffern  und
erweitern  laffen.

20
        <pb n="322" />
        306

Bor  Heilbronn  angelangt,  iberließ  Eonde  dem  Mar:
fhall  Türenne  unter  den  mißlihften  Imftänden  dad  Heer
und  ließ  fi),  da  er  an  einer  Armwunde  und  einem  bigigen
Sieber  bevenflid  darnieder  lag,  in  einer  Eänfte  nad)  'Bhi«
lippeburg  tragen,  von  wo  er  zur  weitern  Genefung  auf  des
Königs  Geheiß  nad)  Franfreid  zuridging.

Der  Retter  ver  franzolifhen  Waffenehre,  ver  Eieger
von  Nördlingen,  welder  die  Niederlage  der  Edyweden  vom
Jahre  1634  gerät  zu  haben  fit}  vermaß,  pries  fid  glüdlid,,
daß  er  auf  eiliger,  Tag  und  Nadıt  fortgefegter  Reife  auf
Edjleidywegen  bid  zur  Grenze  entfam  und  nur  300  Mann  auf
dem  jähen  Witte  ihre  WBferde  verloren*.  Die  Vorhut  der
franzöftich  =  heififch-weimarifhen  Armee  war  am  21.  Auguft
über  Weinsberg,  Wojelbft  an  diefem  Tage  dad  Hauptquartier
war,  vor  Heilbronn  eingetroffen.  Am  folgenden  Tage  rüdte
auh  der  Sroßtheil  der  feindlihen  Urmee  heran  und  verfhanzte
  id,  in  den  Weinbergen.  Das  Lager,  weldhed  von
der  verbündeten  Armee  bezogen  wurde,  dehnte  fi  von
Bodingen  in  einem  weiten  Bogen  über  Trappenjee  und  dem
Eriftäberg  bi8  an  ten  Nedarsulmer  Weg  aud.  Die  Ber
fagung  madıte  Feine  Ausfälle,  weldhe  feinen  andern  Erfolg
hatten,  ald  daß  die  Gegend  von  den  erboften  Belagerern  nur
nody  mehr  verheert  wurde;  fie  riffen  alle  Pfähle  aus  den
Weinbergen  heraus,  „fraßen  forwohl  die  zeitigen  ald  die  unzeitigen
  Zrauben‘‘,  hieben  vie  Reben  und  die  Bäume  um  bie
Stadt  ab  u.  f.  w.  Die  Befagung  reiste  die  Feinde  nod)
dadurd,  daß  fie  eined  Tages,  ald  bemerft  wurde,  daß  im
Lager  ein  luftiged  Banfet  gehalten  wurde,  ranaten  in  jene
Gegend  warfen.  In  der  Nadıt  vom  3.  auf  den  4.  September
erhielt  die  Befagung  Verftärfung  und  Bulver;  Türenne  fah  die
Ehhwierigfeiten  ein,  die  Etadt  mit  Gewalt  zu  nehmen,  in  eine
lange  Belagerung  fonnte  er  fi)  aber  um  fo  weniger  einlaffen,
ald  das  Faiferlidybayerifhe  Heer  zum  utfag  anrüdte**).

*)  Barthold,  „Johann  von  Werth‘  166,  167.
”")  Martens  467.
        <pb n="323" />
        307

 

Der  bayerifhe  ©eneral  der  Kavallerie  Jean  de  Wörth,
weldyer  ald  der  Altefte  General  bid  zur  definitiven  Befeßung
der  durh  Mercey’s  unerfeglihen  Berluft  erledigten  Felbınar-(halsmwuürde
  den  interimiftifchen  Oberbefehl  über  die  Faiferlichbayerifhhe
  Armee  übernahm,  hatte  fi  nad  der  Allerheimer
Shlaht  nad  Donamvörtl;  gezogen.  Auf  diefen  Marfche
führte  er  die  Trophäen  ded  Tages,  nämlid  den  gefangenen
Marfhall  Grammont,  3  Kanonen  und  70  Fahnen,  foiwie
den  Leichnam  Mercy’s  mit  fih.  In  Donamvorth  angelangt,
Ihidte  er  den  Marfhall  Grammont  und  den  Leicdynam  des
bayerifchhen  Dberfeldherrn  nad  Ingolftadbt,  wofelbft  erfterer
in  fidyere  Haft,  leßterer  in  der  Etadtpfarrfirdhe  zu  St.  Morit
beigefegt  wurde.

