—  20  —

öffentlichung  Kenntnis  genommen  und  sie  als  richtig  bestätigt.
Daß  Herr  Erzberger  die  Friedensresolution  in  einer  unter
meinem  Vorsitz  stattgehabten  Konferenz  im  Reichsamt  des  Innern
  angekündigt  habe,  ist  gleichfalls  eine  glatte  Unwahrheit.
  Wenn  es  Herr  Erzberger  wünscht,  bin  ich  bereit,  auch
einen  stärkeren  Ausdruck  zu  gebrauchen,  so  daß  abermals
die  Möglichkeit  geschaffen  wird,  dem  unvereidigten
Herrn  Erzberger  vereidigte  Aussagen  gegenüberzustellen.
  «

2.  Die  von  Herrn  Erzberger  mit  abgegebene  Erklärung
des  Zentrums  im  Hauptausschuß  vom  7.  Oktober  1916
wagt  auch  Herr  Erzberger  nicht  abzuleugnen.  Aber  er  scheut  sich,
diese  Erklärung  —  obwohl  sie  ganz  kurz  und  lapidar  ist  —  seiner
Gemeinde  im  vollen  Wortlaut  mitzuteilen.  Er  unterschlägt
  nur  den  springenden  Punkt,  nämlich  den  Satz:

„Fällt  die  Entscheidung  für  die  Führung
des  rücksichtslosen  1.=  Bootkrieges  aus,  so
darf  der  Reichskanzler  des  Einverständnisses
des  Reichstages  sicher  sein.“

Mit  diesem  kleinen  Kunstgriff  verwandelt  er  die  Erklärung
des  Zentrums,  die  den  Reichskanzler  im  voraus  von  seiner  politischen
  Verantwortlichkeit  für  die  Eröffnung  des  rücksichtslosen
U-Bootkrieges  entlastet  und  damit  dem  Widerstand  des
Reichskanzlers  gegen  den  rücksichtslosen
U.  Bootkrieg  die  parlamentarische  Rückendeckung
  nahm,  —  in  eine  „verfassungstreu  und  sachlich  begründete
  wirksame  Unterstützung"  der  Stellungnahme
  des  Reichskanzlers  gegen  den  u-éBootkriegl!


3.  Herr  Erzberger  glaubt  meine  Stellung  zu  seiner
Politik  damit  erklären  zu  können,  daß  er  damals  schon  (im
Juli  1917)  „die  Entbehrlichkeit  Helfferichs  erkannte  und  dafür
sorgte,  daß  er  als  Vizekanzler  Herrn  v.  Payer  den  Platz  räumen
mußte“.  —  Es  widerstrebt  mir,  Herrn  Erzberger  auf  dieses  Gebiet
  zu  folgen.  Aber  Herr  Erzberger  irrt!  Meine  Liebe  zu  ihm
ist  viel  älteren  Datums  und  beruht  darauf,  daß  ich  früher  als
manche  anderen  seine  verhängnisvollen  Eigenschaften  erkannt
habe.  Wenn  ich  übrigens  dem  Beispiel  des  Herrn  Erzberger
folgen  und  politische  Handlungen  auf  persönliche  Motive  zurückführen
  wollte,  so  müßte  ich  ihn  an  die  letzte  Unterhaltung  er-