Friedenssehnsucht  in  Rußland

„Die  Verteidigung  unseres  eigentlichen  nationalen
Vaterlandes  bildet  dıe  hauptsächlichste  Aufgabe  unseres
Krieges.  Die  provisorische  Regierung  überläßt  es  dem
Willen  des  Volkes,  in  enger  Gemeinsamkeit  mit  unseren
Verbündeten  alle  den  Weltkrieg  und  seine  Beendigung
betreffenden  Fragen  endgültig  zu  entscheiden,  hält  es
aber  für  ihr  Recht  und  ihre  Pflicht,  schon  jetzt  zu  erklären,
  daß  das  freie  Rußland  nicht  das  Ziel  hat,  andere
Völker  zu  beherrschen,  ihnen  ihr  nationales  Erbe  wegzunehmen
  und  gewaltsam  fremdes  Gebiet  zu  besetzen,
daß  es  vielmehr  einen  dauerhaften  Frieden  auf  Grund
des  Rechtes  der  Völker,  ihr  Schicksal  selbst  zu  bestimmen,
  herbeiführen  will.  Das  russische  Volk  erstrebt
nicht  die  Steigerung  seiner  Macht  auf  Kosten  anderer
Völker,  es  hat  nicht  das  Ziel,  irgendein  Volk  zu  unterjochen
  oder  zu  erniedrigen.“

Aber  obwohl  die  deutsche  und  die  österreichischungarische
  Regierung  in  offiziösen  Erklärungen  alsbald
von  dieser  Kundgebung  Akt  nahmen  und  deren  Übereinstimmung
  mit  ihren  eigenen  Absichten  feststellten,  kam
die  Sache  des  Friedens  nicht  vom  Fleck.  Auch  daß  die
deutschen  Sozialdemokraten  eine  Resolution  des  russischen
Kongresses  der  Arbeiter-  und  Soldatenräte,  die  am  14.  April
zugunsten  eines  allgemeinen  Friedens  ohne  Annexionen
und  Entschädigungen  gefaßt  wurde,  am  20.  April  mit  einer
Entschließung  beantworteten,  die  sich  für  das  gleiche
Ziel  aussprach,  blieb  ohne  Wirkung;  desgleichen  die

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