Der  große  Kurfürft  Marimilian  I.  von  Bayern  hatte
unterdeffen  dem  jid}  bei  Donauwörth  zu  neuem  SKampyfe
rüftenden  Heere  einen  neuen  Dberbefehldhaber  in  der  Perfon
des  Grafen  von  Gleen,  welcher  deshalb  gegen  den  Marfdhall
Grammont  audgewechfelt  wurde,  gegeben,  obgleidh  der  General
der  Gavallerie  Jean  de  Wörth  nad)  dem  Dienftrange  ber
ältefte  General  war.  ein  zwar  tapferes,  aber  zu  ungeftümed
  Benehmen  in  der  Allerheimer  Scladht  hatte  gezeigt,  daß
ihm“  die  igenfdiaften  eines  Oberfeldherrn  mangelten.  Der
Seldherrnftab  in  den  Händen  eineds  Mannes,  wie  er,  war
ein  zweifchneidiged  Echwert,  welches  eben  fo  leidht  in  einem
gemagten  Ilnternehmen  den  glänzenbften  Eieg  davon  tragen,
als  den  bayerifhen  Staat  bid  tief  ind  Leben  hinein  verwunz
den  Fonnte.  Fehlte  ed  body  auch  dem,  vom  gemeinen  Neiter
aufgedienten  Krieger  an  jener  feinen  tactifhen  Ausbildung,
weldhe  in  einer  Kette  von  yerfönliden  Gefahren  nidt  zu
erringen  fand  und  der  “Berfon  des  zweiten  Yeldherrn  in
Deutichland  nidyt  mangeln  durfte  *).

Nahidem  fo  Marimilian  ale  Mittel  aufgeboten  hatte,
fein  eigned  Heer  auf  eine  refpectable  Stärke  zu  erheben,  bat
er  zugleih  den  Katfer  um  Unterftügung,  welde  ihm  aud)

*)  Darthold,  „Iohann  von  Werth‘  165.
20  *
        <pb n="324" />
        308

gewährt  wurde.  Der  Kaifer,  welder  gerabe  zu  biefer  Zeit
mit  dem  Fürften  Ragoti  Frieden  gefhloffen  hatte,  woburd
feine  Zruppen  in  Ungarn  disponibel  wurden,  fihidte  ein
5000  Mann  ftarfes  Gavalleriecorps  unter  dem  Crzherzoge
Leopold,  den  der  alte  Gallad  beigegeben  war,  zur  Ver:
ftärfung  der  Bayern  ab.

