—  79  —

Auffassung,  die  auch  späterhin  von  dem  Grafen  Hertling
und  Herrn  v.  Kühlmann  mit  Zustimmungderregie—
renden  Reichstagsmehrheit  unter  Führung
des  Herrn  Erzberger  vertreten  worden  ist.  Am
24.  Januar  1918  hat  Graf  Hertling  im  Reichstag  ausgeführt,
  solange  unsere  Gegner  nicht  die  Integrität
  unseres  Gebietes  als  die  einzig  mögliche
  Grundlage  von  Friedensverhandlungen
anerkennen,  müsse  er  eine  Vorwegnahme  der
belgischen  Frage  aus  der  Gesamtdiskussion  ablehnen.
  Und  noch  am  24.  Juni  1918  hat  Herr  v.  Kühlmann
  im  Reichstag  erklärt,  die  Unversehrtheit  des  Grundgebietes
  des  Deutschen  Reiches  sei  nach  wie  vor  eine  notwendige
Voraussetzung  für  die  Aufnahme  irgendwelcher  Friedensgespräche;
  der  englische  Vorwurf,  daß  wir  nicht  bereit  seien,  in
der  belgischen  Frage  öffentlich  Stellung  zu  nehmen,  sei  unberechtigt;
  wir  betrachteten  Belgien  als  eine  der  Fragen  in  dem  Gesamtkomplex
  und  müßten  es  ablehnen,  in  der  belgischen
Frage  „sozusagen  als  Vorleistung“  Erklärungenabzugeben,
  die  unsbinden  würden,ohne  die
Gegner  auch  nur  im  geringsten  festzulegen.

Wenn  im  September  1917  trotz  der  dem  spanischen  Vermittler
  gegebenen  Instruktionen  Friedensverhandlungen  nicht
zustande  gekommen  sind,  so  lag  das  nicht  an  Michaelis  und
Hindenburg,  nicht  an  Kühlmann  und  Ludendorff,
  sondern  einzig  allein  an  unsern  Gegnern,  namentlich  an
England,  das  keine  Friedensverhandlung,  sondern
  nur  einen  Diktatfrieden  wollte.

Und  wenn  England  mit  seinen  Verbündeten  damals  sicher  zu
sein  glaubte,  auf  einem  Diktatfrieden  bestehen  zu  können,  so  lag
das  in  erster  Linie  an  Herrn  Erzberger,  der  im  Frühsommer
1917  „im  Sinne  seiner  Auftraggeber“,  des  Kaisers
Karl  und  der  Familie  Bourbon-Parma,  Politik  auf
eigene  Faust  gemacht,  damit  die  damals  heranreifende
  Friedensmöglichkeit  zerstört  und  unsere
  Gegner  in  der  Ueberzeugung  von  dem  nahe
bevorstehenden  Zusammenbruch  der  Zentralmächte
  bestärkt  hatte.  .

Zu  der  Zeit,  als  nach  der  Erzbergerlegende  der  Frieden  um
den  Preis  von  Belgien  zu  haben  war,  erklärte  der  französische