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Siegeszuversicht  infolge  der  Wirkung  des  U-Bootkrieges  wankend
geworden  und  Verständigungsgedanken  nicht  ganz  unzugänglich
gewesen  sei.  Lloyd  George  und  Ribot  hätten  im  Begriff  gestanden,
  nach  Rom  zu  reisen,  um  mit  dem  italienischen  Kollegen
die  Frage  eines  Verständigungsfriedens  zu  beraten.  Die  geplante
Reise  sei  aufgegeben  worden,  weil  durch  das  Eintreffen  österreichischer
  Nachrichten  die  Lage  sich  geändert  habe.  Der  Diplomat
hat  auch  verraten,  daß  der  Immediatbericht  Czernins  in  Paris
bekannt  wurde  und  in  den  amtlichen  Kreisen  frohes  Aufsehen
erregte.  Man  habe  danach  geglaubt,  daß  Oesterreich,  vielleicht  auch
Deutschland,  nahe  vor  dem  inneren  Zusammenbruch  ständen,
man  habe  geglaubt,  den  Sieg  in  der  Tasche  zu  haben,  und  habe
dementsprechend  den  Verständigngsgedanken  definitiv  fallen  gelassen.
  Sogar  der  Gedanke  eines  Sonderfriedens  mit  Wien,  auf
den  man  zeitweise  gehofft  habe,  habe  an  Interesse  verloren.  Man
habe  jeden  Monat,  fast  jede  Woche  den  Zusammenbruch  der  Mittelmächte
  fest  erwartet  und  habe  sich  deren  kraftvolle  Offensiven
im  Herbst  1917  und  im  Frühjahr  1918  gar  nicht  erklären  können.
Man  habe  vor  einem  Rätsel  gestanden.  —  Das  ist  begreiflich;
denn  die  Entente  konnte  die  Uebertreibungen  des  Czerninschen
Berichts  und  den  Zweck  desselben  nicht  übersehen.  Auch  Herr
Erzberger  konnte  das  nicht  und  hat  es  wohl  versäumt,  festzustellen,
  welche  Bewandtnis  es  mit  dem  Bericht  hatte  und  inwieweit
  er  begründet  war.  Beeindruckt  durch  die  pessimistische
Schilderung  scheint  er  geglaubt  zu  haben,  die  drei  bis  vier  Monate,
  die  der  Kaiser  Karl  angegeben  hatte,  beachten  und  den  Krieg
abblasen  zu  müssen.  Er  hat  die  Deutschen  entmutigt,  die  Gegner
aber  sehr  gegen  seinen  Willen  ermutigt,  mehr  als  das:  durch
die  unglückliche  Verwertung  des  Berichts  in
jener  Versammmlung  die  letzte  Chance  einer
Verständigung  vereitelt.  Nachdem  die  Engländer
das  Convoi-System  eingeführt  hatten,  verlor  der  U-Bootkrieg
  seine  volle  Wirkung,  die  Gefahr  war  für  England  vorüber,
Lloyd  Georges  Siegeszuversicht  war  vollkommen  wiederhergestellt,
  der  Entschluß,  den  Kampf  bis  zum  völligen  Siege  durchzuUführen,
  fester  denn  je.

Um  die  Angelegenheit  noch  klarer  zu  stellen,  kann  ich  es  nicht
vermeiden,  eine  Indiskretion  zu  begehen.  Graf  Czernin  hat  mir
gesagt,  ihm  sei  von  Verhandlungen  Herrn  Erzbergers  zur  Verhinderung
  verfrühter  Friedensschritte,  die  er  nie  beabsichtigt  habe,