Nachdem  fih,  wie  fehon  erwähnt,  das  bayerifche  Heer
bei  Donauwörth  wieder  erholt  und  verftärft  hatte,  rüdte  es
unter  dem  Feldmarfhall  Grafen  Gleen  wieder  vor.  1lleber
Heivenheim  famen  die  Bayern  in  dad  Remethal,  jofort  über
Gmünd  und  Schorndorf  nad  Beuteldbah,  wo  dad  Heer  am
8.  September  ein  Lager  bezog,  aus  weldiem  ed  aber  bald
nad;  Waiblingen  und  Korb  z0g,  wo  ed  fih  am  10.  Eeptem:
ber  verfchangte.  Türenne  wartete  eine  weitere  Annäherung
der  Bayern  nidt  ab,  fondern  bob  am  14.  Eeptember  bie
Belagerung  von  Heilbronn  auf  und  rüdte  wieder  nah  Hall,
wo  er  am  17.  und  18.  Eeptember  in  den  Orten  des  foge:
nannten  NRofengartend  Duartiere  und  bei  Wejtheim  an  ter
Biber  ein  Lager  bezog,  in  welded  die  Etadt  Hall  neben
andern  Bedürfniffen  24,000  Pfund  Brod  nebft  vielem  Wein
und  Bier  liefern  mußte.  Die  Sranzofen  hauften  wieder  arg,
zerftörten  viele  Gebäude,  hieben  Bäume  um,  verderbten  bie
geldfrüdhte,  riffen  Trauben  ab  und  führten  eine  foldje  Noth
herbei,  daß  fie  enplidy  felbft  genöthigt  waren,  frepirted  Vieh,
fowie  Hunde  und  Kaben  zu  effen.

Das  bayeriihe  Heer  zog  wieder  im  NRemäthal  aufwärts
und  lagerte  bei  Zautern.  Bid  zu  Anfang  -ded  Monats  October
  verbhielten  fi  beide  Theile  ruhig.  Enblidy  aber  fegten
fib  tie  Bayern  in  Bewegung.  Bei  Ober-Eontheim  erreichte
ihre  DBorhut  eine  400  Mann  ftarfe  franzoiifch  =  [ymebifche
Abtheilung,  welde  einige  Gefhige  mit  fih  führte,  die  Mann
[haft  wurde  größtentheild  niedergehauen  oder  erfchhoffen,  dad
Gefhüg  mebft  den  daran  gefpannten  Dcdjfen  erbeutet.  Nun
brady  tad  franzofifhe  Heer  am  3.  October  vier  Etunden  vor
Naht  aus  der  Gegend  von  Hull  auf,  in  der  Ridtung  gegen
Wimpfen,  wo  ed  am  5.  und  6.  Drtober  über  den  Nedar
        <pb n="325" />
        309

ging;  am  10.  Detober  erreihte  es  Philippsburg*).  Das
bayerifhe  Heer  folgte  langfam  nad)  und  Fam  am  8.  und
9.  October  dur  Hal.  Am  10.  October  Famen  der  Erz
berzug  Leopold  von  Defterreih  (Bruder  Ferbinand’3  III.)  und
der  General  Gallad  mit  dem  ganzen  bayeriidien  Keere,  über
16,000  Mann  und  57(2)  Gefüge,  nah  und  nah  durd
Heilbronn.  Diefes  Heer  hatte  fo  viel  Troß  und  Gepäd  bei
fi),  daß,  nadhdem  dad  Heer  durd  die  Etadt  gezogen  war,
„zwei  Tage  lang  eine  Kutfhe,  ein  Wagen  und  ein  Troß
auf  den  andern  folgte,  und  das  Gefindel  dabei  fo  zahlreid
war,  mie  man  ed  noch  bei  feinem  andern  SHeere  gefehen
hatte”.  Das  Gepäd  ging  am  15.  October  gegen  Grlenbady
ab;  am  17.  Detober  zogen  nun  aud)  die  zwei  Dragonerregimenter,
  welche  in  Heilbronn  lagen,  weiter,  und  e3  blieben
nur  400  Mann  zu  Fuß  unter  dem  Oberftlieutenant  von
Plettenberg  ald  Belagung  dafelbft.  Befigheim,  wofelbft  Tü&amp;gt;
renne  eine  Fleine  Befapung  zurüdgelaffen  hatte,  wurde  am
7.  October  durd  die  SKalferlidien  und  Bayern  unter  bein
General  Sparr  berannt  und  fofort  befdjoffen,  worauf  die
Beinpung  am  10.  October  die  Etadt  übergab.  Das  Faifer:
lidy-bayerifhe  Heer  fhlug  die  Ridhtung  nad  Franfen  ein.
Ym  October  lagen  die  Fatferlihen  Truppen  eine  Zeit  lang
um  Dehringen,  dad  Hauptquartier  ed  Oenerald  Gallas  be:
fand  fih  in  diefer  Stadt.  Am  31.  October  zogen  die  bayerifhen
  Truppen  durd  Hall.

