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stelle  fest,  die  Reichsleitung  hat  für  mögliche  Friedensverhand—
lungen  freie  Hand.  Das  gilt  auch  für  Belgien.“

Herr  von  Kühlmann  aber  sagte  in  seiner  Besprechung
der  Antwort  der  Note  an  den  Kardinal-Staatssekretär  fast  dasselbe,
  was  Dr.  Michaelis  in  der  von  Erzberger  jetzt  belanntgegebenen
  Note  an  Pacelli  geschrieben  hatte,  daß  nämlich  der
tiefste  Grundgedanke  der  deutschen  Note  sei,  dem  heiligen  Vater
behilflich  zu  sein,  diejenige  Atmosphäre  zu  schaffen,  weiche  überhaupt
  für  eine  fruchtbare  Besprechung  der  zahlreichen,  die  Völker
trennenden  Streitfragen  unbedingt  nötig  sei.

Unter  den  Abgeordneten,  die  diese  Worte  hörten,  gab  es  nur
einen  einzigen,  der  Kenntnis  von  dem  englischen
  Angebot  hatte.  Dieser  eine  war  sogar,  wie  wir
aus  der  gestrigen  Erklärung  des  Dr.  Michaelis  wissen,  früher
als  die  Regierung  selbst  über  dieses  Angebot  unterrichtet  worden.
  Dieser  eine  war  der  Abgeordnete  Erzberger.
Wer  seine  Rede  vom  letzten  Freitag  gelesen  oder  gehört  hat,
muß  annehmen,  daß  er  in  jener  Sitzung  vom  28.  September
von  der  heftigsten  Entrüstung  über  die  Reden  Kühlmanns  und
des  Reichskanzlers  hätte  ergriffen  werden  müssen.  Was  aber
erklärte  Herr  Erzberger  nach  dem  anmtlichen  Bericht
über  die  Verhandlungen  des  Ausschusses  in  der  Erörterung  über
diese  Reden?  Er  beantwortete  die  Vorwürfe  eines  unabhängigen
Sozialdemokraten,  der  gegen  die  Regierung  ähnliche  Anklagen
erhob,  wie  der  Reichsfinanzminister  Erzberger  sie  am  Freitag  in
Weimar  erhoben  hat,  mit  folgenden  Worten:

„Ich  würde  es  für  falsch  halten,  wenn  durch  eine
weitere  Erklärung  der  Regierung  zur  Friedensfrage  ein  Schatten
  in  das  völlig  klare  Bild  hineingebracht  würde.  Die  Stellungnahme
  der  Regierung  ist  vollkommen  klar  und  ganz
einig  mit  der  Mehrheit  des  Reichstages.  Die
erfreuliche  Erklärung  des  Staatssekretärs  zeigt  deutlich,  daß  die
Regierung  eine  andere  Politik  als  die  des  Reichstages  nicht
haben  will.  Eine  Rückwärtsredigierung  (im  Sinne  der  Unabhängigen)
  würde  die  Unglaubwürdigkeit  und  Unzuverlässigkeit
der  Reichsleitung  in  einer  Weise  dartun,  daßein  ferneres
Verhandeln  mit  ihr  unmöglich  wäre.  Die  Antwortnote,
  der  man  zum  Vorwurf  gemacht  hatte,  daß  in  ihr
von  Belgien  rnicht  die  Rede  war,  enthält  alles.  Wer