7

mus“  sind  Friedenshindernisse,  die  einer  Verständigung  mit  den
Völkern  unserer  Feinde  entgegenstehen;  werden  diese  Hindernisse
beseitigt,  verjagen  wir  den  Kaiser,  machen  wir  die  Republik,
legen  wir  die  Waffen.  nieder,  dann  ist  der  Friede  da;z  und  sollte
sich  eine  feindliche  Regierung  widersetzen,  uns  einen  ehrenvollen
Frieden  zu  gewähren,  so  wird  sie  von  dem  Sturm  des  solidarisch
sühlenden  Proletariats  hinweggefegt  werden!

Den  entscheidenden  Antrieb  haben  diese  Wahnideen  erhalten
in  den  parlamentarischen  Vorgängen  des  Juli  1917,  die  zu  der
vielberufenen  Friedensresolution  des  Reichstags
führten.  Von  den  Verhandlungen  des  Hauptausschusses  des
Reichstags  ausgehend,  erschütterte  zum  erstenmal  ein  heftiger
Stoß  das  deutsche  Vertrauen  in  die  Möglichkeit  des  Durchhaltens
und  verbreitete  sich  der  verhängnisvolle  Glaube,  daß  unsere
Feinde  für  eine  gütliche  Berständigung  zu  haben  wären,  daß  jedoch
unsere  heimischen  Gewalten  erst  noch  durch  den  Druck  des  Volkes
und  der  „Mehrheitsparteien“  des  Reichstages  zu  einer  solchen  Verständigung
  gezwungen  werden  müßten.  An  die  Friedensresolu--tion
  knüpfte  alles  weitere  an,  sowohl  die  defaitistischpazifistische
  Agitation  wie  auch  die  revolutionäre
Propaganda  in  Heimat  und  Heer.

Es  war  der  damalige  Abgeordnete  und  heutige  Reichsfinanzminister
  Erzberger,  der  den  ersten  Streich  führte.  In  der
Sitzung  des  Hauptausschusses  machte  er  am  6.  Juli  1917  den  im
Inland  und  Ausland  die  größte  Sensation  erregenden  Vorstoß,
der  dann  mit  der  Resolution  des  Reichstags  vom  19.  Juli  seinen
Abschluß  fand.  Herr  Erzberger,  dem  leider  vom  Kanzler  wie
vom  Auswärtigen  Amt  in  Dingen  der  auswärtigen  Politik  eine
Vertrauensstellung  eingeräumt  worden  war,  wie  sie  niemals  bisher
  ein  Außenstehender  gehabt  hat.  machte  diesen  für  die  politische
Führung  des  Krieges  so  folgenschweren  Vorstoß,  ohne  vorher  die
Reichsleitung  von  seiner  Absicht  zu  unterrichten,  ja  ohne  auch  nur
seiner  eigenen  Partei  diesen  Vorstoß  anzukündigen.  Dagegen
muß  hervorgehoben  werden,  daß  —  was  heute  in  Deutschland
viel  zu  wenig  bekannt  ist  —  Herr  Erzberger  seinen
Vorstoß  im  Einverständnis  mit  dem  Leiter
der  österreichischen  Politik,  ja  auf  dessen  Anstiften
  unternommen  hat.  Graf  Czernin  selbst  hat  in
einer  Rede,  die  er  am  11.  Dezember  vorigen  Jahres  zur  Rechtfertigung
  seiner  Politik  gehalten  hat  und  die  damals  in  dem