Hohentwiel  war  im  Jahre  1645  nicht  eingefchloffen
worden.  Wiberhold  Fonnte  daher  um  fo  ungeftörter  Die  gewohnten
  Etreifzüge  zur  @inteibung  von  ©eld,  Lebenämiiteln
und  andern  Bedürfniffen,  fowie  zur  Beläftigung  des  Feindes
unternehmen  laffen.  Es  fdeint,  daß  zu  Anfang  des  Jahres

%)  Jses  Marechaux  de  Turenne  et  de  Grammont,  dont  les  troupes
  etoient  inferieures  de  moitie  &amp;amp;  celles  de  l’ennemi,  prirent  le
parti  de  se  retirer,  passerent  le  Neckre  a  la  nage,  chaque  cavalier
portant  un  fantassin  en  croupe,  gagnerent  le  Rhin  en  diligence,  et
ne  erurent  point  leur  Armee  en  sürete,  quelle  ne  füt  sous  le  canonde
  de  Philisbourg.

Ramsay,  histvire  du  Vicomte  de  Turenne  I.  173.
        <pb n="326" />
        310

 

—.

eine  folde  ftreifende  Abtheilung  aus  Hohentwiel  bis  nad
Pfullingen  fam,  das  dortige  Edloß  Yplünderte  und  den  Forftmeifter
  erfhoß.  Ein  Verfud,  Radolfögell  zu  nehmen,  mißlang,
  dagegen  vertrieb  Wiperhold  am  17.  Februar  die  bayerifhe
  Befagung  aus  Luttlingen,  worauf  er  die  Pallifaden
ausreißen  und  bie  Thore  verbrennen  ließ.  Am  13.  April
ftreifte  eine  Abtheilung  bis  nad  Memmingen  und  am  4.  Zuli
eine  andere  gegen  Rottweil,  wo  an  jenem  Tage  300  bayerifche  Reiter
überfallen  und  ihnen  6000  Reidhsthaler  abgenommen  wurden.

Einen  größern  Etreifzug  unternahm  Wiverhold  felbft  zu
Ende  deds  Monats  Auguft  mit  ungefähr  300  Neitern  und
200  Mann  zu  Buß,  die  ihm  größtentheild  der  in  Breijad
ftehende  General  Erlady  zugefhidt  hatte.  Die  Drte,  durdy
Die  er  Fam,  wurden  mitteld  Androhung  von  Feuer  und
Schwert  gebrandfdanzt.  Tettnang  wurde  befonversd  hart  mit:
genommen  und  bad  darin  befindlidie  Haus  de3  Grafen  von
Montfort  verbrannt,  Buchhorn  wurde  ausgeplündert.

Anm  1.  Eeptember  befand  fid)  Wiberhold  in  Weißenau.
Am  2.  früh  z0g  er  an  dem  Echloffe  auf  dem  Veitsberg  bei
Navenöburg  vorüber;  der  Zandvogt  hatte  dafielbe  mit  17  Eoldaten
  und  einigen  Bayern  befegen  laffen,  die  auf  die  vorüber:
ziehenden  Truppen  Widerhold’3  feuerten.  Widerhold  ließ  feinen
Truppen  zwiihen  Ravensburg  und  Altdorf  ein  Lager  beziehen,
und  den  Prälaten  von  Weingarten,  der  fi  nad)  Ravensburg
geflüchtet  hatte,  unter  dem  Norwande,  mit  ihm  felbft  ver
Brandfhagung  wegen  unterhanveln  zu  wollen,  und  mit  der
Drohung,  daß,  wenn  er  nidt  fomme,  das  Klofter  Weingarten
  angeziindet  werde,  zu  fi  in  das  Lager  Fommen,
worauf  er  ihn  aber  ald  Beißel  mit  fi  nad  Hohentwiel
nahm  und  bis  zum  28.  Januar  1646  gefangen  hielt,  an
diefem  Tage  aber  gegen  Bezahlung  von  4000  Reidystiatern
und  gegen  Losfaufung  des  in  bayeriihe  Gefangenfhaft  ge:
tathenen  Keller  Etodinaier  von  Hohentwiel  frei  Tieß.

