—  25  —

getreide  aus  Roggen  und  Weizen,  das  der  Bauer  in  andern  Jahren
verfüttert,  ebenfalls  durch  das  Verfütterungsverbot  ausfällt,  so  wird
bei  uns  in  Bayern  selbst  nach  Weihnachten  mit  jedem  Tag,  mit  dem
wir  mehr  ins  Frühjahr  hineingehen,  ein  starker  Mangel  an  Futter
sich  geltend  machen.  Ich  möchte  nur  noch  daran  erinnern,  daß  zur
Zeit  speziell  für  Fütterung  unserer  Schweine  noch  kein  Mangel  besteht.
  Wir  haben  eben  erst  die  Kartoffelernte  eingebracht.  Es  gibt
zur  Zeit  noch  Abfälle  anderer  Art  für  die  Schweine,  Rüben  u.  dgl.,
ebenso  für  Mastvieh.  Die  Kartoffelfütterung  läßt  aber  nach,  sobald
einmal  die  Frühjahrslüfte  wehen.  Wie  lange  aber  der  Krieg
dauert,  weiß  niemand.  Auch  hier  sage  ich  wieder,  besser  Vorsicht,
wie  Nachsicht.  Hier  ist  eine  Mahnung  am  Platz  und  ich  sage  deswegen,
  behaltet  eure  Gerste  und  rechnet  damit,  daß  sie  euch  als
Futtermittel  dienen  muß,  bis  hoch  in  den  Sommer  1915  hinein.
Der  Höchstpreis  für  Gerste,  wie  er  in  der  bundesrätlichen  Verordnung
  festgesetzt  ist,  ist  so  niedrig  im  Verhältnis  zu  dem  Preis  der
andern  Futtermittel,  daß  es  eine  Vorheit  ist,  wenn  der  Bauer
auf  der  einen  Seite  teure  Futtermittel  kauft,  die  viel  teurer  sind
als  die  Gerste,  die  er  zu  verkaufen  hat.  und  anderseits  die  Gerste
weit  billiger  verkauft.  Gerste  ist  ein  vorzügliches  Futtermittel.
Unsern  Bauern,  die  noch  selbst  Brot  backen,  möchte  ich  aber
auch  noch  eine  andere  Mahnung  ans  Herz  legen.  Macht  doch  einmal
  den  Versuch,  Gerste  zu  Brotgetreide  mahlen  zu  lassen.  In  allen
Ländern  des  Nordens  von  Europa,  besonders  in  Schweden  und
Norwegen,  Schottland  und  Irland  wird  Gerste  zu  Brotmehl  verarbeitet.
  Aber  auch  bei  uns  in  Bayern  gibt  es  Bezirke,  wo  jahraus,
jahrein  Gerstenbrot  gegessen  wird.  Die  Gerste  muß  in  diesem  Jahre
in  weit  höherem  Maße  als  sonst  zum  Zwecke  menschlicher  Ernährung
herangezogen  werden,  nämlich  zur  Herstellung  von  Malzkaffee  (der
in  den  übrigen  Jahren  ja  aus  russischer  Futtergerste  hergestellt  wird),
Graupen,  Grütze  und  Gries.  Nachdem  uns  eine  Reihe  von  exotischen
Suppeneinlagen,  wie  Sago,  Reis,  dieses  Jahr  teilweise  ausfallen  und
sehr  hohe  Preise  haben,  dient  die  Gerste  als  Ersatz.  Hier  ergibt  sich
nun  die  Tatsache,  daß  jene  Gerstensorten,  die  wegen  ihres  hohen
Stickstoffgehaltes  am  wenigsten  für  Brauzwecke  geeignet  sind,  nämlich
die  aus  vorwiegend  glasigen  und  übergehenden  Körnern  bestehenden
Sorten,  für  diese  Zwecke  wegen  ihres  hohen  Stickstoffgehaltes  am
geeignetsten  sind.  Die  bundesrätliche  Verordnung  nimmt  auf  diese
Verwendungsmöglichkeit  der  Gerste  gar  keine  Rücksicht.  Meine  feste
Uberzeugung  ist  es,  daß  es  notwendig  ist.  die  Gerste  aber  gerade