Vom  U-Bootkrieg  bis  zur  Friedensresolution

sah,  daß  Polen  der  Wiener  Regierung  aus  den  Zähnen
gezogen  sei  und  wir  bei  allen  künftigen  Entschließungen
an  erster  Stelle  mitzusprechen  hätten.  Auch  der  Kaiser
sprach  sich  in  jener  Zeit  in  einem  Telegramm  an  den
Kanzler,  später  auch  persönlich  mir  gegenüber,  sehr  entschieden
  dahin  aus,  daß  von  jeder  Proklamation  einer
polnischen  Autonomie  vorläufig  abzusehen  sei,  hauptsächlich
  um  nicht  einen  Frieden  mit  Rußland  zu  erschweren.

Dagegen  drängte  das  Wiener  Kabinett  unausgesetzt  auf
einen  baldigen  Erlaß  der  Autonomieerklärung.  Es  fand
Unterstützung  in  deutschen  politischen  und  parlamentarischen
  Kreisen,  so  bei  gewissen  Abgeordneten  des
Zentrums  und  der  Freisinnigen  Volkspartei  —  ich  nenne
nur  die  Namen  Freiherr  von  Rechenberg,  Erzberger  und
Friedrich  Naumann  —,  vor  allem  aber  bei  dem  Generalgouverneur
  von  Beseler.  Der  Generalgouverneur  hoffte,
auf  Grund  einer  Autonomieerklärung  in  kurzer  Zeit  eine
ansehnliche  polnische  Armee  aufstellen,  ausbilden  und  im
Kampf  für  die  Unabhängigkeit  Polens  Schulter  an  Schulter
mit  den  Zentralmächten  ins  Feld  stellen  zu  können.
Angesichts  der  schweren  Kämpfe,  die  uns  für  das  kommende
Frühjahr  bevorstanden,  war  diese  Aussicht  für  die  Oberste
Heeresleitung  eine  große  Verlockung;  die  Oberste  Heeresleitung
  schloß  sich  dem  General  Beseler  an  und  forderte
eine  schleunige  Entscheidung.

Der  Kanzler  war  zu  der  Überzeugung  gekommen,  daß
ein  Separatfriede  mit  Rußland  auch  von  Stürmer,  der  im

52