Diefen  Streifereien  Echranfen  zu  fepen,  war  der  Herzog
Urih  von  Wiürtemberg  (Bruder  des  regierenden  Herzogs
Eberhard  IIL),  welder  ein  bayerifhes  KReiterregiment  befehligte,
  in  die  Gegenden  des  Bodenfeed  gerudt,  nachdem  er
        <pb n="327" />
        ll

Ihon  am  19.  Auguft  die  Burg  Wehrftein,  oberhalb  Fiicdingen
in  Eigmaringen,  eingenommen  hatte.  Am  17.  Dctober  erließ
er  ein  „offened  PBatent”,  worin  er  fagt,  daß  er  nad)  Außer:
fter  Moöglichfeit  dahin  traten  werde,  dem  Hohentwieler
Feinde  und  deffen  auslaufenvden  Parteien  die  Epige  zu  madyen,
fie  zu  verfolgen  und  ihnen  Abbrud  zu  thun”.  Zugleich  verbot
  er,  weder  Geld  nad)  Anderes,  was  ed  immer  Namen
haben  möge,  dem  Feinde  nad)  Hohentwiel  zu  liefern.  E3
Fam  zwijchen  feinen  Leuten  und  den  Hohentiwielern  zu  Fleinen
Gefechten,  die  feinen  andern  Erfolg  hatten,  ald  daß  auf
beiden  Eeiten  einige  Mann  getödtet  und  gefangen  wurden.
Daß  dbrigend  deffenungeadtet  die  Hohentwieler  fortwährent,
jelbft  in  entfernte  Gegenden,  Etreifzgiige  madhten,  geht  daraus
hervor,  daß  eine  Abtheilung  derfelben  bei  Tübingen  den  Oberften
Eufdenring,  der  von  Freiburg  zum  bayerifchen  Heere  reifte,
gefangen  nahm.  MAIS  verfelbe,  nadyvem  er  fid)  bereits  ergeben
hatte,  fi}  wieder  wehren  wollte,  wurbe  er  niedergehauen.

Die  legte  MWaffenthat  in  diefen  Jahre  in  Würtemberg
war  die  Einnahme  ded  feiten  Scloffes  Hohen-Nagold;  fie
erfolgte  am  29.  November  durd)  den  bayeriihen  Yeldzeugmeifter
  Raufcdenberg  nady  Furzer  Belagerung.  Die  frangofifche
Befagung  erhielt  freien  Abzug  über  den  Rhein  *).

Nachdem  die  Failerlich-bayerifhe  Arınee  Dinkelsbühl,
Rothenburg,  Nördlingen  2.  wieder  in  ihre  Gewalt  gebradjt
hatte,  bezog  fie  Winterquartiere  in  Würtemberg  und  Franfen.
Sohann  von  Werth  lag  eine  Zeit  lang  in  Ghlingen.  Wußerdem
  blieben  Tübingen  (durd)  das  Negiment  ded  Herzogs
Urid  von  Würtemberg),  Reutlingen,  Urady  und  andere  Orte
befest.  Graherzog  Leopold  zog  fi  auf  Böhmen,  wo  bie
Ehweden,  nahdem  fie  Wien  und  die  Donau  aufgegeben,  auf
wenige  Drte  eingefchränft  waren.  An  Edluffe  diefes  Kelbzugd
  waren  den  Sranzofen  alle  gemachten  Eroberungen  biefleits
des.  Oberrheind  von  den  Bayern  wieder  entriffen  und  es  blieb
ihnen  nidts  davon,  ald  die  Erinnerung.  Marfhall  Türenne
beendigte  den  Feldzug  feinerjeits,  naddem  alle  feine  Interneh-*)

