Proklamation  des  Königreichs  Polen

      

Juli  Ssasonoff  als  Minister  des  Auswärtigen  ersetzt  hatte,
nicht  zu  erlangen  sei.  Alle  bisher  dem  Zaren  und  der
russischen  Regierung  auf  den  verschiedensten  Wegen  gemachten
  Andeutungen,  daß  wir  für  einen  billigen  Frieden
zu  haben  seien,  auch  die  Andeutung,  daß  eine  dem  russischen
  Interesse  Rechnung  tragende  Regelung  der  Meerengenfrage
  bei  unserem  türkischen  Bundesgenossen  zu
erreichen  sei,  hatten  kein  Ergebnis  gehabt.  Insbesondere
war  eine  im  Frühjahr  1916  durch  Vermittlung  eines
deutschen  Großindustriellen  und  des  japanischen  Gesandten
  in  Stockholm  gemachte  Sondierung  entgegen  der
getroffenen  Abrede  von  der  russischen  Regierung  alsbald
den  Ententeregierungen  mitgeteilt  worden.

Außerdem  war  Herr  von  Bethmann  von  der  Notwendigkeit
  und  Möglichkeit  der  Errichtung  eines  sich  an  die
Mittelmächte  anlehnenden  polnischen  Pufferstaates  überzeugt.
  Er  sah  die  große  Zukunftsgefahr  für  Deutschland
in  der  gewaltigen  und  auch  künftighin  weiter  wachsenden
russischen  Masse,  gegen  deren  Ansturm  wir  ein  politisches
und  militärisches  Vorfeld  schaffen  müßten.

Den  Ausschlag  dafür,  daß  die  im  Grundsatz  Mitte  August
in  Wien  vereinbarte  Proklamation  der  beiden  Kaiser  über
die  Errichtung  eines  selbständigen  Königreichs  Polen  nicht
länger  hinausgeschoben,  sondern  am  5.  November  1916  verkündet
  wurde,  gab  jedoch  das  Drängen  der  militärischen
Stellen.  Mein  Bestehen  darauf,  daß  vorher  zum  mindesten
zwischen  Österreich  und  uns,  womöglich  aber  auch  zwischen

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