Gegensätzliche  Interessen

Staat  aus  dem  Stadium  des  Programms  ohne  weiteres  ın  das
Stadium  der  Durchführung  hinübergeführt  worden.

Zu  dem  Nebeneinander  der  österreichischen  Verwaltung
im  Lubliner  Bezirk  und  der  deutschen  Verwaltung  im
Warschauer  "Bezirk  kam  nun  noch  das  Kondominium  der
beiden  Zentralmächte  beim  Staatsrat.  Die  Polen,  die  gar
nicht  genug  auf  dem  einmal  betretenen  Weg  des  Ausbaues
ihres  Staates  weiterdrängen  konnten,  hatten  die  schönste
Gelegenheit,  die  deutschen  und  die  österreichischen  Vertreter
  gegeneinander  auszuspielen.  Die  Verhältnisse  waren
bald  so  unerquicklich  wie  nur  möglich.

Es  wurde  im  weiteren  Verlauf  der  Dinge  immer  klarer,
daß  Österreich,  trotz  der  bei  den  Verhandlungen  vor  dem
Erlaß  der  Novemberproklamation  gegebenen  Zusagen,
auch  weiterhin  darauf  ausging,  sich  Polen  in  irgendeiner
Form  anzugliedern,  und  daß  es  für  diese  Lösung  in  Polen
selbst  eine  umfangreiche  Agitation  entfalten  ließ.

Zunächst  wurde  von  österreichischer  Seite  die  Ernennung
des  Erzherzogs  Karl  Stephan  zum  Regenten  und  späterhin
zum  König  von  Polen  eifrig  propagiert.

Über  diesen  Gedanken  wurde  in  den  ersten  Apriltagen
  1917  im  deutschen  Hauptquartier  zwischen  den
beiden  Kaisern  eine  Unterhaltung  geführt.  Nach  Wien
zurückgekehrt,  suchte  Kaiser  Karl  auf  dem  Wege  telegraphischer
  Korrespondenz  den  Kaiser  Wilhelm  auf  die
alsbaldige  Ernennung  des  Erzherzogs  zum  Regenten  und
seine  Designation  zum  König  von  Polen  festzulegen.

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