  Martens  467—470.
        <pb n="328" />
        312

—

mungen  gegen  die  Bayern  mißlungen  waren,  mit  der  Wieder:
einfegung  ded  Kurfürften  von  Trier.

ECeit  mehr  ald  zwolf  Jahren  war  Liefer  Fürft  wegen
feiner  Verbindung  mit  Franfreid  feiner  Etaaten  beraubt.
Der  Herzog  von  Rongueville,  ald  Bevollmädtigter  in  Münfter,
hatte  bei  Eröffnung  ded  Gongrefied  erflärt,  daß,  weil  ver
Krieg  wegen  des  Kurfürften  von  Trier  erklärt  worden  fei,
man  feinen  Friedensvorfhlägen  Gehör  geben  fonne,  fo  lange
diefer  Fürft  nicht  vollfommen  in  Freiheit  gefegt  fei.  Auf
diefe  Borjtelung  wurde  der  Kurfürft  feiner  Haft  entlaflen,
allein  feine  Staaten  gab  man  Ihm  nidt  zurüd.  Ziürenne
glaubte,  daß  nichts  die  Regentihaft  mehr  ehren  fonne,  ale
die  Wierereinfegung  eines  fo  treuen  Berbündeten.  Obgleich
über  40  Stunden  von  Trier  entfernt,  marfdirte  er  dennod
bei  einer  ftrengen  Kälte  gegen  diejfe  Stadt,  deren  fyanifche
Befagung  nicht  ftarf  war,  wie  .er  erfahren  hatte.  Er  ließ
einige  Truppen  zur  Beobahtung  der  Rheinübergänge  und  zum
Edupe  der  Bagage  zurüd  und  nahm,  um  fdhneller  marfdiren
zu  fünnen,  nur  fehr  wenige  Infanterie  mit  fih;  da  er  nod)
auf  einige  Bataillune  des  Herzogs  von  Enghien  zählte,  welde
mit  Grlaubniß  ded3  Königs  von  Meg  famen,  von  ıvo  gleide
fall8  einiged  Gefhüg  auf  der  Moiel  herabfam.  .Er  bemädytigte
  fi  aller  Drte,  von  wo  aus  die  Feftung  hätte  Ilnters
ftügung  erhalten  fünnen  und  fchloß  fie  am  14.  November  ein.
Auf  die  Nadıridt,  daß  fih  der  Feind  zufammenzuge,  um  fid
ver  Belagerung  zu  wiberfegen,  ließ  er  den  DOberft  Edhüß
über  die  Mofel  gehen  und  fdidte  ihn  den  Feinden  mit  den
Deutigen  entgegen.  Edhüß  trieb  fie  gänzlid  auseinander
und  hätte  fie  in  Etüde  gehauen,  wenn  fie  fih  nidt  in  das
Holz,  womit  das  Land  bevedt  ift,  geflüchtet  hätten.  “Der
Gouverneur,  ohne  Hoffnung  auf  Hülfe,  verlangte  zu  capitus
liven  und  ergab  fih  am  20.  November*).

 

x)  Ramsay,  histoire  du  Vicomte  de  Turenne  I.  176,  177.

——  —

Drud  ver  Teubner’fchen  Dffiein  in  Dreapen.
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        ÜBERALL  vox  TUTTLINGEN,

‚ISonember  197  J.

 

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        HOHENTWIEL  ım  JAHRE  1644.

 

 

 

 

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        SCHLACHTFELD  sei  FREIBURG.

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