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XIX.

Erzberger  contra  Erzberger.
(„Berliner  Lokal-Anzeiger“  vom  28.  Juli.)

Am  erfolgreichsten  kann  die  Geschichte  durch  Urkunden  gefälscht
  werden,  die,  ausihrem  Zusammenhang  gerissen,
  in  falschem  Licht  erscheinen.  Das  wird  durch  die  Vorgänge,
die  sich  am  Freitag  in  Weimar  abgespielt  haben,  in  geradezu
klassischer  Weise  bestätigt,  denn  die  Nationalversammlung  ließ
sich  durch  solche  aus  dem  Zusammenhang  gerissenen  Urkunden
zu  Entrüstungsstürmen  fortreißen,  die  unmöglich  gewesen
wären,  wenn  der  geschichtliche  Zusammenhang,  in  den  diese  Urkunden
  gehören,  den  mit  ungewöhnlich  schlechtem  Gedächtnis  ausgestatteten
  Volksvertretern  zum  Bewußtsein  gekommen  wäre.

Wir  wollen,  wie  wir  schon  ausgesprochen  haben,  die  Antwort
  des  Herrn  Dr.  Michaelis  auf  das  Schreiben  des  päßstlichen
  Nuntius  nicht  verteidigen.  Wir  können  aber  auch  diese
Antwort  nicht  verurteilen,  solange  nicht  das  Kernstück  der  Erzbergerschen
  Beweisführung,  der  Wortlaut  des  englischen
  Telegramms,  bekannt  ist.  Wir  können  das  um
so  weniger  angesichts  der  Außerungen  der  englischen  und  französischen
  Presse,  die  in  die  Zeit  zwischen  dem  30.  August  und  dem
24.  September  1917  fallen,  und  der  Reden,  die  von  englischen
und  französischen  Ministern  in  diesen  Wochen  gehalten  wurden.
Denn  wenn  man  diese  Außerungen  nachliest,  so  wird  man  zugeben
  müssen,  daß  kein  vernünftiger  Mensch  an  die
Aufrichtigkeit  des  englischen  Friedensangebotes
  glauben  konnte;  dafür  nur  einige  Beispiele.
Die  Times  schrieben  am  20.  September,  also  vor  der  Ablehnung
  der  Note  vom  30.  August  und  vor  der  Überreichung
der  am  19.  September  an  den  Papst  gerichteten  offiziellen  Note:

„Die  letzten  deutschen  Friedensmanöver  und  die  Andeutung,
daß  Deutschland  vielleicht  geneigt  sein  würde,  seine  Ansprüche
auf  Belgien  aufzugeben,  werden  in  maßgebenden  politischen
Kreisen  als  Beweis  für  die  wachsende  Überzeugung
unter  den  Deutschen  angesehen,  daß  der  Krieg  verloren
  sei  und  daß  Deutschland  alle  seine  Anstrengungen  darauf
  richten  müsse,  einen  möglichst  günstigen  Frieden  zu  er-5r

