Die  polnische  Frage

gewährten  Markkredite  geradezu  vereitelt  worden.  Und
wenn  in  kritischen  Augenblicken  von  den  Österreichern
unsere  knappen  Bestände  an  Brotgetreide  und  Mehl  in
Anspruch  genommen  wurden,  so  mußten  wir  darauf
bestehen,  daß  in  Österreich  eine  ähnlich  straffe  Organisatıon
  der  Volksernährung  durchgeführt  wurde  wie  bei  uns;
denn  wir  konnten  es  vor  dem  eigenen  Volke  nicht  verantworten,
  seine  kargen  Rationen  noch  weiter  zu  kürzen,
um  die  Österreicher  vor  den  Folgen  ihres  Wirtschaftens
aus  dem  Vollen  zu  bewahren.  Aber  alles  das  ging  natürlich
  nicht  immer  ohne  Reibung  und  Verstimmung.

Die  polnische  Frage

Kompliziert  wurde  das  Verhältnis  vor  allem  durch  die
polnische  Frage.

An  der  Gestaltung  der  polnischen  Dinge  nahm  Österreich-Ungarn
  ein  ganz  besonders  lebhaftes  Interesse.  Im  österreichischen
  Staatsleben  spielten  die  Polen  infolge  des
unüberbrückbaren  Gegensatzes  zwischen  Deutschen  und
Tschechen  eine  hervorragende  Rolle:  die  Unterstützung
des  Polenklubs  war  für  jede  verfassungsmäßige  Führung
der  Staatsgeschäfte  eine  Notwendigkeit.  Darüber  hinaus
hatte  man  in  Wien  die  klare  Erkenntnis,  daß  Erhaltung
oder  Verlust  Galiziens  von  der  Lösung  der  Frage  abhänge,
was  aus  Russisch-Polen  werden  solle.  Die  Wiener  Politik
zog  daraus  die  Folgerung,  daß  sie  sich  für  die  Ordnung

4*  Helfferich,  Weltkrieg  III  49