Diese  Futtergerste  wird  auf  dem  Schiffahrtsweg  eingeführt
und  zwar  auf  Elbe,  Weser  und  Rhein  und  sie  wird  fast  ausschließlich
  in  Norddeutschland  verfüttert,  besonders  im  Grubengebiet,  wo
der  Bergmann  bei  seinem  Häuschen  1—2  Morgen  Feld  bebaut
und  einige  Schweine  im  Stalle  stehen  hat.  Aber  auch  in  bäuerlicher
  Wirtschaft  wird  im  ganzen  Norddeutschland  und  zum  Teil
Mitteldeutschland  viele  russische  Futtergerste  verfüttert.  Jetzt  fällt
die  Gersteneinfuhr  aus  und  darum  hat  sich  in  den  letzten  sechs
Wochen  bis  Ende  Oktober  eine  riesige  Nachfrage  nach  Gerste  bei
uns  in  Bayern  geltend  gemacht  und  zwar  waren  Käufer  Westdeutschland
  und  der  Rhein,  besonders  der  Niederrhein.  Große  Mengen
Gerste  sind  aus  Bayern  hinausgegangen.  Unsere  Brauereien  haben
anfangs  nach  der  Taktik  der  letzten  Jahre  zurückgehalten.

Man  hat  mit  dieser  Unterscheidung  der  Gerste  in  zweierlei
Sorten  in  Futtergerste  und  Braugerste,  für  welch  letztere,  d.  h.  also
für  die  Gerste  mit  68  Kg.  Gewicht  kein  Höchstpreis  festgesetzt
ist,  beabsichtigt,  die  Inlandsgerste  zwei  Verwendungszwecken  zuzuführen,
  die  Gerste  unter  68  Kg.  für  Zwecke  der  Versütterung  quszuscheiden
  und  die  Gerste  mit  mehr  als  68  Kg.  für  Brauzwecke  und
sonstige  industrielle  Zwecke  zu  reservieren.  So  steht  es  auf  dem
Papier.  In  der  Praxis  aber  ist  die  Sache  so,  daß  es  keinem  Bierbrauer
  einfallen  wird,  Gerste  über  68  Kg.  zu  einem  höheren  Preis
zu  kaufen.  Es  ist  dem  Bierbrauer  nicht  verboten,  auch  Gerste  unter
68  Kg.  zu  kaufen  und  man  könnte  das  auch  dem  Bierbrauer  gar
nicht  verbieten  und  vorschreiben,  denn  das  Hektolitergewicht  allein
ist  gar  kein  Maßstab,  um  eine  Gerste  als  gute  Brauware  zu  qualifizieren.
  Eine  Gerste  mit  geringem  Hektolitergewicht,  mit  einem
möglichst  hohen  Prozentsatz  an  mildmehligem  Korn  und  dem  geringsten
Prozentsatz  an  übergehenden  und  glasigen  Körnern  mit  65  Kg.  Hektolitergewicht,
  ist  eine  weit  bessere  Brauware,  als  eine  Gerste  mit
69  Kg.  mit  vielen  übergehenden  und  glasigen  Körnern.  Hochgewichtige
  Gerste,  aus  überwiegend  oder  durchwegs  glasig  bestehenden
Gerstensorten,  sind  zu  Brauzwecken  nicht  verwendbar.

Also  ist  diese  Unterscheidung  technisch  verfehlt.  Der  volkswirtschaftliche
  Zweck,  der  damit  erstrebt  wurde,  ist  also  ein  vollständiger
Versager.  Die  Rechnung  zahlt  der  Bauer.  Er  erhält  auch  für  die
beste  Brauware,  für  beste  Gerste,  auch  selbst  für  Gerste  mit  hohem
Hektolitergewicht,  heute  keinen  höheren  Preis  als  im  günstigsten  Fall
den  Höchstpreis,  ganz  gleich,  ob  es  sich  um  Futtergerste  oder  Braugerste
  handelt,  und  ganz  gleich,  ob  die  Gerste  63  Kg.  oder  70  Kg.